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Fühlst du dich manchmal verloren? Vielleicht ist heute einer dieser Tage. Deine Eltern scheinen nicht zuzuhören, deine Gefühle überfordern dich und der Schulstress ist einfach zu viel. Vielleicht ist dir etwas passiert, das dich richtig runterzieht. Wenn du das kennst, sei dir sicher: Du bist nicht allein. Und es gibt Hoffnung - es kann wieder besser werden! In diesem Buch findest du wahre Geschichten von Jugendlichen, die ähnliche Herausforderungen gemeistert haben. Sie haben Mut bewiesen, Lösungen gefunden und sind daran gewachsen. So, wie sie es geschafft haben, kannst auch dudich wieder wohlfühlenstärker werdenmit Stress umgehenernst genommen werden Hilfe suchen dich behaupten mit den Eltern klarkommen vertrauen Angst überwindenSei mutig und geh weiter!
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2025
reinhardt junior
Iris Soppa-Fischer
Zwölf wahre Geschichten
Mit Bildern von Tina Ritter
Ernst Reinhardt Verlag München
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
ISBN 978-3-497-03313-3 (Print)
ISBN 978-3-497-62012-8 (PDF-E-Book | barrierefrei nach PDF/UA-Standard)
ISBN 978-3-497-62013-5 (EPUB | barrierefrei nach WCAG-Standard)
Online-Zusatzmaterial (barrierefrei nach PDF/UA-Standard)
© 2025 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München
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Printed in EU
Lektorat: Cordula Gerndt, www.geschichtenpraxis.de
Covermotiv: Tina Ritter, www.mimbelbi.com
Satz: Sabine Ufer, Leipzig
Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, Kemnatenstr. 46, D-80639 München,
Net: www.reinhardt-verlag.de, E-Mail: [email protected]
Hallo!
Level-Up!Niks Balance zwischen Zocken und Schule
Stein und SchildkröteSmilla löst sich aus der Angst
Ehrensache!Jayden kontrolliert seine Kraft
Ohne FilterMia schließt Freundschaft mit ihrem Körper
Verträumt, na und?!Dennys fokussiert sich wie ein Wolf
Riskanter ChatAlisha lässt sich nicht bedrängen
Verloren in der TraurigkeitDaryas Weg zu neuer Hoffnung
Nicht mit mir!Levi kämpft für sein Recht
Endlose ErinnerungSamira schafft sich einen Schutzort
ScheidungschaosAnne hält zu sich selbst
Die kapieren es eh nicht!Tom gibt seinen Eltern eine Chance
UnperfektNaila schließt Frieden mit sich selbst
Zum Ausprobieren für dich
Deinen starken Seiten auf der Spur
Die Lösung entdecken und kennenlernen
Etwas tun, damit es leichter wird
Ideen zum Umgang mit starken Gefühlen
Mitgefühl mit dir selbst entwickeln
Gedanken überprüfen und verändern
Situationen gezielt auswählen
Situationen verändern
Die Herausforderung angehen
Gegensteuern
Strategien bei hoher innerer Anspannung
Starken Gefühlen vorbeugen
Hilfsangebote
Nachwort für die Erwachsenen
Danksagung
Wer dieses Buch erschaffen hat
Begleitmaterial für Jugendliche, Eltern, Fachkräfte und Bezugspersonen
Dieses Buch ist für dich. Du findest darin Geschichten von Jugendlichen, die genau so sind wie du – einzigartig, kreativ und stark. Diese zwölf jungen Menschen haben etwas gemeinsam: Sie steckten irgendwann in ihrem Leben in starken Gefühlen und herausfordernden Situationen – und sie wussten erst mal nicht, wie sie da wieder rauskommen sollen. Vielleicht kennst du das auch.
Die Geschichten in diesem Buch sind so oder so ähnlich wirklich passiert. Und diese Jungs und Mädchen haben Wege gefunden, wieder klarzukommen. Auf den nächsten Seiten zeigen sie dir ihre ganz persönlichen Gedanken und Gefühle.
Jeder Mensch hat seine eigene Art, mit Schwierigkeiten umzugehen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, auf starke Gefühle wie zum Beispiel Wut, Traurigkeit oder Angst Einfluss zu nehmen. Du darfst dir erlauben, nach deinen eigenen Wegen zu suchen und eine für dich passende Lösung zu finden. Und: Du musst es nicht allein schaffen!
Dieses Buch zeigt dir, wie dich Fachleute dabei unterstützen, Lösungswege zu finden, und wie Gespräche in der Psychotherapie oder in einer Beratung ablaufen können. Natürlich können auch deine Eltern, Verwandte, Lehrkräfte, Freundinnen und Freunde dazu beitragen, dass dein Leben wieder leichter wird. Deine Lösungen dürfen so einzigartig sein wie du!
Dieses Buch ist voller spannender Geschichten. Und nicht nur das. Es ist auch ein Werkzeugkoffer voller Ideen. Du kannst darin blättern, lesen, dich inspirieren lassen und vielleicht gute Ideen für dein eigenes Leben entdecken.
Am Ende des Buches findest du einen Teil mit Fragen, um dich selbst besser kennenzulernen, und Ideen, um mit starken Gefühlen besser klarzukommen. Dazu gibt es eine Liste mit hilfreichen Adressen. Also: Blätter mal rein, lern die Jugendlichen mit ihren Geschichten kennen und lass dich von ihrer Kraft und ihrem Einfallsreichtum anstecken.
In den Bildern sind Buchstaben verborgen, die zusammengesetzt ein Wort ergeben. Kannst du sie alle finden?
Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!
Iris Soppa-Fischer
Wie Nik den richtigen Rhythmus für sein Leben findet und seine Bauchschmerzen endlich besser werden.
Nik verschwindet in seinem Zimmer und dreht die Musik auf. Er wirft sich auf sein Bett und krümmt seinen langen Körper zu einem kleinen Bündel zusammen. Wie ein Messer bohrt sich der Schmerz in seinen Bauch. Das macht ihm Angst. Er weiß nicht mehr, wann die Schmerzattacken anfingen. Seit der Magen-Schleimhaut-Entzündung, die er vor eineinhalb Jahren hatte?
Besonders schlimm ist es morgens vor der Schule. Seine Mutter und die Lehrer verdrehen mittlerweile die Augen. „Das bildest du dir nur ein“, sagen sie. „Stell dich nicht so an.“ Manchmal weiß Nik nicht, was schlimmer ist: Die Bauchschmerzen oder dass ihm niemand glaubt.
„Mama, machst du mir eine Wärmflasche? Ich hab wieder Bauchweh“, ruft er.
Seine Mutter schaut kurz ins Zimmer. „Wir waren doch letzte Woche erst beim Arzt, Nik. Und er hat gesagt, da ist nichts.“ Dann verschwindet sie wieder in der Küche.
Niks Leben ist aus dem Takt geraten. Auf dem blaugrünen Teppich in seinem Zimmer stapeln sich die unerledigten Hausaufgaben. Ich muss unbedingt noch Mathe machen, denkt er. Aber womit soll ich anfangen? Ich krieg das nicht hin! Es ist viel zu viel.
Nik hält den Druck nicht mehr aus. Er setzt sich in seinen Gaming-Stuhl. Erst mal eine Runde zocken. Die Online-Freunde warten schon. Die Zeit vergeht wie im Flug und das Abendessen vergisst er völlig. Nur noch eine Runde. Das nächste Level ist fast erreicht. Dann Hausaufgaben und dann schlafen. Diesmal kriege ich das hin, nimmt er sich fest vor.
Irgendwann hört Nik, wie sich die Schlafzimmertür seiner Mutter schließt. Sein Zimmer ist in bläulich-weißes Licht getaucht. Er startet die nächste Runde. Um 3 Uhr fällt er ins Bett. Seine Mutter weiß nichts von der nächtlichen Zockerei. Sie geht davon aus, dass er den PC rechtzeitig ausschaltet. Das würde Nik auch gerne, wenn er könnte. Doch das Zocken ist so verlockend wie ein leckerer Eisbecher, von dem man nur kosten darf. Sobald man anfängt, will man mehr.
Am nächsten Morgen hängt Nik in der Schule müde über dem Tisch. Die Kapuze seines Hoodies hat er sich über den Kopf gezogen. Er kann die Augen kaum aufhalten. Sein Bauch zieht sich vor Schmerz zusammen. Der Lehrer steht am Smartboard und erklärt Mathe-Formeln. Von was redet der da, fragt sich Nik. Er kommt nicht mehr mit. Die Bauchschmerzen werden stärker und in der großen Pause lässt er sich abholen. Seine Mutter wartet mit Tränen in den Augen auf dem Parkplatz.
Nik setzt sich in den Sessel, den ihm die Therapeutin anbietet. Er beugt seinen Oberkörper nach vorn, vergräbt die Hände in den Bauchtaschen seines Hoodies und starrt auf den Boden. Er hat null Bock auf eine Moralpredigt. Was soll er hier? Diese Frau versteht doch sowieso nichts vom Zocken und von seinem Leben erst recht nicht.
„Nik, deine Mutter hat mir erzählt, dass du häufig unter Bauchschmerzen leidest. Ich glaube dir das.“
Nik hebt den Kopf ein wenig und blickt die Frau mit den blonden Locken und der großen Brille skeptisch an.
„Ich würde dir gerne ein paar Informationen zu chronischen Schmerzen geben, also zu Schmerzen, die sich für längere Zeit im Körper festgesetzt haben. Was hältst du davon? Du könntest dir ein Video dazu auf meinem Tablet anschauen.“
„Ok.“ Nik nimmt das Tablet auf den Schoß.
„Weißt du“, informiert die Therapeutin, „unser Gehirn merkt sich Schmerz manchmal wie ein Lied in Dauerschleife. Auch wenn körperlich längst wieder alles im Lot ist, wird das Schmerzlied weiter abgespielt. Besonders bei Stress ist der Schmerz dann wieder spürbar.“
„Das heißt, ich bilde mir meine Bauchschmerzen nicht ein?! Sagen Sie das mal meiner Mutter!“, platzt es aus Nik heraus.
„Nein, du bildest dir den Schmerz nicht ein“, bestätigt die Therapeutin. „Die gute Nachricht ist: Dein Gehirn kann dieses Schmerzgefühl auch wieder verlernen. Du kannst deinem Gehirn ein neues Lied beibringen.“
Nik atmet tief durch und lehnt sich im Sessel zurück. „Und wie?“, fragt er dann neugierig.
„Eine Möglichkeit ist, dass du dein Gehirn mit anderen Informationen fütterst, sobald die Schmerzen auftreten. Du überlegst dir zum Beispiel zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Lied, das mit diesem Buchstaben anfängt. So kommt dein Gehirn auf eine neue Spur.“
„A wie Ain’t Nobody, B wie Bad Guy“, fällt Nik sofort ein.
„Oh, du kennst dich gut mit Musik aus“, lacht die Therapeutin. „Ich hätte einen Vorschlag“, fährt sie fort. „Willst du mal aufmalen, wie du deine Zeit im Moment einteilst und wie du sie in Zukunft gerne einteilen möchtest? Das könnte den Stress kleiner machen. Und weniger Stress bedeutet weniger Schmerz.“
„Kann ich das auf dem Tablet zeichnen?“, fragt Nik.
„Gerne. Also, pass auf: Male einen Kreis und teile ihn in verschieden große Stücke ein, wie bei einer Torte. Wie groß soll zum Beispiel dein Tortenstück fürs Schlafen sein? Wie viel Zeit musst du für die Schule einplanen? Wie lange willst du mit deinen Freunden zocken? Hausaufgaben, Musik hören, Sport machen – alles, was wichtig ist, bekommt einen Platz im Kreis.“
Nik betrachtet seinen aktuellen Zeitkuchen. Das Stück fürs Zocken ist riesig. Das Stück für die Hausaufgaben ist winzig. Die Zeit, die er sich für die Schule nimmt, ist in den letzten Wochen geschrumpft wie ein alter Luftballon.
Er beginnt einen neuen Kuchen zu zeichnen. Musikhören bekommt eine große Fläche. Hausaufgaben und Lernen ein mittelgroßes Stück. Und Zocken ebenfalls eine mittelgroße Portion.
„Gab es denn eine Phase in deinem Leben, in der deine Zeiteinteilung besser funktioniert hat als jetzt?“, erkundigt sich die Therapeutin.
In Gedanken kehrt Nik in die vierte Klasse zurück. Damals gab es eine klare Trennung zwischen Freizeit und Lernzeit. Wenn Lernzeit war, gab es keine Gelegenheit zum Zocken. Die Geräte waren gesperrt. Doch das möchte er der Therapeutin gerade lieber nicht erzählen. Also zuckt er nur mit den Schultern.
Als Nik zuhause ist, setzt er sich gleich an die Hausaufgaben – auch wenn ihm der Berg riesig erscheint. Aber Nik ist voller guter Vorsätze. Angestrengt versucht er, eine Matheaufgabe zu lösen. Sein Blick schweift ab und fällt auf den PC. Alle seine Freunde sind bestimmt schon online. Na gut, nur eine kurze Runde zum Entspannen, nimmt er sich vor. Doch dann wird er schnell ins Spiel hineingezogen und die Zeit verrinnt.
Nik ist frustriert. So geht es nicht. Er muss das irgendwie anders hinkriegen. Da erinnert er sich, dass er früher seine Hausaufgaben oft im Wohnzimmer gemacht hat.
