Hard Hart - Whitley Cox - E-Book
SONDERANGEBOT

Hard Hart E-Book

Whitley Cox

0,0
9,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

It’ll take a tough woman to win this Hard Hart.

Krista Matthews, ist fest entschlossen, sich bei der Polizei zu beweisen. Sie liebt den Job und widmet sich mit aller Leidenschaft diesem Traum, auch wenn ihr Vorgesetzter ihr das Leben zur Hölle macht. Doch Krista braucht keine Hilfe. Schon gar nicht von Brock, dem gutaussehenden Bodyguard. Der ist jedoch genauso stur wie sie und lässt sich nicht davon abbringen, Krista beschützen zu wollen. Kann er auch ihr Herz beschützen?

Brock Hart hat noch nie jemanden wie Krista getroffen. Seit ihrer ersten Begegnung fühlt er sich zu ihr hingezogen. Sie macht ihn wütend, fordert ihn heraus und geht ihm auf eine Weise unter die Haut, wie es zuvor noch keine Frau geschafft hat. Bis eine Nacht alles verändert …

Die Hart Familie - eine Familie, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Nur eines haben sie gemeinsam: ihre Herzen sind schwer zu erobern.

Auftakt der neuen Romantic Suspense Serie von Bestseller-Autorin Whitley Cox. Wir empfehlen die Titel in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

It’ll take a tough woman to win this Hard Hart …

Krista Matthews, ist fest entschlossen, sich bei der Polizei zu beweisen. Sie liebt den Job und widmet sich mit aller Leidenschaft diesem Traum, auch wenn ihr Vorgesetzter ihr das Leben zur Hölle macht. Doch Krista braucht keine Hilfe. Schon gar nicht von Brock, dem gutaussehenden Bodyguard. Der ist jedoch genauso stur wie sie und lässt sich nicht davon abbringen, Krista beschützen zu wollen. Kann er auch ihr Herz beschützen?

Brock Hart hat noch nie jemanden wie Krista getroffen. Seit ihrer ersten Begegnung fühlt er sich zu ihr hingezogen. Sie macht ihn wütend, fordert ihn heraus und geht ihm auf eine Weise unter die Haut, wie es zuvor noch keine Frau geschafft hat.

Bis eine Nacht alles verändert …

Die Hart Familie – eine Familie, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Nur eines haben sie gemeinsam: ihre Herzen sind schwer zu erobern.

Auftakt der neuen Serie von Bestseller-Autorin Whitley Cox. Alle Titel der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Über Whitley Cox

Whitley Cox ist an der kanadischen Westküste geboren und aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und unterrichtete zeitweise in Indonesien, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte. Heute ist sie mit ihrer Highschool-Liebe verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.

ABONNIEREN SIE DEN NEWSLETTERDER AUFBAU VERLAGE

Einmal im Monat informieren wir Sie über

die besten Neuerscheinungen aus unserem vielfältigen ProgrammLesungen und Veranstaltungen rund um unsere BücherNeuigkeiten über unsere AutorenVideos, Lese- und Hörprobenattraktive Gewinnspiele, Aktionen und vieles mehr

Folgen Sie uns auf Facebook, um stets aktuelle Informationen über uns und unsere Autoren zu erhalten:

https://www.facebook.com/aufbau.verlag

Registrieren Sie sich jetzt unter:

https://www.aufbau-verlage.de/newsletter-uebersicht

Unter allen Neu-Anmeldungen verlosen wir

jeden Monat ein Novitäten-Buchpaket!

Whitley Cox

Hard Hart

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt vonCharlotte Petersen

For Laura Malo and Janna Gisler.

Two badass chicks I am honored to know.

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Newsletter

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Epilog

Impressum

Kapitel 1

»Komm schon!«, rief Krista Matthews, während sie mit beiden Händen auf das Lenkrad ihres dunkelgrünen Toyota Tercel, Baujahr 1993, einhämmerte. »Spring an, du Mistding. Sprrrrrrring an!«

Sie schaltete den Motor aus und wieder ein, aber das Auto tat nichts – außer zu stöhnen und zu stottern und ihr vorzugaukeln, es würde jeden Moment anspringen.

Verdammt!

Die Uhr auf dem Armaturenbrett verriet ihr, dass sie zu spät kommen würde. Sie sah einen älteren Mann aus dem Haus kommen, vor dem sie mit ihrem Wagen stand. Der arme Mr. Geller war fast neunzig, weigerte sich aber standhaft, eine Gehhilfe zu benutzen. Er sagte, sein Stock reiche völlig aus, obwohl er angesichts der Art, wie er die nasse Kiesauffahrt zu ihr herunterhumpelte, wahrscheinlich mit einem Rollstuhl besser bedient gewesen wäre. Er hob seinen Stock und klopfte an ihr Fenster; Regen tropfte von der Kapuze seiner waldgrünen Regenjacke.

»Guten Morgen, Constable. Ist es die Batterie?«, fragte er lächelnd.

Krista strich sich die dunkelroten Locken aus der Stirn und nickte. »Ich glaube schon.«

»Soll ich Ihnen mit ein wenig Saft aushelfen?«

Oh, Mr. Geller, wenn Sie nur ein paar Jahrzehnte jünger wären und nicht mit Mrs. Geller verheiratet, wäre ich sofort dabei.

Das Funkeln in seinen freundlichen grauen Augen verriet, dass ihm die Zweideutigkeit seiner Worte vollkommen bewusst war.

Mit einem amüsierten Kichern verdrehte sie die Augen und nickte.

Er humpelte zu seinem alten, ramponierten Ford. Innerhalb von Sekunden hatte er ihn vor ihr Auto gefahren und öffnete die Motorhaube. Sie öffnete ebenfalls ihre Motorhaube, stieg wieder ein und beobachtete, wie er seinen Truck geschickt an ihr Auto anschloss. Er spähte unter ihre Motorhaube und nickte ihr dann zu, das Gesicht nass vom Regen.

Betend, mit geschlossenen Augen und überkreuzten Fingern, drehte Krista den Schlüssel noch einmal.

Ihrem alten Vermieter sei Dank, es funktionierte. Das Auto erwachte wieder zum Leben.

Der Motor sprang an!

Mr. Geller schloss ihre Motorhaube und winkte ihr wortlos zu, da er wusste, dass sie wahrscheinlich schon spät dran war. Sie erwiderte sein Winken mit einem breiten, dankbaren Lächeln, fuhr die Auffahrt hinunter und machte sich auf den Weg zum Revier.

Mit einer Viertelstunde Verspätung und klatschnass, nachdem sie vom Auto zur Polizeiwache gerannt war, außerdem mit Ohrenschmerzen, die wohl von dem unbarmherzigen Wind herrührten, der über Nacht aufgekommen war, goss sich Krista um Viertel nach sechs im Pausenraum eine Tasse Kaffee ein. Sie betete, dass ihr Partner und Ausbilder sich krankgemeldet hatte.

Aber sie hatte Pech.

Heute war nicht gerade ihr Glückstag.

Sie roch ihn, bevor sie ihn sah. Hörte ihn, noch bevor sein Geruch ihr in die Nase drang. Dieses ekelhafte Körperspray, in dem er gern zu baden schien. Und das Lachen, bei dem alle anderen Frauen in der Truppe fast in Ohnmacht fielen. Für Krista hingegen hörte er sich an wie ein gruseliger Clown, der vorhatte, ihr im nächsten Moment das Gesicht abzuziehen. Ganz egal, wie oft sie ihn abblitzen ließ, seine Annäherungsversuche zurückwies oder höflich, aber bestimmt Nein zu seinen Avancen sagte, er war überzeugt, er könnte bei ihr landen, und am Ende würde sie mit ihm schlafen oder zumindest einen trinken gehen.

Als wäre es bei der Polizei ein Initiationsritus, mit seinem Vorgesetzten Sex zu haben. Jedenfalls, das war wohl der Punkt, bei Polizistinnen. Das behauptete er, aber sie wusste, dass es nicht stimmte. Der Unsinn war allein auf seinem Mist gewachsen. Er nutzte jeden dämlichen Vorwand, der ihm nur einfiel, um eine weitere Rekrutin in sein Bett zu kriegen. Aber bis jetzt hatte er bei ihr keinen Erfolg gehabt. Es war schon lange her, dass Krista einen Mann in ihr Höschen gelassen hatte, und auf keinen Fall wollte sie ihre Durststrecke mit Myles Slade beenden, diesem König der Trottel.

Sie und zwei ihrer Kolleginnen hatten etwa zur gleichen Zeit auf dem Revier angefangen. Nur Krista stand noch auf Myles' Abschussliste der Frauen, die er in sein Bett kriegen wollte, notfalls mit Druck. Das war der Grund, weshalb er sich so für sie interessierte: Sie war die Letzte. Er musste sie ins Bett kriegen, um die Reihe vollzumachen.

Pfui Teufel!

Weder Wendy noch Marlise hatten allzu viel über ihre Zeit mit Myles erzählt; anscheinend wollten sie beide nicht darüber sprechen. Sie hatten ihre Fragen schulterzuckend abgewehrt. Gesagt, es sei ja nur eine Nacht gewesen, nach ein paar Drinks in einer Bar, und dass der Mann nun mal ihre Zukunft in der Hand hatte, ihre Karriere, und dass er das Leben eines Polizeianfängers leicht in einen Albtraum verwandeln konnte. Es war einfacher, die Klappe zu halten, die bittere Kröte zu schlucken und weiterzumachen.

Der Mann machte Krista krank. Sie bekam buchstäblich Kopfweh und Bauchschmerzen, sobald er den Raum betrat. Und es war, als hätte er einen sechsten Sinn dafür, wo sie sich gerade befand … er schaffte es immer, sich zwischen sie und die nächste Tür zu stellen. Ihr den Fluchtweg abzuschneiden.

»Startklar?«, fragte er mit einem ekelhaften Schnurren in der Stimme und stellte sich hinter sie, viel zu nah.

Mit geblähten Nasenflügeln, einem verächtlichen Grunzen und hochgezogenen Schultern brachte sie Abstand zwischen sich und ihn. Er war gerade erst hereingekommen, und schon war ihr zutiefst unwohl und klaustrophobisch zumute. Es machte sie wütend, dass es ihm gelungen war, ihr als Ausbilder zugeteilt zu werden. Sie vermisste Janice.

»Japp«, sagte sie, entschlossen, ihn nicht merken zu lassen, wie abstoßend sie ihn fand. Er wurde immer wütend, wenn er spürte, dass sie ihm absichtlich aus dem Weg ging, und geriet richtig außer sich, wenn sie ihn mal wieder abblitzen ließ. Aber anstatt den Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen und sich damit zu arrangieren, dass sie kein Interesse hatte, machte er weiter, als würde sie nur so tun, als sei sie schwer zu kriegen, als wäre das alles ein Spiel. Aber das war es nicht. Nicht für Krista, die im Gegensatz zu ihm in der Wirklichkeit lebte.

Er hatte explizit darum gebeten, sie persönlich ausbilden zu dürfen. Anscheinend hatte er den Hauptkommissar um den Finger gewickelt und kam mit so gut wie allem durch, also hatte Krista dieses Raubtier jetzt täglich am Hals.

»In Ordnung.« Myles rieb sich die Hände, und seine Augen funkelten manisch. »Los geht's, hopp hopp. Nachher fahren wir Highway-Patrouille. Richten eine Straßensperre ein und vielleicht eine Radarfalle. Schreiben ein paar Vorladungen und so.« Er wollte ihr einen Klaps auf den Hintern geben, aber genau in diesem Augenblick kam Hauptkommissar Wicks vorbei, und so ließ er seine Hand stattdessen an ihrer Hüfte vorbei auf den Tisch knallen.

»Alles in Ordnung hier?«, fragte Wicks und ging in die kleine Personalküche.

»Alles in bester Ordnung, Sir«, sagte Myles mit einem verschmitzten Lächeln. »Matthews und ich sind heute auf Highway-Patrouille. Freitags um sechs Uhr morgens am Wochenende erwischen wir doch ganz bestimmt ein paar Raser.« Myles grinste übers ganze Gesicht. Es machte die ganze Sache wirklich nicht besser, dass er sie an einen Serienmörder erinnerte. Allerdings nicht die Art Serienmörder, die sich in dunklen Gassen oder Gullys versteckt und ihre Opfer mit einer Machete in winzige, mundgerechte Stücke hackt.

Nein.

Myles Slade gehörte zu der attraktiven Sorte Serienmörder. Sein Lächeln war fast zu breit und zu perfekt für sein Gesicht, und seine Gesichtszüge waren männlich und markant. Groß und blond war er, mit breiten Schultern. Es war nicht weiter verwunderlich, dass mehrere Frauen auf dem Revier für ihn schwärmten. Und seine Wangen hatten diesen immerwährenden rosigen Schimmer, als wäre er gerade aus der Kälte hereingekommen.

Aber all das war vergessen, sobald man in seine Augen blickte. Die Augen eines Raubtiers. Die Augen des Teufels. So braun, dass sie fast schwarz wirkten. Man sah die Pupillen nicht – niemals. Weder in einem dämmrigen Raum noch im hellen Lampenlicht waren sie auszumachen. Sie verschwanden einfach in der Dunkelheit der Iris. Oft ertappte sich Krista dabei, wie sie seinem Blick auswich und den Augenkontakt um jeden Preis vermied, denn je länger sie seinem Blick standhielt, desto mehr war es, als würde Luzifer selbst sie anstarren. Seelenlose, leere Löcher – dämonische Augen.

»Gut, gut.« Wicks lachte leise. Sein Blick huschte zu Myles, und kurz war da ein Hauch von etwas, das fast wie Unbehagen aussah, bevor er es mit einem breiten Lächeln überspielte – ein so flüchtiger Augenblick war es nur, dass es Krista fast entgangen wäre. »Na gut, dann passt mal auf euch auf da draußen.« Und mit einem Nicken und einem Lächeln, so falsch, dass nicht einmal die Kaffeemaschine es ihm abkaufte, verließ er den Raum.

»Wäre das dann alles?«, fragte das Teenie-Mädchen hinter der Kasse und sah ihn mit übertrieben stark geschminkten Augen an. »Haben Sie alles gefunden, was Sie gesucht haben?«

Brock Hart grunzte, nickte, warf Geld auf den Tresen und ging dann hinaus, ohne den Bon mitzunehmen. Vor der Tür wartete sein großer schwarzer Pick-up auf ihn.

Warum war er so wütend wegen eines durchgebrannten Scheinwerfers? Das konnte halt mal passieren. Aber aus irgendeinem Grund sah er wegen dieser kleinen Unannehmlichkeit rot.

Fragte man allerdings diejenigen, die Brock am besten kannten, so hätten sie wohl übereinstimmend gesagt, dass er die Welt grundsätzlich in verschiedenen Rottönen zu sehen schien. Und zwar nicht im Sinne einer rosaroten Brille. Eher im Sinne von »Ich hasse die Welt und alles und jeden«.

Er verließ den Parkplatz und raste auf die Straße, nahm die nächstbeste Auffahrt zur Autobahn und ließ seiner Wut freien Lauf. Schlängelte sich durch den Verkehr wie ein Formel-1-Fahrer. Hatte die volle Kontrolle über PS und mehrere Tonnen Metall. Die Scheibenwischer liefen auf Hochtouren, und die Straßen waren nach dem plötzlichen Regenguss rutschig. Eigentlich war der Sommer erst in einer Woche offiziell vorbei, aber der Herbst erhob dieses Jahr schon früh sein hässliches Haupt.

Die Radarfalle vor ihm war leicht zu erkennen. Mehrere Autos vor ihm blinkten zur Warnung, also trat er mit einem missgestimmten Brummen auf die Bremse und schaltete den Tempomat ein.

Schnaubend schüttelte er den Kopf. Die Polizistin war gut zu sehen, wie sie dastand, die Radarpistole direkt auf den Gegenverkehr gerichtet. Jeder, der ihr entgegenkam, sah sie schon von Weitem und hatte ausreichend Zeit, um abzubremsen, bevor sie seine Geschwindigkeit ablesen konnte. Trotz des starken Regens und des grauen Himmels war sie nicht zu übersehen.

Muss wohl eine Anfängerin sein.

Sie stand breitbeinig am Straßenrand und richtete die Radarpistole direkt auf seinen Wagen.

Mehr Glück beim nächsten Mal, Schätzchen.

Doch da winkte sie ihn raus.

Was soll der Scheiß?

Er blickte hinter sich. Sie konnte ihn nicht rauswinken. Er fuhr genau innerhalb des Tempolimits. Und das schon seit acht Sekunden. Aber als er wieder zu ihr rüberblickte, fing sie seinen Blick ein und zeigte auf ihn, unmissverständlich direkt auf ihn, und befahl ihm, anzuhalten.

Was soll's.

Er war noch nie angehalten worden.

Er bremste ab, hielt an und ließ sein Fenster herunter, um sie über ihren Fehler aufzuklären. Doch dann stand auf einmal der personifizierte Sex in Uniform vor ihm. Die dunkelroten Haare waren zu einem strengen Dutt hochgesteckt, und sie hatte die stechendsten blauen Augen, die er je gesehen hatte. Und der Körper, heiliger Strohsack … wenn sie ohne ihre Uniform nur halb so gut aussah, würde kein Mann, der das Privileg hatte, mit ihr ins Bett zu gehen, besonders lange durchhalten.

Woher zum Teufel kamen diese Gedanken auf einmal?

»Guten Tag, Sir. Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte.« Ihre Stimme war süß wie Milchschokolade, zitterte aber ein wenig.

Hat er sie nervös gemacht? War dies ihr erstes Mal? Raubte er ihr gerade die Strafzettel-Jungfräulichkeit? Er reichte ihr seinen Führerschein und kramte im Handschuhfach nach der Zulassung.

»Haben Sie eine Ahnung, wie schnell Sie gefahren sind … Mr. Hart?« In ihrer Stimme lag noch immer ein Zittern, und jetzt erfasste es auch ihre Hände. Sie richtete den Blick auf seine Unterlagen.

»In der Tat, das weiß ich. Ich hatte den Tempomat eingeschaltet.«

Sie hob den Kopf und öffnete den perfekten kleinen Mund. »Ach wirklich? Auf welche Geschwindigkeit hatten Sie ihn denn eingestellt?«

»Das Tempolimit … selbstverständlich.«

Sie zückte die Radarpistole, die sie sich unter den Arm geklemmt hatte, und studierte sie eingehend, als wäre sie ein Schriftstück, das sie sich genau einprägen wollte. Brock hob geduldig die Augenbrauen und amüsierte sich köstlich über die wachsende Nervosität dieser kleinen Kämpferin für die Gerechtigkeit.

Sie schien zu frieren. Wasser tropfte ihr von Hutkrempe und Wimpern, und ihre Wangen waren gerötet. Er erinnerte sich an kalte, nasse Nächte bei Einsätzen im Freien. Alles war gut, solange nicht die Unterwäsche nass wurde. Wenn er keine trockenen Unterhosen mehr hatte, wurde er noch viel unleidlicher, als er eh schon war.

Sie kniff die Augen zusammen und sah ihn wieder an. »Ich bin gleich wieder da.« Mit diesen Worten marschierte sie zu ihrem Streifenwagen, seinen Führerschein und die Papiere immer noch in der Hand.

Alles Strategie. Die Leute im eigenen Saft schmoren lassen.

Brock kannte sich mit diesen Methoden aus.

Nicht dass er jemals selbst angehalten worden wäre, trotz seiner Vorliebe für hohe Geschwindigkeiten, aber er hatte oft genug bei Freunden auf dem Beifahrersitz gesessen, die angehalten wurden, um zu wissen, dass sie sich verdammt viel Zeit lassen würde, ehe sie zurückkehrte.

Sie setzte darauf, bei ihrer Rückkehr einen völlig zermürbten Fahrer vorzufinden, der bereit und willens war, ihr zu gestehen, dass er in der Tat zu schnell gefahren war, gestern bei Rot über die Straße gegangen war und möglicherweise sogar eine Leiche im Kofferraum spazieren fuhr.

Aber Brock Hart war kein gewöhnlicher Mann.

Kein gewöhnlicher Fahrer.

Seine Nerven verkrafteten noch ganz anderes als das Herausgewunkenwerden und das Warten auf eine Polizistin – eine heiße Polizistin. Seelenruhig betrachtete er die Scheinwerfer des Gegenverkehrs und den Regen, der in mäandernden Strömen am Beifahrerfenster abperlte.

Zu seiner Überraschung ließ sie ihn nicht lange warten. Innerhalb von drei Minuten schwang sie ihre hübschen kleinen Hüften zurück zu seinem Wagen, ein süffisantes Grinsen auf den sinnlichen Lippen.

Sie warf einen Blick auf seinen Führerschein und dann wieder auf ihn. Ja, er sah überhaupt nicht mehr aus wie auf dem Foto. Sein Bürstenhaarschnitt war herausgewachsen, er hatte das, was seine Mutter einen »Bartschatten« nannte, und sein Gesicht war etwas fülliger geworden. Das Bild war nur wenige Tage nach seiner Rückkehr von der letzten Mission in Übersee aufgenommen worden, vor einer gefühlten Ewigkeit. Das Einzige, was sich nie ändern würde, waren seine grünen Augen.

Sie blinzelte ihn an und schaute dann wieder auf seinen Führerschein. »Sie sind vielleicht nicht zu schnell gefahren, Mr. Hart, ich habe Sie wohl mit dem Wagen hinter Ihnen verwechselt, aber Ihr Scheinwerfer ist kaputt, und das bedeutet …« Sie begann, den Zettel auf ihrem Notizblock auszufüllen. »… sechzig Dollar Strafe.« Sie leckte sich über die Lippen und schluckte ein paar Mal.

Seine Mundwinkel bogen sich nach oben, eine echte Seltenheit bei ihm, aber aus irgendeinem Grund entlockte ihm diese Frau ein Lächeln. »Na gut, aber nur damit Sie es wissen: Ein kaputter Scheinwerfer führt in der Regel zu einer mündlichen, höchstens aber zu einer schriftlichen Verwarnung.«

Ihr Kopf ruckte hoch, und beinahe hätte sie ihren Stift fallen lassen. »Sind Sie Polizist?«

Er schüttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern. »Nein. Aber ich kenne mich trotzdem aus.« Er freute sich über die Röte, die ihr ins Gesicht schoss. »Außerdem bin ich gerade auf dem Weg nach Hause, um den Scheinwerfer zu ersetzen.« Er nahm den Ersatzscheinwerfer vom Beifahrersitz und hielt ihn hoch. »Das hier ist der neue. Und wenn Sie mir jetzt einen Strafzettel ausstellen, kann ich ihn vor Gericht anfechten, sobald mein Wagen repariert ist.«

Sie sah aus, als müsste sie sich gleich übergeben. »Haben Sie Ihre Quittung aufbewahrt?«

»Ja.«

Gelogen.

Sie atmete tief durch, wodurch sich ihm ihre Brüste entgegenhoben, und sosehr er sich auch bemühte, den Blick auf ihr Gesicht gerichtet zu lassen, er blickte doch kurz nach unten und sah das Namensschild an ihrer Brust. Constable K. Matthews. Sie bemerkte seinen Blick und gab ein kehliges kleines Geräusch von sich, woraufhin er ihr rasch wieder ins Gesicht blickte. Ihre Kiefer waren fest zusammengepresst, und die Röte, die sich ihren Hals und ihre Wangen hinaufgeschlichen hatte, erreichte inzwischen ihren Haaransatz. Die Frau hatte die Farbe einer Mohnblume angenommen.

»Hören Sie, sagen Sie mir nicht, wie ich meine Arbeit zu erledigen habe. Ja, üblicher wäre eine Verwarnung, aber wenn ich Ihnen ein Bußgeld aufbrummen will, dann mach ich das auch.«

Ihr Feuer gefiel ihm.

Er biss sich auf die Innenseiten seiner Wangen. Er war entschlossen, nicht zu grinsen, und wenn es ihn umbrachte. »Tut mir leid, Officer.«

Sie schnaufte und schien ein wenig Selbstbewusstsein zurückgewonnen zu haben. Ihre blauen Augen leuchteten im Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Wagens auf. »Verschwinden Sie einfach von hier … und übrigens, es heißt Constable.« Den letzten Teil des Satzes sagte sie so leise, dass er sie kaum verstand. Sie gab ihm seine Papiere zurück und ging zu ihrem Wagen, ohne sich noch einmal umzusehen.

Brock rutschte in seinem Sitz hin und her, und sein halb erigierter Schwanz drückte unangenehm gegen seine Jeans.

Nun, das war seltsam.

Zu seiner Verwunderung und ohne dass er es sich erklären konnte, fühlte er sich besser, weniger wütend, als er sich wieder in den Verkehr einreihte. Die Welt war gar nicht mehr in leuchtendes Scharlachrot getaucht, sondern eher von einem schimmernden Orange – fast wie das Haar von Constable Matthews …

Kapitel 2

»Noch ein Bier?«, fragte Mickey.

Brock nickte.

»Und, wie geht es deiner Mutter?«

Brock schälte geistesabwesend eine Erdnuss, warf die Schale auf den Tresen und steckte sich die Nuss in den Mund. Er nickte. »Ganz gut.«

»Maisie wollte sie schon lange mal anrufen. Sie kann ja nicht mehr zu den Stricktreffen, seit sie sich das Handgelenk gebrochen hat, und vermisst es sehr.«

Brock grunzte. »Wie geht es ihrem Handgelenk?«

Mickeys hellblaue Augen funkelten. »Sie lässt sich davon nicht groß aufhalten. Sie ist immer noch ständig im Garten und kocht täglich, als wäre nichts passiert. Das Einzige, was sie nicht mehr kann, ist Nähen, und das macht sie ganz irre. Sie hatte vor, jedem Enkelkind zu Weihnachten eine Steppdecke zu machen. Daraus wird jetzt wohl nichts mehr.«

Brock schnaubte und nickte Mickey zu, als der ihm ein frisches Bier hinschob.

»Tequila, bitte«, sagte eine kräftige weibliche Stimme neben ihm.

Brock, der gerade das Kondenswasser betrachtet hatte, das sich an seinem Bierglas bildete, blickte auf und sah nichts als die rote Lockenpracht einer Frau, die sich neben ihm niederließ, und dann stieg ihm der süßeste und schönste Duft der Welt in die Nase. Geißblatt vielleicht? Er hatte keine Ahnung. Er wusste nur, dass er den Geruch mochte.

Mickey schenkte Tequila in ein Glas ein, dekorierte es mit einer Limettenspalte und stellte das Glas und einen Salzstreuer vor die geheimnisvolle Rothaarige. Sie vollzog das klassische Tequila-Ritual mit Salz, Shot und Limette, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und bat um einen weiteren Drink.

Brock sah Mickey mit hochgezogener Augenbraue an. Aber sein Ersatzvater, der an einen hinter den Bartresen geratenen Weihnachtsmann erinnerte, schnaubte nur, zuckte grinsend mit den Schultern und schenkte der Dame noch einen ein. Dann holte er eine Schale mit Limetten und stellte sie vor ihr ab. »Ich hoffe, du hast heute nicht mehr vor, Auto zu fahren, Süße«, sagte er.

Sie kippte den zweiten Drink runter und schüttelte den Kopf. »Nein, würde mir nicht im Traum einfallen. Ich bin Polizistin. Ich nehme ein Taxi oder gehe im Notfall einfach zu Fuß.«

Diese Stimme.

Sie ist Polizistin.

DIE Polizistin?

Nie im Leben.

Brock musterte sie, sah aber nichts als Locken. Hatte die Polizistin, die ihn angehalten hatte, die gleiche Haarfarbe gehabt? Er konnte sich nicht erinnern, auf so etwas achtete er normalerweise nicht. Er wusste, dass sie eine Rothaarige gewesen war. Eine heiße Rothaarige. Aber war es dieselbe Polizistin? An der Westküste gab es sicher mehr als nur eine rothaarige Polizistin. Doch was hatte sie hier in Fern Valley zu suchen? Die Westküste war gut zwanzig Minuten von hier entfernt.

Schließlich, nachdem er gefühlte Ewigkeiten so unauffällig wie möglich die Frau beobachtet und darauf gewartet hatte, dass sie den Kopf bewegte, hob sie eine blasse, schmale Hand und strich sich eine gewellte Strähne hinters Ohr.

Japp, sie war es.

»Noch einen, bitte«, sagte sie und sah Mickey an.

Brock gluckste in sich hinein. Hatte die kleine Lady etwa einen harten Tag gehabt? Nur Verbindungsstudentinnen und Leute, die dringend ihren Tag vergessen wollten, kippten sich derart entschlossen Tequila hinter die Binde wie Constable – Scheiße, wie war noch mal ihr Nachname?

»Harter Tag?«, fragte er.

Sie grunzte und leckte das Salz von ihrem Handrücken. »Das kann man wohl sagen.« Sie leerte das Glas und steckte sich die Limette in den Mund, dann drehte sie sich zu ihm um. Und verdammt sollte er sein, wenn diese hellblauen Augen bei seinem Anblick nicht doppelt so groß wurden. Vor lauter Überraschung lutschte sie den Limettenschnitz ganz in den Mund und begann zu würgen.

Brock schluckte seine Belustigung runter, statt laut aufzulachen, und klopfte ihr mit der flachen Hand auf den Rücken. »Alles in Ordnung, Constable? Kommen Sie klar?«

Mit zusammengekniffenen Augen hustete sie den Limettenspalt in ihre Hand, griff nach dem großen Glas Wasser, das Mickey ihr nach dem zweiten Drink hingestellt hatte, und trank es in einem Zug leer, während sie ihn über den Rand hinweg anstarrte. Dann holte sie tief Luft. »Was in aller Welt tun Sie hier?«, fragte sie und wischte sich erneut mit dem Handrücken über den Mund.

»Dasselbe wie Sie.«

Ein Winkel ihres kleinen, sexy Mundes zuckte. »Sie ertränken Ihre Sorgen?«

»Sie haben Sorgen?«

Sie stieß einen erschöpften Seufzer aus und nickte.

»Sie sollten etwas essen, wenn Sie vorhaben, weiterhin so viel zu trinken«, sagte er.

»Ja?« Sie schnaubte.

Normalerweise war Brock nicht der Typ, der sich für Plaudereien mit Fremden interessierte, aber aus irgendeinem Grund wollte er mehr über diese temperamentvolle kleine Polizistin erfahren, obwohl alles an ihr sagte: Lass mich verdammt noch mal in Ruhe.

»Sie wollen mich also zum Essen einladen?«, fragte sie.

»Kann ich gern machen«, sagte er lässig. »Ist wohl das Mindeste, was ich tun kann, nachdem Sie mich heute Nachmittag mit einer Verwarnung haben davonkommen lassen … Constable …«

»Matthews.«

Richtig.

»Constable Matthews.«

Sie blinzelte ihn an. »Danke … äh …«

»Sie erinnern sich nicht an meinen Namen, stimmt’s, Constable?« Wieder lachte er leise, griff nach einer Speisekarte und schob sie ihr vor die Nase. »Suchen Sie sich was aus. Ich zahle.«

Sie verdrehte die auffallend blauen Augen und schlug die Speisekarte auf. »Deluxe-Burger mit Speck, Champignons und extra Gurke.«

Brock sah Mickey an und hob zwei Finger. Der Barkeeper nickte.

»Erinnern Sie sich an meinen Namen?«, erkundigte sich Brock erneut und rückte seinen Barhocker ein wenig näher an ihren heran.

»Ich habe heute haufenweise Leute angehalten und eine Menge Strafzettel ausgestellt. Ich kann mir nicht alle Namen merken.«

»Brock Hart. Und Sie sind Constable K. Matthews. Wofür steht das K? Kratzbürste?« Seine Brust und seine Schultern zuckten vor Belustigung, und obwohl sie sichtlich versuchte, dagegen anzukämpfen, musste sie am Ende doch mitlachen.

»Krista«, flüsterte sie, und als Mickey sie fragte, ob sie noch einen Drink wolle, zog sie die Augenbrauen hoch und nickte ihm zu.

»Wohnst du hier in der Nähe?«, fragte er, während er ihren Namen im Kopf hin und her wälzte und entschied, dass er zu ihr passte.

Sie nickte. »Und du?«

»Du wohnst wirklich hier in der Nähe?«, fragte er erstaunt, statt zu antworten. »Reicht das Gehalt einer Polizistin etwa nicht aus, um … ich weiß nicht, um nicht hier zu wohnen?«

Sie zuckte mit den schmalen Schultern und bedankte sich beim Barkeeper, der ihr einen weiteren Drink hinstellte. »Ich bin in der Kleinstadt aufgewachsen. An einer unbefestigten Straße mitten im Nirgendwo. Hier fühle ich mich zu Hause. Ich bin das Leben in der Großstadt nicht gewohnt. Ich mag Frieden und Ruhe. Mir gefällt die Vorstellung, Bären und Rehe in meinem Garten zu haben. Außerdem bin ich noch in der Ausbildung. Ich verdiene praktisch nichts.«

»Bären?«

Sie nickte. »Früher haben sie ständig unsere Apfelbäume geplündert.«

»Wohnst du hier in der Gegend zur Miete?«

»In einer Souterrainwohnung in einem großen Haus, ein paar Kilometer die Straße runter.«

Mickey kam angeschlendert und stellte zwei große, schöne, fettige Burger vor ihnen auf den Tresen, neben denen sich dicke, keilförmig geschnittene Pommes türmten. Krista machte große Augen, und Brock lächelte über ihre kindliche Freude. Sie war ganz zu Recht beeindruckt, die Burger waren fantastisch.

Brock nahm sich eine dampfende Fritte und biss hinein. »Iss. So viel Tequila, wie du in dich reingeschüttet hast, kannst du sonst nicht mehr nach Hause laufen.«

Sie warf ihm einen missbilligenden Blick zu, tat aber trotzdem wie geheißen. »Und ich habe vor, noch mehr zu trinken.«

Die Bar befand sich so ziemlich am Ende der Welt in einer Gemeinde namens Fern Valley, die zu Victoria gehörte. Nicht allzu weit, aber doch weit genug entfernt von den prestigeträchtigen und hübschen Häusern am Prospect Lake. Hier fand man keine millionenteuren Villen, in denen Ärzte und Anwälte residierten. Nein, in dieser Gegend parkten Hinterwäldler ihre Pick-ups am Straßenrand und stellten sie einfach zum Verrotten in die Büsche, wenn sie nicht mehr funktionierten. Aber das passte Brock ganz gut. Er mochte seine Einsamkeit und die Ruhe. Und diese schäbige Spelunke in der Mitte vom Nirgendwo gehörte zur Hälfte ihm. Er hatte sie zusammen mit Mickey gekauft, als der frühere Besitzer in Rente gegangen war. Brock kümmerte sich um die geschäftlichen Belange, während Mickey fürs Personal zuständig war und hinterm Tresen stand. Es war eine Biker-Bar, eine Hinterwäldler-Bar, aber es war sein Zuhause, und Brock gefiel es hier.

Er beobachtete im Spiegel hinter der Bar, wie Krista langsam kaute, ein kleines, sexy Lächeln im Gesicht. Sie schloss die Augen und gab ein leises, zufriedenes Summen von sich. Jordy in der Küche machte fantastische Burger. Brocks Geschmacksknospen waren genauso glücklich wie die von Krista. Und verdammt, was würde er dafür geben, jetzt dieser Burger zu sein, der sich auf ihrer Zunge und in ihrem heißen Mund befand.

Sie schluckte den Bissen runter. »Also, Brock Hart, wenn das dein richtiger Name ist … wo wohnst du?«

Ein Lächeln umspielte seine Lippen, während er gründlich auf seinen Pommes herumkaute. »Hier in der Nähe«, sagte er schließlich. »Zu Fuß erreichbar.«

»Stolperdistanz?« Sie kicherte und machte sich ebenfalls über ihre Pommes her. »Denn genau das würden wir tun, dorthin stolpern. Oder zumindest ich. Der Tequila hat mich schwer getroffen. Gute Idee mit dem Essen.«

Brock antwortete nicht. Er betrachtete einfach ihr Gesicht. Sie hatte einen winzigen Klecks Senf im Mundwinkel, den er ihr abwischen, abschlecken oder ablutschen wollte. Vorzugsweise Letzteres.

»Willst du hier weg?«, fragte er schließlich.

»Ich … äh …«

Unbekümmert zuckte er mit einer Schulter und schaufelte sich Pommes frites in den Mund, bevor er einen kräftigen Schluck von seinem Bier nahm, um sie runterzuspülen.

Sie musterte ihn neugierig, bevor sie mit einem Nicken Richtung Mickey noch einen Drink bestellte. »Ich hatte einen furchtbaren Tag«, sagte sie leise. »Ich trinke, um zu vergessen.«

»Musstest du etwa den ganzen Tag im Regen stehen und Strafzettel ausstellen?«, fragte er ebenso leise, leerte sein Bier und bat Mickey durch das Heben einer Braue um das nächste.

Sie nickte erst, schüttelte dann aber den Kopf. »Ich habe keinen einzigen Strafzettel ausgestellt. Und dann gab es einen tödlichen Unfall auf der Autobahn, um den wir uns kümmern mussten.«

»Das tut mir leid«, sagte er. »So etwas ist nie einfach.«

Sie schüttelte erneut den Kopf. »Nein, nie.«

Es kam ihm vor, als würde sie absichtlich seinem Blick ausweichen. Sie ließ die letzte Fritte in dem großen Klecks Ketchup auf ihrem Teller kreisen, bis sie ganz schlaff und über und über rot war. »Ich will keine Verkehrspolizistin sein«, flüsterte sie schließlich. »Es war scheußlich dort draußen. Abgesehen von dir habe ich nur zwei kleine alte Damen angehalten und es nicht übers Herz gebracht, ihnen Strafzettel zu verpassen.«

Er schnaubte. »Ja. Mein Vater war Polizist und sagte, es sei hart, wenn man ein Auto wegen überhöhter Geschwindigkeit anhalten muss und dann einen Rentner hinter dem Steuer vorfindet. Meistens fahren sie ja gottverdammt langsam, aber hin und wieder erwischt man auch einen fünfundachtzigjährigen Mario Andretti mit Notfallarmband, der mit sechzig an einer Schule vorbeiflitzt.«

Zu Brocks Überraschung und Entzücken – und auch dieses Entzücken überraschte ihn – brach sie in Gelächter aus, nickte und knallte ihr Glas auf den Tisch. Verdammt, war sie süß. Und sie roch unglaublich gut.

Er nickte, gab Mickey ein Zeichen und sagte ihm, er solle alles auf seine »Rechnung« setzen.

Krista war mit ihren Pommes fertig, leerte ihr Wasserglas und stieß ein lautes und zufriedenes »Ah« aus. Dann hob sie den Kopf und blinzelte ihn unter den langen Wimpern an. »Das Foto in deinem Führerschein sieht dir gar nicht besonders ähnlich«, sagte sie. »Ich mag dein längeres Haar. Und dein Gesicht ist runder geworden.«

Seine Haut prickelte. Er hoffte bei Gott, dass sie nichts Persönliches fragen würde. Brock wurde nie persönlich.

Sie beugte sich vor, bis ihre Gesichter nur noch fünf Zentimeter voneinander entfernt waren. Ihr Atem roch nach Tequila und Ketchup, aber dieser Geruch wurde schnell von einem göttlichen Duft verdrängt – blumig und süß mit einem Hauch von Gewürzen. Er hüllte Brock ein, und er musste gegen den Drang ankämpfen, die Augen zu schließen und tief einzuatmen.

»Hmm?«, brummte er und fragte sich, was sie wohl gerade in seinem Gesicht sehen mochte.

Sie blinzelte ihn mit diesen diamantblauen Augen an und lächelte verschmitzt. »Du hast wunderschöne grüne Augen. Und der Stoppelbart ist heiß, definitiv besser als der glatt rasierte Look auf deinem Foto.«

So gut erinnerte sie sich? War das etwa eine Anmache? War sie immer so forsch, oder machte der Tequila sie kühn? Es war ihm egal. Sie war verdammt heiß, und wenn sie auch nur ein Wort in diese Richtung sagte, würde sie bei ihm zu Hause unter ihm liegen und die Fingernägel in seinen Rücken krallen, noch bevor die Uhr zwölf schlug.

»Du bist mir was schuldig«, sagte sie leichthin.

Er beschloss, mitzuspielen. »Ach wirklich? Ich habe dir einen Burger spendiert und deine Drinks bezahlt. Ich würde sagen: Was immer du meinst, was ich dir schulde, wir sind quitt.«

Sinnlich biss sie sich auf die Lippen und schüttelte den Kopf, dass die unbezähmbaren Locken flogen. »M-mh.«

»M-mh?«

»Ich habe dich mit einer Verwarnung davonkommen lassen. Und wir wissen beide, dass du zu schnell gefahren bist, bevor du mich gesehen hast. Du hast nur gerade noch rechtzeitig abgebremst.«

Okay. Erwischt.

»Dann schulde ich dir also etwas?«

Sie nickte.

»Ich glaube nicht, dass du noch mehr trinken solltest, und ich bin kein großer Fan von Nachtisch. Was meinst du denn, was ich dir schulde …Constable?«

Ihre rosafarbene Zunge schob sich zwischen ihre Lippen und fuhr verführerisch darüber. »Stolperdistanz?«

Ein Knurren stieg in seiner Kehle auf. Er hatte schon seit Ewigkeiten keinen Sex mehr gehabt, und wegen genau dieser kleinen Nymphe hier hatte er schon seit heute früh einen halben Ständer. Hatte sie ihre Handschellen wohl noch dabei? Vielleicht auch ihre Polizeimütze?

Er rutschte vom Barhocker, zog sich seine Lederjacke über und reichte ihr die Hand. »Wir brauchen keine zehn Minuten bis zu mir nach Hause.«

Mit einem strahlenden Lächeln hüpfte sie vom Barhocker. Hatte sie keinen Mantel dabei? Es war verdammt kalt draußen. Sie trug nur einen abgetragenen grauen Kapuzenpulli. Die Frau brauchte einen Mantel.

Sie folgte ihm, und er hielt ihr die Tür auf. Der Wind schlug ihnen ins Gesicht wie eine nasse Ohrfeige, und Krista fröstelte, zog die Kapuze hoch und schirmte mit einer Hand ihr Gesicht ab.

Brock ergriff ihre andere Hand und zog sie mit sich hinaus in den Windschatten des Gebäudes, wo er aus seiner Lederjacke schlüpfte und sie ihr wortlos hinhielt. Sie schlüpfte mit ihren schlanken Armen hinein, und dann ergriff er ohne ein Wort erneut ihre Hand und zog sie in die Nacht und das grimmige Herbstwetter.

Es war wie in einem Film. Er schloss die Tür zu seinem Haus auf – nichts Unheimliches oder Bemerkenswertes, nur eine gewöhnliche dunkle und kalte Diele mit einem Schuhregal, einem Kleiderhaken und einer Schale für Schlüssel. Und ehe Krista sich versah, war er über ihr. Seine Hände gruben sich in ihr Haar, sein warmer, harter, köstlicher Körper drückte sich gegen ihren. Ihre Lippen und Zungen tanzten und rangen miteinander, während sie sich fahrig und wie wild gegenseitig ihrer Kleidung entledigten. Es war ihr erster Kuss. Sie hatten kein Wort miteinander gewechselt … oder besser gesagt, er hatte während der zehnminütigen Joggingrunde durch den Regen kein Wort gesagt. Nur eine Art Grunzen, mit dem er sie auf sein Haus hingewiesen hatte, während er die Schlüssel aus seiner dicken Lederjacke fischte, die sie trug.

Aber vielleicht war es so ja genau richtig. Keine Höflichkeitsfloskeln, kein sinnloses Geplauder oder Kennenlern-Gequatsche. Um ehrlich zu sein, war es ihr in diesem Augenblick völlig egal, wer dieser Brock war. Sie interessierte allein sein Versprechen, ihren beschissenen Tag in Orgasmen zu ertränken. Das reichte Krista völlig.

Zumindest für heute Abend.

Sie stöhnte, weil er so gut schmeckte und sein Kuss so wild war, sprang an ihm hoch und schlang ihm die Beine um die Hüften. Er stöhnte ebenfalls auf, trug sie die Treppe hinauf und den Flur entlang zum Schlafzimmer. Seine Zunge hatte die Oberhand, stieß mit solch animalischer Kraft, so urgewaltigem Verlangen in ihren Mund, dass sie ihn am liebsten gebissen hätte. In seine Lippen, ins Kinn, in die Brustmuskeln, Bauchmuskeln, in seinen Hintern.

Er warf sie aufs Bett und zog rasch seine verbliebenen Klamotten aus. Sie tat es ihm gleich. Auf dem Weg von der Tür zu seinem Zimmer hatte er ihr bereits seine Jacke und ihren Kapuzenpullover abgestreift, sodass nur noch ihr blaues T-Shirt, Jeans und Unterwäsche übrig waren. In Sekundenschnelle war sie bis auf Slip und BH ausgezogen, und als sie wieder aufblickte, stand er vor ihr, gottgleich, aber zugleich unglaublich real. Nicht nur ein schönes Hirngespinst ihrer berauschten Fantasie. Groß, hart, durchtrainiert und überhaupt so verdammt gut aussehend, dass sie ihn nur stumm anstarren konnte. Auf dem Weg hierher hatte der Regen bereits nachgelassen, der ungestüme Wind hatte die dunklen, bauchigen Wolken verjagt. Jetzt stand der Mond hoch und hell am Himmel und spähte durch die Jalousien zu ihnen herein wie ein schamloser Voyeur. Das helle Licht warf bedrohliche Schatten über Brocks Gesicht und Körper, meißelte die schroffen Winkel noch schärfer heraus, aber das ließ ihn nur attraktiver aussehen. Furchteinflößend und geheimnisvoll. Das kantige Kinn hatte er entschlossen vorgeschoben, und selbst im Mondlicht konnte sie erkennen, dass seine Augen das feurigste Smaragdgrün hatten, das sie je gesehen hatte.

Sie griff nach ihm. »Hilf mir, diesen Tag zu einem guten Ende zu bringen«, schnurrte sie und hoffte, dass es laut ausgesprochen so sexy klang wie in ihrem Kopf.

Sein Grinsen war lüstern. Dann senkte er langsam, ganz langsam, als würde er befürchten, sie sonst zu zerquetschen, seinen Körper auf sie herunter. Aber sein Mund war nicht annähernd so sanft. Er fiel über sie her. Nahm von ihr und nahm, mit Lippen, Zähnen und Zunge. Raubte ihr die Luft und entriss ihrer Kehle ein Stöhnen nach dem anderen. Versuchte er, sie nur durch seine Küsse zum Höhepunkt zu bringen? So wie das gerade lief, war es nicht mal undenkbar, dass es klappte.

Er schmeckte nach Bier, sie wahrscheinlich nach billigem Tequila, aber das war ihr egal. Sie wussten beide, was das hier war: heißer, verschwitzter, leidenschaftlicher und trunkener Sex mit einem Fremden, bei dem es nur darum ging, sich gut zu fühlen. Der Geruch nach Bier in seinem Atem machte sie nur noch mehr an, während seine Zunge die ihre bearbeitete, bis sie sich ihm ergab. Sie wollte ihn nur umso mehr; ihn, seinen Körper und diese Nacht. Sie schlang die Beine um seine Taille und warf sich ihm entgegen, spürte, wie seine granitharte Erektion gegen ihr Becken drückte. Sie sehnte sich danach, seinen Schwanz zu berühren, ihn in ihrer Hand zu spüren, sein Gesicht zu sehen, während sie ihm Vergnügen bereitete.

Aber sie hatte kaum Zeit, diesen Gedanken zu Ende zu denken, da ließ sein Mund von ihren Lippen ab und begann ihren Körper hinunterzuwandern. Seine Hände glitten ebenfalls an ihr hinunter und öffneten den Verschluss ihres BHs, der sich vorn befand. Er bedeckte ihre nackten Brüste und die Brustwarzen mit warmen, nassen Küssen, dann ihren Brustkorb, ihren Bauchnabel, ihren Venushügel und schließlich noch tiefer. Seine geschickten Finger zogen ihr das Höschen aus.

»Nein, nein!«, protestierte sie, denn sie hatte schon genug One-Night-Stands gehabt, um zu wissen, dass Oralsex dabei nicht unbedingt dazugehörte. Eigentlich ging es darum, sich gegenseitig schnell und heftig dort zu kratzen, wo es juckte, oder nicht?

Aber er grunzte nur und berührte mit der Zunge ihren Kitzler genau an der richtigen Stelle, woraufhin unwillkürlich ihr Bein zuckte und ihm ihr Knie auf den Schädel knallte. Er kicherte diabolisch, ließ aber nicht von ihr ab, hörte nicht auf mit der süßen Folter. Stattdessen spreizte er sie mit seinen großen Fingern und tauchte tiefer ein, bereitete ihr mit Lippen, Zunge, Nase und Fingern eine schier wahnsinnige Lust; er lockte und stieß, leckte und küsste. Sie war wild nach ihm, sehnte sich nach dem Orgasmus, aber als er weitermachte und sie den Tequila in ihrem Blut spürte, wurde ihr klar, dass sie in dieser Nacht nur einen Höhepunkt verkraften konnte. Es musste also ein guter sein.

»O Gott …«, stöhnte sie und drückte sich gegen sein Gesicht. Streichelte ihre Brüste und zog an den harten, schmerzenden Brustwarzen. Vor Kurzem noch war sie bis auf die Knochen durchgefroren gewesen, jetzt aber glühte sie vor Hitze. Ihre Hände wanderten an ihrem Körper hinab und legten sich auf seinen Kopf. Sein Haar war weich. Kaum länger als bei einem Buzz Cut. Es stand ihm. Es kitzelte über die Innenseiten ihrer Oberschenkel, während sich sein Kopf zwischen ihren Beinen bewegte und sein Mund versaute, wundervolle Dinge anstellte. In trunkener Neugier erkundete sie weiter seinen Kopf, fuhr mit den Fingerspitzen über seine Ohrmuscheln, über seine Stirn und die Brauen, die sich in tiefer Konzentration zusammenzogen. Verdammt, selbst eine blinde Frau würde wissen, dass dieser Mann sexy war.

Seine Zähne streiften über die Innenseite ihrer Oberschenkel. Er biss sanft zu, und sie gab ein Quietschen von sich. Die ganze Zeit über stießen seine Finger weiter in sie und trieben sie auf den Abgrund zu, bis von ihrem Verstand kaum mehr etwas übrig war. Wild warf sie den Kopf auf dem Kissen hin und her, und ihre Lippen verlangten nach mehr.

»Fick mich!«, befahl sie, weil sie wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde, aber auch, weil sie mehr wollte als nur seinen Kopf zwischen ihren Beinen. Sie wollte ihn ganz und gar in sich haben.

Er fuhr ein letztes Mal mit seiner meisterhaften Zunge zwischen ihren Beinen entlang und richtete sich dann auf wie ein stolzer Löwe kurz vor dem Angriff; stützte die Hände links und rechts neben ihren Kopf, und sie sah die Muskeln in seinen Armen spielen.

»Bist du betrunken?«, fragte sie. Sie wusste nicht, weshalb sie das Bedürfnis hatte, sich nach seiner Nüchternheit zu erkundigen, aber aus irgendeinem Grund war es eine wichtige Information für sie, kurz bevor er in sie eindrang.

»Ja«, sagte er schroff, und sie hörte ihm deutlich die Anspannung und die Frustration darüber an, noch nicht in ihr zu sein. »Aber das hat damit nichts zu tun. Ich würde dich auch nüchtern ficken.« Und dann war es ihr nicht mehr erlaubt zu sprechen. Sein Mund fand den ihren, und er versank bis zu den Eiern in ihr.

Er war wie eine große, rohe Urgewalt, die ihren Körper erfasste, aber dann zog er seine Hüften genau im richtigen Moment zurück, ehe sie über die Kante stürzte. Eine gefühlte Ewigkeit lang schwebte sie über dieser hauchdünnen Grenze. Ihre Nägel fuhren über seinen breiten, harten Rücken. Sie genoss es, wie er erzitterte, als sie die Finger in seine festen Arschbacken grub. Der Mann bestand von Kopf bis Fuß aus Muskeln. Fels unter ihren Händen. Brock der Fels. Er senkte die Zähne auf ihren Hals und ihre Schultern hinunter, leckte und biss. Seine Lippen fanden ihre Brustwarze, er saugte an ihr, biss zu, und sie war verloren.

Der Höhepunkt raste durch sie hindurch. Sie umklammerte ihn, genoss jedes Zucken und erbebte, als sie spürte, wie sich sein riesiger Schwanz in ihrem empfindlichen Innern bewegte. Sie verlor sich in diesem Gefühl, verlor sich in seiner Leidenschaft, verlor sich darin, was er in ihr auslöste.

Ein gurgelndes Stöhnen drang an ihr Ohr, als er ebenfalls Erlösung fand. Dabei hielt er ihre geschwollene Brust fest, die sich nach seiner Berührung sehnte, und ließ die Zunge über die Brustwarze schnellen, während seine Hüften weiter vorstießen, so hart, als wollte er sie bestrafen.

Danach lag er schwer auf ihr, aber nicht beängstigend schwer, was angesichts seiner Größe überraschend war. Doch als sich die Euphorie ihres Höhepunkts langsam auflöste, merkte sie, wie müde sie war. Mit einem Mal wünschte sie sich nichts sehnlicher, als schnell auf die Toilette zu gehen und sich dann im Bett zusammenzurollen.

Als hätte Brock ihre Gedanken gelesen, zog er sich aus ihr zurück, half ihr auf die Beine und zeigte auf das Badezimmer. Kein Mann der vielen Worte, aber dafür mit reichlich anderen Talenten gesegnet.

Als sie wiederkam, hatte er ihr ein Glas Wasser hingestellt und das Bett einladend aufgeschlagen. Sie machte sich nicht einmal die Mühe, nach ihrer Unterwäsche zu suchen, sondern leerte einfach ihr Glas, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und kuschelte sich in sein Kissen. Fast sofort schlief sie ein, eingehüllt in seinen köstlichen Geruch, und sein warmer Körper lag nur wenige Zentimeter von ihr entfernt im Bett.

Am nächsten Morgen wachte Krista auf, weil ihr ein Bär oder vielleicht ein Drache ins Ohr brüllte. Auf ihrem Bauch lag eine Art dicker, haariger Baumstamm, und der nach Bier riechende Wind zerzauste ihr das Haar im Nacken. Sie traute sich nicht, die Augen zu öffnen, und als die Erinnerungen an letzte Nacht zurückkehrten, verzog sie das Gesicht.

Sie wusste, was sie getan hatte.

Wusste, wo sie war.

Sie war mit Brock nach Hause gegangen. Sie hatten unglaublichen Sex gehabt, und danach hatte sie praktisch das Bewusstsein verloren. Aber sie war noch nicht bereit, sich offenen Auges der Realität ihrer traurigen, betrunkenen Entscheidung zu stellen.

Wer schlich schon gern im Morgengrauen beschämt nach Hause?

Keiner.

Man sagte im Englischen nicht umsonst »Walk of Shame« dazu.

Das Wort »Schande« hallte brüllend laut in ihrem Kopf wider und konkurrierte mit den Kopfschmerzen.

Sie hatte ihn schon ein- oder zweimal hinter sich gebracht, den Walk of Shame. Eine fürchterlich peinliche Angelegenheit. Wenigstens hatte sie dieses Mal Laufschuhe getragen und keine Riemchen-Nuttenschuhe. Zögernd öffnete sie die Augen und sah sich dem Mann gegenüber, der vor nur wenigen Stunden ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt hatte. Seine Augen waren geschlossen, der Mund ein wenig geöffnet, was ihm einen fast kindlichen Ausdruck verlieh. Er sah ohnehin schon umwerfend gut aus, und jetzt war er auch noch unrasiert, auf seinen Wangen lag ein sexy Schatten aus kurzen Bartstoppeln. Und zum ersten Mal, seit sie ihn getroffen hatte, wirkte er nicht angespannt oder sogar in höchster Alarmbereitschaft. Die Falten auf seiner Stirn hatten sich geglättet, die Brauen waren nicht mehr zusammengekniffen. Ganz entspannt sah er aus. Friedlich.

Sie betrachtete sein Gesicht etwas länger. Kleine weiße Narben zierten sein Kinn auf der linken Seite, wahrscheinlich die Spuren einer genähten oder geklammerten Wunde, und unter einer Braue entdeckte sie eine rötliche, sichelförmige Narbe, etwa so groß wie eine Rosine. Wie alt mochte er sein? Schwierig zu sagen. Sie blickte auf seinen Arm hinunter, der über ihrem Bauch lag. Weiches, dunkles Haar und darunter Sommersprossen, die große, schwielige Hand lag auf ihren Rippen.

Er gab ein Geräusch von sich, als würde er jeden Moment aufwachen. Sie befürchtete, dass ihr gleich eine peinliche Morgenplauderei bevorstand. Aber stattdessen drehte er sich im Schlaf um und ließ sie ohne seine Berührung zurück, und aus irgendeinem seltsamen Grund stimmte sie das traurig.

Sie riss sich zusammen, schlüpfte leise aus dem Bett, suchte ihre Kleidung zusammen und verließ verstohlen wie ein Ninja sein Haus, in der Hoffnung, dass es draußen nicht in Strömen regnete.

Kapitel 3

5 Wochen später …

An ungemütlichen Tagen, die es im November zuhauf gab, war es ein Segen, dass die Polizeiwache über einen eigenen Fitnessraum verfügte. Hier konnten sie und ihre Kollegen vor oder nach ihrer Schicht an erstklassigen Geräten trainieren, ohne ihren Arbeitsplatz verlassen zu müssen. Als sie also an einem dieser Novembertage nicht laufen gehen konnte, weil Mutter Natur offenbar einen Wutanfall hatte und sich mit Wind und Regen an Fern Valley austobte, fuhr Krista anderthalb Stunden früher zur Arbeit und ging in den Fitnessraum. Um gut in den Tag zu starten, mit einem klaren Kopf. Um die Endorphine in Wallung zu bringen.

Es war vier Uhr dreißig, und im Fitnessraum war es totenstill. Sie war mit einem mulmigen Gefühl im Bauch aufgewacht, hatte aber nicht weiter darüber nachgedacht, sondern es auf die Vorstellung geschoben, dass ihr ein ganzer Tag mit Myles bevorstand. Das reichte ja wohl, damit einem übel würde. Also hatte sie sich fertig gemacht, ihren knurrenden Magen ignoriert und einen Himbeer-Spinat-Smoothie in sich hineingeschüttet, ehe sie sich auf den Weg machte. Nach dem Laufen fühlte sie sich immer besser. Eine Runde auf dem Laufband würde ihr helfen, sich zu sortieren, bevor sie sich mit Myles auseinandersetzen musste.

Aber als sie aufs Laufband trat und gerade anfangen wollte, stellte sie fest, dass es nicht ging. Ihre Brüste schmerzten wie verrückt. Sie hatte ein durchschnittliches C-Körbchen und trug beim Sport enge Sport-BHs, und normalerweise bereiteten ihre Brüste ihr keinerlei Probleme. Aber heute war das Laufen die reinste Tortur. Und ihr Magen fühlte sich überhaupt nicht besser an. Ob die Mandelmilch schlecht gewesen war?

Ohne groß darüber nachzudenken, wechselte sie zum Crosstrainer, aber es half nichts – auch hier taten ihr die Brüste weh, und zudem war ihr plötzlich speiübel.

Was war da los?

Um ihren Vormittag nicht völlig zu vergeuden, hob sie ein paar Gewichte und machte eine Handvoll Kniebeugen, aber bei jeder Bewegung tanzten ihr Pünktchen vor Augen. Und wenn sie die Arme über den Kopf hob, hatte sie das Gefühl, jede Sekunde ohnmächtig zu werden.

Hatte sie sich etwa die Grippe eingefangen?

In der Hoffnung, dass dies nicht der Beginn eines wahrhaft beschissenen Tags war, gab sie auf, ging duschen und beschloss, sich noch irgendwo was zu essen zu besorgen. Auch wenn der Gedanke daran wieder Übelkeit in ihr aufwogen ließ, musste sie vor der Arbeit etwas in den Magen bekommen.

Ein vor lauter Hunger reizbarer Polizist war ein gefährlicher Polizist.

Sie hatte gerade die Umkleidekabine verlassen und wollte zu ihrem Auto gehen, da trat ihr Myles in den Weg.

»Hey, Matthews, bist du bereit?« Er grinste und zwinkerte ihr zu, als wäre er ein Geschenk Gottes an die Frauen, und sie sollte dankbar sein, dass er ihr Ausbilder war.

»Denke schon.« Sie zuckte mit den Schultern. »Ich hole mir schnell noch was zu essen, bin gleich wieder da.« Und bevor er verkünden konnte, dass er mitkam, griff sie nach der nächstbesten Tür, öffnete sie und trat ein.

Scheiße. Sie stand in einer verdammten Besenkammer!

Als sie zehn Minuten später durch die Obst- und Gemüseabteilung des Supermarkts schlenderte, entdeckte sie einen Korb mit leuchtend grünen Limetten, die im Angebot waren, und unwillkürlich wanderten ihre Gedanken zu Brock. Sie hatte in den letzten Wochen viel an ihn gedacht. Und doch vermied sie es, wieder in die Bar zu gehen. Wenn sie joggen ging oder irgendwo hinfuhr, nahm sie sogar extra den langen Weg auf sich, um weder in die Nähe seines Hauses noch der Bar zu geraten und ihm zufällig über den Weg zu laufen. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich bei ihr zu melden, also waren sie sich offenbar einig, dass es nur eine vergnügliche, trunkene Nacht gewesen war, ohne gegenseitige Verpflichtungen und Erwartungen. Warum war sie dann so enttäuscht, dass er nicht angerufen hatte?

Vielleicht hat er es ja nicht getan, weil du ihm deine Nummer nicht gegeben hast und dich dann am nächsten Morgen einfach davongeschlichen hast, du Dummkopf!

Da sie vor ihrer Schicht noch Zeit hatte, schlenderte sie weiter ziellos durch den Laden. Aber nichts sprach sie an. Nichts machte ihr auch nur im Entferntesten Appetit oder ließ ihren Magen knurren. Alles, selbst die rote Paprikasuppe im Tetra-Pack, die praktisch ihr Hauptnahrungsmittel war, weckte Ekel in ihr. Aber im Revier wartete Myles auf sie, also schlenderte sie noch eine Weile die Gänge auf und ab und landete durch Zufall schließlich in der Abteilung für Monatshygiene.

Brauchte sie Tampons?

Sie vermochte es nicht zu sagen.

Ihre Periode kam nie regelmäßig, und sie nahm auch nicht die Pille; sie bekam die Regel einfach dann, wenn sie sie bekam. Mit der Pille hatte sie es zwar eine Zeit lang versucht, aber die Hormone hatten sie verrückt gemacht, und sie hatte zugenommen. Deshalb hatte sie einfach immer Kondome benutzt.

Vor ihrem geistigen Auge blitzte ein Kalender auf, und sie begann zu rechnen.

Wann hatte sie ihre letzte Periode gehabt?

Wie lange war es her?

War sie überfällig?

Sie fühlte sich unwohl.

Völlig neben der Spur.

War das PMS?

Fühlte sie sich deshalb krank, schmerzten deswegen ihre Brüste? Ihre Brüste hatten vor der Periode nie wehgetan.

Endlich synchronisierte sich der Kalender in ihrem Kopf mit der Wirklichkeit. Ihre letzte Blutung lag länger zurück als die Nacht mit Brock. Und zwar ein ganzes