Igor, Malle & Ich - Karen Tangermann - E-Book

Igor, Malle & Ich E-Book

Karen Tangermann

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Beschreibung

Igor, Malle & Ich ist eine zauberhafte Geschichte für Kinder ab 8 aber auch alle Erwachsenen. Es geht um Freundschaft, Liebe, Integration und Toleranz. Aus Sicht der Tiere wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft erzählt - mit Seitenhieben auf menschliche Arroganz und Fehlverhalten. Eine außergewöhnliche Erzählung mit überraschenden Wendungen.

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2013

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für Fabius, Fröschling, Jas und Christalline

Inhaltsverzeichnis

Ein vergessener Ort

Malle wird „oberirdisch“

Seltsame Träume

Igor wird überrumpelt

Die Erpressung

Das Training

In Todesgefahr

Zarte Bande

Unter der Erde

Tolle Ideen

Der Tunnelbau

Der Fremde aus Florenz

Vor dem Richter

Eine starke Gemeinschaft

Lampenfieber

Der große Schlaf

Zum Schluss

Ein vergessener Ort

Kennt ihr den alten Louisenpark? Nein? Kein Wunder!

Da geht ja auch niemand von euch Menschen mehr hin.

Seit Ewigkeiten. Alle Mauern, Gitter, Tore sind total grün vor lauter Pflanzen. Guckt einmal ganz genau hin!

Dann seht ihr, dass es hier mal Wege, Bänke und einen Spielplatz gegeben hat.

Früher glänzte ein prachtvolles Eisentor in der Sonne.

Weit geöffnet lud es alle Kinder zum Toben und sich Verstecken ein. Heute hängen von seinen verrosteten Verzierungen meterlange Efeuranken wie Schleier herunter. Schiebt sie beiseite – dann könnt ihr das kleine Gartenhäuschen sehen: verfallen, die Fenster ohne Glas, die Mauern eingestürzt, das Dach eingesunken. Es sieht aus, als hätte es die Kraft verlassen, aufrecht zu stehen. Längst haben Wurzeln begonnen, sich um die Trümmer zu schlingen. Ein bisschen unheimlich wirkt das.

Vor langer Zeit hat vielleicht einer Eurer Opas in diesem Park Räuber und Gendarm gespielt, sich an Rosendornen die Hosen aufgerissen, Eidechsen und Käfer gefangen, ist auf Bäume geklettert oder hat versucht, durch verrückte Taten Eurer Oma zu zeigen, wie cool er ist…

Nachdem die Menschen den Park vergessen hatten, verwandelte er sich allmählich in einen richtigen Dschungel. Wir, die Tiere, konnten aufatmen. Endlich ungestört! Keine Gärtner, kein Krach, keine gestutzten Büsche, kein Unkraut-Vernichter, keine Schmetterlings-Kescher… das Paradies war zurück! Toll!

Wenn ihr aber glaubt, wir leben hier hinter dem Mond, so habt ihr euch schwer getäuscht! Nehmen wir zum Beispiel Igor Igel, der sich zwischen den Wurzeln der uralten Eiche, dicht an der hinteren, völlig mit Moos überzogenen Mauer, eine große Höhle eingerichtet hat:

„Mist! Oh! Ja! Fast! Jaaaahhhh – jetzt hab' ich dich!

Zack, zack! Ha - das war's, mein Freund!!! OH NEEIINN!!! Na, warte! Oh Gott! Uuhhhh….….beinah'.

Das war knapp…“

Seht ihr die Sammlung von Igor? Die vielen Regale voller Baller-Spiele? Den riesigen Monitor, die Boxen, den ultramodernen Rechner? Gigantisch! Er liebt nur eins: Computer, Computer, Computer. Seit Monaten schon hat er keinen Freund mehr besucht. Und niemand ihn. Hat er überhaupt jemanden?

Doch - seine Mutter, Ida Igel, die nebenan wohnt. Sie schüttelt nur noch traurig den Kopf, weil Igor sie scheinbar völlig vergessen hat. All' ihre Stacheln sind vor lauter Sorge um ihren Sohn grau geworden.

Aber Igor ist in seinem Element: Solange der Rechner nicht abstürzt, ist er glücklich. Wenn er seine Pfoten schonen muss, weil die vom vielen Knöpfe drücken angeschwollen sind, surft er mit Turbo-Geschwindigkeit im Internet. Knurrt der Magen, zupft er sich einen Wurm vom Rücken (getrocknet sind sie ihm am liebsten). Wenn der Vorrat aufgebraucht ist, wackelt er zu einem uralten Komposthaufen, den die Gärtner vor mehr als 70 Jahren angelegt haben. Dort wimmelt es nur so von fetten Regenwürmern. Einmal wälzen – und schon sind die Armen aufgespießt. Igitt!!!

Es scheint, als wäre der Computer ein ultrastarker Magnet und Igor ein Nagel aus Eisen. Eigentlich ist er noch sehr jung - aber schon so steif, dass er sich nicht mehr richtig zu einer Stachelkugel zusammenrollen kann! Sogar wenn er Pipi machen muss, steht er nicht auf! Dafür benutzt er eine schöne Porzellantasse mit Rosenmuster. Igitt, igitt!!! Bestimmt hat eine eurer Omas die hier beim Picknick vergessen.

Ihr fragt, wie denn die Kabel für die Internetverbindung zu dieser schönen alten Eiche kommen konnten. Das war auch mir ein Rätsel, bis ich vor zwei Wochen auf Malle Maulwurf traf, der – das ist sehr, sehr selten - seinen schwarzen Kopf aus der Erde streckte. Ihn zierte eine riesige Beule!

„Was ist denn mit dir passiert?“ Ich war entsetzt, Malle Maulwurf so zu sehen. Sein linkes Auge war total zugeschwollen, aus seinem rechten schossen böse Blicke.

„So eine Gemeinheit! Ich habe doch meinen längsten und geradesten Tunnel bis zur Straße gebaut – dahin, wo diese stinkenden Kisten einen Höllenlärm machen.

Für die fünfzig Meter habe ich fast drei Wochen gebraucht! Weil ich den auch noch vier mal breiter und höher haben musste als alle anderen. Für Purzelbäume.

Als ich gestern dort Jogging machen wollte, habe ich mich total doll gestoßen! Irgend so ein Mistkerl hat MEINEN schönen Gang benutzt, um doofe Kabel darin zu verlegen!!!“

Aha – so war das also: Igor Igel hatte in einem Anfall von Arbeitswut – natürlich nur, weil das Internet sonst nicht funktioniert hätte – einfach einen Teil von Malle Maulwurfs Bau für sich und sein Computerkabel in Beschlag genommen! Zum Glück ist Malle unglaublich fleißig und Herr über unzählige Gänge. Jeden Tag baut er welche dazu und die fertigen klopft er liebevoll mit seinen Schaufelhänden immer wieder fest und fester. Er ist unheimlich stolz auf sein Meisterwerk – ein echter Künstler, ein perfekter Statiker. Ich wäre an seiner Stelle RICHTIG sauer auf Igor!

Ich mag Malle sehr gern, auch wenn ich ihn selten sehe.

Aber verstehen kann ich ihn nicht so ganz. Für ihn gibt es nur buddeln, buddeln, buddeln – ohne Sonne, Blumenduft, Sommerwind… und fressen, fressen, fressen – schleimige Regenwürmer auch noch! Igitt!!!

Aber eins muss man Malle lassen: er ist ein echt sportliches Arbeitstier. Manchmal beobachte ich, wie frische Erde zu einem kleinen Berg getürmt wird und gleich danach – nur ein paar Meter weiter - schon wieder! So schnell und stark wie er ist kein anderer Maulwurf.

Malle wird „oberirdisch“

Wenn ihr glaubt, wir Tiere im Louisenpark hätten ein total langweiliges Leben, so täuscht ihr euch schon wieder. Durch meine spezielle Fähigkeit kann ich fast alles beobachten, was hier passiert. Spannend! EINE Geschichte will ich euch erzählen, weil mein pelziger Freund darin die Hauptrolle spielt:

Malle achtet ganz besonders auf seinen Körper. Jeden Tag fängt er schon um fünf Uhr morgens an zu trainieren: alle Gänge blitzschnell durchlaufen, in Rekordzeit ein paar Meter Tunnel graben, fünfzig Liegestütze, hundert Sit-ups, ein paar Purzelbäume, und dann endlich das Sportler-Frühstück: Mindestens achtzehn schön lange Regenwürmer. Was ich von solcher Nahrung halte, wisst ihr ja.

Ich war dabei, als das einmal gründlich schiefging:

Malle hatte wohl wieder in Turbo-Geschwindigkeit gebuddelt und in blindem Eifer die Richtung verloren… jedenfalls schoss plötzlich sein schwarzer, samtiger Körper wie ein Blitz aus der Erde. Mit einem „Plumps“ lag mein Freund auf dem Rücken im weichen, grünen Gras – die winzigen Augen fest geschlossen, völlig erstarrt. Die gute Sonne zeigte an diesem Tag alles, was sie konnte, und schickte uns Tieren wohlige Wärme und schönstes Licht.

Armer Malle! Wie musste ihn das blenden, wie musste ihm das in den Augen weh tun! Wenn man die ganze Zeit im Dunkeln wühlt und nie das Tageslicht sieht – ohjeh! Deshalb legte er jetzt wohl auch seine Schaufel-Pfoten fest über das Gesicht!

Nach längerer Zeit entspannte Malle sich, seufzte, schmatzte, streckte sich… ich glaube, er begann, die warme, kuschelige Wiese zu genießen. Ja! Nun fing er sogar an, sich zu wälzen und kleine Quieklaute von sich zu geben! Es sah ganz danach aus, als ob er sich richtig wohl fühlte.

Malle drehte sich mühevoll auf den Bauch und fing an, stöhnend vorwärts zu robben. Hoffentlich hatte er sich nicht verletzt! Zack – mit der empfindlichen Schnuppernase gegen einen Stein geknallt! Autsch!

Nun öffneten sich doch die winzigen Äuglein - und für einen kleinen Moment wurden sie fast normal groß.

Denn was Malle sah, muss für ihn überwältigend gewesen sein: Mein Revier - eine saftig-grüne Wiese – übersät von Wildblumen in allen Farben des Regenbogens, Bienen, Fliegen, Käfer, Libellen, Schmetterlinge darüber fliegend, dahinter Baumriesen in dunklem Grün, weiße Wolkenberge vor blautürkisem Himmel, von der Nachmittagssonne in mildes Licht getaucht. Natürlich konnte er dies alles längst nicht so klar sehen wie wir, die Park-Tiere, die immer über der Erde leben. Malle musste vor so viel Helligkeit die Augen zu Sehschlitzen zusammenkneifen, aber ich denke, das, was er beobachten konnte, ließ ihn gewaltig staunen.

Was er roch und hörte, muss betäubend auf ihn gewirkt haben: Honig-, Lavendel-, Rosen-, Harz-Düfte, die Stimmen der Vögel, das Summen der Insekten, das Rascheln der Halme und Blätter im Wind…

Wie fremd, wie völlig neu! Ein Wunder! Eine ganz andere Welt! Keine Dunkelheit mehr! Vorbei das Wühlen in Lehm, Sand, Steinen und Erde und der ewig gleiche Geruch nach Würmern und Moder! Hier oben gab es so viel mehr zu spüren, zu riechen, zu hören……zu hören, zu hören… Was war das???

„Mist! Oh! Ja! Fast! Jaaaahhhh – jetzt hab' ich dich!

Zack, zack! Ha - das war's, mein Freund!!! OH NEEIINN!!! Na, warte! Oh Gott! Uuhhhh.….beinah.

Das war knapp…“

Meinem Freund Malle schienen große Ohren zu wachsen und er kroch langsam und mühevoll auf diese Geräusche zu: Sie kamen aus Igor Igels Wohnung! Was sah er da? Ein blitzendes, blinkendes Etwas, vor dem ein Furcht einflößendes Tier saß – fast fünfmal größer als er selbst, gefährlich bewaffnet mit entsetzlich spitzen Stacheln! Was machte das Ungeheuer da?

Zum Glück hatte es Malle noch nicht entdeckt, so dass er in Ruhe dessen Kehrseite bewundern konnte - seinen Rücken. Von dem ging ein unbeschreiblich leckerer Duft aus! Es roch nach.. nach.. REGEN - WÜRMERN!

Malle lief das Wasser im Mund zusammen, denn er hatte allzu lange unter Schock im Gras gelegen, sein Magen verlangte lautstark nach Nahrung. Also robbte er näher und sah sich einem tollen Angebot gegenüber:

Würmer frisch und prall kannte er schon. Leicht angetrocknet oder völlig mumifiziert – das gab es also auch? Wie das wohl schmecken würde? Malle kannte nur die saftigen, gerade Gefundenen. Er wäre nie auf die Idee gekommen, sie zu trocknen! Dazu war er immer viel zu gierig.

Ich weiß nicht, was Malle in den Sinn kam, woher er den Mut nahm, ob er vor Hunger leichtsinnig geworden war – jedenfalls schlich er sich leise an die gefährlichen Spitzen heran, zog vorsichtig einen der getrockneten Prachtexemplare ab und wollte sich davonstehlen, als…

„Was soll das? Bist du völlig verrückt? Wieso nervst du mich? Ich glaub', ich spinne! Hast du etwa gerade einen von meinen Chips geklaut? Bist du lebensmüde? Wer bist du überhaupt, du kleiner Pups? Na, warte, Freundchen! Du beklaust mich UND störst mich sogar noch beim Spielen! Jetzt bin ich tot, weil du mich unterbrochen hast! Jetzt kann ich das ganze Level nochmal von vorn anfangen. Und ich habe nur noch zwei Leben!

So ein Mist! Mist, Mist, Mega-Mist“