Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk - Hugo Ball - E-Book

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk E-Book

Hugo Ball

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Beschreibung

In "Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk" beleuchtet Hugo Ball das komplexe Leben und die beeindruckende literarische Karriere eines der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ball kombiniert biografische Erzählung mit literaturwissenschaftlicher Analyse und bietet einen tiefen Einblick in Hesses Gedankenwelt, seine stilistischen Entwicklungen und die kulturellen Kontexte, in denen seine Werke entstanden sind. Dieser Ansatz erlaubt es dem Leser, die vielschichtigen Themen wie Identität, Spiritualität und den Kampf mit der eigenen Künstlerseele, die Hesses Schriften durchziehen, besser zu verstehen. Hugo Ball, als Mitbegründer des Dadaismus und selbst ein bedeutender Poet, bringt seine eigene kreative Perspektive in die Analyse Hesses ein. Durch seine Erfahrungen als Schriftsteller und seine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Strömungen, werden Bälle's Überlegungen von einem tiefen Verständnis für den literarischen Ausdruck geprägt. Seine Verbundenheit zu Hesse, der auch die Fragen der Kunst und des Individuums thematisierte, wird durch persönliche Einblicke und sorgfältige Forschung untermauert. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für jeden, der sich für Hermann Hesse interessiert, sei es aus literarischem oder philosophischem Blickwinkel. Balls detaillierte Analyse sowohl von Hesses Lebensgeschichte als auch seines Werkes bietet eine wertvolle Ressource für Studierende der Literatur und Hesse-Enthusiasten, die ein tieferes Verständnis für den Autor und seine zeitlosen Themen anstreben. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Hugo Ball

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk

Bereicherte Ausgabe.
Einführung, Studien und Kommentare von Frank Busch
EAN 8596547759218
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen der gelebten Biografie eines Schriftstellers und der inneren Wahrheit seines Werkes spannt sich in Hugo Balls Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk jener prüfende Bogen, der aus Nähe nicht Verklärung, sondern Erkenntnis gewinnt, die Versuchungen der Hagiografie meidet, das fragile Gleichgewicht von Persönlichkeit, Zeitgeschichte und poetischer Eigenständigkeit tastend erkundet und dabei zeigt, wie aus Konflikten, Krisen und stiller Beharrlichkeit eine unverwechselbare Stimme entsteht, deren Resonanz weit über ihre Entstehungszeit hinausreicht und die Frage stellt, wie sich individuelles Gewissen, künstlerische Form und gesellschaftliche Zumutungen zu einer verantworteten, zugleich freien Existenz verschränken lassen.

Das Buch ist eine literarische Biografie und kritische Monografie zugleich, verfasst von dem Dichter und Essayisten Hugo Ball, und erschien 1927, also in den späten Jahren der Weimarer Republik. Sein Schauplatz ist weniger ein geografischer Ort als der deutschsprachige Kulturraum, in dem Hermann Hesse lebte und publizierte, mit Blick auf Erfahrungen in Deutschland und der Schweiz. Ball verbindet Lebensbeschreibung mit Werkdeutung, ohne die Gattungsgrenzen streng zu ziehen, und verortet Hesses Entwicklung im geistigen Klima der frühen Moderne. Dadurch entsteht ein zeitnahes Porträt, das die Entstehungsbedingungen von Hesses Schreiben erfahrbar macht, ohne sich in dokumentarischer Detailfülle zu verlieren.

Ausgangspunkt ist die Suche nach den prägenden Stationen und inneren Beweggründen eines Autors, dessen Werk bereits zu Lebzeiten breite Aufmerksamkeit fand. Ball erzählt nicht im Ton eines distanzierten Archivars, sondern in einer reflektierten, zugleich nahen Stimme, die Beobachtung und Urteil sorgfältig austariert. Sein Stil ist essayistisch, von feinen Übergängen und klaren Zuspitzungen getragen; der Ton bleibt respektvoll, ohne Scheu vor kritischer Präzision. Leserinnen und Leser begegnen einer Darstellung, die biografische Konturen skizziert, Leitmotive beleuchtet und Lesarten anbietet, jedoch den interpretatorischen Raum offen hält. So entsteht ein anregendes, konzentriertes Leseerlebnis, das Vertrauen in die eigene Urteilskraft stärkt.

Methodisch verschränkt Ball biografische Vignetten mit werknahen Betrachtungen, sodass Lebensumstände, ästhetische Entscheidungen und geistige Einflüsse in wechselseitiger Beleuchtung sichtbar werden. Seine zeitgenössische Perspektive erlaubt es, Hesses Entwicklung ohne spätere Legendenbildung zu betrachten und die Nuancen eines Entstehungszusammenhangs zu würdigen, der von künstlerischer Suche und gesellschaftlichem Wandel geprägt ist. Analytische Passagen wechseln mit kontemplativen Momenten; Charakterzüge werden nicht festgeschrieben, sondern als Spannungsfelder skizziert. Dadurch entsteht eine ruhige, aber wache Bewegtheit, in der das Porträt weder ins Psychologisieren kippt noch sich in theoretischen Modellen verliert, sondern das konkrete Lesen der Texte zum Leitfaden seiner Einsichten macht.

Im Zentrum stehen Themen, die Hesses Schreiben durchziehen: die Selbstsuche des Individuums, die Spannung zwischen Freiheit und Bindung, die Rolle von Naturerfahrung und Kunst als Räume der Sammlung sowie die Frage, wie Bildung mehr sein kann als Anpassung. Ball zeigt, wie sich diese Motive in poetischen Formen verdichten und als wiederkehrende Konstellationen auftreten, ohne sie auf einfache Formeln zu reduzieren. Er interessiert sich für Übergänge, Wendepunkte, Reifungen, für das Ringen um eine Sprache, die innerer Wahrhaftigkeit verpflichtet bleibt. Dabei öffnet die Studie den Blick auf ein Ethos künstlerischer Verantwortung, das ästhetische Form und Lebensführung zusammen denkt.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Buch relevant, weil es an eine Haltung erinnert, die Selbstprüfung und Weltbezug miteinander vermittelt. In einer Gegenwart, die von Beschleunigung, pluralen Zugehörigkeiten und widersprüchlichen Erwartungen geprägt ist, gewinnt Hesses Frage nach der Einheit des Lebens erneut Gewicht; Balls Darstellung liefert hierfür ein präzises, differenzierendes Koordinatensystem. Sie ermutigt, innere Maßstäbe auszubilden, ohne gesellschaftliche Verantwortung abzustreifen, und zeigt zugleich, wie literarische Formen Räume der Freiheit eröffnen können. Wer Hesse bereits kennt, findet hier Orientierung; wer ihn neu entdeckt, erhält eine kundige Einladung, die Komplexität ohne vorschnelle Schlüsse zu durchschreiten.

Diese Einleitung versteht Balls Buch als prägnante Wegzehrung: eine Einladung, Hesses Lebensspuren und poetische Entscheidungen im Wechselspiel zu lesen, ohne das eine dem anderen zu opfern. Man erfährt, wie sorgfältige Lektüre Deutungen ermöglicht, die weder endgültig sein wollen noch beliebig bleiben, und wie die Balance von Empathie und Kritik zu klareren Einsichten führt. Erwartet werden dürfen ein souveränes Maß, eine ruhige Intensität und die Bereitschaft, Ambivalenzen auszuhalten. Wer sich darauf einlässt, entdeckt weniger eine fertige Legende als einen offenen Prozess – und gewinnt ein Instrumentarium, Hesses Texte erneut aufmerksam und eigenständig zu befragen.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Hugo Ball zeichnet in seiner frühen Monografie Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk ein knappes, zugleich essayistisches Porträt des Autors und ordnet dessen Schaffen in die geistige Landschaft seiner Zeit ein. Als Zeitgenosse beschreibt Ball den Gang von Leben und Werk nicht getrennt, sondern als wechselseitige Entfaltung. Die Darstellung folgt einer klaren Linie: biografische Stationen dienen als Anlass, zentrale Themen, Formen und Wandlungen der Dichtung zu erläutern. Dabei richtet Ball den Blick weniger auf anekdotische Details als auf die Entwicklung einer Haltung, die Hesses Bücher trägt: die Suche nach Selbstprüfung, Menschlichkeit und geistiger Unabhängigkeit.

Zu Beginn skizziert Ball die Herkunft aus schwäbischem, religiös geprägtem Milieu und zeigt, wie frühe Spannungen zwischen innerem Berufungsgefühl und institutionellen Erwartungen Hesses Selbstverständnis prägen. Lehrjahre im Buchhandel und erste dichterische Versuche werden als Schule der Genauigkeit und des Maßes gelesen. In diesen Jahren verankern sich Motive, die später wiederkehren: der Drang nach Eigenständigkeit, die Bindung an Natur- und Kunst-Erfahrungen, das Ringen um eine sinnstiftende Lebensform. Ball zeichnet dies ohne Ausschmückung nach und leitet daraus die Grundspannung ab, die seine Analyse begleitet: die Auseinandersetzung des Einzelnen mit Konvention, Pflicht und dem Wunsch nach innerer Freiheit.

Aus dieser Konstellation entwickelt Ball die erste Werkphase: erzählerische und lyrische Arbeiten, die mit einfachen Mitteln von Wanderschaft, Freundschaft, Kunstliebe und Alltagsprüfungen handeln. Er betont die formale Klarheit, die Hesse mit einer bewusst unaufdringlichen Symbolik verbindet. Der Erfolg beim Publikum erklärt sich für Ball weniger aus sentimentaler Gefälligkeit als aus einer disziplinierten Sprache, die seelische Konflikte durchsichtig macht. In den Analysen treten bereits die Leitfragen hervor, die Hesses Prosa antreiben: Wie lässt sich Individualität bewahren, ohne die Bindung an Menschen zu verlieren? Wie gelangt Erfahrung zu Reife, ohne in Erstarrung oder bloße Anpassung umzuschlagen?

Im Zentrum der weiteren Darstellung steht die Erschütterung der Kriegs- und Nachkriegszeit, die Ball als entscheidenden Wendepunkt beschreibt. Öffentliche Stellungnahmen und persönliche Krisen verschieben den Schwerpunkt vom harmonischen Erzählen hin zur psychologischen Selbsterkundung und zur Kritik an verengten Zeitideologien. Für Ball führt dies zu dichterischen Verfahren, die innere Spaltungen, Prüfungen und Grenzgänge betonen. Er zeigt, wie Hesse Konflikte nicht durch äußere Handlungslösungen, sondern durch Bewusstseinsveränderungen bearbeitet. Damit gewinnt das Werk an symbolischer Dichte und geistiger Strenge, ohne den Anspruch preiszugeben, allgemein verstehbar zu bleiben und an elementaren Erfahrungen des Lesens und Lernens anzuknüpfen.

Ein eigenes Gewicht legt Ball auf Hesses Öffnung zu außereuropäischen Denkformen, insbesondere zu indischen und ostasiatischen Traditionen. Diese Begegnungen versteht er nicht als exotisches Beiwerk, sondern als Mittel, das Thema der inneren Wandlung neu zu fassen. Er hebt parabelhafte Erzählweisen hervor, die Einfachheit und Kontemplation verbinden, und verfolgt, wie Begriffe von Gelassenheit, Balance und Übung das frühere Ideal der Selbstbildung verwandeln. Zugleich hält Ball fest, dass Hesses Dichtung in europäischer Sprache, Formdisziplin und Moral sensibel bleibt. Die Bewegung nach außen wird so zur Bewegung nach innen, ohne in weltanschauliche Eindeutigkeit zu münden.

Aus den Einzelanalysen gewinnt Ball eine zusammenhängende poetologische und ethische Deutung. Hesses Literatur artikuliert einen dauernden Konflikt zwischen Künstlertum und bürgerlicher Ordnung, Einsamkeit und Bindung, Selbsttreue und Verantwortung. Stilistisch sieht Ball eine bewusst einfache, doch musikalisch rhythmisierte Sprache, die Symbol und Alltagsrede ineinanderführt. Er verortet Hesse zwischen romantischer Überlieferung und moderner Nüchternheit und skizziert das literarische Umfeld, in dem diese Position Kontur gewinnt. Wo Einwände gegen gefühlige Töne denkbar sind, betont Ball das untergründige Maß und die Strenge der Haltung. So entsteht das Bild eines Autors, der Popularität mit ernsthafter geistiger Arbeit zu verbinden sucht.

Im Ausblick bündelt Ball seine Beobachtungen zu einer vorsichtig formulierten Geltung: Hesses Werk erscheine als Angebot, die Krise der Moderne durch Selbstprüfung, Mitmenschlichkeit und geistige Disziplin zu beantworten. Die Biografie dient dabei nicht der Heroisierung, sondern der Verständnishilfe für eine fortlaufende Entwicklung. Der Schluss bewahrt Offenheit für künftige Wandlungen und lädt zu weiterer Lektüre ein, statt sie durch abschließende Urteile zu ersetzen. Damit wirkt Balls Buch doppelt: als historisches Dokument einer frühen Rezeption und als anregende, noch heute lesbare Einführung in die leitenden Ideen von Leben und Werk, ohne spätere Entwicklungen vorwegzunehmen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Hermann Hesse (1877–1962) wuchs in Calw im württembergischen Pietismus auf; prägend waren die Missions- und Bildungstraditionen seiner Familie (Großvater Hermann Gundert) sowie das Evangelische Seminar Maulbronn. Der Buchhandel in Tübingen wurde zu seiner praktischen Schule, bevor er als Schriftsteller hervortrat. In der Schweiz fand er seit 1912 (Bern) und ab 1919 (Montagnola, Tessin) dauerhafte Arbeits- und Lebensräume; 1923 erhielt er das Schweizer Bürgerrecht. Den historischen Rahmen seiner frühen Rezeption markierten die kulturellen Institutionen des deutschsprachigen Raums und des Schweizer Exils. Aus diesem Milieu heraus verfasste Hugo Ball (1886–1927), Mitbegründer des Zürcher Dada, die Studie Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk.

Vor dem Ersten Weltkrieg etablierte sich Hesse mit Peter Camenzind (1904), Unterm Rad (1906), Gertrud (1910) und Geschichten wie Knulp (1915). Diese Werke verhandeln Bildungsideale, künstlerische Berufung und den Konflikt zwischen individueller Entfaltung und gesellschaftlicher Anpassung in einem sich modernisierenden Kaiserreich. Literarisch knüpft Hesse an romantische und bürgerlich-realistische Traditionen an, zugleich öffnet er sie für eine introspektive, psychologisch präzise Prosa. Sein Weg führte aus Calw und Tübingen über Basel nach Gaienhofen am Bodensee, wo er eine schriftstellerische Existenz absicherte. Verlage wie S. Fischer boten ihm ein stabiles Forum; Zeitschriften wie Die Neue Rundschau verbreiteten seine Texte.

Der Krieg von 1914 markierte eine Zäsur. In Bern, wohin Hesse 1912 gezogen war, opponierte er publizistisch gegen chauvinistische Töne, etwa mit dem Aufruf O Freunde, nicht diese Töne! (1914), wofür er heftig angegriffen wurde. Militärdienst blieb ihm aus gesundheitlichen Gründen versagt; stattdessen engagierte er sich in einer Hilfsstelle für deutsche Kriegsgefangene in der Schweiz. Die Erfahrungen von Entfremdung, politischer Spaltung und persönlicher Krise prägten sein Bild in der deutschen Öffentlichkeit. Sie verschoben zugleich den Schwerpunkt seines Schreibens von idyl­lischen Landschaften hin zu innerer Not, Selbstprüfung und ethischer Verantwortung insgesamt.

Zwischen 1916 und 1919 suchte Hesse psychologische Hilfe, unter anderem in der Analyse bei dem Jung-Schüler J. B. Lang; später stand er auch in Kontakt mit C. G. Jung. In Montagnola im Tessin schrieb er Demian (1919, als Emil Sinclair), Klingsors letzter Sommer (1920), Siddhartha (1922) und bereitete mit Tagebüchern und Essays die geistigen Hintergründe von Der Steppenwolf (1927) vor. Seine Lektüren indischer und chinesischer Weisheitslehren – in der Familie präsent durch Missionserfahrung und Sprachstudien – verbanden sich mit einer Kritik an bürgerlicher Konventionalität. 1923 nahm er die Schweizer Staatsbürgerschaft an, was seine politische Distanzierung vom Nationalstaat bekräftigte.

Hugo Ball, 1886 in Pirmasens geboren, war Schauspieler, Theatermann, Publizist und 1916 Mitbegründer des Cabaret Voltaire in Zürich, Keimzelle des Dadaismus. Im Schweizer Exil profilierte er sich als Kritiker des deutschen Militarismus; 1919 erschien seine Schrift Kritik der deutschen Intelligenz. 1920 konvertierte er zum Katholizismus und zog sich mit Emmy Hennings in den Tessin zurück. Ball stand mit Hesse in Verbindung; beide verbanden pazifistische Grundhaltungen und die Suche nach geistiger Erneuerung jenseits nationalistischer Ideologien. Aus dieser Nähe erwuchs sein Interesse, Hesses Lebensweg und Werkentwicklung zeitnah, mit Blick auf die Zäsuren seit 1914, zusammenhängend darzustellen.

Seine Studie Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk erschien 1927, im Jahr von Balls Tod. Sie bündelt biografische Stationen Hesses mit interpretierenden Kapiteln zu den Hauptwerken bis in die frühen 1920er Jahre. Ball schreibt essayistisch und ohne akademischen Apparat; er stützt sich auf zeitgenössische Veröffentlichungen und genaue Lektüre der Texte. Der Band entstand zu einer Zeit, in der Hesses kriegskritische Haltung in Deutschland kontrovers diskutiert wurde, während er in der Schweiz kontinuierlich publizieren konnte. Die Studie ist damit auch ein Zeitdokument, das Werk- und Wirkungsgeschichte im unmittelbaren Nachkriegs- und Weimarer Kontext zusammenführt.

Im Spiegel von Balls Darstellung werden zentrale Bewegungen der Zeit sichtbar: Jugendbewegung und Lebensreform, die Rezeption indischer Philosophie im deutschsprachigen Raum, die Ausbreitung psychoanalytischer Selbstdeutung, die Ernüchterung der Nachkriegsjahre und die Suche nach individueller Freiheit gegenüber Massengesellschaft und ideologischer Vereinnahmung. Ball verortet Hesse in einer Traditionslinie von Romantik und Bildungsroman, zeigt aber die Modernität einer Prosa, die Krisen- und Übergangserfahrungen literarisch fasst. Spoiler vermeidend lässt sich sagen: Die Auswahl der Werke und Motive dient Ball dazu, Wandlungen eines Autors zu beleuchten, der seine Ethik der Selbstprüfung zunehmend über nationale Loyalitäten stellt.

Als zeitgenössische Monografie bildet das Buch ein frühes, kompaktes Resonanzfeld für Hesses Werk in der Weimarer Epoche und im Schweizer Kontext. Es kommentiert indirekt die geistige Lage Europas nach 1918, indem es Hesses ästhetische und ethische Antworten bündelt. Spätere Entwicklungen – etwa Hesses Nobelpreis für Literatur 1946 – lagen noch außerhalb seines Horizonts, doch die Studie markiert bereits jene Konstellationen, die Hesses weltweite Wirkung vorbereiteten: der Dialog mit Asien, die Kritik an Konformismus, die Vorrangstellung des Gewissens. So fungiert Balls Buch gleichermaßen als Biografie, Werkdeutung und als Dokument einer kritischen Gegenöffentlichkeit.

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk

Hauptinhaltsverzeichnis
Das Vaterhaus
Die Kindheit
Kloster Maulbronn
Tübinger Goethestudien
Hermann Lauscher und Peter Camenzind
Gaienhofen am Bodensee
Demian
Siddhartha
Klingsors letzter Sommer
Kurgast und Steppenwolf

Das Vaterhaus

Inhaltsverzeichnis

Hermann Hesse ist geboren am 2. Juli 1877 in dem württembergischen Städtchen Calw an der Nagold[1q]. Beide Eltern waren nicht Schwaben von Geburt. Johannes Hesse, der Vater des Dichters, war seinen Papieren nach russischer Untertan, aus Weißenstein in Estland; seine Familie kam dorthin aus Dorpat und hat baltisches Gepräge; der älteste nachweisbare Familienahn kam aus Lübeck und war hanseatischer Soldat. Die Mutter des Dichters, Marie Gundert-Dubois, Tochter von Dr.Hermann Gundert-Dubois, wurde als Missionarstochter geboren in Talatscheri (Ostindien). Dem Blute und Temperamente nach kommt ihre Mutter, eine geborene Dubois, aus der Gegend von Neuchâtel und aus calvinistischer Winzerfamilie.

Die von dem hanseatischen Soldaten Barthold Joachim stammenden Hesses (Vater und Sohn) zeigen einen schmalen, eher schmächtigen Typus von zartem Gliederbau; sie haben blaue, scharfe Augen und helles Haar; angespannte, habichtartige Gesichtszüge und in der Erregung spitzige, rückwärtsfliehende Ohren. Sie zeigen gefaßte Haltung, bei seelischer Berührung Schüchternheit, die sich überraschend in jähen Zorn wandeln kann; zähes, stilles, geduldig zuwartendes Wesen und Neigung zu einer edlen, ritterlichen Geselligkeit. Die Dubois (Mutter und Tochter) sind klein und schmal von Statur. Sie haben engsitzende, feurig-dunkle Augen; lebhaftes, nervöses, sanguinisches Temperament. Sie sind religiös verschwärmt und von innerer Glut verzehrt: heroische Frauen in ihren Vorsätzen und Zielen, in ihrer Hingabe und Leidenschaft; hochgemut bis zum Empfinden ihrer Überlegenheit und ihres Isoliertseins, milde aber und gütig in ihrem Werben um die ihnen Anvertrauten, worunter sie keineswegs nur die eigene Familie verstehen, sondern weit darüber hinaus die Familie der Menschenbrüder und -schwestern, die Gemeinde der gleich ihnen Opferbereiten, der Auserwählten und Heiligen.

Beide Großväter des Dichters, von Vater- und von Mutterseite, tragen den Vornamen Hermann, und es dürfte schwer zu entscheiden sein, an welchen der beiden man bei der Taufe des Dichters vorzüglich dachte; denn beide diese Großväter waren, jeder in seiner Weise, bedeutende und originelle Männer, die nicht nur ihre engere Umwelt und ihren Familienkreis, sondern durch gelehrte und menschliche Eigenschaften die breite Öffentlichkeit beschäftigten; Männer, über die sehr lesenswerte Memoiren im Druck, ja in mehreren Auflagen erschienen sind. Die 342Seiten starke Biographie des Missionars und Indologen Dr.Hermann Gundert hat den Vater des Dichters selbst zum Verfasser; sie erschien 1907 als 34.Band der »Calwer Familienbibliothek«. Erinnerungen an den Großvater väterlicherseits, den Kreisarzt und Staatsrat Hermann Hesse in Weißenstein, veröffentlichte mit einem Geleitwort des Dichters 1921 eine Nichte des Kreisarztes, die Sängerin Monika Hunnius. Beide Großväter erreichten ein hohes Alter und nahmen innig noch an der Entwicklung ihres heute gefeierten Enkels Anteil. Der Dr.Gundert starb achtundsiebzigjährig in Calw; der Kreisarzt Hesse überbot ihn noch um fünfzehn Jahre, als er mit dreiundneunzig in Weißenstein das Zeitliche segnete.

Hier ist zunächst über Gundert mancherlei zu sagen. Sein Name ist aufs engste mit der evangelischen Kirchengeschichte des Schwabenlandes verbunden. Seine Vorfahren, der »Schullehrer Gundert« und der »Bibelgundert«, waren im ganzen Neckarlande wohlbekannte Persönlichkeiten. Hermann, des »Bibelgundert« Sohn, studierte in Maulbronn und Tübingen und geriet zeitweilig unter den heftigen Einfluß des damaligen Repetenten am Tübinger Stift[2], David Friedrich Strauß. Er bekehrte sich zwar bald wieder vom Junghegelianismus zu den pietistischen Neigungen seiner Familie, vermochte aber zeitlebens der kritischen Einwände und Anregungen jener Strauß, Bauer und Feuerbach nicht zu entraten.

Dr. Hermann Gunderts Jugend ist durchwirkt von den antichristlichen Beänstigungen, die Napoleons Auftreten im Gefolge hatte, und von den damit korrespondierenden frommen Erwartungen einer Wiederkehr des Messias Jesu, der sein Volk ins himmlische Jerusalem führen wird. Mit Freuden folgt er einundzwanzigjährig dem Werberuf eines englischen Fabrikanten Groves, der künstliche Gebisse herstellt, diese seine irdische Beschäftigung aber stets mit einem Zuge zum Jenseits und zur Verbreitung des Evangeliums in den indischen Kolonien zu vertauschen geneigt ist. Als Hauslehrer wandert der junge Dr.phil. nach England, von dort mit seinem Brotherrn und Protektor nach Bombay, nach Ceylon, nach Malabar. Auf diesen Reisen entdeckt er seine Sprachbegabung. Im Handumdrehen lernt er einige fünf oder sechs indische Dialekte, die er bald derart beherrscht, daß er in Hindostani, in Malajalam, in Sanskrit den Eingeborenen zu predigen, später sogar indische Gelehrte zu beschämen vermag.

Er wird einer der ersten Pioniere der pietistischen Mission in Indien und, aus dem englischen Dienst in denjenigen der Basler Mission[1] übertretend, deren wichtigster Vertreter bei der Missionierung von Malabar. Dort, unter Hindus und Mohammedanern, vermählt er sich mit Julie Dubois, die ebenfalls, von Neuchâtel aus, dem Grovesschen Kreise sich angeschlossen hatte und als Vorsteherin von Mädchen- und Fraueninstituten die Missionssorgen teilt. Dort, in Malabar, werden seine Kinder geboren, darunter Maria Hesse, die Mutter des Dichters, die als echte Dubois, nachdem sie herangewachsen, an den Erziehungsarbeiten unter den Eingeborenen teilnimmt und sich in erster Ehe mit dem indischen Missionar Isenberg verheiratet.

In den sechziger Jahren zurückgekehrt, läßt Dr.Gundert sich von seinen Basler Freunden nach Calw beordern. Er hat den Auftrag, dort zu einem Dritteil seine Zeit den wichtigen indologischen Studien, besonders der Fertigstellung seines Malajalam-Lexikons zu widmen, ein Werk, an dem er im ganzen etwa dreißig Jahre gearbeitet hat und das von der englischen Regierung mit einem Ehrensolde bedacht wird. Die zwei übrigen Drittel seiner Arbeitskraft sollen dem Calwer Verlagsverein und dessen dermaligem Vorstand Dr.Barth zur Verfügung stehen.

In Calw lernt Dr. Gundert zu seinen drei Weltsprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) und den inzwischen an Zahl noch vermehrten indischen Dialekten einige zehn weitere Sprachen hinzu, deren Grammatik ihn in lebendigster Weise beschäftigt. In Calw widmet er sich neben der überseeischen Mission mit ganzer Hingabe auch der inneren[2q]. Er hält Betstunden, Missionspredigten, besucht Kongresse, redigiert Propagandablätter, empfängt Besuche aus aller Welt: gelehrte, exotische, pietistische Besuche. Er hat eine Audienz beim König, steht mit den bedeutendsten Persönlichkeiten des evangelischen und philologischen Lebens in Austausch, liest hundert Revuen, druckt sehr bedeutsam kirchengeschichtliche, exegetische und Übersetzungswerke, um sich schließlich, von seinem Biographen mit einem breiten, ruhig fließenden Strome verglichen, nach jener einen Wurzel der Realitäten zu sehnen, die er in allen Sprachen der Welt gesucht und vielleicht schon gefunden hatte.

Von ganz anderer, nicht weniger origineller, nicht weniger reicher Begabung in menschlichen und göttlichen Dingen ist der russische Staatsrat und Kreisarzt Hermann Hesse. Ist für den einen der Großväter die Studierstube bezeichnend, die wie ein Bergwerk aussah, wo Schichte um Schichte liegt; wo über dem bücherbeladenen Sofa, über dem ebenso dicht mit Briefen, Handschriften und Blättern beladenen Schreibtisch die Bilder der Missionskoryphäen hingen, so bezeichnet den anderen Ahnherrn der parkähnliche Garten, »der schönste Garten, den ich je gesehen«, wo es in einem Meer von Rosen, Lilien, Malven und wohlriechenden Erbsen, zwischen ungezählten Beerensträuchern, Grasplätzen und Obstbäumen, unter alten Linden, Tannen und Ahornkronen nicht weniger sachkundig und selbstsicher zuging als in der Studier- und Redaktionsstube des Calwer Verlagsvereins.

Dieser andere Großvater ist ein ungeheuer lebendiger, witziger, fröhlicher Mensch, allem Akten-, Streber- und Beamtenwesen tief abgeneigt. Durch Goßners Bibel wird er in die seligen Bereiche eingeführt. »Gott selbst trat mir nahe und redete aus seinem Wort mit mir.« Nach Weißenstein zieht er als junger Arzt, ohne auch nur einen Rubel Einnahme in Aussicht zu haben. Die kleine öde Stadt mit dem Aussehen einer sibirischen Strafkolonie vermag ihn nicht abzuschrecken. Eine Freude im heiligen Geist bewegt sein Herz und ordnet die Widerstände. Die religiöse Erweckung war auch in Weißenstein soeben eingezogen. Um Pfingsten angekommen, kann er im Herbst schon ein Haus kaufen und seinen Garten anlegen. Als seine Frau niederkommt, bieten drei Ammen sich freiwillig an; es regnet vom Himmel. Losung am 2.Juni: »Sie sollen erfahren, daß ich, der Herr, ihr Gott bin.« Jeden Montagabend, so notiert er selbst, wird beim Dr.Hesse eine Bibelstunde gehalten.

Auch dieser Ahn also ist Pietist. Aber keineswegs kopfhängerisch und menschenscheu; auch nicht in Probleme versponnen und die Einheit der Erscheinungen suchend, sondern offen und hell allem Segen der Kreatur und der Offenbarung des Herrn in Menschen, Tieren und Pflanzen ergeben. Als Grenzpionier und Kolonisator bewahrt er sein hanseatisches Wesen im russischen Amt, wie der andere Großvater seine schwäbische Art in englischen Diensten. Er ist der Gründer des Studentenchors Livonia und liebt es als solcher, Choräle singen zu lassen, indes man die Bowle serviert. Bei den Gebetsstunden, die er selbst, nicht etwa der Geistliche oder der Organist des Städtchens abhält, erscheinen ohne Unterschied die Barone der Umgebung wie die Handwerksmeister und -burschen der Nachbarschaft. Man muß bei diesen Gebetsstunden oft herzlich lachen über die naive, direkte, urwüchsige Art des Herrn Doktor; denn es kann ihm bei seiner Hitzigkeit begegnen, daß er den falschen Spruch anzieht, wie er seine Patienten mitunter von einem gesunden statt vom kranken Zahne befreit. »Mein Heiland«, sagte er, »liebt frohe Kinder, und warum soll ich denn nicht lachen und jubeln, da ich so reich bin, weiß ich doch, daß ich meinen Heiland habe.«

Mit fünfzig Jahren noch läuft er Schlittschuh; schon in den Achtzigern, findet man ihn zum Entsetzen hoch oben im Gipfel eines Apfelbaums, wo er im Begriff ist, einen Ast abzusägen, den er, als Fallschirm benutzend, beim Sturz mit herunterbringt. 1847 wird als letztes von fünf Kindern des Dichters Vater geboren, der elf Jahre später nach Reval ins Haus des Barons von Stackelberg gebracht wird. 1868 reist Großvater Hermann nach Worms, wo er mit Kaiser Wilhelm und dreißigtausend Deutschen das Lutherdenkmal einweihen hilft; dann nach Basel, wo er seinen inzwischen Missionar und Lehrer der Basler Mission gewordenen Herzens-Johannes umarmen kann. Am 11.August dieses Jahres nämlich war Johannes in Heilbronn zum Missionsprediger ordiniert worden, kaum einundzwanzig Jahre alt.

Im Geburtsjahr des Dichters feiert Großvater Hesse sein 50.Doktorjubiläum: »Man hat mir Ehre und Liebesbeweise gegeben ohne Maß. Es kamen die Kameraden aus Dorpat alt und jung mit Fahnen und Ehrengeschenk. Es waren hundert Personen versammelt. Nach den An- und Dankreden haben wir gesungen: Nun danket alle Gott. Es war nichts als Liebe und Freude nach dem Burschenrezept: Gott lieben macht selig, Weintrinken macht fröhlich, drum liebe Gott und trinke Wein, dann wirst du fröhlich und selig sein.«