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Kinder sind schlauer als Erwachsene. Das denken zumindest Meagan und Kenny. Sie wollen eine neue Frau für ihren Vater Steve und finden: Hallie ist genau die Richtige. Doch für die selbständige Grafikerin, bald dreißig und entschieden auf Männersuche, wohnt das Glück nicht nebenan. Sie versucht es mit ihrem Steuerberater: Fehlanzeige. Und auch die Kandidaten der Partnervermittlung sind eine Enttäuschung. Steve tröstet sie über die verpatzten Affären hinweg, aber erst als eines Tages seine Ex vor der Tür steht, merkt Hallie, dass sie eifersüchtig ist.
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Seitenzahl: 482
Veröffentlichungsjahr: 2016
Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.
Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.
Debbie Macomber
Happy End in Seattle
Roman
Aus dem Amerikanischen von Annette Keil
MIRA® TASCHENBUCH
MIRA® TASCHENBÜCHER
erscheinen in der HarperCollins Germany GmbH,
Valentinskamp 24, 20354 Hamburg
Geschäftsführer: Thomas Beckmann
Deutsche Taschenbucherstausgabe
Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:
This Matter of Marriage
Copyright © 1997 by Debbie Macomber
erschienen bei: Mira Books, Toronto
Published by arrangement with
Harlequin Enterprises II B.V., Amsterdam
Redaktion/Lektorat: Ilse Bröhl
Konzeption/Reihengestaltung: fredeboldpartner.network, Köln
Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln
Titelabbildung: davidgn/123RF
eBook-Herstellung: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN eBook 9783955765590
www.mira-taschenbuch.de
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Happy End in Seattle
Silvester, und dieses Mal meint Hallie McCarthy es ernst mit ihren Vorsätzen: Sie will endlich ihren Mann fürs Leben! Das erzählt sie ihrem Tagebuch – und ihrem netten Nachbarn Steve. Der versteht sie gut: Seine Frau hat ihn verlassen, und nun ist der Wochenendpapa wieder auf Brautschau. Während Hallie versucht, ihre Freundin Donnalee mit Steve zu verkuppeln, macht Steve Hallie mit seinem Freund Todd bekannt. Das Ergebnis: Todd und Donnalee heiraten, und Steve und Hallie sind noch immer allein. Da haben Steves Sprösslinge langsam die Nase voll und hecken einen Plan aus, der den beiden endlich die Augen öffnen soll. Es beginnt ein turbulenter Hindernislauf voller kleiner und mittelschwerer Katastrophen, bis Steve und Hallie endlich die Zielgerade erreichen. Zusammen?
Gute Vorsätze
1. Januar
Es ist immer dasselbe. Stets fängt bei mir das neue Jahr mit denselben guten Vorsätzen an. Jedes Mal fasse ich den Entschluss, mir fünf Pfund herunterzuhungern – ich will ehrlich sein, diesmal sind es zehn –, meine Kreditkartenschulden abzuzahlen und ähnlich hoch gesteckte Ziele in Angriff zu nehmen. Jedes neue Jahr beginne ich mit demselben Tagebucheintrag. Aber diesmal ist es anders. Oh, natürlich will ich abnehmen, mehr denn je, aber die Motivation ist eine andere geworden.
Ich will einen Mann und irgendwann Kinder haben.
Und dafür brauche ich einen Plan. Als zielstrebiger Mensch pflege ich mich in solch einem Fall zunächst zu fragen, was mein Plan mir einbringen soll (die Ehe!!), um dann logisch auf mein Vorhaben hinzuarbeiten. Was in diesem Fall bedeutet, mein Aussehen zu verbessern. (Nicht, dass ich schlecht aussähe, wenn ich das in aller Bescheidenheit anmerken darf. Aber ich will noch besser aussehen, vor allem, was die Oberschenkel angeht.) Denn das habe ich im Geschäftsleben gelernt: Auf die Verpackung kommt es an.
Es überrascht mich selbst, etwas Derartiges niederzuschreiben. Wie habe ich mich doch verändert seit jenen Jahren im College, als nichts und niemand mich dazu hätte bringen können, den „Fluchtweg des schwachen Geschlechts“ einzuschlagen, wie ich es immer bezeichnete. Cassie, Jamie, Rita und Jane, sie alle waren bereits wenige Monate nach ihrem Studienabschluss unter der Haube. Warum? Weil sie gekniffen haben vor der Realität. Weil das Berufsleben eine größere Herausforderung darstellte, als sie angenommen hatten. Da bot die Ehe einen bequemen Ausweg.
Aber nicht für mich, nein danke. Die Ehe war mir zu konventionell. Ich wollte mich erst im Geschäftsleben bewähren, mir mit einer eigenen Agentur für grafisches Design einen Namen machen. Und es ist mir gelungen! Jetzt habe ich das Gefühl, dass der Kreis sich schließt. Ich habe viel erreicht, ich will mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Aber diese Weihnachten ist mir klar geworden, dass das Leben mehr beinhalten sollte, als von der Handelskammer zur Frau des Jahres ernannt zu werden.
Also habe ich letzte Woche die große Entscheidung getroffen:
Die Zeit ist gekommen, einen Mann in mein Leben aufzunehmen. Bisher habe ich Beziehungen wie Desserts betrachtet – hin und wieder schmecken sie gut, aber nicht zu jeder Mahlzeit. Meine Freundinnen versuchen seit Jahren, mir potenzielle Ehemänner anzudienen. Aber ich habe sie immer wieder enttäuscht.
Ich sei zu wählerisch, meint Rita. Doch das stimmt nicht. Ich stelle eben gewisse Ansprüche. Das tut jede Frau. Aber der wahre Grund, weshalb ich nicht geheiratet habe, ist meine Arbeit. Für mich zählte nur, Artistic License zu einem Erfolg zu machen. In den letzten sechs Jahren habe ich jede freie Minute meiner Agentur gewidmet.
Bis mich dieses Jahr zu Weihnachten wie ein Blitzschlag die Erkenntnis traf, dass ich mehr will. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass Dad im Juni starb. Mom ist noch nicht darüber hinweggekommen, und auch Julie und mir macht der Verlust zu schaffen. Die Feiertage waren leer und traurig ohne ihn, und uns allen war eher nach Weinen zu Mute. Es tut mir so leid, dass Dad das erste Weihnachtsfest seiner Enkelin nicht mehr erleben konnte. Ich wusste, Julies Baby würde Mom über ihren Kummer hinweghelfen. Aber ich ahnte ja nicht, welche Gefühle die kleine Ellen in mir wecken würde.
Ich hielt mich immer für eine starke und unabhängige Person. Aus Angst vor der Erkenntnis, auch ich könnte jemanden brauchen, bin ich bisher jeder festen Beziehung aus dem Weg gegangen. Ich weiß nicht, warum ich so bin. (Und ich bin nicht sicher, ob ich es wissen will.) Ich weiß nur, dass ich inzwischen anders denke.
Es fing alles damit an, dass mich Julie das Baby halten ließ. Ich schmolz dahin, als ich die Kleine in den Armen wiegte, ich schwöre es. Was ich in diesem Moment empfand, lässt sich wohl nur als mütterlichen Instinkt bezeichnen. Schlagartig wurde mir klar: Das ist es, wonach du dich sehnst. Das ist es, was in deinem Leben gefehlt hat. Ein Mann und Kinder. Eine eigene Familie.
Ich bin sicher, mit dem richtigen Mann kann ich alles haben, ein Heim, eine Familie und meine Karriere. Das haben schon ganz andere Frauen geschafft, also sollte es auch mir gelingen. Komisch, wie so ein Baby einen Menschen umkrempeln kann. Ich bin bereit. Mehr als bereit. Ab sofort soll mein Leben in eine andere Richtung führen. Meine Prioritäten haben sich geändert.
Ja, ich gebe es zu. Ich will einen Mann und Kinder. Den Mann brauche ich zuerst. (Ich beabsichtige, die richtige Reihenfolge einzuhalten!)
Mom sagt immer, wenn ich einmal einen Vorsatz gefasst hätte, ließe ich mich durch nichts aufhalten. Ich habe mir mein Ziel gesteckt, meine Pläne gemacht, und ich denke, es kann nicht länger als zwei, höchstens drei Monate dauern, bis ich einen Ehemann gefunden habe. Ich rechne fest damit, nächstes Jahr um diese Zeit eine verheiratete Frau zu sein. (Vielleicht ist dann auch schon Nachwuchs unterwegs!)
So schwierig kann es doch nicht sein, was ich mir vorgenommen habe, oder?
Schweiß rann Hallie McCarthy von der Stirn und tropfte ihr in die Augen, so dass sie nur noch verschwommen sehen konnte. Mit dem Handtuch, das ihr um den Hals hing, wischte sie sich die Stirn ab. Obwohl sie sich geschworen hatte, es nicht zu tun, warf sie einen Blick auf den Zeitmesser des Laufbandes.
Noch eine Minute. Sechzig kurze Sekunden. Das konnte, das musste sie schaffen. Entschlossen beschleunigte sie ihr Tempo. Dabei wartete sie ungeduldig auf den Summer, der das Ende der Tortur ankündigte.
Das Laufband war voll digital ausgerüstet, wie sich das gehörte bei dem Preis, den das Ding sie gekostet hatte. (Nicht zu vergessen die drei farblich auf das Sportgerät abgestimmten Designer-Jogginganzüge, die sie sich dazu angeschafft hatte.) Jedes Mal, wenn sie ihr Pensum bewältigt hatte, gratulierte der Computer ihr über einen Mini-Bildschirm zu ihrer glänzenden sportlichen Leistung.
Wolle sie Männer kennen lernen, müsse sie Mitglied in einem Fitnesscenter werden, hatte Donnalee ihr geraten. Hallie beabsichtigte den Rat ihrer Freundin zu befolgen, aber nicht jetzt. Erst musste sie abnehmen. Mit Oberschenkeln, die an Kartoffelstampfer erinnerten, wollte sie sich keinesfalls im Fitnessstudio zeigen.
Keuchend packte Hallie die Seitenbügel ihres Laufbandes fester. Die Lungen drohten ihr zu bersten. Diese letzte Minute erwies sich als die längste ihres Lebens. Um sich von der körperlichen Anstrengung abzulenken, blickte sie aus ihrem Wohnzimmerfenster zu der Luxus-Eigentumswohnung hinüber, die neben ihrer lag.
He, sie bekam neue Nachbarn! Ein Umzugswagen parkte vor dem Haus, und eine Crew kräftiger Männer – sehr kräftiger Männer, wie sie anerkennend registrierte –, war dabei, ihn auszuladen. Dicht dahinter stand ein Lieferwagen, der so hoch war, dass man vermutlich eine Trittleiter zum Einsteigen brauchte. Hallie kniff die Augen zusammen, um die Worte zu entziffern, die auf dem Rahmen standen, der das Nummernschild umgab: GROSSES AUTO. GROSSE WERKZEUGE. Stöhnend verdrehte sie die Augen gen Himmel. Männer! Sie schienen alle ein Problem mit ihrem Ego zu haben. Zwei muskulöse Typen wanderten in ihr Blickfeld, und sie fragte sich, ob wohl einer davon ihr neuer Nachbar war.
Willow Woods, der Wohnkomplex, in dem sie vor einem halben Jahr eine Eigentumswohnung erworben hatte, war so gut wie ausverkauft. Sie hatte sich schon gedacht, dass es nicht lange dauern würde, bis auch das Haus neben ihrem verkauft war. Vor allem, da es drei Schlafzimmer hatte und damit zu den größten Wohneinheiten der Anlage gehörte. Es musste eine Familie sein, die dort einzog. Hallie freute sich, endlich Nachbarn zu bekommen.
Der Summer begann zu schnarren, und das Laufband blieb stehen. Aufatmend wischte sich Hallie mit dem Handtuch das schweißnasse Gesicht ab. Ihre Wangen brannten, und das kurze, gelockte Haar klebte ihr an den Schläfen. Ihre alte graue Jogginghose – die neuen Designer-Anzüge wollte sie nicht verschwitzen – schlotterte ihr um die Taille. Ein vielversprechendes Zeichen. Die Versuchung war groß, ins Bad zu rennen und sich auf die Waage zu stellen. Doch sie hatte diesen Fehler schon zu oft gemacht und sich deshalb geschworen, nur noch einmal in der Woche auf die Waage zu steigen, und zwar am Montagmorgen nach dem Aufstehen.
Sie hatte in einundzwanzig Tagen fünf Pfund verloren. Die ersten zwei waren mühelos gepurzelt, aber bei den letzten drei war es ihr vorgekommen, als würde sie mit einem Teelöffel einen Betonblock ankratzen. Sie hatte gehungert. Sie hatte gewissenhaft Sport getrieben. Sie hatte Kohlehydrate, Fette und Kalorien gezählt. Es hatte nichts genützt.
Ihre Freundin Donnalee Cooper hatte gemeint, sie konzentriere sich zu sehr auf Äußerlichkeiten. Doch da war Hallie anderer Meinung. Sie kannte keinen Mann, der eine Frau nicht nach ihrem Aussehen beurteilt hätte. Zumindest der erste Eindruck orientierte sich daran. Es spielte keine Rolle, ob sie Grips besaß. Es genügte, wenn ihre Taille schmal und ihre übrigen weiblichen Attribute umfangreich waren.
Selbstverständlich ging es Hallie bei ihrem Fitnessprogramm nicht allein darum, einen Mann einzufangen. Sie hätte bisher viel zu ungesund gelebt, längst nicht genug Sport getrieben und das falsche Essen in sich hineingestopft, erklärte sie ihrer Freundin. Aber Donnalee wollte ihr diese Begründung nicht abkaufen. Sie reagierte mit Skepsis auf Hallies Beteuerungen. Sie hätte sich doch noch nie Sorgen um ihre Gesundheit gemacht, gab sie der Freundin zu bedenken.
Donnalee lebte ebenfalls allein, hatte jedoch bereits eine kurze, unglückliche Ehe hinter sich. Als sie von Hallies Plan, innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Ehemann zu finden, erfuhr, hatte sie spontan beschlossen, sich ihr anzuschließen. Sie hätte nie vorgehabt, so lange mit einer zweiten Heirat zu warten, begründete sie ihre Entscheidung. Und Kinder wünsche sie sich auch. Allerdings brachte sie für ihre Kampagne eine andere Strategie mit als Hallie.
„Sei einfach du selber“, riet sie ihrer Freundin.
„Damit hatte ich bisher wenig Erfolg“, beklagte sich Hallie, worauf Donnalee nichts zu erwidern wusste. In den letzten Jahren hatte Hallie kaum noch Männer kennen gelernt. Aber das sollte sich jetzt ändern.
Hallie duschte und zog sich um und rief dann ihre Mutter an, die auf der anderen Seite des Puget Sound, in Bremerton, auf der Halbinsel Kitsap, wohnte. Hallie ging vom Aussehen und der Persönlichkeit her ganz nach ihrem Vater, hatte jedoch von ihrer Mutter die künstlerische Begabung geerbt. Trotz ihres Talents war Lucille McCarthy immer nur Hausfrau gewesen und hatte auch nie etwas anderes angestrebt. Hallie konnte das früher nicht verstehen. Sie fand es schade, dass ihre Mutter nichts aus sich machte. Erst später, als sie längst allein lebte, hatte sie erkannt, wie wertvoll der Beitrag ihrer Mutter für die Familie gewesen war. In den Monaten nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hatte sie die stille Kraft ihrer Mutter erst so richtig schätzen gelernt. Zu Weihnachten gab sie ihr den Rat, ihre künstlerische Begabung doch irgendwie zu nutzen, worauf Lucille einen Malkursus belegte.
Wie an jedem Samstag schrieb Hallie nach dem Gespräch mit ihrer Mutter ihre wöchentliche Einkaufsliste, zog eine Jacke an und eilte aus dem Haus. Sie stieg gerade ins Auto, als sie ihren neuen Nachbarn sah. Jedenfalls nahm sie an, dass er es war. Aus der Nähe wirkte er nicht ganz so stämmig, wie es auf den ersten Blick den Anschein gehabt hatte. Der Mann ist gut gebaut, dachte sie. Groß und breitschultrig, mit athletischem Oberkörper, fand sie ihn auf eine unauffällige Art und Weise gut aussehend. Mit anderen Worten, er verursachte ihr kein Herzklopfen. Was sie nicht weiter bedauerte, da er offensichtlich verheiratet war und Kinder hatte.
Sein Gesicht gefiel ihr. Es war interessant, sympathisch. Es verriet Erfahrung. Sie hätte nichts dagegen gehabt, jemanden wie ihn zum Freund zu haben. Rein platonisch natürlich. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit den beiden Kindern zu, die neben ihm standen. Ein Junge und ein Mädchen, vermutlich elf und neun Jahre alt. Hübsche Kinder. Das Mädchen winkte ihr fröhlich lächelnd zu.
Hallie winkte zurück, steckte den Schlüssel ins Zündschloss, ließ den Motor an und fuhr los.
Als sie eine Stunde später zurückkam, war der Umzugswagen weg. Die Kinder ihres neuen Nachbarn fuhren auf der Straße Fahrrad. Hallie war kaum in ihre Einfahrt eingebogen, da steuerte das Mädchen auf sie zu. Mit langen staksigen Beinen trat es in die Pedale, um dann abrupt zu stoppen und von seinem blitzenden Rad zu springen.
„Hallo!“ rief es. „Mein Dad ist gerade nebenan eingezogen.“
„Das habe ich gesehen.“ Hallie beugte sich vor, um ihre Einkaufstüten vom Sitz zu nehmen.
„Ich bin Meagan. Und das ist mein Bruder Kenny.“ Das Mädchen deutete auf den etwas kleineren Jungen, der sich daraufhin wie auf ein Stichwort zu seiner Schwester gesellte.
„Haben Sie Kinder?“ fragte er hoffnungsvoll.
„Nein“, meinte Hallie, in jedem Arm eine Einkaufstüte.
Die Begeisterung des Jungen ließ deutlich nach. „Kennen Sie jemand hier, der Kinder hat?“
„Leider nicht. Soweit ich weiß, gibt es hier keine Kinder in eurem Alter.“ Die meisten Paare in Willow Woods waren jungverheiratet. In ein paar Jahren würde es bestimmt jede Menge Kinder in diesem Wohnkomplex geben. Aber im Moment noch nicht.
Meagan legte ihr Fahrrad auf den Rasen. „Kann ich Ihnen helfen?“ fragte sie höflich, während sie Hallie eine der Einkaufstüten abnahm.
„Danke, das ist aber nett von dir“, sagte Hallie, angenehm berührt von der Hilfsbereitschaft des Kindes.
Das Mädchen strahlte. „Mom meint, ich sei ihr jetzt, nachdem Dad und sie geschieden sind, eine große Hilfe.“
Als sie die Scheidung ihrer Eltern erwähnte, flog ein Schatten über Meagans Gesicht, und sofort wurde Hallie von Mitleid überwältigt. Ihr neuer Nachbar war also doch zu haben … Sie verwarf den Gedanken, der ihr da so unvermittelt durch den Kopf schoss, als eine automatische, durch ihre neuerworbenen, auf einen Ehemann ausgerichteten Instinkte ausgelöste Reaktion. Trotzdem rief sie sich kurz ihren ersten Eindruck von dem Mann ins Gedächtnis zurück und entschied gleich darauf, dass sie jemanden mit mehr Finesse wollte. Sie hatte gesehen, was die Umzugsleute in sein Haus getragen hatten: kistenweise Sportausrüstungen. Vom Bergsteigen bis zum Tiefseetauchen schien es nichts zu geben, was dieser Typ noch nicht ausprobiert hatte.
Hallie ging in die Küche voraus, wo sie ihre Tüte auf dem Tisch abstellte. Meagan stellte ihre vorsichtig daneben. Hallie bedankte sich noch einmal bei ihr.
„Sind Sie verheiratet?“ fragte das Mädchen.
„Noch nicht.“ Aber Hallie sah sich bereits im Brautkleid. Der Bräutigam begann auch schon Gestalt anzunehmen. Und zwar die eines Mannes, dem sie gestern begegnet war.
„Ich muss jetzt zum Lunch“, sagte Meagan und rannte zur Tür. „Bis zum nächsten Wochenende.“
Hallie wollte gerade ihre Einkaufstüten auspacken, da bemerkte sie, dass das rote Lämpchen ihres Anrufbeantworters blinkte. Vermutlich hatte ihre Mutter wieder angerufen oder ihre Schwester Julie. Oder konnte er es sein? Er war der neue Sachbearbeiter bei der Keystone Bank. Man hatte ihr John Franklin gestern Nachmittag vorgestellt, als sie ihre Einzahlungen machte.
Sie hatte ihn kaum erblickt, da wusste sie, dass er der ideale Mann für sie war. Groß, dunkelhaarig und attraktiv, zuvorkommend, höflich und intelligent, erfüllte er sämtliche Voraussetzungen. Und frei war er auch. Sie hatte sofort gesehen, dass er keinen Ehering trug. Sie schätzte ihn auf knapp vierzig, doch das störte sie nicht. In ihrem Alter spielten elf Jahre Altersunterschied keine Rolle. In drei Monaten, im April, wurde sie dreißig. Bis dahin wollte sie auf jeden Fall verlobt sein.
Leider war die Nachricht nicht von John, sondern von Donnalee. Die Stimme ihrer Freundin klang aufgeregt. Sie bat Hallie, so schnell wie möglich bei ihr anzurufen.
Hallie rief sie zurück. „Ja, was gibt’s?“
„Ich habe die Antwort gefunden!“ sprudelte Donnalee hervor.
„Auf welche Frage?“ Hallies Stimme klang ungeduldig. Sie hatte noch nichts gegessen, und wenn ihr der Magen knurrte, war ihre Stimmung nie sonderlich gut.
„Wo begegnen wir unseren Traummännern?“
„Hm.“ Hallie horchte auf. „Und wo?“
„Die Antwort ist ein bisschen kompliziert. Also hör mir gut zu.“
„Donnalee …“
„Ich bitte dich lediglich, mir zuzuhören, okay?“
Hallie murmelte eine Antwort. Wie einfach war es doch in der Schule und im College gewesen, Männer kennen zu lernen. Inzwischen war sie völlig aus der Übung. Oh, es hatte durchaus Romanzen in ihrem Leben gegeben, aber sie waren nie von Dauer gewesen. Ihre längste Beziehung hatte sechs Monate gehalten, ehe sie in die Brüche ging. Die Schuld, das musste Hallie sich eingestehen, lag bei ihr. Gregg hatte gemeint, sie würde zu viel Zeit und Energie in ihre Agentur investieren und ihn darüber vernachlässigen. Sie hatte seine Beschwerde mit der Erwiderung zurückgewiesen, dass sich daran nie etwas ändern würde.
„Ich bin in der Zeitung auf das Inserat einer Partnervermittlung gestoßen“, verkündete Donnalee.
Hallie stöhnte. An eine Partnervermittlung wandte sich doch nur, wer sich gar nicht mehr anders zu helfen wusste. Sie wagte sich die Typen nicht vorzustellen, die dort Frauen zu finden hofften. „Das soll wohl ein Witz sein?“
„Du hast versprochen, mir zuzuhören.“
Hallie schloss die Augen und fasste sich in Geduld. „Okay, okay, schieß los. Aber ich kann dir schon jetzt sagen, dass ich kein Interesse habe.“
„Diese Agentur ist anders.“
„Sie arbeitet mit Videos, was?“
„Nein“, sagte Donnalee pikiert. „Würdest du mir bitte zuhören?“
„Entschuldige.“
„Wir beide sind erfolgreiche Geschäftsfrauen. Die meisten Männer haben Angst vor Frauen wie uns.“
Hallie mochte dieser Behauptung nicht zustimmen, verzichtete jedoch darauf, ihrer Freundin zu widersprechen.
„Wie du ja weißt, war meine erste Ehe eine einzige Katastrophe.“
„Das ist mehr als dreizehn Jahre her.“
„Bald wird es fünfzehn Jahre her sein und dann zwanzig, und irgendwann ist mein Leben an mir vorbeigerauscht. Und alles nur, weil ich als junges, unreifes Ding einen dummen Fehler gemacht habe. Ich will einen Mann, Hallie.“
„Mit allem Drum und Dran“, fügte Hallie hinzu.
„Jawohl. Ein Haus in der Vorstadt, Kinder, Katze, Hund, Familienurlaub. Wie konnte ich bloß so lange damit warten? Es ist unfassbar! Hättest du dir nicht diesen Plan ausgedacht, würde ich es vermutlich noch immer aufschieben.“
„Und jetzt willst du, dass ich mit dir zu einer Partnervermittlung gehe?“
„Kannst du mir nicht endlich mal zuhören? Zuerst musst du dich bewerben, und wenn du angenommen wirst, bezahlst du eine gesalzene Gebühr. Dann vermitteln sie dir jemanden, der deiner Persönlichkeit und deinem Einkommensniveau entspricht. Die Frau, mit der ich sprach, versicherte mir, man sei sehr anspruchsvoll in der Wahl der Kunden und beschränke sich auf einen kleinen exklusiven Kreis. Wenn du die Voraussetzungen erfüllst und angenommen wirst, verpflichtet sich die Agentur, einen Partner für dich zu finden.“
„Was verstehst du unter einer gesalzenen Gebühr?“ Hallie hatte erst kürzlich fünfzehnhundert Dollar für ihr Laufband hinblättern müssen. Und was sollte aus ihren Kreditkartenschulden werden?
Donnalee zögerte einen Moment. „Zweitausend.“
„Zweitausend Dollar!“
„Ja.“
„Dafür kann ich mir ja ein Rendezvous mit Brad Pitt kaufen.“
„Mit alten Schachteln wie uns würde der sich kaum abgeben“, meinte Donnalee lachend.
Hallie vermochte diesen Worten wenig Trost abzugewinnen. „Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ Für so viel Geld konnte sie sich das Fett absaugen lassen und Diät und Tretmühle vergessen.
„Doch.“ Ein Anflug von Trotz schwang in Donnalees Stimme. „Ich bin dreiunddreißig. Ich habe nicht mehr soviel Zeit wie du. Wenn diese Agentur mir dabei helfen kann, einen anständigen Mann zu finden, dann betrachte ich das Geld als gut angelegt.“
„Du meinst es wirklich ernst“, sagte Hallie erstaunt.
„Es ist der einfachste und schnellste Weg – eine Abkürzung sozusagen.“
Aber Hallie blieb skeptisch. „Ich habe noch gar nicht mit der Suche angefangen“, wandte sie ein.
„Und wie gedenkst du die Suche durchzuführen?“ fragte Donnalee. „Willst du dir ein Schild um den Hals hängen: Ehemann gesucht?“
„Mach dich nicht lächerlich.“
„Du hast ein Leben lang Zeit gehabt, einen Ehemann zu finden, und es ist dir nicht gelungen. Wieso glaubst du, dass es jetzt anders wird?“
„Weil ich jetzt bereit bin.“
„Und weil du jetzt für die Ehe bereit bist, meinst du, es müsste sich schlagartig alles ändern?“ Donnalee klang skeptisch.
„Es gibt da einen Mann, für den ich mich interessiere“, gestand Hallie ihr zögernd.
„Tatsächlich? Wer ist er?“
Sie hätte sich denken können, dass Donnalee Details hören wollte. „Er arbeitet für die Keystone Bank. Er wechselte diese Woche von der Filiale in der Innenstadt zu meiner Zweigstelle in Kent über. Wir lernten uns am Freitag kennen. Er gefiel mir auf Anhieb, und er schien mich auch zu mögen. Er sieht echt gut aus. Und sensibel ist er.“
„Gut aussehend und sensibel“, wiederholte Donnalee gedehnt.
„Attraktive Junggesellen sind schwer zu finden“, beharrte Hallie und fragte sich irritiert, was der Anflug von Sarkasmus in der Stimme ihrer Freundin zu bedeuten hatte.
„Sicher. Weil die Mehrzahl von ihnen Freunde hat.“
Hallie stutzte. John? War es möglich? „Kennst du John Franklin?“ Da Donnalee eine Hypotheken-Gesellschaft managte, kannte sie natürlich das Personal der meisten Banken.
„Ich habe von ihm gehört.“
„Was soll das heißen?“ fragte Hallie misstrauisch.
„John Franklin ist der beste Grund, weshalb du die Dienste von Dateline in Anspruch nehmen solltest.“
„Oh …“, meinte Hallie verunsichert.
„Du hast Recht“, fuhr Donnalee fort. „John ist sensibel, nett, umgänglich und sündhaft attraktiv – und schwul.“
Hallie brauchte einen Moment, um diese Information zu verdauen. John Franklin … hm. Manchen Männern sah man es eben nicht an.
„Also, wirst du dich an Dateline wenden?“ wollte Donnalee wissen.
„Zweitausend Dollar, hast du gesagt?“
„Das ist doch billig, wenn du bedenkst, dass die Männer handverlesen sind.“
„Ich kann mir die Unterlagen ja mal ansehen. Aber das soll kein Versprechen sein.“
„Du brauchst nur anzurufen. Sie schicken dir dann eine Broschüre zu. Und wenn du sie gelesen hast, meldest du dich gleich bei mir, abgemacht?“
„Okay, okay“, murmelte Hallie, während sie die Nummer notierte. Kopfschüttelnd legte sie den Hörer auf. Wer hätte gedacht, dass dieses Heiratsvorhaben sich so kompliziert gestalten würde?
Auseinander gehen fällt schwer
Steve Marris hatte einen schlechten Tag. Eine Lieferung wichtiger Teile war irgendwo im Mittleren Westen verloren gegangen, seine Sekretärin hatte ohne vorherige Kündigung den Dienst quittiert, und seine Ex-Frau hatte sich einen Freund zugelegt. Steve vermutete es jedenfalls. Die Lieferung würde irgendwann wieder auftauchen, und die Sekretärin ließ sich ersetzen. Aber die Sache mit Mary Lynn war ernst. Und sie setzte ihm gewaltig zu.
Er goss sich eine Tasse Kaffee ein. Dabei bemerkte er, dass sich mindestens vier Wochen lang niemand die Mühe gemacht hatte, die Glaskanne auszuwaschen. Steve nahm sich vor, dafür zu sorgen, dass die nächste Sekretärin keine Allüren mitbrachte. Die letzte hatte sich geweigert, Kaffee zu kochen. Er hätte sie wegen ihrer beruflichen Qualifikationen eingestellt, hatte sie ihm stets entgegengehalten – wobei diese alles andere als eindrucksvoll gewesen waren. Genau genommen musste er froh sein, dass er Danielle losgeworden war.
Er nahm einen Schluck von dem heißen Kaffee und verzog das Gesicht. Todd Stafford musste diese Kanne aufgesetzt haben. Der Leiter der Produktionsabteilung konnte einfach keinen anständigen Kaffee kochen. Steve kippte den Becher aus und spülte ihn ab. Anschließend setzte er sich hinter seinen Schreibtisch und begann die Papiere durchzuwühlen, die sich dort angesammelt hatten, bis er die Rechnung gefunden hatte, die er suchte.
Todd machte die Tür auf. „Willst du den ganzen Tag hier herumsitzen und dich darüber ärgern, dass Danielle uns verlassen hat?“
Steve schüttelte den Kopf. „Nein, wir sind besser dran ohne sie.“
Todd kam ins Büro und goss sich einen Becher Kaffee ein. „Wenn es nicht Danielle ist, dann muss Mary Lynn der Anlass für deine düstere Stimmung sein“, meinte er, nachdem er sich auf Danielles Stuhl niedergelassen und die Füße auf den Schreibtisch gelegt hatte.
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