Im Bann des stolzen Sultans - Heidi Rice - E-Book

Im Bann des stolzen Sultans E-Book

Heidi Rice

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Beschreibung

Fünfhunderttausend Pfund - ein verlockendes Angebot! Soviel bietet ihr Scheich Zane, wenn Cat ein Buch über sein fernes Wüstenreich schreibt. Dafür wird sie drei Monate lang in seinem prächtigen Palast wohnen, den stolzen Sultan täglich in ihrer Nähe wissen. Verzweifelt versucht die junge Wissenschaftlerin, ihr vorsichtiges Herz vor dem Wüstenprinzen zu schützen: vergeblich. Voller Leidenschaft erwidert sie Zanes feurigen Kuss! Doch eine heiße Liebesnacht hat ungeahnte Folgen. Nicht nur für Cat, sondern auch für den Thron von Narabien …

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Seitenzahl: 204

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IMPRESSUM

JULIA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2018 by Heidi Rice Originaltitel: „Carrying the Sheikh’s Baby“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London in der Reihe: MODERN ROMANCE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIABand 2431 - 2020 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Marina Michaelsen

Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 03/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733713997

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Dr. Smith, in mein Büro. Sie haben einen äußerst wichtigen Gast, den Sie nicht warten lassen sollten.

Noch knapper hätte ihr Chef es nicht formulieren können, dachte Catherine Smith, während sie im halsbrecherischen Tempo durchs Tor des Devereaux College in Cambridge radelte. Die Textnachricht von Professor Archibald Walmsley hatte sie nur nervös gemacht und wenig aufgeklärt.

Direkt vor dem roten Backsteingebäude sprang sie vom Rad und rammte es eilig in den Fahrradständer. Während sie auf den Haupteingang zulief, bemerkte sie die dunkle Limousine im Halteverbot. Getönte Scheiben und kleine Fahnen zu beiden Seiten der Kühlerhaube wiesen den Wagen als Diplomatenfahrzeug aus.

Diese Flaggen kannte sie doch! Ihr Herz begann zu rasen.

Das also war der Grund zur Eile: Ein Mitarbeiter der narabischen Botschaft war zu ihr ins College gekommen. Vor lauter Aufregung schien sich ihr Brustkorb zusammenzuziehen. Hastig nahm sie die Stufen zum Eingang.

Besuch aus der narabischen Botschaft konnte entweder ein sehr gutes Zeichen sein oder ein sehr schlechtes.

Nach dem Tod ihres Vaters hatte Walmsley dessen Stelle als Dekan des Devereaux College übernommen. Er würde sie umbringen, wenn er erfuhr, dass sie sich hinter seinem Rücken um eine offizielle Erlaubnis bemüht hatte, die jüngste narabische Geschichte zu erforschen. Ölvorkommen hatten Narabien reich gemacht. Dennoch hielt sich der Wüstenstaat der restlichen Welt gegenüber eher verschlossen und suchte kaum Kontakt zu anderen Ländern. Wenn sie die Akkreditierung erhielt, bekäme sie vielleicht sogar die Möglichkeit, nach Narabien zu reisen. Bei dieser Vorstellung pochte ihr Herz heftig.

Der Besuch musste ein gutes Zeichen sein. Vor zwei Monaten war Narabiens Herrscher, Tariq Ali Nawari Khan, nach langer Krankheit gestorben, und sein Sohn Zane hatte den Thron bestiegen. Zane war Halbamerikaner, das Ergebnis einer ausgesprochen kurzen Ehe von Scheich Tariq mit der tragischen Hollywood-Ikone Zelda Mayhew. Als Kind war Zane ein Liebling der Klatschpresse gewesen. Irgendwann waren die Berichte über ihn immer seltener geworden. Und nachdem sein Vater ihn im Alter von vierzehn Jahren zu sich genommen hatte, war er völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden. Dennoch gab es hinlänglich Gerüchte, die darauf hindeuteten, dass der neue Sultan das Land öffnen und Narabien auf die Weltkarte zurückbringen wollte.

Genau deshalb hatte Catherine die offizielle Forschungserlaubnis beantragt. Sie hoffte, dass das neue Regime den Schleier lüftete, der auf dem Land lastete. Aber was, wenn sie mit ihrer Einschätzung falschlag und der Diplomat nur hier war, um sich über sie zu beschweren? Dann würde Walmsley ihr sicher kündigen.

Sie raste den Korridor entlang und versuchte sich zu beruhigen, indem sie den vertrauten Geruch von Zitruspolitur und altem Holz einsog.

Wie immer erfasste sie ein jähes Gefühl der Trauer, während sie die letzten Stufen zum ehemaligen Büro ihres Vaters erklomm. Hier hatte sie ihr halbes Leben verbracht – ihr Vater war zum Dekan ernannt worden, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war. Bereits seit zwei Jahren war Henry Smith nun schon tot.

Kopf hoch, Cat! Du kannst dich nicht für immer hier verstecken.

Nachdem sie um die letzte Ecke gebogen war, bemerkte sie die beiden einschüchternden Männer in dunklen Anzügen, die vor Walmsleys Büro postiert waren. Ihr Herz klopfte mittlerweile bis zum Hals, und ihr Magen unternahm eine Achterbahnfahrt.

Warum wurde der narabische Botschafter von Sicherheitsleuten begleitet? War das nicht ein bisschen übertrieben?

Um Zeit zu schinden, band sie ihre eigensinnigen Locken zu einem Pferdeschwanz zusammen. In der Stille auf dem Flur klang das Schnappen ihres Haarbandes wie ein Pistolenschuss. Die beiden Männer starrten sie an, als wäre sie keine vierundzwanzigjährige Professorin mit zwei Doktortiteln in Orientalistik, sondern eine Bedrohung, die es zu überwältigen galt.

Sie zwang sich, ruhiger zu atmen.

„Entschuldigung“, murmelte sie. „Mein Name ist Dr. Catherine Smith. Professor Walmsley erwartet mich.“

Einer der beiden Riesen nickte brüsk und öffnete die Tür.

„Sie ist da“, verkündete er mit starkem Akzent.

Als Cat das Büro betrat, prickelte es in ihrem Nacken.

„Dr. Smith, na endlich. Wo waren Sie nur?“, fragte Walmsley. Seine Stimme klang deutlich gestresst. Ziellos schob der Dekan die Unterlagen auf seinem Schreibtisch von einer Seite zur anderen. Cat hatte ihn noch nie nervös erlebt.

Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, zuckte sie zusammen.

„Tut mir leid“, begann sie und versuchte verzweifelt, seinen Ausdruck zu deuten. Aber er stand mit dem Rücken zum Fenster, und so lag sein Gesicht im Schatten. „Ich war in der Bibliothek. Ihre Nachricht hat mich erst vor fünf Minuten erreicht.“

„Sie hätten unseren verehrten Gast wirklich nicht warten lassen sollen.“

Er deutete hinter sie, und Cat schwang voller Anspannung herum.

In einem Ledersessel saß ein Mann, den sie im winterlichen Dämmerlicht des Büros nicht erkennen konnte. Selbst im Sitzen sah er beängstigend groß aus, seine Schultern wirkten breit unter dem maßgeschneiderten Anzug. Den linken Fuß hatte er lässig aufs andere Knie gelegt, an seinem gebräunten Handgelenk erkannte sie eine teure goldene Uhr. Seine ganze Haltung strahlte eine beinahe raubtierhafte Selbstsicherheit aus.

Als er die Beine nebeneinanderstellte und sich vorbeugte, sodass sein Gesicht zu erkennen war, ging Cats ohnehin hoher Pulsschlag schier durch die Decke.

Sie hatte schon einige Fotos von Scheich Zane Ali Nawari Khan gesehen, doch sie wurden ihm eindeutig nicht gerecht. Scharf geschnittene Wangenknochen, eine fast messerscharf gerade Nase und das militärisch kurz geschnittene Haar bildeten einen auffälligen Kontrast zu den intensiv türkisfarbenen Augen, für die seine Mutter berühmt gewesen war.

Offensichtlich hatte er von beiden Elternteilen das Beste geerbt, denn sein Gesicht war eine unwiderstehliche Kombination aus den edlen arabischen Zügen seines Vaters und der kaukasischen Schönheit seiner Mutter. Fast wäre er zu schön gewesen, wenn er nicht diese kleine Narbe am Kinn und einen leichten Höcker auf dem Nasenrücken gehabt hätte, die die perfekte Symmetrie durcheinanderbrachen.

Cat blieb schlicht der Atem weg.

„Hallo Dr. Smith“, begrüßte er sie mit tiefer kultivierter Stimme. Obwohl er seit vielen Jahren in Narabien lebte, sprach er mit dem lässigen, etwas schleppenden Akzent der amerikanischen Westküste.

Dann erhob er sich aus dem Sessel und kam in voller beeindruckender Größe auf sie zu. Unweigerlich fühlte sie sich wie eine Gazelle, die jeden Moment von einem Löwen angegriffen werden könnte. Mühsam brachte sie ihre Atmung unter Kontrolle, um nicht vor seinen Gucci-beschuhten Füßen in Ohnmacht zu fallen.

„Mein Name ist Zane Khan“, erklärte er, nur noch wenige Millimeter von ihrer persönlichen Komfortzone entfernt.

„Ich weiß, wer Sie sind, Euer Hoheit“, entgegnete sie atemlos und war sich schmerzlich bewusst, wie klein sie sich gegen ihn ausnahm.

Wieder sprach er mit diesem lässigen urbanen Tonfall. „Diesen Titel benutze ich außerhalb von Narabien nicht.“

Blut schoss ihr ins Gesicht und rauschte in ihren Ohren. Dann erschien zu allem Überfluss auch noch ein Grübchen auf seiner linken Wange, und ihre Atmung setzte erneut aus.

Ein Grübchen? Wirklich? Sieht er nicht schon so gut genug aus?

„Tut mir leid, Euer Hoh… Ich meine, Zane.“ Die Hitze schob sich hoch bis an ihren Haaransatz, als sie sah, wie seine Mundwinkel zuckten.

Oh, mein Gott, Cat! Du hast Narabiens Scheich mit dem Vornamen angesprochen!

„Entschuldigung. Tut mir so leid. Ich wollte natürlich sagen: Mr. Khan.“

Sie atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Doch sein Duft, den sie dabei wahrnahm – Zitronenseife und ein würziges, frisches Aftershave mit einer Note von Zedernholz –, half ihr nicht gerade, sich zu beruhigen. Als sie zurückwich, stieß sie gegen Walmsleys Schreibtisch.

Der Scheich kam ihr nicht nach, doch sie spürte seinen intensiven Blick auf jeder Stelle ihrer Haut, die nicht von Stoff bedeckt war.

„Sind Sie hier wegen meiner Forschungsanfrage?“, brachte sie kläglich hervor und kam sich unglaublich albern vor.

Warum sollte der Scheich von Narabien nach London reisen, um mit ihr zu klären, was auch seine Botschaft locker hätten regeln können?

„Nein, Dr. Smith. Ich bin hier, um Ihnen einen Job anzubieten.“

Zane hätte beinahe laut losgelacht, als Catherine Smiths haselnussbraune Augen rund und tellergroß wurden. Offensichtlich hatte sie sein Angebot nicht erwartet.

Andererseits hatte er schließlich auch nicht mit ihr gerechnet. Er war ohnehin in Cambridge gewesen, weil er mit einer Computerfirma über eine superschnelle Internetverbindung für Narabien verhandelt hatte. Und es hatte ihn rasend gemacht, erfahren zu müssen, dass es am Devereaux College jemanden gab, der ohne seine ausdrückliche Genehmigung über Narabiens jüngste Geschichte forschte.

Die E-Mail jener Akademikerin, die um Akkreditierung gebeten hatte, war ungelesen in den Papierkorb gewandert. Er war einfach davon ausgegangen, dass sie eine langweilige Mittfünfzigerin wäre.

Allerdings wirkte Catherine Smith kaum älter als eine Highschool-Absolventin. In ihren eng anliegenden Jeans, den Bikerboots und dem Sweatshirt, das ihr fast bis zu den Knien ging, sah sie aus wie ein kleiner Wildfang. Noch dazu wurde auch ihr kastanienbraunes Haar vom Zopfgummi kaum gebändigt. Dr. Smith war eine junge, unkonventionelle Schönheit, und vor allem ihre Augen in der Farbe von flüssigem Karamell hatten es ihm angetan. Sie waren groß und standen leicht schräg, was ihr einen leicht verträumten Charakter verlieh, als sei sie gerade erst aus dem Bett gestiegen. Gleichzeitig waren sie so ausdrucksstark, dass scheinbar jede einzelne Emotion in ihnen abzulesen war.

„Was für einen Job?“, fragte sie und überraschte ihn mit ihrer Direktheit, während sie gleichzeitig noch weiter zum Schreibtisch ihres Chefs zurückwich.

Zane sah an ihr vorbei Walmsley an.

„Lassen Sie uns allein“, befahl er.

Eilig verließ der Dekan das Zimmer – ganz offensichtlich wusste er, dass die Finanzierung seiner Abteilung wegen der unerlaubten Forschung dieser Mitarbeiterin auf der Kippe stand.

Ihre Augen weiteten sich noch mehr, und Zane bemerkte den rasenden Puls, der sich knapp über dem Dekolleté ihres unförmigen Sweatshirts abzeichnete.

„Ich brauche jemanden, der einen detaillierten Bericht über mein Volk schreibt, über seine Geschichte, seine Kultur, seine Sitten und Gebräuche. Ich will, dass die Welt Narabien kennenlernt. Soweit ich weiß, verfügen Sie über fundierte Kenntnisse der Region?“

Dieses Forschungsprojekt war eine Idee seiner PR-Leute – als Teil jenes Prozesses, der Narabien Stück für Stück öffnen und zurück auf die Bühne der Weltöffentlichkeit bringen sollte. Damit hatte er vor fünf Jahren begonnen, als ein schlimmer Herzanfall seinen Vater gezwungen hatte, die Zügel, die dieser bis dahin fest im Griff gehalten hatte, ein wenig zu lockern.

Fünf lange Jahre war Tariq Khan ein Schatten seiner selbst gewesen, bevor er der Krankheit schließlich erlegen war. In dieser Zeit hatte Zane die Ölnation aus dem dunklen Mittelalter gezerrt und Infrastruktur-Projekte an den Start gebracht, die auch abgeschiedene Landesteile mit Elektrizität, Wasserleitungen und Internet versorgen sollten.

Es lag noch ein weiter Weg vor ihm, und das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, waren Klatsch und Tratsch über die Beziehung seiner Eltern zueinander beziehungsweise über seine eigene schwierige Beziehung zu seinem Vater. Wenn er zuließ, dass seine Vergangenheit öffentlich wurde, würde niemand mehr über die eigentlichen Themen sprechen.

Unwillkürlich lockerte er seine Schultern.

Er wollte ein Buch, das die Anpassungsfähigkeit und das neue, moderne Gesicht seines Landes unterstrich. Wenn Catherine Smith auf die schäbige Wahrheit stieß, wie er ursprünglich nach Narabien gekommen war, würde das seiner Version der Geschichte krass widersprechen. Allerdings wusste er, dass er sie nicht mundtot machen konnte. Er musste sie anders unter Kontrolle bringen.

„Traue niemandem“, war die Lieblingsmaxime seines Vaters gewesen – eine der vielen harten Lektionen, die Zane mit der Zeit hatte lernen müssen.

„Sie möchten, dass ich ein Buch über Ihr Land schreibe?“ Das schien sie zu erstaunen, und er fragte sich, warum.

„Ja. Allerdings würde es bedeuten, dass Sie mich nach Narabien begleiten müssten. Sie hätten drei Monate, um das Buch zu schreiben, aber wie ich gehört habe, beschäftigen Sie sich ohnehin schon seit einem Jahr mit der Geschichte meines Landes?“

Genau deshalb musste er ihr diesen Auftrag geben – um sicherzugehen, dass sie noch nichts entdeckt hatte, was er geheim halten wollte.

Sie befeuchtete ihre Lippen. Obwohl sie keinen Lippenstift trug, wurde er abgelenkt von dem sinnlichen Schwung ihrer Oberlippe, der im Halbschatten verführerisch funkelte. Zu seiner eigenen Überraschung überfiel ihn ein jähes Gefühl der Erregung. Die Frauen, mit denen er normalerweise schlief, waren sehr viel eleganter und kultivierter als Dr. Catherine Smith.

„Tut mir leid, aber … Das Angebot kann ich nicht annehmen.“

Mühsam wandte er den Blick von ihrem Mund ab und ärgerte sich, dass er sich davon derart hatte faszinieren lassen. Außerdem reizte ihn ihre Antwort.

„Ich kann Ihnen ein lukratives Honorar versprechen.“

„Das bezweifle ich nicht“, entgegnete sie.

Allerdings vermutete er, dass sie keine Vorstellung hatte, wie hoch das Honorar wirklich ausfallen würde.

„Ich kann in so kurzer Zeit kein derart umfassendes Werk schreiben“, fuhr sie fort. „Bisher habe ich mich nur mit den grundlegendsten Recherchen zu Narabien befasst, und ich habe noch nie ein Buch dieser Größenordnung geschrieben. Sind Sie sicher, dass Sie nicht lieber einen Journalisten engagieren möchten?“

Auf keinen Fall würde er einen Journalisten einladen, in seiner Vergangenheit herumzuschnüffeln. Genau das wollte er mit diesem sorgsam überwachten Buchprojekt vermeiden.

Der offene Widerstand auf ihrem Gesicht faszinierte ihn. Unwillkürlich erwachte seine Lust, doch er ignorierte sie geflissentlich. So verlockend diese geschwungenen Lippen auch waren, er ließ sich nie mit einer Untergebenen ein, noch dazu, wenn sie aussah, als wäre sie gerade einmal volljährig.

„Wie alt sind Sie eigentlich, Dr. Smith?“, erkundigte er sich unvermittelt.

An der Art, wie sie erstarrte, erkannte er, dass er sie beleidigt hatte. Offensichtlich kam es häufiger vor, dass jemand ihre Kompetenz anzweifelte. Kaum verwunderlich, schließlich sah sie aus, als wäre sie zu jung fürs College. Wer sollte da an zwei Doktortitel glauben?

„Ich bin vierundzwanzig.“

Er nickte erleichtert. Vierundzwanzig war jung für jemanden mit ihren Qualifikationen, aber so jung nun auch wieder nicht.

„Dann stehen Sie noch am Anfang Ihrer Karriere, und ich biete Ihnen die Gelegenheit, sich einen Namen zu machen. Auch außerhalb der …“ Er ließ seinen Blick über die alten muffigen Lederbände schweifen. „… rein akademischen Welt. Sie wollen eine offizielle Akkreditierung für Ihre Forschung in Narabien? Dies ist Ihre einzige Chance, sie zu bekommen.“ Und er konnte über den Inhalt ihrer Arbeit bestimmen.

Zuversichtlich wartete er ab, bis sie sein Angebot – und die darunterliegende Drohung – verarbeitet hatte. Es dauerte nicht allzu lange, und ihr Gesicht errötete vor Schreck.

„Ich könnte meine Arbeit auch ohne Ihre Erlaubnis fortsetzen“, gab sie zurück, biss sich jedoch gleichzeitig nervös auf die Unterlippe.

Diese Geste erregte ihn schon wieder, verriet ihm aber auch, dass sie bluffte.

„Natürlich könnten Sie das. Aber dann würden Sie Ihre Anstellung verlieren“, schnarrte er.

Seine Geduld war inzwischen am Ende. So attraktiv und mutig sie war, er hatte einfach nicht die Zeit, auf dieses Spiel mit ihr weiter einzugehen.

„Tatsächlich würde ich sogar persönlich dafür sorgen, dass Sie keinen Zugang zu den nötigen Dokumenten bekämen.“

Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe, und die Röte auf ihren Wangen betonte das hübsche Band aus Sommersprossen, das sich über ihren Nasenrücken zog.

„Wollen … Sie mir drohen, Mr. Khan?“

Er schob seine Hände in die Hosentaschen und trat näher an sie heran. „Ganz im Gegenteil: Ich biete Ihnen die Möglichkeit, Ihre Arbeit voranzutreiben. Narabien ist ein faszinierendes und wunderschönes Land. Und es ist gerade dabei, sich aus seinem Kokon zu befreien, um endlich sein ganzes Potenzial auszuschöpfen.“

Denn das war sein großes Ziel: Narabien in einen Ort zu verwandeln, der sein kulturelles Erbe schätzen und dennoch frei in die Zukunft blicken konnte.

„Wie sollen Sie über ein Land schreiben, das Sie nie besucht haben? Eine Kultur, die Sie nicht erlebt haben? Ein Volk, das Sie nicht getroffen haben?“

Die Leidenschaft, mit der Zane Khan sprach, spiegelte sich in seinen strahlend blauen Augen wider und ließ sie noch intensiver erscheinen, geradezu beunruhigend.

Er nennt dich einen Feigling.

Konnte sie ihm da wirklich widersprechen?

Am Devereaux College hatte sie sich stets in Büchern vergraben, weil sie sich damit sicher gefühlt hatte. Seit dem Tod ihres Vaters wartete sie auf den Moment, endlich der Entdeckerlust zu folgen, die sie seit ihrer Kindheit unterdrückte.

Sei nicht langweilig, Schatz. Daddy muss nie davon erfahren, wenn du ihm nichts verrätst. Bist du Cat oder ein Mäuschen?

Unwillkürlich dachte sie an ihre Mutter mit diesem viel zu strahlenden Lächeln – dem Inbegriff rücksichtsloser Impulsivität.

Aber das hier hatte nichts mit ihrer Mutter zu tun. Also zwang sie sich, Zane Khans tiefblauen Augen zu begegnen, hinter denen sich dunkle Geheimnisse zu verbergen schienen. Zugegeben, dieser Mann konnte ihrem inneren Frieden eindeutig gefährlich werden. Aber warum sollte das ihre professionelle Integrität beeinträchtigen? Offensichtlich war sie viel zu lange nicht mehr aus dem schützenden Umfeld der Universität herausgekommen. Nur deshalb hatte er sie in gerade einmal fünf Minuten derart durcheinanderbringen können. Selbstvertrauen musste man sich erarbeiten, indem man sich seinen Ängsten stellte.

Du musst nur an dich glauben, Cat. Dann kannst du alles erreichen.

Das waren die Worte ihres Vaters gewesen, immer wieder, wenn sie vor Nervosität vergangen war an ihrem ersten Tag in der Grundschule, in der weiterführenden Schule, im College und sogar noch in der Universität.

Plötzlich ergriff sie ein überwältigendes Gefühl der Aufregung. Zweifellos war diese Reise Furcht einflößend, aber es wurde auch Zeit, dass sie aus ihrer Komfortzone herauskam. Sie war vierundzwanzig Jahre alt und hatte noch nicht einmal einen festen Freund gehabt. Das erklärte vermutlich, warum sie beinahe ohnmächtig geworden war, als sie Zane Khan begegnet war. Auch jetzt stieg schon wieder die Röte an ihrem Hals empor.

Bisher hatte sie nur Bilder und Artefakte nutzen können, um sich mit Narabien zu beschäftigen. Dennoch faszinierte das Land sie mit seiner abwechslungsreichen Geografie und dem reichen kulturellen Erbe. Dabei hatte sie gerade einmal an der Oberfläche gekratzt. Den Staat und seine Kultur aus erster Hand kennenzulernen war für ihre Arbeit unerlässlich, und die Chance, den Umbruch mitzuerleben, reizte sie sehr.

Außerdem würde sie mit Zane Khan nicht allzu viel Zeit verbringen müssen.

„Hätte ich vollen Zugang zu den Archiven?“

„Selbstverständlich.“ Er zögerte nicht eine Sekunde.

Ein anthropologisches Buch über das kulturelle Erbe seines Landes, über die Monarchie und deren Herausforderungen für die Zukunft – das ergab Sinn, und Zane Khan war eindeutig eines der Kernthemen darin.

„Außerdem möchte ich Sie dazu interviewen dürfen“, forderte sie, bevor sie es sich anders überlegen konnte.

Sie sah Widerstand in seinen Augen aufflackern, und an seinem Kiefer zuckte ein Muskel.

„Warum sollte das nötig sein?“

„Nun ja, Sie sind der Scheich.“ Sie fragte sich, warum sie das überhaupt erklären musste. „Außerdem haben Sie Ihre Kindheit in einem westlichen Land verbracht. Ihre einzigartige persönliche Perspektive umfasst beide Kulturkreise.“

„Ich bin sicher, wir können irgendwann einen Gesprächstermin vereinbaren“, versprach er, klang aber seltsam distanziert. „Sind wir uns einig?“

Sie stieß den Atem aus und fühlte sich, als würde sie sich kopfüber ins Ungewisse stürzen – was in gewisser Weise auch stimmte. Aber schließlich hatte sie schon viel zu lange auf diese Gelegenheit gewartet.

Du kannst nicht ewig ein Mäuschen sein.

„Einverstanden.“

Die Begeisterung darüber, dass sie etwas Derartiges wagte, übertraf sogar beinahe die Panik in ihr.

Sie streckte ihm ihre Hand entgegen, aber als seine langen kräftigen Finger sich um ihre schlossen, musste sie dem Impuls widerstehen, sie wegzuziehen. Sein Handschlag war fest und professionell, aber die Empfindungen, die er bei ihr auslöste, waren umso persönlicher.

„Wie lange brauchen Sie, um zu packen?“, erkundigte er sich.

„Na ja … In einer Woche sollte ich fliegen können.“ Sie war erleichtert, als er ihre Hand losließ.

Vorher würde sie ihren Lehrplan ändern müssen, die Wohnung auf dem Campus auflösen und sich hoffentlich noch ein wenig Zeit verschaffen, um zu überlegen, ob sie dieses Risiko wirklich eingehen wollte.

„Das ist zu lange.“

„Wie bitte?“ Sein gebieterischer Tonfall brachte sie durcheinander, zumal sie seine Berührung noch immer in den Fingern spürte.

„Ich sorge dafür, dass Ihnen in der nächsten Stunde ein entsprechender Vertrag zugestellt wird. Sind fünfhunderttausend Pfund angemessen?“

Fünfhunderttausend Pfund!

„Ich … Das ist sehr großzügig.“

„Perfekt. Dann fliegen wir noch heute Abend nach Narabien.“

Heute Abend? Was …?

„Ich …“

Er hob eine Hand, und ihr kläglicher Protest verstummte.

„Ich möchte keine Einwände hören. Wir waren uns doch einig.“

Damit zog er sein Handy aus der Hosentasche und ging zur Tür. Die beiden Bodyguards und Walmsley, der auf dem Flur gewartet hatte, nahmen ruckartig Haltung an.

Offensichtlich hatte Zane Khan nicht nur auf sie diesen merkwürdigen Effekt.

„Dr. Smith fliegt heute Abend in meinem Privatjet“, verkündete er.

Obwohl Walmsley auf geradezu groteske Weise seinen Mund öffnete, war Cat überhaupt nicht nach Lachen zumute.

Der Scheich warf ihr über die Schulter einen Blick zu. „Mein Fahrer wird Sie in vier Stunden abholen und zum Flughafen bringen.“

„Aber das ist viel zu wenig Zeit“, brachte sie gerade noch hervor. Ihr Hals war wie zugeschnürt.

Wozu um alles in der Welt hatte sie gerade ihre Zustimmung gegeben? Sie begann sofort wieder, sich wie ein Mäuschen zu fühlen. Wie ein sehr kleines, eingeschüchtertes Mäuschen in der Gegenwart eines großen, ausgesprochen gefährlichen Löwen.

„Sie bekommen alles, was Sie benötigen.“

Er unterband alle weiteren Proteste, indem er einfach das Handy wieder ans Ohr hob und gelassen den Korridor entlangging. Wortlos setzten sich die Bodyguards zu beiden Seiten ebenfalls in Bewegung.

Ungläubig sah Cat ihm nach. Noch immer stockte ihr Atem, und ihr Magen rebellierte. Die Entscheidung, ob sie sich wirklich ins Ungewisse stürzen wollte, war ihr soeben abgenommen worden. Zane Khan hatte sie einfach geschubst.

2. KAPITEL

Viereinhalb Stunden später kam Cat bei dem privaten Flugfeld außerhalb von Cambridge an. Noch immer war sie wie benommen von ihrem ersten Treffen mit Narabiens Scheich.

Passiert das alles gerade wirklich?

Unter den Scheinwerfern des Hangars wartete ein eleganter Privatjet in den goldenen und grünen Landesfarben des Wüstenstaates.

Der Chauffeur hob ihren Rucksack aus dem Kofferraum und geleitete sie zur Gangway, die ins Innere des Jets führte.

Am Eingang erschien ein Mann im Kaftan und mit traditioneller narabischer Kopfbedeckung. Er nahm dem Fahrer Cats Rucksack ab und bat sie herein, wobei er sich als Abdallah vorstellte, persönlicher Diener des Scheichs.

Sie folgte ihm durchs luxuriöse Innere des Flugzeugs, zwischen bequemen Ledersesseln und polierten Teakholz-Tischchen hindurch bis nach ganz hinten in eine separate Kabine.

„Sobald wir in der Luft sind, serviere ich Ihr Dinner“, erklärte er in perfektem Englisch und stellte das Gepäck auf einem der Sessel ab.

Den starken Kontrast zwischen dem abgenutzten, hastig gepackten Rucksack und dem butterweichen Leder des Sessels ignorierte sie lieber.

„Sie werden hier angemessene Kleidung für Ihren Aufenthalt in Narabien finden“, ergänzte Abdallah mit einem raschen Blick auf ihre zerkratzten Boots und den alten Pullover.

Kein Tadel lag in seiner Stimme, doch als er die Tür zu einem Wandschrank öffnete und edle Roben aus fließendem dunklem Stoff zum Vorschein kamen, fühlte Cat sich noch schlechter vorbereitet.

„Seine Göttliche Hoheit bittet Sie, sich umzukleiden, bevor Sie das Flugzeug verlassen. Mit Ihren Fragen wenden Sie sich ausschließlich an mich oder die anderen Mitarbeiter des Palastes.“

Cat nickte, obwohl seine Worte sie irritierten. „Seine Göttliche Hoheit“ erwartete anscheinend, dass seine Befehle befolgt wurden. Aber wie sollte sie Narabiens Sitten und Gebräuche studieren, wenn sie nicht frei entscheiden konnte, mit wem sie sprechen wollte?

„Ist Mr. Khan auch im Flugzeug?“, fragte sie.

Der Diener hob kaum merklich die Augenbrauen. „Seine Göttliche Hoheit fliegt die Maschine, Dr. Smith. Er hat mich gebeten, Ihnen in jeder Hinsicht behilflich zu sein.“

Bei der Aussicht, Zane Khan während des Flugs nicht begegnen zu müssen, ließ das Engegefühl in ihrer Brust zumindest ein wenig nach.

Impulsive Entscheidungen traf sie schon seit ihrer Kindheit nicht mehr. Eigentlich war es gut, dass sie dieses eine Mal keine Gelegenheit gehabt hatte, von ihrer spontanen Zusage zurückzutreten.