Heller als alle Sterne - Dani Atkins - E-Book

Heller als alle Sterne E-Book

Dani Atkins

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4,99 €

Beschreibung

Stell dir vor, du erwachst aus einem tiefen Schlaf – und für alle anderen sind 10 Jahre vergangen … Der gefühlvoll-dramatische Kurzroman »Heller als alle Sterne« spielt 10 Jahre nach den Ereignissen aus »Sag ihr, ich war bei den Sternen«, ist aber auch unabhängig lesbar. Zum zweiten Mal geschieht ein Wunder für Maddie Chambers: Nach 10 Jahren erwacht sie erneut aus dem Koma. Doch während Maddie kein Gefühl für die Zeit hat, die verstrichen ist, hat sich die Welt um sie herum so sehr verändert: Ihre kleine Tochter Hope ist mittlerweile ein Teenager, und Maddies Eltern sind in einem Alter, wo sie selbst langsam Unterstützung benötigen. Zum Glück ist da noch Mitch – aber kann er wirklich jemanden lieben, der 10 Jahre seines eigenen Lebens verpasst hat? Maddie braucht Mut, um herauszufinden, was das Leben noch für sie bereithält, jetzt, da sie wieder daran teilnimmt. Bestseller-Autorin Dani Atkins beweist auch in diesem anrührenden Kurzroman, dass sie eine Meisterin der ganz großen Gefühle ist. Entdecke auch die anderen dramatisch-gefühlvollen Romane von Dani Atkins: • Die Achse meiner Welt • Die Nacht schreibt uns neu • Der Klang deines Lächelns • Sieben Tage voller Wunder • Das Leuchten unserer Träume • Sag ihr, ich war bei den Sternen • Wohin der Himmel uns führt • Bis zum Mond und zurück

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Seitenzahl: 122

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Dani Atkins

Heller als alle Sterne

Roman

Aus dem Englischen von Anne-Marie Wachs

Knaur eBooks

Über dieses Buch

Als hätte Maddie eine besondere Verbindung zu Wundern, erwacht sie tatsächlich zum zweiten Mal aus dem Koma. 10 Jahre hat sie in tiefem Schlaf verbracht und jegliches Gefühl für Zeit verloren. Für alle anderen hat sich die Welt weitergedreht – ihre Tochter Hope ist mittlerweile ein Teenager, die Liebe ihres Lebens, Ryan, ist immer noch mit einer anderen Frau verheiratet und ihre Eltern sind gealtert und bräuchten selbst langsam Unterstützung. Zum Glück gibt es Mitch, der Maddie zu jedem kleinen Schritt zurück ins Leben ermutigt – aber wie kann man sich fallenlassen und sorglos strahlend ins Leben springen, wenn man schon zweimal rausgeworfen wurde?

Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 1

»Nur noch einen, dann machen wir Schluss.« Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter, eher in Strömen als in feinen Rinnsalen, und der vor mir liegende Treppenabschnitt erinnerte mich mehr an den Mount Everest als an die dreizehn Stufen, die mich ins nächste Stockwerk des Krankenhauses führen würden.

»Das ist doch sonst immer mein Spruch«, entgegnete Duncan, mein Physiotherapeut. Er stand neben mir und beobachtete skeptisch, wie schwer ich atmete. »Sie haben schon vier Treppenabsätze geschafft. Das reicht für heute.«

Ich schüttelte den Kopf. Der Schweiß brannte mir in den Augen, und meine Haare klebten unangenehm im Nacken, weil ich vergessen hatte, mir einen Pferdeschwanz zu machen. War ich für so langes Haar inzwischen zu alt? Ich fühlte mich immer noch wie Mitte zwanzig, auch wenn meine Geburtsurkunde etwas ganz anderes behauptete.

»Noch dieses Stück«, sagte ich zu Duncan und wartete keine Antwort ab, sondern nahm die Stufen in Angriff.

»Sie sind die dickköpfigste und ehrgeizigste Patientin, die mir bisher untergekommen ist«, grummelte Duncan nicht ohne Wohlwollen und ging langsam neben mir die Treppe hinauf, wobei er genauestens darauf achtete, ob ich stolpern und ihm damit recht geben würde. Ich trieb mich härter an, als er es je getan hätte, härter noch als Heidi, meine frühere Therapeutin – und die hätte selbst einen Marinesoldaten das Fürchten gelehrt.

Als wir den oberen Treppenabsatz erreicht hatten, griff ich gierig nach der Wasserflasche, die Duncan mir hinhielt, und lehnte mich erschöpft an die Wand.

»Warum machen Sie das, Maddie?«, fragte er mich, nicht zum ersten Mal. »Warum haben Sie es so eilig?«

Ich kippte die halbe Flasche in mich hinein und begegnete dann seinem Blick. Er wusste die Antwort. Jeder im Krankenhaus wusste sie. Ja, verdammt, wahrscheinlich kannte sie die halbe Stadt, zumindest wenn die Leute die Nachrichten verfolgten. Vor siebzehn Jahren war ich nur wenige Tage vor meiner Hochzeit und schwanger von einem Van angefahren worden und lag danach sechs Jahre lang im Koma. Als ich erwachte, erfuhr ich, dass mein Kind den Unfall wie durch ein Wunder in meinem Bauch überlebt, mein Verlobter Ryan aber inzwischen eine andere geheiratet hatte. Meine Tochter Hope nannte eine andere Frau »Mummy«. Nur ein gutes Jahr hatte ich Zeit gehabt, meine kleine Tochter kennenzulernen, als ich aus ungeklärter Ursache erneut ins Koma fiel, das diesmal zehn Jahre dauerte.

Es gibt zahlreiche Gründe, aus denen ich lieber berühmt wäre als ausgerechnet aus diesem. Ich hätte es vorgezogen, wenn mein Name in Medizin-Lehrbüchern stünde, weil ich ein Mittel gegen Krebs gefunden hätte. Stattdessen tauchte er in Kapiteln über Komafälle auf, bei denen die Patienten nach sehr langer Zeit erwachten, und mein Fall stellte sich dann beim Weiterlesen auch noch als besonders interessant heraus, da ich nicht nur einmal im Koma gelegen hatte, sondern zweimal.

»Du bist ein bisschen wie Harry Potter, findest du nicht?«, hatte Hope letztens gesagt, als sie auf der Kante meines Krankenhausbetts saß und mit ihren unglaublich langen Beinen baumelte.

»Du meinst, ein Zauberer?«

Sie biss ein beachtliches Stück von dem leuchtend roten Apfel ab, den sie sich aus meiner Obstschale gegriffen hatte, und erinnerte dabei mit ihrer porzellanweißen Haut und ihren langen, dunklen Haaren derart an Schneewittchen, dass ich zweimal hinsehen musste.

»Nein, berühmt«, nuschelte sie mit vollem Mund, wofür Chloe, die Frau, die für Hope die letzten siebzehn Jahre lang eine Mutter gewesen war, sie sicher zurechtgewiesen hätte, wäre sie dabei gewesen. Ich sagte nichts. »Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich die Tochter von Maddie Chambers bin, dann wissen alle, wer das ist. Wenn Harry ›der Junge, der überlebte‹ ist, dann bist du ›die Frau, die schlief‹.«

»Na ja, jetzt bin ich ja wieder wach«, hatte ich geantwortet und nach Hopes Hand gegriffen, denn ich würde niemals müde werden, sie zu halten. Innerlich klopfte ich mir selbst dafür auf die Schulter, nicht »Fürs Erste bin ich ja wach« gesagt zu haben, wie ich ursprünglich vorgehabt hatte.

Diesmal war ich langsamer aufgewacht, als wäre mein Körper sich nicht ganz sicher gewesen, ob er es noch einmal versuchen wollte. Nach dem ersten Koma hatte ich die Augen geöffnet und war sofort wieder voll da. Aber dieses Mal war es, als hätte ich zunächst ganz vorsichtig einen Zeh in die Welt des Wachseins getaucht. Ich war, vermutlich über mehrere Wochen, in einem dichten grauen Nebel dahingetrieben, hatte Dinge aus der Außenwelt gehört und gerochen, die ich mit in die Tiefe genommen hatte, an den Ort des Dämmerschlafs.

Die Stimmen waren es gewesen, die mich zurückgeholt hatten, die Stimme meines Vaters und, noch kräftiger, eine, die ich nicht kannte und die mich mit »Mum« anredete. Ich hatte auch Parfümduft wahrgenommen, der hin und wieder in mein Bewusstsein driftete, und eine große, tröstende Hand, die manchmal meine hielt. Aber ich hatte keine Ahnung, wer diese Menschen waren.

 

»Ich wünschte, ich hätte eine befriedigende Erklärung für Sie parat«, hatte der leitende Oberarzt einen Tag vor meiner Entlassung mit sichtlichem Bedauern gesagt. »Ihr Fall bleibt einer der rätselhaftesten, der uns je untergekommen ist.«

»Und keine Ihrer Untersuchungen hat Licht in die Sache gebracht?«, hatte ich traurig gefragt und erkannte bereits am langsamen Kopfschütteln des Arztes, dass dem nicht so war.

»Ich weiß, das letzte halbe Jahr war frustrierend für Sie, aber wenn wir Sie noch weitere sechs Monate hier im Haus behalten würden, wüssten wir vermutlich immer noch nicht mehr darüber, weshalb Sie ein zweites Mal ins Koma gefallen sind, und auch nicht den Grund, wieso Sie zehn Jahre später auf wundersame Weise wieder aufwachten. Es gibt immer noch so vieles am menschlichen Gehirn, das wir nicht verstehen. Als Sie vor siebzehn Jahren von diesem Lieferwagen angefahren wurden, ist mit Ihrem Gehirn etwas höchst Ungewöhnliches geschehen, für das wir immer noch keine Erklärung haben.«

»Und was mache ich jetzt? Wer sagt mir, dass es nicht noch mal passiert, dass es zu keinem dritten Koma kommt?«

Im Lauf der Zeit hatte ich mit vielen Ärzten zu tun gehabt und dabei gelernt, dass sie es auf den Tod nicht leiden können, wenn man ihnen Fragen stellt, auf die sie schlicht keine Antwort haben. Mein jetziger Arzt war da keine Ausnahme.

»Wir wissen es nicht.«

 

»Freuen Sie sich schon auf zu Hause?«, fragte mich Leah, eine meiner Lieblings-Krankenschwestern, die in meinem Zimmer vorbeischaute, um sich an meinem letzten Vormittag auf der Station von mir zu verabschieden.

»Natürlich«, antwortete ich und setzte ein Lächeln auf. Meine Sachen hatte ich auf dem Bett zu einem kleinen Stapel aufgetürmt, der genau wie ich darauf wartete, abgeholt zu werden. Ich gab Leah die Antwort, die sie hören wollte; die Wahrheit – nämlich dass ich mich vor einer Welt fürchtete, die sich ohne mich weitergedreht hatte – behielt ich lieber für mich.

Mehrere Menschen aus meinem Umfeld hatten sich angeboten, mich am Tag meiner Entlassung vom Krankenhaus abzuholen. Mitch, mein guter Freund und Vermieter; mein Vater, der es schon einmal vor elf Jahren übernommen hatte; und selbst Ryan, der Mann, den ich geliebt und dann verloren hatte, während ich zum ersten Mal schlief. Doch letztendlich gab es nur eine Person, auf die ich mich stützen wollte, nämlich die Frau, die sich ihrerseits auf mich gestützt hatte, als sie selbst eine traumatische Krankheit durchgemacht hatte. Chloe. Die Frau, die den Mann geheiratet hatte, den ich einst liebte; die meinem Kind eine Mutter gewesen war und zugleich, was noch bemerkenswerter war, meine engste Freundin.

»Du wohnst natürlich bei uns«, hatte Chloe in ihrer bestimmten, entschlossenen Art gesagt, als ich ihr erzählte, dass ich entlassen werden sollte. Diese Taktik funktionierte vielleicht bei unserer gemeinsamen Tochter, bei mir dagegen … nicht so ganz.

»Ähm, das ist wirklich nett von dir, Chloe, aber ich glaube, eher nicht.«

Chloe schien völlig baff, als hätte sie keine Sekunde lang daran gezweifelt, dass ich ihr Angebot annehmen würde, und fuhr sich entnervt mit der Hand durch das Haar. In ihrem blonden Bob waren inzwischen ein paar Silberfäden zu sehen, und vielleicht war sie bei ihrer kleinen Statur im Laufe der letzten zehn Jahre etwas kurviger geworden, doch sie sah immer noch ganz so aus wie die Frau, die das Herz meines früheren Verlobten gewonnen hatte. Neben ihr kam ich mir kantig und unweiblich vor.

»Warum willst du denn nicht zu uns kommen?«

Weil ich es in einer Freundschaft, speziell unserer, zu viel verlangt finde, in einem Haus zu übernachten, das meins hätte sein können, wenn die Würfel anders gefallen wären. Ich antwortete stattdessen mit einer Gegenfrage. »Und was hält Ryan von der Idee, dass ich in euer Gästezimmer einziehe?«

Sie war knallrot geworden, was ihr gar nicht schlecht stand. Ich hatte ganz vergessen, wie oft ihr das passierte. »Er findet sie super.« Chloe war in vielen Dingen gut, aber Lügen gehörte definitiv nicht dazu.

»Tut er nicht«, hatte ich entschieden widersprochen.

Sie war zusammengezuckt, als wäre ich ihr auf den Fuß getreten. Es musste unsagbar frustrierend sein, wenn jemand den eigenen Ehemann beinahe so gut kannte wie man selbst.

»Okay, vielleicht hatte er ein, zwei Vorbehalte«, räumte sie ein. »Aber es ist wichtiger, dass du einen Platz hast, wo du unterkommen kannst und wo man sich um dich kümmert.«

Ich hatte so heftig den Kopf geschüttelt, dass mein langer, dunkler Pferdeschwanz nach links und rechts peitschte.

»Wenn die Ärzte finden, dass ich fit genug bin, um entlassen zu werden, dann bin ich auch fit genug, um allein zu wohnen.«

»Und wo genau wäre das?«, hatte sie wissen wollen, in schärferem Ton, als ich es von ihr in Erinnerung hatte.

»Ich finde schon was.«

Doch letztlich war das gar nicht nötig gewesen. Ich hatte gerade damit begonnen, im Internet Wohnungsangebote anzuschauen und hin und her zu wischen wie in einer Dating-App, als ein Schatten auf meinen Laptopbildschirm fiel. Ich saß auf dem Besucherstuhl neben meinem Bett. Der Stuhl war nicht besonders niedrig, und doch schien es eine Weile zu dauern, bis mein Blick von den Stiefeln in Übergröße über die langen, dunklen Jeans und das karierte Holzfällerhemd, das er so gern trug, hochgewandert war und ich endlich bei seinem Lächeln anlangte. Zumindest nahm ich an, dass er lächelte. Mitchs Bart und sein Haar schienen sich einen Wettstreit zu liefern, wer mehr von seinem Gesicht verdeckte. Was wirklich sehr schade war, denn es war ein durchaus gut aussehendes Gesicht.

»Planst du einen Hauskauf?«, fragte er, drückte mir einen Kuss auf die Wange und legte mir gleichzeitig einen Strauß Sonnenblumen auf den Schoß.

Ich betrachtete sie. »Du musst in den letzten zehn Jahren Unsummen ausgegeben haben für all die Sonnenblumen aus der Gärtnerei deiner Freundin.«

Mitch war ebenfalls jemand, der leicht errötete, noch leichter als Chloe. Ein Problem, das er nach all den Jahren, die ich geschlafen hatte, nach wie vor nicht im Griff hatte.

»Nicht wirklich. Die kriege ich zum Freundschaftspreis.«

Ich glaubte ihm kein Wort, und um ehrlich zu sein, war ich immer noch ein wenig überwältigt davon, dass Mitch mir, während ich im Koma lag, bei jedem Besuch Blumen gebracht hatte. Jede Woche. Sonnenblumen waren »unser Ding« gewesen und würden es immer bleiben. Er war ein wunderbarer Freund, und ich konnte mich glücklich schätzen, ihn zu haben.

»Warum guckst du dir dann Immobilienangebote an?«, fragte Mitch, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. Das Schaumstoffpolster protestierte leise unter seinem Gewicht.

»Ich muss mir eine neue Bleibe suchen«, sagte ich und klappte den Laptop zu.

Mitch runzelte die Stirn, und seine kräftigen Augenbrauen zogen sich zu einer Monobraue zusammen.

»Was stimmt denn mit der jetzigen nicht?«

Ich schaute mich in dem kleinen Krankenzimmer um, das der Ort war, an dem ich seit dem Auszug bei meinen Eltern mehr Zeit verbracht hatte als irgendwo anders. »Sie schmeißen mich hier endlich raus.«

Mitch schüttelte den Kopf. Mit seinem strubbeligen Haar, das dringend einen Friseurbesuch gebraucht hätte, erinnerte er mich an einen Bären, der eine Wespe verscheuchen wollte. »Ich meine nicht das Zimmer hier. Ich meine die Wohnung meiner Großmutter – oder eher deine Wohnung. Warum willst du da ausziehen?«

 

»Ich kann nicht glauben, dass er die Wohnung all die Jahre für dich hat leer stehen lassen«, sagte Chloe, während sie den Wagen geschickt in eine kleine Parklücke direkt vor dem großen, viktorianischen Haus manövrierte. Durch die Windschutzscheibe betrachtete ich das Gebäude, das ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte, und Mitchs Großzügigkeit wurde mir erneut in ihrem ganzen Ausmaß bewusst.

»Ich auch nicht. Es muss ihn ein Vermögen gekostet haben, die Wohnung unvermietet zu lassen, während ich im Krankenhaus lag. Ich hab ihm angeboten, ihm die entgangene Miete nachzuzahlen.«

»Wirklich? Das würde doch sicher einen großen Teil der Auszahlung deiner Versicherung auffressen? Was hat Mitch dazu gesagt?«

Ich verzog das Gesicht. »Na, was glaubst du wohl? Natürlich hat er abgelehnt.«

Als wir aus dem Wagen stiegen, fühlte sich die Sonne auf meinem Rücken wie eine warme Umarmung an. Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr ich das einfache Vergnügen vermisst hatte, frische Luft zu atmen, und ich musste mich zurückhalten, sie nicht mit gierigen Zügen einzusaugen. Am offenen Kofferraum griffen Chloe und ich gleichzeitig nach meiner Reisetasche, aber Chloe war einen Tick schneller als ich, und so ließ ich sie die Tasche den schwarz-weiß gepflasterten Weg zu meiner alten Erdgeschosswohnung entlangtragen. Ich hatte hinten im Wagen nicht nur mein Gepäck, sondern auch noch zwei stabile Pappkartons gesehen; einer enthielt Reinigungsutensilien, im anderen waren Lebensmittel.

»Die hol ich später«, sagte Chloe. Sie hatte ein merkwürdiges Funkeln in den Augen, das sehr wahrscheinlich von der Vorfreude herrührte, heute mit mir den Schmutz von zehn Jahren zu beseitigen. Ich verkniff mir ein amüsiertes Lächeln. Dafür, dass wir beide so viel gemeinsam hatten, waren wir doch auch sehr verschieden.