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Charlotte Hehl wurde von ihrer Tochter Svenja tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Ein Fall für Hauptkommissar Jens Friedmann - und seine Lebensgefährtin Inga. Während Jens sich bei den Ermittlungen an die Vorschriften halten muss, geht Inga gerne unkonventionelle Wege und mischt sich in seine Polizeiarbeit ein. Damit wird sie ihrem Spitznamen Miss Marple gerecht. Kann Sie Jens tatsächlich bei den Ermittlungen helfen oder stiftet sie nur Verwirrung?
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Gitte Osburg
Ihr letzter Herbst
Jens & Inga ermitteln
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Impressum neobooks
Ein lauter Knall schreckte Charlotte aus ihren Gedanken. Sie fuhr am ganzen Körper zusammen und drehte sich schnell nach allen Seiten, um zu sehen, wo es herkam. Zufrieden stellte sie fest, dass es nur Jugendliche mit einem getunten Auto waren, die Spaß an einer Fehlzündung hatten. Ihre Schritte wurden jetzt schneller. Es sollte wie ein leichtes Jogging aussehen, obwohl ihr gar nicht danach zumute war. In der Luft lag immer noch die Hitze des Tages. Eigentlich war ihr jede Bewegung zu viel. Sie hoffte, nicht angesprochen zu werden, um sich vielleicht noch rechtfertigen zu müssen, wo sie hingehen wollte. Sie konnte ja keinem erzählen, was sie vorhatte. Als Chefin der Verbraucherzentrale in Heiligenstadt war sie bekannt wie ein bunter Hund, pflegte auch ihr Mann von ihr zu sagen. Ihr war das nicht immer recht. Egal wo sie war, sie wurde angesprochen. Doch jetzt konnte sie nicht ausweichen. Eine Dame mit einem kleinen Präsent sprach sie an:
„Ach, guten Abend Frau Hehl. Sie machen ja Sport. Oh, wie gesund! Sie müssen wissen, ich
vertrage das nicht mehr mit meinen Knien. Aber Sie sind ja noch richtig fit.“
Charlotte trat auf der Stelle weiter. Sie wollte die Frau wieder los werden. Und hoffte, dass nicht die Gartenstraße auch ihr Ziel war. Verlegen stammelte Charlotte:
„Das sieht nur so aus. Ein bisschen will ich nur laufen. Den ganzen Tag im Büro gesessen...“
„Ich sehe, sie dürfen nicht unterbrechen. Ich will auch gar nicht stören. Ich habe es auch eilig. Die Gartenparty hinten neben dem Schwimmbad hat schon angefangen.“
Charlotte war erleichtert, sie los zu werden, denn sie wollte nach rechts abbiegen. Nachdem die Dame aus ihrem Blickfeld war, hörte sie sofort mit Laufen auf. Zum Glück hatte sie ihre leichte Freizeitkleidung angezogen. So sah das alles glaubwürdiger aus. Von der Oberlippe und dem Kinn wischte sie sich ein paar Tropfen Schweiß ab. Nur nicht schwächeln, dachte sie und atmete tief aus und wieder ein, wie sie es bei den Joggern gesehen hatte. Noch ein paar Schritte und sie stand vor dem Grundstück von Zahnarzt Dr. Kauk. Die Häuser in dieser Straße hatten fast alle denselben Baustil. Das Haus von Dr. Kauk war von einem halbhohen Zaun umgeben. Die Straße wirkte wie leergefegt. Sie saßen bestimmt in ihren Gärten hinter den Häusern. Von irgendwoher hörte man leise Musik. Bratwurstduft glaubte Charlotte zu riechen. Plötzlich überkam sie eine Wehmut nach Gesellschaft. Warum muss ich denn immer die Woche alleine verbringen, ging ihr durch den Kopf. Je mehr sie daran dachte, umso stärker wurde ihr Vorhaben.
Sie ging einen kleinen Pfad bergauf. Dort war sie auch von Bäumen und Sträuchern geschützt. Die Blätter konnten sie jetzt besser schützen, als im Winter. Da hatte sie schon einmal hier gestanden. Damals hatte sie das Gefühl, dass sie von Dr. Kauk erkannt wurde. Sie konnte es trotzdem nicht lassen. Eine unsichtbare Hand führte sie ab und zu hier hin. Von hier aus konnte sie genau zu seinem Garten und auf die Terrasse schauen. Alles was dort geschah, erkannte sie gut. Lars Kauk saß auf einer Bank und beobachtete wie ein Pascha seine Frau, wie sie vor ihm den Tisch deckte. Charlotte war überzeugt, dass er sich bei ihr anders verhalten würde. Sie würden gemeinsam den Tisch decken und sich zwischen durch auch mal einen Kuss geben. Man sah dann, dass die beiden schweigend ihr selbst gemachtes Brot und Obst aßen. Na ja, dachte Charlotte wieder, die ist fast den ganzen Tag zu Hause, da könnte sie ihm doch was Schönes kochen. Nach dem Essen ging Lars ins Haus und kam mit zwei Gläsern und einer Karaffe mit Wein zurück. Seine Frau setzte sich dann zu ihm auf die Bank, für Charlottes Meinung, viel zu dicht. Er schenkte ihr ein und streichelte dabei ihren Arm. Für Charlotte hatte das den gleichen Effekt, wie der laute Knall vorhin. Sie zuckte wieder zusammen. Diesmal spürte sie noch einen Stich in ihrem Herzen. Diesen Morgen war er erst bei ihr gewesen. Er hatte mit Komplimenten nicht gespart, sie heftig umarmt und wollte sie nicht mehr loslassen. Bis Charlotte auch nicht auf ihn verzichten wollte und sich ihm hingab. Seine Küsse brannten noch auf ihren Lippen. Dann dieser Anblick, wie gemütlich er mit seiner Frau den Abend verbrachte. Ihre Stimmung wurde immer trauriger, warum tue ich mir das an? Plötzlich rutschte sie ein Stück am Hang tiefer. An den Zweigen konnte sie sich im letzten Moment festhalten. Es war für sie, wie ein Erwecken in die Wirklichkeit. Ganz langsam ging sie dann nach Hause. Sie wusste aber genau, wenn er wieder bei ihr im Büro stand, konnte und wollte sie ihm nicht wiederstehen.
Der Regen prasselte diesen Septembermorgen so heftig auf die Straße, dass es sich monoton gleichmäßig, fasst gemütlich anhörte. Charlotte Hehl stand am Fenster ihrer Verbraucherzentrale und schaute zum grau verhangenen Himmel. Sobald wird es nicht aufhören, dachte sie und war eigentlich momentan mit dem Wetter ganz zufrieden. Wenn es regnete waren nicht viele Menschen unterwegs, nur die morgens zur Arbeit oder Schule mussten. Die Augen wurden von Kapuzen oder Schirmen bedeckt. Von den Geschäftsnachbarn war noch keiner da. Der Tagesbetrieb hatte noch nicht begonnen. Charlotte schaute auf ihre Armbanduhr. Gleich wird Lars kommen, dieser Gedanke machte sie schon nervös, um sich abzulenken blickte sie sich in ihrem kleinen Büro um. Das blinken am Anrufbeantworter ignorierte sie jetzt. Dafür wollte sie sich später Zeit nehmen. War sonst alles in Ordnung? Es sah noch alles wie vor zehn Minuten aus. Ein Regal von oben bis unten mit Aktenordner bestückt, einen Schreibtisch etwas zu groß für den kleinen Raum, für sie ein bequemer Schreibtischstuhl, vorm Tisch zwei für ihre Kunden. Auf dem Schreibtisch zwischen vielen Akten und Prospekten stand der Computer. Der Computer war noch nicht eingeschaltet. Es waren noch zwei Stunden bis zur Geschäftsöffnung. Sie drehte sich wieder zum Fenster. Ah, da oben, das wird er sein, durchfuhr es Charlotte. Ein heller Lodenmantel mit hochgeschlagenem Kragen. Pünktlich wie immer, gerader Gang mit schnellen Schritten, das war typisch für ihn. Vielleicht dachte er, wenn man schnell ist, wird man nicht gesehen. Sie wollte nochmal in den Spiegel schauen, ob alles so aussah wie vor zehn Minuten. Immer wenn Charlotte nervös war tat sie das. Sie zupfte dann an einer Locke, die sich nach ihrer Meinung zur falschen Richtung gelegt hatte.
Mit Schwung ging schon die Tür auf und pudelnass stand Lars vor ihr. Nachdem er wie selbstverständlich die Tür von innen verriegelte, wollte er sie gleich in die Arme nehmen. Sie lachte:
„Komm doch erst mal vom Fenster weg. Du bist ja ganz nass, warte ich hole ein Handtuch für Deine Haare und ziehe erst mal Deinen Mantel aus.“
Auf dem Weg zum Nebenraum. wo Spiegel und Waschbecken waren, schaute sie nochmal in den Spiegel. Sie griff mit der rechten Hand zum Handtuch während sie mit der linken Hand wieder am Haar zupfen wollte. Lars stand schon hinter ihr und küsste sie zart auf ihren Nacken.
„Wie schön Du bist, ich will Dich, lass doch das Handtuch weg“, sprach er mit seinen Lippen auf ihrer Haut, so dass es ihr kitzelte und eine Gänsehaut über ihren Rücken lief. Sie drehte sich und schaute ihm in die Augen. Sein Blick war voller begehren. Wie schaffte er es nur, mich immer wieder so schnell in Stimmung zu bringen, schoss es ihr durch den Kopf. Schon beim ersten Kennenlernen hatte sie das Gefühl von fließendem Strom. Sie schloss ihre Augen während sie sich innig küssten. Das Handtuch hielt sie immer noch fest in der Hand und versuchte vergeblich seine Haare trocken zu rubbeln. Dabei gingen seine Hände vom Rücken streichend, leicht massierend bis zur Brust und suchten die Knöpfe an ihrer Bluse. Während er einen nach dem anderen öffnete, ließ Charlotte das Handtuch fallen. Langsam schob er Charlotte zum roten Flockenteppich aus den 70iger Jahren – immer noch ihr ganzer Stolz.
„Wir haben leider wieder wenig Zeit“, flüsterte Lars.
Diesen Satz hätte er weglassen können, dachte sie, auch wenn er recht hatte. Sie hasste es, wenn er es in den schönen Momenten aussprach, aber sie verzieh es ihm.
„Ich bin ganz heiß auf Dich, Lotti“, flüsterte er ihr ins Ohr.
Ohne sich loszulassen sanken beide auf den Teppich und liebten sich leidenschaftlich. Wir sind bestimmt die Einzigen auf der ganzen Welt, vermutete Charlotte, die sich so bedingungslos liebten, obwohl ihr eine kleine Stimme sagte, dass sie in diesen Momenten eine rosarote Brille trug.
Lars Kauk, eigentlich Dr. Kauk, ein bekannter Zahnarzt in dieser Stadt, war verheiratet, genau wie Charlotte Hehl. Wo traf man sich da? Das Büro war immer noch das beste Alibi. In Heiligenstadt kannte man sich schon vom Sehen, nicht nur durch Schule oder Beruf. Ein paar Fremde, die am Tag durch die Stadt bummelten waren meist Kurgäste von der nahen Kurklinik. Touristen besuchten die Altstadt, um die gut erhaltene Stadtmauer oder das Museum des Dichters Theodor Storm mit angrenzendem barockem Rosengarten zu besichtigen. Man erreichte in etwa zwanzig Minuten fast jedes Ziel. In so einer Kleinstadt musste man sehr vorsichtig sein. Jeder kannte jeden. Eine Auskunft von der Verbraucherzentrale benötigten viele Einwohner. Hier lernten sie sich die beiden kennen. Während sie sich wieder anzogen, fragten sie sich gegenseitig wie es ihnen ging. Manchmal war Lars so voller Frust, dass sie meinte sogar Tränen in seinen Augen zu sehen. Er erzählte aber nicht viel aus seinem Privatleben und schon gar nichts von der Praxis. Charlotte hätte gern mehr über ihn gewusst.
„Du gibst mir Kraft zum Leben“, diesen Satz hörte sie oft von ihm.
Wenn sie nochmal nachfragte, dann brach er einfach das Gespräch ab mit:
„Alles wird gut, Lotti.“
Diesen Satz konnte sie nicht mehr hören. Es klang immer nach einem abwimmeln und nicht nach einer Problembewältigung. Seinen Lodenmantel knöpfte er wie immer sorgfältig bis oben zu. Alles musste seine Ordnung haben. Nur nicht unser Leben. Auf dem Weg zur Tür nahm er einen Schein aus seiner Manteltasche und legte ihn auf den Schreibtisch. Dieses geschah ohne Worte. Noch ein zärtliches Streicheln über ihren Arm. Ihre Augen suchten nach seinen Augen, an seinem Blick erkannte Charlotte, dass er mit seinen Gedanken schon wieder woanders war. Sie zog die Augenbrauen hoch und atmete heftig aus. Schon wieder an der Tür sagte er:
„Es tut mir leid, aber ich muss, Lotti. Ich melde mich wieder bei Dir“, dabei warf er nochmal einen Blick zum Schreibtisch.
Sie sollte sehen, da lag Geld für sie.
„Ich heiße Charlotte“, flüsterte sie leise.
So schnell wie Lars zu ihr gekommen war, so schnell ging er wieder. Gerade aus der Tür, lief er schon auf der anderen Straßenseite in Richtung Arztpraxis. Alles war für Charlotte wie unter einem Grauschleier. In diesem Moment hätte sie am liebsten geheult, aber dann hatte sie sich wieder im Griff und schaute nach dem Geldschein. Ein Fuffi, super, stellte sie fest und ging zu ihrem Globus. Diesen hatte sie sich gleich zum Geburtstag 1989 gewünscht, als die Wende war und die Welt nun grenzenlos schien. Sie wollte damals ihre Reiseziele immer vor Augen haben. Langsam schraubte sie am Äquator. Im unteren Teil lagen schon einige Scheine. Ohne weiter das andere Geld zu beachten, fast mechanisch legte sie die 50 Euro dazu und schloss ihn wieder. Was sie später mit dem Geld mal vor hatte wusste Charlotte nicht, sie nahm es einfach. Vielleicht wollte Lars sich damit von ihr unabhängig machen. So richtig über das Geld freuen, konnte sie sich nicht. Charlotte schaute wieder in den Spiegel, die Locken lagen wie immer. Man sieht mir nicht an, was gerade vor ein paar Minuten passiert war, ein bisschen verschwitzt, das kam auch vor, wenn man morgens vorm Öffnen das Büro wischt, dachte sie.
Die Telefonklingel holte sie wieder auf den Boden.
„Verbraucherzentrale, Sie sprechen mit Charlotte Hehl, einen guten Tag“.
Sie konnte kaum aussprechen, da hörte sie schon eine aufgeregte Stimme:
„Ach ein Glück, dass Sie schon da sind. Ich muss unbedingt von Ihnen wissen ...äh übrigens, was
kostet eine Auskunft, geben Sie überhaupt eine am Telefon?“
Zur gleichen Zeit rüttelte jemand an der Tür. Das würde wieder ein verrückter Tag werden. Sie erkannte eine ihrer Freundinnen und winkte schnell, sie sollte warten bis das Gespräch zu Ende war. Ihrem Telefonpartner erklärte sie höflich, dass eine Auskunft persönlich besser wäre. Sie könnten dann alles detaillierter besprechen bzw. gleich online nach dem aktuellen Stand schauen, Charlottes Devise war: Man kann nicht alles wissen, aber man muss wissen wo es geschrieben steht. Mit dem Anrufer vereinbarte sie hastig einen Termin. Nebenbei schaute sie zur Tür und rollte groß mit den Augen. Ihre Freundin sollte sehen, dass sie gleich Zeit für sie hatte. Jetzt endlich konnte sie die Tür öffnen.
„Susi, was ist? Du wirst doch nass.“
„Es hat aufgehört zu regnen. Ich wollte Dir auch nur einen guten Morgen wünschen und nicht einfach so vorbei gehen.“
Oh, dachte Charlotte, dann hätte ich mir doch für den Anrufer mehr Zeit genommen, denn ihre Kunden gingen eigentlich vor. Zehn Jahre arbeitete sie nun schon in dieser Verbraucherzentrale und wollte nicht ihren guten Ruf verlieren. Susanne, genannt Susi, beäugte sie kritisch und meinte:
„Hast ja geschwitzt, warst wohl schon fleißig?“
Charlotte erschrak.
„Ach ich habe nur schnell gewischt. Freitag war ich nicht mehr dazu gekommen.“
„Fleißig, fleißig, ach was mir noch einfällt, die Tanzstunden beginnen Samstag wieder. Kommt Ihr
mit?“
„Natürlich, da freue ich mich riesig, denn Samstagabend nur Fernsehen schauen, ist auch nicht die
Erfüllung.“
Außerdem, wenn Charlotte Musik hörte, könnte sie gleich tanzen egal ob Rock, Pop oder Klassik. Hauptsache es hatte einen guten Takt.
„Heute Abend telefoniere ich mit Dieter und frage ihn. Wenn er hört, dass ihr mitmacht, dann ist alles klar“, freute sie sich.
Dieter Hehl, Charlottes Mann, arbeitete die ganze Woche in einem Architekturbüro. Die Wochenenden waren ihnen wichtig. Sie wollten die immer genießen. Fast immer durfte Charlotte den Ablauf bestimmen. Er musste die Woche über wichtige Entscheidungen treffen, dass er sich am Wochenende lieber lenken und leiten ließ. Sie wäre aber auch mal froh, wenn er mit einer Idee käme. Ihre beiden Kinder Laura und Svenja standen schon auf eigenen Füßen. Laura eröffnete in Frankfurt mit Beziehungen ihres Vaters ein Kosmetikstudio. Svenja arbeitete nicht unweit von der Verbraucherzentrale als Friseuse. Trotzdem bekam Charlotte, Svenja fast genauso selten zu sehen, wie Laura. Sie lebte im Moment wieder allein, wie ihre Schwester in Frankfurt. Der Freundeskreis von beiden war sehr groß. Svenja bewarb sich zurzeit auf einem Kreuzfahrtschiff. Beide Mädchen waren sehr praktische Typen. Sie kamen im Leben zurecht. Beide wussten, man kann nur gut leben, wenn man selbst was organisierte.
„Gebratene Tauben fliegen nicht in den Mund“, pflegte Oma immer zu sagen.
„Dann bis Samstag“, hörte sie Susanne noch rufen, „wer zuerst da ist hält Plätze frei“.
Susanne musste sich auch beeilen, eine Straße weiter war ihre kleine Boutique. Charlotte hatte gerade ihre Bürotür verschlossen, da klopfte es wieder heftig. Oje, dachte sie, schon wieder, ich kann mich gar nicht auf den Tag vorbereiten. Durch die Glastür sah sie eine elegante Dame mit einer Businesstasche. Sie hatte das Gefühl, dass sie um ein Öffnen nicht herumkam.
