Verlag: Bastei Lübbe Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Ich jage dich E-Book

Lars Kepler  

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E-Book-Beschreibung Ich jage dich - Lars Kepler

Ein großartiger Schweden-Krimi! Der Serienmörder folgt einem perfiden Muster: Er sucht nach Frauen, die alleine leben. Er filmt sie abends durch das erleuchtete Fenster und stellt den voyeuristischen Clip auf YouTube. Und dann ermordet er die Frauen. Die Kriminalpolizei versucht alles, um einen nächsten Mord zu verhindern. Aber der Mörder ist ihnen immer einen Schritt voraus. Beim vierten Mordopfer ist das Muster jedoch durchbrochen: Die Ermittler finden am Tatort einen bewusstlosen Mann. Ist er etwa der Täter?

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E-Book-Leseprobe Ich jage dich - Lars Kepler

Inhalt

CoverÜber dieses BuchÜber den AutorTitelImpressumPrologStalker123456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130131132133134135136137138139Epilog

Über dieses Buch

Eine Reihe von grausamen Morden hält die Stockholmer Polizei in Atem. Jemand filmt Frauen, die alleine zu Hause sind, abends durch das erleuchtete Fenster und schickt den Clip an die Polizei. Dann ermordet er die Frauen.

Die Kriminalpolizei versucht alles, um einen nächsten Mord zu verhindern. Aber der Mörder ist ihnen immer einen Schritt voraus. Der Ehemann des zweiten Mordopfers findet seine Frau kurz nach der Tat und wird durch den grausamen Anblick traumatisiert. Er säubert das Haus und bahrt seine Frau im Bett auf. Möglicherweise wurden wichtige Spuren vernichtet, aber der Ehemann kann sich an nichts erinnern. Der Psychiater Erik Maria Bark wird hinzugerufen, er soll den Mann unter Hypnose verhören. Aber das, was der Mann dann in Trance berichtet, erschüttert Bark, und er muss es der Polizei verschweigen …

Über den Autor

Lars Kepler ist das Pseudonym von Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril.

Der Hypnotiseur, das Krimi-debüt mit Kommissar Joona Linna, war sensationell erfolgreich. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und 2012 von Lasse Hallström für das internationale Kino verfilmt.

Der vorliegende fünfte Kriminalroman ICH JAGE DICH setzt die Erfolgsgeschichte fort. Der Titel stand nach dem Erscheinen sofort auf Platz 1 der schwedischen Bestsellerliste.

Das Ehepaar lebt mit seinen Kindern in Stockholm.

www.larskepler.com

LARS KEPLER

ICH JAGE DICH

KRIMINALROMAN

Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Dieser Titel ist auch als Hörbuch erschienen

Titel der schwedischen Originalausgabe »Stalker«

Für die Originalausgabe: Copyright © 2014 by Lars Kepler Published in the German language by arrangement withBonnier Group Agency, Stockholm, Sweden

Für die deutschsprachige Ausgabe: Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln Textredaktion: Anja Lademacher, Bonn Umschlaggestaltung: Kirstin Osenan Einband-/Umschlagmotiv: © i-Stock/wibs24/Materio;© shutterstock/Micael Nussbaumer/Jaroslav Machacek E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-8387-5843-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

ERST ALS DIE Leiche gefunden wurde, nahm man das Video ernst. Ein Link zu einem Clip auf Youtube war an die allgemeine E-Mailadresse der Landeskriminalpolizei geschickt worden. Die Nachricht enthielt keinen Text, der Absender ließ sich nicht ermitteln. Die Mitarbeiterin des Sekretariats machte ihre Arbeit, sie klickte den Link an, sah sich den Film an und ging davon aus, dass es sich um einen Scherz handelte, dessen Witz sich ihr nicht erschloss. Dennoch legte sie eine Aktennotiz an.

Zwei Tage später schauten sich drei erfahrene Ermittler diesen Clip in einem kleinen Büro in der achten Etage des Landespolizeiamts an. Der älteste der drei Männer saß auf einem knarrenden Bürostuhl, die anderen standen.

Die Filmsequenz, die sie auf dem breiten Computerbildschirm verfolgten, war nur zweiundfünfzig Sekunden lang. Mit wackelnder Kamera war eine Frau von etwa dreißig Jahren heimlich durch ihr Schlafzimmerfenster gefilmt worden, während sie sich eine schwarze Strumpfhose anzog.

Die drei Männer im Landeskriminalamt beobachteten verlegen schweigend die seltsamen Bewegungen der Frau.

Damit die Strumpfhose richtig saß, machte sie große Schritte über unsichtbare Hindernisse und knickste anschließend mehrmals breitbeinig.

Am Montagmorgen war diese Frau in der Küche eines Reihenhauses auf der Insel Lidingö vor den Toren Stockholms tot aufgefunden worden. Sie hatte mit seltsam aufgerissenem Mund auf dem Fußboden gesessen. Blut war auf das Fenster und eine weiße Orchidee gespritzt. Die Frau war lediglich mit Strumpfhose und BH bekleidet.

Das Wort Stalker lässt sich seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert nachweisen. Seine ursprüngliche Bedeutung war Landstreicher oder Wilderer.

Im Jahre 1921 veröffentlichte der französische Psychiater de Clérambault eine Studie über einen Patienten mit einer eingebildeten Liebesbeziehung. Dieser Fall wird von vielen als die erste moderne Analyse eines Stalkers betrachtet.

Heute bezeichnet der Begriff Stalker einen Menschen, der krankhaft davon besessen ist, einen anderen Menschen zu überwachen.

Knapp zehn Prozent der Bevölkerung werden im Laufe ihres Lebens Opfer einer Form von Stalking.

In den häufigsten Fällen hat oder hatte der Stalker eine Beziehung zu seinem Opfer, aber wenn sich der Stalker auf Fremde oder auf Menschen fixiert, die aus irgendeinem Grund Berühmtheit erlangt haben, entscheidet außerordentlich oft der Zufall.

1

ES IST VIERTEL vor neun am Freitag, den zweiundzwanzigsten August. Nach den traumhaften Abenddämmerungen und hellen Nächten des Hochsommers senkt sich die Dunkelheit inzwischen überraschend schnell herab. Vor der Glasfassade des Foyers zum Landespolizeiamt ist es bereits schwarz.

Margot Silverman verlässt den Aufzug und geht zu den Sicherheitstüren am Eingang. Sie trägt einen schwarzen Wickelcardigan, eine weiße Bluse, die über ihren Brüsten spannt, und eine schwarze Hose, deren hohe Taille sich an ihren wachsenden Bauch schmiegt.

Ohne Eile nähert sie sich den beiden Drehtüren in der Glasfassade. Der Mann vom Wachdienst sitzt am Empfang und richtet die Augen auf einen Monitor, auf dem er die Bilder der Überwachungskameras betrachtet, die jeden Teil des großen Gebäudes rund um die Uhr im Auge behalten.

Margots Haare haben den gleichen hellen Farbton wie geschliffene Birke und fallen in einem schweren Zopf auf ihren Rücken. Sie ist sechsunddreißig Jahre alt, zum dritten Mal schwanger und wirkt mit ihren glänzenden Augen und roten Wangen wie das blühende Leben selbst.

Nach einer langen Arbeitswoche, in der sie jeden Tag Überstunden gemacht hat und zwei Mal ermahnt worden ist, es nicht zu übertreiben, ist sie endlich auf dem Heimweg.

Sie ist die neue Expertin der Landeskriminalpolizei für Serien- und Mehrfachmörder, in deren Aufgabengebiet auch die Beschäftigung mit Stalking fällt. Der Mord an Maria Carlsson ist ihr erster eigener Fall in ihrer neuen Funktion als ermittelnde Kommissarin bei der Landeskriminalpolizei.

Es gibt weder Zeugen noch Verdächtige. Das Opfer war alleinstehend, kinderlos, arbeitete im Marketing bei IKEA und hatte das schuldenfreie Reihenhaus der Eltern übernommen, nachdem ihr Vater gestorben und ihre Mutter in ein Altersheim gezogen war.

Maria Carlsson war regelmäßig mit einer Kollegin zur Arbeit gefahren, hatte an diesem Morgen jedoch nicht am Kyrkvägen gewartet. Die Kollegin war daraufhin zu ihr gefahren, hatte geklingelt und auf der Rückseite der Häuserzeile durchs Fenster geschaut. Maria saß auf dem Fußboden, ihr Gesicht war völlig zerfleischt und der Kopf fast abgetrennt worden, sodass er seitlich herabhing. Ihr Mund stand auf eine seltsame Art offen.

Dem ersten Obduktionsbericht der Gerichtsmedizin zufolge spricht alles dafür, dass der Mund nach Eintreten des Todes arrangiert wurde. Theoretisch erscheint es aber auch möglich, dass er von allein in dieser Position erstarrt ist, da die Totenstarre zwar im Herzen und im Zwerchfell beginnt, sich aber schon zwei Stunden später auf Hals und Kiefer ausbreitet.

Es ist Freitagabend und in dem großen Foyer halten sich nur wenige Menschen auf. Zwei Polizisten in dunkelblauen Pullovern unterhalten sich und ein müder Staatsanwalt verlässt einen der Räume für Haftprüfungsverhandlungen.

Schon als Margot die Leitung der Ermittlungen übertragen wurde, wusste sie instinktiv, dass sie möglicherweise überambitioniert agieren und in zu großen Dimensionen denken würde. Die anderen Ermittler hätten sie mit Sicherheit ausgelacht, wenn sie ihnen erzählt hätte, wie sicher sie sich ist, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben.

Im Laufe der Woche hat sich Margot Silverman den Videoclip, in dem Maria Carlsson sich ihre Strumpfhose anzieht, mehr als zweihundert Mal angesehen. Alles deutet darauf hin, dass die Frau unmittelbar nach dem Auftauchen des Films bei Youtube ermordet wurde.

Sie hat versucht, die kurze Filmsequenz zu deuten, kann aber nichts Auffälliges feststellen. Menschen, für die Strumpfhosen einen Fetisch darstellen, sind zwar nicht weiter ungewöhnlich, aber nichts an diesem Mord deutet auf eine derartige Obsession hin.

Der Videoclip zeigt lediglich einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben einer ganz gewöhnlichen Frau. Sie ist alleinstehend, hat einen guten Job und will zu einem Abendkurs in Comiczeichnen.

Es lässt sich unmöglich sagen, warum der Täter sich in ihrem Garten aufhielt, ob es sich dabei lediglich um einen Zufall handelte oder ob der Tatverlauf akribisch geplant war. Aber in den Minuten vor der Tat hält er die Frau auf Film fest, und dafür muss es einen Grund geben. Und da er den Link an die Polizei geschickt hat, möchte er den Beamten sehr wahrscheinlich etwas mitteilen.

Der Täter will auf etwas bei dieser einen Frau oder bei gewissen Frauen hinweisen. Vielleicht geht es ihm auch um alle Frauen, vielleicht sogar um die ganze Gesellschaft.

In Margot Silvermans Augen sind aber weder Verhalten noch Aussehen der Frau auffällig. Sie konzentriert sich lediglich mit gerunzelter Stirn und gespitztem Mund darauf, dass ihre Strumpfhose richtig sitzt.

Margot ist zweimal in dem Reihenhaus im Bredablicksvägen gewesen, vor allem hat sie sich aber auf die forensische Filmdokumentation über den noch unveränderten Tatort konzentriert.

Im Vergleich zum Film der Polizei wirkt der Clip des Täters nahezu liebevoll. Die minutiöse Darstellung der Spuren, die der bestialische Angriff hinterließ, ist dagegen schonungslos. Aus verschiedenen Blickwinkeln haben die Kriminaltechniker die Tote gefilmt, die mit gespreizten Beinen in ihrem dunklen Blut auf dem Fußboden sitzt. Der BH ist zerschnitten und hängt seitlich herab, eine weiße Brust ruht auf den hochgedrückten Wülsten des Bauchs. Von ihrem Gesicht ist praktisch nichts mehr übrig, nur ein gähnender Mund in einem roten Morast.

Margot bleibt scheinbar zufällig neben der Obstschale auf dem Tisch der Sitzgruppe im Foyer stehen, wirft einen Blick auf den Wachmann, der gerade telefoniert, und kehrt ihm den Rücken zu. Einige Sekunden beobachtet sie sein Spiegelbild in der Glaswand zu dem großen Lichthof, dann nimmt sie sechs Äpfel aus der Schale auf dem Tisch und steckt sie in ihre Tasche.

Sechs sind zu viele, das weiß sie natürlich, aber sie kann einfach nicht aufhören, bevor sie alle eingesteckt hat. Jenny kann heute Abend vielleicht einen kleinen Apfelkuchen daraus backen und ihn mit Butterflocken bestreuen, die dann zusammen mit dem Zucker und dem Zimt karamellisieren.

Ihr Gedankengang wird unterbrochen, als ihr Telefon klingelt. Sie schaut auf das Display und sieht das Foto von Adam Youssef, der zu ihrem Ermittlungsteam gehört.

»Bist du noch im Haus?«, fragt Adam. »Sag, dass du noch hier bist, wir haben nämlich …«

»Ich sitze schon im Auto und bin auf dem Klarastrandsleden«, lügt Margot. »Was wolltest du sagen?«

»Wir haben einen neuen Link zu einem Film bekommen.«

Ein flaues Gefühl breitet sich in ihrem Magen aus, und sie legt eine Hand unter die schwere Rundung ihres Bauchs.

»Einen neuen Link«, wiederholt sie.

»Kommst du?«

»Ich halte an und drehe«, antwortet sie und macht auf dem Absatz kehrt. »Sorg dafür, dass wir eine Kopie des Films bekommen.«

Margot hätte ihren Weg durch das Foyer fortsetzen, nach Hause fahren und den Fall Adam überlassen können. Sie muss nur einen einzigen Anruf tätigen, um für das nächste Jahr in Elternzeit zu gehen. Vielleicht hätte sie es getan, wenn sie geahnt hätte, wie viel Gewalt sie bei ihrem ersten Fall erwarten wird.

Doch auch wenn die Zukunft im Dunkeln liegt, nähern die Planeten sich gefährlichen Konstellationen. In diesem Augenblick treibt ihr Schicksal wie eine Rasierklinge auf stillem Wasser.

Das Licht im Aufzug lässt ihr Gesicht älter erscheinen. Der dünne schwarze Kajal-Strich um ihre Augen ist fast verschwunden. Als sie den Kopf zurücklehnt, begreift sie, was ihre Kollegen meinen, wenn sie sagen, sie sehe ihrem Vater ähnlich, dem früheren Bezirkspolizeipräsidenten Ernest Silverman.

Der Aufzug hält in der achten Etage, und sie geht so schnell durch den leeren Flur, wie ihr großer Bauch es zulässt. Adam und sie haben Joona Linnas Büro noch in derselben Woche übernommen, in der die Polizei ihre Gedenkfeier für ihn abhielt. Da Margot Joona nicht persönlich kannte, hatte sie kein Problem damit.

»Du hast aber ein verdammt schnelles Auto«, sagt Adam, als sie hereinkommt. Er grinst sie mit seinen spitzen Zähnen an.

»Ein ziemlich schnelles«, erwidert Margot.

Adam Youssef ist achtundzwanzig Jahre alt, aber sein Gesicht ist rund wie das eines Teenagers. Seine Haare sind längere Zeit nicht geschnitten worden, und sein kurzärmeliges Hemd fällt über die Jeans. Er stammt aus einer assyrischen Familie, ist in Södertälje aufgewachsen und hat Fußball in der Oberliga Nord gespielt.

»Wann wurde der Film bei Youtube hochgeladen?«, fragt sie.

»Vor drei Minuten«, antwortet Adam. »Er ist noch da. Steht vor ihrem Fenster und …«

»Das wissen wir nicht, aber …«

»Ich glaube schon, dass es so ist«, unterbricht er sie. »Er ist bestimmt noch da.«

Margot stellt ihre schwere Tasche auf dem Fußboden ab, setzt sich auf ihren Stuhl und ruft die Kriminaltechniker an.

»Hallo, Margot hier. Habt ihr uns eine Kopie geschickt?«, fragt sie gestresst. »Hört zu, ich brauche einen Ort oder einen Namen, ich muss den Ort oder die Frau identifizieren … Setzt alle Hebel in Bewegung, ihr habt fünf Minuten, macht verdammt nochmal, was ihr wollt, aber gebt mir etwas, dem ich nachgehen kann, erst dann beginnt euer Wochenende.«

Sie legt das Telefon weg und öffnet den Deckel des Pizzakartons auf Adams Schreibtisch.

»Du willst nichts mehr?«, fragt sie.

Das Mailprogramm signalisiert den Eingang einer Nachricht, und Margot stopft sich rasch ein Stück Pizza in den Mund. Eine ungeduldige Falte hat sich auf ihrer Stirn gebildet. Sie öffnet die Filmdatei und vergrößert auf Vollbild, wirft ihren Zopf auf den Rücken, klickt auf Start und rollt mit ihrem Stuhl etwas zurück, damit Adam besser sehen kann.

Als Erstes sieht man ein hell erleuchtetes Fenster, das in der Dunkelheit zittert. Vorsichtig bewegt sich die Kamera näher heran, Blätter streichen über die Linse.

Margot läuft ein Schauer über die Arme.

Eine Frau steht in einem hellen Zimmer schräg vor dem Fernseher und isst Eiscreme aus einem Becher. Sie hat ihre Sporthose heruntergezogen und ist mit einem Fuß bereits aus Hose und Socke gestiegen. Sie schielt zum Fernseher hinüber, lächelt über etwas und lutscht an ihrem Löffel.

Das einzige Geräusch in dem Büro im Landeskriminalamt kommt von der Lüftung des Computers.

Gib mir nur ein einziges Detail, dem ich nachgehen kann, denkt Margot, während sie das Gesicht der Frau beobachtet, die schönen Züge um ihre Augen, die Wangenknochen und die Rundung ihres Hinterkopfs. Ihr Körper scheint noch vor Anstrengung zu dampfen. Sie kommt gerade vom Sport. Das Gummiband ihres weißen Slips ist nach unzähligen Waschgängen ausgeleiert, und ihr BH zeichnet sich durch das verschwitzte T-Shirt ab.

Margot lehnt sich zum Bildschirm vor, ihr Bauch drückt auf die Oberschenkel, und der Zopf fällt über ihre Schulter nach vorn.

»Noch eine Minute«, sagt Adam.

Die Frau stellt den Eisbecher auf den Couchtisch und verlässt den Raum, die Jogginghose hängt noch um ihren rechten Fuß.

Die Kamera folgt ihr, bewegt sich seitlich, an einer schmalen Terrassentür vorbei und nähert sich dem Schlafzimmerfenster, als das Licht angeht und die Frau sichtbar wird. Sie befreit sich von der Hose, indem sie sie mit dem Fuß in Richtung eines Lehnstuhls mit einem roten Kissen schleudert. Die Hose fliegt durch die Luft, landet hinter dem Stuhl an der Wand und fällt zu Boden.

2

DIE KAMERA GLEITET auf dem letzten Stück sachte durch den dunklen Garten, hält direkt vor dem Fenster inne und wackelt ein wenig, als triebe sie auf einer Wasserfläche.

»Sie bräuchte bloß hochzuschauen, dann würde sie ihn sehen«, flüstert Margot und spürt, dass ihr Herz schneller schlägt.

Das Licht aus dem Schlafzimmer fällt auf die Blätter der Rosenbüsche und erzeugt einen kleinen Lichtreflex am oberen Rand der Linse.

Adam hat eine Hand auf seinen Mund gelegt.

Die Frau zieht das T-Shirt aus, wirft es auf den Stuhl und bleibt für einen Moment in ihrem verwaschenen Slip und dem fleckigen BH stehen. Ihr Blick ist auf das Handy gerichtet, das neben einem halbvollen Wasserglas auf dem Nachttisch liegt und am Ladekabel hängt. Ihre Oberschenkel sind nach dem Laufen angespannt und blutgefüllt, und der Bund ihrer Hose hat auf ihrem Bauch einen roten Abdruck hinterlassen.

Es gibt keine Tattoos oder sichtbaren Narben auf ihrem Körper, nur schwache weiße Schwangerschaftsstreifen.

Der Raum sieht aus wie Millionen anderer Schlafzimmer. Es gibt darin nichts, was auch nur ansatzweise einen Anlass zur näheren Ermittlung gegeben hätte.

Die Kamera zittert kurz und gleitet zurück.

Die Frau nimmt das Wasserglas vom Nachttisch und hebt es zum Mund, als der Film plötzlich abbricht.

»Verdammt, verdammt«, wiederholt Margot verbissen. »Nichts, absolut nichts.«

»Wir schauen ihn uns noch einmal an«, sagt Adam schnell.

»Wir können ihn uns tausend Mal anschauen«, entgegnet Margot und rollt auf ihrem Stuhl zurück. »Tu es, bitte sehr, aber du wirst absolut nichts sehen.«

»Ich sehe eine Menge Dinge, ich sehe …«

»Du siehst ein freistehendes Haus, zwanzigstes Jahrhundert, Obstbäume, Rosen, dreifach verglaste Fenster, einen 42-Zoll-Fernseher, einen Ben & Jerry’s Eisbecher«, sagt sie und deutet zum Computer.

Der Gedanke, dass die Menschen einander so sehr ähneln, ist ihr vorher noch nie gekommen. Durch ein Fenster betrachtet, sind sich die meisten Schweden zum Verwechseln ähnlich. Von außen gesehen, scheinen sie in den gleichen Häusern zu wohnen, gleich auszusehen, die gleichen Dinge zu tun und die gleichen Gegenstände zu besitzen.

»Das ist doch total krank«, sagt Adam mit gehetzter Stimme. »Warum lädt er diese Filme hoch? Was zum Henker will er eigentlich?«

Margot blickt durch das kleine Fenster auf die schwarzen Baumkronen des Kronobergparks, die sich vor der erleuchteten Dunstglocke der Stadt abzeichnen.

»Wir haben es jedenfalls zweifellos mit einem Serienmörder zu tun«, erklärt sie. »Wir können nur eines tun, ein erstes Täterprofil erstellen, um …«

»Und was hilft das ihr?«, unterbricht Adam sie und streicht sich mit einer Hand durchs Haar. »Er steht vor ihrem Fenster, und du redest über Täterprofile.«

»Das kann dem nächsten Opfer helfen.«

»Aber verdammt«, sagt Adam. »Wir müssen ihr Bild …«

»Jetzt halt mal kurz die Luft an«, unterbricht Margot ihn und greift nach ihrem Telefon.

»Halt du lieber mal die Luft an«, widerspricht Adam ihr mit erhobener Stimme. »Ich werde ja wohl noch meine Meinung sagen dürfen. Ich finde, wir sollten das Bild dieser Frau auf den Internetseiten der großen Boulevardzeitungen veröffentlichen.«

»Adam, hör mir zu …. Wir hatten gehofft, sie sofort identifizieren zu können, dazu braucht es eigentlich gar nicht so viel, aber wir haben absolut nichts«, erwidert Margot. »Ich werde mit den Kriminaltechnikern sprechen, aber ich glaube nicht, dass sie mehr finden als beim letzten Mal.«

»Aber wenn man ihr Bild öffentlich machen würde …«

»Ich habe keine Zeit für solchen Unsinn«, unterbricht sie ihn. »Denk doch mal nach. Alles deutet darauf hin, dass er den Clip direkt in ihrem Garten hochlädt. Theoretisch besteht also die Möglichkeit, sie zu retten.«

»Sag ich ja.«

»Aber seither sind schon fünf Minuten vergangen, und das ist eine verdammt lange Zeit, um einfach nur vor dem Fenster des Opfers stehen zu bleiben.«

Adam lehnt sich vor und starrt sie an. Seine müden Augen sind rot unterlaufen, und seine Haare stehen wüst vom Kopf ab.

»Dann geben wir also einfach auf?«

»Die Zeit drängt, aber wir müssen besonnen bleiben«, antwortet sie.

»Na, toll«, sagt er gereizt.

»Der Täter hat Selbstvertrauen gewonnen und weiß, dass er uns weit voraus ist«, erläutert Margot schnell und nimmt sich das letzte Stück Pizza. »Aber je mehr wir über ihn erfahren, desto näher …«

»Mehr erfahren? Gute Idee, entspricht im Moment aber nicht ganz meiner Gefühlslage«, sagt Adam und wischt Schweißperlen unter seiner Nase fort. »Es ist uns nicht gelungen, den letzten Film zurückzuverfolgen, wir haben am Tatort nichts gefunden, und wir werden auch diesen Film nicht zurückverfolgen können.«

»Technisch nicht, das dürfte eher unwahrscheinlich sein, aber wir könnten versuchen, ihm näherzukommen, indem wir die Filme und die Gewalt analysieren.« Margot spürt den Fötus, der in ihrem Bauch tritt, als sie dies sagt. »Was haben wir eigentlich bisher gesehen, was hat er uns gezeigt und was sieht er?«

»Eine Frau, die Sport getrieben hat, ein Eis isst und fernsieht«, antwortet Adam.

»Was sagt uns das über den Mörder?«

»Dass er keine Frauen mag, die Eis essen … ich weiß es nicht«, seufzt Adam und verbirgt das Gesicht in den Händen.

»Reiß dich zusammen.«

»Entschuldige, aber …«

»Ich denke darüber nach, dass der Mörder einen Film ins Internet stellt, der die Augenblicke vor dem Mord zeigt«, sagt Margot. »Er lässt sich Zeit, genießt die Augenblicke vor der Tat und will uns die lebenden Frauen zeigen, will sie im Film lebendig bewahren, vielleicht sind es ja die Lebenden, für die er sich wirklich interessiert.«

»Ein Voyeur«, sagt Adam. Er spürt, wie er eine Gänsehaut bekommt.

»Ein Stalker«, flüstert sie.

»Sag mir, wie ich die Liste der Schweine filtern soll, die aus dem Knast oder der Klapse entlassen worden sind«, sagt Adam, während er sich ins Intranet der Polizei einloggt.

»Ein Vergewaltiger, ein brutaler Vergewaltiger, jemand, der andere stalkt.«

Er schreibt schnell, klickt sich durch die Trefferliste und schreibt wieder.

»Es sind zu viele«, sagt er. »Uns rennt die Zeit davon.«

»Nimm den Namen des ersten Opfers dazu.«

»Keine Treffer«, erklärt er seufzend und rauft sich die Haare.

»Ein Serienvergewaltiger, möglicherweise chemisch kastriert«, denkt Margot laut nach.

»Wir müssten unterschiedliche Karteien gegeneinander abgleichen, aber das dauert alles zu lange.« Adam steht auf. »So wird das nichts. Was sollen wir nur tun?«

»Sie ist tot«, antwortet Margot und lehnt sich zurück. »Vielleicht bleiben ihr noch ein paar Minuten, aber …«

»Ich weiß nicht, ob ich das ertrage«, sagt Adam. »Wir können sie sehen, wir können ihr Gesicht sehen, ihr Zuhause … Mein Gott, wir schauen direkt in ihr Leben, aber wer sie ist, erfahren wir erst, wenn sie tot ist und jemand ihre Leiche findet.«

3

ALS SUSANNA KERN den feuchten Slip herabzieht und ihn mit dem Fuß zum Stuhl schleudert, spürt sie, wie ihre Oberschenkel nach dem Laufen kribbeln.

Seit ihrem dreißigsten Geburtstag läuft sie an drei Abenden in der Woche fünf Kilometer. Nach der Freitagsrunde gönnt sie sich immer ein Eis und sieht fern, weil Björn erst gegen zehn nach Hause kommt.

Als Björn die Stelle in London bekam, dachte sie, dass sie sich einsam fühlen würde. Aber schon bald merkte sie, wie sehr sie ihre freien Stunden in den Wochen genoss, in denen Morgan bei seinem Vater wohnt, ganz besonders seit sie an der Universitätsklinik einen ziemlich anspruchsvollen Vertiefungskurs in Neurologie besucht.

Sie hakt den verschwitzten Sport-BH auf und überlegt, dass sie ihn am Sonntag noch einmal anziehen kann, ehe er in die Wäsche muss.

Sie kann sich nicht erinnern, dass die Sommer früher so heiß gewesen sind.

Als sie ein scharrendes Geräusch hört, dreht sie sich zum Fenster um.

Der Garten auf der Rückseite des Hauses ist so dunkel, dass sie nichts als das gespiegelte Schlafzimmer sieht. Es sieht aus wie eine Theaterbühne, ein Fernsehstudio.

Sie hat ihren Auftritt und steht im gleißenden Scheinwerferlicht.

Aber ich habe vergessen, mich anzuziehen, denkt sie und lächelt schief.

Sie bleibt ein paar Sekunden stehen und betrachtet ihren nackten Körper. Er ist dramatisch beleuchtet, und ihr Spiegelbild sieht schlanker aus, als sie in Wahrheit ist.

Wieder hört sie ein Scharren, als kratzte jemand mit den Fingernägeln über das Fensterblech. Es ist zu dunkel, um zu sehen, ob dort ein Vogel sitzt.

Susanna starrt das Fenster an, nähert sich ihm vorsichtig und versucht, durch die Spiegelungen hindurchzuschauen, zieht die marineblaue Tagesdecke an sich, hüllt sich in sie ein und schaudert.

Widerstrebend geht sie noch näher ans Fenster, lehnt sich zur Scheibe vor und sieht den Garten als eine dunkelgraue Welt vor sich auftauchen, wie die Unterwelt in einem Kupferstich von Gustave Doré.

Das schwarze Gras, die hohen Sträucher, Morgans Schaukel, die im Wind schwingt, und hinter dem Spielhäuschen die Fensterscheiben zu dem Wintergarten, der nie fertig geworden ist.

Als sie sich aufrichtet und die Vorhänge zuzieht, sieht man die beschlagene Stelle, die ihr Atem auf dem Glas hinterlassen hat. Sie lässt die Tagesdecke fallen, geht nackt zur Tür und dreht sich mit einem starken Unbehagen noch einmal zum Fenster um. In dem Spalt zwischen den dunkelrosa Vorhängen schimmert ein Streifen schwarzes Glas.

Sie nimmt das Telefon vom Nachttisch und ruft Björn an, hört das Klingeln, kann aber nicht aufhören, das Fenster weiter anzustarren.

»Hallo, Liebling«, meldet er sich viel zu laut.

»Bist du am Flughafen?«

»Was?«

»Bist du am …«

»Ich bin im Flughafen und esse gerade einen Burger bei O’Learys und …«

Seine Stimme verschwindet, als im Hintergrund einige Männer schreien und applaudieren.

»Liverpool hat ein Tor geschossen.«

»Hurra«, sagt sie gedämpft.

»Deine Mutter hat angerufen und mich gefragt, was du dir zum Geburtstag wünschst.«

»Wie süß«, sagt sie.

»Ich habe ihr gesagt, dass du durchsichtige Unterwäsche haben möchtest«, scherzt er.

»Perfekt.«

Sie starrt das schimmernde Fenster zwischen den Vorhängen an, im Telefon rauscht es.

»Zu Hause alles in Ordnung?«, fragt Björn ganz nah.

»Ich habe nur ein bisschen Angst im Dunkeln.«

»Ist Ben nicht da?«

»Vor dem Fernseher«, antwortet sie.

»Und Jerry?«

»Sie warten beide auf mich«, sagt sie lächelnd.

»Ich sehne mich nach dir«, sagt er.

»Verpass den Flieger nicht«, flüstert sie.

Nachdem sie noch ein wenig geredet und sich zärtlich verabschiedet haben, muss sie an einen Patienten denken, der in der letzten Nacht eingeliefert wurde. Ein junger Mann, der ohne Helm Motorrad gefahren und verunglückt war. Er hatte schwere Gehirnschäden davongetragen. Sein Vater war direkt von der Nachtschicht ins Krankenhaus gekommen. Er hatte noch seinen schmutzigen Blaumann angehabt, und um seinen Hals hing eine Atemschutzmaske.

Als sie schließlich ins Wohnzimmer geht, um die schweren Vorhänge zuzuziehen, hält sie sich ihren rosafarbenen Kimono vor den Körper.

Ein seltsam blindes Gefühl erfüllt den Raum.

Die Vorhänge schaukeln vor den Fenstern und ihr läuft ein Schauer über den Rücken, als sie sich von ihnen abwendet.

Sie probiert das Eis. Es ist schon viel weicher und wird bald perfekt sein. In ihrem Mund verbreitet sich ein intensiver Schokoladengeschmack.

Susanna stellt den Becher ab, geht ins Badezimmer, schließt die Tür, dreht das Wasser an, löst den Pferdeschwanz und legt den Haargummi auf den Rand des Waschbeckens.

Sie seufzt wonnig, als das heiße Wasser über Kopf und Hals läuft und ihren ganzen Körper umschließt. Es rauscht in den Ohren, ihre Schultern sinken herab und die Muskeln erschlaffen. Sie seift sich ein, verharrt mit der Hand zwischen den Beinen und spürt, dass die Haare nach dem letzten Wachsen schon wieder sprießen.

Susanna wischt den Dampf von der Glastür, sodass sie Drehschloss und Klinke der Badezimmertür sehen kann.

Plötzlich fällt ihr ein, was sie im Schlafzimmerfenster zu sehen glaubte, als sie die Tagesdecke an sich zog und ihren Körper bedeckte.

Sie dachte, sie hätte es sich eingebildet, hatte sich gesagt, dass es wirklich dumm war, sich selbst solche Angst zu machen. Also hatte sie ihre Angst verdrängt und sich eingeredet, dass sie durch das Fenster gar nichts erkennen könne.

Das Zimmer war zu hell und der Garten vollkommen schwarz gewesen.

Aber dort, wo sich die dunkle Tagesdecke spiegelte, glaubte sie für einen Moment ein Gesicht zu sehen, das sie anstarrte.

In der nächsten Sekunde war es verschwunden. Sie musste sich getäuscht haben. Aber jetzt lässt sie der Gedanke nicht mehr los, dass es tatsächlich da gewesen sein könnte.

Es war kein Kind, aber vielleicht ein Nachbar, der nach seiner Katze suchte, stehenblieb und sie betrachtete.

Susanna dreht das Wasser ab, und ihr Herz schlägt ihr bis zum Hals, als ihr bewusst wird, dass in der Küche die Tür zum Garten offen steht. Wie konnte sie das nur vergessen? Sie hat sie den ganzen Sommer über aufgemacht, um die kühle Abendluft hereinzulassen, aber eigentlich macht sie die Tür zu und schließt sie ab, bevor sie duschen geht. Sie wischt die Glastür der Dusche frei und wirft erneut einen Blick auf das Drehschloss der Badezimmertür. Es ist nichts passiert. Sie streckt sich nach dem Handtuch und überlegt, Björn anzurufen und ihn zu bitten, am Telefon zu bleiben, während sie einen Rundgang durch das Haus macht.

4

ALS SUSANNA DAS Badezimmer verlässt, hört sie das Publikum im Fernsehen jubeln. Der dünne Seidenstoff des Kimonos klebt an ihrer feuchten Haut.

Kühle Luft streicht über den Fußboden.

Ihre Füße hinterlassen nasse Spuren auf dem abgetretenen Parkett.

Die Fenster im Esszimmer schimmern dunkel. Schwarzes Glas glimmt hinter den Ampeln mit Farnen. Susanna fühlt sich beobachtet, zwingt sich aber dennoch, nicht hinauszusehen, weil sie befürchtet, sich in die Angst hineinzusteigern.

Trotzdem hält sie Abstand zu der geschlossenen Kellertür, als sie sich der Küche nähert.

Ihre Haare durchnässen den Kimono auf ihrem Rücken. Die Spitzen sind noch so nass, dass Tropfen unter dem Stoff hindurch zwischen ihre Pobacken laufen.

Je näher sie der Küche kommt, desto kälter wird der Fußboden.

Das Herz schlägt ihr jetzt bis zum Hals.

Plötzlich fällt ihr wieder der junge Mann mit den schweren Gehirnverletzungen ein. Er war mit Ketanest narkotisiert worden. Sein ganzes Gesicht war zertrümmert, bis über die Schläfe hinweg eingedrückt worden. Sein Vater wiederholte immer wieder ganz leise, dass seinem Sohn nichts fehle. Er hätte sicher jemanden zum Reden gebraucht, aber Susanna hatte keine Zeit für ihn gehabt.

Jetzt stellt sie sich vor, dass der großgewachsene Vater sie gefunden hat, ihr die Schuld gibt und in seinem schmutzigen Blaumann vor der Küchentür steht.

Aus dem Fernseher ertönt ein neues Lied.

Der Wind weht in die Küche. Die Tür zum Garten steht sperrangelweit offen. Der Vorhang aus dünnen Plastikbändern flattert in den Raum hinein. Langsam geht sie auf die Tür zu. Es ist schwierig, hinter dem raschelnden Vorhang etwas zu erkennen.

Sie streckt die Hand aus, schiebt die wirbelnden Streifen zur Seite, tritt hinaus und streckt sich nach der Türklinke.

Der Fußboden ist kühl von der hereinströmenden Abendluft.

Ihr Kimono gleitet auf.

Sie sieht, dass der dunkle Garten verlassen daliegt. Die Sträucher bewegen sich im Wind, und die Schaukel schwingt hin und her.

Mit einem Ruck zieht sie die Tür zu, ohne darauf zu achten, dass sie Teile des Vorhangs einklemmt. Sie beeilt sich abzuschließen, den Schlüssel herauszuziehen und zurückzuweichen.

Den Schlüssel legt sie in die Schale mit dem Münzgeld und zieht den Kimono zu.

Jetzt ist sie jedenfalls abgeschlossen, denkt sie, als es hinter ihrem Rücken knackt.

Hastig fährt sie herum und muss sofort über ihre Reaktion lächeln. Es war nur das Fenster im Wohnzimmer, das an seinem Haken ruckte, als der Durchzug aufhörte.

Im Fernsehen pfeift und buht das Publikum die Jury aus.

Susanna denkt, dass sie das Telefon aus dem Schlafzimmer holen und Björn anrufen wird. Er müsste jetzt eigentlich an seinem Gate sitzen. Sie will mit ihm sprechen, während sie einmal durch das ganze Haus geht, bevor sie sich vor den Fernseher setzt. Sie hat sich zu sehr in ihre Angst hineingesteigert, um sich entspannen zu können. Allerdings hat sie im Keller kein Netz, aber vielleicht kann sie die Lautsprecherfunktion einschalten und das Telefon auf halbem Weg auf der Treppe ablegen.

Sie sagt sich, dass sie in ihrem eigenen Haus nicht schleichen muss, und dennoch bewegt sie sich zwanghaft leise.

Als sie an der geschlossenen Kellertür vorbeikommt, sieht sie aus den Augenwinkeln die dunklen Fenster des Esszimmers, dann geht sie in Richtung Wohnzimmer.

Nach dem Laufen hat sie die Haustür abgeschlossen, das weiß sie, aber trotzdem will sie sich noch einmal vergewissern, sodass sie sich wenigstens darüber keine Gedanken mehr machen muss.

Am Fenster im Wohnzimmer heult der Wind, der Haken hält es offen, und der Vorhang wird von der schmalen Öffnung angesaugt.

Auf dem Weg zum Esszimmer bemerkt sie im Vorbeigehen, dass die Wiesenblumen in der Vase auf dem großen Eichentisch vertrocknet sind. Dann bleibt sie abrupt stehen.

Ihr ganzer Körper scheint von einer Eisschicht überzogen zu werden. Blitzschnell schießt ihr das Adrenalin ins Blut.

Die drei Fenster des Esszimmers sind wie große Spiegel. Im Licht des Kronleuchters sieht man den Tisch und die acht Stühle, aber hinter ihnen steht jemand.

Susanna starrt das Spiegelbild des Raumes an, und ihr Herz pocht so, dass es in den Ohren donnert.

In der Türöffnung zum Flur steht ein Mensch, er hält ein Kochmesser in der Hand.

Er ist hier, im Haus, denkt Susanna.

Sie hat die Küchentür zugezogen und abgeschlossen, stattdessen hätte sie in den Garten fliehen sollen.

Langsam bewegt sie sich rückwärts.

Der Eindringling steht vollkommen still, mit dem Rücken zum Esszimmer blickt er in den Flur Richtung Küche.

Das große Messer hängt in seiner rechten Hand und zuckt ein wenig ungeduldig.

Susanna bewegt sich rückwärts, lässt die Gestalt im Türrahmen nicht aus den Augen. Der rechte Fuß gleitet über den Fußboden, und das Parkett knarrt leise, als sie ihr Gewicht verlagert.

Sie muss nach draußen, aber wenn sie in die Küche läuft, kann man sie im Flur sehen. Vielleicht schafft sie es, den Schlüssel aus der Schale zu nehmen, aber sicher kann sie sich dessen nicht sein.

Vorsichtig weicht sie zurück und sieht den Eindringling im letzten Fenster.

Der Fußboden knackt unter ihrem linken Fuß und sie bleibt stehen. Sie sieht, dass sich die Gestalt zum Esszimmer umdreht, aufblickt und sie in einem der dunklen Fenster ansieht.

Susanna weicht sachte einen Schritt zurück. Der Eindringling kommt auf sie zu. Sie wimmert vor Angst, dreht sich um und läuft ins Wohnzimmer.

Dann rutscht sie auf dem Teppich aus, verliert das Gleichgewicht, schlägt mit dem Knie auf den Boden, stützt sich mit der Hand ab und stöhnt vor Schmerz auf.

Ein Stuhl stößt gegen den Esszimmertisch.

Als sie sich wieder aufrappelt, reißt sie die Stehlampe um, die gegen die Wand schlägt und auf den Boden poltert.

Hinter sich hört sie schnelle Schritte.

Ohne sich umzuschauen, rennt sie ins Badezimmer und schließt hinter sich ab. Die Luft ist noch warm und feucht.

Das passiert nicht, denkt sie in Panik.

Sie geht an Waschbecken und Toilette vorbei und zieht den Vorhang vor dem kleinen Fenster fort. Ihre Hände zittern, als sie versucht, den ersten Fensterhaken zu öffnen. Er klemmt. Sie reißt an dem Haken, versucht, sich zu beruhigen, ruckelt jetzt vorsichtiger an ihm, zieht ihn zur Seite und schafft es, den Haken zu öffnen, als vom Schloss der Badezimmertür ein Scharren an ihr Ohr dringt. Sie hastet zurück und bekommt den Griff zu fassen, als er bereits anfängt, sich zu drehen. Sie stemmt sich mit beiden Händen dagegen und spürt, wie ihr Herz vor Furcht rast.

5

DER EINDRINGLING HAT einen Schraubenzieher oder vielleicht auch die stumpfe Seite der Klinge in die kleine Ritze auf der anderen Seite der Schlossachse gesetzt. Susanna sperrt sich gegen die Drehbewegung, zittert aber so sehr, dass sie Sorge hat abzurutschen.

»Großer Gott, das kann doch nicht sein«, flüstert sie. »Das passiert nicht, das kann nicht passieren …«

Hastig wirft sie einen Blick zum Fenster. Es ist viel zu klein, um einfach hindurchspringen zu können. Ihre einzige Chance besteht darin, zum Fenster zu laufen, den zweiten Haken zu lösen, es aufzustoßen und hinauszuklettern, aber sie wagt nicht, den Schlossknauf loszulassen.

Nie zuvor in ihrem Leben hat sie solche Angst gehabt. Es ist eine tiefreichende Todesangst, die sich nicht bezähmen lässt.

Der Knauf des Drehschlosses wird in ihren angespannten Fingern warm und rutschig. Von der anderen Seite dringt ein metallisches Kratzen an ihr Ohr.

»Hallo?«, sagt sie zur Tür gewandt.

Der Eindringling versucht, das Schloss mit einer überraschenden Drehbewegung zu öffnen, aber Susanna ist darauf gefasst und hält dagegen.

»Was wollen Sie?«, fragt sie mit mühevoll beherrschter Stimme. »Brauchen Sie Geld? Dafür habe ich Verständnis. Das ist nicht schlimm.«

Sie bekommt keine Antwort, hört aber Metall über Metall scharren und spürt die Vibration in dem Griff.

»Sie können das Haus durchsuchen, aber es gibt hier nichts besonders Wertvolles … Der Fernseher ist ziemlich neu, aber …«

Sie verstummt, weil sie so zittert, dass es ihr schwerfällt zu verstehen, was sie da sagt. Sie flüstert sich zu, dass sie sich beruhigen muss, stemmt sich gegen die Drehbewegung, weiß, dass ihre Angst gefährlich ist, dass sie den Eindringling auf schlimme Gedanken bringen könnte.

»Meine Handtasche hängt im Flur«, sagt sie und schluckt. »Eine schwarze Tasche. Darin liegt ein Portemonnaie mit etwas Bargeld und einer Visakarte. Ich habe gerade mein Monatsgehalt bekommen und kann Ihnen die PIN geben, wenn Sie wollen.«

Der Eindringling hört auf zu drehen.

»Okay, hören Sie zu, die PIN ist 3945«, sagt sie zur Tür gewandt. »Ich habe Ihr Gesicht nicht gesehen, Sie können mit dem Geld verschwinden, und ich lasse die Karte erst morgen sperren.«

Susanna hält weiter den Griff umklammert, legt das Ohr an die Tür und glaubt Schritte zu hören, die sich entfernen, bis ein Werbespot im Fernsehen alle anderen Geräusche übertönt.

Sie weiß nicht, ob es dumm war, ihm die richtige PIN zu nennen, aber sie will nur, dass dieser Alptraum ein Ende hat, und sorgt sich eher um ihren Schmuck, um den Trauring ihrer Mutter und die Halskette mit den großen Smaragden, die sie geschenkt bekam, als Morgan geboren wurde.

Susanna wartet an der Tür und wiederholt innerlich, dass es noch nicht vorbei ist, dass sie nicht eine Sekunde unachtsam sein darf.

Als sie schließlich vorsichtig die Hand am Griff des Schlosses wechselt, ohne ihn loszulassen, sind Daumen und Zeigefinger der rechten Hand eingeschlafen. Sie schüttelt die Hand, legt das Ohr an die Tür und denkt, dass mehr als eine halbe Stunde vergangen sein dürfte, seit sie die PIN ihrer Karte verraten hat.

Wahrscheinlich war es ein Drogensüchtiger, der eine offene Küchentür gesehen hat und hineingegangen ist, um nach Wertsachen zu suchen.

Der erste Teil der Fernsehsendung ist inzwischen vorbei. Es läuft wieder Reklame und danach beginnen die Nachrichten. Sie wechselt erneut die Hand und wartet.

Weitere zehn Minuten später legt sie sich auf den Fußboden und schaut unter der Tür hindurch. Es steht niemand davor.

Sie sieht große Teile des Parkettbodens, blickt unter die Couch, sieht das Licht des Fernsehapparats im Lack schimmern.

Es herrscht Stille.

Einbrecher sind nicht gewalttätig, sie wollen nur möglichst schnell und einfach an Geld kommen.

Zitternd steht sie auf, hält wieder den Griff fest, steht still, presst das Ohr an die Tür und lauscht den Nachrichten und dem Wetterbericht.

Sie hebt den Duschabzieher vom Boden auf, um sich mit etwas wehren zu können, sammelt sich und schließt vorsichtig die Tür auf, die langsam aufschwingt.

Vom Flur aus überblickt sie fast das gesamte Wohnzimmer. Von dem Eindringling ist nichts zu sehen. Es ist, als wäre er niemals da gewesen.

Sie verlässt das Badezimmer und ihre Beine zittern vor Angst. Als sie sich dem Wohnzimmer nähert, sind all ihre Sinne geschärft.

In der Ferne bellt ein Hund.

Vorsichtig bewegt sie sich weiter und sieht das Licht des Fernsehbilds, das über die zugezogenen Gardinen, die Sitzmöbel und den Tisch mit dem Eisbecher flackert.

Sie denkt, dass sie im Schlafzimmer ihr Telefon holen, sich wieder im Badezimmer einschließen und die Polizei rufen wird.

Links von ihr schimmert die Vitrine mit der Sammlung Meißner Porzellan, die Björn geerbt hat. Ihr Herz schlägt wieder schneller. Sie hat den Gang fast durchquert und wird erst danach bis zur Haustür sehen können.

Sie macht einen Schritt ins Wohnzimmer hinein, schaut sich um und sieht noch, dass das Esszimmer leer ist, als sie den Eindringling neben sich entdeckt. Nur einen Schritt entfernt. Die schlanke Gestalt steht direkt hinter dem Durchgang an der Wand und erwartet sie bereits.

Der Messerstich kommt so schnell, dass sie nicht mehr reagieren kann. Die scharfe Klinge sinkt in ihre Brust. Um das Metall tief in ihrem Körper spannt es.

Nie zuvor hat ihr Herz so fest geschlagen wie jetzt. Die Sekunden stehen still und sie denkt, dass dies alles einfach nicht wahr sein kann.

Das Messer wird herausgerissen und hinterlässt nur eine brennende Entspannung. Sie presst eine Hand auf die Wunde und spürt warmes Blut, das durch ihre Finger hindurch herausgepumpt wird. Der Duschabzieher fällt klappernd zu Boden. Sie taumelt zur Seite, ihr Kopf ist schwer und sie sieht, dass Blut auf den glänzenden Stoff der Regenjacken gespritzt ist. Das Licht scheint zu blinken und sie versucht zu sagen, dass es sich um ein Missverständnis handeln muss. Doch sie hat keine Stimme mehr.

Susanna Kern fährt herum und geht in Richtung Küche, spürt schnelle Stöße im Rücken und weiß, dass es wiederholte Messerstiche sind.

Sie taumelt zur Seite, tastet Halt suchend und stößt den Vitrinenschrank gegen die Wand, sodass sämtliche Porzellanfiguren scheppernd und klirrend umkippen.

Ihr Herz rast, Blut läuft unter dem Kimono herab. Sie hat furchtbare Schmerzen in der Brust.

Ihr Blickfeld verengt sich zu einem Tunnel.

Es rauscht in ihren Ohren und ihr wird bewusst, dass der Eindringling etwas mit erregter Stimme schreit, aber seine Worte bleiben unverständlich.

Ihr Kinn fährt hoch, als sie an den Haaren zurückgerissen wird. Sie versucht, sich an einem Sessel festzuhalten, greift aber ins Leere.

Ihre Beine geben nach und sie schlägt auf den Boden.

Die Flüssigkeit in ihrer Lunge brennt und sie hustet schwach.

Ihr Kopf fällt zur Seite und sie sieht, dass im Staub unter der Couch altes Popcorn liegt.

Durch das Tosen in ihrem Inneren hindurch hört sie seltsame Schreie und spürt schnelle Stiche in Bauch und Brust.

Sie versucht fortzurobben und denkt, dass sie wieder ins Badezimmer muss, aber ihre Kräfte schwinden.

Sie versucht, sich auf die Seite zu drehen, aber der Eindringling hält ihr Kinn fest und sticht ihr plötzlich mit dem Messer ins Gesicht. Es tut nicht mehr weh, aber das Gefühl der Unwirklichkeit dreht sich weiter in ihrem Kopf. Der Schock und eine innere Abwesenheit gehen mit dem deutlichen und intimen Gefühl einher, dass ihr Gesicht zerschnitten wird.

Immer wieder dringt die Klinge in Hals, Brust und Gesicht ein. Lippen und Wangen werden von Wärme und Schmerz erfüllt.

Susanna Kern erkennt, dass sie nicht überleben wird. Wie ein Abgrund tut sich eine lähmende Angst vor ihr auf, als sie endlich aufhört, um ihr Leben zu kämpfen.

6

DER PSYCHIATER ERIK Maria Bark sitzt zurückgelehnt in seinem hellgrauen Lammfellsessel. Er verfügt daheim über ein großes Arbeitszimmer mit lackiertem Eichenparkett und Bücherschränken. Das dunkle Backsteinhaus liegt in den ältesten Teilen des südlichen Stockholmer Vororts Enskede.

Es ist mitten am Tag, aber er hat Nachtdienst gehabt und sollte vor der Sitzung der Krankenhausleitung eigentlich ein paar Stunden schlafen.

Er schließt die Augen und denkt an die Zeit zurück, als Benjamin klein war und wissen wollte, wie seine Mutter und sein Vater sich kennengelernt hatten. Erik hatte sich auf seine Bettkante gesetzt und ihm erzählt, den Liebesgott Cupido gebe es wirklich. Er lebe in den Wolken und sehe aus wie ein pummeliger Knabe mit Pfeil und Bogen in der Hand.

»Eines Sommerabends hatte Cupido auf Schweden herabgeschaut und mich gesehen«, hatte Erik seinem Sohn erzählt. »Ich war auf einem Universitätsfest und bewegte mich durch das Gedränge auf einer Dachterrasse, als Cupido über die Kante seiner Wolke kroch und in einem weiten Bogen einen Pfeil auf die Erde herabschoss.

Ich ging auf dem Fest umher, unterhielt mich eine Weile mit Freunden, aß Erdnüsse und wechselte ein paar Worte mit meinem Chef. Als eine rotblonde Frau mit einem Sektglas in der Hand meinem Blick begegnete, traf mich Cupidos Pfeil im selben Moment mitten ins Herz.«

Nach fast zwanzigjähriger Ehe waren Erik und Simone sich einig gewesen, dass sie sich würden scheiden lassen. Aber eigentlich war es wohl vor allem ihr Wunsch gewesen.

Als Erik sich vorbeugt, um die Leselampe auszuschalten, sieht er kurz sein müdes Gesicht in dem schmalen Spiegel neben dem Bücherschrank. Die Falten in der Stirn und die Furchen auf seinen Wangen sind tiefer als je zuvor. Sein dunkelbraunes Haar ist inzwischen graumeliert. Er sollte zum Friseur gehen. Strähnen hängen ihm in die Augen und er schüttelt sie mit einer Kopfbewegung fort.

Als Simone ihm erzählte, dass sie sich mit John traf, wusste Erik, dass es vorbei war. Benjamin nahm es gelassen, scherzte und meinte, zwei Väter seien doch super.

Mittlerweile ist Benjamin achtzehn und wohnt mit Simone und ihrem neuen Mann, seinen neuen Geschwistern und den Hunden in einem großen Haus in Stocksund.

Auf dem alten Rauchtischchen seines Großvaters liegen die letzte Nummer des American Journal of Psychiatry und Ovids Metamorphosen mit einem halbleeren Tablettenblister als Lesezeichen.

Hinter den in Blei gefassten Fenstern fällt Regen auf das satte Grün des Obstgartens.

Erik zieht die Tabletten aus dem Buch, drückt eine Schlaftablette in seinen Handteller, versucht zu berechnen, wie lange der Körper benötigen wird, um den Wirkstoff zu verarbeiten, beginnt noch einmal von vorn und gibt schließlich auf. Sicherheitshalber teilt er die Tablette, bläst das Pulver an der Bruchstelle fort, um sich den bitteren Beigeschmack zu ersparen, und schluckt eine Hälfte.

Regen rinnt über die Fensterscheiben und aus den Boxen ertönt gedämpft John Coltranes Dear Old Stockholm.

Nach und nach durchströmt die chemische Wärme seine Muskeln. Er schließt die Augen und genießt die Musik.

Erik Maria Bark ist Arzt, Psychiater und Psychotherapeut, er ist auf Psychotraumatologie und Katastrophenpsychiatrie spezialisiert und hat für das Rote Kreuz fünf Jahre in Uganda gearbeitet.

Danach leitete er vier Jahre lang ein bahnbrechendes Forschungsprojekt zum Thema tiefenhypnotische Gruppentherapie am Karolinska Institut. Er ist Mitglied von The European Society of Hypnosis und wird von vielen als eine der größten Autoritäten weltweit für klinische Hypnose betrachtet.

Mittlerweile gehört Erik zu einem kleinen Team, das auf akut traumatisierte und posttraumatische Patienten spezialisiert ist. Es unterstützt regelmäßig Polizei und Staatsanwaltschaft bei komplizierten Vernehmungen von Menschen, die Opfer von Gewaltverbrechen geworden sind.

Nicht selten wendet Erik Hypnose an, damit die Zeugen sich entspannen und es ihnen gelingt, ihre Erinnerungen an Stresssituationen zu ordnen.

In drei Stunden soll er an einer Besprechung in der Klinik teilnehmen und hofft, bis dahin schlafen zu können.

Er wird augenblicklich in den Tiefschlaf gezogen und träumt, dass er einen alten, bärtigen Mann durch ein enges Haus trägt. Hinter einer geschlossenen Tür ruft Simone nach ihm, als sein Telefon surrt.

Erik zuckt zusammen und tastet über das Rauchtischchen. Sein Herz pocht heftig nach der plötzlichen Störung.

»Simone«, meldet er sich mit belegter Stimme.

»Hallo, Simone … ich weiß ja nicht, aber vielleicht solltest du aufhören, diese französischen Zigaretten zu rauchen«, scherzt Nelly. »Entschuldige bitte, wenn ich das sage, aber du klingst fast wie ein Mann.«

»Fast«, erwidert Erik lächelnd und spürt, wie benommen sein Gehirn von der Schlaftablette ist.

Nelly lacht unbeschwert.

Nelly Brandt ist Psychologin und Eriks engste Mitarbeiterin. Sie ist kompetent, arbeitet hart und ist gleichzeitig immer lustig, wenn auch manchmal auf eine etwas vulgäre Art.

»Die Polizei ist hier, sie sind total aufgeregt«, sagt sie und er hört, wie gestresst sie klingt.

Er reibt sich die Augen, um seinen Blick zu schärfen, und versucht Nelly zuzuhören, die ihm erzählt, dass die Polizei einen Zeugen eingeliefert hat, der unter Schock steht.

Er blinzelt zu den Fenstern auf der Straßenseite hinüber, an denen der Regen herabläuft.

»Wir untersuchen seinen Allgemeinzustand und nehmen die üblichen Proben«, sagt sie. »Blut und Urin … Leberfunktion, Nieren- und Schilddrüsenfunktion …«

»Gut.«

»Erik, die Kommissarin hat ausdrücklich nach dir gefragt … Es ist meine Schuld, mir ist herausgerutscht, dass du der Beste bist.«

»Mit Schmeicheleien kommt man bei mir nicht weit«, erwidert er und steht schwankend auf. Als er zum Schreibtisch geht, streicht er sich mit der Hand übers Gesicht und stützt sich an den Möbeln ab.

»Du stehst auf«, sagt sie heiter.

»Ja, aber ich …«

»Dann sage ich der Polizei, dass du unterwegs bist.«

Unter dem Schreibtisch liegt ein Paar schwarze Socken zusammen mit einer länglich schmalen Taxiquittung und einem Ladekabel für das Mobiltelefon. Als er sich bückt, um die Socken aufzuheben, schießt ihm der Boden entgegen. Hätte er sich nicht gerade noch rechtzeitig mit der Hand abgestützt, er wäre gestürzt.

Die Gegenstände auf dem Schreibtisch fließen ineinander und gleiten verdoppelt wieder auseinander. Die silbernen Kugelschreiber im Stifthalter reflektieren das Licht.

Er streckt sich nach einem halbleeren Wasserglas, trinkt einen kleinen Schluck und denkt, dass er sich zusammenreißen muss.

7

DAS KAROLINSKA-UNIVERSITÄTSKRANKENHAUS gehört zu Europas größten Kliniken und beschäftigt mehr als fünfzehntausend Angestellte. Ein wenig abseits auf dem riesigen Krankenhausgelände liegt die Psychiatrie. Von oben betrachtet ähnelt das Gebäude einem Schiff auf einer prähistorischen Felszeichnung, wenn man sich ihm zu Fuß durch den Park nähert, unterscheidet es sich dagegen nicht von den anderen Abteilungen. Der nikotingelbe Putz ist nach dem Regen noch feucht, rostfarbenes Wasser ist aus den Fallrohren gelaufen und am Fahrradständer ist ein einsames Vorderrad festgekettet.

Es knirscht unter den Autoreifen, als Erik auf den Parkplatz einbiegt.

Nelly erwartet ihn auf der Eingangstreppe mit zwei Bechern Kaffee. Erik kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er ihr zufriedenes Lächeln und ihren bewusst ausdruckslosen Blick sieht.

Nelly ist relativ groß und schlank, ihre blond gefärbten Haare sind immer perfekt frisiert und ihr Make-up ist dezent.

Erik trifft sich häufig auch privat mit ihr und ihrem Mann Martin. Finanziell hat Nelly es im Grunde nicht nötig zu arbeiten, ihr Mann ist Haupteigner der Firma Datametrix Nordic.

Als sie Eriks BMW auf den Parkplatz rollen sieht, geht sie ihm entgegen, pustet in den einen Becher und trinkt vorsichtig einen Schluck, ehe sie ihn auf dem Autodach abstellt und die hintere Tür des Wagens öffnet.

»Ich weiß nicht, worum es geht, aber wir haben es mit einer Kommissarin zu tun, die ziemlich unter Druck zu stehen scheint«, sagt sie und reicht ihm zwischen den Sitzen hindurch einen Becher an.

»Danke.«

»Ich habe ihr erklärt, dass für uns immer das Wohl des Patienten im Vordergrund steht«, fährt Nelly fort, als sie sich auf den Rücksitz setzt und die Autotür hinter sich schließt. »Verdammter Mist. Mein Gott, entschuldige. Hast du mal ein Taschentuch? Ich habe Kaffee auf deiner Rückbank verschüttet.«

»Vergiss es.«

»Bist du jetzt sauer? Du bist sauer«, sagt sie.

Im Auto verbreitet sich Kaffeeduft und Erik schließt für einen Moment die Augen.

»Nelly, kann ich bitte erfahren, was sie gesagt haben.«

»Ich komme mit dieser verdammten …, dieser sympathischen Polizistin irgendwie nicht klar.«

»Gibt es etwas, was ich wissen muss, bevor ich hineingehe?«, fragt er und öffnet die Tür.

»Ich habe ihr gesagt, dass sie in deinem Büro warten und die Schubladen durchwühlen darf.«

»Danke für den Kaffee …, für beide Becher«, sagt er und steigt gemeinsam mit ihr aus dem Wagen.

Erik schließt ab, steckt den Schlüssel in die Tasche und geht zur Klinik.

»Das mit den Schubladen habe ich nicht gesagt«, ruft sie ihm hinterher.

Erik steigt die Treppe hinauf, wendet sich nach rechts, holt seine Passierkarte heraus, tippt den Türcode ein, nimmt die nächste Treppe zum nächsten Flur, auf dem sich sein Büro befindet. Er fühlt sich immer noch ein wenig benommen und denkt, dass er seinen Tablettenkonsum bald in den Griff bekommen muss. Die Pillen lassen ihn zu tief schlafen. Es fühlt sich fast so an, als würde er ertrinken. Außerdem werden seine Träume unter dem Einfluss der Tabletten immer beängstigender. Gestern hatte er einen Alptraum über zwei Hunde, die zusammengewachsen waren, und vor einer Woche war er in der Klinik eingeschlafen und hatte einen erotischen Traum, in dem Nelly vorkam. Er kann sich nicht mehr richtig erinnern, aber sie kniete vor ihm und übergab ihm eine kalte Glaskugel.

Er wird aus seinen Gedanken gerissen, als er die Kommissarin sieht, die auf seinem Bürostuhl sitzt, und deren Füße auf dem Rand des Papierkorbs liegen. Eine Hand hält ihren großen Bauch, in der anderen hat sie eine Dose Coca-Cola. Die Stirn liegt in Falten, ihr Kinn ist herabgefallen und sie atmet durch den halbgeöffneten Mund.

Ihr Dienstausweis liegt auf seinem Schreibtisch und sie macht eine müde Geste zu ihm hin und stellt sich vor.

»Margot Silverman, Landeskripo.«

»Erik Maria Bark«, sagt er und gibt ihr die Hand.

»Danke, dass Sie so kurzfristig kommen konnten«, sagt sie und leckt sich die Lippen. »Wir haben einen Zeugen hergebracht, der unter Schock steht. Alle sagen, dass Sie dabei sein sollten. Wir haben schon vier Mal versucht, ihn zu vernehmen, aber …«

»Ich muss Ihnen leider sagen, dass unser Spezialisten-Team aus fünf Personen besteht und ich persönlich nicht an Vernehmungen von Tätern oder Tatverdächtigen teilnehme.«

Ihre hellen Augen reflektieren das Licht der Deckenlampe. Krause Haare haben sich aus dem dicken Zopf gelöst.

»Okay, mag sein, aber Björn Kern ist kein Verdächtiger. Er arbeitet in London und saß im Flugzeug, als jemand seine Frau ermordete«, erwidert sie und drückt die Cola-Dose zusammen, sodass das dünne Metall knackt.

»In Ordnung, dann weiß ich Bescheid«, sagt Erik.

»Er nimmt ein Taxi vom Flughafen und findet ihre Leiche«, fährt die Kommissarin fort. »Wir wissen nicht genau, was er getan hat, aber er ist sehr aktiv gewesen. Er hat seine tote Frau durchs ganze Haus geschleppt. Wir wissen nicht, wo sie ursprünglich lag, aber wir haben sie zugedeckt in ihrem Bett gefunden. Er hat geputzt und das Blut weggewischt. Er sagt, dass er sich an nichts erinnert, aber die Möbel sind umgestellt worden, der blutige Teppich drehte sich in der Waschmaschine … Und er selbst wurde mehr als einen Kilometer vom Haus entfernt gefunden. Ein Nachbar hätte ihn auf der Straße fast überfahren, wo er in seinem blutverschmierten Anzug und ohne Schuhe herumlief.«

»Ich werde zu ihm gehen«, erklärt Erik, »aber ich sage Ihnen gleich, dass es falsch wäre, Informationen von ihm erzwingen zu wollen.«

»Er muss reden«, sagt sie stur und lässt die Büchse knacken.

»Ich verstehe ja Ihre Frustration, aber wenn Sie ihn zu sehr unter Druck setzen, könnte das eine Psychose auslösen … Lassen Sie ihm etwas Zeit, dann wird er aussagen.«

»Sie haben der Polizei auch bei früheren Gelegenheiten geholfen?«

»Schon oft.«

»Aber diesmal … Es ist der zweite Mord in einer Serie«, sagt sie.

»Einer Serie«, wiederholt Erik.

Margots Gesicht ist grau geworden und die dünnen Falten um ihre Augen treten im Licht der Lampe deutlicher hervor.

»Wir suchen einen Serienmörder.«

»Okay, ich verstehe, aber der Patient muss …«

»Dieser Mörder ist in eine aktive Phase eingetreten und wird von selbst nicht wieder aufhören«, unterbricht sie ihn. »Und Björn Kern ist aus meiner Sicht eine einzige Katastrophe. Erst läuft er herum und verändert am Tatort alles, bevor die Polizei eintrifft … und jetzt ist nicht aus ihm herauszubekommen, wie es dort ursprünglich ausgesehen hat.«

Sie setzt die Füße auf den Boden, flüstert vor sich hin, dass sie weiterkommen müssen, bleibt mit steifem Rücken sitzen und atmet keuchend.

»Ihn jetzt unter Druck zu setzen könnte dazu führen, dass er sich für immer abschottet«, sagt Erik, schließt den Birkenholzschrank auf und holt seine Kameratasche aus Kunstleder heraus.

Margot steht auf, stellt endlich die Dose auf den Tisch, nimmt ihren Ausweis und geht mit schweren Schritten zur Tür.

»Mir ist durchaus bewusst, dass es verdammt schwer für ihn ist, daran zu denken, was passiert ist, aber er muss sich jetzt einfach zusammenreißen.«

»Mag sein, aber das ist mehr als schwer. Es kann sein, dass es für ihn wirklich unmöglich ist, im Moment daran zu denken«, entgegnet Erik. »Denn was Sie beschreiben, klingt nach einem kritischen Stresssyndrom und …«

»Das sind doch alles nur Worte«, unterbricht sie ihn und läuft vor Ärger rot an.

»Einem psychischen Trauma kann eine akute Blockade des …«

»Warum? Ich glaube das alles nicht«, sagt sie.

»Wie Sie vielleicht wissen, ordnet der Hippocampus unsere Erinnerung räumlich und zeitlich ein, und anschließend werden die Informationen dann an den präfrontalen Cortex übermittelt«, erläutert Erik geduldig, wobei er auf seine Stirn zeigt. »Aber das alles verändert sich bei einem Schock. Wenn die Amygdala eine Bedrohung identifiziert, werden sowohl das autonome Nervensystem als auch das aktiviert, was man die HPA-Achse nennt, und …«

»Okay, verdammt, ich hab verstanden. Es passieren eine Menge Dinge im Gehirn.«

»Der entscheidende Punkt ist, dass so extremer Stress dazu führt, dass die Erinnerungen nicht wie sonst gespeichert werden, sondern in affektiven Zuständen … Sie werden sozusagen wie Eiswürfel eingefroren, jedes Teil für sich … Sie sind eingeschlossen.«

»Ich verstehe, Sie wollen mir sagen, dass er sein Bestes gibt«, sagt Margot und legt die Hand auf ihren Bauch, »aber Björn könnte etwas gesehen haben, wodurch wir diesen Serienmörder stoppen können. Sie müssen ihn beruhigen und dafür sorgen, dass er redet.«

»Das werde ich auch tun, aber ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange das dauert«, entgegnet Erik. »Ich habe in Uganda mit Menschen gearbeitet, die im Krieg traumatisiert wurden … Menschen, durch deren Leben ein tiefer Riss ging. Man muss sich langsam vortasten, mit Hilfe von Geborgenheit, Schlaf, Gesprächen, Übungen, Medikamenten …«

»Nicht mit Hypnose?«, fragt sie und lächelt unfreiwillig.

»Nur, wenn man keine übertriebenen Erwartungen an das Ergebnis hat, aber sicher … Manchmal kann eine leichte Hypnose einem Patienten helfen, seine Erinnerung neu zu strukturieren, sodass er sie wiedergeben kann.«

»Momentan wäre ich auch mit einem Pferd einverstanden, das ihm gegen den Schädel tritt, wenn das hilft.«

»Okay, aber dafür ist eine andere Abteilung zuständig«, bemerkt Erik trocken.

»Entschuldigen Sie, ich weiß, ich bin immer ein bisschen ungeduldig, wenn ich schwanger bin«, sagt sie, und er hört, wie sehr sie darum bemüht ist, versöhnlich zu klingen. »Aber ich muss Parallelen zum ersten Mord finden, ich brauche ein Muster, um den Mörder einkreisen zu können, und im Moment habe ich absolut nichts.«

Sie haben das Behandlungszimmer erreicht. Vor der Tür sind zwei uniformierte Polizisten postiert.

»Es ist wichtig für Sie«, sagt Erik. »Aber denken Sie immer daran, dass er gerade die Leiche seiner ermordeten Frau gefunden hat.«

8

ERIK FOLGT MARGOT in einen der Räume, die mit zwei Sesseln und einer Couch, einem flachen weißen Tisch und zwei Stühlen eingerichtet sind, außerdem gibt es dort einen Wasserspender mit Plastikbechern, neben dem ein Papierkorb steht.

Auf dem Fußboden unter dem Fensterbrett liegt ein zerbrochener Blumentopf, die Erde hat sich über den Kunststoffboden verteilt.

Schweißgeruch hängt in der Luft. Der Mann steht in der hinteren Ecke des Zimmers, als hätte er versucht, möglichst weit wegzukommen.

Als er Erik und Margot sieht, schiebt er sich zur Couch, wobei er seinen Rücken an die Wand presst. Er ist sehr blass, sein Blick wirkt gehetzt, die Augen sind rot unterlaufen. Das hellblaue Hemd ist unter den Armen schweißnass und aus der Hose gezogen.

»Hallo, Björn«, sagt Margot. »Das ist Erik, er arbeitet hier als Arzt.«

Der Mann sieht Erik unruhig an und bewegt sich wieder in die Ecke.

»Hallo«, sagt Erik.

»Ich bin nicht krank.«

»Nein, aber nach dem, was Sie durchmachen mussten, haben Sie ein Anrecht darauf, medizinisch betreut zu werden«, erwidert Erik sachlich.

»Sie wissen nicht, was ich durchgemacht habe«, sagt der Mann und murmelt anschließend etwas vor sich hin.

»Ich weiß, dass Sie keine Beruhigungsmittel bekommen haben«, stellt Erik ruhig fest. »Sie sollen wissen, dass es diese Möglichkeit gibt, wenn …«

»Warum sollte ich Pillen schlucken?«, unterbricht der Mann Erik. »Was soll das bringen? Wird dann alles wieder gut?«

»Nein, aber …«

»Darf ich dann Susanna sehen?«, schreit er. »Das darf ich nicht, richtig?«

»Was passiert ist, lässt sich nicht mehr ändern«, sagt Erik ernst, »aber Ihr Verhältnis zu dem, was passiert ist, wird sich verändern, ganz gleich, was Sie tun.«

»Was reden Sie da eigentlich.«