Heimat - Geschichten - Erik Büchner - E-Book

Heimat - Geschichten E-Book

Erik Büchner

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Beschreibung

Diese einzigartigen Lebensberichte vor unserer Zeit, sind außer gewönhliche Handlungen des 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland und anderswo, die das frühere Leben in den Familien somit widerspiegeln und lassen den Leser, die wahren Werte des Lebens spüren. Es sind gefühlvolle, spannende und auch humoristische Geschehnisse, die einen bleibenden Erinnerungswert haben.

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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Erik Büchner

Heimat - Geschichten

. . . mit authentische Weihnachtserlebnisse

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

Inhaltsverzeichnis

Historische Geschichten

Geschehnisse aus vergangenen Zeiten, auch mit authentischen Weihnachtserlebnissen.

Frank Seer, Sachsen 2016

Geschichten erzählen, als wichtiges Erziehungsmittel.

Wem es ernst ist mit der Erziehung seiner Lieblinge, der fühlt mit Recht den lebhaften Wunsch, dass alle die vielen guten Lehren, die er ihnen zuteil-werden lässt, eine recht nachhaltige Wirkung haben möchte.

Ein Trost ist es ganz gewiss, dass von den tausenden von Samenkörnchen, die lieben Eltern in Gestalt von Ermahnungen, Verweisen und Belehrungen in das empfängliche Kindergemüt säen, ebenso wie auf einem Acker zwar nicht alle, aber doch bestimmt ein Teil Wurzeln schlägt. Etwas bleibt immer hängen, auch bei schwer zu erziehenden Kindern, wenn es auch manchmal den Anschein hat, als sei alle Mühe und Sorgfalt vergebens gewesen. Es ist kein Wunder, wenn Väter und Mütter sich öfters die Frage vorlegen, welche Erziehungsmittel stehen mir zu Gebote, um bei meinem Kinde einen so nachhaltigen Eindruck zu erzielen, dass es zum Nachdenken über seine Fehler angeregt wird.

Eines der besten Hilfsmittel für solche Fälle besitzen wir vor allem in der Erzählung von lehrreichen Geschichten. Das Lesen von guten Büchern dient demselben Zeck und ist wohl im Stande, an ein Kinderherz zu rühren. Unvergleichlich größer ist die Wirkung, wenn man dem Kinde selbst Geschichten e r z ä h l t. Das lebendige Wort wirkt Wunder. Die einfache Geschichte, lebhaft und unterhaltend erzählt, bändigt den ärgsten Zappelphilipp. Schon deshalb ist die Erzählung wirkungsvoller als das Bücherlesen, weil einem beim mündlichen Erzählen die Möglichkeit gegeben ist, das zu Erzählende genau daraufhin zuzuschneiden, das es den Unarten und Untugenden und tadelswerten Charaktereigenschaften der kleinen Zuhörer angepasst ist.

Es liegt bestimmt auf der Hand, dass es von dem Kinde nicht so leicht wieder vergessen wird, wenn ihm in der lebendig erzählten Geschichte vor Augen geführt wird, wie das Gute belohnt, das Böse bestraft wird, oder was der Übeltäter alles zu leiden hat infolge seiner strafwürdigen Eigenschaften.

Es kann beispielsweise vorkommen, dass wir ein Kind trotz aller Ermahnungen den Fehler, zu naschen oder Unwahrheiten zu sagen, nicht ablegen, während man mit einer geschickt angepassten Erzählung, in der die gleichen Untugenden ihre Strafe finden, den kleinen Sündern zur Umkehr bringt, weil ihm deutlich die Folgen solcher Fehler vor Augen geführt werden. Da fast alle Kinder eine Vorliebe, dafür haben, ein und dieselbe Erzählung wieder und immer wieder vorgetragen zu hören, verstärkt sich durch diese Wiederholung die dabei zu erzählende Wirkung.

Es ist wohl zu verstehen, dass dem Kinde in dem Moment, wo es im Begriff steht, eine Urate zu begehen, der ihm in Mütterchens anschaulicher Erzählung geschilderte ähnliche Fall ins Gedächtnis kommt und als eine Art Gewissensmahner wirkt, der das Kind abhält, in einen schon so oft gerügten Fehler zu verfallen. Vielleicht wird manche Mutter einwerfen, es gäbe ihr das Erfindungstalent ab, und es sei ihr nicht gegeben, einen dem kindlichen Verstand sowie dem Charakter angepassten Stoff auszudenken und fesselnd weiterzugeben. Diese Besorgnis ist zumeist unnötig, da bei Kindern gerade die einfachste und schmuckloseste Geschichte, wenn es nur drollig erzählt wird, begeisterte Aufnahme finden wird, zumal wenn man einige Kunstgriffe nicht verschmäht, nämlich die handelnden Personen, mit verstellter Stimme möglichst naturgegeben wiedergibt, einen männlichen Helden in tiefen Bass und die Tierstimme je nach Eigenart sprechen lässt, z. B. ein kleines Mädchen mit hoher Stimme. Zwar besteht bei Pädagogen eine geteilte Meinung über den erzählerischen Wert einer Erzählung, in der das Gute sehen Lohn und das Böse seine Strafe findet, und es wird von manchen vorgezogen, das Kind nur durch Vorführung von guten Beispielen zum Guten anzuregen.

Ein Mittelding lässt sich dadurch finden, dass man es streng vermeidet, denn einen guten Einfluss kann es niemals auf ein Kind haben, wenn ihm solche schlechten Beispiele vorgeführt werden, wodurch es in Folge des allen Kindern angeborenen Nachahmungstriebs höchstens üble Sachen hinzulernt, also gerade das Gegenteil von erreicht wird, was man zu erreichen trachtet. Jedenfalls wenn die kleinen oder auch größeren Kinder bitten, erzähl uns eine Geschichte, und es wird ihnen Wunsche willfahren, so ist dies kein müßiger Zeitvertreib, sondern bei richtiger Auswahl des Stoffes kann eine harmlose, kunstlose Geschichten die Erziehungsarbeit wesentlich unterstützen. Hier biete sich einmal eine Gelegenheit, wo sich auch die Väter in der Kinderstube so recht erfolgreich betätigen können, indem sie der vielbeschäftigten Mutter das Amt des Erzählens abnehmen und dieser gemütlichen und gemütvollen Art des Kindererziehens öfter ein Stündchen widmen.

Corna ……………………………………………………………………………………………………

Wahre Geschichte von 1830, auf Friesischen Inseln der „Heilig Bewohnern“!

Viele kleine Dinge …………………………………………………………………………………

Kindergeschichte, ein armenisches Märchen.

Die Donnerkuhle …………………………………………………………………………………..

Eine Grusel-Geschichte für „Junge Leser!“

Der schiefgehörnte Elenbulle ………………………………………………………………..

Ellenbullen, Wölfen und Bären in Deutschland.

Das Wunder im Korn …………………………………………………………………………….

Geschichte von Mägden und Knechten der reichen Bauern.

Die Blutige Hand …………………………………………………………………………………..

Eine wahre Geschichte aus München vor ca. 100 Jahren

Der komplizierte Old Shatterhand ……………………………………………………….

Eine Schulgeschichte für „Junge Leser!“

Kiyo – die Schimpansen Frau ……………………………………………………………….

Wahre Geschichte eines Zirkus-Wild- Fänger!

Eine Storchengeschichte ………………………………………………………………………

Wahre Familie Geschichte vor langer Zeit.

Die Zigeunergeige …………………………………………………………………………………

Authentische Erzählungen aus einer Dorfschule.

Der Sarg ………………………………………………………………………………………………..

Geschichte aus dem „Wilden Westen“, für „Junge Leser!“

Eine Weihnachts- und Maigeschichte …………………………………………………..

Romantikische Liebesgeschichte.

Larrys Belehrung …………………………………………………………………………………..

Westerngeschichte zu Weihnachten für „Junge Leser!“

Das Weihnachtsgeschenk ……………………………………………………………………..

Weihnachten in Kalifornien.

Der Christbaum im Walde …………………………………………………………………….

Eine Weihnachtsgeschichte für „Jung und Alt!

Von Brauttränen,

Brautzucker und Christtaggeläuten ………………………………………………………

Liebesgeschichte und Romanze.

Doktor und Pastor ………………………………………………………………………………..

Weihnachtserzählung für „Junge Leser!“

Nachgedacht ………………………………………………………………………………………..

Corna

Wahre Geschichte von 1830,

auf den Friesischen Inseln der „Heilig Bewohnern“!

In rasendem Wettlauf stürmten die Fluten den Deich hinan, doch halb oben, ging ihnen der Atem aus und sie fielen in sich zusammen und zurück an die drängenden Kameraden. Dann tänzelten und hüpften auf dem tosendem Wellenkamme, kleine Schaumhäufchen daher, und eine urmächtige Wage erfasste sie mit ihrer wuchtigen Hand, und die eitlen zerschellten in tausend Sprühtröpfchen und legten sich wie Wassenschleier über den Damm. Und der mächtig Nordwind zerrte an dem Schleier und riss ihn auf und nieder und schleuderte ihn in hundert Fetzen de starrenden Menschen ins Gesicht. Die ganze Insel bebte und der Deich wankte in seinen Fugen. Solch eine Macht! Das pfiff und heulte und knurrte von allen Seiten, und das Klatschen und das Zischen war ein unheimliches Konzert. Die Fackeln zuckten bald grell auf, bald trieb der Wind nur schwelenden Dampf von ihren bechernden Köpfen. Die Leuchtraketen fahren zischend wie feurige Fäden in die tobenden Lüfte und warfen dann fahlen Schein in den Strudel. „Sie kommen! Sie kommen!“ schrie einer draußen an der Mole, aber der Wind nahm das Wort mit fort mit schrillen Hohnlachen, und die Wasser verschlugen gurgelnd seinen Schall. Und das war gut! Was sollten die sich am Deiche Hoffnung machen?

Zwei Stunden später warteten sie, zwei Stunden war das große Boot hinaus an das Wrack, das am Riff klebte. Die Weiber mit stierenden Blick und krummen Rücken, die Burschen stampfend und knirschend und die Kinder leise weinend, so starrten alle nach der See. „Sie kommen nicht wieder!“ Die alte Bark sagte es müde, die anderen schwiegen. Was sollen sie sagen? Das wusste ein jeder selbst. Was sollten sie klagen? Es wurde dadurch nicht besser. Vierzehn Männer vom Orte in einer Nacht! Und sie kamen nicht wieder, Stunden verrannen. Aus dem schäumenden Gesicht rang sich mühsam der Tag, ein fahler, grauer Tag. Noch immer polterte das Meer an die Weichen des Dammes. Doch der stand fest, und auf ihm die Witwen und Waisen der Hallig. Da fuhr ein Sonnenstrahl durch die geballten Wolken und huschten blitzschnell über das Wasser, er kletterte am schwarzen Riff empor und setzte sich oben fest wie ein Leite. Hundert Augen am Deiche folgen seinen Springen dann wandten sie sie ab, vom Wachen müde, von Tränen nass. „Das Wrack ist gesunken!“, „sie kommen nicht wieder!“, die unseren? Die Weiber und Kinder und Burschen drängelten zusammen, auch der von der Mole kam herein, und keines spricht ein Wort. Ob sie still beteten?! Ob sie still fluchten?! Solch stille Trauerfeier sieht die Hallig nicht selten.

Die See gurgelte matter und schlaffer, sie war des Tobens satt. Nur hier und da paarten sich noch Ungetüme Wellen zu wuchtigen Wogen. Der Wind sprang um und trieb die Wasser keck und sprang mitten unter die Weiber und legte ein Bündel vor ihre Füße. Ihre feuchten zinkenden Arme fuhren noch kosend über die nassen Flecken, dann krochen sie zurück, und scheu und schnell stürzten sie den Dam hinunter, als fürchten sie den Dank. Den Dank? Oder den Fluch?? Hundert Augen blickten auf das Bündel, und drinnen regte sich etwas, ein Ärmchen wühlte sich durch die Decken und griff in die Luft, und ein Köpfchen schob sich hervor, ein Köpfchen, um wirrt von tiefenden, tiefschwarzen Haarsträhnen, und ein dunkles Augenpaar wandte fragend von einem Antlitz zum anderen. „Ein Kind!!“ „Gott weiß, wie das am Leben blieb!“

„Was soll uns der Balg?!“ sagte verzweifelt die alte Braken, und ihre Stimme brach von der Wucht des Schmerzes. Mann und Sohn hatte ihr diese Nacht geraubt. Sie wandte sich und ging den Damm hinunter in ihre einsame Hütte. Und andere folgen Lästerworte murmelnd. Solch eine Nacht kann starke, warme, treue Seelen verfinstern! „Na, für unsere Männer solch Wurm!“ rief eine junge Frau halb wahnsinnig, und fluchend schüttelt sie die Faust gegen die grausame See. Gestern ward ihr der Mann angetraut, heut fraß ihn das gierige Meer. Das an das Land geworfene Kind lag aber noch immer am Strande und rief fremde Namen mit fremder Stimme. „Ein welches Kind!“ „Dankt dafür!! Wer ernährt die unseren?“ Da blickte sich die alte Witten, hob das Bündel auf und schritt damit den Deich entlang, und die anderen sahen ihr kopfschüttelnd nach. Der Damm lag verlassen. Die Möwen schossen vorüber. Hier und da stieß eine den Sand und fasste eine Muschel oder eine Krabbe, die jetzt mit anderen Getier in Unzahl den Strandbedeckten. In der alten Witten Hütte lag bleierne Sille. Der Findling schlief und die Alte stand davor und staunte mitleidsvoll auf das Kind. Nun ging sie still an ihre Arbeit, und dabei ran ihr Tränen aus den Augen. Das ist Bojens Nest! Der brauchst nicht mehr! Und das ist Onties Nest! Den hat´s auch draußen behalten in der letzten Nacht! Gott, was bist du für ein Gott! Raubst mit einem Schlage das Mannesvolk, das uns ernährt und wirfst uns dafür ein fremdes Kind ans Land! Und ihre schweren Gedanken konnten sich nicht zurechtfinden mit diesem Gott. Sie flickte weiter und legte Netz um Netz beiseite, und nun war sie fertig mit dem Flicken und fertig mit Denken. „Ein wunderlicher Gott: seufzte sie und faltete die Hände im Schoß und betete doch zu diesem wunderlichen Gott: „dass mir nicht wieder solche Gedanken kommen und tröste mit mir die Armen und Verlassenen im Orte!“ Da legte sich eine Hand auf ihrem Arm, eine kleine braune Kinderhand. „Was bin ich erschrocken, Kind!“ Sie hob das Mädchenhoch und betrachtete es von allen Seiten. “Vielleicht drei Jahre!“ dachte sie und redete um Frage um Frage an das Kind, doch das schluckte vor Tränen und rief fremde Worte und weinte und zeigte dann sich und sagte dabei Corna!“ So nannte es die Witten „Corna“ an und behielt es in ihrer Hütte. Die anderen aber im Dorfe blickten es schief von der Seite an. Lief es durch die Gassen und traf unter andere Kinder, so wichen die aus und ließen es stehen und die Kleine weinte. „Das dieses Kind und seine Leute schuld sind, dass ihr Waisen seid!“ Das hatten die Hallig Kinder hundertmal gehört. So blieb Corna eine Einsame. Sie vergaß bald ihre welschen Worte und sprach mit schwerer Zunge mühsam die Sprache der Hallig Bewohner. Jahr um Jahr verging, und Corna Witten hatte noch keine Freunde. Sie ward ein stilles, träumerisches Kind. Stundenlang saß sie am Deich oder an der Mole und starrte in die spielende See. Dann trappte sie scheu durch den Ort, warf wohl hier und da einen sehnsüchtigen Blick nach den Kindern, die im Kreise ihre Friesenspiele trieben und eilte hinweg und weinte vor Sehnsucht nach Kameraden und Spielerinnen.

„Wie oft sah man sie weinen!“ Sie weinte für sich und weinte mit anderen. Jeden Freudenschmerz ging ihr nahe und wenn sie jemand leiden sah, vergaß sie ihre Scheu und ging hin und tröstete mit plumpen, schweren Worten und fand sie keine, so weinte sie. Corna wuchs schneller als ihre Altersgenossen im Stranddorfe und wurde ein sehr schönes Mädchen. Ihr langes Jahr schimmerte blauschwarz und die mandelförmigen Augen funkelten aus dem brauen Antlitz. Noch mancher Sturm hatte an der Insel gerüttelt, noch mancher der Braven war draußen war geblieben, aber auch manch Schiffbrüchiger war eingeholt worden, in sicheren Hut. Aber nach ihr hatte all die vielen Jahre niemand gefragt. Sie wohnte noch immer bei der alten Witten, die nun schon uralt und längst keine Netze flicken konnte. Und was der Alten damals eine Last war, den Findling zu nähren, das wurde ihr jetzt ein Segen, denn Corna hegte die Witten wie ihre leibhaftige Mutter. Und was damals für die kleine Insel wie ein Hohn des Meeres erschien: für 14 Männer ein welches Kind, das war jetzt für die Hallig ein Geschenk, denn Corna war überall zur Hand. Wo eine Wöchnerin war und wo eine sterben wollte, wo Hunger an der Schwelle hockte und das Fieber sich schleichend in die Kammer machte, da half sie mit ihren weichen Händen und tröstete mit ihrer lieben Stimme. Aber viele ließen es nur geschehen, weil sie es brauchten, und viele dankten ihr es nicht und sahen sie gehen als kommen, denn der Aberglaube hat noch Heimatrecht hintern Deiche, und Corna war und blieb doch immer eine Angeschwemmte! Und vier Stunden im Wasser und nicht ertrunken!! Wie konnte das mit rechten Dingen zugehen?

Und das viele Weinen von den fremden Mädchen! „Sie weint über ihre eigene Verdammnis!“ hatte einst eine Weise beim Netzwaschen am Abend ausgeklügelt. Da nickten die anderen mit dem Kopfe. Corna mochte 17 Jahre alt sein. Da brachten die Lotzen drei Fremde ans Land. Die hatten im unteren Schiffbau gesessen und waren von dem Mannen des Schoners verlassen worden, denn sie hatten den Tod im Leibe, die Pest. Weit hinter dem Dorfe standen drei Hütten. Dorthin brachten die Lotzen die Kranken und blieben gleich selbst draußen, um die Ihrigen zu schonen.

Der Deichbevollmächtigte ging zur Hütte und bot Summe um Summe, aber keiner fand sich, der hinauswollte, die Kranken pflegen. Da machte er sich selbst auf und hatte doch sieben Kinder und ein Weib zu Hause und wusste, dass er nicht wieder heimkehren würde. Vor der Witten Hütte saß Corna und besserte Netze. „Wohin Bevollmächtigter?“ fragte sie freundlich. Der zeigte nach den Pesthütten. „Was gibt´s da draußen zu suchen, Bevollmächtigter?“ „Den Tod, Corna!“ und er Schritt weiter, aber Corna war ihm zur Seite, und als sie hörte, dass die draußen die Pest im Leibe hätten, hielt sie mit beiden Armen den Mann zurück und schon rieselten große Tränen aus ihren schwarzen Augen, sie dachte an das schwere Unglück für die Insel und Familie, wenn der pflichtgetreue Deichbevollmächtigte sterben würde. „Bleibt, Bevollmächtigter! Denkt an Eurer Weib und Eure Kinder! Aber ich will gehen. Und wenn ich draußen bleiben sollte, versteht Ihr, für immer, so findet Ihr wohl den Weg zur Mutter Witten und bringt ihr Brot und eine Milch, dass sie nicht sterbe.“ Und sie schritt hinaus stark und aufrecht. Drei Tage hörte man nichts von Corna, man trug Speise und Trank auf den Deich und Corna holte sie. Am vierten Tag stand der Korb noch unberührt am fünften kreisen die Krähen in trägem Tag um die Pesthütten. Still und heimlich wie Corna gekommen war, hatte sie sich wieder davongemacht. Auf ihrem Grabe steht ein schwarzes Kreuz und darauf in unbeholfenen Lettern: „Corna, ein welsches Kind. An den Strand geworfen am 11. Mai 1813, gestorben um Jesu willen am 27. August 1830. Die Hallig vergisst ihrer nie.“ Jetzt sprechen die Halligleute von Corna wie von einer Heiligen.

Viele kleine Dinge

Kindergeschichte.

„Hilfe, Hilfe!“ hört die Taube Talitu eine Kinderstimme rufen. Sie zieht einen Kreis in der Luft und schaut auf die Erde herunter. Sehen kann sie nichts. Kein Kind. Niemanden, „ich muss etwas tiefer fliegen“, denkt sie.

„Wer weiß, was da passiert ist.“ Da – jetzt hört sie die verzweifelte Stimme ganz deutlich: “Hilfe! Wer hilft mir?“ Erschrocken fliegt Talitu noch tiefer und setzt sich auf einem Brunnenrand. „Hier irgendwo muss es herkommen.“ Dann hört Talitu aus der Tiefe des Brunnens laut und traurig die Stimme eines kleinen Jungen: „Ich habe Angst! Es ist so dunkel hier unten. Hört mich denn keiner?“ „Ich muss ihm helfen!“ denkt Talitu. „Aber allein schaffe ich es nicht. Was kann ich nur machen?“ Talitu denkt nach und hat eine gute Idee. Plötzlich kann am Himmel eine große Taubenschar sehen. Alle wollten Talitu helfen. Wie? Jede Taube bringt im Schnabel einen Strohhalm mit und wirft ihn in den Brunnen.

Viele Tauben und viele, viele Strohhalme sind es. Sie fallen in das Wasser des Brunnens, und der Junge kann sich auf dem Stroh stellen. Immer mehr Strohhalme fallen vom Himmel. Immer mehr höher kann der Junge darauf stehen. „Ich kann schon etwas sehen! Den Himmel kann ich sehen! Und gleich die Sonne!“ ruft er den Tauben zu.

Und schließlich ist der Brunnen voller Stroh, dass er glücklich über den Brunnenrand klettern kann. „Danke! Vielen Dank, liebe Taube!“ ruft er und schaut zum Himmel. Die Tauben fliegen im Kreis, und es sieht aus, als würden sie den Jungen mit ihren Flügeln winken. Dann fliegen sie weiter – es kann ja sein, dass an einem anderen Ort ein anderes Kind ihre Hilfe braucht.

Die Donnerkuhle

Eine unheimliche Geschichte.