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Das Buch "Ido" erzählt die Geschichte eines 11-jährigen Jungen, der in einer Großstadt lebt. Er scheint das Opfer einer Straßenbande zu sein, die den ganzen Block tyrannisiert. Ob er das ist und bleibt, könnt ihr hier herausfinden!
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Seitenzahl: 79
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dieses Buch ist meinem Sohn Jakob gewidmet, der mir viele schöne und unvergessliche Stunden beschert und mich zu einem sehr glücklichen Menschen gemacht hat
Der Piratenkapitän
Der Streberclub
Die Arche
Die Kinder der Arche.
Die Jungengang
Die Liste
Ido und Mik
Meister Tanaka
Der Kampf
Diro
Ule, der Dieb
Diros Seitenwechsel
Miks Vater
Idos Vorschlag
Das Versprechen
Daminia
Ido, der schmächtige Junge aus der Nachbarschaft, stand unten auf dem winzigen Fleckchen Wiese, das vor den Hochhäusern existierte. Eigentlich war es keine Wiese, nein, vielmehr ein paar einsame, vertrocknete Grasbüschel.
Ansonsten gab es dort nur noch grauen Beton.
Ido blickte in die Ferne.
Es sah so aus, als ob er, der Kapitän, eines Schiffes wäre, der sein Schiff durch die reißenden Ströme der wilden Meere steuern wollte.
Immer einen Schritt näher an der nächsten Gefahr, am nächsten Abenteuer.
Ido, der Herrscher der Meere, mutig, trotzig und wild. Der Erste im Kampf um alles, was glitzerte und funkelte.
Ja, von hier oben, sah Ido genauso aus!
Daminia lachte in sich hinein.
Ido, der nicht einmal bis auf drei zählen konnte, ohne rot anzulaufen, vor anderen.
Es fiel ihr der Vorfall vor ein paar Tagen ein, als die Lehrerin ihn aufgerufen hatte.
Sie hatte eine Frage zu den Steinzeitmenschen gestellt. Dann hatte sie herumgeblickt und ihr Blick war auf Ido gefallen. Zu ihm sagte sie: „Ido, kannst du mir diese Frage beantworten?“ Sie blickte ihn dabei erwartungsvoll an.
Ido war rot angelaufen und hatte stammelnd und stotternd die Antwort gemurmelt. So leise, das die Lehrerin ihn bitten musste, es noch einmal zu wiederholen. Sehr zur Erheiterung der ganzen Klasse.
Nur Daminia hatte er leidgetan.
In ihrer Erinnerung war er schon immer ein wenig anders, wie andere. Alle Jungs, die Daminia ansonsten kannte, waren laut und ständig damit beschäftigt, sich gegenseitig in den Dreck zu werfen.
Ido aber, war schon immer eher ein ruhiger und stiller Junge gewesen.
Daminia kannte ihn schon aus dem Kindergarten. Sie waren zusammen in die Sternengruppe gegangen. Bei den wilden Spielen, die die anderen so zu schätzen wussten, wollte er nie mitmachen. Deshalb war er für alle nur das Weichei.
Auch jetzt war er immer noch so! Daminia blickte wieder zu Ido hinunter.
Der sonst so schüchterne Ido stand nun da, wie der Kapitän der „Wilden 13“, kampfbereit und mutig.
Daminia lehnte den Kopf an die Fensterscheibe. Warum nur, erinnerte sie der Anblick Idos an einen kämpferischen Piratenkapitän? Wie kam sie gerade auf Piraten? Es konnte wohl kaum daran liegen, dass sie von Piraten gelesen hätte, grinste sie in sich hinein.
Denn lesen war für Daminia ein Graus!
Lesen und schreiben waren Dinge, die Daminia nur mit äußerster
Androhung von Strafe erledigte. Ihre Mutter war mittlerweile sehr erfinderisch im Ausdenken von Strafen. Sie dachte sich immer besonders gemeine Dinge für nicht gemachte Hausaufgaben aus.
Denn die waren schon immer eindeutig Daminias Hassobjekt gewesen, sehr zum Leidwesen ihrer berufstätigen Mutter.
Und wenn sie die Aufgaben dann gezwungenermaßen machte, weil ihre Mutter ihr wieder einmal eine ihrer übelsten Strafen androhte, waren sie nie so, wie die es sich wünschte.
Die Mutter regte sich, wenn sie diese kontrollierte, immer furchtbar auf. Denn Daminia machte beim Schreiben immer viele Fehler.
Die, die sie selbst bemerkte, strich sie immer einfach nur durch und so kam es, dass die Hausaufgaben meist, mehr aus Strichen, als aus geschriebenen Wörtern bestanden. Diese Tatsache ärgerte ihre Mutter so sehr, dass sie sie zwang, sie noch einmal zu machen.
Doch besser wurden sie davon nicht.
Ihre Mutter gab dann meist genervt nach und beließ es dabei.
Damina fand bockig sowieso, dass dieser Schulkram auch nur was für Streber war, wenn sie mit ihren Freundinnen darüber sprach.
Für Streber, wie zum Beispiel, Eram einer war. Der war immer der Klassenbeste und wurde von den Lehrern als leuchtendes Beispiel hervorgehoben. Wie sie den hasste!
Eram war einer der wenigen, in der Klasse, mit denen Daminia nicht redete.
Denn er gehörte dem Streberclub an. Die Mitglieder waren alles Schüler, die heulten, wenn sie nur eine zwei geschrieben hatten. Mit solchen Angebern wollte sie nichts zu tun haben!
Eram war geradezu ein Paradebeispiel für den Streberclub, immer schick angezogen, die Frisur möglichst en vouge! In seiner Hose war nie ein noch so kleines Loch. Seine Mutter holte ihn immer nach der Schule, mit dem großen Auto ab und er konnte sich Hobbies, wie Tennis leisten.
Er stolzierte immer über den Schulhof, als gehöre er ihm und umgab sich mit seinen Bewunderern.
Die waren alle samt Clubmitglieder und kämpften um die Ehre, in seiner Ecke mit ihm tafeln zu dürfen. Seit der letzten Woche war er noch unausstehlicher geworden, denn er hatte ein überaus wichtiges Tennisturnier gewonnen. In dessen Ruhm sonnte er sich nun. Ja, Eram war vom Glück geküsst!
Sein Vater war ein Manager und verdiente sich dumm und dämlich. Deshalb konnte die Mutter auch zu Hause bleiben und sich um Eram kümmern.
Im Gegensatz zu Daminias Mutter, die hatte drei Jobs, damit sie über die Runden kamen, wie sie es immer ausdrückte.
Doch auch dann, war das Geld immer knapp. Daminia wusste, wenn ihre Mutter einen davon verlieren würde, würden sie wieder zur Arche müssen.
Die Arche war eine soziale Einrichtung.
Sie half vor allem den ärmeren Familien, des Viertels. Dort gab es jeden Tag eine kostenlose warme Mahlzeit.
Dort waren Daminia und ihre Mutter noch vor ein paar Wochen regelmäßig hingegangen. Und es graute Daminia gewaltig davor, da wieder hin zu müssen.
Nicht, dass die Leute da nicht nett gewesen wären, aber man hätte sie ja dort sehen können.
Wie hätte sie da nur vor den Klassenkameraden dagestanden.
Eine glühende Röte überzog Daminias Gesicht bei dem Gedanken daran.
Oft war sie nur knapp diesem Schicksal entronnen.
Einmal hatte sie Ima auf dem Weg dorthin getroffen und die lief mit ihr ein Stück, die Straße entlang.
Auf die Frage, wohin sie denn wolle, hatte sie aus lauter Verlegenheit, „Einkaufen!“ gesagt. Das hatte zum Endergebnis, das Ima unbedingt mitwollte.
Da war guter Rat teuer gewesen und sie hatte wohl oder übel ein teures Paket Butter im Supermarkt kaufen müssen.
Den ganzen Einkauf über hatte Ima ihr von ihrer neuesten Cousine erzählt, die gerade frisch vor drei Wochen zur Welt gekommen war. Auf dem Rückweg wurde sie Ima nur mit einer Ausrede los.
So erklärte ihr Daminia, sie müsse noch ihre Hausaufgaben machen und deshalb schnell nach Hause. Das verstand Ima sofort. Denn Imas Mutter war sehr streng, wenn es um die Schule ging.
Doch kaum war Ima, um die Straßenecke gebogen, da wuselte Daminia im Laufschritt Richtung Arche davon.
Denn sie würde nur dort heute etwas Warmes zu essen bekommen!
Dabei blickte sie sich immer wieder gehetzt nach hinten um, denn sie hatte große Angst, das Ima noch einmal auf die Straße zurückkehren könnte. Dann wäre guter Rat teuer gewesen. Aber zu Daminias Glück, tat sie es nicht!
Immer noch, obwohl es schon Wochen her war, dachte Daminia mit Unbehagen an diese Begebenheit.
Ima hätte bestimmt damals über sie gelacht, wenn sie ihr die Wahrheit erzählt hätte. Oder noch schlimmer, es in der ganzen Schule herumerzählt und wie wäre sie dann dagestanden.
Die Angst davor, saß ihr noch in den Knochen. Vor allem aber hatte sie vor dem Gerede Angst gehabt.
Eine Menge von Gemeinheiten, fielen Daminia sofort ein, wie zum Beispiel: “He, heute schon was zu essen gehabt?“ oder „Na, was gibs denn heute bei den Assis in der Arche wieder leckeres?“
Das und einiges mehr, hätte sie bestimmt zu hören bekommen, von den anderen.
Und das nur, weil ihr Vater nicht mehr da war und ihre Mutter alles alleine stemmen musste. Eine Träne lief über ihre Wange. Daminia riss sich zusammen.
Nein, es hatte keinen Sinn zu weinen. Und doch hatte sie mehr als einmal sich in den Schlaf geweint.
Dabei ging es ihr noch gut im Verhältnis zu anderen, die in der Arche ein- und ausgingen.
Dort gab es eine Menge Kinder, die es noch schlimmer getroffen hatte, wie sie selbst.
Zum Beispiel war da Mikai, der lieber auf der Straße lebte, als zu Hause und Pitra, die noch für ihre drei kleinen Geschwister sorgen musste. Ihre Eltern waren Schichtarbeiter. Sie hatten kaum Zeit für ihre Kinder und die Großeltern wohnten weit weg in Bulgarien.
Geld hatten alle keines oder nur wenig und auch bei ihnen war Geld der Hauptgrund des ganzen Kummers.
Geld, das sie nicht hatten und vermutlich nie haben würden. Sie hatte früh gelernt ihre Wünsche nicht zu äußern, denn den Kummer wollte sie ihrer Mutter ersparen.
Den Kummer darüber hatte Daminia nämlich schon einmal bei ihrer Mutter gesehen und konnte sich noch ganz genau an diesen schlimmen Tag und Augenblick erinnern.
Es passierte als sie noch kleiner war. Sie waren gerade in der Stadt gewesen. Für den Heimweg nahmen sie die Straßenbahn, wie immer. Kurz vor der Haltestelle gab es eine Eisdiele. Daminia wusste das. Es war ein heißer Sommertag gewesen und Klein-Daminia wollte unbedingt ein Eis.
Ihre Mutter und sie stritten ganz fürchterlich deswegen und vor der Eisdiele angekommen, stellte Daminia endgültig auf stur und ging keinen Schritt weiter.
Da war ihre Mutter in Tränen ausgebrochen und hatte geschrien, sie habe leider kein Geld für ein Eis.
Sie würde es ihr ja gerne kaufen, aber für diesen Monat war einfach kein Cent mehr übrig.
Dann war ihre starke Mutter weinend zusammengesunken.
