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Herobrine kennt kein Erbarmen! Der legendäre Herobrine will das Minecraft-Universum in totales Chaos stürzen und vernichten! Und er bekommt Verstärkung: Ein Drache, der ebenso gefährlich ist, wie der sagenumwobene Herobrine selbst. Denn er ist in der Lage, nicht nur die Welt des Games, sondern auch die wirkliche Welt zu zerstören! Nur zwei junge Minecraft-Fans, Vincent und Bia, stellen sich der Gefahr – wird es ihnen gelingen, Herobrine und den Drachen aufzuhalten? Das zweite spannende Abenteuer für Minecrafter und alle, die es werden wollen. Mit exklusivem Herobrine-Interview! Kein offizielles Minecraft-Produkt. Nicht von Mojang genehmigt oder mit Mojang verbunden.
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Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2017
Jim Anotsu
Ein Abenteuer für Minecrafter
Jim Anotsu schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Minecrafter, sondern er rappt auch, malt und textet Lieder. Er lebt zusammen mit seiner Frau und einer einäugigen Katze, die Januar heißt. Bei Fischer ist von Jim Anotsu bereits ›Herobrines Schwert‹ erschienen.
Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchprogramm der S. Fischer Verlage finden sich auf www.blubberfisch.de und www.fischerverlage.de
Erschienen bei FISCHER E-Books
Die brasilianische Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel ›A Vinganca de Herobrine‹ im Verlag Nemo, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Autentica, Sao Paulo, Belo Horizonte und Rio de Janeiro, Brasilien
A VINGANCA DE HEROBRINE
Copyright © 2016 Jim Anotsu
Copyright © 2016 Editora Nemo
Originally published in Portuguese in Brazil by Editora Nemo. Rights to this edition negotiated with Autentica Editora Ltda via agent Patricia Seibel, Portugal.
This book is not authorized or sponsored by Microsoft Corporation, Mojang AB, Notch Development AB, or Scholastic Corporation, or any other person or entity owning or controlling rights in the Minecraft name, trademark, or copyrights. Minecraft(R) is a registerd trademark of Mojang AB.
Deutsche Erstausgabe
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung: bürosüd, München
Coverabbildung: Victória Queiroz/VicTycoon
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-7336-4982-1
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Widmung
Motto
Das Pixelmädchen
Kapitel 1 { Der neue Pfad }
Kapitel 2 { Die neue Welt }
Kapitel 3 { Begegnungen in der Oberwelt }
Kapitel 4 { Gespräche unter der Oberfläche }
Kapitel 5 { Hinaus aus der Höhle }
Kapitel 6 { Erbarmungslose Verfolgung }
Kapitel 7 { Wettlauf und Explosionen }
Kapitel 8 { Die Brücke stürzt ein }
Kapitel 9 { Verfolgungsjagd durch die Nacht }
Kapitel 10 { Herr Salat und seine Freunde }
Kapitel 11 { Der Rote König }
Kapitel 12 { Der Enderdrache }
Kapitel 13 { Verhandlungen im Zelt }
Kapitel 14 { Zweifel }
Kapitel 15 { Ein paar Worte }
Die Jagd nach Herobrine
Kapitel 16 { Ein neuer Tag }
Kapitel 17 { Spinnen, Schlösser und Abgründe }
Kapitel 18 { Zahlen am Himmel }
Kapitel 19 { Der Tod des Lichts }
Kapitel 20 { Ein Funken Hoffnung }
Kapitel 21 { Das Nethergespenst }
Kapitel 22 { Berühmte letzte Worte }
Kapitel 23 { Der Zombie Pigman }
Kapitel 24 { Riss in der Realität }
Kapitel 25 { Neue Pläne }
Kapitel 26 { Das Ende }
Kapitel 27 { Livestream }
Leben nach der Schlacht
Kapitel 28 { User vereint }
Extras: Jenseits der Oberwelt
Interview: { Herobrine }
{ Danksagung }
Für meine Freunde:
You know who you are.
Die Straße sind wir.
Nur die Härtesten überleben
Wer nichts tut, wird sterben
Der Sieger wird alles bekommen
Nimm dir also alles
Eminem, Survival
Manche mögen Schokolade, andere mögen Rap, es gibt sogar Leute, die am Sonntag freiwillig früh aufstehen – mit verrückten Sachen kenne ich mich aus. Ich jedenfalls mochte Spiele: League of Legends, World of Warcraft, Dota. Es gab nichts, was ich nicht schon gespielt hätte. Doch mein Lieblingsspiel war immer schon Minecraft. Stundenlang Häuser bauen, Monster vernichten und Nahrung suchen. Nicht alle halten dieses Spiel für das Tollste auf der Welt, aber es macht definitiv süchtig. Und genau diese Sucht nach der Oberwelt hat mir das alles hier eingebrockt. Aber ich erzähle am besten von Anfang an …
Es war wie immer: Ich kam aus der Schule, flog förmlich die Straße entlang, und war in Rekordzeit zu Hause, um noch ein bisschen zu spielen, bevor es Essen gab. Ich nahm den Aufzug, betrat die Wohnung, holte mir was aus dem Kühlschrank – meine Mutter schimpfte, weil ich meinen Schulkram einfach auf den Boden geworfen hatte –, und schon war ich auf dem Weg zum Computer in meinem Zimmer.
»Bia«, sagte meine Mutter, als ich an ihr vorbeizischte. »Das Essen ist so gut wie fertig. Mach nicht so lange.«
Ich winkte ab. »Fünf Minuten!«, antwortete ich.
Natürlich brauchte ich meistens deutlich länger als fünf Minuten, aber wenn ich nicht gleich spielte, würde es wieder eine Ewigkeit dauern, bis ich dazu kam, denn nach dem Essen waren erst mal die Hausaufgaben dran. Mit dreizehn ist man zwar schon ziemlich nah an der Freiheit und fast selbständig, aber gleichzeitig ist man noch weit davon entfernt. Wie ein Gürteltier, das mit seinen Ärmchen nach dem Mond greift – bestimmt nicht das beste Bild, aber es zeigt ganz gut, wie es mir mit der Pubertät ging.
Ich schlüpfte aus der Bluse meiner Schuluniform, streifte mir ein verwaschenes T-Shirt von Linkin Park über und band mir die Haare zu einem Zopf zusammen. Dann schaltete ich den Computer ein und war sofort im Spiel. Hoffentlich hatte nicht wieder irgendein Griefer meine Bauten zerstört. Für mich war das immer das größte Problem in der digitalen Welt: Leute, die nichts anderes zu tun hatten, als sich in die Spiele der anderen einzumischen und alles zu zerstören, was jemand mühevoll aufgebaut hatte. Die Griefer nervten gewaltig, vor allem in letzter Zeit. Überall auf der Welt klagten Spieler darüber, und nicht einmal die Programmierer schienen eine Lösung zu haben.
»Bitte, Minecraft«, murmelte ich. »Mach, dass mein Schloss nicht zerstört ist. Im Namen des Gottvaters Notch.«
Die Minecraft-Server hatten in letzter Zeit oft mit seltsamen Problemen zu kämpfen: Ganze Bereiche der Oberwelt waren plötzlich zerstört, Horden von Monstern lauerten überall, und ständig tauchten Portale ins Nether auf. Es war schlimmer als damals, als ein Griefer namens Roter König versucht hatte, die Kontrolle über die Oberwelt zu übernehmen. Aber zum Glück waren meine Sachen noch da: das Schloss, an dem ich gerade baute, mit zehn Türmen und Hunderten Tunneln, der Stall voller Kühe und Schafe und ein wundervoller Wasserfall. Ein Creeper schlich um mein Haus, aber das war nichts Besonderes. Ein paar Sekunden später war er erledigt.
Es war alles in Ordnung in meiner digitalen Welt. Mein Charakter kümmerte sich um die Felder und die Tiere wie an einem ganz normalen Tag in der Oberwelt – scheinbar, denn plötzlich begann sich alles zu verändern. Das Spiel schien verrücktzuspielen und geriet außer Kontrolle.
Der Bildschirm fror ein, und ich konnte nichts dagegen tun. Erst dachte ich, es sei ein Hardwarefehler, aber dann wurde der Bildschirm komplett grün. Eine ewige Abfolge von Zahlen erschien, Nullen und Einsen, die endlos über den Bildschirm wanderten.
»Mama, hast du am Router herumgebastelt?«, brüllte ich aus vollem Hals.
Ich verpasste dem Rechner ein paar kräftige Schläge, aber das war natürlich sinnlos. Ich drückte alle möglichen Tastenkombinationen, doch nichts half. Und als ich gerade den Stecker ziehen wollte, leuchtete der Bildschirm noch stärker auf. Im ganzen Zimmer wurde es so hell, dass ich die Augen zukneifen musste. Es waren die längsten Sekunden meines Lebens, die wie in Zeitlupe abliefen. Ich hatte das Gefühl, gegen eine starke Strömung zu schwimmen, und spürte, wie mein Körper fortgerissen wurde.
Ich schrie.
Doch der Horrorfilm hörte nicht auf. Meine Finger wollten sich an etwas festklammern, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich war gefangen in einem Meer aus grünem Licht. Dann wurde es dunkel, und ich spürte nichts mehr …
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Von Punk-Prinzessin166
Die Blöcke in diesem Universum sind so real wie Erde, Steine und Gras in der wirklichen Welt. Man kann sich leicht täuschen lassen und glauben, die pixeligen Kreaturen der Oberwelt hätten kein eigenes Leben. Aber das stimmt nicht.
Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, und dann kommt der Mond …
Und mit ihm die Monster. Du musst fit und satt sein, wenn der Mond am Himmel steht und alle möglichen Kreaturen an deine Tür klopfen.
Alles wird ohne Hammer und Nägel gebaut, ohne Feilen und Sägen. Du brauchst nur sauber auf einer Werkbank gestapeltes Rohmaterial, dann kannst du einfache Dinge wie eine Schüssel herstellen oder auch kompliziertere Dinge wie einen Behälter für Zaubertränke.
Die meisten wichtigen Werkstoffe findest du tief im Boden: Eisen, Kohle, Gold oder Diamanten. Du kannst sie für neue Rezepte verwenden oder dir daraus Schwerter und Rüstungen machen, um den größten Gefahren entgegenzutreten, die in der Dunkelheit lauern.
Am Tag kann das Leben normal und ganz friedlich sein, du kannst Viehzucht und Ackerbau betreiben, Kuchen backen und Eier finden. Ein gut ausgerüsteter Spieler ist ein glücklicher Spieler. Aber für eine gute Ausrüstung musst du dich einer Reihe von Gefahren und Herausforderungen stellen, denn nur die Stärksten kommen durch.
Meine Augen mussten sich erst an das Licht gewöhnen. Heiße Sonne brannte auf meiner Haut, und ich hatte einen erdigen Geschmack im Mund. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo ich mich befand, aber ich war mir sicher, dass dies nur der Anfang war. Noch schlimmere Katastrophen würden folgen.
Noch ganz benommen stand ich auf und schaute mich in der Welt um, die ich vor mir hatte: quadratische Formen so weit das Auge reichte, Figuren, die ich schon oft auf meinem Computer gesehen hatte. Bäume, Steine, Tiere, selbst die Sonne über mir waren quadratisch. Ich wusste nicht, wie ich hier gelandet war, und erst recht nicht, ob ich je wieder zurückkehren würde. Aber ich war in der Oberwelt! Ich konnte es kaum glauben.
Ich schaute über das weite Feld und war froh, dass ich nicht in einem Wald oder mitten in der Nacht gelandet war, wenn die Monster ihr Unwesen trieben, denn ich hatte ja nicht einmal ein Holzschwert dabei. Ich hatte wirklich Glück. In einem angenehmen Biom zu landen, war schon mal die halbe Miete.
Dafür wusste ich weder, wie spät es war, noch wie viel Zeit mir blieb, bis es dunkel wurde. Deshalb beschloss ich, einfach loszulaufen und mir einen Unterschlupf zu suchen. Das war jetzt das Wichtigste. Ich brauchte Schutz gegen die Kreaturen, die mit Einbruch der Nacht hier auftauchen würden. Ich atmete tief durch und begann, Richtung Sonne zu laufen. Es war alles ruhig, alles stand an seinem Platz. Dennoch hatte ich ein ungutes Gefühl.
Mir fielen wieder die Zahlen auf meinem Bildschirm ein, das grüne Licht und das Gefühl, fortgerissen zu werden. War ich so in dieser Welt gelandet? Falls meine Mutter mich hatte schreien hören, machte sie jetzt bestimmt einen Riesenwirbel und hatte längst die Polizei angerufen, wenn nicht sogar die Armee oder die Spezialeinsatzkräfte der Marine. Auch deswegen musste ich hier so schnell wie möglich wieder rauskommen.
Ungefähr eine halbe Stunde lief ich immer weiter in Richtung Sonne, die langsam unterzugehen begann – mir wurde schon mulmig –, und erntete hier und da ein paar essbare Früchte. Sie schmeckten süßer als in meiner Welt und betäubten die Zunge für einen Moment. Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass sie digital waren. Ich kaute gerade an einem quadratischen Apfel, als ich jemanden schimpfen hörte.
Ich war also immerhin nicht allein. Ich ließ den Apfel fallen und ging nach links, woher die Stimme kam, doch da war noch ein anderes Geräusch. Es klang wie ein Laserschwert in Science-Fiction-Filmen.
Ich beschloss, mich erst einmal leise zu verhalten, um herauszufinden, ob es ein möglicher Freund war oder ein Feind. Ich hob einen Stein auf – keine besonders mächtige Waffe, aber besser als nichts – und schlich den Geräuschen nach, die immer lauter und deutlicher wurden. Ich kam zu einem Abhang und ging in die Hocke, um über den Rand zu spähen.
Ein paar Meter weiter unten schlug ein Junge – ein Mensch wie ich, in Jeans und einer roten Kapuzenjacke – mit einem großen Eisenschwert auf einen schrecklichen Gegner ein. Die riesige dunkle Kreatur hatte violette Augen und lange Arme. Es war das Monster, das den meisten Minecraft-Spielern die größte Angst einjagte: ein Enderman.
Der Kampf wütete heftig, aber der Junge in der Kapuzenjacke führte sein Schwert sehr geschickt, schlug immer wieder auf das Monster ein und versuchte gleichzeitig, außer Reichweite seiner langen Arme zu bleiben.
Schließlich wirbelte der Junge sein Schwert herum und hackte der Kreatur einen Arm ab. Mit einem Schmerzensschrei teleportierte sich der Enderman ein paar Meter weiter, doch der Junge folgte ihm hartnäckig und drosch noch unbarmherziger auf ihn ein. Das Monster versuchte zu entkommen, aber es war schon zu geschwächt und konnte nicht mehr viel ausrichten.
Da verschwand das Monster erneut. Ich dachte, es würde irgendwo neben dem Jungen wieder auftauchen, aber ich hatte mich getäuscht. Als ich das typische Geräusch hörte, das wie ein Peitschenknall klang, begriff ich sofort, was passiert war: Der Enderman stand jetzt direkt hinter mir.
Ich drehte mich um und sah in seine violetten Augen, die wie Feuer loderten. Schon streckte das Monster seinen Arm nach mir aus, um mich zu packen. Als erste Reaktion brüllte ich das schlimmste Wort, das mir in diesem Augenblick in den Sinn kam, dann wirbelte ich herum und stürzte mich voller Verzweiflung den Abhang hinunter. Mein Körper stieß gegen Steine und feuchte Erde, während ich hilflos immer weiter nach unten kullerte. Im Stillen hoffte ich, dass ich mir nicht zu viele Knochen brach, und stieß die ganze Zeit alle möglichen und unmöglichen Laute aus. Ich drehte mich viel zu schnell für meinen Magen. Mir wurde schlecht, und ich hätte mich fast übergeben.
»Verdammt«, brummte ich, als ich endlich unten lag und es nicht weiterging. »Nächstes Mal nehme ich lieber den Aufzug.«
Ich konnte nicht gleich wieder aufstehen, aber ich wusste, dass der Enderman immer noch da war. Er griff nun wieder den Jungen mit der Kapuze an. Doch diesmal ging alles ganz schnell: Mit einem gewaltigen Sprung stürzte sich der Junge auf das Monster, das Schwert hielt er fest in beiden Händen. Meine Augen konnten das gar nicht so schnell verfolgen, denn ich war völlig durcheinander und noch ganz benommen, aber ich sah, wie der Kopf der Kreatur herunterfiel, ein Stück über den Boden rollte und dabei dunkle Blutspuren hinterließ.
Ich wollte etwas sagen, aber mir war so schlecht, dass ich lieber die Klappe hielt. Der rätselhafte Junge trat neben den toten Enderman und stieß ihm sein Schwert in die Brust. Dann kniete er sich hin und tastete mit der Hand hinein, als würde er etwas suchen. Ich konnte mir denken, was das war und beobachtete ihn weiter. Kurz darauf zog er eine riesige Perle aus dem Brustkorb: die Enderperle, die dem Enderman die meisten seiner Kräfte verlieh – und ein wertvoller Schatz in den Händen des richtigen Spielers.
Nun schaute der Junge zum ersten Mal zu mir. In seinen Augen lag kein besonderer Ausdruck. In dieser Situation wäre ein Lächeln vermutlich sowieso das Letzte, was ich in seinem Gesicht vermutet hätte. Er hatte goldene Haare und helle Augen so groß wie der Mond.
Ich wollte gerade den Mund aufmachen und etwas sagen, aber alles, was ich vor ein paar Sekunden erlebt hatte, war noch so frisch, dass mir nur ein klägliches Grinsen gelang und mein Magen sich schließlich doch noch entleerte.
Kein schöner Anblick, und es wäre mir fast peinlich gewesen. Aber wirklich nur fast.
Ich brauchte beinahe eine Minute, um wieder auf die Füße zu kommen. Ich bekam Kopfschmerzen, und meine Arme waren völlig zerschunden und dreckig. Der Junge in der Kapuzenjacke machte keinerlei Anstalten, mir zu helfen, und beobachtete mich nur. Als er sah, dass meine Übelkeitsattacke vorbei war, trat er einen Schritt auf mich zu.
»Du bist doch eine Userin«, sagte er. Seine Stimme war ruhig und tonlos. »Wie bist du hier reingekommen? Ist noch jemand bei dir?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich bin allein. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich hergekommen bin. Ich habe zu Hause gespielt und … na ja, plötzlich war ich hier.«
Mit einem Tuch, das er aus seiner Tasche gezogen hatte, wischte er zuerst sein Schwert ab und dann die Perle. Anschließend verstaute er sie in dem Rucksack, den er vor dem Kampf in eine Ecke geworfen hatte. Er ging sehr gezielt vor, jede Bewegung wirkte einstudiert.
»Du hast Glück, dass du ausgerechnet hier gelandet bist«, sagte er. »Ein Großteil der Oberwelt ist schon von Herobrine und seinen Schergen verwüstet …«
Nach dieser merkwürdigen Bemerkung konnte ich nicht anders, als laut loszulachen. »Herobrine?«, antwortete ich. »Jeder weiß ja wohl, dass Herobrine nur eine Legende ist, um Noobies Angst einzujagen.«
»Die meisten Leute glauben auch, dass man nicht in die digitale Welt eintauchen kann«, erwiderte der Junge. »Trotzdem sind wir hier. Herobrine ist real und noch viel schlimmer, als du dir vorstellen kannst. Eine Zerstörungsmaschine, die alles vernichten will.«
Da war etwas dran. Nach allem, was ich inzwischen gesehen hatte, gab es keinen Grund mehr, an Herobrine zu zweifeln. Aber wenn es ihn wirklich gab, war es das Schlimmste, was der Oberwelt passieren konnte. Ich wusste, was es mit Herobrine auf sich hatte. Alle fürchteten ihn. Er lauerte den Spielern auf und zerstörte alles, was ihm in die Quere kam. Er übernahm die Kontrolle über sämtliche Monster und konnte selbst die sanftmütigsten Kreaturen in Killer verwandeln.
»War das der Grund für die Probleme auf der anderen Seite?«, fragte ich. »Horden von Monstern, Portale in den Nether und Teile der Landkarte, die einfach verschwunden sind?«
