Hamlet von William Shakespeare. Königs Erläuterungen - Norbert Timm - E-Book

Hamlet von William Shakespeare. Königs Erläuterungen E-Book

Norbert Timm

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Beschreibung

Königs Erläuterungen - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Seitenzahl: 144

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 39

Textanalyse und Interpretation zu

William Shakespeare

HAMLET

Von Norbert Timm

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: William Shakespeare: Hamlet. Hrsg. von Holger Klein. Stuttgart: Reclam, 1993 (Universal-Bibliothek Nr. 9292).

Über den Autor dieser Erläuterung: Norbert Timm, geboren 1939, Studium der Anglistik, Geschichte und Publizistik in Münster; Schuldienst, 1975 Studienrat, 1979 Oberstudienrat, 1994 Studiendirektor; Lange Jahre in der Lehrerfortbildung tätig; 1991–93 Vorstandsmitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft Weimar; Veröffentlichungen besonders zu Shakespeare.

Hinweis: Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2012

ISBN 978-3-8044-6968-6

© 2012 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Laurence Olivier als Prinz Hamlet in der Verfilmung GB 1948 © Cinetext

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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Verknüpfungen zu den Online-Aufgaben Im Abschnitt 6 „Prüfungsaufgaben“ finden Sie einen Hinweis zu zwei kostenlosen zusätzlichen Aufgaben. Diese Aufgaben können über die Webseite des Verlages aufgerufen werden. Tippen Sie auf die Verknüpfung und Sie werden direkt zu den Online-Aufgaben geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. William Shakespeare: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Das Elisabethanische Zeitalter

Die Stellung der Kirche

Kulturelle Blütezeit in London

Entstehung des Theaterlebens

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Die Werke nach Gattungen

Zweifel an Shakespeares Autorschaft

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

Vorlagen

Entstehungszeit

Editionsgeschichte

3.2 Inhaltsangabe

I. Akt

II. Akt

III. Akt

IV. Akt

V. Akt

3.3 Aufbau

Die Grundstruktur der Handlung

Hamlet als Rachetragödie

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Das Königshaus

Hamlet

Claudius

Gertrude

Ghost

Das höfische Personal

Polonius

Laertes

Ophelia

Reynaldo

Studienfreunde Hamlets

Horatio

Rosencrantz & Guildenstern

Die Personen im gesellschaftlichen Kontext

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Prosa und Vers

Stilmittel

Monologe

Wortneuschöpfungen

3.7 Interpretationsansätze

Der politische Ansatz – Claudius, der Machtpolitiker

Hamlets „antic disposition“ – Wahnsinn als Waffe?

Hamlet und der Ödipus-Komplex

Der feministische Ansatz

4. Rezeptionsgeschichte

Shakespeare-Rezeption

Hamlet-Rezeption in Deutschland 1776 bis 2010

Wichtige Hamlet-Verfilmungen des 20. Jahrhunderts

5. Materialien

Die große Phase der Tragödien und Charaktere

Publikum und elisabethanisches Theater

Shakespeare in der Tradition der Moderne

Identitätsprobleme Hamlets im Zusammenhang mit seiner Familie

On Hamlet

Hamlet-Rezension aus dem Guardian 2008

Der Ödipus-Komplex und seine Bedeutung in Laurence Oliviers Hamlet-Verfilmung

Bertolt Brechts Vorstellung von einer gelungenen Shakespeare-Inszenierung

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4**

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Textausgaben

Sekundärliteratur/Deutsch

Sekundärliteratur/Englisch

Audiovisuelle Medien

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Shakespeares Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar.

William Shakespeare lebte von 1564 bis 1616, seine beiden wichtigsten Aufenthaltsorte waren Stratford-upon-Avon und London.

Seine Zeit wird das Elisabethanische Zeitalter (1558–1603) genannt, weil mit Elizabeth I. (1533–1603) eine große Persönlichkeit in England regierte. Ihr Titel lautete: Königin von England und Irland. Während ihrer Regentschaft erlebte das Land eine große kulturelle Blüte.

Die letzten Schaffensjahre William Shakespeares fielen in die Regierungszeit James I. von England (James VI. von Schottland). James beerbte die unverheiratete und kinderlose Elizabeth. Er war insofern der legitime Nachfolger, als er ein Urenkel von Margaret Tudor war. James war Sohn der berühmten Gegenspielerin von Elizabeth I., Mary Stuart, Königin von Schottland, die trotz der religiösen Neuorientierung Katholikin geblieben war. Sein Vater war Lord Darnley. Sein Titel lautete: König von Großbritannien und Irland.

Hamlet, eine der großen Tragödien Shakespeares, entstand  um 1600.

Erste belegte Aufführung im Juli 1602 in London.

Im 3. Kapitel wird eine Textanalyse und -interpretation angeboten.

Hamlet – Entstehung und Quellen:

Hamlet beruht höchstwahrscheinlich auf zwei Quellen:

Zum ersten bezieht Shakespeare sich wohl auf die Geschichte von Amlethus, Prinz von Dänemark, die in der Historia Danica des Saxo Grammaticus auf Latein erschienen war, die 1514 erstmals gedruckt wurde.

Möglicherweise konnte er zweitens auf einen sog. Ur-Hamlet zurückgreifen, der wohl in den 1590er-Jahren in London aufgeführt, aber nie als Text publiziert worden ist und daher wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Inhalt:

Das Drama umfasst fünf Akte.

Hamlets Vater, der König von Dänemark, ist tot. Als Geist erscheint er Hamlet und eröffnet ihm, dass er von seinem Bruder Claudius vergiftet worden ist und fordert nun von Hamlet, ihn zu rächen. Claudius hat inzwischen den Thron bestiegen und Hamlets Mutter geheiratet.

Um herauszufinden, ob der Geist die Wahrheit sagt und um seine Pläne besser verfolgen zu können, gibt Hamlet vor, wahnsinnig zu sein. Mithilfe eines Theaterstückes, das die Ermordung von Hamlets Vater wiedergibt, überführt er den König. Während eines anschließenden Gesprächs mit seiner Mutter ersticht Hamlet den heimlich lauschenden Hofsekretär Polonius. Dessen Tochter Ophelia, die gleichzeitig die Geliebte Hamlets ist, verfällt daraufhin dem Wahnsinn und ertrinkt in einem Bach. Polonius’ Sohn Laertes will den Tod seines Vaters und seiner Schwester rächen. Claudius und Laertes schmieden einen Plan, um Hamlet zu beseitigen: In einem Degenduell versucht Laertes, Hamlet mit einer vergifteten Degenspitze tödlich zu verwunden. Der Versuch gelingt, aber auch Laertes und die Königin kommen ums Leben. Hamlet tötet seinen Onkel, bevor er selbst stirbt.

Chronologie und Schauplätze:

Das fünfaktige Drama spielt sich innerhalb einiger Wochen ab. Der Schauplatz ist überwiegend das Schloss Elsinore in Helsingör (Dänemark), eine Szene spielt an der dänische Küste (IV, 4), eine auf einem Friedhof im Dorf (V, 1).

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Hamlet

melancholisch, nachdenklich, gebildet

gibt vor, wahnsinnig zu sein

zögerlich, aber manchmal auch unbeherrscht

Claudius

machtbesessen

argwöhnisch und gerissen

hinterlistig

Gertrude

besorgt um Hamlet

standesbewusst

Polonius

pflichtbewusst und unterwürfig als Berater

als Vater misstrauisch

schwatzhaft

Laertes

als Student strebsam

angepasst

einfühlsam als Bruder

Ophelia

gehorsam

verliebt in Hamlet

wird wahnsinnig und begeht Selbstmord

Horatio

bester Freund Hamlets

loyal

realistisch

Diese Personen werden später noch ausführlich vorgestellt.

Stil und Sprache Shakespeares:

Blankvers (jambic pentameter)

Prosa und Vers haben eine feste Verankerung in der Dramenstruktur

Bedeutende Monologe

Wortneuschöpfungen

Interpretationsansätze:

Der politische Ansatz – Claudius, der Machtpolitiker

Hamlets „antic disposition” – Wahnsinn als Waffe?

Hamlet und der Ödipuskomplex

Der feministische Ansatz

2.William Shakespeare: Leben und Werk

William Shakespeare 1564–1616 © Wikipedia

2.1Biografie[1]

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

26. 4. 1564

Stratford-upon-Avon

Taufe Shakespeares laut Taufregister; William Shakespeare wurde wahrscheinlich am 23. April geboren; sein Vater hieß John Shakespeare, seine Mutter war Mary Arden. Johns Beruf war Handschuhmacher, später wurde er Bürgermeister der Stadt Stratford.

ca. 1570–1581

Stratford

Shakespeares Schulzeit; man vermutet, dass William die Grammar School besuchte. Einzelheiten sind nicht bekannt. William lernte wohl Latein, aber nicht Griechisch, daher stammen seine Kenntnisse lateinischer Poeten, besonders Plautus’ und Senecas.

6–17

27. 11. 1582

Temple Grafton

William heiratet die acht Jahre ältere Anne Hathaway. Von Anne ist ansonsten nichts bekannt.

18

26. 5. 1583

Stratford

Tochter Susanna wird getauft.

19

2. 2. 1585

Stratford

Die Zwillinge Judith und Hamnet werden getauft.

21

ca. 1585–1592

unbekannt

Über diese sieben „lost years“ im Leben Shakespeares ist fast nichts bekannt.

21–27

ca. 1589–1591

London

Henry VI Teil 1, 2, 3

25/26

bis 1592

London

Shakespeare hat in der Londoner Theaterwelt große Bedeutung erlangt.

28

1592–1593

London

Richard III wird von Francis Meres[2] 1598 in seinem Werk Palladis Tamia erwähnt; erste Vorstellung am 30. Dezember 1593.

28/29

1593–1594

London

Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung) wird am 13. Juni 1594 zum ersten Mal aufgeführt, aber erst in der Folio-Ausgabe von 1623 gedruckt.

29/30

1594–1595

London

Love’s Labour’s Lost (Verlorene Liebes- müh) wird von Francis Meres er- wähnt.

30–31

1595

London

Shakespeare wird Mitglied der Theatergruppe Lord Chamberlain’s Men.Richard II erwähnt bei Francis Meres, Erstaufführung wohl am 9. Dezember 1595 in einem Privathaus in der Canon Row.

31

1595–1596

London

Romeo & Juliet (Romeo & Julia). Es gibt keinen Eintrag über eine Aufführung, es muss aber vor Erscheinen von Q 1 1603 häufiger gespielt worden sein.

31–32

1595–1596

London

A Midsummer Night’s Dream (Ein Sommernachtstraum)

31–32

1596

Stratford

Shakespeares Sohn Hamnet stirbt. Verleihung eines Wappens an seinen Vater John „wegen treuer Dienste des Urgroßvaters für Heinrich VII.“

32

1599

London Wilton House nahe Salisbury

Henry V mehrfach gespielt vor Erscheinen der Q 1, wahrscheinlich im neu erbauten Globe Theatre, da das „hölzerne O“ im Prolog erwähnt wird. Shakespeare beteiligt sich am Globe Theatre.Julius Caesar, aufgeführt am 21. September 1599 anscheinend im Globe Theatre.As You Like It (Wie Es Euch Gefällt)

35

1600–1601

London

Hamlet, mit Sicherheit im Juli 1602 aufgeführt. Veröffentlichungen: Q1, 1603, die sog. „schlechte Quarto-Ausgabe“, 1604 Q 2, die „gute“ Ausgabe. Die Quarto-Ausgabe von 1603 war knapp halb so lang wie die 2. Ausgabe von 1604.

36–37

1601–1602

London

Twelfth Night, or What You Will (Was Ihr Wollt), sehr wahrscheinlich 1601 im Whitehall Theatre und im Middle Temple am 2. Februar 1602 aufgeführt.

37–38

1603

London

Die Theatertruppe nennt sich nach der Thronbesteigung James I. nun The King’s Men.

1604

London

Othello wird am 1. November 1604 im „Banketinge House“ im Whitehall aufgeführt.

40

1606

London

King Lear wird am 26. Dezember 1606 vor dem König im Whitehall gespielt.

42

1606

London/Edinburgh

Entstehung von Macbeth, beurkundet aber erst am 20. April 1611.

42

1606–1607

unbekannt

Antony and Cleopatra (Antonius und Cleopatra), keine Aufführung aus dem 17. Jahrhundert bekannt; registriert am 20. Mai 1608; 1623 in der Folio-Ausgabe gedruckt.

42–43

1609–1611

London

Cymbeline, April 1611;The Winter’s Tale (Ein Wintermärchen) am 15. Mai 1611 und The Tempest (Der Sturm) am 1. November 1611

45–47

ca. 1611

Stratford

Rückkehr nach Stratford, wo er sich in den Jahren zuvor Häuser und Ländereien gekauft hat.

47

25. 4. 1616

Stratford

Beerdigung Shakespeares laut Eintragung im Kirchenbuch „Burial of Will. Shakspere, gent.“ Ob es das richtige Datum ist, kann leider nicht nachgewiesen werden.

52

1623

London

Shakespeares Freunde und Kollegen beim Schauspiel, John Heminge und Henry Condell, veröffentlichen die Folio-Ausgabe all seiner Dramen.

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Mit dem Sieg über die spanische Armada 1588 steigt England zur führenden Seenation auf: Entscheidende Seeschlacht bei Gravelines an der französischen Küste.

Die anglikanische Kirche setzt sich in England als führende kirchliche Macht durch mit dem König bzw. der Königin als geistliches Oberhaupt.

Kulturelle Blütezeit: Gründung von Schulen und Universitäten, Hochphase der feingeistigen Literatur; Autoren wie Ben Jonson, Thomas Kyd, Christopher Marlowe und Francis Bacon gehören neben William Shakespeare zu den bekanntesten Autoren in Europa; als herausragender Theaterunternehmer ist Philip Henslow zu nennen.

England macht sich Sorgen um die Nachfolge der unver heirateten Königin Elizabeth I. Sie stirbt 1603. Ihr Nachfol- ger wird der schottische König James VI. (dt.: Jakob VI.), der als James I. dann zusätzlich König von England ist.

Das Elisabethanische Zeitalter

Elizabeth I. war eine Tochter von Henry VIII. und Anne Boleyn. Während der Zeit ihrer Regentschaft (1558–1603) kam es zu großen Umwälzungen in Großbritannien und in ganz Europa. Die Reformation wurde weitergeführt, der frühmoderne Kapitalismus entstand allmählich und London wurde zu einer Weltmetropole.

Mit dem Sieg der englischen Flotte unter der Heeresleitung von Lord Howard von Effingham und Francis Drake über die spanische Armada 1588 bei Gravelines an der französischen Küste stieg England zur größten Seemacht der damaligen Zeit auf.

Im Inneren hatte Elizabeth Unruhen ohne größere Schwierigkeiten schnell beseitigt oder erst gar nicht zum Ausbruch kommen lassen. Sie hatte aber weiterhin mit den kirchlichen Problemen, die von ihrem Vater angestoßen worden waren, zu kämpfen. Der „alte“ römisch-katholische Glaube hatte immer noch seine Anhänger.

Als Shakespeare seinen Hamlet im Jahr 1600/01 verfasste, ging die Regentschaft der Königin Elizabeth I. langsam zu Ende. Obwohl Elizabeth I. 44 Jahre lang das Schicksal Englands lenkte, sagen Historiker, dass sie letztlich die Verantwortung dafür trug, dass England unregierbar wurde: “She quietly allowed England to become ungovernable.”[3]

Da sie nie verheiratet war und keine Nachkommen hatte, musste ein Nachfolger erst gefunden werden. Hinter den Kulissen hatte sich die königliche Regierung in London bereits auf einen Kandidaten geeinigt. Nach der Exekution Mary Stuarts im Februar 1587 wurde ihrem 21-jährigen Sohn James aufgrund seiner protestantischen Erziehung gleichsam zur „Beruhigung“ angedeutet, dass der „größte der glitzernden Preise“ – die Nachfolge „auf die englische Krone“[4] auf ihn fallen sollte, was dann nach Elizabeths Tod auch tatsächlich eintrat. Offiziell durfte über die Nachfolge der Königin nicht gesprochen oder geschrieben werden, da der Act of Treason von Cromwell, einem Minister aus der Zeit Henrys VIII. formuliert, im Jahre 1571 verschärft wurde. Niemandem war es nun gestattet, auch nur gedanklich über die Nachfolge der Königin zu spekulieren.

Die Stellung der Kirche

Henry VIII. hatte die Kirche Englands von Rom und damit dem Papst losgelöst und die anglikanische Kirche der englischen Krone unterstellt (Act of Supremacy). Elizabeth I. bekräftigte diese Suprematsakte, womit sie als Königin Oberhaupt des Staates und der Kirche war.

Die anglikanische Kirche war „the most powerful motor of Tudor domestic stability“[5] durch ein Buch, das allgemein Anklang in der Bevölkerung fand: das von dem Theologen Richard Hooker herausgegebene Die Gesetze der geistlichen Politik (Of the laws of Ecclesiastical Polity), in dem die Position der Kirche von England eloquent verteidigt und die Notwendigkeit einer staatlich-kirchlichen Ordnung im Lande zum Thema gemacht wird. Elizabeths Position als kirchliches Oberhaupt war damit abgesichert.

Kulturelle Blütezeit in London

London war um 1600 nicht nur zur größten Stadt Englands angewachsen, sondern durfte sich auch daran erfreuen, dass in seinen Mauern berühmte Poeten wohnten und arbeiteten.

Der vielleicht bekannteste Zeitgenosse Shakespeares war Ben Jonson (1572–1637), der nicht nur mit seinen Dramen Volpone (1607) oder The Alchemist (1609) Geschichte schrieb, sondern nach Shakespeares Tod einen berühmten Satz schrieb, der dem Genie des Barden huldigte: “He was not of an age, but for all time.” (Er war nicht nur für eine bestimmte Periode da, sondern zeitlos.)

Francis Bacon (1561–1626) hatte bis zum Jahr 1621 die politische Karriereleiter erklommen, wurde dann aber wegen Bestechlichkeit im Amt vor Gericht zitiert, schuldig gesprochen und zu einer Haft- und Geldstrafe verurteilt. Die Haft betrug nur vier Tage. Danach widmete sich Bacon der Literatur und Philosophie. Berühmt machten ihn seine Essays, zuerst 1597 veröffentlicht und 1625 in erweiterter Edition neu erschienen. Bekannt wurde auch seine Abhandlung The Advancement of Learning von 1605.

Als er in Highgate, dem heutigen Stadtteil von London, am 9. April 1626 starb, hinterließ er einen Schuldenberg von 22.000 Pfund.

Christopher Marlowe, im gleichen Jahr wie Shakespeare geboren, wird bis heute als sein größter Vorgänger bezeichnet, dessen Dramen Tamburlaine (1590), Doktor Faustus (1604; erst nach seinem Tod gedruckt) und The Jew of Malta (1633 gedruckt) zu seinen größten Werken zählen, die auch heute noch häufig auf den Bühnen der Welt gespielt werden. Im Jahr 1593 wurde er bei einem Streit in einem Pub in Deptford von seinem Bekannten, Ingram Frizer, erstochen. Trotz seines kurzen Lebens folgern Michael Dobson und Stanley Wells nicht zu Unrecht: “without Marlowe’s poems and plays the works of Shakespeare would have been different.”[6]

Thomas Kyd (1558–1594) lebte ein Jahr länger als Marlowe und ist letztlich aufgrund eines Dramas zur bekannten Figur geworden: The Spanish Tragedy von 1592 wurde über Nacht die bekannteste Rachetragödie in London und England. Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass er einen Ur-Hamlet geschrieben hat, der aber nicht gedruckt wurde und nur vage mündlich überliefert ist. Shakespeare muss diesen Ur-Hamlet vielleicht nicht nur gesehen, sondern auch als Inspiration für seinen Hamlet angesehen haben.

Philip Henslowe, ungefähr Shakespeares Zeitgenosse, starb auch im Jahre 1616 und kann ohne Einschränkung als der bekannteste „Dramaturg“ seiner Zeit angesehen werden. Vieles über das Theatergeschäft der Elisabethanischen Zeit stammt aus seiner Feder, sodass sein Wissen über diese Epoche durch seine Überlieferungen, in einer Art Tagebuch festgehalten, unbezahlbar ist.

Entstehung des Theaterlebens