Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Die 8jährige Hannah zieht mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder in eine alte Villa in der kleinen Stadt Neuenburg. Hier passieren merkwürdige Dinge. Alte Bilder tauchen auf dem Dachboden auf, Hannah findet geheimnisvolle Einträge in ihrem Tagebuch und auch im nahe gelegenen Kinderheim gilt es, ein Geheimnis zu lüften. Gut, dass Hannah die Zwillinge Niklas und Anna sowie deren Opa Gustav kennen lernt. Die drei und die kluge Tante Henny helfen ihr, die Rätsel in Neuenburg zu lösen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2024
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Hannah und das Geheimnis der Bilder
Hannah und der Schatz im Kinderheim
Hannah und der Geist im Garten
Liebes Tagebuch!
Papa hat einen neuen Job angeboten bekommen. In einer Stadt, weit weg von Berlin. Neuenburg. Kennt doch kein Mensch! Aber Mama und Papa reden seit Tagen von nichts anderem.
Papa ist Richter. Mama ist auch Richterin, aber sie ist meist zuhause. Mit uns hat sie genug zu tun, sagt Papa.
Meine Eltern meinen, das ist eine große Chance für Papa. Besserer Status und mehr Geld.
Ist mir egal, ich glaube, uns geht es doch gut.
Meine Eltern haben immer Geld – für Essen – und auch für Urlaub. Ich und mein Bruder haben beide ein eigenes Zimmer. Meins ist rosa gestrichen. An der einen Wand habe ich Lampen, die wie Blumen aussehen. An der anderen Wand steht mein Bett. Das ist aus weißem Holz, darüber hat Mama einen Himmel gespannt, aus rosa und hellblauem, durchsichtigem Stoff. Da fühle ich mich manchmal wie eine Prinzessin. Aber eigentlich bin ich mit fast 9 Jahren dafür schon zu alt.
Max – mein Bruder, hat auch ein eigenes Zimmer, aber nicht so schön, wie meines. Der wollte alles in blau – blaue Wände, blauen Teppich, selbst die Bettwäsche ist blau. Na ja – Jungszimmer eben! Also alles ist richtig schön, ich glaube, wir sind nicht arm.
Und auch Oma und Opa bekommen doch oft was Schönes geschenkt.
Reisen zum Beispiel.
Oma und Opa sagen immer, sie müssen sparen. Mama sagt, das ist Quatsch – die sind nur geizig...
Jedenfalls soll ´s morgen losgehen – wir schauen uns ein Haus in Neuenburg an. Eigentlich will ich hier ja nicht weg. Aber ein bisschen gespannt bin ich trotzdem. Es soll ein altes Haus mit „Geschichte“ sein. Ein „Denkmal“, sagt Mama. So was bekommt man nicht jeden Tag angeboten. Papa ist wohl nicht so begeistert. „Einen Haufen Arbeit wird ´s machen, die alte Hütte“, hat er gesagt.
Aber trotzdem. Morgen fahren wir dorthin. Tante Henny wartet dort auf uns. Die soll auf Max aufpassen. Max, mein Bruder, ist erst 3 Jahre alt, der bekommt von alledem noch nichts mit.
Ach ja, ich bin Hannah, ich gehe in die 2. Klasse. Mir gefällt es auch hier alles sehr gut, eigentlich will ich auch nicht weg. Aber Tante Henny wohnt in Neuenburg, auf die freue ich mich. Die ist immer so nett und weis ganz viel über frühere Zeiten und kann tolle Geschichten erzählen. Tante Henny hat eine ganz tolle Wohnung, an den Decken sind Muster und Blumen - Stuck nennt man das, sagt sie. Sie hat auch noch richtig alte Möbel. Und überall Teppiche, fast wie im Märchen. Ich war schon ein paar Mal zu Besuch bei ihr. Das ist immer ganz toll.
Tante Henny hat auch zwei kleine Kanarienvögel. Die sind lustig, sie flattern durch die ganze Wohnung und manchmal kacken sie auf die Gardinenstangen. Da kriegt Tante Henny immer einen mittleren Wutanfall. Aber ich glaube, sie ist nicht ernsthaft böse, ich denke, sie mag die beiden Vögelchen ganz doll. Von daher – wird bestimmt wieder ganz schön morgen!
Also kuschele ich mich jetzt in mein Bett und freue mich ein bisschen auf morgen!
Ziemlich zeitig wird Hannah am nächsten Morgen geweckt: „Hannchen, aufstehen“, flüstert die Mama Hannah ins Ohr.
Hannah ist noch furchtbar müde. Sie konnte gestern Abend lange nicht einschlafen. Wie wird es sein, in Neuenburg? Wie wird das Haus aussehen? Wenn wir da wirklich hinziehen – würde sie da Freunde haben, so wie jetzt in Berlin? Wie wird die neue Lehrerin sein?
All das ging Hannah vorm Einschlafen noch im Kopf herum.
Alles Murren nützte nichts, die Eltern wollten los. Also Zähne putzen, anziehen und ab ins Auto. Frühstück gab ´s an der Raststätte.
Während Hanna friedlich auf dem Rücksitz des Autos vor sich hin döste, machte Max ganz schön Theater. Mal wollte er spielen, dann wollte er ein Märchen hören, dann musste er mal. Der Vater parkte auf dem Randstreifen, da wollte Max aber nicht – dann doch.
Na ja, irgendwann waren sie dann endlich in Neuenburg angekommen. Hannahs Vater hat sich erst mal verfahren, die Mutter schimpfte, er solle sich nicht so aufregen, sie hätten ja schließlich Zeit und er müsse doch nur mal jemanden fragen.
Vater motzte, es ist ja in dem verlassenen Nest kein Mensch auf der Straße, wen soll er dann denn fragen.
Trotzdem kamen die Schillers dann doch recht schnell am neuen Haus an. Es wartete schon ein fein gekleideter Herr auf die Familie. Der Vater meinte, das ist der Makler, der Schreiber, so heißt der wohl. Frau Schiller war beeindruckt, er war gut gekleidet und hatte „Manieren“. Vater entgegnete schnippisch, das sei kein Wunder – so viel Geld wie der den Interessenten aus der Tasche zieht – die Mutter schnauzte ihn an, er solle sich endlich mal benehmen.
Hannah stand vor dem alten Haus und fand es wunderschön. Wie ein Märchenschloss hatte es Verzierungen an den Fenstern. Es war riesengroß. Das war schon wie ein richtiges Schloss – mitten in der Stadt. Es hatte tolle Türen, ganz verziert mit Schnitzereien und riesengroß. Sie wollte am liebsten sofort reingehen – hier würde sie sich fühlen, wie eine richtige Prinzessin! Rundherum war ein kleiner Garten mit ganz vielen Rosenbüschen. Hannah fand ´s sofort toll. Ihre Mutter auch, aber der Vater meine, sie sollten doch endlich mal reingehen. Da würden sie wohl „wieder auf den Boden“ zurückkommen.
Drinnen angekommen erwarteten Hannah und ihre Eltern alte Räume, hoch und umrandet von wundervollem Stuck. Dunkles Parkett war im ganzen Haus ausgelegt. Es gab unzählige Zimmer. Alles war verwinkelt, in jeder Ecke gab es irgendetwas zu entdecken.
Hier war ein Kachelofen, dort ein Kamin, da noch eine Tür, die zu einer kleinen Kammer führte – Hannah stellte sich vor, wie wohl früher hier die Kinder gewohnt haben, sicher hatten sie Dienstmädchen, die immer zur Stelle waren, wenn etwas gebraucht wurde. Und sicher haben die in den zwei kleinen Kammern, die es am Ende des Flures gab, gewohnt. So schön wie Hannah die Vorstellung fand, dass hier früher vielleicht Prinzessinnen gewohnt haben, so leid taten ihr die Dienstmägde – die Kammern waren wirklich winzig und hatten nur ein sehr kleines Fenster. Total ungemütlich, fand Hannah.
Herr Schiller musterte jede Ecke der Wohnung. Und auch jede Ecke im Obergeschoss. Schließlich sollte diese Wohnung vermietet werde, wenn sie dann mal renoviert war.
„Das ist es!“, rief Hannahs Mutter. „Genau das habe ich mir immer gewünscht!“. Der Makler strahlte, Hannahs Vater runzelte die Stirn. „Marlene, weist du wie viel Geld wir hier noch reinstecken müssen? Wir leben monatelang auf einer Baustelle. Ich muss im August hier anfangen zu arbeiten. Du müsstest dich um alles kümmern. Willst du das?“ Frau Schiller wollte. Sie war, genau wie Hannah, hin und weg von dem alten herrschaftlichem Haus. „Das machen wir schon“, beruhigte sie ihren Mann, der immer noch sehr, sehr skeptisch dreinschaute. „Na ja – darüber reden wir noch mal“, meinte er. Aber er wusste, den Kampf hatte er verloren. Wenn die Frauen in seiner Familie sich einmal was in den Kopf gesetzt hatten, dann wurde das auch durchgezogen. „Die Frauen“ strahlten mit der Sonne um die Wette. Sie hatten ihr Traumhaus gefunden.
Tante Henny war damit beschäftigt, Max bei Laune zu halten. Max war es völlig egal, wo er wohnen sollte, Hauptsache, er war beschäftigt. Max im Zaum zu halten war nicht leicht für Tante Henny. Sie war eine alte Dame, ihre Ruhe gewohnt, hatte sie zu tun, Max hinterher zu rennen, denn ständig entdeckte der was Neues.
Irgendwann wurde Tante Henny erlöst, die Eltern kamen und nahmen Max wieder in ihre Obhut. Der Makler drängelte. Er wollte wohl nach Hause. Schließlich war Samstag, da arbeitete er wohl üblicherweise nicht.
Aber Tante Henny, die ja bis jetzt nur mit Max im Garten war, wollte sich gern das Haus auch noch mal in Ruhe ansehen.
Das passte dem Makler nicht, aber Herr Schiller freute sich diebisch, dass der sich nun noch ein bisschen länger Zeit nehmen musste. Kassiert eh´ zu viel Kohle, meinte er und grinste.
Die Eltern blieben mit Max in dem kleinen Garten, Hannah zeigte Tante Henny das Haus, schließlich war sie ja eben zur offiziellen Besichtigung dabei gewesen.
Tante Henny lief durch die Räume und schaute, als würde sie alles schon kennen. So, als wäre sie nur lange Zeit nicht hier gewesen. Hannah zeigte ihr alles, was ihr der Makler gezeigt hat, die schönen Decken, die großen weißen Flügeltüren, den verglasten Wintergarten. „Na wenn ihr meint dass das was für euch ist“, meinte sie nur.
Hannah freute sich schon. Wenn das Haus ihrer Mutter gefiel, dann hatte der Vater nicht mehr viel entgegen zu bringen. Das war schon immer so – wenn Hannahs Mutter was durchsetzen wollte, dann wurde das gemacht. Bald würde Hannah wohnen, wie eine Prinzessin, in den großen schönen Räumen würde sie auf und ab gehen – nur bedienen würde sie wohl keiner, und Hannah fürchtete, ihr Zimmer wohl weiterhin allein aufräumen zu müssen. Na ja – man kann eben nicht alles haben, sagte ihr Vater immer!
All das erzählte Hannah Tante Henny auf der Besichtigungstour durch ´s Haus. Aber sie schien gar nicht richtig zuzuhören. Ihr Blick blieb hier und da kleben, an einer Tür, an einer Nische. Sie schien ganz tief in ihren eigenen Gedanken zu sein. So kannte Hannah ihre Tante gar nicht. Sonst war sie überaus lebhaft, quasselte fast ohne Luft zu holen.
Hannah wollte schon wieder das Haus verlassen – sie hatte Tante Henny alles gezeigt – da meinte die Tante, sie wolle noch mal einen Blick auf den Dachboden werfen. Als Hannah sie fragte, was sie denn da will – Hannah hatte ein wenig Angst, so ein dunkler Boden ist nicht das, wo ein kleines Mädchen sich wohlfühlt – meinte Tante Henny nur, na ja – man kann ja nie wissen, vielleicht regnet ´s da ja rein oder so. Man müsse schon in jede Ecke gucken, bevor man was kauft.
Auf dem Dachboden angekommen war es Hannah schon ein wenig mulmig. Durch die kleinen Fenster drang zwar etwas Sonnenlicht durch, aber alles im Allem war es schon beklemmend – es standen alte Möbel rum, überall lag Staub, Spinnen hatten tolle Werke an Spinnweben geschaffen. In der einen Ecke stand ein Ständer mit völlig verstaubten Kleidern. Aber trotz dem sie völlig verdreckt waren, konnte man erkennen, dass es sich hier um teure Festkleidung handelte, so wie sie die Damen früher zu Bällen trugen. Hannah traute sich aber nicht, die Kleider anzufassen, zu viele Spinnweben und zuviel Staub hüllte die einstmals wertvollen Roben ein.
In der anderen Ecke standen eine alte Truhe und ein Schreibtisch. An dem ging Tante Henny aber achtlos vorbei, ganz zielstrebig steuerte sie einen dunklen, reich verzierten Schrank an und öffnete die Schublade ganz unten.
Hannah war natürlich neugierig und lief schnell hin. Schließlich wollte sie nichts verpassen. Wer weis, was da drin war – vielleicht Schmuck, Gold, Silber oder gar ein noch größerer Schatz! Aber nichts von alledem fand sich in dem Schrank. Alte Bilder kamen zum Vorschein. Hannah war doch ziemlich enttäuscht. Wenigstens ein bisschen Gold und Silber hätte doch drin sein können!
Tante Henny hingegen machte den Eindruck, als hätte sie genau das gefunden, was sie erwartet hatte. Sie schaute auf die Bilder und blickte so geheimnisvoll drein, wie sie es schon die ganze Zeit tat. Hannah konnte nichts Tolles sehen, es waren Gemälde mit Menschen, die vor lange, langer Zeit gelebt haben mussten. Das erkannte Hannah an den Kleidern und den Frisuren. Nun, eigentlich waren sie ganz hübsch. Auf dem größten Bild waren zwei Kinder gemalt, wahrscheinlich Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. Die Kinder hatten tolle Klamotten an, mit vielen Rüschen und Schleifen. Aber eigentlich hatte sie jetzt genug von dem Boden, sie wollte wieder raus, in die Sonne und noch ein bisschen durch den kleinen Garten toben.
Wieder draußen sah Hannah schon ihren Vater mit dem Makler diskutieren. Neugierig stellte sie sich dazu. „Nun, Herr Schreiber“, sagte Herr Schiller streng, über den Preis müssen wir noch mal reden, hier muss jede Menge renoviert werden.“ „Tja Herr Schiller, dafür bekommen Sie ein Denkmal! Alles original belassen…“, antwortete der Makler. Der Vater verdrehte die Augen. „Wir werden sehen, meine Frau und ich überlegen uns das noch“, meine er. Kurz und knapp verabschiedete er sich von Herrn Schreiber, der Hannah mittlerweile gar nicht mehr so unsympathisch war. Schließlich hat er ihr ein kleines Schloss präsentiert!
Die Mutter war mit Max beschäftigt. Der hatte angeblich jemanden im Garten gesehen und brüllte los. „Da ist keiner, Max“, beruhigte ihn seine Mutter. Dann drängte sie zur Heimfahrt. Für sie war die Sache eh klar, sie wollte hier einziehen.
Sie verabschiedeten sich noch bei Tante Henny. „Bis bald“, sagte sie „Ich freu mich schon wenn ich euch bald öfter sehe. Lasst von euch hören!.“
Dann ging ´s auch schon ins Auto und heim nach Berlin.
Liebes Tagebuch
Heute, an einem sonnigen Julitag war es nun soweit. Der Möbelwagen kam. Tagelang vorher hatte meine Mama schon alle Schränke ausgeräumt, Sachen, Spielzeug, Bücher, Geschirr in Kartons gepackt. Papa hat alle Regale abgeschraubt. Auch die Küchenschränke, die Kommoden, den Kleiderschrank – alles stand in Einzelteilen rum. Nur die Betten waren noch komplett. Alles war ganz furchtbar chaotisch. Meine Eltern stritten sich ständig. Papa wollte seine Ruhe, Mama drängelte, dass doch alles ein bisschen schneller gehen könnte, wenn Papa nicht so träge wäre. Max war die ganze Zeit knatschig, weil keiner mit ihm spielte. Ich war die meiste Zeit mit meinen Freundinnen im Garten. Ich war schon ganz schön traurig, denn ich würde die Mädchen nicht so schnell wiedersehen. Oma und Opa meinten, ich könne ja in den Ferien immer zu Besuch kommen. Da kann ich meine Freundinnen treffen. Aber Ferien sind ja viel zu selten!
Zwei kräftige Männer trugen alle Möbel in das große Auto. Papa erklärte den Männern noch den Weg, dann fuhren sie davon. Mama, Papa, Max und ich fuhren mit dem Auto hinterher.
Max und ich mussten erst mal zu Tante Henny, damit wir nicht im Weg rumstehen, hat Papa gesagt. Viel lieber wäre ich gleich mitgegangen ins neue Haus. Ich wusste schon gar nicht mehr genau, wie alles aussah. Ich wollte auch mein Zimmer ansehen. Es war ja alles neu gemalert worden. Ob die Wände wieder rosa waren, so wie ich es mir gewünscht hatte? Und wie sehen die anderen Zimmer jetzt aus? Hoffentlich hat keiner den Dachboden ausgeräumt und womöglich die tollen Kleider weggeschmissen!
Nun ja, es nützte nichts, ich saß bei Tante Henny fest. Es gab Kakao und Kuchen. Max haute rein, als hätte er seit Tagen nichts mehr gekriegt. Danach ging Tante Henny mit uns spazieren. Sie zeigte uns den Marktplatz, die große Kirche, wo sie manchmal noch arbeitete, meine neue Schule und das alte Kaffeehaus. Da saß sie ganz oft, erzählte die Tante. Als sie ein junges Mädchen war, wurde dort sogar getanzt. Heute gibt es den tollsten Kaffee in der Stadt und ganz köstlichen Kuchen. Aber eigentlich wollte ich nicht in der ganzen Stadt rumlatschen. Ich wollte in mein neues Zuhause!
Spät am Abend holte Hannahs Mutter die Geschwister dann endlich ab.
