Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Hasenjagd E-Book

Lars Kepler  

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E-Book-Beschreibung Hasenjagd - Lars Kepler

Joona Linna ermittelt in seinem 6. Fall Joona Linna sitzt bereits seit zwei Jahren im Hochsicherheitstrakt der JVA Kumla ein, als er zu einem heimlichen Treffen mit dem schwedischen Premierminister gebeten wird. Die Regierung benötigt dringend seine Hilfe. In einem wohlhabenden Stockholmer Viertel ist ein Mann bestialisch ermordet worden, vermutlich ein terroristischer Anschlag. Die Tat wird geheim gehalten. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord, nach ähnlich brutalem Muster: Beiden Opfern wurde vor ihrem quälend langsamen Tod ein Kinderlied vorgespielt ... Joona Linna und Saga Bauer sind gezwungen, unter höchster Geheimhaltungsstufe ermitteln, um den gnadenlosen Mörder aufzuhalten. Ein weiterer spannender Schweden-Krimi aus der Bestseller-Reihe von Lars Kepler

Meinungen über das E-Book Hasenjagd - Lars Kepler

E-Book-Leseprobe Hasenjagd - Lars Kepler

Inhalt

CoverÜber das BuchÜber den AutorTitelImpressumProlog123456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115Epilog

Über das Buch

Joona Linna ermittelt in seinem 6. Fall Stockholm. In einem wohlhabenden Viertel geschieht ein bestialischer Mord. Die Polizei ist gleich vor Ort, hält den Fall jedoch geheim. Sie kontaktiert Joona Linna, der momentan seine Gefängnisstrafe absitzt. Bei einem geheimen Treffen bittet man ihn, die Mörderjagd aus dem Gefängnis heraus zu leiten. Als er merkt, dass man ihm Fakten vorenthält, ist es bereits zu spät. Er ist schon zu sehr in den Fall verwickelt, um auszusteigen. Von nun an ist er auf sich gestellt – und eine für ihn lebensgefährliche Jagd beginnt. Ein weiterer spannender Schweden-Krimi aus der Bestseller-Reihe von Lars Kepler

Über den Autor

Lars Kepler ist das Pseudonym der Eheleute Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril. Jeder für sich hat bereits erfolgreich eigene Romane veröffentlicht, bis sie sich entschieden haben ihre ganze Energie und Kreativität in ein gemeinsames Schreibprojekt zu stecken. Der Hypnotiseur, ihr Krimidebüt, war sensationell erfolgreich und wurde in über 30 Sprachen übersetzt. Die folgenden Kriminalromane mit dem Ermittler Joona Linna (Paganinis Fluch, Flammenkinder, Der Sandmann und Ich jage Dich) setzten die Erfolgsgeschichte fort und standen allesamt auf Platz 1 der schwedischen Bestsellerliste. Allein in Schweden sind inzwischen über zwei Millionen Bücher des Autorenpaars verkauft. 2012 wurde Der Hypnotiseur von Lasse Hallström für das internationale Kino verfilmt.

Das Pseudonym Lars Kepler ist eine Hommage an zwei bekannte Persönlichkeiten. Der Vorname Lars wurde zu Ehren des Bestseller-Autors Stieg Larsson gewählt, während der Nachname Bezug auf den deutschen Wissenschaftler Johannes Kepler nimmt.

Als ihr erster gemeinsamer Kriminalroman im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, war die Identität der beiden Schriftsteller hinter dem Pseudonym unbekannt, was eigentlich auch so bleiben sollte. Damit waren einige hartnäckige Journalisten allerdings nicht einverstanden. Nachdem eine Reihe Autoren jegliche Beteiligung an dem Pseudonym abgestritten hatte, gelang es der schwedischen Zeitung Aftonbladet, ausreichend Beweise in diesem Fall zu recherchieren und das Ehepaar Ahndoril als Lars Kepler zu entlarven.

Alexandra Coelho Ahndoril hat portugiesische Wurzeln und wurde 1966 in Schweden geboren. Sie wuchs in Helsingborg an der Südküste Schwedens auf und zog in den frühen 1990er Jahren nach Stockholm um Schauspielerin zu werden, was sie für das Schreiben aber aufgab. Neben den Lars -Kepler-Kriminalromanen schreibt Alexandra Coelho Ahndoril Bücher über historisch bedeutende Persönlichkeiten und ist Literaturkritikerin für die schwedischen Zeitungen Göteborgs-Posten und Dagens Nyheter.

Alexander Ahndroril wurde 1967 in Upplands Väsby, Stockholm geboren. Dort studierte er auch Philosophie, Religion und Film. Bereits in den 80er Jahren bewies er sein Können als Romanschriftsteller. Neben Romanen schreibt er Drehbücher, Radio-Skripte sowie Theaterstücke und gehört zu Schwedens originellsten Schriftstellern der jüngeren Generation.

LARS KEPLER

HASENJAGD

SCHWEDEN-KRIMI

Aus dem Schwedischen von Thorsten Alms

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Titel der schwedischen Originalausgabe:

»Kaninjägaren«

 

Für die Originalausgabe:

Copyright © 2016 by Lars Kepler

Published in the German language by arrangement with Salomonsson Agency, Stockholm, Sweden

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Anja Lademacher, Bonn

Umschlaggestaltung: Kirstin Osenan

Einband-/Umschlagmotiv: © getty-images/Jody Trappe Photography

eBook-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

 

ISBN 978-3-7325-4117-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

ES IST FRÜHER Morgen, und das glatte Wasser der Bucht glänzt wie gebürsteter Stahl. Die Luxusvillen sind in nächtlicher Ruhe versunken, aber die Swimmingpools und Gartenlichter glitzern durch die hohen Zäune und dichten Hecken.

Ein betrunkener Mann geht mit einer Weinflasche in der Hand die Straße am Ufer entlang. Vor einem weißen Haus, dessen breite Glasfassade sich der Meeresbucht zuwendet, bleibt er stehen. Mit großer Sorgfalt stellt er die Flasche mitten auf der Straße ab, steigt über den Graben, klettert über den schwarzen, gusseisernen Zaun und gelangt auf das Grundstück.

Torkelnd bewegt sich der Mann über die Rasenfläche, bleibt schwankend stehen und starrt in die großen Fenster, betrachtet die Spiegelungen der Außenbeleuchtung und die dunklen Formen der Möbel hinter dem Glas.

Er geht weiter zum Haus, winkt einem halbmeterhohen Gartenzwerg zu, umrundet einen Bretterzaun, stolpert über die Terrassendielen, schlägt mit dem Knie auf, fängt sich mit den Händen ab und kommt wieder auf die Beine.

Das Wasser im Swimmingpool leuchtet wie ein hellblauer Glasbarren.

Der Mann stellt sich schwankend an den Beckenrand, zieht den Hosenschlitz auf und uriniert in den Pool, taumelt anschließend zu den marineblauen Terrassenmöbeln hinüber und lässt es über die Bezüge, die Loungesessel und den runden Tisch strömen.

Der Urin dampft in der kühlen Luft.

Er knöpft den Hosenstall wieder zu und folgt mit den Blicken einem weißen Kaninchen, das über den Rasen hoppelt und unter einem Busch verschwindet.

Lächelnd kehrt er zum Haus zurück, geht an den Verandatüren vorbei, dreht sich um.

Sein benebeltes Gehirn versucht zu verstehen, was er gerade gesehen hat.

Ein schwarz gekleideter Mensch mit seltsamer Gesichtsform hat ihn angestarrt.

1

Freitag, sechsundzwanzigster August

AUS DEM DUNKLEN Himmel fällt sacht der Nieselregen. Das matte Licht der Siedlung verliert sich dreißig Meter über den Dächern. Es ist windstill, und die lichterfüllten Tropfen legen sich wie eine diesige Kuppel über ganz Djursholm.

Direkt am glatten Wasser der Germaniabucht liegt eine mächtige Villa.

Darin geht in diesem Moment eine junge Frau wachsam wie ein Tier über das blanke Parkett und den iranischen Teppich.

Sie heißt Sofia Stefansson.

So aufgeregt wie sie ist, registriert sie jedes Detail.

Auf der Armlehne des Sofas liegt eine schwarze Fernbedienung. Jemand hat sie mit durchsichtigem Klebeband umwickelt, um den Deckel des Batteriefachs zu fixieren. Auf der Tischplatte sind schwache Abdrücke von Gläsern zu erkennen. Ein altes Pflaster ist in den Fransen des großen Teppichs hängengeblieben.

Der Fußboden knarrt hinter Sofia, als würde ihr jemand durch das Zimmer hinterherschleichen.

An ihren hohen Absätzen und ihren muskulösen Waden hängen Tropfen vom nassen Steinpfad. Ihre Beine sind immer noch durchtrainiert, obwohl sie vor zwei Jahren mit dem Fußballspielen aufgehört hat.

Sofia verbirgt die Sprühflasche mit dem Tränengas, die sie in der Hand hält, vor dem Mann, der auf sie wartet. Sie sagt sich ein weiteres Mal, dass sie sich hierauf freiwillig eingelassen hat, dass sie alles unter Kontrolle hat, dass sie hier sein will.

Der Mann, der ihr die Tür geöffnet hat, steht neben einem Sessel und folgt ihr ungeniert mit dem Blick.

Sofia hat symmetrische Gesichtszüge, aber ihre Wangen sind jugendlich gerundet. Sie trägt ein blaues, schulterloses Kleid. Eine Reihe kleiner, bezogener Knöpfe zieht sich von ihrem Hals bis zwischen ihre Brüste hinunter. Das kleine Goldherz an der Kette wippt im Takt mit ihrem erhöhten Puls in der Halsgrube.

Sie weiß, dass sie sich entschuldigen und erklären könnte, dass sie nach Hause fahren müsse. Er würde sich vielleicht darüber ärgern, aber es akzeptieren.

Der Mann neben dem Sessel betrachtet sie mit einem traurigen Hunger, der die Angst in ihrem Bauch aufflackern lässt.

Sie stellt sich plötzlich vor, dass sie ihn früher schon einmal getroffen hat, dass er vielleicht einer der oberen Chefs ist, der ihr an einem früheren Arbeitsplatz begegnet ist, oder der Vater einer Schulkameradin aus längst vergangenen Zeiten.

Sofia bleibt ein Stück von ihm entfernt stehen, lächelt und spürt die schnellen Schläge ihres Herzens. Sie möchte diesen Abstand beibehalten, bis sie seinen Tonfall und seine Bewegungen deuten kann.

Seine Hand, die sich in die Rückenlehne des Sessels klammert, zeigt keine Anzeichen von Grausamkeit, die Nägel sind gepflegt, und der schlichte Trauring trägt die Spuren vieler Ehejahre.

»Schönes Haus«, sagt sie und streicht sich eine glänzende Haarsträhne aus dem Gesicht.

»Danke«, antwortet er und löst den Griff um die Sessellehne.

Er kann kaum älter sein als fünfzig, bewegt sich aber mit der düsteren Schwere eines alten Menschen in seinem alten Zuhause.

»Du bist mit dem Taxi gekommen?«, fragt er und muss kräftig schlucken.

»Ja«, antwortet sie.

Es wird wieder still, die Standuhr im angrenzenden Zimmer zeigt mit einem zerbrechlichen Klang die halbe Stunde an.

Safranrotes Pulver fällt lautlos aus einer blühenden Lilie in einer Vase.

Sofia hat schon früh begriffen, dass sie von sexuellen Situationen angeregt wird. Sie mag die Wertschätzung, das Gefühl des Auserwähltseins, verliebt sich im Grunde aber nie in jemanden.

»Sind wir uns früher schon einmal begegnet?«, fragt sie.

»Das hätte ich nicht vergessen«, antwortet er und lächelt freudlos.

Das graublonde Haar des Mannes ist dünn und nach hinten gekämmt. Das schlaffe Gesicht glänzt ein wenig, und über die Stirn läuft eine tiefe Furche.

»Sammeln Sie Kunst?«, fragt sie und nickt zur Wand hinüber.

»Ich bin kunstinteressiert«, antwortet er.

Seine hellen Augen betrachten sie durch die Hornbrille. Sie wendet sich ab, schmuggelt die kleine Flasche mit Tränengas zurück in die Handtasche und geht anschließend zu einem goldgerahmten Gemälde.

Er folgt ihr, bleibt eine Spur zu nahe neben ihr stehen und atmet durch die Nase. Sofia zuckt zusammen, als er seine rechte Hand hebt, um etwas zu zeigen.

»Neunzehntes Jahrhundert … Carl Gustav Hellqvist«, doziert er. »Er ist jung gestorben, hatte ein hartes Leben, jede Menge Schmerzen und Elektroschocks … aber er war ein großartiger Künstler.«

»Faszinierend«, antwortet sie leise.

»Finde ich auch«, sagt der Mann und geht in den Speisesaal.

Sofia folgt ihm mit dem gespenstischen Gefühl, in eine Falle gelockt zu werden, dem Gefühl, dass sich die Klappe hinter ihr mit schläfriger Bedächtigkeit schließt, dass sich die großen Zahnräder drehen und der Fluchtweg sich Zentimeter um Zentimeter verkleinert.

Der große Raum mit der breiten Fensterfront zum Wasser ist etwas lustlos mit Sitzgruppen und polierten Schränken möbliert.

Sie sieht, dass zwei Gläser mit dunkelrotem Wein am Rand des ovalen Esstischs stehen.

»Darf ich dich auf ein Glas Wein einladen?«, fragt er und wendet sich ihr wieder zu.

»Lieber weißen, wenn Sie haben«, antwortet sie aus der Sorge heraus, er könnte versuchen, sie unter Drogen zu setzen.

»Champagner?«, sagt er, ohne die Augen von ihr abzuwenden.

»Gerne«, antwortet sie.

»Selbstverständlich werden wir Champagner trinken«, beschließt er.

Wenn man zu einem vollkommen Fremden nach Hause kommt, schrumpft man, weil jeder Raum eine Fallgrube sein kann, jeder Gegenstand eine Waffe.

Sofia zieht Hotels vor, weil dort die Möglichkeit besteht, dass jemand sie hört, wenn sie um Hilfe schreit.

Sie folgt dem Mann in die Küche, als sie einen seltsamen, sehr hochfrequenten Ton hört. Er ist nicht zu lokalisieren. Der Mann scheint das Geräusch nicht zu bemerken, aber sie bleibt stehen, richtet den Blick auf die dunklen Sprossenfenster und will gerade etwas sagen, als es plötzlich knackt, wie ein Eiswürfel, der in einem Glas zerspringt.

»Sind Sie sicher, dass niemand zu Hause ist?«, fragt sie.

Sie denkt, dass sie schnell die Schuhe abstreifen und zur Haustür laufen kann, wenn etwas passiert. Wahrscheinlich ist sie viel beweglicher als er, und wenn sie einfach nur läuft und den Mantel an der Garderobe zurücklässt, wird sie es nach draußen schaffen.

Sie bleibt in der Tür zur Küche stehen, während er eine Flasche Bollinger aus dem Champagnerschrank holt. Er entkorkt sie und füllt zwei schlanke, glockenförmige Gläser, wartet, bis der Schaum sich gelegt hat und gießt noch ein wenig nach, bevor er zu ihr geht.

2

SOFIA NIPPT AM Champagner, spürt, wie sich das Aroma im Mund ausbreitet, und hört das zerbrechliche Prasseln der Blasen im Glas. Irgendetwas lenkt ihren Blick erneut auf die Reihe der Küchenfenster. Vielleicht ein Reh, denkt sie. Draußen ist es dunkel. Gespiegelt sieht sie die Küche mit glühenden Konturen und den Rücken des Mannes, die glatte Oberfläche der Arbeitsplatte, den Messerblock und die Schale mit den Zitronen.

Der Mann hebt erneut das Glas, trinkt, und seine Hand zittert fast unmerklich, als er auf sie deutet.

»Knöpf das Kleid ein Stückchen auf«, sagt er matt.

Sofia leert das Glas, sieht den Abdruck ihres Lippenstifts am Rand und stellt es auf dem Tisch ab, bevor sie den obersten Knopf sanft aus dem kleinen Loch löst.

»Du trägst einen BH«, sagt er.

»Ja«, antwortet sie und öffnet den nächsten Knopf.

»Welche Größe?«

»60 C.«

Der Mann bleibt stehen und betrachtet sie mit einem Lächeln, und Sofia spürt, wie der plötzlich ausbrechende Schweiß in den Achselhöhlen klebt.

»Wie sieht deine Unterhose aus?«

»Hellblaue Seide.«

»Darf ich es sehen?«

Sie zögert, und er bemerkt es.

»Entschuldige«, sagt er sofort. »Komme ich zu schnell zur Sache? Was denkst du?«

»Wir sollten zuerst das Finanzielle klären«, sagt sie und versucht, selbstsicher und natürlich zu klingen.

»Verstehe«, antwortet er schließlich.

»Es ist besser, zuerst …«

»Du wirst dein Geld bekommen«, unterbricht er sie mit einem Anflug von Zorn in der Stimme.

Mit ihren Stammkunden ist es meistens einfach, manchmal sogar angenehm, aber neue Kunden machen sie ausgesprochen nervös. Sie malt sich aus, was alles passieren kann, erinnert sich an Sachen, die sie erlebt hat, an den Vater von zwei Kindern, der sie in den Hals biss und in die Garage sperrte.

Sie annonciert auf den Rosa Seiten und auf stockholmstjejer.se. Fast alle Anfragen, die sie bekommt, sind unseriös. Meist wird sie auf vulgäre Art angemacht, ihr wird großartiger Sex versprochen, Gewalt oder Bestrafungen angedroht.

Sie verlässt sich immer auf ihr Bauchgefühl, bevor sie sich auf eine Korrespondenz einlässt, und in diesem Fall war die Mail wohlformuliert, ziemlich konkret, aber nicht respektlos. Er nannte sich Wille, besaß eine geheime Telefonnummer und eine exklusive Adresse.

In der dritten Mail erklärte er, was er mit ihr tun wolle und wie viel er bereit war zu zahlen.

Sie betrachtete es als eine Warnung.

Wenn es zu gut klingt, stimmt irgendetwas nicht. In dieser Welt fällt einem kein Hauptgewinn in den Schoß, und selbst wenn das passiert, sollte man ein großartiges Geschäft lieber einmal ausschlagen, als sich einem Risiko auszusetzen.

Trotzdem ist sie jetzt hier.

Der Mann kommt zurück und gibt ihr einen Umschlag. Sie zählt schnell das Geld und steckt ihn in ihre Handtasche.

»Reicht das, um mir die Unterhose zu zeigen?«, sagt er.

Sie lächelt wie selbstverständlich, greift mit beiden Händen in den weichen Stoff und zieht das Kleid langsam über die Knie. Die Falten gleiten knisternd über das Nylon der Strumpfhosen die Oberschenkel hinauf, bis sie innehält und ihn anschaut.

Er begegnet ihrem Blick nicht, sondern starrt zwischen ihre Beine, als sie zögernd den Saum bis zur Taille hebt. Unter den puderblassen Strumpfhosen glänzt der Seidenstoff der Unterhose wie Perlmutt.

»Bist du rasiert?«, fragt er mit etwas heiserer Stimme.

»Gewachst.«

»Ganz?«

»Ja«, antwortet sie kurz.

»Das muss doch wehtun?«, fragt er interessiert.

»Man gewöhnt sich dran«, antwortet sie mit einem Nicken.

»Wie an ziemlich viele Dinge im Leben«, flüstert er.

Sie lässt das Kleid fallen und wischt den Handschweiß ab, als sie den Stoff auf den Oberschenkeln glatt streicht.

Obwohl sie das Geld bekommen hat, kehrt die Nervosität wieder zurück.

Vielleicht liegt es an dem hohen Betrag.

Er hatte fünf Mal mehr bezahlt als jeder frühere Kunde.

In der Mail hatte er erklärt, dass er für die Diskretion und den speziellen Wunsch zusätzlich bezahlen würde, aber das hier ist trotzdem weit mehr als angemessen.

Als er ihr schrieb und erklärte, was er tun wolle, dachte sie, dass es gar nicht so gefährlich klang.

Sie erinnert sich an einen Mann mit ängstlichem Blick, der sich die Unterwäsche seiner Mutter anzog und wollte, dass sie ihm in den Schritt trat. Er bezahlte sie, damit sie auf ihn pisste, während er auf dem Boden lag und vor Schmerzen weinte, aber sie konnte nicht, sie nahm einfach das Geld und lief weg.

»Jeden macht etwas anderes scharf«, sagt Wille mit einem genierten Lächeln. »Man kann ja niemanden zwingen … Also muss man bezahlen, ich meine, ich gehe nicht davon aus, dass dir gefällt, was du machst.«

»Das ist ganz unterschiedlich, aber wenn der Mann rücksichtsvoll ist, kann ich es genießen«, lügt sie.

Sofia verspricht in ihrer Anzeige natürlich volle Diskretion, aber sie hat trotzdem eine Rückversicherung. Zu Hause bewahrt sie ein Tagebuch auf, in dem sie Namen und Adresse der Person aufschreibt, die sie treffen wird, damit man eine Spur hat, falls sie verschwindet.

Außerdem hat Tamara Wille als Kunden gehabt, kurz bevor sie die Escort-Branche verließ, heiratete und nach Göteborg zog. Sofia weiß, dass Tamara eine Warnung im Forum für Sexarbeiterinnen hinterlassen hätte, wenn er sich schlecht benommen hätte.

»Hauptsache, du findest mich nicht hässlich und abstoßend«, sagt der Mann und macht einen Schritt auf sie zu. »Ich meine, du bist so unglaublich schön und jung … ich weiß selbst, wie ich aussehe, ich habe gut ausgesehen, als ich in deinem Alter war, aber …«

»Du siehst immer noch gut aus«, versichert sie ihm.

Sofia denkt daran, wie oft sie gehört hat, dass Escort-Girls Psychologinnen sein müssen, aber die meisten Männer, denen sie begegnet, sagen nichts Persönliches.

»Sollen wir ins Schlafzimmer gehen?«, fragt der Mann, der sich Wille nennt, ungezwungen.

3

SOFIA MERKT, DASS sie auf die Toilette muss, als sie ihn die breite Holztreppe hinaufbegleitet. Der weiche Teppich wird auf jeder Stufe von dünnen Messingstäben festgehalten. Das Licht des großen Kronleuchters glitzert auf dem gefirnissten Geländer.

Von Anfang an hat Sofia nur exklusive Kunden bedienen wollen, diejenigen, die bereit sind, höhere Summen für ganze Nächte zu bezahlen, die eine Begleitung für ein Fest oder eine Reise suchen.

Und während der drei Jahre, die sie zusätzlich als Escort-Girl gearbeitet hat, gab es etwa zwanzig dieser Jobs, aber die meisten ihrer Kunden wollen nur einen Blowjob nach der Arbeit, bevor sie zur Familie zurückkehren.

Das große, helle Schlafzimmer wird von einem stattlichen Doppelbett mit hübscher, grauer Seidenbettwäsche dominiert.

Auf der Seite der Ehefrau liegt ein Roman von Lena Andersson und eine Dose exklusiver Handlotion. Auf Willes Seite liegt ein iPad mit Fingerabdrücken auf dem dunklen Glas.

Er zeigt ihr die schwarzen Lederriemen an den Bettpfosten, die er vorbereitet hat. Sie sieht, dass sie nicht ganz neu sind. Sie sind leicht eingerissen, und die Farbe ist schon etwas abgewetzt.

Der Raum zittert zwei Mal vor ihren Augen und beginnt sich mit einem Ruck zu drehen, sie schaut zu dem Mann hinüber, aber er scheint ganz ungerührt.

Weiße Reste von Zahnpasta oder Maaloxan kleben in seinen Mundwinkeln.

Die Treppe knarrt, und er blickt zum Flur, bevor er sie wieder anschaut.

»Ich muss mich darauf verlassen können, dass du mich losmachst, wenn ich es will«, erklärt er, während er sein Hemd aufknöpft. »Ich muss mir sicher sein, dass du nicht versuchst, mich auszurauben oder einfach abzuhauen, jetzt, wo du dein Geld hast.«

»Selbstverständlich«, antwortet sie.

Sein Brustkorb ist von hellen Haaren bedeckt, und ganz offensichtlich zieht er den Bauch ein, wenn sie ihn betrachtet.

Sofia denkt, dass sie ihn fragen kann, ob sie das Badezimmer benutzen darf, sobald er gefesselt ist. Es ist direkt vom Schlafzimmer aus zugänglich. Die Tür ist nur angelehnt, und im Spiegel sieht sie eine Dusche vor einer Wand aus Goldmosaik.

»Ich möchte, dass du mich fesselst und dass du dir Zeit dafür nimmst, ich mag keine Gewalt, keinen Zwang«, verdeutlicht er.

Sofia nickt und zieht sich die Schuhe aus, spürt erneut einen leichten Schwindel, als sie sich wieder aufrichtet, und schaut ihn kurz an, als sie ihr Kleid bis zum Bauchnabel hebt. Es knistert vor statischer Elektrizität. Sie steckt die Daumen unter den Bund der Strumpfhose und zieht sie hinunter. Das beengende Gefühl um die Oberschenkel verschwindet, und der dünne Stoff faltet sich luftig über den Waden.

»Vielleicht möchtest du stattdessen gefesselt werden?«, fragt er und muss über seine eigene Idee lächeln.

»Nein, danke«, antwortet sie und beginnt, das Kleid aufzuknöpfen.

»Es ist ziemlich bequem«, scherzt er und zieht kurz an einem der Riemen.

»So etwas mache ich nicht«, erklärt sie freundlich.

»Ich habe es andersherum noch nie ausprobiert … Ich könnte dein Honorar verdoppeln, wenn du es machst«, sagt er mit einem Lachen, als würde ihn dieser Gedanke überraschen und anmachen.

Was er ihr anbietet, ist mehr Geld, als sie in zwei Monaten verdient, aber sich fesseln zu lassen, ist viel zu gefährlich.

»Was meinst du?«, fragt er mit einem Lächeln.

»Nein«, antwortet sie und empfindet gleichzeitig Reue und Erleichterung.

»Okay«, sagt er und lässt den Riemen los.

Die Schnalle klirrt, als das Band gegen die Sprossen des Bettgestells fällt.

»Möchtest du, dass ich mich ganz ausziehe?«

»Warte ein bisschen«, erwidert er und betrachtet sie mit einem seltsam suchenden Blick.

»Könnte ich vielleicht kurz das Badezimmer benutzen?«

»Gleich«, sagt er und klingt, als versuchte er, seinen Atem zu kontrollieren.

Sofias Lippen fühlen sich merkwürdig kühl an. Als sie eine Hand hebt und ihren Mund betastet, sieht sie, dass er breit lächelt.

Er geht zu ihr, greift nach ihrem Kinn, hält sie kraftvoll fest und spuckt ihr direkt ins Gesicht.

»Was machst du da?«, fragt sie, und spürt einen sausenden Schwindel durch ihr Gehirn rauschen.

Plötzlich geben ihre Beine nach, und sie setzt sich ungebremst auf den Boden, beißt sich dabei in ihre Zunge. Sie sinkt zur Seite, spürt, wie sich der Mund mit Blut füllt, und sieht, dass er über ihr steht und sich die Cordhose aufknöpft.

Sofia hat nicht mehr die Kraft wegzukriechen. Sie liegt mit der Wange auf dem Boden und sieht eine tote Fliege im Staub unter dem Bett. Ihr Herz schlägt so heftig, dass es in den Ohren dröhnt. Sie begreift, dass sie irgendwie unter Drogen gesetzt worden ist.

»Tu das nicht«, keucht sie, dann schließt sie die Augen.

Bevor Sofia das Bewusstsein verliert, wird ihr klar, dass er sie vielleicht ermorden wird und dass dieser Augenblick womöglich der letzte ist, den sie erlebt.

4

SOFIA ERWACHT HUSTEND aus einem Traum, in dem sie ertrank, und weiß sofort, wo sie sich befindet. Sie ist im Haus des Mannes, der sich Wille nennt, ans Bett gefesselt. Sie liegt auf dem Rücken, gespannte Lederriemen fixieren sie ans Bett. Er hat sie so straff festgebunden, dass sich die Muskeln in Armen und Beinen spannen, es brennt an den Handgelenken, und die Finger sind eiskalt.

Ihr Mund ist vollkommen trocken, die Zunge blutet nicht mehr, aber sie ist angeschwollen und schmerzt.

Das Kleid ist bis zur Taille hochgerutscht, weil die Beine auseinandergezwungen wurden.

Das darf doch nicht wahr sein, denkt sie.

Er hatte alle ihre Reaktionen vorhergesehen und die Droge schon vorher in eines der Champagnergläser im Schrank geschüttet.

Sofia hört eine Stimme aus dem angrenzenden Zimmer, es ist ein Gespräch in geschäftsmäßigem Ton, ein Chef, der spricht.

Sie versucht den Kopf zu heben und aus dem Fenster zu sehen, herauszufinden, ob Tag oder Nacht ist, aber es gelingt ihr nicht, die Arme tun viel zu weh.

Sie hat keine Ahnung, wie lange sie hier schon liegt, als er ins Schlafzimmer kommt.

Die Angst erfüllt Sofias Herz wie ein Gift. Sie spürt, wie ihr die Panik in den Kopf rauscht, wie sich die Kehle zusammenschnürt und der Puls zu galoppieren anfängt.

Was nicht passieren darf, ist passiert.

Sie versucht sich zu beruhigen, denkt, dass sie ein Gespräch in Gang bringen muss, dass sie ihn davon überzeugen muss, dass er sich das falsche Mädchen ausgesucht hat, aber dass sie es auf sich beruhen lassen wird, wenn er sie sofort losbindet.

Sofia gibt sich selbst das Versprechen, dass sie mit dem Escort-Job aufhören wird, sie hat es schon zu lange getan, sie verschwendet das Geld ohnehin nur für sinnlose Dinge.

Der Mann schaut sie mit demselben Hunger an wie zuvor. Sie versucht, ihm ein ruhiges Gesicht zu zeigen und denkt, dass sie schon von Anfang an wusste, dass hier irgendetwas faul war. Aber statt umzukehren und wegzugehen, hat sie ihr Bauchgefühl ignoriert. Sie hat einen katastrophalen Fehler gemacht und sich so verzweifelt verhalten wie ein Junkie.

»Ich habe nein dazu gesagt«, sagt sie kontrolliert.

»Ja«, erwidert er mit einem zögerlichen Lächeln und lässt den Blick über ihren Körper wandern.

»Ich kenne Mädchen, die so was okay finden, ich kann dir einen Kontakt vermitteln, wenn du willst.«

Er antwortet nicht, atmet nur schwer durch die Nase und stellt sich an das Fußende des Betts, zwischen ihre Beine. Sie beginnt am ganzen Körper zu schwitzen und stellt sich auf Aggressivität und Schmerzen ein.

»Das ist ein gewaltsamer Akt, das ist dir klar, oder?«

Auch darauf antwortet er nicht, er schiebt nur die Brille hoch und betrachtet sie interessiert.

»Ich empfinde diese Situation als unbehaglich und kränkend«, versucht es Sofia erneut, aber sie verstummt, denn ihre Stimme beginnt zu zittern.

Sie zwingt sich, langsamer zu atmen, sie darf nicht ängstlich aussehen, darf nicht flehen. Was hätte Tamara getan? Sie sieht das sommersprossige Gesicht ihrer Freundin vor sich, das kleine, höhnische Lächeln, die Härte in ihrem Blick.

»Ich habe deine Angaben in einem Buch notiert, das in meiner Wohnung liegt«, sagt sie und sieht ihm in die Augen.

»Welche Angaben?«, fragt er ungerührt.

»Deinen Namen, der bestimmt erfunden ist, aber auch diese Adresse hier, deine Mailadresse, den Zeitpunkt unseres Treffens …«

»Dann weiß ich das«, erwidert er mit einem Nicken.

Die Matratze schaukelt, als er auf allen vieren über das Bett auf sie zukriecht, bis er schwankend zwischen ihren Beinen kniet, nach ihrer Unterhose greift und kräftig daran zieht. Die Nähte knacken, ohne dass sie reißen, und die Schultergelenke schmerzen, als wären sie ausgekugelt worden.

Der Mann zieht noch einmal, mit beiden Händen. Die Unterhose schneidet schmerzhaft in die Hüften, aber die Nähte am Bund halten.

Er flüstert leise etwas vor sich hin und lässt sie im Bett zurück.

Die Matratze schaukelt erneut, und Sofia spürt, dass sie bald einen Krampf im Oberschenkel bekommen wird.

Eine hastige Erinnerung an das Fußballtraining flattert durch ihr Bewusstsein, das Gefühl, wie ein Krampf sich ankündigt, ein Ziehen in der Wade, während sie versuchte, die Klumpen aus zusammengepresstem Gras aus den Stollen zu pulen.

Die roten, erhitzten Gesichter ihrer Mannschaftskameradinnen. Der klapperige Holzboden in der Umkleidekabine, der Geruch nach Schweiß, Liniment und Deodorant.

Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte sie hier landen?

Sofia kämpft gegen die Tränen, sie glaubt, dass es ihr Ende bedeutet, sobald sie zeigt, wie viel Angst sie hat.

Der Mann kehrt mit einer Nagelschere zurück, schneidet die Unterhose an beiden Seiten auf und zieht sie weg.

»Es gibt viele, die Bondage mitmachen«, sagt Sofia. »Ich kenne …«

»Ich möchte keine Mädchen, die mitmachen«, unterbricht er sie und wirft die Hose neben sie auf das Bett.

»Ich meine, dass es Mädchen gibt, die richtig abgehen, wenn man sie fesselt«, sagt sie.

»Du hättest nicht herkommen sollen«, stellt er schlicht fest.

Sofia kann nicht länger gegen ihre Gefühle ankämpfen und beginnt zu weinen. Vor lauter Angst spannt sich ihr Rücken, und sie zieht an den Riemen, bis die Haut aufreißt und das Blut in kleinen Rinnsalen den rechten Unterarm hinunterläuft.

»Tu es nicht«, fleht sie schluchzend.

Der Mann streift sein Hemd ab, wirft es auf den Boden, lässt die Hose ein Stück herunter und zieht sich ein Kondom über den halb erigierten Penis.

Er kniet sich vor ihr aufs Bett, und sie nimmt den Geruch von Gummi an seinen Fingern wahr, als er die Reste der Unterhose in ihren Mund stopft. Sie verspürt Brechreiz und muss sich fast übergeben. Ihre Zunge ist vollkommen trocken, und Tränen rinnen ihre Wangen hinunter. Der Mann packt eine ihrer Brüste unter dem Kleid und legt sich mit seinem ganzen Gewicht auf sie.

Sofia entleert ihre Blase vor lauter Angst, und unter ihr breitet sich eine heiße Flut von Urin aus.

Als er in sie einzudringen versucht, dreht sie sich zur Seite und stößt ihn mit der Hüfte weg.

Ein Schweißtropfen fällt von seiner Nasenspitze auf ihre Stirn.

Er packt mit der einen Hand ihren Hals und legt sich auf sie. Sein Gewicht drückt sie tiefer in die Matratze, und ihre Oberschenkel werden weiter auseinandergedrückt. Die Handgelenke brennen, und das Bettgestell knarrt.

Sie kämpft darum, Luft zu bekommen, wirft den Kopf zur Seite und kann ein bisschen Luft durch die Nase einsaugen.

Er drückt ihre Kehle fester zu, und Flecken tanzen vor ihren Augen. Das Zimmer verdunkelt sich, und sie spürt, wie er in sie einzudringen versucht. Sofia kämpft und will sich zur Seite drehen – es ist unmöglich, es wird trotzdem geschehen. Sie kann nicht in ihrem eigenen Körper bleiben, muss an etwas anderes denken, verschwinden. Plötzliche Erinnerungsbilder blitzen auf, die kühlen Abende auf dem großen Rasenplatz, die beißend kalte Luft, die Wolke vor dem Mund, die Stille unten am See und die alte Schule von Bollstanäs.

Der Trainer zeigt auf den Ball, bläst in die Pfeife, und es wird still.

Der Griff um den Hals wird gelockert, Sofia hustet die Unterhose aus und saugt Luft ein, blinzelt und hört eine mechanische Melodie.

Der Mann kniet wieder, sie atmet keuchend, die Hitze steigt ihr ins Gesicht.

Jemand klingelt unten an der Haustür.

Er packt sie am Kinn, presst ihr den Mund zusammen und drückt die Unterhose erneut hinein, ihr wird übel, sie atmet durch die Nase, kann nicht schlucken.

Es klingelt noch einmal an der Tür.

Der Mann spuckt sie an und steht vom Bett auf, knöpft die Hose zu und nimmt das Hemd mit, als er geht.

Sobald er durch die Tür verschwunden ist, reißt Sofia so kräftig sie kann am Riemen an der rechten Hand, ohne an die Konsequenzen oder die Schmerzen zu denken.

Es tut furchtbar weh, als sich die Hand aus dem Riemen löst.

Die Unterhose im Mund hindert sie daran, laut loszuschreien.

Es dröhnt im Kopf, sie droht das Bewusstsein zu verlieren, und der ganze Körper zittert vor Schmerzen. Vielleicht ist der Daumenknochen gebrochen, vielleicht ist er ausgekugelt, die Haut ist zusammengeschoben wie ein kaputter Handschuh, und das Blut rinnt den Arm hinunter, als sie die Unterhose aus dem Mund nimmt.

Sie winselt lautstark, als sie hysterisch versucht, die Schnalle des Riemens an ihrem linken Handgelenk zu lösen. Die Finger gehorchen ihr kaum, aber es gelingt ihr, den Dorn aus dem Loch zu pfriemeln. Schnell zieht sie den Riemen durch den Bügel, setzt sich auf und löst die Bänder von den Füßen.

Mit wackeligen Beinen steht sie auf, drückt die verletzte Hand an den Bauch und geht über den tiefen Teppich. Ihr Kopf dröhnt vor Schock und Schmerz, die Füße sind eingeschlafen und das Kleid hängt nass und kalt über ihrem Hintern.

Vorsichtig verlässt sie das Schlafzimmer und schleicht in den Flur hinaus, in dem der Mann vorhin verschwunden ist.

Sofia hält kurz inne, dann geht sie bis zur Treppe. Sie hört unten eine andere Stimme und überlegt, ob sie vielleicht um Hilfe schreien sollte. Sie kann nicht hören, was der andere Mann sagt, und geht vorsichtig näher heran. Auf dem Treppengeländer hängt Wäsche aus der chemischen Reinigung. Durch das dünne Plastik sieht man einen Satz identischer weißer Hemden.

Sie räuspert sich vorsichtig, um nach Hilfe zu rufen, als sie plötzlich versteht, was im Untergeschoss vor sich geht.

Der andere Mann befindet sich nicht im Haus. Seine Stimme kommt aus der Gegensprechanlage. Es ist ein Expressbote, der vor den Toren steht und eingelassen werden will. Wille weist ihn wiederholt darauf hin, dass er ein anderes Mal kommen solle, unterbricht dann die Verbindung und geht zur Treppe zurück.

Sie gerät ins Taumeln, kann sich aber auf den Beinen halten. Die Füße kribbeln und brennen, als das Blut in sie zurückströmt.

Sofia zieht sich zurück, der Fußboden knarrt unter ihrem Gewicht. Als sie sich umschaut, entdeckt sie weiter hinten im Flur einen größeren Raum, an dessen Wänden in Öl gemalte Porträts hängen. Sie überlegt, dass sie dorthin gehen, ein Fenster öffnen und um Hilfe rufen könnte, weiß aber, dass sie es nicht schaffen würde.

5

SOFIA BEWEGT SICH schnell an der Wand entlang, vorbei an der Treppe, und erreicht eine schmale Garderobentür, drückt die Klinke herunter und zieht.

Sie ist abgeschlossen.

Vorsichtig lässt sie die Klinke los, gleichzeitig nimmt sie durch die Prismen des Kristallkronleuchters wahr, wie sich der Mann die Treppe hinaufbewegt.

Gleich ist er oben.

Sie kehrt zur Treppe zurück, sinkt hinter dem Geländer im Schutz der Hemden aus der chemischen Reinigung zu Boden. Er wird sie sehen, wenn er direkt in ihre Richtung schaut, wenn er aber einfach vorbeigeht, wird sie mehrere Sekunden Vorsprung haben.

Die Hand tut so weh, dass sie zittert, und ihr Hals und ihre Kehle sind angeschwollen. Sie hat das Gefühl, dass sie husten, sich räuspern, Wasser trinken muss.

Die Treppe knarrt, die Schritte sind schwer und müde, sie sieht ihn durch die Sprossen und rutscht vorsichtig zurück.

Wille kommt oben an, greift nach dem Geländer und bewegt sich in den Flur hinein.

Er geht zum Schlafzimmer, ohne zu bemerken, dass sie Blut auf dem Teppich verloren hat.

Vorsichtig steht sie auf und beobachtet seinen Rücken und den sonnengebräunten Nacken, während er durch die Tür verschwindet.

Lautlos geht sie um das Geländer herum und läuft die Treppe hinunter.

Ihr ist klar, dass er bereits umgekehrt ist, dass er schon hinter ihr her ist.

Die trommelnden Schritte werden schneller.

Sie schützt ihre verletzte Hand mit der anderen, umfasst die schmerzenden, blutenden Finger.

Sie weiß nur, dass sie irgendwie aus dem Haus kommen muss. Sie rennt durch die große Halle und hört das heftige Knarren der Treppe, als der Mann sie verfolgt.

»Ich habe keine Zeit für so etwas«, ruft er.

Der Bildschirm der Alarmanlage leuchtet neben der Haustür.

Ihre Finger sind so nass vom Blut, dass ihr der Knauf des Drehschlosses entgleitet. Sie wischt die Hand am Kleid ab und versucht es ein weiteres Mal, aber das Schloss lässt sich nicht bewegen. Sie drückt die Klinke herunter, stößt mit der Schulter gegen die Haustür, aber sie ist abgeschlossen. Gehetzt schaut sie sich nach dem Schlüssel um, versucht erneut, das Schloss zu drehen. Dann gibt sie auf und läuft durch die offene Doppeltür zurück in den Salon. In einem anderen Zimmer fällt etwas zu Boden, Metall trifft auf Parkett.

Sie hält sich von den großen Fenstern fern, das Glas glänzt schwarz, ihr eigenes Spiegelbild erscheint wie eine Silhouette vor der helleren Wand im Hintergrund.

Sie hört, dass er von der anderen Seite kommt, weicht zurück und versteckt sich hinter einem der Türflügel.

»Es ist überall abgeschlossen«, sagt er mit lauter Stimme, als er in den Salon kommt.

Sie hält die Luft an, das Herz hämmert in ihrer Brust, die Tür knarrt leise. Er bleibt in der Öffnung stehen. Sie kann ihn durch die Ritze zwischen den Angeln sehen, mit halb geöffnetem Mund und schweißnassen Wangen.

Ihre Beine beginnen wieder zu zittern.

Er geht ein paar Schritte weiter, bleibt stehen und lauscht. Sie versucht, leise zu sein, aber ihr panisches Atmen klingt trotzdem viel zu laut.

»Ich bin dieses Spiel jetzt leid«, sagt er und geht weiter.

Sie hört, wie er nach ihr sucht, Türen öffnet und wieder zuschlägt. Er ruft, dass er nur mit ihr reden wolle.

Ein Möbel scharrt über den Boden, dann wird es ganz still.

Sie lauscht, hört ihre eigenen Atemzüge, das einsame Ticken einer Wanduhr, leises Knacken vom Parkett, sonst nichts.

Nur eine unterirdische, verzweifelte Stille.

Sie wartet noch ein wenig, versucht schleichende Schritte zu hören, weiß, dass es eine Falle sein kann, trotzdem verlässt sie ihr Versteck, weil dies die einzige Chance sein kann, die sie bekommt.

Mit leisen Schritten geht sie in den Salon. Alles ist still, wie in einen hundertjährigen Schlaf versunken. Die prachtvollen Möbel und ihre dunklen Zwillinge in den Fensterscheiben. Ihre eigene Gestalt im Schein des Glasarmkronleuchters.

Sofia geht zu einem der Stühle, die an dem leeren Tisch stehen, und versucht ihn zu heben, aber er ist viel zu schwer. Mit der funktionstüchtigen Hand zieht sie das Möbelstück stattdessen hinter sich her, schleppt es zu den großen Fenstern der Verandatüren und stöhnt vor Schmerzen, als sie sich zwingt, auch mit der verletzten Hand danach zu greifen. Sie hält die Rückenlehne mit beiden Händen, läuft zwei Schritte, dreht den Körper und schreit auf, als sie den schweren Stuhl in die Fenster schleudert.

Der Stuhl zerschmettert das Glas und fällt in den Raum zurück. Die innere Scheibe zersplittert und stürzt zu Boden, Scherben springen über das Parkett. Große Glasstücke fallen herunter und bleiben an den intakten Scheiben stehen.

Die Alarmanlage beginnt ohrenbetäubend zu heulen.

Sofia greift erneut nach dem Stuhl, ignoriert, dass ihre Füße von den Scherben aufgeschnitten werden, und will das Möbelstück ein weiteres Mal gegen das Fenster werfen, als sie sieht, dass der Mann aus der Halle auf sie zukommt.

Sie lässt den Stuhl los, geht direkt in die große Küche und lässt ihre Blicke über die weißen Dielenbretter und die Arbeitsplatten aus rostfreiem Stahl fliegen.

Er folgt ihr mit ruhigen Schritten.

Ein Erinnerungsbild daran, wie sie bei irgendeinem Spiel gejagt wurde, als sie klein war, flattert durch ihr Bewusstsein: die Kraftlosigkeit, wenn man spürt, dass der Verfolger so nahe ist, dass man keine Chance mehr hat zu entkommen.

Sofia stützt sich auf der Arbeitsplatte ab und fegt dabei zufällig eine Brille und ein seltsames Armband zu Boden.

Sie weiß nicht, was sie tun soll, schaut zu den geschlossenen Terrassentüren hinüber, geht schräg nach vorn zur Kochinsel, auf der zwei glänzende Kochtöpfe stehen, reißt mit zitternden Händen eine der Schubladen auf, atmet keuchend und sieht die Reihe der Messer.

Der Mann kommt in die Küche, und sie holt eines der Messer heraus, wendet sich ihm zu und weicht zurück. Er starrt sie an und hält einen rußigen Feuerhaken vom Kachelofen in beiden Händen.

Zitternd richtet sie das Kochmesser mit der breiten Klinge auf ihn und weiß sofort, dass sie keine Chance hat.

Er wird sie mit dem schweren Werkzeug totschlagen.

Die Alarmanlage heult ununterbrochen, die Schnittwunden brennen unter ihren Fußsohlen, und in der verletzten Hand hat sie jedes Gefühl verloren.

»Bitte, hör auf«, keucht sie und zieht sich zur Kochinsel zurück. »Wir gehen zurück ins Bett, versprochen, es ist okay für mich.«

Sie hebt das Messer, legt es auf die Arbeitsplatte aus Stahl und versucht ihn anzulächeln.

»Ich schlage dich trotzdem«, sagt er.

»Das musst du nicht tun«, bittet sie und spürt, dass sie die Kontrolle über ihr Gesicht verliert.

»Ich werde dir richtig wehtun«, sagt er und hebt das Werkzeug über seine Schulter.

»Bitte, ich ergebe mich, ich …«

»Du bist selbst schuld«, fällt er ihr ins Wort und lässt ganz unerwartet den Feuerhaken fallen.

Er prallt schwer auf den weißen Holzboden, scheppert und bleibt liegen. Asche wirbelt von dem Dreizack auf und verteilt sich in der Luft.

Der Mann lächelt erstaunt und schaut auf den kreisrunden Blutfleck hinunter, der sich auf seiner Brust ausbreitet.

»Scheiße, was …«, flüstert er und versucht sich mit einer Hand abzustützen, verfehlt die Arbeitsplatte und gerät ins Schwanken.

Ein neuer Blutfleck entsteht mitten auf dem weißen Hemd. Wie Stigmata erblühen die roten Wunden auf seinem Körper.

Der Mann drückt eine Hand gegen die Brust, stolpert Richtung Speisesaal, bleibt dann stehen und dreht seine blutige Handfläche nach oben. Er sieht ängstlich aus wie ein Schuljunge und versucht, etwas zu sagen, bevor er auf beide Knie fällt.

Blut spritzt vor ihm auf den Boden.

Der Alarm heult unerträglich.

Im strahlend glänzenden Pastatopf spiegelt sich die ganze Küche als konvexes Panoramabild.

Vor den hellen Gardinen an der Fensterfront sieht Sofia einen Mann mit einer seltsamen Kopfform.

Breitbeinig steht er da und hält eine Pistole mit beiden Händen.

Eine schwarze Sturmhaube bedeckt sein Gesicht, lässt aber Mund und Augen frei. Haarsträhnen oder steife Stofffetzen hängen an seiner Wange herunter.

Wille drückt erneut seine Hand an die Brust, aber das Blut rinnt zwischen seinen Fingern hindurch und den Unterarm hinunter.

Unsicher dreht sich Sofia um und blickt den Mann mit der Waffe direkt an. Er hat Wille noch immer im Visier, als er eine Hand von der Waffe löst und die beiden Patronenhülsen vom Fußboden aufsammelt.

Er läuft an ihr vorbei, als würde sie nicht existieren, tritt den Feuerhaken mit einem Militärstiefel zur Seite, packt Wille am Haar, biegt seinen Kopf nach hinten und drückt die Mündung gegen sein rechtes Auge.

Es ist eine Hinrichtung, denkt Sofia und geht wie in einem Traum in Richtung Salon, stößt mit der Hüfte an die Arbeitsplatte, lässt die Hand über die Kante laufen. Sie kommt an den beiden Männern vorbei, ein kalter Schauer läuft ihr über den Rücken, sie beginnt zu rennen und rutscht auf dem Blut aus. Die Füße gleiten weg, sie hängt in der Luft und landet mit dem Rücken und dem Hinterkopf auf dem Boden.

Alles wird dampfend schwarz, aber dann öffnet sie die Augen wieder.

Sie sieht, dass er noch nicht geschossen hat, die Mündung drückt immer noch weich gegen das geschlossene Auge.

Es brennt und hämmert in Sofias Hinterkopf.

Ihr Blick verliert an Schärfe, als würde ihr Sichtfeld gekrümmt. Was eben noch wie ein grobes Lederband aussah, das an der Wange des Mannes baumelte, ähnelt plötzlich nassen Federn und schmutzigem Haar.

Sie schließt die Augen, spürt, wie der Schwindel an ihr zieht, und hört schließlich Stimmen durch die lauten Töne des Alarms hindurch.

»Warte, warte«, fleht Wille und atmet hastig. »Du glaubst, du weißt alles, aber das tust du nicht.«

»Ich weiß, dass Ratjen die Tür öffnete, und jetzt wird …«

»Wer ist Ratjen?«, unterbricht ihn Wille keuchend.

»Und jetzt wird die Hölle euch alle verschlingen«, beendet der maskierte Mann seinen Satz.

Es wird still, und Sofia öffnet erneut die Augen. Eine seltsame Langsamkeit hat sich im Haus eingefunden. Der maskierte Mann schaut auf die Uhr und flüstert Wille etwas zu.

Er antwortet nicht, scheint aber zu verstehen. Blut strömt aus seinem Bauch, rinnt ihm zwischen die Beine und bildet eine Lache auf dem Boden.

Sofia sieht, dass seine Brille ganz nahe vor dem zerkratzten Sockel der Küchenzeile auf dem Boden liegt, und noch näher ist der Gegenstand, den sie zuerst für ein Armband gehalten hat.

Jetzt sieht sie, dass es ein Überfallalarm ist.

Er sieht aus wie eine kleine Büchse aus Stahl mit zwei Knöpfen, das an einem Uhrenarmband befestigt ist.

Sofia bewegt vorsichtig die Hand zur Seite, nimmt den Alarm, verbirgt ihn an ihrem Körper und drückt mehrere Male auf die Knöpfe.

Nichts passiert.

Der Mann lässt Willes Haar los, drückt die Pistolenmündung aber weiter gegen sein rechtes Auge, wartet einen kurzen Augenblick und betätigt dann den Abzug.

Es rasselt, als der Hahn zuschlägt. Willes Kopf wippt nach hinten, und Blut spritzt aus seinem Scheitel. Stücke des Schädelknochens und graue Substanz verteilen sich über den Küchenboden, bis hinaus in den Speisesaal, rieseln auf Stuhllehnen, Tische und die Obstschale hinab.

Sofia spürt, wie warme Tropfen ihre Lippen benetzen und sieht, wie die ausgeworfene Patronenhülse klirrend über den Boden springt.

Eine graue Wolke aus Pulverdampf hängt in der Luft, und der tote Körper fällt wie ein Sack voller Holzscheite und nasser Wäsche zu Boden und bleibt absolut reglos liegen.

Der maskierte Mann bückt sich, und seine Armbanduhr rutscht auf den Handrücken, als er die Hülse vom Boden aufhebt.

Breitbeinig stellt er sich über den toten Körper, beugt sich über ihn, setzt die Mündung der Pistole auf das andere Auge und bewegt den Kopf, um die nassen Stofffetzen aus dem Gesicht zu bekommen, bevor er den Abzug ein weiteres Mal betätigt.

6

DER ERSTE TON des verschlüsselten Diensttelefons ist Teil eines Traums von einem Bach, der durch dichte Vegetation fließt. Dann endet Saga Bauers Schlaf abrupt, und sie verlässt das Bett, ohne zu merken, dass sie die Decke mit auf den Boden zieht.

Nackt bis auf die Unterhose eilt sie zum Waffenschrank und wählt dabei die Nummer, die sie auswendig gelernt hat. Das Licht der Straßenlaternen fällt durch die Lamellen der Jalousien auf ihren bloßen Rücken und die Gänsehaut an ihren Beinen.

Schnell schließt sie die kräftige Stahltür auf, lauscht den Instruktionen aus dem Telefon und zieht eine schwarze Tasche aus dem Schrank, steckt eine Glock 21 und fünf zusätzliche Magazine in ihr Holster.

Saga Bauer arbeitet als operative Kommissarin beim schwedischen Staatsschutz und hat sich auf Terrorismusbekämpfung spezialisiert.

Der spezielle Signalton, der sie geweckt hat, bedeutet, dass Alarmstufe Platin ausgelöst wurde.

Sie läuft in den Flur, hört sich die letzten Anweisungen an, drückt das Gespräch weg und steckt das Telefon in die Tasche.

Es ist eilig.

Sie zieht sich den schwarzen Lederoverall über den nackten Körper, spürt das kühle Leder am Rücken und an der Brust, steckt ihre bloßen Füße in die Stiefel und nimmt den Helm, die schwere Schutzweste und die Handschuhe aus dem Regal.

Ohne Zeit auf das Abschließen der Tür zu verschwenden, verlässt sie ihre Wohnung, geht die Treppe hinunter, durch die Haustür, zieht den Reißverschluss bis zum Kinn hoch, setzt den Helm auf und steckt hastig ein paar blonde Haarsträhnen darunter.

Auf der Tavastgatan steht eine schmutzige Triumph Speed Triple mit buckligem Schalldämpfer, zerschrammten Sturzpads und kaputtem Startmotor. Sie läuft hinüber, öffnet das Vorhängeschloss und lässt es zusammen mit der schweren Kette auf den Asphalt fallen.

Sie setzt sich auf das Motorrad, kickt den Motor an und fährt so schnell wie möglich durch die nächtlichen Straßen.

Die Lichter der Stadt und die kleinen, angestrahlten Regentropfen verwandeln den Himmel in einen Grauschleier.

Sie ignoriert die Ampeln und Stoppschilder, reißt die Geschwindigkeit hoch und überholt ein Taxi auf der Bastugatan.

Der Motor vibriert an den Innenseiten ihrer Knie und Oberschenkel, und das Dröhnen klingt im Helm wie ein Unterwasserbrüllen.

Kommissarin Saga Bauer ist einen Meter und siebzig groß und muskulös wie eine Balletttänzerin. Lange gehörte sie zur Spitze des nordeuropäischen Boxsports, aber seit ein paar Jahren tritt sie nicht mehr zu Kämpfen an.

Sie ist neunundzwanzig Jahre alt und immer noch atemberaubend schön, vielleicht schöner als jemals zuvor mit ihrer hellen Haut, dem schmalen Hals, den strahlend blauen Augen.

Die meisten, die ihr zum ersten Mal begegnen, werden bei ihrem Anblick schwach, als würde etwas in ihnen zerbrechen.

Sie hinterlässt eine Sehnsucht, wie in einer unglücklichen Liebe.

Ihre Kollegen haben sich an ihre Schönheit gewöhnt, wie man sich an eine hübsche Schwester gewöhnt.

Sie selbst denkt nicht besonders oft über ihr Aussehen nach und bemerkt überhaupt nicht, dass Männer und Frauen lächeln und rote Wangen bekommen, wenn sie in ihrer Nähe sind.

Nur wenige Dinge ärgern sie mehr, als mit einer Waldnymphe oder einer Disneyprinzessin verglichen zu werden.

Eine luftgefüllte Plastiktüte wirbelt vor dem Motorrad auf, und sie wird aus ihren Gedanken gerissen.

Als sie Söder Mälarstrand erreicht, biegt sie scharf nach rechts ab, die Fußstütze kratzt über den Asphalt, aber es gelingt ihr trotzdem, die Spur zu halten, während sie unter der Centralbrücke hindurch und die Auffahrt hinauffährt.

Es ist das erste Mal, dass sie Alarmstufe Platin nicht nur als Übung erlebt. Der Alarm ist die höchste Stufe beim Staatsschutz, was Bedrohungen für die Sicherheit des Staates betrifft. Sie weiß, dass dieser Einsatz im Moment wichtiger ist als alle anderen Aufträge.

Es fühlt sich an, als würde sie durch eine dunkle Lampe fahren, als sie Gamla Stan und Riddarholmen mit ihren Türmen und schmalen Gassen passiert.

Saga ist für derartige Szenarien ausgebildet worden, und sie weiß, dass in dieser Phase von ihr erwartet wird, selbstständig und ohne Rücksicht auf geltende Gesetze zu handeln.

Sie erahnt die traurigen Ziegelgebäude des Karolinska-Krankenhauses und fährt auf die E4, dreht den dreizylindrigen Neunhundert-Kubik-Motor voll auf, erreicht zweihundertzwanzig Stundenkilometer, passiert den Roslagstull und biegt nach links zur Universität ab.

Die kalte Luft macht sie ruhig, sie geht die Informationen durch, die sie bekommen hat, und entwickelt eine erste operative Strategie.

Saga verlässt die Autobahn, gibt im Ausgang der Kurve noch einmal Gas und nimmt den Vendevägen nach Djursholm mit seinem üppigen Grün und seinen prächtigen Villen. Von Tau bedeckt stehen die Autos in den gepflasterten Einfahrten. Zwischen Büschen und Obstbäumen flackert das türkise Schimmern der Swimmingpools auf.

Mit viel zu hoher Geschwindigkeit fährt sie in einen Kreisverkehr und biegt direkt nach rechts ab. Bevor das Gehirn das parkende Auto registriert, reagieren die Muskeln, und sie legt sich steil in eine Ausweichbewegung. Sie droht zu stürzen, kann aber mit ihrem Körpergewicht den Bewegungsimpuls ausgleichen. Das Hinterrad gleitet über die Fahrbahn. Es scheppert, als sie gegen eine große Mülltonne aus Plastik rutscht, bevor sie die Kontrolle über das Motorrad zurückgewinnt und wieder Geschwindigkeit aufnimmt.

Ihr Herz schlägt schneller.

Hinter einer hohen Hecke hat jemand einen silbergrauen Jaguar geparkt, direkt hinter der Kurve. Aber ihr Motorrad hat einen niedrigen Schwerpunkt und reagiert extrem schnell auf Lenkbewegungen.

Was sie vermutlich rettet.

Saga erhascht einen Blick auf große Freizeitboote, als sie in eine langgezogene Kurve einbiegt, die von prächtigen Villen gesäumt wird. Sie liegt tief auf der linken Seite, beschleunigt aber sofort wieder, als sie am Wasser entlang auf einer geraden Strecke durch eine Parkanlage fährt.

7

SAGA VERLANGSAMT DIE Fahrt, als sie sich der angegebenen Adresse nähert, biegt sanft nach rechts in die schmale Einfahrt ab und hält an.

Sie lässt das Motorrad neben der Einfahrt ins Gras fallen, legt den Helm daneben ab und zieht sich Schutzweste und Holster im Gehen an.

Es sind dreizehn Minuten vergangen, seit sie vom Telefon geweckt wurde.

Im Haus heult die Alarmanlage.

Den Bruchteil einer Sekunde flattert Sehnsucht nach Kommissar Joona Linna durch ihr Bewusstsein. In ihrem größten bisherigen Fall hatte sie an seiner Seite gearbeitet. Er ist der beste Polizist, dem sie jemals begegnet ist, und einer derjenigen, die am meisten geopfert haben.

Einmal hat sie ihn im Stich gelassen, tat, was sie niemals hätte tun dürfen, aber sie hat alles wiedergutgemacht und ist sich sicher, dass er ihr verziehen hat.

Er hat behauptet, dass es überhaupt nichts zu verzeihen gäbe.

Seit er zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ist der Kontakt abgebrochen. Sie hätte ihn gern getroffen, aber sie weiß, dass er sich ein neues Leben aufbauen muss. Im Gefängnis wird ihm sehr viel abverlangt werden, wenn er die anderen Häftlinge davon überzeugen will, dass er einer von ihnen ist.

Und jetzt ist Alarmstufe Platin ausgelöst worden, und Saga Bauer ist allein.

Niemand vom Staatsschutz ist bisher hier aufgetaucht.

Sie klettert über die Pforte, läuft zum Eingang der Villa hinauf, führt das Spannwerkzeug in das Schloss ein und dann die schmale Spitze der Lockpick-Pistole, drückt ein paarmal, schiebt die Spitze im Schlüsselloch nach oben, bis die Stifte nachgeben und der Zylinder sich drehen lässt.

Das Schloss öffnet sich mit einem dumpfen Klicken.

Sie lässt das Werkzeug auf den Boden fallen, zieht ihre Glock, entsichert sie und öffnet die Tür. Der Lärm der heulenden Alarmanlage übertönt alles andere.

Saga sichert den Eingang und die große Halle dahinter, kehrt schnell wieder zurück zur Alarmzentrale neben der Eingangstür und gibt den Code ein, den sie auswendig gelernt hat.

Stille strömt durch das Haus und hinterlässt eine schicksalsvolle Atmosphäre.

Mit erhobener Waffe und dem Finger am Abzug durchquert sie die Halle, geht an der Treppe zum Obergeschoss vorbei und kommt in einen großen Salon, sichert nach rechts das Türblatt und die Wand und dringt in der Hocke weiter vor.

Eines der großen Fenster, die zur Rückseite hinausgehen, ist zersprungen, umgeben von glitzernden Scherben liegt ein Stuhl auf dem Fußboden.

Saga geht weiter, nähert sich der Tür zur Küche und sieht sich selbst in den vielen Glasscheiben vielfach gespiegelt.

Blut und Schädelfragmente sind aus der Küche herübergespritzt und haben sich auf dem Fußboden, der Sitzgruppe und dem niedrigen Bibliothekstisch verteilt.

Sie dreht sich mit der Pistole in alle Richtungen, geht vorsichtig voran und sieht immer mehr von der Küche. Weiße Schränke und Arbeitsplatten aus rostfreiem Stahl.

Sie bleibt stehen und lauscht.

Man hört ein vorsichtiges Ticken, als würde jemand ganz still sitzen und mit einem Nagel gegen die Tischplatte tippen.

Saga richtet die Waffe auf die Türöffnung zur Küche, bewegt sich lautlos zur Seite und sieht, dass ein Mann mit dem Gesicht nach oben auf dem Fußboden liegt.

Er hat Einschüsse in beiden Augen und im Bauch.

Die Rundung des Hinterkopfs fehlt.

Eine dunkle Lache aus Blut hat sich unter ihm gebildet.

Seine Hände liegen an den Seiten, als würde er sich sonnen.

Saga hebt die Waffe in die Richtung, aus der die Schüsse gekommen sein müssen, und sucht die Küche ab.

Die Gardinen vor den Verandatüren bewegen sich und wehen leicht in die Küche hinein. Die Ringe auf der Stange ticken gegeneinander.

Das Blut des ersten Schusses in den Kopf ist auf den Boden gespritzt, anschließend sind nackte Füßen hineingetreten.

Die Spuren führen direkt zu Saga.

Sie dreht sich hastig um, lässt die Waffe durch den Raum kreisen und kehrt zu der Doppeltür zurück, die in den Salon führt.

Saga zuckt zusammen, als sie aus den Augenwinkeln sieht, wie ein Mensch aus seinem Versteck hinter einem Sofa kriecht.

Sie dreht sich in dem Moment um, als dieser Mensch sich aufrichtet. Es ist eine Frau in einem blauen Kleid. Saga zielt zwischen ihre Brüste, als sie einen schwankenden Schritt auf sie zumacht.

»Hände hinter den Kopf«, ruft Saga. »Auf die Knie, auf die Knie.«

Saga zielt weiter auf die Frau und nähert sich ihr.

»Bitte«, flüstert die Frau und lässt den Überfallalarm auf den Boden fallen.

Sie kann nur ihre leeren Hände zeigen, bevor Saga sie von der Seite so hart unter die Knie tritt, dass beide Füße weggerissen werden und sie mit einem dumpfen Schlag auf den Boden fällt, mit der Hüfte zuerst, dann mit der Wange und der Schläfe.

Saga ist über ihr, schlägt gegen ihre linke Niere, drückt die Pistole gegen ihren Hinterkopf, drückt sie mit dem rechten Knie herunter und schaut sich erneut im Raum um.

»Sind noch mehr Personen im Haus?«

»Nur der, der geschossen hat, er ist in die Küche gegangen«, antwortet die Frau und schnappt nach Luft. »Er schoss und ging …«

»Still«, fällt ihr Saga ins Wort.

Saga dreht sie schnell auf den Bauch und dreht ihr die Arme auf den Rücken. Die Frau erträgt alles mit einer abscheulichen Willfährigkeit. Saga fesselt ihre verwundeten Handgelenke mit Kabelbindern, steht schnell auf, geht in die Küche, vorbei an dem toten Mann.

Die Gardinen schaukeln und füllen sich mit Luft.

Sie zielt geradeaus, steigt über einen rußigen Feuerhaken, umrundet die Kochinsel und erreicht die Schiebetüren.

Die feste Scheibe hat ein rundes Loch von einem Diamantbohrer, die Tür ist aufgeschoben. Abendluft fließt herein und bringt die Gardinenringe zum Klirren. Saga geht auf die Terrasse und richtet die Waffe nach unten auf das Gras zwischen den Blumenbeeten.

Das Wasser ist regungslos, die Nacht still.

Personen, die sich auf diese Weise Zugang zu einem Haus verschaffen und eine einwandfreie Hinrichtung durchführen, bleiben nicht am Tatort.

Saga kehrt zu der Frau zurück, fesselt ihre Beine mit Kabelbindern und drückt ein Knie in ihr Kreuz.

»Ich brauche Antworten auf ein paar Fragen«, sagt sie leise.

»Ich habe nichts damit zu tun, ich bin nur zufällig hier gewesen, ich habe nichts gesehen«, flüstert die Frau.

Saga kann nicht anders, als das blaue Kleid herunterzuziehen und den entblößten Hintern zu bedecken, bevor sie wieder aufsteht. Bald werden fünf SUVs vor dem Haus stehen und jede Menge Beamte des Staatsschutzes hereinströmen.

»Wie viele Täter waren es?«

»Es war nur einer, ich habe nur einen gesehen.«

»Kannst du ihn beschreiben?«

»Ich weiß nicht, er hatte eine Maske vorm Gesicht, ich habe nichts gesehen, schwarze Kleidung, Handschuhe, es ging so schnell, ich dachte, er würde mich auch umbringen, ich dachte …«

»Okay, warte«, geht Saga dazwischen.

Sie geht zu der Leiche. Das runde Gesicht ist so weit intakt, dass sie keine Probleme hat, ihn zu identifizieren. Sie holt ihr verschlüsseltes Diensttelefon aus der Tasche, geht ein paar Schritte zur Seite und ruft den Chef des Staatsschutzes an. Es ist mitten in der Nacht, aber er hat auf das Gespräch gewartet und nimmt es sofort entgegen.

»Der Außenminister ist tot«, sagt sie.

8

SIEBEN MINUTEN SPÄTER wimmelt es im Garten von Mitgliedern der Spezialeinheit des Staatsschutzes, die intern Electrolux genannt wird, nach einem Scherz, an den sich niemand mehr erinnert.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Staatsschutz die Sicherheit für die zentrale Staatsführung ziemlich drastisch erhöht, mit Personenschutz und modernen Überfallalarmsystemen, auf unterschiedlichen Niveaus. Die Frau hat jedoch beide Knöpfe des Alarms mehr als drei Sekunden lang gleichzeitig gedrückt, sodass Alarmstufe Platin aktiviert wurde.

Der Tatort ist abgesperrt, drei Zonen um den Großraum Stockholm herum sind streng bewacht, und Straßensperren sind errichtet worden.

Janus Mickelsen kommt herein und gibt Saga die Hand. Er übernimmt die Leitung der Operation im Haus selbst, und sie informiert ihn kurz über die Lage.

Janus strahlt mit seinen rotblonden Locken und dem hellroten Dreitagebart eine Art abgelebten Hippiecharme aus. Saga findet, dass er nach Peace and Love aussieht, weiß aber, dass er Berufssoldat war, bevor er beim Staatsschutz landete. Er hat an der Operation Atalanta teilgenommen und war in den Fahrwassern vor Somalia stationiert.

Janus platziert einen Agenten an der Tür, auch wenn nicht die übliche Liste über all diejenigen angelegt wird, die den Tatort betreten haben. Dieses Mal wird es keine Dokumentation darüber geben, wer sich nach dem Mord im Haus aufgehalten hat. Bei Alarmstufe Platin darf niemand im Nachhinein Angaben darüber finden, wer informiert wurde oder Kenntnis von den Ereignissen hatte und wer nicht.

Zwei Staatsschutzbeamte gehen direkt auf die junge Frau zu, die mit gefesselten Armen und Beinen auf der Seite liegt. Ihre Augen sind rotgeweint, Wimperntusche ist die Schläfe heruntergelaufen.

Einer der beiden Männer kniet sich neben sie und holt eine Spritze mit Ketamin heraus. Sie bekommt solche Angst, dass ihr Körper zu zittern beginnt, aber der andere hält sie fest, während sie die Injektion in den Hals bekommt, direkt in die obere Hohlvene.

Die Wangen der Frau laufen rot an, sie biegt den Nacken zurück, spannt den Körper, bevor sie sich schließlich entspannt.

Saga sieht, wie sie die Kabelbinder abknipsen, eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase stülpen, die betäubte Frau in einen Leichensack stecken und den Reißverschluss zuziehen. Sie tragen den leblosen Körper zu einem wartenden Lieferwagen, um sie zum »Zuchthaus« zu fahren.

Die vier anderen Teammitglieder führen bereits eine beschleunigte Tatortuntersuchung mit exakter Dokumentation durch. Effektiv nehmen sie Schuh- und Fingerabdrücke, erfassen Blutspritzmuster, Einschusslöcher und Schusswinkel, sammeln biologische Spuren, Textilfasern, Haare, Körperflüssigkeiten, Knochenteile, Amygdala, Glasscherben, Splitter und Holzspäne ein.

»Frau und Kinder des Ministers sind bereits auf dem Weg nach Hause«, sagt Janus. »Das Flugzeug landet um 8.15 Uhr in Arlanda, bis dahin muss es hier sauber sein.«

Die Gruppe muss sämtliche Informationen in einem Durchgang sichern, weil es keine weitere Gelegenheit mehr geben wird.

Saga geht die knarrende Treppe hinauf und weiter in das Schlafzimmer des Außenministers. In dem Zimmer riecht es nach Urin und Schweiß. Lederriemen hängen an den vier Bettpfosten. Blut ist auf der Bettwäsche verschmiert.

Auf einem Schreibtisch liegt eine Reitpeitsche im schwachen Licht eines Uhrenbewegers. Hinter der Glasscheibe rotiert eine Rolex völlig lautlos neben einer Breguet.

Saga fragt sich, ob die Ehefrau von den Besuchen der Prostituierten wusste.

Wahrscheinlich nicht.

Vielleicht hat sie auch einfach nicht gefragt.

Mit den Jahren merkt man, dass man manche Risse im Selbstbild aushalten und sich an dem festklammern kann, was man trotz allem als sicher erlebt.

Saga selbst war viele Jahre mit dem Jazzpianisten Stefan Johansson zusammen, bevor er sie verließ.

Er ist nach Paris gezogen, spielt in einer Band und hat sich verlobt.

Saga weiß, dass es nicht leicht ist, mit ihr zusammenzuleben, sie hat ein hitziges Temperament und kann in bestimmten Situationen überreagieren.

Sie arbeitet viel, und die einzige sexuelle Beziehung seit ihrer Trennung hatte sie mit Stefan, wenn er auf Tournee in Schweden war. Er ruft sie dann spät am Abend an, und sie lässt ihn bei sich übernachten. Sie weiß, dass er seine Verlobte nicht für sie verlassen wird, schläft aber trotzdem mit ihm.

Saga kehrt ins Erdgeschoss zu der zerschossenen Leiche in der Küche zurück.