Heimatkinder 48 – Heimatroman - Ute Amber - E-Book

Heimatkinder 48 – Heimatroman E-Book

Ute Amber

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Beschreibung

Die Heimatkinder verkörpern einen neuen Romantypus, der seinesgleichen sucht. Zugleich Liebesroman, Heimatroman, Familienroman – geschildert auf eine bezaubernde, herzerfrischende Weise, wie wir alle sie schon immer ersehnt haben. Der Sonnwendhof stand auf ei­nem der schönsten Flecken des Berchtesgadener Lands. Sein Name hatte einen guten Grund. Seit Jahr­zehnten brannte auf der Anhöhe, unter der er stand, jährlich das Sonnwendfeuer. Dann kamen die Leute von weit und breit, und jeder bewunderte das stolze Anwesen. Generationen der Familie Traxl hat­ten es hier durch fleißiges Schaffen zu Wohlstand gebracht. Die Famili­en waren auch mild­tätig gewesen und hatten geholfen, wo es nötig war. Die vielen kleinen und oft auch armen Bewohner, waren nie vergeblich mit einer Bitte auf den Sonnwendhof gekommen. Das hatte sich geändert, seitdem Ferdinand Traxl den Hof bewirt­schaftete. Er war ein Geizkragen, einer, der nie genug kriegen konnte.

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Heimatkinder –48–

Das schwere Los der Mariann

Roman von Ute Amber

Der Sonnwendhof stand auf ei­nem der schönsten Flecken des Berchtesgadener Lands. Sein Name hatte einen guten Grund. Seit Jahr­zehnten brannte auf der Anhöhe, unter der er stand, jährlich das Sonnwendfeuer. Dann kamen die Leute von weit und breit, und jeder bewunderte das stolze Anwesen. Generationen der Familie Traxl hat­ten es hier durch fleißiges Schaffen zu Wohlstand gebracht. Die Famili­en waren auch mild­tätig gewesen und hatten geholfen, wo es nötig war. Die vielen kleinen und oft auch armen Bewohner, waren nie vergeblich mit einer Bitte auf den Sonnwendhof gekommen.

Das hatte sich geändert, seitdem Ferdinand Traxl den Hof bewirt­schaftete. Er war ein Geizkragen, einer, der nie genug kriegen konnte.

Für sein Gesinde und die Leute, die aus den umliegenden Orten zurAr­beit kamen, war es nicht erstrebens­wert sich beim Sonnwendhof-Bauer etwas Geld zu verdienen. Er trieb sie so an, daß er nur mehr der »ei­serne Ferdi­nand« genannt wurde. – Für seine sechsundzwanzigjähri­ge Tochter Mariann war es auch ein hartes Leben. An ihr ließ der Vater all seine Launen aus und sie konnte ihm nicht genug arbeiten. Immer wieder versprach er ihr, daß sie den Hof einmal übernehmen könnte, wenn sie sich seinen Wünschen an­paßte. Ihr um zwei Jahre älterer Bruder studierte in München. Auch das hatte der Vater so gewollt. Was seiner Familie immer gefehlt hatte, war ein Akademiker. Nun sollte es sein Sohn Leonhardt werden. Er selbst war davon nur deshalb begei­stert, weil er weitab vom Hof ein freies Leben führen konnte. So knauserig der jetzt sechzigjährige Bauer sonst war, sein Sohn kam nie vergeblich um Geld bitten.

Und er kam oft. Für ihn war es sein ganzer Stolz, daß er in München Kommilitonen freihalten konnte und dadurch Freunde gewann. Sich selbst ließ er auch nichts entgehen, er lebte lustig ­drauflos, wechselte die Mädchen wie die Hemden und kam sich als etwas Besonderes vor. Nicht viele konnten mit ihm mithalten. Auch auf Drängen des Vaters hatte er sich dafür entschieden, Tiermedizin zu studieren. Doch diese Fakultät sah ihn nicht oft. Es gab überhaupt nichts, nach dem er gestrebt hätte. Mit Gedanken über seine Zukunft plagte er sich nicht, dazu war die Gegenwart zu verführerisch für ihn. Er wirkte nicht wie einer aus den Bergen, sondern hatte bald verstanden, einen Stadtmenschen aus sich zu machen. Großgewachsen, stattlich, war ihm das nicht schwergefallen.

Mariann war von ganz anderer Art, bescheiden, fleißig und charakterfest. Sie konnte sich nicht vorstellen, einmal aus ihren geliebten Bergen wegzugehen. Trotz des Loses, das sie trug, war sie zu jedermann freundlich und steckte den Leuten oft etwas zu, von dem der Vater nichts wissen durfte. Und sie liebte. Aus ganzem Herzen ihre jetzt fünfjährige Gundel, ein uneheliches Kind, von dem der Vater nichts wußte. Daß das hatte geschehen können, war auch das Werk ihres Vaters.

Oft saß sie nach getaner Arbeit noch allein auf der Bank unter einem alten Lindenbaum und dachte an das zurück, was einmal ihr großes Glück gewesen war. Damals hatte sie den Knecht Lukas Buchwieser aus heißem Herzen geliebt. Er arbeitete auf einem Nachbarhof. Sie hatte gehofft, ihn heiraten zu können. Doch als sie schwanger gewesen war und das ihrem Vater anvertraut hatte, hatte sie sich ihm so fügen müssen, wie sie es von Kindheit an gewohnt war. Die Mutter, ganz unter dem Einfluß des Vaters, hatte ihr auch zugeredet, auf Lukas zu verzichten. Der Vater, immer von dem überzeugt, was er bestimmte, hatte gesagt, lieber ein uneheliches Kind auf dem Hof, als einen armen Schlucker als Schwiegersohn. Und Lukas Buchwieser war arm gewesen. In einem entfernteren Ort lebte seine Mutter in kleinstenVerhältnissen, seinVater war schon vor Jahren gestorben. Nein, so einen Schwiegersohn hatte der Sonnwendhof-Bauer nicht brauchen können. In dem Bewußtsein seines Besitzes war er sicher gewesen, daß noch Geld zu Geld kommen würde, wenn sich Mariann eines Tages für einen der wohlhabenden Bauernsöhne aus der Umgebung entschied. Warum sollte der sich dann an einem Kind stoßen, wenn er eine bildhübsche Frau in Mariann bekam und auf dem Anwesen der Bauer werden konnte?

Diese Rechnung des Alten vom Sonnwendhof war bisher nicht aufgegangen. Wen er auch seiner Tochter zugeführt hatte, die Freier waren wieder abgesprungen. So freundlich Mariann zu anderen Leuten war, sobald sich ein Mann um sie bemühte, konnte sie unnahbar, ja sogar abstoßend sein. Sie wollte keinen ungeliebten Mann. Dazu liebte sie Lukas immer noch zu sehr, obwohl sie von ihm nichts mehr gehört hatte. Seitdem sie auf Drängen ihres Vaters mit ihm gebrochen hatte, war er auf einen Hof weit ab vom Berchtesgadener Land gegangen.

Mariann hatte niemanden, der ihr zur Seite stand. Ihre Mutter war inzwischen gestorben. Sie war eine Frau gewesen, die unter der Härte ihres Mannes immer gelitten hatte. Seit ihrem Tod lastete noch mehr auf Mariann. Zwar stand ihr im Haushalt die alte Barbara bei, aber es blieb noch mehr als genug zu tun. Besonders, da sie auch die kleine Gundel nicht vernachlässigen wollte. Das kleine Mädchen wurde von allen geliebt, die auf den Sonnwendhof kamen. Mit so glänzendem hellbraunem Haar wie ihre Mutter und tiefblauen Augen war sie ein allerliebstes Mädchen und sehr lebhaft. Daß der Großvater nicht viel für sie übrig hatte, daran war sie gewöhnt. Sie ging ihm meistens aus dem Weg, weil ihr seine grantige Art fremd war. Sie selbst lachte gern, hatte meistens einen übermütigen Streich im Sinn und hatte das Glück, daß die Mutter mit ihr lachte. Das konnte Mariann aus Liebe zu ihr, so schwer auch das Leben meistens war.

Es war im zeitigen Frühjahr, als der Vater sie wieder einmal bearbeitete, endlich zu heiraten. Er lachte nur bösartig darüber, wenn sie sagte: »Ich heirate nur einen Mann, den ich von Herzen liebe.«

Vor kurzem hatten er und der Steininger-Bauer beschlossen, ihre Kinder miteinander zu verheiraten. Der Steininger-Bauer hatte einen Zweitgeborenen, den Lenz, der auch ein schönes Erbteil mitbekommen würde. Das gefiel natürlich dem Alten vom Sonnwendhof. Noch immer war seine Devise, daß Mariann reich heiraten sollte. Lenz’ Vater hatte beteuert, daß seinen Sohn die kleine Gundel nicht stören würde, auch wenn man nicht wußte, wer ihr Vater war.

Mariann wußte, worum es ging, als ihr Vater den Lenz einlud. Wie vorher schon bei anderen Bewerbern wappnete sie sich gegen den Steiningersohn.

Dann aber war sie überrascht, ein wie angenehmer Mensch er war. Er bedrängte sie in keiner Weise, ja, er ließ durchblicken, daß sein und Marianns Vater die Kuppler waren. Mariann konnte den Eindruck haben, daß Lenz auch nicht glücklich darüber war, auf Befehl heiraten zu sollen. Als er zum drittenmal kam und sie mit ihm allein war, sagte sie geradeheraus: »Mach’ dir keine Hoffnungen auf mich, Lenz. Ich denk’ nicht daran, mich verheiraten zu lassen.«

Lenz, ein mittelgroßer, aber stämmiger Mann, sah sie erleichtert an und gestand: »Ich auch nicht, Mariann. Ich hab’ ein Madl, das mir sehr lieb ist. Sie wär’ die richtige Frau für mich. Mit ihren fünfundzwanzig Jahren würde sie gut zu mir passen; ich bin jetzt dreißig. Und sie hat mich auch sehr gern. Nur, meinem Vater würde sie nie als Schwiegertochter passen, weil sie in unserem Ort nur als Magd gearbeitet hat. Jetzt hat sie gar keine Stelle und sucht verzweifelt eine neue. Ihre Eltern sind ganz kleine Leute, ein Erbteil hat sie nicht zu erwarten. Das geht natürlich meinemVater gegen den Strich. Er will unbedingt, daß ich hier im Sonnwendhof einheirate. Dein Vater hat ihm das sehr schmackhaft gemacht.«

»Für dich wär’s ja auch gut, Lenz, hier als Bauer schaffen zu können, aber damit müßt ich einverstanden sein, und das bin ich nicht. Ich werd’ es also so machen, wie schon vorher, ich werd’ dich abweisen. Aber du gefällst mir, weil du so ehrlich bist. Ich möcht’ dir helfen. Wie heißt das Madl, das du liebst?«

»Afra.«

»Und sie sucht eine Stelle? Ich könnt’ noch gut eine Magd brauchen. Schick’ sie zu mir. Das überläßt mir ja mein Vater, Gesinde einzustellen.Wenn deine Afra sich hier wieder ihr Brot verdienen kann, wird es für euch vielleicht leichter. Und du kannst sie jederzeit besuchen.« Jetzt lachte Mariann etwas hinterhältig. »Warum sollen wir diesen Kupplern von Vätern nicht ein Schnippchen schlagen? Mich würd’s freuen. Sollen sie denken, daß du zu mir kommst, in Wirklichkeit triffst du dich mit deiner Afra.«

»Das würdest du bewerkstelligen?« Lenz’ Augen glänzten vor Freude.

»Ja, du mußt eben mittun. Aus uns beiden wird nix, Lenz, weil wir’s beide nicht wollen. Also, schick die Afra zu mir. Hier wird sie’s gut haben, dafür kann ich sorgen. Und verlier’ nicht den Mut. Ihr werdet schon noch zusammenkommen, wenn’s bei euch eine echte Lieb’ ist.«

»Die ist’s«, beteuerte Lenz.

Schon wenige Tage später kam Afra, um sich vorzustellen. Sie war ein liebenswertes blondes Mädchen, dicke Zöpfe um den Kopf geschlungen und mit tiefblauen Augen, von Anfang an bereit, gute Arbeit zu leisten.

Der Alte vom Sonnwendhof kümmerte sich nicht darum, daß Mariann eine neue Magd eingestellt hatte. Es war immer Mangel an Gesinde, und darum wollte er sich nicht sorgen.

Afra wußte, welchen Pakt ihr geliebter Lenz und Mariann geschlossen hatten. Sie verhielt sich unauffällig. Auch dann, wenn Lenz vorbeikam. Aber sobald er sich von Mariann und ihrem Vater verabschiedet hatte, blieb er noch in der Nähe, um sich am späten Abend mit seiner Afra zu treffen. So kamen sie beide zu den Liebesstunden, die sie so sehr ersehnten.

Mariann freute das. Obwohl sie selbst nicht glücklich sein durfte, gönnte sie doch anderen ihr Glück. Ja, es machte ihr geradezu Spaß, es zu fördern. Und sie war wieder einen Freier los. Noch immer dachte sie nicht daran, sich verkuppeln zu lassen. Lieber wäre sie immer ledig geblieben und hätte nur für ihr Kind gelebt. Selbst das war schon schwierig genug, weil der Vater sie über die Maßen ausnutzte. Meistens mußte sie auch mit auf die Felder hinaus und dort gab es harte Arbeit. Immer wurde es später Abend, bis sie sich etwas Ruhe gönnen konnte.

Nach zwei Monaten hatte Lenz bei seinem Vater noch immer nicht erreicht, daß er heiraten konnte, wen er wollte. Der bestand darauf, daß es Mariann sein mußte. Da sein Sohn so oft auf den Sonnwendhof ging, glaubten er und Marianns Vater, daß alles im Lot war. Sie warteten nur noch auf den Tag, an dem das Paar erklären würde, daß es heiraten wollte.

Lenz und Afra aber hielten das nicht mehr aus. Sie vertrauten sich wieder Mariann an und ließen sie wissen, daß sie die Heimat verlassen wollten, um anderswo zusammensein zu können und sich ein Leben aufzubauen, wie sie es sich wünschten. Das hieß, für Lenz, daß er auf das Erbe von seinem Vater würde verzichten müssen. Aber das wollte er in Kauf nehmen. Er fürchtete es nicht, irgendwo als Knecht arbeiten zu müssen. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, war ihm diese Arbeit nicht fremd. Und Afra war auch bereit, sich wieder als Magd zu verdingen. Mariann rührte die Liebe, sie stand auch jetzt den beiden bei.Was sie von ihrem Haushaltsgeld abzweigen konnte, bekamen sie. Und dazu dasVersprechen, daß sie jederzeit einspringen würde, wenn es nötig war.

Eines Morgens war Afra verschwunden und der Steininger­Bauer kam aufgeregt auf den Sonn­wendhof, um Ferdinand Traxl zu berichten, daß auch sein Sohn verschwunden war. Er hatte eine Nachricht hinterlassen, daß es für ihn nur Afra gäbe, aber niemals Mariann, und daß er deshalb den elterlichen Hof verließ.

Der Sonnwendhof-Bauer war wütend. Er tobte eine Viertelstunde lang, bevor er nach Mariann rief. Sie kam aus der Küche, wohlwissend, was dieser Tobsuchtsanfall zu bedeuten hatte. Aber sie brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, sie hatte nur zwei Liebenden geholfen.

Sofort schrie der Vater sie an: »Wieso hast du diese Afra eingestellt? Wußtest du, daß sie Lenz’ Liebste ist?«

»Ja, Vater, das wußte ich.« Das sagte Mariann mit klarer, fester Stimme.

»Dann hast du also den beiden geholfen, hier immer wieder zusammenzukommen?«

»Ja, Vater, das habe ich.« Mariann sah drein, als sei sie noch kein bißchen unruhiger geworden.

»Aber dich sollte doch Lenz heiraten«, schrie derVater.

Der Steininger-Bauer stand ihm bei. »Ja, ihr solltet ein Paar werden.«

»Wir wollten das aber nicht.«

»Und warum nicht?« Ferdinand Traxls Gesicht war rot angelaufen.

»Weil wir einander nicht lieben. Wir mochten uns, gut, aber Lenz war schon vergeben. Und von mir, Vater, weißt du ja, daß ich mich nicht verkuppeln lasse.«

»Eine bessere Partie hätten weder Lenz noch du machen können.« Der Vater, eben aufgesprungen, ließ sich wieder in einen Sessel fallen.

»Das mag sein, Vater, aber wir wollten diese Partie beide nicht. Beruhige dich. Es bekommt dir nicht, dich so aufzuregen.«

»Was kümmert dich das? Du hast alle meine Pläne zerschlagen. Wen soll ich dir denn noch ins Haus führen, damit du endlich unter die Haube kommst?«

»Ich sehne mich nicht danach, Vater.« Mariann wandte sich an den Steininger-Bauern. »Nun laßt Lenz und Afra doch glücklich werden, es gibt so wenig Glück auf der Welt. Bei uns hier im Sonnwendhof ist es auch nicht zu Haus’. Kann ich jetzt wieder gehen? Ich muß aufs Feld hinaus, um den Leuten ihre Brotzeit zu bringen.«

»Ja, scher dich zum Teufel.« Ferdinand Traxls Stimme überschlug sich, er sprang auf und sank dann gleich wieder mit einem lauten Ächzen zurück. Sein Gesicht verzerrte sich, und der Steininger-Bauer schrie: »Mariann, Madl, das kann ein Schlaganfall sein.«

Mariann lief zu ihrem Vater und versuchte, ihn im Sessel aufzurichten, doch er sackte immer wieder zusammen.

Da lief sie hinaus. »Ich ruf’ den Doktor«, war von ihr nur noch zu hören.

Der Hausarzt Dr. Haflauer konnte schnell im Sonnwendhof sein, weil eine befahrbare Straße zu ihm führte.

Was Mariann und der Steininger-Bauer befürchtet hatten, bestätigte der Arzt. Ferdinand Traxl hatte einen leichten Schlaganfall erlitten. Die Sprache hatte er behalten. Dadurch konnte er seine Tochter anklagen, daß nur sie an seinem Schlaganfall schuld sei. Sie schwieg dazu. Zu sehr war sie es gewohnt, daß der Vater ihr in allem, was auf dem Hof passierte, die Schuld zuschob. Er tat ihr sogar leid. Mit der Hilfe des Steininger-Bauers brachte sie ihn ins Bett. Der Arzt versprach, am nächsten Tag wiederzukommen. Als er von einer Einweisung ins Krankenhaus sprach, wehrte sich der Betroffene ganz entschieden. »Wozu ist meine Tochter da?« fragte er. »Sie kann mich pflegen.«

*

Zur selben Zeit, als der Sonnwendhof-Bauer für seine eiserne Härte einen Denkzettel bekommen hatte, suchte sein Sohn Leonhardt nach drei Barbesuchen noch eine Diskothek auf. Ihm machte es nichts aus, die Nacht zum Tag zu machen. Zum einen war er das gewohnt, zum anderen mußte er in dieser Nacht viel Alkohol in sich hineinschütten, um zu vergessen, was passiert war. Er war beim Examen durchgefallen. Ihn selbst hätte das nicht sonderlich gestört, aber wie sollte er das seinem Vater beibringen? Ihm, der ihn unbedingt als Akademiker hatte sehen wollen. Und der dafür immer wieder viel Geld berappt hatte. Es mußte alles geschehen, um den Alten bei Stimmung zu halten.

In der Diskothek tanzte Leonhardt ein paarmal mit einem Mädchen, das ihm sehr gut gefiel. Zwar meinte er, seit kurzem in festen Händen zu sein, aber auf einen Treuebruch mehr oder weniger kam es ihm nicht an. So umschwenzelte er das Mädchen, von dem er nur den Vornamen Monika kannte, so lange, bis es sich bereit erklärte, ihm in seine Wohnung zu folgen.

Es war beinah heller Morgen, als sie in der Diskothek aufbrachen. Draußen fragte Monika: »Soll ich fahren? Ich habe nicht so viel getrunken wie du.«