Harte Kerle lügen nicht - Karin Koenicke - E-Book

Harte Kerle lügen nicht E-Book

Karin Koenicke

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Beschreibung

*Die halbe Stadt holt sich bei ihm Liebestipps. Doch bei der Frau, für die sein Herz schlägt, blitzt er gnadenlos ab.*

Dario lässt nicht nur beruflich die Funken sprühen, sondern auch die Frauenherzen höherschlagen. Doch als ihn ein Kurzschluss in die Praxis von Psychologin Viktoria ruft, beißt er auf Granit. Seine Machosprüche regen Viktoria so auf, dass sie ihn in der Praxis allein lässt. Spaßeshalber gibt sich Dario bei einer neuen Klientin als Therapeut aus – und begeistert die Highsociety Lady mit seinen erotischen Tipps. Viktoria wirft ihn daraufhin hochkant hinaus. Plötzlich jedoch bestehen diverse Damen darauf, ausschließlich vom „Liebescoach“ Dario behandelt zu werden. Um ihre angeschlagene Praxis zu retten, müsste sich Viktoria auf einen Deal mit dem sexy Womanizer einlassen. Aber das wäre eine Gefahr für ihren Beruf – und erst recht für ihr Herz!

Ein witzig-spritziger Liebesroman mit Herz, Happy End und dem skurrilsten Café des Landes.

Weitere Romane der Buchreihe:
HARTE KERLE HÄKELN NICHT: Er hat knackige Muskeln, einen eisernen Willen, den schwarzen Gürtel – und das Letzte, was er braucht, sind seltsame Gefühle für diese kunterbunte Häkelfee!
HARTE KERLE BACKEN NICHT: Er liebt dröhnende Motoren und hartes Training - doch nun soll er für eine süße Konditorin Eischnee schlagen?
HARTE KERLE TANZEN NICHT: Er hat den härtesten Job der Welt - doch ein sexy Hüftschwung gehört nicht zu seinem Programm!

Auch als Hörbücher verfügbar!

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Harte Kerle lügen nicht

 

 

(Alter Titel: Küsse, Kekse und ein Kurzschluss / Dr. Love)

 

Roman

 

von

Karin Koenicke

 

 

 

 

 

 

 

Erstausgabe in 2020

 

Alle Rechte bei Autor

 

Copyright © 2020

by Karin Koenicke

Primelstr. 9 85386 Eching

Cover: Rebecca Wild

www.karinkoenicke.de

 

 

 

 

1. Früh am Morgen

2. Das alte Haus

3. Die niedliche Vicky

4. Der Meister des Lichts

5. Begegnung

6. Peanut Pleasure

7. Penne arrabiata extrascharf

8. Der Herr Doktor

9. Ein überraschender Anruf

10. Der Deal

11. Die Klientin

12. Chantals Problem

13. Partner-Beichte

14. Vernissage

15. Die High Tech-Lösung

16. Miss Unberührt

17. Dolly macht das Bett

18. Eine Tüte voller Glück

19. Der Ritter

20. Das Mitbringsel

21. Saschalein

22. Der Nuss-Express

23. Das Dumbo-Dilemma

24. Gespräche mit Sigmund

25. Der stachlige Willi

26. Ein Tisch bei Jean

27. Versteckspiel

28. Sail away

29. Die Gala

30. Epilog

Dein Geschenk und ein Rezept

Die Harte Kerle-Reihe

Kennst du schon meine anderen Romane?

Rezept Darios Ravioli d' amore

Leseprobe Pretty Womanizer

 

 

Kurzbeschreibung

 

Die halbe Stadt holt sich bei ihm Liebestipps. Doch bei der Frau, für die sein Herz schlägt, blitzt er gnadenlos ab.

 

Dario lässt nicht nur beruflich die Funken sprühen, sondern auch die Frauenherzen höherschlagen. Doch als ihn ein Kurzschluss in die Praxis von Psychologin Viktoria ruft, beißt er auf Granit. Seine Machosprüche regen Viktoria so auf, dass sie ihn in der Praxis allein lässt. Spaßeshalber gibt sich Dario bei einer neuen Klientin als Therapeut aus – und begeistert die Highsociety Lady mit seinen erotischen Tipps. Viktoria wirft ihn daraufhin hochkant hinaus.

Plötzlich jedoch bestehen diverse Damen darauf, ausschließlich vom „Liebescoach“ Dario behandelt zu werden. Um ihre angeschlagene Praxis zu retten, müsste sich Viktoria auf einen Deal mit dem Womanizer einlassen. Aber das wäre eine Gefahr für ihren Beruf – und erst recht für ihr Herz!

Ein witzig-spritziger Liebesroman mit Herz, Happy End und dem skurrilsten Café des Landes …

 

Hol dir deinen beiden kostenlosen Kurzromane aus dem Café Woll-Lust auf meiner Seite

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1. Früh am Morgen

 

 

Dario

 

 

„Staaart me up!“, brüllte jemand. Jemand, der sich irgendwie anhörte wie Mick Jagger, stellte Dario verwundert fest, der durch das Gebrülle aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Doch es war noch stockfinster und wieso sollten die Stones in seinem Schlafzimmer spielen? Dario drückte seinen Kopf tiefer ins Kissen. Doch es half nichts, denn jetzt kreischte auch noch Keith Richards‘ Gitarre dazu und die durchdrang wirklich jedes Daunenkissen.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Dario das Geräusch schließlich zuordnen konnte. Es war sein Handyklingelton, fiel ihm jetzt auf. Er drehte den Kopf herum. Der Wecker zeigte 5.07 Uhr an.

Himmelherrgott, wer rief ihn denn zu dieser unchristlichen Uhrzeit an? Er tastete im Halbschlaf nach dem Handy und las die Anzeige.

‚Henriette‘ prangte auf dem Display.

Dario fuhr hoch. Seine Vermieterin, die auf die achtzig Jahre zuging, stand sonst nie vor zehn Uhr auf. Es musste etwas passiert sein!

Blitzschnell drückte er den Knopf, um das Gespräch anzunehmen. „Henriette, ist alles okay mit Ihnen?“, rief er ins Telefon.

„Sie müssen kommen!“, keuchte sie. „Schnell!“

Verdammt, was war nur geschehen? Hatte sie einen Herzinfarkt? Oder sich sonst irgendwie verletzt?

„Geht es Ihnen nicht gut? Soll ich den Notarzt rufen?“, fragte er, während er aus dem Bett sprang und in eine herumliegende Jeans schlüpfte, denn er war ein überzeugter Nacktschläfer.

„Kommen Sie, Dario, sofort, ich brauche Ihre Hilfe!“

Die alte Dame klang so verzweifelt, dass er auf ein Oberteil und Schuhe verzichtete. Mit großen Schritten verließ er seine kleine Einliegerwohnung und stürmte nach unten zu Henriette, der das Haus gehörte.

Sie stand bereits in der Tür. Aufrecht. Ohne Anzeichen einer Verletzung. Sogar eine recht rosige Gesichtsfarbe hatte sie, die passte hervorragend zu dem spitzenbesetzten Chiffon-Morgenrock, in den sie sich gewickelt hatte. Ihr graues Haar fiel ihr wie immer bis zur Taille, nur war die alte Dame heute ungeschminkt.

„Es piept!“, rief sie ihm entgegen.

„Wie bitte?“ Verständnislos sah er sie an.

„Schon die ganze Zeit. Erst dachte ich, das ist vielleicht die Alarmanlage. Aber das kann ja nicht sein, nicht wahr?“ Sie sah ihn zweifelnd an. Was etwas ganz Neues war, denn Henriette Maybach zweifelte sonst nie, ganz im Gegenteil, sie nahm ihr hohes Alter als Ausrede dafür, immer Recht zu haben. Ja, sie war die selbstbewussteste alte Dame, die sich Dario nur vorstellen konnte. Allerdings hatte sie einen mächtigen Hang zur Dramatik, was nicht verwunderlich war, hatte sie doch eine große Karriere als Schauspielerin hinter sich.

Er schüttelte den Kopf. „Sie haben keine Alarmanlage, liebe Henriette. Weil Sie sich standhaft weigern, sich von mir eine einbauen zu lassen. Außerdem höre ich nichts.“

„Da!“, rief sie und deutete nach oben. „Da war es wieder. Und ich weiß nicht, wo es herkommt. Ob jemand eine Bombe gelegt hat? Vielleicht um an meine Juwelen zu kommen. Das müssen Sie doch gehört haben!“

Hatte er. Ja, inzwischen war auch ihm der Piepton aufgefallen. Dario seufzte, denn er wusste jetzt genau, was das für ein Geräusch war. „Das ist der Rauchmelder. Der piept immer dann, wenn die Batterie leer wird.“

Dass sie ihn deswegen nicht um fünf Uhr früh aus dem Bett zu werfen brauchte, behielt er für sich. Er zahlte für die Einliegerwohnung in ihrem Haus nur dreihundert Euro Miete, das war genial. Dafür erledigte er für die alte Dame gern mal ein paar Arbeiten im Haus, mähte Rasen oder spielte den Gesellschafter.

„Ach, ich besitze einen Rauchmelder?“, fragte sie, zog ungerührt aus der Tasche des zarten Morgenmantels eine Schachtel Zigaretten und zündete sich eine an.

„Das tun Sie. Im Schlafzimmer, im Gästezimmer und hier im Flur, deshalb sollten wir jetzt lieber ins Wohnzimmer gehen.“

Er legte ihr die Hand auf die schmale Schulter und schob sie sanft nach vorne. Denn, wenn hier im Flur der Feuermelder mit vollem Karacho losging, gäbe es ein ohrenbetäubendes Gekreische. Zum Glück rauchte sie normalerweise immer nur im Wohnzimmer und nicht im Rest der Wohnung.

„Na gut, wenn Sie das sagen. Dann schlendern wir eben in den Salon.“

Er musste grinsen. Sie nannte das Wohnzimmer schon immer so. Es klang, als ob sie ständig Gäste empfing, mit Kaviar und Champagner bewirtete und richtige Gesellschaftsabende abhielt. Doch in Wirklichkeit bekam sie kaum Besuch. Die meisten der Freunde und Theaterkollegen von früher, über die sie so gern redete, waren inzwischen verstorben.

„Gute Idee. Sie setzen sich auf Ihren Lieblingssessel und ich schaue, welcher der kleinen Freunde an Saftmangel leidet. Aber denken Sie daran, Rauchen ist nur im Salon erlaubt!“

Henriette wandte sich zu ihm um, warf sich in einer aufreizenden Geste die graue Haarpracht über die Schulter und schenkte ihm ein verführerisches Lächeln. „Was machen Sie denn mit mir, wenn ich mich nicht daran halte, Signor Dario? Gibt es dann eine Strafe für mich?“, schnurrte sie.

Dario lachte. Es war eine Art Running Gag zwischen ihnen, dass sie mit ihm flirtete.

„Na, ich hole meinen Gürtel und dann gibt‘s was auf Ihren Allerwertesten“, erwiderte er, weil er wusste, dass sie es mochte, wenn er den rauen Kerl gab.

„Oh, da fürchte ich mich gar schrecklich“, kicherte sie. Anschließend musterte sie ihn von oben bis unten. „Von so einem aufregenden Mann, wie Sie es sind, würde ich mich womöglich gern übers Knie legen lassen. Ich bevorzuge nämlich dunkelhaarige, maskuline Typen mit feurigen Augen. Und ohne Hemd. Wo kommen denn die ganzen Muskeln her, mein Lieber?“ Ihre Augen saugten sich an seiner gut trainierten Brust fest.

„Vom Rauchmelderwechsel natürlich. Wir Elektriker machen das ja sehr oft, davon bekommt man einen richtig großen Bizeps.“

Natürlich hatte er ihr mal erzählt, dass er schon ewig Fußball spielte, inzwischen bei den Alten Herren, und dass er auch mal gern im Gym ein paar Gewichte stemmte. Aber sie vergaß unwichtige Dinge schnell. Und er wollte sie ein wenig necken.

„Sind die so schwer?“, fragte sie auch glatt mit großen Augen.

„Ich zeig‘s Ihnen.“ Er hatte den letzten Piep räumlich zuordnen können, der war aus dem Gästezimmer gekommen. Also ging Dario dorthin, stellte sich auf die Zehenspitzen, damit er an die Decke reichte, und montierte den Rauchmelder ab. Er nahm die Batterie heraus und ging mit dem Melder rüber zu Henriette.

„Das hier ist der kleine Störenfried. Ich verpasse ihm eine neue Batterie, dann haben Sie wieder Ruhe.“

Sie lachte, als sie den Rauchmelder in die Hand nahm. „Der ist ja ganz leicht! Oh, Sie böser Junge haben mich angeschwindelt wegen Ihrer Muskeln. Zur Strafe müssen Sie für uns beide einen Cappuccino kochen. Ich werde mich inzwischen etwas zurechtmachen.“

Sie erhob sich mit der Eleganz einer Königinmutter vom Sessel und stolzierte in Richtung ihres Boudoirs, wie sie ihr Schlafzimmer nannte.

Grinsend ging Dario in die Küche, befüllte die teure Espressomaschine, holte eine Batterie aus der Schublade und schraubte den Rauchmelder wieder an seinen Platz. Als er mit zwei dampfenden Tassen zurück in den Salon kam, thronte Henriette bereits wieder in ihrem Sessel. Sie trug zwar immer noch ihren dünnen Morgenmantel und plüschige Hauspantoffeln, hatte aber wie so oft ein sehr theatralisches Make-up aufgelegt und in ihre umfangreiche Schmucksammlung gegriffen. An ihren Ohren baumelten funkelnde Saphir-Gehänge, die passende Kette hatte sie um den Hals. Fehlte nur noch ein Diadem und es hätte ihn auch nicht gewundert, wenn sie sogar ein paar davon besaß.

Mit jedem einzelnen dieser Schmuckstücke könnte er ein ganzes Jahr seine Lebenskosten bestreiten, vermutete er. Und seufzte leise. Nicht daran denken! Das Schicksal verteilte seine Güter nun mal nicht besonders gerecht, das hatte er inzwischen gelernt. Und der alten Dame gönnte er es ja auch von Herzen, dass sie gut situiert war und ihren Lebensabend im Luxus verbringen durfte. Auch wenn sie ihn manchmal in den Wahnsinn trieb. Er gähnte und griff schnell zur Tasse, um sich eine Ladung Koffein zu verpassen.

„Wie läuft es denn in Ihrer Arbeit?“, fragte Henriette ihn und klimperte mit den langen Wimpern, die sie in der Eile aber ziemlich schief angeklebt hatte.

Er zuckte mit den Schultern. „Wie immer, nix Besonderes. Wir haben eine Baustelle, bei der wir die Elektroinstallation machen. Und die üblichen Kleinaufträge. Mein Boss sorgt schon dafür, dass uns nicht langweilig wird.“

Sie nahm sich eine der Vollmilch-Katzenzungen, die in einer Schachtel auf dem antiken Tischchen vor ihr lagen. Henriette würde niemals schnöde Tafelschokolade verspeisen, für sie musste es immer etwas Ungewöhnliches sein. „Ihr Vorgesetzter – das ist der Inhaber der Firma, nicht wahr? Waren Sie mit dem nicht in der Schule?“ Sie legte die Katzenzunge auf ihre eigene Zunge und wartete mit dem Herunterschlucken, bis die Schokolade geschmolzen war, das kannte er schon von ihr.

„Im Fußballverein“, stellte er richtig. „Markus und ich haben, seit wir in der Grundschule waren, in der gleichen Mannschaft gekickt. Jetzt spielt er aber nicht mehr.“

Sie konnte noch nicht antworten, weil die Katzenzunge noch nicht gänzlich geschmolzen war. Aber er wusste trotzdem, was sie sich dachte. Nämlich dass er, Dario, nur ein kleiner Angestellter war, während es Markus zum Chef gebracht hatte. Und recht hatte sie. Verdammt, manchmal fühlte er sich echt wie ein kläglicher Versager.

Er trank einen Schluck Cappuccino. Half jedoch nichts gegen dieses bittere Gefühl.

„Sie machen diese Arbeit aber gern, stimmt‘s?“, fragte sie.

Dario zuckte mit den Schultern. „Ja, ich glaube schon. Eigentlich denke ich nicht viel darüber nach. Ich bastle eben gern herum und werde sogar bezahlt dafür. Manche Aufträge machen natürlich mehr Spaß als andere.“ Er grinste. „Rauchmelder installieren zum Beispiel. Wegen der netten Gesellschaft.“

„Ach, Sie Charmeur“, flötete sie und freute sich sichtlich. „Erzählen Sie einer alten Frau ein bisschen was aus Ihrem Alltag. Ich bin momentan noch zu munter, um mich schlafen zu legen. Das hole ich aber sicher am Vormittag nach.“

So schön würde er es auch gern haben. Dario fuhr sich übers Gesicht. Im Gegensatz zu Henriette war er immer noch recht müde. Vor allem aber hatte er nicht den Luxus, sich in nächster Zeit aufs Ohr zu hauen. Er musste nämlich in Kürze zur Arbeit.

Aber vorher kam er gern ihrer Bitte nach und berichtete ein bisschen über Baustellen, Installationen und Reparaturen, wobei er die Geschichten bildlich ausschmückte. Es sollte ja ein bisschen spannend sein für die alte Lady, die wenig Besuch bekam. Und an Phantasie hatte es ihm nie gemangelt, für seine Aufsätze hatte er sogar manchmal eine gute Note kassiert. In den anderen Fächern hatte es allerdings nicht ganz so rosig ausgesehen.

„… stand dann glatt die Frau des Hausherrn in der Tür, öffnete ihren Morgenmantel und hatte nichts darunter“, log er eine kleine anzügliche Geschichte zusammen, weil er wusste, dass sie so was am Allerliebsten hörte. „Ich blieb natürlich standhaft, ist ja klar. Alles andere wäre nicht professionell gewesen. Und es war ein echt großer Auftrag. Sie rauschte dann enttäuscht in den Garten und wartete, bis der arme Gärtner anrückte. Ich vermute, der musste daran glauben.“

„Herrlich!“, freute sich Henriette. „Das erinnert mich sehr an ‚Das Erbe des blauen Schakals‘, was wir damals im Salzkammergut gedreht haben. Kein passender Ort, ich weiß, aber meine Gage war sehr hoch. Da spielte ich eine elegante Schloss-Herrin, die gleich drei Besucher ihres Mannes um den Finger gewickelt hat. Oh, das waren noch Zeiten. Soll ich Ihnen mal das Kino-Plakat heraussuchen? Ich glaube, ich habe noch eines irgendwo.“

Du liebe Zeit, sie sollte bloß nicht anfangen, wieder in ihrem Gästezimmer herumzukramen, das sie eher als riesigen Andenken-Altar nutzte. Dario stand auf.

„Ein andermal gerne, aber ich muss allmählich los. Vielleicht sollte ich noch ein Brot schmieren für unterwegs. Und was anzuziehen wäre auch nicht verkehrt.“

„Ach was“, kicherte sie. „Wenn es nach mir ginge, könnten Sie alle handwerklichen Besuche in dieser Aufmachung durchführen.“ Sie musterte ihn erneut ausführlich von oben bis unten.

„Tja, da ist mein Boss anderer Ansicht. Er hat uns sogar neue T-Shirts als Arbeitskleidung bedrucken lassen. In weiß. Ganz schön doof, oder? Aber wir dürfen zum Glück unsere dunklen Arbeitshosen tragen, nicht dass wir alle aussehen wie die Männer mit den weißen Turnschuhen.“

Sie nahm eine weitere Katzenzunge, legte sie aber noch nicht in den Mund. „Weiß steht dunklen Männern wie Ihnen ganz hervorragend. Das hat was von ‚The great Gatsby‘. So was Mondän-Dekadentes.“ Jetzt verschwand die Schokolade in ihrem Mund und sie schloss genießerisch die Augen. Wohl eher, weil sie an irgendeinen ihrer zahlreichen Liebhaber aus der Theater- oder Filmszene dachte.

Dario musste schon wieder lachen. Die alte Dame war ein echtes Original. Und er mochte sie. Wenn er alt war, würde er auch gern so ein schrulliges Leben führen. Nur halt ohne Katzenzungen. Lieber mit Motorrad, zur Not würde er eben aus Bequemlichkeitsgründen seine Sportmaschine gegen einen gemütlichen Cruiser eintauschen, auch wenn sich sein Biker-Herz das noch nicht vorstellen konnte.

„Wir sehen uns!“, sagte er zum Abschied. „Bleiben Sie mir brav bis dahin“, fügte er noch an und verließ die Wohnung. Er ging nach oben, machte sich fertig und streifte sich als Letztes das neue, weiße T-Shirt über. Hinten war das peinliche Logo der Firma – ein lächelnder Blitz – und das noch peinlichere Motto ‚Elektro Braun – wir stehen für Sie immer unter Strom‘ aufgedruckt. Auf der Brust stand – zum Glück in sehr unauffälligen Buchstaben-: D. Engelhardt. Wenigstens von vorne konnte er sich also sehen lassen, auch wenn er obenherum aussah wie ein Pfleger im Altersheim. Dario seufzte und nahm seinen Helm von der Garderobe. Mit dem Bike waren es nur fünf Minuten bis zu Markus` Elektrofirma, die er im Anbau seines Wohnhauses betrieb.

Dario stieg auf seine Maschine und fuhr los. Er sollte echt mal wieder eine Tour mit Thore machen. Vielleicht sahen sie sich heute Abend in Suzies Bar, da hing Thore oft rum.

Als er in der Firma ankam, war nur Markus da. Der saß am PC, sah nur kurz auf und versenkte sich dann wieder in irgendwelche Zahlen. „Ich schau grad die Überstundenmeldungen durch“, sagte er. „Du hast über siebzig. Und dazu noch den gesamten Jahresurlaub.“

„Echt?“ Dario überlegte einen Moment. Ja, es stimmte. Er hatte für Pfingsten zwei Wochen eingetragen gehabt, weil Peggy da eigentlich nach Italien hatte fahren wollen. Aber die Sache mit Peggy hatte sich schon im April erledigt, zum Glück, also war Dario lieber in die Arbeit gegangen. Peggy hatte bestimmt einen anderen Macker gefunden, der sie begleitete. Obwohl er mit ihr sogar fast vier Monate zusammen gewesen war – was neuen Dario-Rekord darstellte – fehlte sie ihm nicht. Gab ja genug andere Frauen, mit denen man sich trösten konnte.

„Ja, echt“, wiederholte Markus ernst.

Früher war der ein lustiger Kerl gewesen. Sie hatten nachmittags gemeinsam den Bolzplatz unsicher gemacht und in späteren Jahren nach dem Training gern ein paar Biere oder Wodkas gezischt. Aber jetzt, wo er die Firma hatte, war er für keinen Spaß mehr zu haben.

„Na, dann muss ich meine geplante Karibikkreuzfahrt wohl vorziehen und schon in diesem Jahr losschippern“, erwiderte Dario und stieg aus der Motorradmontur.

Markus ging auf den Joke nicht ein. „Wenn die Baustelle durch ist, kannst du dir ja mal Urlaub nehmen. Der Sommer ist doch perfekt für Biker wie dich, oder?“

„Klar.“ Dario nickte, wusste jedoch gar nicht, wo er hinfahren sollte.

„Und bis dahin, schau doch, dass du die Überstunden abbaust, am besten stundenweise. Mir reicht Fips auf der Baustelle, da brauch ich dich nicht dringend. Nimm du doch die Einzelaufträge und wenn du durch bist, machst du Schluss für den Tag.“

„Okay, kann ich machen. So lang ich nicht mit Norbert arbeiten muss, ist mir alles recht.“

Norbert war ein Idiot. Wie es ihn in jeder Firma gab. Nur bestand Elektro Braun halt nur aus vier Leuten, deshalb konnte man diesem Blödmann nicht aus dem Weg gehen. Dario geriet ständig mit ihm aneinander, weil Norbert ihn ja auch laufend provozierte. Bei Markus benahm der Mistkerl sich natürlich ordentlich, und mit Fips kam er aus, weil Fips mit jedem Menschen auf diesem Planeten auskam. Selbst die bösartigsten Aliens, die man sich nur vorstellen konnte, würden ihren geplanten Angriff auf die Erde abblasen, wenn ihnen Fips als erster Erdenmensch entgegenlatschte. Weil er einfach nett war, und zwar auf eine Art, die niemanden aufregte. Was echt erstaunlich war. Dario arbeitete gern mit Fips zusammen und versuchte schon seit Jahren herauszufinden, was dessen Geheimnis war, wusste es aber immer noch nicht.

Da schlenderte Fips auch schon heran, lächelte freundlich und packte sein Frühstücks-Honigbrötchen aus, das ihm seine Frau geschmiert hatte. Fips hieß eigentlich Philip, war irgendwas zwischen vierzig und fünfundfünfzig, trug ein stattliches Bäuchlein vor sich her und spielte Akkordeon. Zum Glück nicht während der Arbeitszeit.

Dario unterhielt sich kurz mit ihm, dann verstummte er, denn der Feind rückte an.

Norbert betrat die kleine Halle, die gleichzeitig als Lager und Arbeitsraum diente, sah ihn und zog die Brauen zusammen. „Ah, unser Itaker ist auch schon da. Hast du deine Nudeln heute schneller gefrühstückt, oder was?“

Dario biss sich auf die Zunge. Er hätte dem hageren Kerl mit der Hakennase am liebsten eine reingehauen, aber genau auf so was legte der es ja an. Also einfach nicht beachten, das war die schlimmste Strafe.

„Schluss damit!“ Markus fuhr von seinem Platz hinter dem Computer-Bildschirm hoch. Und Norbert fuhr zusammen. Er hatte wohl nicht gesehen, dass der Boss vor Ort war. „So etwas will ich hier nicht hören, das weißt du genau, Norbert. Hier wird niemand beschimpft.“

„Was heißt hier beschimpft?“, verteidigte der sich bissig. „Ich kann doch nichts dafür, dass der Italiener ist und die nix anderes fressen als ihre Pasta.“

Fips stellte sich kauend zwischen die Streithähne. „Hey, Leute, das stimmt doch alles nicht“, sagte er mit seiner üblichen ruhigen Stimme. „Beruhig dich mal, Norbert. Erstens ist Dario doch nur Halbitaliener, zweitens ist Pasta in Italien nur eine Vorspeise und das Hauptgericht hat gar nicht unbedingt Nudeln dabei und drittens müssen wir uns vertragen, wir sind doch ein Team.“

Bevor Dario antworten konnte, klingelte das Telefon. Markus gab Dario zu verstehen, dass er rangehen sollte.

„Hier ist Schmidt“, meldete sich jemand. „Mein Herd hat den Geist aufgegeben.“

Dario nahm den Auftrag an und sah nebenbei in den Kalender für heute. „Sollten wir hinkriegen, ich komme mittags bei Ihnen vorbei.“ Er schrieb die Adresse auf. War ihm recht, wenn ein paar Reparaturen reinkamen. Dann konnte er diesem Idioten aus dem Weg gehen.

Während er noch die Daten notierte, schickte der Boss Norbert zu einem der Transporter, die ebenfalls das Grinseblitz-Logo trugen. „Wir fahren zur Baustelle“, sagte er. „Dario hält hier die Stellung und Fips kann die Rechnungen schreiben. Außerdem sind in der Turnhalle schon wieder ein paar Neonröhren hinüber, schaut euch das mal an.“

„Okay, Boss“, erwiderte Dario. Auch wenn Markus kein so lustiger Geselle wie früher mehr war, hatte er das Herz am rechten Fleck. Dass er Norbert mitnahm und Fips hierließ, war eine nette Geste, so was rechnete Dario ihm hoch an. Er sah das Blatt mit den Aufträgen durch und gähnte dabei.

„Hat dich diese Gina nicht schlafen lassen?“, fragte Fips grinsend. „Bin echt froh, dass ich solche Probleme nicht mehr habe. Meine Frau geht mir nur noch selten an die Wäsche, aber das ist mir recht.“

„Gina?“ Dario musste einen Moment überlegen. Ah, klar, das war die Schwarzhaarige, die er letzte Woche in Suzies Bar aufgerissen hatte. „Ach, das war nur so eine einmalige Sache. Okay, zweimal, falls du die Nummer am nächsten Morgen noch mitzählst. Aber das reichte auch, die war nervig.“

„Schon wieder vorbei?“ Fips schüttelte den Kopf und steckte sich ein buntes Bonbon in den Mund. „Also mir wäre das echt zu anstrengend.“

„Na ja, du bist anders als ich. Du bist geschaffen für ein Leben im Reihenhaus. Mit braver Frau, Honigbrot, drei Kindern, Sex nur noch an Feiertagen und Autowaschen an jedem Wochenende. Ich bin dafür eher nicht gemacht.“

Fips sah ihn überrascht an. „Was ist falsch an meinem Honigbrot?“

„Nichts natürlich.“ Dario seufzte. „Hab heute einfach einen miesen Tag.“ Er gönnte Fips sein Honigbrot von Herzen. Und auch die Frau, die Kinder, die Autowäsche. Nur käme es ihm halt für sich selbst ein bisschen zu spießig vor.

„Wenn ich dich nicht kennen würde, hätte ich gesagt, du bist neidisch auf mein Familienleben.“ Fips grinste breit.

„Du liebe Zeit!“ Dario ließ vor Schreck fast den Kugelschreiber fallen, mit dem er einen erledigten Auftrag eingekreist hatte. „Ich bin mit meinen One-Night-Ginas und -Ramonas total zufrieden, mein Freund.“

„Hm“, machte Fips und klappte seinen Werkzeugkoffer auf, um zu kontrollieren, ob alles drin war, bevor er später seine Tour startete. „Ich glaub, mich hat das noch nie gereizt. Diese vielen Frauen, immer wieder eine aufreißen und so weiter. Mag ja ein Kick sein, aber ich sag‘s dir ganz ehrlich: Ich freu mich jeden Tag, wenn ich heimkomme und da ist Renate und ein Essen wartet auf mich und die Kinder erzählen was aus der Schule. Da komm ich dann total zur Ruhe.“

Dario zuckte mit den Schultern. „Ja, versteh ich schon. Aber ich glaub, ich will noch gar nicht zur Ruhe kommen. Ich find‘s schon irgendwie cool, mit verschiedenen Frauen zu flirten. Denen erzähl ich manchmal wilde Geschichten über mich. Und die glauben das sogar!“ Er lachte.

„Was denn zum Beispiel?“

„Ach, alles Mögliche. Das ich Gehirnchirurg bin und nur mit dem Bike herumbrettere, um nach einer Zehn-Stunden-OP den Kopf ein bisschen frei zu bekommen. So was fasziniert die Mädels total. Dieser Gina hab ich vorgegaukelt, dass ich Undercover-Ermittler für Geldwäsche bin und deshalb in Suzies Bar hocke. Hat die mir glatt abgekauft.“ Er grinste zufrieden. War schon echt Wahnsinn, was man den Chicks in einer Bar alles auftischen konnte. Aber die waren ja selbst schuld, wenn sie nur auf irgendwelche Angeberberufe abfuhren.

„Na ja.“ Fips sah ihn nachdenklich an. „Aber wieso sagst du ihnen nicht einfach, dass du Elektriker bist? Ist doch ein ehrenwerter Beruf. Oder schämst du dich dafür?“

„Quatsch!“, rief Dario schnell. „Ich mag meinen Job, das weißt du doch. Ich veräpple die Girls halt einfach gern. Ist doch nix dabei.“

Außerdem ging es ihm auf den Sack, dass affige Anzugsträger meist besser bei den Frauen ankamen. Alles, was nach Geld roch, machte einen Stich. Und auf ihn schauten sie am Ende ja dann doch herab.

„Also ich weiß nicht“, sagte Fips mit seiner Philosophenstimme, die er manchmal auspackte. „Du bist super in deinem Beruf, ich finde nicht, dass du dich verstecken musst. Und irgendwann wirst du mit solchen Lügengeschichten mal richtig auf die Nase fallen. So ist das immer im Leben.“

„Von wegen! Genau das Gegenteil ist richtig. Man muss als kleiner Mann schauen, wo man bleibt. Die ganzen Manager und Reichen und alle, die betrügen doch sowieso überall. Und halten sich für was Besseres. Hab ich oft genug erlebt.“

Fips schüttelte leicht den Kopf. „Trotzdem. So was ist nicht richtig. Und das wird dir Ärger einbringen, das spür ich.“

„Ja klar. So wie der Hausherr neulich die Stromleitung gespürt hat und mitten reingebohrt hat fürs neue Regal. Der war sich auch total sicher, dass da kein Kabel verläuft.“ Dario grinste.

Doch Fips blieb ernst. „Lach du nur. Aber am Ende wirst du noch an meine Worte denken. Jetzt sollten wir aber echt mal rüber zur Schule und uns die Neonröhren anschauen.“

„Aye, Captain Glaskugel“, neckte ihn Dario und griff nach seinem Werkzeugkoffer. Er war schließlich kein Anfänger und auch kein Dummkopf, er wusste genau, wie weit er mit seinen Flunkereien gehen konnte.

Und ein Problem würde er dadurch nie im Leben bekommen.

2. Das alte Haus

 

 

Viktoria

 

 

Voller Tatendrang drückte Viktoria die schwere Holztür des mehrstöckigen Hauses auf, in dem sie neuerdings Praxisräume ihr Eigen nennen konnte. Heute war ihr Tag, das fühlte sie deutlich! Heute würde sie es schaffen!

Sie beugte sich zu dem geflochtenen Korb hinunter, den sie in der rechten Hand trug und in dem Sigmund thronte wie ein Kaiser in seiner Sänfte. Der alte Kater weigerte sich standhaft, sich in einer peinlichen Transportbox aus Plastik herumtragen zu lassen, er war da stur wie ein Esel. Und da ein schlecht gelaunter Kater nicht gerade das war, was sie heute gebrauchen konnte, schleppte sie ihn eben in einem Flechtkorb herum. Der war natürlich mit seinem Lieblingstuch ausgepolstert. Manchmal fragte sie sich wirklich, ob sie noch alle Tassen im Schrank hatte.

„Ich werde heute bei dem Telefonat zur Höchstform auflaufen“, erklärte sie ihm. „Du wirst sehen, die Praxis wird bald total überlaufen sein. Ja, ich werde mich nicht retten können vor Klienten, die meine Hilfe wollen! Und dann ist das mit den Schulden auch nicht mehr so schlimm.“

Sie wusste über die Macht positiver Gedanken Bescheid, das war schließlich ihr Fachgebiet. Selbstmotivation war wichtig! Sie würde an diesem sonnigen Montag das Telefongespräch ihres Lebens führen und in Folge dessen von Patienten überrannt werden, daran gab es keinen Zweifel.

Der Kater starrte sie an, als hätte sie ihm mitgeteilt, dass er nur noch Trockenfutter bekäme. Nun gut, das kannte sie. Er war generell ein großer Bedenkenträger, sogar noch mehr als sie selbst. Und das wollte etwas heißen, sie kalkulierte nämlich alles immer haarklein durch. Bei dem Gedanken an ihren Kontostand wurde ihr allerdings ein wenig flau im Magen, aber den hohen Kredit konnte sie hoffentlich schnell zurückzahlen.

Die Absätze ihrer Pumps, die farblich mit dem blauen Kostüm abgestimmt waren, klackerten über die Fliesen des Etagenabsatzes. Es roch ein wenig muffig hier im Treppenhaus, aber das war bei alten Häusern nun mal so und störte Viktoria nicht. Nichts wie hinauf in den ersten Stock und ran an den Schreibtisch in ihrer neuen Praxis, es gab eine Menge zu tun!

„Du wirst dich hier schnell wohlfühlen, Sigmund“, erklärte sie ihm. „Weißt du, hier in der Ahornallee – das wird tagsüber dein neues Zuhause. Aber du musst dich benehmen.“

„Mau!“, protestierte er und warf ihr einen beleidigten Blick zu, bevor er sich wieder im Korb zusammenrollte.

Als Viktoria hinaufging, knarzten die alten Dielenbretter der Treppe mürrisch. Auch wenn sie schon seit drei Wochen täglich unten die mächtige Tür aufstieß und dann die Stufen erklomm, fühlte sie sich immer noch ein wenig wie ein Eindringling. Das historische Jugendstilhaus schien ein Eigenleben zu haben, es weigerte sich zum Beispiel, beim ersten Versuch seine Fenster öffnen zu lassen, es verklemmte absichtlich seine Türen oder ließ irgendwoher plötzlich einen Luftzug entstehen, wenn man Unterlagen sortieren wollte. Empfindliche Gemüter würden vielleicht behaupten, dass das Haus etwas gegen die neue Eigentümerin der kleinen Praxis im ersten Stock hatte. Aber zum Glück war Viktoria ein Vernunftsmensch und wusste sehr genau, dass solche Dinge nur Hirngespinste waren.

Ursache für derartige Vorstellungen waren meist geheime Ängste, die konnten die ungewöhnlichsten Verwirrungen auslösen. Wenn so etwas passierte, suchten sich kluge Menschen Hilfe. Bei einem Fachmann. Oder einer Fachfrau. So einer wie ihr. Sie würde dann dem betreffenden Klienten erklären, dass ihm sein Unterbewusstsein einen kleinen Streich spielte und ein Haus weder ein Eigenleben noch ein Schlossgespenst besaß. So etwas war schließlich ihr Job, und sie war eine der Besten. Einser-Abitur, Studium in Rekordzeit, Abschluss mit Auszeichnung. Alles lief nach Plan. Sie musste nur noch die Menschen in der Stadt überzeugen, dass sie dringend bei ihren Eheproblemen die Hilfe einer Spezialistin in Anspruch nehmen sollten.

Wie zum Hohn gab die letzte Diele ein lautes Knacken zum Besten. War schon komisch. Eigentlich mochte sie alte Häuser wie dieses mit ihren abgetretenen Stufen, dem geschwungenen Geländer und den hohen Türstöcken total gern. Aber sie fühlte sich hier – nun ja – klein. Ganz winzig sogar. Ob sie das hinbekam mit der Praxis? Ein Versagen kam nicht infrage, so etwas gab es nicht in ihrem Leben, das hatte man ihr von klein auf eingebläut. Und doch war da dieses Gefühl, jemand hätte eine Kordel um ihren Hals gelegt und würde sie jeden Tag enger ziehen. Das hatte sie jetzt davon, dass sie sich kopfüber in die Selbstständigkeit gestürzt, ihr allerletztes Geld plus einem halsabschneiderischen Bankkredit in den Kauf der Praxisräume gesteckt hatte und außerdem noch neu in der Stadt war.

Um sich aufzuheitern, summte sie einen Dolly Parton-Song vor sich hin. Hörte ja keiner. Und Dolly hatte Songs für einfach jede Lebenslage, sie war eine wahre Philosophin.

„Es ist völlig normal, in so einer Situation Ängste zu verspüren“, sagte Viktoria halblaut zu sich selbst, als sie auf die Tür zur Praxis zuging. „Ich habe schließlich einen halsabschneidenden Bankkredit an der Backe und bin neu in der Stadt“, ergänzte sie und fühlte sich gleich ein bisschen besser. Mit einer Therapeutin zu sprechen, tat einfach gut.

Sie blieb neben der Tür stehen, um das neue Schild zu bewundern. Obwohl sie es schon vor Wochen bestellt hatte, war es erst gestern geliefert worden. Nun hing es im dezenten Lindgrün an der Wand und verkündete mit klaren Buchstaben, wer hier logierte.

„Praxis in der Ahornallee“, stand in großen Lettern darauf. Und darunter etwas kleiner: „Dipl.Psych. V. Engelhardt, Systemische Psychotherapie mit Schwerpunkt Beziehungsberatung. Nur Privatzahler. Termine nach Absprache“

Ein klein wenig stolz war sie schon darauf, so ein Schild hier und unten neben der Haustür hängen zu haben. Sie machte einen Schnellcheck bei sich selbst, ob das ein Anzeichen von Narzissmus war, bestand den Test jedoch.

„Sich über die eigene Leistung zu freuen, ist absolut gesund“, erklärte sie Sigmund, der ein sehr uninteressiertes Gesicht machte, während sie den Schlüssel ins Schloss steckte.

Ein blechernes Scheppern von oben ließ sie zusammenzucken. War da jemand? Und hatte der ihr zugehört, wie sie sich selbst Mut zusprach? Du liebe Zeit, der würde sie für total durchgeknallt halten, was bei einer Therapeutin irgendwie nicht so erstrebenswert wäre …

Eine Frau in Kittelschürze, mit entschlossener Miene und mit einem Putzeimer in der Hand stieg die Treppe herunter. „Alles okay bei Ihnen?“, fragte sie mit lauter Stimme. „Ich bin Cordula Unruh, ich pass auf.“

„Viktoria Engelhardt“, stellte Viktoria sich vor und nickte der Frau freundlich zu. „Mir gehört die Praxis hier. Auf was genau passen Sie denn auf?“

„Na, aufs Haus“, erklärte Cordula. „Ich putze, fege das Laub weg und verscheuche die Gören, wenn die im Hinterhof kiffen wollen. Außer, die geben mir einen Dübel ab.“

„Einen Dübel?“ Fragend schaute Viktoria die Hausmeisterin an. „Heißt das, Sie reparieren auch Sachen, schrauben Regale an die Wand und so?“

Das könnte sie nämlich gut gebrauchen. Ihr Verlobter, Friedrich, war zwar ein genialer Anwalt, hatte aber zwei linke Hände, genau wie sie selbst. Allerdings verstand sie den Zusammenhang zwischen Kindern und Heimwerkermaterial nicht so ganz.

„Ein Dübel ist ein Joint!“ Cordula lachte so scheppernd, dass Viktoria nicht mehr wusste, ob das Geräusch von vorhin wirklich durch den Putzeimer verursacht worden war. „Sie kennen sich ja wirklich nicht aus, Schätzchen. Übrigens sind Haustiere im Treppenhaus nicht erlaubt. Ich drück aber heute mal ein Auge zu. Muss weiter, halten Sie die Ohren steif!“

Sie schlurfte an Viktoria vorbei, die ihr schnell noch einen schönen Tag wünschte.

Viktoria sah ihr kurz nach, dann öffnete sie die Tür zur Praxis und ging hinein. Es roch immer noch nach frischer Farbe, ein Geruch, den sie gern hatte. Nicht ganz so gern wie den von frisch gemahlenem Kaffee allerdings, denn der übertraf alles, was es an Wohlgerüchen auf dieser Welt gab, und zwar mit Riesenabstand. Also setzte sie Sigmund mitsamt seiner Sänfte, aus der er nach eigenem Gutdünken klettern würde, in der kleinen Küche ab und braute sich erst mal einen starken Kaffee. Dazu drückte sie eine Taste des CD-Spielers, der daneben stand.

„Workin‘ nine to fiiive“, ertönte Dollys Stimme, und wie stets, wenn er die Countrysängerin hörte, kam Sigmund angerannt. Er fuhr total auf Miss Parton ab, warum auch immer. Wenn Viktoria eine Scheibe von Madonna auflegte, von Pink oder Adele, interessierte ihn das nicht die Bohne. Nicht mal Shania Twain mit ihren Countrysongs lockten ihn hinterm Ofen vor. Erschallte aber Dolly, sauste er heran, hockte vor dem Lautsprecher und wippte mit dem Kopf mit.

„Du bist total irre“, kommentierte Viktoria sein Verhalten. „Man sollte dich zum Tier-Therapeuten schicken, aber selbst der würde wahrscheinlich an dir verzweifeln.“

Sigmund tat, als hätte er es nicht gehört, und konzentrierte sich auf das Lied.

Viktoria tätschelte ihm lachend den Kopf. Während das Wasser durch die Kaffeemaschine lief, schlenderte sie durch die Räume und stellte sich vor, wie die Praxis wohl auf die neuen Klienten wirkte.

Wenn sie reinkamen, warteten im Flur ein Tischchen und zwei bequeme Stühle. Viktoria hatte Zeitschriften ausgelegt und natürlich eine Wasserkaraffe plus Gläser zur Verfügung gestellt. Der Flur war wie alle Räume hellgrau und lindgrün gestrichen, die Bilder an der Wand zeigten Bambuspflanzen oder japanische Teiche, alles war freundlich-beruhigend. Auf der linken Seite gab es eine Toilette und die winzige Küche, auf der anderen Seite das Behandlungszimmer, also ihr künftiges Reich.

Dort stand ein Schreibtisch mit Computer, eine Schrankwand für die Akten, eine riesige und schweineteure Zimmerpflanze und eine Couch. Man war ja schließlich keine echte Psychologin, wenn man keine Couch besaß! Allerdings war die eher Dekoration, Viktoria saß ihren Klienten lieber auf einem Stuhl gegenüber. Dazwischen stand ein kleines Tischchen mit einer Taschentücher-Box, denn manchmal ging es durchaus ans Eingemachte. Ein paar vereinzelte Menschen waren nämlich schon in die Praxis gekommen, um sich wegen Depressionen oder Ängsten behandeln zu lassen, aber eben nur eine Handvoll. Das reichte noch nicht mal für die Nebenkosten. Ihren Eltern hatte Viktoria allerdings vorgeflunkert, dass die Praxis super lief und sie überrannt wurde von neuen Klienten.

Daran zu denken, schnürte ihren Hals erneut zu. Also lieber weiter durch die Praxis laufen!

Vom Behandlungszimmer aus konnte man in einen kleinen Raum dahinter gehen, in dem ein Tisch und drei Klappstühle standen. Viktoria wusste noch nicht, wie sie diesen verwenden sollte, vielleicht als Spielraum für Sigmund mit seinem geliebten Kratzbaum und den drei aufziehbaren Mäusen, denen er so gern hinterherjagte?

Der Kater kam heranstolziert und sah sich prüfend um. Vor dem Wandgemälde über der Couch, das einen abstrakten Teller mit noch abstrakteren Birnen darstellte, blieb er stehen und musterte es kritisch. Anschließend sprang er auf die Couch und machte es sich dort gemütlich.

Schmunzelnd ging Viktoria zurück zur Kaffeemaschine. Gerade als sie sich die erste Tasse einschenkte und es kaum mehr erwarten konnte, ihr Lebenselixier endlich trinken zu können, hörte sie jemanden an der Tür. Für Patienten war es noch zu früh, deshalb konnte es nur Friedrich sein, der hatte einen Schlüssel.

Tatsächlich, da kam er auch schon zur Tür herein. Wie immer in einem perfekt sitzenden Anzug, mit einer Aktentasche in der Hand und einer seidenen Krawatte in Dunkelblau mit gelben Kronen. Das war das Logo der Kanzlei „König, Thanner und Assmann“, für die er arbeitete. Viktoria fand die Sache mit den Krönchen ein wenig albern, hütete sich aber, das bei Friedrich zu erwähnen. Er war sehr ehrgeizig und verstand wenig Spaß, wenn es um seine Arbeit ging. Sonst auch nicht. Aber das war nicht schlimm, sie hätte sowieso nicht mit einem dieser Clowns in Männerkleidung zusammen sein wollen, die gern zotige Witze erzählten. Friedrich war vernünftig, verantwortungsbewusst und stets gut rasiert. Alles Dinge, die ihr gefielen.

Sie ging auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem Kuss. „Was verschafft mir denn die Ehre?“, fragte sie. „Ich dachte, du musst immer schon um acht oder früher in der Kanzlei sein?“

„Ich muss zu einem Gerichtstermin“, sagte er ernst. „Der beginnt erst um neun, da dachte ich, ich schaue vorher noch bei dir vorbei für einen starken Kaffee. Und um dir Glück zu wünschen. Heute ist doch das Telefonat mit Frau von Schwarzenfels-Gänsheim, richtig?“

„Ja genau! Das ist sehr aufmerksam von dir.“

Friedrich war in solchen Dingen wirklich unglaublich. Er hatte ein geradezu fotografisches Gedächtnis für Termine, Namen und auch Zahlen. Sie war sich sicher, dass er eine große Karriere als Fachanwalt für Verwaltungsrecht vor sich hatte. Viktoria ging mit ihm zusammen in die Küche, schenkte ihm eine Tasse ein und reichte sie ihm. Die CD schaltete sie schnell ab, denn sie wusste, dass er moderne Musik überhaupt nicht leiden konnte und die Stimme von Dolly ihm ganz besonders zuwider war.

„Wir haben den Telefontermin für zehn Uhr vereinbart“, sagte sie. „Ich bin ein bisschen nervös. Erzähl mir noch mal alles über sie, damit ich gut vorbereitet bin.“

Dass ausgerechnet die berühmteste Highsociety-Lady der ganzen Stadt sich bei ihr gemeldet hatte, war natürlich ein Glücksgriff. Viktoria hatte es kaum fassen können, als eine Mail der Dame eintraf. Sie war von altem Adelsgeschlecht und organisierte seit vielen Jahren wohltätige Events, Golfturniere und Debütantinnen-Bälle. Verheiratet war sie mit dem Chefarzt der größten Klinik und mit ebendiesem klappte es offenbar nicht mehr ganz so gut in der Ehe. Deshalb hatte sich Frau von Schwarzenfels-Gänsheim auf Viktorias Annonce in der Tageszeitung gemeldet, in der sie die Praxisneueröffnung bekannt gegeben hatte.

„Nun ja“, begann Friedrich nach dem ersten Schluck Kaffee, „sie ist die wichtigste Person im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Ohne sie läuft überhaupt nichts. Und ihr Ehemann ist der berühmteste Mediziner in der Region, der ist irrsinnig gut vernetzt, kennt jeden und jede, eine wahre Koryphäe, heißt es. Ob er das wirklich ist, kann ich nicht beurteilen.“

Viktoria nickte. „Dass er jeden kennt, ist ja der Grund, warum sie zu mir kommt. Ich bin neu in der Stadt und bin ihrem Ehemann beruflich noch nie begegnet.“

„Ja, das glaube ich auch. Wenn sie zu einem anderen Psychotherapeuten geht, müsste sie immer Angst haben, dass ihr Mann was herausfindet. Er hat wirklich überall die Finger drin. Bei dir ist sie relativ sicher. Wenn du sie von dir überzeugen kannst, bringt sie bestimmt auch ihre unzähligen Freundinnen mit.“

Genau darauf hoffte Viktoria. Eine Society-Lady wie Frau von Schwarzenfels-Gänsheim in ihrer Praxis zu haben, wäre ein Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl. Denn dass die Damen sich über Dinge wie Therapie unterhielten, war klar. Beziehungsprobleme hatten sie sicher auch alle oder sonstige kleine Sorgen, derer sich Viktoria annehmen konnte. Ach, es musste einfach klappen heute!

„Und wie ist sie so?“, hakte sie nach. „Du bist ihr doch mal begegnet.“

Er überlegte. Schien nach dem richtigen Wort zu suchen. „Kapriziös, würde ich sagen. Ziemlich selbstverliebt, überdreht, will gern gehuldigt werden. Aber du bist die studierte Psychologin und kannst Menschen super einschätzen, ich bin nur ein dummer Anwalt.“

„Von wegen“, schnurrte sie, stellte ihre Tasse ab und ging auf ihn zu. „Du bist der schlauste Mann, den ich kenne. Und auch der attraktivste.“

„So?“ Er zog die Augenbraue hoch und strich sich über den perfekt gezogenen Seitenscheitel. „Du findest also, ich bin ein guter Fang?“

Er zog sie an sich. Sein teures Aftershave, das ihr eine Spur zu süßlich und zu schwer war, stieg in ihre Nase. Sie küsste seine glatte Wange, tastete sich zum Mund vor, spürte Friedrichs weiche Lippen auf ihren.

„Ein sehr guter Fang“, erwiderte sie sanft. „Ich könnte mir keinen besseren vorstellen.“ Er mochte es, wenn sie ihm schmeichelte. Und es fiel ihr nicht schwer. Friedrich war ja tatsächlich ein verlässlicher Partner. Okay, manchmal fragte sie sich schon, ob man nicht mehr fühlen sollte bei dem Mann, den man liebte. Mehr Feuer, Leidenschaft, Stromschläge, wenn er sie berührte. Aber sie schob den Gedanken schnell zur Seite. Das war Unsinn. Romantische Wolkenschlösser, die man in Liebesromanen las oder in Dollys Lovesongs hörte. Frisch Verliebte empfanden so etwas vielleicht, aber da spielten kurzfristig die Hormone verrückt, das war nichts von Dauer.

„Dann zieh endlich zu mir!“ Er löste sich von ihr und sah ihr tief in die Augen. „Und wir verloben uns. Jetzt ist doch der beste Zeitpunkt!“

Schon wieder kam er mit diesem leidigen Thema daher! Sie wollte diesen Schritt nun mal nicht machen, nicht sofort. Es lief ihnen doch nichts weg, sie waren noch jung.

„Wieso ist jetzt der beste Zeitpunkt?“, hakte sie nach, um nicht stumm dazustehen.

„Na, weil du doch so hohe Schulden hast. Du kannst dir die Miete deiner Wohnung sparen, wenn du bei mir wohnst. Du müsstest dich nämlich nicht daran beteiligen, also an den Nebenkosten. Mir macht es nichts aus, für dich mitzuzahlen.“

Ach, wie großzügig!

Viktoria wich gänzlich von ihm zurück und schenkte sich eine neue Tasse Kaffee ein. „Soll das heißen, du glaubst nicht daran, dass ich mit der Praxis gut verdiene und für mich selbst sorgen kann?“ Ihre Stimme klang schneidend.

„Natürlich, natürlich“, ruderte er zurück. „War doch nur ein Angebot.“ Er machte so ein betroffenes Gesicht, dass er ihr fast schon wieder leidtat.

„Lass mich erst mal hier auf die Beine kommen, dann reden wir noch mal darüber“, lenkte sie ein. Und sah dann auf die Uhr. „Du, langsam wird es Zeit für dich.“

„Oh, stimmt!“ Eilig trank er die Tasse leer, wischte sich einen Fussel vom Anzugsärmel und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Ich drück dir vom Gericht aus die Daumen!“, rief er und verschwand.

Nachdenklich ging Viktoria in den Behandlungsraum und ließ sich am Schreibtisch nieder. Irgendwann würde sie nicht mehr um eine Antwort herumkommen, ob sie sich mit Friedrich verloben wollte oder nicht. Ihr fiel kein einziger Grund ein, der dagegen sprach. Er war aufmerksam, gebildet, treu und sogar vermögend, denn er war der Spross einer alteingesessenen Anwaltsfamilie. Trotzdem sperrte sich in ihr etwas.

Sigmund kam heran und strich ihr um die Beine. „Ist bestimmt nur die Unsicherheit, weil ich ja hier neu anfange“, erklärte sie ihm und sich selbst.

Der Kater setzte sich mitfühlend auf ihren Fuß. Um Friedrich machte er einen riesigen Bogen, fauchte ihn sogar manchmal an. Er ließ sich auch von anderen Menschen nicht gern streicheln, aber bei ihm nahm er sogar aus dem Zimmer Reißaus, das er betrat. War bestimmt nur die Eifersucht.

Viktoria kraulte Sigmund zwischen den Ohren, was der mit einem dumpfen Schnurren quittierte, und las erneut die beiden Mails, die Frau von Schwarzenfels-Gänsheim ihr geschickt hatte. Sie klangen beide ein wenig verwirrt oder zumindest unaufmerksam, aber nicht unfreundlich. Offenbar war die Dame verzweifelt auf der Suche nach Hilfe für ihre Ehe, das ging klar daraus hervor. Nun gut, da konnte Viktoria ihr mit all ihrem Sachverstand helfen!

Nachdem sie die Tassen gespült und einen Bericht für die Krankenkasse getippt hatte, wanderte der Zeiger endlich auf die Ziffer zehn zu.

Sie hatten per Mail vereinbart, dass Viktoria sich dann melden würde, um die Details zu besprechen. Und das tat sie. Sie atmete tief durch, nahm das Telefon in die Hand und wählte die angegebene Nummer.

Es tutete. Lange. Sehr lange.

Dann meldete sich eine gehetzte Stimme: „Ja? Schwarzenfels-Gänsheim hier.“

„Viktoria Engelhardt von der Praxis in der Ahornallee. Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen.“

„Wer?“

Na, das ging nicht besonders gut los. Viktoria wiederholte ihren Namen. „Die Praxis für Psychologie! Sie hatten sich gemeldet und wir wollten einen Termin abstimmen.“

„Ach so, ja, sicher. Es passt mir nur momentan nicht. Wissen Sie, ich melde mich lieber wann anders. Die Preisverleihung bringt alles durcheinander und überhaupt. Auf Wiederhören.“ Sie legte auf.

Wie versteinert saß Viktoria am Schreibtisch und starrte den Hörer an, der trist vor sich hin tutete.

Verflucht!

Die Frau von und zu hatte sie ja richtig abgewürgt! Und es hatte nicht geklungen, als bestünde generell viel Interesse an einer Therapie. Was sollte sie jetzt nur tun?

Alles brach irgendwie über ihr zusammen. Die leere Praxis, der hohe Kredit im Nacken, das Drängen von Friedrich, der Rückschlag gerade eben – verdammt, warum war das Leben nur so kompliziert?

Sie legte den Kopf in den Nacken und musterte die Zimmerdecke. Fand keine Antworten. Auch das Birnen-Bild war keine große Hilfe, die trüb gezeichneten Früchte waren keine Stimmungsaufheller. Wieso hatte sie das eigentlich gekauft? Alles kam ihr grau vor, total hoffnungslos und viel zu schwierig, um es allein in Angriff …

Halt! Sie war auf dem besten Weg, selbst in eine depressive Verstimmung zu rutschen. Da musste sie schnell gegensteuern. Sie stand auf, trichterte Sigmund ein, dass er brav bleiben sollte, und verließ die Praxis für einen kleinen Spaziergang. Ein paar sommerliche Sonnenstrahlen taten der Psyche gut, das riet sie auch ihren Klienten.

Als sie zurückkam, fühlte sie sich allerdings auch nicht sehr viel besser. Sie brütete stundenlang darüber nach, wo sie Patienten herbekommen konnte. Schrieb die Volkshochschule an, ob die Dozenten brauchten, bekam aber umgehend eine Absage.

Zu allem Überfluss kam am frühen Nachmittag auch noch ein Gewitter mit schwarzen Wolken daher und ließ Regen gegen die Scheiben der Praxis prasseln. Viktoria schaltete das Licht ein und durchforstete zum x-ten Mal ihre kleine Patientendatei am Computer. Den CD-Player hatte sie herübergeholt und ließ sich von Dolly mittels einer Ballade in ihrem Weltschmerz begleiten. Da wurde mit einem Mal der Bildschirm schwarz, Dolly mitten im Wort abgewürgt und das Licht ging aus.

Viktoria sprang auf, eilte zum Sicherungskasten im Flur und öffnete ihn. Einer der Schalter zeigte nach unten. Sie schob ihn nach oben, aber er rastete nicht ein, sondern sprang sofort wieder nach unten. Die Kaffeemaschine in der Küche leuchtete noch, was Viktoria allerdings nur ein ganz klein wenig beruhigte. Verflixt, was war da los?

Ob diese Hausmeisterin hier wohnte und Bescheid wusste? Sie lief nach unten, studierte die Klingelschilder, fand im dritten Stock eines mit dem Namen „Unruh“, lief hinauf und klingelte.

Es dauerte eine Weile, dann öffnete die Frau mit der Blechstimme. „Ah, die Frau Doktor!“

Viktoria verzichtete auf die Erklärung, dass sie keinen Doktortitel hatte, sondern schilderte ihr das Problem.

Cordula Unruh kratzte sich am hellrotgefärbten Kopf. „Sind alles alte Leitungen hier im Haus. Schätze, Sie müssen einen Fachmann holen. Rufen Sie bei Elektro Braun an, der ist hier gleich um die Ecke. Ich muss rein, es läuft grad meine Lieblingsserie – Schwarze Astern – und sie knutschen heute zum ersten Mal.“

Sie zog die Tür zu, noch bevor Viktoria etwas erwidern konnte.

Verflixt! So ein Elektriker kostete bestimmt eine Stange Geld. Und sie hatte absolut nichts auf der hohen Kante. Eine kleine Träne der Verzweiflung drückte von innen gegen das Auge, aber Viktoria straffte die Schultern und schob die Träne zurück. Für Gefühlsdusselei war kein Platz, sie war ein Profi. Und sie würde bestimmt nicht hier im muffigen Treppenhaus herumheulen, nein, niemals. Auch den Kloß im Hals konnte sie irgendwie nach unten pressen. Nur die Knie zitterten immer noch, als sie mit schweren Schritten nach unten ging. Zeit für positive Gedanken! Ja, das war wichtig. Sie würde jetzt den Elektriker anrufen, der würde in Windeseile alles reparieren, eine winzige Rechnung stellen und ihr Leben würde wieder in glatten Bahnen verlaufen.

War doch gar nicht schwer. Nur eine Nummer wählen, einen Auftrag geben, und schon war man wieder Herrin der Lage.

Geradezu ein Klacks!

3. Die niedliche Vicky

 

 

Dario

 

 

„Wann machen wir Mittag?“, fragte Dario den neben ihm arbeitenden Markus, als es auf halb drei Uhr zuging. Sie waren heute zu dritt auf der Baustelle und hatten bis jetzt so richtig Gas gegeben, denn der nächste Auftrag wartete schon. Es war ein großer Umbau einer Metzgerei, und da sollten sie spätestens nächste Woche starten.

„Du machst gar keinen Mittag, du gehst jetzt heim“, erklärte Markus. „Überstundenabbau, erinnerst du dich? Fips und ich kommen hier schon klar.“

„Okay“, stimmte Dario widerwillig zu. Der Bauherr hatte sich bei der Elektroinstallation ein paar Extras ausgesucht. Der Garten sollte am Weg entlang beleuchtet werden, vor der Tür gab es Bewegungsmelder und die exklusive Stereoanlage sollte indirekt mit einem Lichtband angestrahlt werden. Alles Sachen, die Dario liebend gern einbaute, weil es eine Abwechslung war. Aber gut, wenn der Boss es so wollte … Dummerweise duschte es gerade in Strömen, weil ein Gewitter sich breitgemacht hatte. Also brachte es ihm nicht viel, heute mal um halb drei Feierabend zu machen, denn eine Motorradtour fiel sprichwörtlich ins Wasser.

Während er seine Siebensachen zusammenpackte, klingelte das Firmenhandy. Da Fips irgendwo anders herumkroch und Markus gerade zu tun hatte, ging er ran.

„Elektro Braun, Engelhardt am Apparat“, meldete er sich.

„Äh, wie bitte?“, fragte eine Frauenstimme. „Also, ich meine, ich hab den Namen nicht richtig verstanden.“

Obwohl sie nicht alt klang, war sie wohl irgendwie verwirrt. Also wiederholte Dario geduldig seinen Spruch: „Sie haben die Firma Braun angerufen. Mein Name ist Engelhardt. Und wie heißen Sie?“

„Engelhardt. Viktoria Engelhardt. Deshalb hatte ich für einen Moment gezögert. Bei mir ist alles ausgefallen.“

Er verdrehte die Augen. Das war eine Sache, die er an Frauen nicht leiden konnte. Rief ein Mann an, konnte der in der Regel klar das Problem schildern. Okay, nicht bei allen, aber bei der Mehrheit. Bei Frauen stocherte man oft erst mal zehn Minuten in nebulösen Aussagen herum, bis man der Sache auf die Spur kam.

„Was genau ist denn alles?“, fragte er deshalb.

„Das Licht. Und der Computer. Also alles hier im Behandlungsraum. Aber in der Küche funktioniert die Kaffeemaschine noch.“ Ihre Stimme klang sympathisch. Ob sie Arzthelferin war? Aber dann sollte sie vielleicht den Namen der Praxis dazusagen. Naja, konnte man schon mal vergessen in der Aufregung eines Stromausfalls.

„Ist bestimmt ein Kurzschluss. Manchmal schlägt das Gewitter da zu.“

„Ja, eine der Sicherungen ist raus, ich habe nachgesehen, die lässt sich auch nicht wieder hochschieben. Und eine Nachbarin hat gesagt, dass das an den alten Leitungen im Haus liegen könnte. Aber ich brauche doch Licht für meine Patienten!“

Dario seufzte. Das war‘s dann wohl mit seinem Feierabend. „Okay, wenn es um eine Praxis geht, kommen wir natürlich sofort. Geben Sie mir die Adresse, ich fahr gleich hin.“ Ein Arzt konnte seine Patienten ja nicht im Dunklen behandeln.

„Wirklich?“ Ihre Erleichterung schwappte durch die Leitung bis zu ihm herüber. Wie sie wohl aussah? Bestimmt war sie eine dieser niedlichen, ein wenig schüchternen Empfangsdamen, die ihre blonden Haare zu einem praktischen Pferdeschwanz gebunden hatten. Und die, weil sie für den Herrn Doktor viel laufen mussten, quietschende Crocs trugen. Ja, diese Vicky wurde bestimmt oft zusammengestaucht. Von Patienten oder vom Halbgott in Weiß, aß dann als Trost zwei Schokoriegel und feierte abends gern ausgelassen mit ihren Freundinnen. Da redete sie dann über Jungs und freute sich, wenn ein heißer Kerl wie er sie in der Kneipe ansprach. Mit solchen Mädels konnte man eine Menge Spaß haben!

„Bin quasi schon unterwegs“, bestätigte er voller Vorfreude und warf sein Werkzeug in den Koffer.

„Das ist ja wunderbar! Es ist die Praxis in der Ahornallee einunddreißig, erster Stock, Viktoria Engelhardt.“

Er grinste. „Den Namen kann ich mir merken, denke ich.“

Dario legte auf und lächelte weiter vor sich hin. Die Kleine war irgendwie lustig. Sie hatte das mit der Praxis so gesagt, als wäre es ihre eigene. Klar, sie hatte gemeint, dass er nach ihr fragen sollte. Und vergessen zu erwähnen, ob es ein Hausarzt, ein Orthopäde oder sonst was war. Aber egal, das würde er ja gleich sehen. Er mochte es, wenn Frauen ein bisschen verplant waren, irgendwie war das sexy. Da konnte er dann manchmal den Retter spielen und erntete Dank, wenn er einem hilflosen Geschöpf helfen konnte, das war ein ziemlich gutes Gefühl.

Also gab er Markus Bescheid, dass er noch einen schnellen Auftrag erledigen würde. Kundenservice wäre schließlich das Wichtigste. Und diese Vicky würde ihm den verregneten Nachmittag sicher ein wenig versüßen, das hatte er im Gespür.

Da sie mit zwei Lieferwagen gefahren waren, konnte er einen nehmen und direkt in die Ahornallee brausen. Er drehte das Radio auf und freute sich, als sein alter Kumpel Kenny Rogers seine Begegnung mit „Lucille“ besang. Meistens hörte Dario zwar Rock, aber hin und wieder liebte er diese uralten Countrynummern und Kenny war einfach der Beste, von ihm besaß er jedes Album.

Er parkte, schnappte sich seinen Elektrokoffer und ging fröhlich pfeifend auf das altehrwürdige Haus mit der Nummer einunddreißig zu. Gerade kam eine rothaarige Frau in Kittelschürze heraus, also musste er nicht klingeln, sondern ging mit federnden Schritten sofort hoch in den ersten Stock.

Dort sah er sich um. Neben der rechten Tür hing ein Schild. Allerdings suchte er da vergeblich nach dem Namen eines Zahnarztes, Radiologen oder Internisten. Stattdessen prangte der Name Viktoria Engelhardt an der Tür, versehen mit irgend so einem Psychotitel.

Ach du Scheiße, die süße, kleine Vicky war gar keine Arzthelferin, sondern Seelenklempnerin? Also, wenn er das gewusst hätte, wäre er nach Hause gefahren, um sich aufs Sofa zu fläzen und die Sportschau anzuschalten.

Schwer seufzend drückte er auf die Klingel.

Nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür. Tja, das war ja wohl ein Reinfall. Ganz offensichtlich war diese Vicky kein bisschen niedlich und klein, sondern eher groß wie ein Laufstegmodel. Lag vielleicht daran, dass sie eben keine bequemen Crocs in Quietschgrün trug, sondern elegante Pumps mit hohen Absätzen. Zu einem ebenso eleganten Kostüm in seriösem Dunkelblau. Der blonde Pferdeschwanz fehlte ebenfalls, statt dessen hatte sie ihre braunen Haare zu einem ordentlichen Dutt gebunden. Also echt! Dario schüttelte innerlich den Kopf. Wenn eine Frau ihre Mähne schon so zusammenknotete, dann doch bitte total lässig, sodass es wie frisch aus dem Bett geschlüpft aussah und ein paar vorwitzige Strähnen herausfielen. Die man ihr dann von der Schulter pusten konnte, bevor man sie unterm Ohr küsste.

Aber diese Viktoria wirkte so streng, dass sich die Haarsträhnen wahrscheinlich schon aus Angst aneinanderklammerten und zu einem engen Dutt zusammenrotteten. Die randlose Brille ließ sie auch nicht gerade lieblich erschienen, sondern intellektuell. Und er hasste intellektuelle Frauen. Auch wenn die Frau Psychologin außergewöhnlich schöne Augen hatte, das musste er zugeben. Die Farbe war gar nicht klar zu bestimmen, sie schienen zwischen Blau und hellem Grün zu wechseln wie ein See in der Sommersonne. Und die dunklen Brauen ließen sie noch mehr strahlen.

„Sie waren ja wirklich schnell hier, vielen Dank“, begrüßte sie ihn geschäftsmäßig-freundlich und schenkte ihm ein unverbindliches Lächeln.

„Kein Thema. Wir von Elektro Braun stehen für unsere Kunden immer unter Strom“, sagte er grinsend.

Sie sah ihn mit einem durchdringenden Blick an. Ungefähr so, als hätte er irgendeinen dämlichen Psychotest nicht bestanden und sie würde überlegen, ob sie ihn gleich in die Geschlossene einweisen ließ oder erst noch mit Medikamenten vollpumpte.

„Das ist das Motto unserer Firma“, fügte er an und kam sich erst recht blöd vor. Verflucht, warum hatte Markus aber auch so einen idiotischen Spruch auswählen müssen!

„Ach so, ja dann. Kommen Sie doch herein. Ich zeige Ihnen das Zimmer mit dem Problem.“ Sie trat zur Seite, sodass er in den Flur kommen konnte, und ging dann vor ihm her.

Nun ja, einen knackigen Hintern hatte sie, die Frau Psychotante. Und dazu eine dieser weichen Stimmen, die einen Mann zu gewissen Stunden in den Wahnsinn treiben konnten. Oh ja, er stand durchaus auf so was. Wenn eine Frau zum Beispiel sanft wie ein Engel sprach, ihm dabei aber versaute Sachen ins Ohr flüsterte, das fand er richtig scharf. Cindy hatte das voll draufgehabt. Die hatte sich immer angehört, als würde sie Kindern Märchen vorlesen, dabei war sie im Bett eine echte Hexe gewesen.

Vicky hier sah eher verklemmt aus. Die hielt Dirty Talk garantiert für ein Gespräch zwischen zwei Putzfrauen und bei Bonding dachte sie an ihr Wertpapierdepot. Nicht dass er drauf stand, zu einem Päckchen zusammengeschnürt zu werden, absolut nicht. Aber er war zumindest offen für alles. Sie hingegen würde im Schlafzimmer grundsätzlich das Licht ausschalten, darauf hätte er seinen Allerwertesten verwettet.

„Hier ist der Behandlungsraum“, erklärte sie samtweich. „Und da funktionieren weder Licht noch Strom.“

Die sanfte Stimme machte ihn allmählich aggressiv. Vielleicht auch die Tatsache, dass sie ihren verwöhnten Patienten hier zuhörte bei ihrem langweiligen Kram und noch dazu Geld dafür bekam. Und nicht zu knapp, vermutete er. Während er für seine Kohle hart schuften durfte.

Dario betrat den Raum und musste lachen. „Eine Couch? Sie haben allen Ernstes eine Couch hier herumstehen? Machen Sie denn auch Sexualtherapie?“

Humor schien für sie ein Fremdwort zu sein, denn ihre Miene blieb unverändert. Nur die Augen nahmen eine eisige Farbe an.

„Ich sitze meinen Klienten hier gegenüber.“ Sie deutete auf zwei Stühle. „Aber manchmal will sich jemand hinlegen. Was stört Sie daran?“

Er stellte seinen Koffer ab. „Naja, das ist halt das Oberklischee! Die Therapeutin mit Brille und Kostüm, eine Box mit Taschentüchern und eine Couch.“

Sie zog ihre dunklen Augenbrauen zusammen. „Ungefähr so ein Klischee wie der Handwerker ohne Anstand, mit zotigen Sprüchen und schlechter Rasur.“

Reflexartig fuhr er sich über sein Kinn. Und ärgerte sich sofort darüber. Dummerweise hatte sie recht, er hatte sich seit Tagen nicht rasiert. Wieso auch?

„Manche Frauen stehen drauf“, erwiderte er selbstbewusst.

„Auf zotige Sprüche?“ Sie lachte abfällig. „Ganz sicher nicht. Sie haben ja keine Ahnung.“

Na, jetzt wurde es ja lustig! Von ihr ließ er sich bestimmt nicht maßregeln! Dario baute sich in voller Größe vor ihr auf. „Von Frauen? Pah, da täuschen Sie sich gewaltig, Miss Allwissend. Ich weiß ganz genau, wie Frauen ticken. Besser als Sie! Dazu muss nämlich kein Mensch studieren und sich dann ein hellgrünes Schild an die Tür hängen.“

Ihre Augen fixierten ihn. Fühlte sich blöd an. Es verursachte nämlich ein ganz unangenehmes Kribbeln an seinem Rücken, weil er sich irgendwie so durchschaut fühlte. Und das konnte er absolut nicht leiden.

„Sie kennen sich also mit Beziehungen aus?“, fragte sie und ihre Stimme klang plötzlich gar nicht mehr samtweich, sondern messerscharf. „Das ist ja wunderbar, da kann ich Sie um Ihre Meinung fragen, wenn ich bei einem Klienten mal nicht weiter weiß. Sie leben selbst in einer glücklichen Partnerschaft, nehme ich an. Seit wie vielen Jahren?“ Ihr Blick durchbohrte ihn.

„Ich … äh … also … das hat doch gar nichts damit zu tun!

---ENDE DER LESEPROBE---