Im Bett mit der Welt - Jonas Wuttke - E-Book

Im Bett mit der Welt E-Book

Jonas Wuttke

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Beschreibung

Der aufregende Debütroman von Jonas Wuttke – Creator der millionenfach geklickten YouTube-Serie »Krass Klassenfahrt«. Vincent liebt Jessica. Jessica liebt Vincent. Gemeinsam führen sie eine vertrauensvolle und erfüllende Beziehung – auch im Bett. Als Vincent vorschlägt, das gemeinsame Liebesspiel live für die Welt zu streamen, gerät die sonst so harmonische Beziehung ins Wanken. Was zuerst ein vermeintlich harmloses Abenteuer werden sollte, wird plötzlich zu einer Katastrophe, die nicht nur ihre Beziehung, sondern das ganze Leben der beiden zerstören könnte. Ein packender Coming-of-Age-Roman, der die Tiefen von Social Media und die Folgen von Cybermobbing erforscht. »Jonas Wuttke ist die männliche Version von Charlotte Roche! Literarisch gesehen.« – Alex Dengler, denglers-buchkritik.de

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Jonas Wuttke

Im Bett mit der Welt

 

 

Über dieses Buch

 

 

Sex. Sex. Liebe.

 

Vincent liebt Jessica. Jessica liebt Vincent. Gemeinsam führen er und die aufstrebende Influencerin eine vertrauensvolle und erfüllende Beziehung – auch im Bett. Als Vincent vorschlägt, das gemeinsame Liebesspiel live für die Welt zu streamen, gerät die sonst so harmonische Beziehung ins Wanken. Was zuerst ein vermeintlich harmloses Abenteuer werden sollte, wird plötzlich zu einer Katastrophe, die nicht nur ihre Beziehung, sondern das ganze Leben der beiden zerstören könnte. Wie konnte er es nur so weit kommen lassen und wird Jessica ihn je wieder lieben?

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Jonas Wuttke ist YouTuber und Mitbegründer des Medienunternehmens »Moonvibe«. Im Rahmen eines Auslandsstudiums am Volda University College spezialisierte er sich auf Storytelling und Formatentwicklung. Gemeinsam mit YouTuber Jonas Ems produziert er das erfolgreiche YouTube-Format »Krass Klassenfahrt«.

 

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchprogramm der S. Fischer Verlage finden Sie unter www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

Originalausgabe

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

© 2021 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Redaktion: Waltraud Grill

Lektorat: Franziska Jaekel

 

Das Werk wurde vermittelt durch Studio71.

 

Covergestaltung: Vanessa Weuffel, Buch & Design

unter Verwendung von Motiven von Shutterstock/Divine Studios (Illustration) und Theresa Geissinger (Foto)

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-7336-0426-4

 

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Hinweise des Verlags

 

 

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Inhalt

[Widmung]

Vorwort

Cold Opener

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Endcard

Weil wir lieben.

Vorwort

Ich bekomme nicht viele Hate-Kommentare, aber das folgende Zitat, mit dem auch dieser Roman beginnen wird und das mich wesentlich zu dieser Geschichte inspiriert hat, ist ein echter Kommentar, der unter ein YouTube-Video von mir geschrieben wurde – ein Q&A-Video, das ich mit einer Freundin zusammen gedreht habe: »ICH WILL, DASS DU IHN IN DEN MUND NIMMST! ICH GUCK’ IMMER AUF DEN ARSCH ODER DIE TITTEN. BIST SO GEIL. ICH VERGEWALTIGE DICH SO WEG, ALTER.«

Vor der Arbeit an dieser Story habe ich keine Statistiken erstellt oder Studien untersucht, wie oft Formulierungen dieser Art im Netz veröffentlicht werden. Auch darüber, wie viele Nudes und Dickpics Influencer*innen jeden Tag per DM bekommen, habe ich keine genauen Zahlen. Auch nicht darüber, wie viele Pornos generell jeder Jugendliche jeden Tag schaut oder wie oft privat ein Nacktfoto verschickt wird …

Aber ich habe viele Freunde und Freundinnen, die zum Teil genau wie ich als Influencer tätig sind, und wenn ich ihren Erzählungen vertraue – und ich vertraue meinen Freunden –, dann kommt so etwas viel häufiger vor, als vielleicht der eine oder andere zunächst denkt.

Zum Teil beruht dieses Buch also auf meinen eigenen Beobachtungen und Erzählungen von Bekannten, aber es ist keine Biografie. Es ist ein Roman, die Geschichte der Beziehung zweier fiktiver Figuren: Vince und Jessica – und genauso möchte ich dieses Buch auch verstanden und interpretiert wissen.

Warum habe ich mir aber eine Geschichte über Pornokonsum, erotische Livestreams und Cybermobbing ausgedacht?

Wenn wir ganz ehrlich sind, schaut sich so gut wie jeder Pornos an, und die meisten haben bestimmt auch schon mal ein Nacktbild verschickt. Mir geht es darum, dass vieles, was in diesem Buch passiert, in dieser Form (noch) nicht wirklich besprochen wird, trotzdem aber jeden Tag in einer »Grauzone« passiert, über die niemand so richtig diskutieren will. Vielleicht sind ein paar Entwicklungen in dieser Story auch noch nicht Realität, sondern ein bisschen weitergedacht. Und klar, mittlerweile wird eigentlich schon fast überall unfassbar offen über Sex gesprochen. Gleichzeitig gibt es aber gar nicht so viele fundierte Erkenntnisse über die Wirkung von Pornos – wie viele und welche pornographischen Inhalte Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren und teilweise sogar selbst produzieren –, darüber, was das mit unserer Gefühlswelt anstellt, dem körperlichen Selbstbild, eigenen sexuellen Erfahrungen und natürlich mit der Liebe selbst. :D

Ich kann und will mit diesem Buch keine klaren Antworten darauf geben, wie gut oder schlecht die digitale Sexwelt ist und wie sie generell auf uns wirkt, aber ich möchte den Fokus auf diese Themen lenken, die in unserer Gesellschaft alltäglicher und gängiger sind, als wir sie wahrnehmen oder wahrnehmen wollen.

Dieses Buch liefert auch keine genaue Untersuchung über Geschlechter und Geschlechterrollen. Im besten Fall funktioniert es als Denkanstoß über Erwartungen und Geschlechterklischees, trägt ein kleines bisschen dazu bei, die Vorstellungen von Mann, Frau und Sexualität weiterzudenken.

Ich hoffe außerdem, dass sich niemand durch dieses Buch provoziert fühlt und dass vor allem Eltern nicht über das eine oder andere Kapitel stolpern, es als unangemessen oder unmöglich für Jugendliche einstufen. Ich denke, dass es nichts bringt, Themen auszublenden, die in der Onlinewelt und in unserem täglichen Leben Realität sind.

 

Zuletzt, bevor dann endlich die Geschichte beginnt, hier noch eine kurze Erklärung zum Aufbau dieses Romans:

Unsere Generation hat eine Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden. Aus diesem Grund ist dieses Buch im Jump-Cut-Stil geschrieben, den wir alle von YouTube kennen. Erzählt wird auf drei rasch wechselnden Zeitebenen:

 

#Zeitebene 1:

Vince’ Beziehung mit Jessica

 

#Zeitebene 2:

Vince’ Auslandshalbjahr in Spanien

 

#Zeitebene 3:

Vince’ Rückkehr nach Deutschland

 

Und ganz im Stil eines YouTube-Videos beginnt die Liebesgeschichte zwischen Vince und Jessica nun mit einem Cold Opener, also mit einem ersten Teaser, der zeigt, was uns im Verlauf der Story erwartet. Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Lesen und freue mich über jede Rückmeldung zum Buch auf Instagram unter »jonaswuttke« oder als Kundenrezension in den Online-Shops.

Cold Opener

Vince rannte splitterfasernackt und ohne zurückzuschauen mitten auf der Straße durch den kalten Regen. Der stürmische Wind peitschte gegen seine nackte Haut. Penis und Hodensack flogen wild durch die Luft, während seine Füße bei jedem Schritt den geteerten Boden spürten und von vereinzelten kleinen Steinchen und Scherben aufgerissen wurden. Blut. Er rannte so schnell, wie er nur konnte. Das hätte niemals passieren dürfen. In diesem Moment wünschte er sich, dass sein noch halb erigiertes Glied nicht existieren würde. Dass er diesem Trieb niemals nachgegeben hätte. Was hatte er seiner Freundin nur angetan? Was zur Hölle würde jetzt passieren? Du animalisches, unmännliches, pornogieriges Vieh! Hier war sie. Die Eskalation, die niemals hätte eintreten dürfen. Das Ende ihres Geheimnisses, das sie um alles in der Welt hätten beschützen müssen. Von jetzt an würden sie kein Teil dieser Gesellschaft mehr sein können. Von jetzt an würden sie auf ewig Gejagte sein. Auf ewig Verachtete und Beschmutzte. Vergewaltiger und Schlampe.

Kapitel 1

Die letzte DM, die sie auf Instagram bekommen hatte, war ein Dickpic eines vierzehnjährigen Jungen. Wie immer völlig aus dem Nichts. Als billige Chateröffnung. Versehen mit der kurzen, unmöglichen Botschaft: ICH WILL, DASS DU IHN IN DEN MUND NIMMST! ICH GUCK’ IMMER AUF DEN ARSCH ODER DIE TITTEN. BIST SO GEIL. ICH VERGEWALTIGE DICH SO WEG, ALTER.

Und ja, vollständig in Caps Lock geschrieben.

Das Bild des dicken, kurzen Gliedes hatte sich in Vince’ Kopf eingebrannt. Jessica hatte ihm vor wenigen Wochen die Zugangsdaten zu ihrem Instagram-Konto gegeben. Scheinbar hatte sie gespürt, dass ihm dieser kleine Einblick etwas Ruhe geben würde. Dass er ein besseres Gefühl hätte, wenn er grob darüber im Bilde war, welche Nachrichten eine siebzehnjährige, einigermaßen aufstrebende, gutaussehende Influencerin mit mittlerweile dreißigtausend Followern bekam. Er hasste seine gleichgeschlechtlichen Artgenossen für die widerlichen und gleichzeitig aussichtslosen Annäherungsversuche. All diese unüberlegten Kommentare entstanden wahrscheinlich parallel zu einer unreflektierten Geilheit – oder anders gesagt –, während sich die sehr jungen Teenager einen auf seine Freundin runterholten.

Und dann gab es noch die Messages, die mit einem weißen Haken in einem blauen Kreis versehen waren. Formuliert und abgeschickt von Jungs und Männern, die von der Plattform verifiziert worden waren. Reichweitenstarke Personen des öffentlichen Lebens, deren Echtheit mit diesem Symbol bestätigt wurde.

Vince vertraute Jessica und meldete sich daher nur äußerst selten auf ihrem Account an, versuchte dabei außerdem, unauffällig zu bleiben und keine ungelesenen Nachrichten anzuklicken. Er war sich sicher, dass seine Freundin ihm zu einhundert Prozent treu war. Und dennoch wusste er, dass diese zwar immer ungelesenen, aber in fetter Schrift provokant im Postfach aufblitzenden Nachrichten von teils sehr muskulösen Männern nicht so aussichtslos waren wie die der notgeilen Achtklässler. Da war zum Beispiel die Nachrichtenanfrage eines Profifußballspielers aus der Zweiten Liga, der vermutlich jede Woche allen möglichen Influencer*innen und Models schrieb, in deren Stadt ein Spiel anstand. Um sie einzuladen. Um sie danach zu verführen. Um sie dann …

Vince schob die Gedanken beiseite. Er liebte sie, und sie liebte ihn. Und er schätzte sie ja schließlich auch für diese Social-Media-Präsenz. Für ihre Zielstrebigkeit und Konsequenz, mit der sie ihre Pläne verfolgte. Nicht, weil sie fame war und er sich etwas davon versprach. Sie war anders als die meisten Mädchen auf der Plattform. Zwar spielte sie auch mit ihren Reizen, aber die Posts wirkten nie billig. Und außerdem bestanden viele ihrer veröffentlichten Story-Slides aus nachdenklichen Worten, die sie entweder schön designt auf Fragestickern platzierte oder direkt in die Kamera sprach. Sie war ein besonderer Mensch. Und er empfand es als unfassbar wertvoll, sie seit vier Monaten fest in seinem Leben zu haben. Sie war das Mädchen, an das er jeden Morgen dachte, wenn er aufwachte, und die eine Person, die er zuletzt sehen wollte, bevor er abends einschlief.

 

Das Wasser in der mit einer Kalkkruste verzierten Badewanne war nur noch lauwarm, während er sich auf ihr Gesicht fokussierte. Er hatte wie so oft durch sie hindurchgeschaut, ihr Dasein analysiert und für sich bewertet. Er fragte sich, ob das verwerflich war, aber letztlich hatten diese Gedanken ihn zu einem der Gründe geführt, warum er sie liebte. Weil sie einen klaren Plan hatte, weil sie wusste, was sie tat. Das machte ihn an.

Sie füßelten seit einigen Minuten, und er genoss es, wie ihre künstlichen roten Fußnägel über seine vom Wasser etwas aufgeweichten Schenkel glitten. Das leichte Kribbeln durchströmte seinen gesamten Körper und hatte in den letzten Sekunden dafür gesorgt, dass sein Blut unaufhörlich in seinen Penis strömte. Er hielt den Blickkontakt, schaute in ihre rehbraunen Augen und auf ihre hellblond gefärbten Haare. Leise flüsternd bat er sie darum, sich auf die Kante der Badewanne zu setzen und tauchte seinen Kopf unter Wasser.

Jessica folgte seinem Vorschlag und hob ihren nassen Po auf die kalte weiße Keramikkante. Plötzlich schoss sein Kopf prustend und so unerwartet wieder aus dem Wasser heraus wie eine Haifischflosse. Er beugte sich vor und begann schmatzend, ihre Oberschenkelinnenseiten zu küssen, während er sich dabei langsam an ihre Vagina herantastete. Er streckte die Zunge heraus, suchte zielgerichtet nach ihrer Klitoris und begann, sie in rhythmischen Stößen zu lecken. Es schmeckte salzig. Als er seine Nase nun etwas nach unten bewegte, machte ihn der Geruch nur noch geiler. Er leckte weiter und ließ dabei den Mittelfinger der rechten Hand in Jessica hineingleiten. Sie stöhnte und sie lächelte. Er wusste, dass sie sich nicht mehr schämte, als sie wieder und wieder laut und unkontrolliert stöhnen musste. Ganz anders als am Anfang ihrer Beziehung, als sie beide oft aufgeregt die Luft angehalten hatten, ihre Körper verhalten angespannt oder sogar verkrampft hatten, um keine zu deutlichen Signaltöne zu senden.

Nein. Jetzt stöhnte sie geräuschvoll und selbstbewusst und schenkte ihm damit ein Gefühl von Dominanz und Kontrolle. Er wusste, was ihr gefiel.

Eine kleine Schaumwelle schwappte durch das nach Rosen duftende Badewannenmeer. Jede seiner Bewegungen war jetzt deutlich vorsichtiger, aber dennoch bestimmt. Er zog sie zurück zu sich ins Wasser, so dass sie in seinem Schoß landete. Sein Blick versank tief in ihren Augen, er berührte ihre Lippen und küsste sie. Vielleicht weil er genau das gerade fühlte, vielleicht aber auch weil er mehr wollte. Dann tastete sich seine rechte Hand vorsichtig weiter nach hinten, streichelte über ihren Damm, stoppte dort aber nicht.

Jessica packte sein Handgelenk und umklammerte es fest. »Hör auf!«, flüsterte sie und keuchte leise.

Vince musste grinsen, während er sie weiterküsste. Da war sie wieder, diese Aufregung, die er zuletzt vor ihrem ersten gemeinsamen Sex in diesem Maße gespürt hatte. Sein gesamter Körper kribbelte nun noch heftiger. Und während er sich noch ein kleines Stück weiter nach hinten traute, löste sich ihre Hand von seiner pochenden Pulsschlagader, so dass sein Mittelfinger in ihrem Po verschwinden konnte. Vorsichtig schob er ihn vor und zurück, während Jessica ihre Brust nach vorn streckte und noch lauter zu atmen begann.

Er hielt inne, wartete auf eine Reaktion von ihr.

»Soll ich aufhören?«, fragte er mit leicht zitternder Oberlippe.

Dieses Mal reagierte sie mit einem Grinsen, das in einen leidenschaftlichen Zungenkuss überging.

»Mach weiter«, war ihre kurze, bestätigende Antwort.

Vince war sich nun ganz sicher, dass er am heutigen Tag im Alter von siebzehn Jahren das erste Mal Analverkehr haben würde. Eine Art des Geschlechtsverkehrs, die er bisher nur aus Pornos kannte. Dort war es zwar eine Sexpraktik, die in nahezu jedem zweiten Video vorkam, doch für ihn bahnte sich genau in diesem Moment eine völlig neue Erfahrung an. Er sortierte seine Gedanken und überlegte, wo er die vor wenigen Wochen gekaufte Packung Kondome deponiert hatte. Dann fiel es ihm ein: im untersten Regalfach hinter dem blauroten Atlas, den er vor zehn Jahren von seinem Vater geschenkt bekommen hatte, als seine Eltern noch nicht getrennt gewesen waren.

Sie krallte sich mit den Händen in seine Pobacken. »Wollen wir in deinem Zimmer weitermachen?«, hauchte sie ihm ins Ohr.

Vince nickte, und sie standen beide fast zeitgleich auf. Er reichte ihr eines der schwarzen Amazon-Basics-Handtücher, die er gestern erst bestellt hatte und die ihm schon heute Morgen in einem kostenlosen Premium-Versand-Paket zugestellt worden waren. Noch ungewaschen, aber dennoch bereit für den ersten Einsatz. Die Handtücher fusselten stark, während sie sich flüchtig abtrockneten und dann rüber in sein Kinderzimmer huschten, das mittlerweile von seiner Mutter stets als »modernes Jugendzimmer« betitelt wurde. Zum Glück hatte sie ihm im Zuge der Umgestaltung auch ein Doppelbett geschenkt. Seine Mum war gerade mit ihrem Freund auf Sylt. Wellnesswochenende.

Vince beugte sich an der Bettkante stehend über seine Freundin, die es sich auf der grauen Bettdecke gemütlich gemacht hatte, und küsste ihren Hals. Dann drehte er sie um, biss vorsichtig in ihren Rücken und bat sie, kurz zu warten.

Sie blieb auf dem Bauch liegen und sah zu, wie der Atlas aus dem Regal flog. Er streifte ein buntes Kondom über, kam zurück zum Bett und führte schließlich sein Glied in ihren Po ein. Ihr Gesicht verzog sich kurz, als hätte sie Schmerzen, doch Vince schaltete sofort und öffnete seine Bettschublade. Er griff nach dem noch originalverpackten Gleitgel, das er nun zum ersten Mal benutzen würde, und entfernte mit den Schneidezähnen die fest am Deckel sitzende Plastikfolie. Mit einer schnellen Bewegung öffnete er die Tube, ließ einen kleinen Klecks Gel in seine Handfläche fließen und rieb das gelbe Kondom damit ein.

Es folgte ein neuer Versuch. Dieses Mal verschwand sein Penis vollständig in Jessicas Po. Während er sein Becken zunächst sehr zurückhaltend vor- und zurückbewegte, fühlte es sich an, als würde sein Penis eingesogen werden. Jetzt musste auch er stöhnen, mit tiefer Stimmfarbe und beinahe lauter als Jessica.

»Fuck!«, rutschte es ihm heraus, während Jessica leise auflachte.

Kapitel 2

Die grauen Pflastersteine glichen der Farbe seiner Stoffschuhe, die ihm vor wenigen Wochen noch als schneeweißes Paar angeboten worden waren. Mittlerweile waren sie vollständig verfärbt und verdreckt. Er hatte es sich eigentlich schon längst verboten, weiße Schuhe zu kaufen, doch bei jeder Online-Klamottenbestellung strahlte ihn ein neues Paar an, das er unbedingt haben wollte. Weiße Schuhe passten einfach am besten zu einem Großteil seiner Outfits. Er war nur nicht in der Lage, sie vernünftig sauber zu halten. Vielleicht war das auch unmöglich. Mit viel Glück könnte noch ein verzweifelter Waschgang helfen. Sonderlich nachhaltig war es schließlich nicht, sich jeden Monat neue Schuhe zu kaufen.

Er hob den Blick und konnte an der Straßenecke vor sich den örtlichen Supermarkt ausmachen, den er nur allzu gut kannte, aber seit sechs Monaten nicht mehr betreten hatte. In dieser Zeit hatte ein Umbranding stattgefunden, und aus dem blauen Farbton der alten Marke war ein rotes Logo geworden. Schon verrückt, was in so kurzer Zeit alles passieren konnte. Das Auslandshalbjahr in Spanien war unfassbar schnell an ihm vorbeigezogen, und nach all den Wochen voller Erlebnisse und Erfahrungen, die ihm die bitter nötige Ablenkung verschafft hatten, war er nun zurück an dem Ort, vor dem er geflohen war.

Erst mal einkaufen. Hallo, Alltag.

»Hallo, Vince!«

Seine Klassenkameradin Sandra stolperte etwas unbeholfen auf ihn zu. Sie war scheinbar außer sich, ihm hier zufällig über den Weg zu laufen, und begrüßte ihn mit einer euphorischen Umarmung.

»Schön, dass du zurück bist!«, ergänzte sie strahlend.

»Schön, dich wiederzusehen«, erwiderte er, ohne es so zu meinen und ohne die Umarmung richtig zu erwidern. Er ließ es einfach über sich ergehen.

Sandra war ihm relativ egal. Das war gar nicht böse gemeint, aber sie hatten nie eine gemeinsame Wellenlänge gefunden. Auch wenn er mit seiner Familie früher beinahe jedes Jahr während der Osterferien auf dem Bauernhof von Sandras Eltern gewesen war, war jegliche Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, lediglich den erzwungenen Umständen geschuldet.

Sandra lachte laut, und die Geräusche, die aus ihrem Mund strömten, erinnerten ihn an den spitzen Schrei, den sie damals von sich gegeben hatte, als eines der Pferde sie völlig unerwartet abgeworfen hatte. Die Szene lief vor Vince’ innerem Auge ab wie ein unangenehmes, top geklicktes Fail-Video, das man nie wieder vergessen konnte.

Sandra war ein sehr natürliches Mädchen, das noch nie Make-up aufgetragen hatte. Auf eine Art machte sie das auch sympathisch, allerdings musste Vince während der Begrüßung die ganze Zeit auf einen eitrigen Pickel an ihrer Wange starren. In diesem Moment wünschte er, sie würde sich wie viele gleichaltrige Mädchen noch mal kurz im Bad abchecken, bevor sie das Haus verließ, um alles final zu richten – Haare kämmen, Lippenstift nachziehen oder die dritte, vierte Schicht Schminke auftragen. Die meisten waren so unglaublich geschickt darin, konnten mit ein wenig Make-up – oder etwas mehr – sogar ihre Gesichtsform verändern, indem sie beispielsweise ihre Wangenknochen mehr oder weniger betonten. So viel Hingabe für Oberflächlichkeiten, für Attraktivität.

Aber Sandra tat das nicht. Natürlich nicht. Sie war ja auch ein sehr nettes Mädchen.

Und hundertprozentig Jungfrau.

Während sie ihm nun vor dem Supermarkt gegenüberstand und aus ihrem langweiligen Pferdeleben erzählte, dachte Vince darüber nach, ob er es übers Herz bringen würde, mit ihr zu schlafen.

Es interessiert mich nicht, wie es Oscar geht, dachte er. Nur weil wir früher auf eurem Hof Urlaub machen mussten, heißt das nicht, dass es mich interessiert. Wirklich. Überhaupt nicht.

Für eintausend Euro vielleicht, schweiften seine Gedanken wieder ab. Obwohl er große Zweifel hatte, ob er bei einem Mädchen wie ihr überhaupt eine Erektion kriegen würde. Er hasste sich für das, was ihm gerade durch den Kopf ging, und er beschloss, ihr aufrichtig zuzuhören. Primär, weil er jetzt Mitleid fühlte, aber auch weil sie im Grunde nur ein hilfloser, lieber Mensch war – und weil sie ihn so empfing, als wäre vor einem halben Jahr nichts gewesen.

Er deutete auf das neue Supermarktlogo. »Hat sich einiges verändert hier, oder?«

»Du meinst den Rewe? Na ja, eigentlich ist alles wie immer.« Sandra strich sich nach diesem Satz verlegen durch die Haare.

Je länger er darüber nachdachte, desto trauriger war die Aussage irgendwie. Für sie. Für ihn. Aber auch für diesen Ort.

»Wie war’s denn in Spanien?«, schob sie schnell hinterher.

»Auf jeden Fall war das Wetter viel besser als –«

Ihr Telefon klingelte, und sie ging aufgeregt ran. »Schatz?«

Sekunden vergingen. »Jap, klar, bringe ich auch noch mit. Liebe dich.« Dann legte sie genauso hektisch wieder auf.

»Dein Freund?«, fragte Vince überrascht.

»Ja, Matthias. Musst ihn bei Gelegenheit mal kennenlernen. Er arbeitet seit Jahresanfang bei uns auf dem Hof.«

»Cool, Glückwunsch«, antwortete Vince lächelnd.

»Danke.«

Stille.

»So, ich muss dann auch mal rein. Wir kochen heute zusammen für die ganze Familie. Also Kartoffelsuppe, nichts Großes.«

»Na dann … Guten Appetit!«, erwiderte Vince relativ monoton.

Sandra umarmte ihn zum Abschied erneut und stürmte dann in den Supermarkt.

Vince blieb noch stehen, griff nach seinem Handy und schaute auf den mitteilungsleeren Sperrbildschirm.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Auch wenn Sandra ihn nicht darauf angesprochen hatte, was vor seiner Flucht nach Spanien passiert war, hatte der Ort nichts vergessen. Die Wut hatte sich nicht um einen Hauch verringert.

Der erste Faustschlag traf seinen Hinterkopf so überraschend, dass er direkt vornüber zu Boden ging und mit dem Gesicht auf das Kopfsteinpflaster knallte. Ein Blutspritzer landete ironischerweise auf seinen dreckigen, schneegrauen Schuhen, so dass sie endgültig im Arsch waren.

»Du mieser Vergewaltiger!«

Er konnte die zwischen den Zähnen hindurchgepresste Stimme sofort zuordnen. Was hatte er auch erwartet? Dass er zurückkommen und einen Neustart wagen könnte?

Ein Fußtritt traf seine Nase, das Nasenbein brach und wurde in seinen Kopf geschoben. Er wollte schreien, stattdessen sammelte sich Blut in seinem Mund. Es floss schwallartig aus ihm heraus, während weitere Schläge und Tritte auf ihn einprasselten.

Als schließlich endlich eine ältere Dame mit ihrem Einkaufswagen aus dem Supermarkt kam und den ansonsten leeren Parkplatz betrat, ließ der Angreifer von Vince ab, sprintete zu seinem Wagen und startete den Motor. Die Dame hatte den schwerverwundeten jungen Mann gerade entdeckt, da schoss der grüne Golf auch schon davon.

Vince konnte hören, wie die Dame den Einkaufswagen auf ihn zuschob. Sie war schockiert, auch das bekam er noch mit. Der Einkaufswagen rollte noch ein paar Meter weiter, dann beugte sich die Dame über Vince, um sich ein genaueres Bild von ihm zu machen. Und während sie auf ihrem alten Nokia Tastenhandy den Notruf wählte, verlor er das Bewusstsein.

Kapitel 3

Sie hatten sich während der letzten Wochen die Seele aus dem Leib gefickt.

Und heute?

Heute hatten sie sogar ihren neuen Rekord aufgestellt. Siebenmal direkt hintereinander ohne große Verschnaufpausen. Ob man es damit ins Guinnessbuch schaffte?

Okay, wenn er ganz ehrlich war, hatte es zwischendurch Pizza gegeben. Tomate und Mozzarella für ihn, Hawaii für Jessica – Ananas und Schinken auf einer Pizza, für ihn eine unvorstellbare Kombination. Er musste grinsen. Was hätte der Lieferant wohl gemacht, wenn er gewusst hätte, was die Finger gerade alles angestellt hatten, die ihm das Geld in die Hand gelegt und die Lieferung entgegengenommen hatten?