Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Einigkeit und Recht und Selbstmitleid! Ist unsere selbstverliebte und durch eine pathologische Opferolle definierte Gesellschaft wirklich das Modell der Zukunft? Wie konnte sich Deutschland, das einst stolze und starke Land der Dichter und Denker innerhalb kürzester Zeit in ein Moloch kognitiv teilmöblierter Jammerlappen entwickeln? Wieso werde ausschließlich ich unfair behandelt und seit wann stellt jede persönliche Meinung die alleinige und unumstößliche Wahrheit dar? Diesen und weiteren Fragen geht der Philanthrop Tobias Schmidt in seiner bisher wichtigsten Arbeit auf den Grund. Ehrlich, provokant und verletzend - eine wahrlich meisterhafte Streitschrift
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Für Slim Shady (1999 – 2024)
1.Vorwort
2.Einleitung
3.Historischer Kontext
4.Modernes Auftreten
5.Die Frage nach dem Warum
6.Lösungsansätze
7.Fazit und Ausblick
Egozentrik, die /Egozéntrik/
Grammatik
Substantiv (Femininum) – Singular: Egozentrik – Plural: Egozentriken
Worttrennung
Ego-zen-trik
Definition
Egozentrik bezeichnet die Eigenschaft des menschlichen Charakters, sich selbst im Mittelpunkt zu sehen und, damit meistens einhergehend, eine übertriebene Selbstbezogenheit und die Neigung, andere Menschen und Dinge beständig an sich selbst und der eigenen Perspektive zu messen.
Quelle: Wokepedia (übersetzt aus dem elon-muskischen)
„Per me reges regnant – durch mich herrschen die Könige!“ Ein an Bedeutung nicht zu übertreffender Satz, um das Leben in unserem heutigen Zeitalter treffsicher und anschaulich zu beschreiben. Durch die Einführung der Demokratie und damit einhergehender Grundrechte wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung, dem Recht gegen Unannehmlichkeiten demonstrieren zu können oder dem Wahlrecht sind wir in der Lage, Einfluss auf das Geschehen um uns herum zu nehmen und teilzuhaben an der Gestaltung unseres Landes und sozialer sowie gesellschaftlicher Lebensbereiche.
Wir können uns in politischen Verbänden und Parteien engagieren, um unsere Zustimmung oder unsere Ablehnung zu Entscheidungen der Verantwortlichen „da oben“ kundzutun und durch unser Wirken den Anstoß zu Veränderungen geben. In Gewerkschaften und Betriebsräten dürfen wir an der Realisierung eines angenehmen Arbeitsklimas sowie der Lösung anstehender betrieblicher Herausforderungen oder Problemstellungen mitwirken. Sogar in Stadt- und Gemeinderäten ist es uns möglich, wenn auch im Kleinen, unseren Beitrag für ein harmonisches Zusammenleben zu leisten. Wer sich nicht dazu berufen fühlt, offizielle Posten zu bekleiden oder Mitgliedschaften zu leben, kann sich zudem durch Bürgerdialoge, Diskussionsabende zu den unterschiedlichsten Themen, durch Demonstrationen und Kundgebungen auf der Straße oder gemütlich auf digitalem Wege Gehör verschaffen. Noch nie war es für den kleinen Mann und die kleine Frau so einfach, ihren Wünschen und Sorgen auf so vielfältige Art und Weise Ausdruck zu verleihen und ihre
Forderungen und Sehnsüchte mit ihren Mitmenschen zu teilen.
Theoretisch.
Auch wenn revolutionäre Spaziergänger und Freiheitsdemonstranten meist die Ansicht vertreten, die Welt drehe sich ausschließlich um ihre Belange, so sieht die Realität glücklicherweise noch ein wenig anders aus. Selbstverständlich liegt es nicht im Entferntesten im Bereich des Möglichen, dass die Vorstellungen und Wünsche jedes Einzelnen solch hohe Wertung erzielen, um diese ausnahmslos und ohne Widerstandshandlungen Andersdenkender Realität werden zu lassen. Ein Narr, ein infantiler Einfaltspinsel gar, wer allen Ernstes mit dem Gedanken spielt, als Mittelpunkt allen Daseins zu fungieren und seinen Willen ohne Wenn und Aber über den seiner Mitmenschen stellen zu können. Es gibt kein „Ich“ in der Politik, der Wirtschaft, der Stadt oder Gemeinde.
Die größte Kunst des demokratischen Mindsets besteht darin, die diversen Sichtweisen der gesamten Gesellschaft in die Entscheidungen miteinzubeziehen und die bestmögliche Lösung für alle zu finden. Was bereits in der Theorie nach einem schwierigen Unterfangen klingt, sollte sich in der Praxis als schier unmögliches Wunschdenken herausstellen. Schon immer existierende unüberbrückbare Differenzen, vor allem in der Politik und der Gesellschaft, sowie die Unfähigkeit zu Kompromissen und auch mangelnde Motivation, die eigenen
Bedürfnisse minimal hintanzustellen, produzieren seit jeher Zank, Unstimmigkeiten und ein Gefühl, nicht gehört oder ernst genommen zu werden. Diese Problematik hat sich nun durch die Entwicklung eines Gemisches aus unerträglicher Rechthaberei und nervenzerreibendem Benachteiligungsdenken zur unantastbaren deutschen Leitkultur in den letzten Jahren noch einmal deutlich verschärft. Selbstmitleid und eine pathologische Opferrolle bestimmen seit Jahren den gesellschaftlichen Diskurs, sofern dieser überhaupt noch möglich ist.
Eine immer weiter um sich greifende Radikalisierung der eigenen Sichtweise hat heutzutage sämtliche gesellschaftliche Lebensbereiche befallen und macht vor allem deutlich, um wen es den selbsternannten Vorzeigebürgern und -bürgerinnen in erster Linie geht:
Das eigene Ego.
Wir alle kennen die tragische Geschichte des Narziss, jenem schönen und holden Jüngling aus der griechischen Mythologie, der die ihm entgegengebrachte Liebe seiner Mitmenschen stets ins Ferne von sich wies und sich an einer idyllisch gelegenen, einsamen Quelle in sein eigenes, im Wasser gespiegeltes Antlitz, verliebte.
Seit Jahren erdulden wir tagtäglich aufs Neue unseren alles überragenden Vorgesetzten, für den es die richtige, die falsche und seine Art (und damit die Richtige) gibt, um unsere, von seiner erhabenen Exzellenz aufgetragenen Arbeiten zu erledigen und ohne dessen selbstloses Engagement und fundiertes Fachwissen kein Betrieb zu einem dreistelligen Umsatz fähig wäre.
Beinahe im Sekundentakt erscheinen uns gestählte Oberarme oder Bauchmuskeln und vorteilhaft in Szene gesetzte, prall trainierte Hinterteile inklusive angewinkeltem Vorderhuf auf unseren Smartphone-Bildschirmen, wenn wir zum dreißigsten Mal in zweiunddreißig Minuten unsere Social Media Feeds aktualisieren.
Und es wird niemandes Hund mehr in der Pfanne verrückt, wenn wir die feudalen und hedonistischen Urlaubsbilder unseres Nachbarn gesendet bekommen, auf denen der fleißige Schreibtischsklave des kleinstädtischen Bauvermessungsamtes auf der Motorhaube eines edlen Sportwagens in Dubai posiert, den er sich aufgrund seines nimmersatten Erfolgsmindsets für 6 Stunden zu mieten vermochte. Wir haben uns mit den Eigenarten unserer Mitmenschen angefreundet, haben gelernt mit den selbstverliebten und stellenweise ignoranten Eigenarten unserer Mitmenschen umzugehen.
Zuvorkommend und freundlich geben wir unseren aufmerksamkeitsbedürftigen Mitstreitern und Mitstreiterinnen im Rennen um die begehrten „Love Yourself “ – Trophäen der heutigen Zeit die Anerkennung, die sie sich so erbittert herbeisehnen. Wir stellen unsere eigene Genervtheit hintan und atmen tief durch, um sowohl die Gefühle als auch die körperliche Unversehrtheit dieser herausragenden Individuen zu schützen, auch wenn wir innerlich einer nuklearen Kernschmelze nahe sind.
Aber was, wenn all dies überhandnimmt in unserem Leben?
Wenn es nicht mehr reicht, der antiken Sagenwelt durch das Zuklappen des Buches zu entfliehen und in Sekundenschnelle in die warme, geborgene und von Liebe und Zuneigung geprägte Umgebung seines Sofas zurückzukehren.
Wenn es nicht mehr reicht, nach einer geharnischten Standpauke des Vorgesetzten zu denken, man liese seine Worte zu einem Ohr in den Kopf hinein- und zum anderen Ohr wieder hinausströmen und er möge einen herzhaft am (ungeputzten) Arsch lecken?
Wenn es nicht mehr reicht, den Oberflächlichkeiten der virtuellen Welt durch einfaches Weiterscrollen oder durch das Verfassen von aufgesetzten Belobigungskommentaren wie „Bruder krass, einfach Maschine“ oder „OMG so wichtig und mutig, wie du deine Kimme in die Kamera streckst Maus“ zu entkommen? Oder wenn es einfach nicht mehr genug ist, dem (vermeintlich) erfolgreichen Nachbarn zu seinen großartigen, neuen Anschaffungen und Errungenschaften, welche er einem so heißblütig und leidenschaftlich unter die Nase reibt, (vermeintlich) zu beglückwünschen, obwohl man ihn für einen aufschneiderischen Hochstapler sondergleichen hält?
Was, wenn diese Selbstverliebtheit, die uns tagtäglich in verschiedensten Formen und unbestimmter Häufigkeit begegnet, nicht mehr auf einzelne Vorfälle oder Personen zu beschränken ist?
Wenn sich diese immer dagewesene Ich-Bezogenheit schleichend und leise zu einer permanenten Gefährdung empathischen und zwischenmenschlichen Zusammenlebens gemausert hat und das Verhalten unserer heutigen Gesellschaft wie kein anderes Übel dominiert?
Selbstverständlich dürfen wir eine positive Einstellung zu seinem Selbst, unter kosmopolitischen Zeitgenossen auch unter dem Begriff „Selfcare“ bekannt, nicht mit dem schon beinahe pathologischen Egoismus gleichsetzen, dem wir mittlerweile tagtäglich ausgesetzt sind und zu händeln verstehen müssen.
Sich selbst als etwas Wertvolleres als eine bloße Crashdummy-Figur der Gesellschaft zu sehen und sich nicht einzig und allein dem schnöden Mammon oder dem Willen anderer Menschen zu beugen, wurde viel zu lange vernachlässigt und verpönt. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, anstatt sich widerstandslos für das Kapital fremder Menschen krumm zu buckeln und sich Dingen zu widmen, die einem Frohsinn und Erfüllung spenden, anstatt einem das pure Kotzen zu entlocken, stößt bei dem absoluten Großteil der Menschen auf große Zustimmung (mit Ausnahme der FDP, ehemals Partei im deutschen Bundestag und Kontra K, deutscher Sprechsänger). Die wohlverdiente Wertschätzung der eigenen Person sorgt für eine gesunde und positive Einstellung zum Leben und lässt uns zufriedener und ausgeglichener durch den Tag gehen. Wir sind glücklicher und erfolgreicher, wir frohlocken und begegnen sich uns in den Weg stellenden Problemen mit einem lauten „Ja komm doch her, wenn du was willst!“ und geballter Faust.
Manch einer bekommt von dieser Selbstliebe gar nicht genug, sodass er seine Passion zu seinem Beruf macht und seinen Mitmenschen als sogenannter Lifestylecoach oder Mindsettrainer auf Instagram erklärt, wie man richtig glücklich und empowert wird und was auf dem langen Weg zur innerlichen Verzückung nicht erlaubt ist. Man muss nur in die Gruppe kommen.
Das soziale Zusammenleben profitiert enorm vom gesteigerten inneren Seelenfrieden und dem Selbstbewusstsein der Erdbevölkerung, sofern man in einem wohlhabenden Teil der Erde zuhause ist. Wer mit sich im Reinen ist, pisst auch nicht seinen Mitmenschen ans Bein. Es könnte alles so wundervoll sein, so friedlich und entspannend, wäre da nicht das altbekannte, ja gar chronische Problem der Menschheit, mit etwas Schönem nicht verantwortungsvoll umgehen zu können. Wer sich auch nur ein wenig mit der Geschichte unserer hochgelobten Spezies beschäftigt hat, weiß, dass Maß zu halten einzig und allein eine Metapher für das Hinunterstürzen großer Mengen Bier aus einem dementsprechenden Gefäß darstellt. Woran an sich erst einmal nichts verwerflich wäre. Ein Stück vom Kuchen war noch niemals genug, es musste immer die ganze Torte gespachtelt werden.
Die Vergangenheit wurde, wie einigen unter uns, die in Zeiten von TikTok noch fähig sind ein Buch zu lesen bekannt, konstant durch Rücksichtslosigkeit und eine starke Ellenbogengesellschaft geprägt. Fressen und gefressen werden
war über Jahrhunderte das Leitmotto aller geknechteten Seelen. Allerdings war dies Umständen und zeitgenössischen Konventionen geschuldet, mit denen wir uns in der heutigen Zeit, zu unser aller Glück, nicht mehr herumzuschlagen brauchen. Dennoch lässt sich in der hochentwickeltsten und vermeintlich fortschrittlichsten aller Epochen ein Egoismus beobachten, der sogar für die Spezies, die die Leibeigenschaft und Versklavung von Mitmenschen für den eigenen Profit für ein gottgegebenes Grundrecht hielt (und leider in Teilen auch heute noch hält, Stichwort: FDP) einzigartig ist. Innerhalb kürzester Zeit hat sich ein Wesenszug den Weg in unseren Alltag gebahnt, der durch eine beispiellose Selbstverliebtheit und den entsprechenden Verhaltensweisen geprägt ist und uns vor eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit stellt.
Gesellschaftliche, politische und zwischenmenschliche Debatten werden auf einem emotionalen Niveau geführt, wie es sie seit dem mittelalterlichen Disput zwischen Geistlichen und Häretikern wohl nicht mehr gegeben hat. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man im 21.Jahrhundert auf dem neueren, digitalen Scheiterhaufen der sozialen Medien gegrillt wird. Es ist nicht alles schlecht. Aber wieso haben wir uns nach so einer langen Zeit, in der man Egoisten oftmals mit einem genervten Kopfschütteln oder der Phrase „Ja mei, der ist halt so…“ begegnet war, zu einem kollektiven Haufen unangenehmer und ätzender Arschlöcher gewandelt, welchen entsprechend etwas gegenzusetzen bald einer eigenen Wissenschaft bedarf, obwohl durch den Fortschritt und die soziale Weiterentwicklung alle Zeichen auf Harmonie und Eintracht standen? Wieso haben wir uns in einen paradoxen Wirrwarr aus Selbstbewusstsein und psychischer Stärke auf der einen und Selbstmitleid und unerträglicher Opferrollen-Mentalität auf der anderen Seite manövriert?
Wie soll man in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist, sein Glück machen und wie vermeidet man jahrelange Gefängnisstrafen aufgrund etlicher, durch sinnlose Diskussionen mit nervtötenden Zeitgenossen provozierte Körperverletzungsdelikte?
Warum ist die heutige politische Landschaft ausschließlich in Gut und Böse, in Wahrheit und Lüge, in Meinungsfreiheit und Cancel Culture, in Lichtkrieger für die Demokratie und Systemschergen für die Diktatur gespalten? Und wieso gibt es Menschen, die Julian Reichelt allen Ernstes
als den „einzigen und letzten wahren Journalist Deutschlands“ bezeichnen? Diese und viele weitere Fragen bestimmen den aktuellen Zeitgeist und jene gilt es zu beantworten, um die anstehenden Herausforderungen für ein empathisches Zusammenleben zu meistern. Volksgemeinschaft, internationale Solidarität, Kollegialität bei der Arbeit oder im Verein, Nächstenliebe und Barmherzigkeit in der Religion. Begriffe, die allesamt zu wertlosen Phrasen oder Running Gags verkommen sind und mit dem ersten Anzeichen minimal abweichender Sichtweisen involvierter Personen jegliche Bedeutung verlieren. Die Gründe für diesen Werteverfall sind vielseitig, aber nicht unmöglich aus der Welt zu schaffen. Wenn man sie erkennt.
Doch dazu müssen wir erst einmal die Frage klären, woher es stammt, dieses Furunkel am Arsch der Menschheitsgeschichte, ehe wir zu verstehen in der Lage sind, weshalb diese Art der
Egozentrik in so kurzer Zeit zu einer monströsen und eitrigen Geschwulst heranwachsen konnte, welche die Menschheit fest im Würgegriff hält.
Die gesellschaftliche Ich-Bezogenheit stellt keineswegs ein patentiertes Problem des 21. Jahrhunderts dar. Seit Anbeginn der Menschheit haben wir nach unserem Vorteil, unserem eigenen Good Life und der Überlegenheit anderen Individuen gegenüber gestrebt.
Dabei ist zu beachten, dass die historischen Egomanen stets unter Berücksichtigung vorherrschender sozialer Lebensumstände der aktuellen Epoche beleuchtet werden müssen. Ein im Mittelalter lebender und schwer schuftender Leibeigener, der mehr Feldfrüchte erwirtschaften musste als sein Nachbar, um von seinem unbarmherzigen Feudalherrn nicht bei trocken Brot und Wasser an den nassen und verschimmelten Wänden stockfinsterer Kerker aufgehängt zu werden, hatte selbstverständlich ein nachvollziehbareres Motiv, sich um den eigenen Arsch zu kümmern, als der moderne Selbstliebe-Blogger, der lieber TikTok Videos über seine Gefühle dreht, als seinem Nachbarn kurz beim Hineintragen eines neuen Couchtisches zur Hand zur gehen.
Anhand diverser Beispiele gelingt es uns heute zu verdeutlichen, dass dieses Verhalten, wenngleich in anderen Ausprägungen und aufgrund anderer Beweggründe, in allen Jahrhunderten der (mehr oder weniger) zivilisierten Gesellschaften zu finden ist, angefangen mit der Mutter (!) aller rücksichtslosen Taten, welche den Grundstein für eine endlos andauernde moralische Gesetzlosigkeit legen solltet: Eva und die Causa „Apfel“! Bereits im Kindergarten werden viele von uns (vor allem im christlichen Bayern) mit der Geschichte aller Geschichten um den Anbeginn der Schöpfung durch die herrliche Gnade Gottes vertraut gemacht. Der Allmächtige erschuf innerhalb weniger Tage die uns bekannte Welt und als Krone seiner Schöpfung kredenzte er den Homo Sapiens, einigen auch bekannt als „Mensch“. Die ersten beiden Exemplare, ein Mann und eine Frau (damals steckte die Akzeptanz der queeren Community noch in den Kinderschuhen) mit Namen Adam und Eva lebten ein glückliches und erfülltes Leben in dem durch seine Herrlichkeit geschaffenen Paradies. Frohlockend und jauchzend erfreuten sie sich aller Annehmlichkeiten, welcher der prachtvolle und luxuriös eingerichtete Garten Eden zu bieten hatte. Aber war dies alles genug? Zeigte man sich dankbar dem Allmächtigen gegenüber für seine endlose Liebe? Nein! Bereits eine ihnen aufgetragene Regel, sich nicht an den Früchten eines einzelnen Baumes zu bedienen, sollte die Beiden ins Verderben stürzen. Wohlwissend nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Mitstreiter Adam die Verbannung aus dem Paradies zu bescheren, erdreistete sie sich voller Unverfrorenheit nach der verbotenen Frucht zu grabschen und sich diese unerlaubt anzueignen. Wieso scherte sie sich zu keinem Zeitpunkt um das Schicksal des armen Adam? Wieso war ihr ihr eigener Gaumenschmaus von solch überragender Bedeutung, dass sie alles um sich vergessen konnte? Und konnte sie nur im Geringsten erahnen, welchen Bärendienst sie der gesamten weiblichen Bevölkerung, die nach ihr folgen sollte, erwies, indem diese aufgrund ihrer schändlichen Tat über viele Jahrhunderte zu Unrecht als böse, hinterlistig und verschlagen (bis in die frühe Neuzeit auch als „stibitzend“) gebrandmarkt wurden? Wir werden es wohl niemals erfahren.
Da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, sollte auch das Schicksal ihrer Nachkommen Kain und Abel durch selbstverliebtes Handeln und ein verletztes Ego bestimmt werden. Der erstgeborene Kain ging in seinem Leben dem Beruf des Ackerbauers nach, während Abel, der zweitgeborene Sprössling, sein Glück im Hüten einer Schafherde zu finden suchte. Wie es zu jener Zeit üblich war geziemte es sich, dem Allmächtigen von Zeit zu Zeit diverse Opfergaben darzubieten. So entschloss sich Kain großzügig, eine Auswahl an Früchten seines Ackerlandes zu offerieren. Abel indes rang sich zu einer weitaus blutigeren und somit maskulineren Opfergabe durch und bot dem Herrn tote Schafkadaver feil. Von diesem Großmut entzückt, ignorierte der Grundgütige die reizlosen Früchte Kains und übergoss ausschließlich den jüngeren Abel mit seiner Aufmerksamkeit und seiner Liebe.
Kains Geiste war daraufhin so von Zorn und Eifersucht erfüllt, dass er seinen kleinen Bruder rücksichtslos und unbarmherzig erschlug.
Was treibt Menschen zu solch ungeheuerlicher und ehrenloser Empathielosigkeit, seinem eigenen Fleisch und Blut das Leben zu nehmen? Wieso war er nicht in der Lage einfach zu gönnen und sich für seinen kleinen Bruder zu freuen? Hatte es da etwa schon von daheim gefehlt? Diese Wesenszüge sollten zu großen Teilen als Blaupause dienen für das, was in den folgenden Epochen noch an Grausamkeit und Ungerechtigkeit folgen sollte. Für eine lange, lange Zeit wurde das Weltgeschehen und das gesellschaftliche Gefüge größtenteils vom Mindset und den Gedankengängen einiger weniger Auserwählter bestimmt. Wir alle kennen die Schicksale der armen Teufel, welche sich zur Belustigung gefühlskalter Wichser (Römer) in weitläufigen Arenen und Zirkussen bis zum Tode bekämpfen mussten, ehe sie auf Geheiß eines Einzelnen dennoch wilden Raubtieren zum Fraß vorgeworfen wurden und unter johlendem Getöse der Massen zerfleischt wurden. Stabile Unterhaltung ganz ohne GEZ.
