Im Bann des Playboy-Prinzen - Chantelle Shaw - E-Book

Im Bann des Playboy-Prinzen E-Book

Chantelle Shaw

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Beschreibung

Holly sehnte sich danach, seine Lippen auf ihren zu spüren, mehr als sie sich je nach etwas gesehnt hatte. Ein Playboy in ihrer exklusiven Privatklinik! Als die Psychologin Dr. Holly Maitland erfährt, dass Jarek Dvorska Gedächtnislücken quälen, tippt sie auf ein Kindheitstrauma. Aber beim Versuch, ihm zu helfen, gerät sie tief in den erotischen Bann ihres attraktiven Patienten. Und kaum ist seine Behandlung abgeschlossen, wird das Rätsel seiner Vergangenheit gelöst: Jarek ist ein heimlicher Prinz, der Thronfolger von Vostov! Soll Holly seine Einladung auf sein Schloss annehmen? Sie ahnt, was er von ihr will - etwas, das sie ihm nie geben kann …

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JULIA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2017 by Chantelle Shaw Originaltitel: „The Throne He Must Take“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London in der Reihe: MODERN ROMANCE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIABand 2333 - 2018 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Juliane Zaubitzer

Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2018 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733710101

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

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1. KAPITEL

Was wurde aus den Königskindern von Vostov?

Die Schlagzeile sprang Holly Maitland sofort ins Auge, als sie den Empfangsraum der Frieden Klinik betrat, um auf ihren neuen Patienten zu warten.

Die exklusive Privatklinik war international, und wie die meisten Mitarbeiter sprach auch Holly mehrere Sprachen fließend. Ihr fiel auf, dass alle Zeitungen, egal ob französisch, italienisch oder deutsch, ähnliche Schlagzeilen hatten wie die englischen. Bevor die Presse angefangen hatte, sich für Vostov zu interessieren, hatte Holly noch nie von dem kleinen Fürstentum auf dem Balkan gehört.

Sie richtete ihre Aufmerksamkeit von den Zeitungen, die ordentlich arrangiert auf einem Couchtisch vor einem eleganten Brokatsofa lagen, zu den großen Fenstern, die einen spektakulären Blick auf die österreichischen Alpen boten. Das leise Ticken der antiken Wanduhr war in der klösterlichen Stille der Lounge kaum zu hören. Es herrschte eine Atmosphäre von diskretem Luxus.

Die Schneepflüge hatten die Straße, die sich von Salzburg hier hinaufschlängelte, schon geräumt, doch es waren keine Autos zu sehen. Ihr Patient kam zu spät.

Leicht gereizt fragte sie sich, warum er nicht von einem Chauffeur vom Flughafen hatte abgeholt werden wollen, wie es üblich war. Hoffentlich trog der Eindruck, doch alles deutete darauf hin, dass Jarek Dvorska Saunderson eine echte Nervensäge war.

Jarek war der Star der Londoner Finanzwelt. Nach seinem Erfolg an der Börse, der ihn zum Multimillionär gemacht hatte, war ihm die „Gabe des Midas“ zugesprochen worden. Dann, vor ein paar Jahren, hatte es einen Skandal bei der Saunderson Bank gegeben – einer der renommiertesten Banken Großbritanniens, in deren Chefetage Jarek saß. Daraufhin hatte ihn der neue Vorstandsvorsitzende der Bank, der spanische Finanz-Tycoon Cortez Ramos, der zufällig auch Jareks Schwager war, gefeuert.

Der Knick in seiner Karriere hatte Jareks Jetset-Leben offenbar nicht beeinträchtigt. Die Paparazzi jagten ihn gnadenlos, und es verging kaum eine Woche, ohne dass Fotos von ihm in der Klatschpresse auftauchten, meist mit einer Blondine im Arm.

Die Stories über Trinkgelage, exzessive Partys und Frauengeschichten waren legendär – ebenso wie seine Leidenschaft für riskante Motorradrennen. Erst vor Kurzem hatte er bei einem Rennen sein Motorrad zerlegt und hinterher einen Journalisten attackiert, der ein Interview von ihm wollte. Dieser Vorfall hatte Jarek schließlich auch bewogen, sich professionelle Hilfe zu holen. Zumindest hatte Professor Franz Heppel, der medizinische Leiter der Frieden Klinik, Holly das im Vorgespräch erklärt.

Sie sah zur Uhr. Vielleicht kommt er ja gar nicht? Sie wusste nur zu gut, wie schwer es war, sich seinen persönlichen Dämonen zu stellen. Und es klang, als hätte Jarek Saunderson eine Menge davon.

Ein rumpelndes Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Instinktiv blickte Holly zu den höheren Hängen. In den Wintermonaten bestand in den Alpen Lawinengefahr, besonders nach starkem Schneefall. Doch es war nichts zu sehen. Sie blickte wieder auf die Straße, während das Getöse lauter wurde, und sah ein Motorrad um die Kurven brausen.

Minuten später sah Holly das Motorrad auf den Privatweg biegen, der zur Klinik führte. Sie ahnte schon, dass der Fahrer ihr Patient war. Nach allem, was sie über Jarek gehört hatte, wäre es typisch für ihn, im Januar mit dem Motorrad in die Berge zu fahren. Ein Sportkommentator hatte einmal gesagt, Jarek habe entweder Todessehnsucht oder ein so großes Ego, dass er sich für unsterblich hielt.

Ihr erster Einsatz in der Frieden Klinik klang nach einer interessanten Herausforderung, die sie hoffentlich meistern würde. Sie wollte bei Professor Heppel während ihrer dreimonatigen Probezeit einen guten Eindruck machen. Seine weltberühmte Klinik beschäftigte internationale Experten und bedeutete für sie als Psychotherapeutin einen großen Karrieresprung.

Der Motorlärm verstummte. Von ihrem Platz am Fenster sah Holly den Fahrer absteigen. In der Eingangshalle warf sie im Vorbeigehen einen prüfenden Blick in den Spiegel. Die Hochsteckfrisur, die weiße Bluse, der blaue Rock und die flachen schwarzen Schuhe wirkten sehr professionell, obwohl die Bluse ein wenig über der Brust spannte, woran der hiesige Apfelstrudel schuld war.

Stuart hätte ihre etwas üppigere Figur nicht gefallen. Als sie ihm Fotos aus ihrer Zeit als Model gezeigt hatte, hatte er von ihrer schlanken Figur geschwärmt, obwohl sie ungesund mager gewesen war.

„Meine Modelkarriere ist zehn Jahre her, und ich habe mich damals ausschließlich von Äpfeln und schwarzem Kaffee ernährt“, konterte sie, als er wollte, dass sie zum Sport ging. „Brüste und Hüften gehören dazu. Ich habe nicht vor zu hungern, um dem unrealistischen Schönheitsideal der Modeindustrie zu entsprechen.“

Wenige Monate nach dieser Unterhaltung hatte Stuart sie verlassen und seine Verlobung mit der gertenschlanken Blondine Leanne bekannt gegeben, die jetzt schwanger von ihm war.

Holly verdrängte den schmerzlichen Gedanken, als sie die Tür öffnete und auf die Veranda trat, um ihren Patienten zu begrüßen. Vor zwei Wochen war sie von London nach Österreich gezogen. Sie liebte die frische saubere Bergluft. Als ihr Zigarettenrauch in die Nase stieg, verzog sie angewidert das Gesicht.

„Mr. Saunderson?“ Der Mann hatte ihr den Rücken zugewandt, doch sie war sicher, dass er es war. Er hatte den Helm abgesetzt, und sie erkannte das blond gesträhnte Haar, das auf den Kragen seiner schwarzen Lederjacke fiel, von den zahllosen Zeitungsfotos. „Darf ich Sie erinnern, dass Rauchen in der Frieden Klinik strikt verboten ist? Die Hausordnung ist in der Broschüre abgedruckt.“

Er zuckte lässig die Schultern. „Ich habe die Broschüre nicht gelesen.“

Holly unterdrückte den Drang, ihm die Zigarette aus der Hand zu schlagen, und sagte säuerlich: „Wie bedauerlich. Sonst wüssten Sie, dass die Frieden Klinik Nikotinsucht mit einem ganzheitlichen Ansatz behandelt, der bei Zigarettenabhängigkeit eine hohe Erfolgsquote aufweist.“

„Ich bin nicht nikotinsüchtig.“ Endlich drehte er sich um und zog noch einmal an seiner Zigarette. „Sie missgönnen dem verurteilten Häftling doch nicht seine letzte Zigarette?“

Er sprach gedehnt, und sein Mund verzog sich zu einem sorglosen Lächeln, als wäre ihm seine Wirkung auf Frauen nur allzu bewusst.

„Rauchen ist eine ungehörige Angewohnheit“, fuhr Holly fort und vergaß ihre professionelle Zurückhaltung. Doch beim Anblick von Jarek Saunderson in Fleisch und Blut hatte sie alles vergessen. Hätte er sie nach ihrem Namen gefragt, sie hätte keine Antwort darauf gewusst. Der einzige Gedanke in ihrem Kopf war, wie wahnsinnig attraktiv er war.

„Nicht so ungehörig wie einige andere meiner Angewohnheiten“, murmelte er.

Seine Stimme klang amüsiert, und in seinen Augen lag ein spöttisches Funkeln, als er die Zigarette an der Sohle seines Stiefels ausdrückte, den Stummel in die Tasche steckte und die Stufen zur Veranda hochstieg.

Während Holly noch um Fassung – und nach Worten – rang, erstarb sein Lächeln und seine Stimme war hart, als er erneut sprach. „Und ich habe den Namen meiner Adoptiveltern – Saunderson – abgelegt. Ich trage wieder den Namen, den ich bei meiner Geb…“ Er unterbrach sich, dann fuhr er fort: „Meinen bosnischen Namen: Dvorska.“

„Richtig … Mr. Dvorska. Äh …“ Gott, gehört diese atemlose Stimme wirklich mir? Holly räusperte sich. „Willkommen in der Frieden Klinik.“ Sie runzelte die Stirn, als ihr seine Bemerkung wieder einfiel. „Warum bezeichnen Sie sich als verurteilten Häftling? Die Frieden Klinik ist ein Refugium, kein Gefängnis. Ich hoffe, Sie finden hier ein bisschen Ruhe und Frieden, während ich Sie auf Ihrer Reise zur vollständigen Genesung von Ihren emotionalen Problemen begleite, die momentan Ihr Leben beeinträchtigen.“

„Ruhe und Frieden?“ Er lachte grimmig. „Ich bezweifle, dass ich das jemals finden werde. Sie sagen, Sie wollen mich auf dieser wundersamen Reise zur Erleuchtung begleiten?“ Seine Stimme klang sarkastisch. „Ich dachte, Sie sind die Empfangsdame. Als ich Professor Heppel in London getroffen habe, sprach er von einer Dr. Maitland.“

„Verzeihung. Ich hätte mich vorstellen sollen.“ Nervös streckte Holly die Hand aus. „Ich bin Dr. Holly Maitland.“

Fast unmerklich änderte sich Jareks Verhalten. Er sprach noch immer so gedehnt, als langweile ihn sein Leben – laut Klatschkolumnen ein endloser Reigen aus Partys mit seinen ähnlich dekadenten Millionärsfreunden –, doch sein intelligenter Blick war so wach, als würde er direkt in Hollys Kopf sehen.

„Ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt“, murmelte er nach einer längeren Pause.

Sie schluckte, als er mit festem Griff ihre Hand umschloss. Hitze schoss ihren Arm hinauf, als hätte sie mit den Fingern in eine Steckdose gefasst. Jarek senkte den Blick auf ihre Brüsten, und sie versuchte, nicht aus der Fassung zu geraten.

„Es ist ganz normal, eine Vorstellung von anderen Menschen zu haben, bevor man ihnen persönlich begegnet.“ Sie ignorierte ihr wild klopfendes Herz und lächelte kühl. „Was haben Sie denn erwartet?“

„Ich dachte, Sie sind älter“, sagte er geradeheraus. „Ehrlich gesagt, habe ich kein Interesse, mein Herz einer Psychologin auszuschütten. Ich bin nur hier, weil meine Schwester glaubt, dass ich lernen muss, mein Temperament zu zügeln. Und mein Schwager hat gedroht, mich umzubringen, wenn Elin sich in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft meinetwegen aufregt.“

Es klang nicht, als machte er einen Scherz.

Holly verspürte einen Anflug von Neid auf Jareks Schwester. Sie hatte lange genug Zeit gehabt, sich mit ihrer Unfruchtbarkeit abzufinden, doch es tat noch immer weh.

Sie konzentrierte sich wieder auf Jarek. Seine Stimme hatte liebevoll geklungen, als er seine Schwester erwähnte, was nicht zu seinem Image als selbstverliebter Playboy passte.

„Ich nehme an, Sie befürchten, dass ich wegen meines Alters wenig Erfahrung habe. Aber ich kann Sie beruhigen. Ich habe einen Doktortitel und langjährige Berufserfahrung.“

Wieder dieses lässige Schulterzucken, dass Hollys Aufmerksamkeit auf seinen gut gebauten Körper lenkte. Sie war während ihrer kurzen Modelkarriere zu klein für den Laufsteg gewesen, und er überragte sie. Sie schätzte ihn auf knapp eins neunzig.

„Ich zweifle nicht an Ihrer Qualifikation“, erwiderte er. „Professor Heppel hat in den höchsten Tönen von Ihnen gesprochen. Jedoch vergaß er zu erwähnen, wie hübsch Sie sind, Dr. Maitland.“

Es war nicht schwer nachzuvollziehen, warum die Frauen auf ihn flogen. Er konnte wie auf Knopfdruck seinen Charme einschalten. In seiner Reibeisenstimme schwelte eine Sinnlichkeit, die sie innerlich zum Schmelzen brachte, und sie brauchte ihre ganze Willenskraft, um seinem Blick gelassen standzuhalten.

„Professor Heppel hat mir aufgrund meiner Reputation als ausgezeichnete Psychotherapeutin einen Job in seiner Klinik angeboten“, bemerkte sie knapp. „Bitte – nennen Sie mich doch Holly“, bat sie dann. „Wir werden in den nächsten Wochen viel Zeit miteinander verbringen, und eine Atmosphäre der Geborgenheit zwischen Patient und Therapeut ist äußerst wichtig.“

„Geborgenheit …“ Jareks rauchige, sexy Stimme entfachte ein Feuer in Hollys Bauch. „Frauen fühlen sich bei mir für gewöhnlich nicht geborgen. Meine Talente sind sehr vielseitig …“, er lächelte, als sie ihn erschrocken ansah, „… aber Geborgenheit zu spenden, gehört nicht dazu.“

„Kann ich mir vorstellen“, meinte sie trocken. „Die Legion Ihrer weiblichen Verehrer fühlt sich wahrscheinlich von Ihrem gefährlichen Image angezogen. Aber ich nehme an, Ihre unzähligen oberflächlichen Affären machen Sie nicht glücklich? Weshalb Sie Hilfe bei einem Psychotherapeuten suchen, der Ihnen hilft, Ihr Leben so zu ändern, dass Sie zu einer erfüllten Beziehung fähig sind.“

„Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich nur meiner Schwester zuliebe eine Therapie mache.“

Sein Lächeln war unverändert, doch die Wärme war aus seinen Augen gewichen. Sein Blick war nun kalt und hart wie Eis. Er hatte etwas Raubtierhaftes an sich. Holly bekam den Eindruck, dass die Leute Jarek genau so wahrnahmen, wie er es wollte. Doch wenn das Leben, das er vor den Augen der Öffentlichkeit führte, nur inszeniert war, wer war Jarek Dvorska dann wirklich?

„Warum glauben Frauen, dass Männer eine Beziehung brauchen, um ein erfülltes Leben zu führen?“, fragte er. „Ich bin total glücklich mit meinen oberflächlichen Affären – ehrlich gesagt, je oberflächlicher, desto besser. Der Traum eines jeden Mannes ist heißer, harter Sex ohne Fesseln. Emotionale Fesseln, meine ich. Echte Fesseln haben einen gewissen Reiz, obwohl ich persönlich für Fesselspiele Seidenschals bevorzuge.“

Holly war wütend auf sich selbst, weil sie errötete – und wütend auf ihn, weil er ein arroganter Mistkerl war. Wie habe ich auch nur für den Bruchteil einer Sekunde glauben können, er habe verborgene Abgründe? Aber ob es ihr nun gefiel oder nicht – ob er ihr gefiel oder nicht –, Jarek war ihr Patient, und es war entscheidend, dass sie eine Beziehung zu ihm aufbaute. Am Ende seines sechswöchigen Aufenthalts würde er mit Professor Heppel besprechen, ob die Behandlung erfolgreich war. Ein schlechtes Feedback würde ihren Job in der Frieden Klinik gefährden. Außerdem war Psychotherapie ihre Berufung, und sie hatte den aufrichtigen Wunsch, jedem ihrer Patienten zu helfen.

Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Wir können Ihre Theorien über Beziehungen und die möglichen Gründe für Ihre Angst davor in unseren Sitzungen diskutieren. Es ist gut, dass Sie offen und ehrlich über Ihre Empfindungen bei unverbindlichem Sex sprechen können. Sie können sich darauf verlassen, dass ich alles tun werde, um Ihnen bei Ihren Problemen zu helfen.“

Da warf er den Kopf zurück und lachte – tief und rauchig und unfassbar sexy. „Ich verspreche Ihnen, ich brauche keine Hilfe beim Sex, Engelsgesicht.“

Holly wusste, dass sie schon wieder rot anlief, und wäre am liebsten im Boden versunken, als Jareks Blick erneut auf ihre Brüste fiel. Die aufgerichteten Spitzen unter ihrer Bluse waren kaum zu übersehen. „Gehen wir doch rein, dort ist es wärmer“, sagte sie knapp.

Seinem forschenden Blick ausweichend, dirigierte sie ihn hinein und deutete auf eine Tür, die von der Lobby abging.

„Dort geht es zur Stiefelkammer, wo die Skier aufbewahrt werden und Sie Ihre Motorradausrüstung lagern können. Ihr Gepäck ist heute früh angekommen. Einer der Angestellten wird es später zu Ihrer Unterkunft bringen. Ich warte in der Lounge auf Sie. Möchten Sie eine Tasse Kaffee?“

Sein verruchtes Lächeln hatte eine eigentümliche Wirkung auf Hollys Eingeweide. Sie wartete, bis er die Tür zur Stiefelkammer hinter sich geschlossen hatte, bevor sie die Luft aus ihren Lungen entweichen ließ. Während sie die Kaffeemaschine anschaltete und die Tassen auf ein Tablett stellte, versuchte sie zu analysieren, warum sie so auf Jarek reagierte. Ihr Herz schlug immer noch zu schnell, und alle Nervenenden in ihrem Körper waren überempfindlich.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so atemberaubend ist, gestand sie sich ein. Ganz in schwarzes Leder gekleidet hatte er eine geradezu animalisch sinnliche Ausstrahlung, die sie … Holly biss sich auf die Lippe, als ein schockierendes Bild vor ihrem inneren Auge auftauchte. Sie lag nackt auf einem Bett, die Handgelenke mit Seidenschals am Kopfende festgebunden. In ihrer Fantasie strich Jarek mit den Händen über ihre Brüste und ihre Hüfte, bevor er ihre Beine auseinanderschob und den Kopf senkte.

„Vorsicht.“

Die rauchige Stimme dicht an ihrem Ohr riss sie aus ihrem erotischen Tagtraum. Sie sah, dass sie zu viel Kaffee in eine Tasse gegossen hatte und diese gerade überlief.

„Oh.“ Sie hatte ihn nicht kommen hören und wagte es nicht, ihn anzusehen, aus Angst, dass er mit seinen laserscharfen Augen in ihren Kopf hineinsah. „Ich bin furchtbar ungeschickt“, stotterte sie, während sie eine Handvoll Servietten ergriff, um den Kaffee aufzuwischen. „Wie trinken Sie Ihren Kaffee?“

„Schwarz und bitter – wie mein Herz.“

Sie reichte ihm seine Tasse, bevor sie sich selbst Milch und Zucker nahm. Jarek setzte sich aufs Sofa. Statt sich neben ihn zu setzen, wählte Holly einen Sessel. Erst aus dieser sicheren Entfernung sah sie ihn wieder an, und ihr Herz geriet gleich wieder ins Stolpern.

Ohne seine Motorradkleidung war er nicht weniger beeindruckend. Die perfekt geschnittene schwarze Hose lenkte ihre Aufmerksamkeit auf seine schmale Hüfte und die langen Beine, die er vor sich ausstreckte. Ein edler dunkelgrauer Wollpullover umschmeichelte die harten Erhebungen seiner Brust- und Bauchmuskeln. Seine Augen waren unglaublich blau, sein kantiges Gesicht brutal schön. Er erinnerte sie an einen Wolf – vor allem, wenn er sein breites Lächeln aufblitzen ließ.

Holly zwang sich, ihren Patienten objektiv zu betrachten. Seine Wangenknochen waren zu ausgeprägt und sein Mund zu groß, um auf konventionelle Weise schön zu sein. Den Stoppeln auf seinem Kinn nach zu urteilen, hatte er sich seit schätzungsweise zwei Tagen nicht rasiert. Das blond gesträhnte Haar betonte sein verwegenes Erscheinungsbild. Er strich es mit lässiger Geste zurück.

Um ihn nicht länger anzustarren, sprang sie auf und ging zu der Anrichte mit den Klinikprospekten.

„Ich möchte Ihnen kurz die Ziele der Frieden Klinik erläutern und Ihnen eine Broschüre geben, in der Sie alles nachlesen können.“

Sie sprach über ihre Schulter mit ihm.

„Kurz gesagt, ist es unsere Philosophie, die Ursache der Probleme unserer Patienten zu erkennen und zu behandeln. Probleme, die dazu geführt haben, dass sie von schädlichen Substanzen abhängig sind oder Verhaltensauffälligkeiten entwickelt haben. Wir in der Frieden Klinik sehen jeden Patienten als einzigartig an und erstellen für jeden ein individuelles Therapiekonzept. Dabei wird jedem Patienten ein Psychologe zugeteilt, der die Unterkunft mit ihm teilt und ihm vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung steht. Zusätzlich zur eigentlichen Therapie ermutigen wir die Patienten, das breite Angebot der Klinik wahrzunehmen, wie Massagen und Yoga. Freizeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt Ihres Aufenthalts bei uns. Es gibt die Möglichkeit, Ski zu fahren, und viele andere Angebote für Outdoor-Aktivitäten.“

Nachdem sie die Broschüren in der letzten Schublade gefunden hatte, drehte Holly sich zu Jarek um und bemerkte, dass er sich eine Zeitung genommen hatte und darin las. Offenbar interessierte er sich mehr für die Story auf der Titelseite als für das, was sie ihm mitteilte.

„Soll ich noch einmal wiederholen, was ich gerade gesagt habe?“, fragte sie mit aufgesetzter Höflichkeit.

Er ließ die Zeitung auf den Tisch fallen, und für den Bruchteil einer Sekunde sah sie den gequälten Ausdruck in seinen Augen. Doch dann blinzelte er, und Holly war überzeugt, dass sie sich geirrt hatte, denn sein eisblauer Blick war undurchdringlich.

„Hab schon verstanden. Wenn ich ein braver Junge bin, darf ich Ski fahren“, erwiderte er.

Er war ihr Patient, und sie musste alles tun, um eine Beziehung zu ihm aufzubauen, selbst wenn es sie umbrachte.

Durch das Fenster sah sie einen Wagen vorfahren.

„Ihr persönlicher Chauffeur Gunther bringt Sie jetzt ins Chalet Soline. Außerdem haben wir Ihnen einen Gourmetkoch und ein Dienstmädchen zugeteilt, die sich während Ihres Aufenthalts um Sie kümmern. Professor Heppel kommt heute Abend vorbei, nachdem Sie sich eingerichtet haben. Wir haben ein Unterhaltungsprogramm für Sie vorbereitet, darunter auch ein Abend in Salzburg mit Kammermusik im Schloss Mirabell, wo Sie den Rest des Teams und die anderen Patienten kennenlernen können.“

„Ich weiß nicht, ob ich so viel Aufregung verkrafte“, kommentierte er trocken. „Ich hoffe, es gibt dort eine gut sortierte Bar.“

„Die Patienten sind angehalten, während der Therapie auf Alkohol zu verzichten“, erinnerte Holly ihn. „Aber keine Sorge – ich bin bei Ihnen, um Sie auf Ihrem Weg zu begleiten und zu ermutigen.“

Jarek erhob sich vom Sofa, und plötzlich schien der Raum zu schrumpfen. Das lag nicht nur an seiner Größe. Er strahlte eine gefährliche Anziehungskraft aus, und Holly wurde heiß und kalt zugleich, als er sie mit seinen strahlend blauen Augen von Kopf bis Fuß musterte und einen Augenblick länger als nötig bei ihren Brüsten verweilte.

„Ich hätte mir denken können, dass Sie auf Kammermusik stehen. Ich wette, für Sie besteht eine aufregende Nacht darin, mit einem Glas Milch zu Bett zu gehen“, sagte er mit diesem trägen, spöttischen Tonfall.

„Meine Schlafgewohnheiten stehen hier nicht zur Diskussion“, erwiderte sie schnippisch.

Er stellte ihre Professionalität auf eine harte Probe. Noch nie hatte sie sich so provoziert gefühlt. Sie sah, wie sich sein Mund zu einem Lächeln verzog.

„Wir könnten stattdessen meine Schlafgewohnheiten diskutieren, wenn Sie wollen. Die sind garantiert interessanter als Ihre.“

„Das ist mir bewusst. In der Boulevardpresse werden ja regelmäßig intime Details Ihres Liebeslebens ausgewalzt.“

Sein Lächeln wurde breiter, und das Funkeln in seinen Augen ließ Hollys Herz schneller schlagen.

„Da Sie so viel über mich wissen, lesen Sie diese Blätter also“, sagte er leise. „Die intimen Details, die Sie erwähnen, sind zur Hälfte wahr und zur Hälfte der lebhaften Fantasie eines Redakteurs entsprungen. Aber ich habe kein Liebesleben.“ Seine Stimme wurde hart. „Liebe hat in meinen Affären keinen Platz. Solange Sie das nicht vergessen, werden wir uns gut verstehen.“

„Ich habe kein Interesse an Ihrem Sexleben, außer in meiner Funktion als Ihre Therapeutin.“

„Natürlich interessieren Sie sich für mich, Engelsgesicht. Diese großen braunen Augen schmelzen wie Schokolade, wenn Sie mich ansehen. Glauben Sie, ich habe die hungrigen Blicke nicht bemerkt?“

Seine rauchige, sinnliche Stimme jagte Holly unweigerlich einen Schauer über den Rücken. Sie musste die Situation und sich selbst unbedingt wieder in den Griff bekommen. Sie konnte sich ihre Reaktion auf Jarek nicht erklären. Er war ein arroganter Playboy und das absolute Gegenteil der intellektuellen Männer, mit denen sie bisher ausgegangen war.

Bevor Holly London verlassen hatte, war sie einige Male mit Malcolm essen gewesen, einem Kunsthistoriker, der ziemlich interessant über islamische Kunst zu erzählen wusste. Auch wenn sie zugeben musste, dass ihre Gedanken nach drei Stunden irgendwann abgeschweift waren.

„Ich fürchte, Sie irren sich.“ Sie war erfreut, dass ihre Stimme kühl und gefasst klang – ganz anders, als sie sich fühlte. „Mir geht es nur darum, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Mein Interesse an Ihnen ist das Ihrer Psychotherapeutin. Ich will herausfinden, wie Sie ticken, Jarek. Sie haben sich selbst als Gefangenen beschrieben“, sagte sie sanft. „Aber vielleicht ist das Gefängnis ja in Ihrem Kopf.“

Jarek machte es sich auf dem Rücksitz der Limousine gemütlich. Dabei wäre er am liebsten auf sein Motorrad gesprungen und von hier verschwunden. Doch er hatte seinem Schwager versprochen, dass er sich Elin zuliebe einer sechswöchigen Psychotherapie unterziehen würde. Und weil seine Schwester der einzige Mensch auf der Welt war, den er liebte, würde er die Sache durchziehen, auch wenn es die langweiligsten Wochen seines Lebens zu werden versprachen.

Vielleicht wird es allerdings nicht ganz so öde wie befürchtet, dachte er und sah die reizende Dr. Maitland vor sich.