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Im Schatten von Montevideo spielen sich seltsame Dinge ab. Auf einem Hügel am Ortsrand von Montevideo steht eine alte Tabakfabrik samt einem dazugehörigem Altersheim. Dort geht eine junge Forschergruppe einem streng geheimen Projekt nach. Isabell, die Hauptfigur, wird dafür extra aus Rosenheim geködert, gelangt auf Umwegen dorthin und nimmt an dem sensationellen Projekt teil. Dabei verliebt sie sich in einen Killer, der seine Mutter im Altersheim besucht und erlebt mit ihm atemberaubende Momente. Die erlebt sie auch bei einer Überführung einer toten Großmutter aus dem Altersheim über den Atlantik, wo sie mit der Besatzung eines Frachters am Horn von Afrika von Piraten gefangen wird und anschließend mit der tiefgefrorenen toten Oma, samt deren Klavier, durch die ägyptische Wüste mit einem Pizzakühllaster fährt um sie dann auf Zypern zu beerdigen. Ein roadmovie Krimi mit viel Herz und Humor ...
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Seitenzahl: 204
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Abschied in Rosenheim
Aufbruch nach Sansibar
Montevideo - Einzug ins Hauptquartier
Das Altersheim und die Seelenwanderung
Die Liebe kam im Altersheim
Dolly und ihre letzte Reise
Das Leuchtturmprojekt
Die Rückkehr nach Rosenheim
Das Abenteuer geht weiter
Der Loibl Heinz
Das Ende des stellvertretenden Polizeipräsidenten
Die Mafiosi kommen
Die Reise kann beginnen
Mama Maria
Es war Donnerstagnachmittag und im Keller der Rechtsmedizin im Kommissariat in Rosenheim bereitete man sich schon so langsam aufs Wochenende vor, als die Sannis noch kurz vor 15 Uhr ne frische Leiche reinschoben.
Die Leiterin der Forensischen Pathologie Dr. Isabell Schmidt schaute ihre Assistentin an, sah auf die Uhr und sagte mit gerunzelter Stirn: „Na, das wird ja jetzt mit dem Kaffeetrinken heut nix mehr“, und macht sich auf den Weg zum Seziertisch. Die Leiche war männlich und hatte keinerlei äußerliche Spuren von Gewalteinwirkung. Der Mann, so um die 25, sah sehr durchtrainiert und gesund aus.
Die Sannis hatten ihn auf einem Hinterhof gefunden und der Arzt hatte verfügt, dass er in die Rechtsmedizin kommen sollte, um die Todesursache festzustellen.
Isabell Schmidt (den Dr. lassen wir ab hier der Einfachheit halber lieber weg) war eine schlanke, drahtige attraktive Frau so Mitte fünfzig, bestach durch ihre strahlend blauen Augen und ihre etwas höckrige Nase und hatte langes schwarzes, lockiges Haar, was ihr bis zum Po ging.
Wenn man sie so sah, konnte man kaum glauben, dass sie bei ihrer Arbeit unter anderem einen Schädel aufsägen konnte. Den Vornamen Isabell hatte sie ihrem Vater, der aus Uruguay stammte, den Nachnamen Schmidt ihrer deutschen Mutter zu verdanken, da der Namenszug ihres Vaters mit Uruquar Jose y Battie Ordonez einfach zu lang war. Ihr Vater kam wie gesagt aus Uruguay und war als sie 10 Jahre alt, in Montevideo gestorben.
Ihre Mutter lebte noch und wohnte noch in Rosenheim in einer Alters-WG.
Nun aber wieder zurück zur Leiche, die schon auf dem Seziertisch lag.
Isabell machte sich sogleich ans Sezieren und fand heraus, dass der junge Mann mit einer Substanz vergiftet worden war, die sie nicht kannte und machte eine Magenprobe. Da stand auch schon Kommissar Hansen in der Tür und fragte, ob´s denn ein Mord gewesen sein könnte? Isabell sagte: „Ja, ganz klar ein Mord.“ Der Mageninhalt rieche nach einem Gift, sie wisse aber nicht, um welches es sich hierbei handele.
Isabell meinte, am besten wäre es einen Spürhund daran schnuppern zu lassen und dann am Fundort der Leiche nach dem Gift oder dem Täter zu suchen.
Kommissar Hansen drehte sich auf dem Fuß um und holte einen Hundeführer samt Spürhund. Es war ein zotteliger Deutscher Schäferhund. Der hieß Kasper, schnüffelte kurz am Mageninhalt des Mannes, verdrehte kurz die Augen und los ging`s.
Nur eine Stunde später hatte man den Täter geschnappt. Kasper war der Giftspur in eine benachbarte Garage gefolgt und dort im Kofferraum eines alten VWs war doch tatsächlich das Gift. Nach einer Halterabfrage konnte Kommissar Hansen den Täter ermitteln, der dann auch sogleich gestand.
Nachdem Isabell und ihre Assistentin Conny den armen Kerl wieder zugenäht hatten, holten sie sich ein Piccolöchen aus der Kühlkammer 5 und begossen den nun gelösten Fall und waren guter Dinge.
Conny war seit über 10 Jahren Isabells Assistentin und die beiden kannten sich gut. Conny war Anfang 40, hatte eine blonde Ponyfrisur und unter dem linken Auge ein kleines Muttermal, was ihr außerordentlich gut stand.
Sie tranken dann noch ein zweites Piccolöchen und Conny hatte sich schon verabschiedet als Isabell, sie wollte sich auch gerade nach Hause aufmachen, ein schrilles „Klingeling“ aus ihrem Büro vernahm.
Nun nahm das Unheil seinen Lauf.
Ihr Chef Polizeidirektor Dr. Herbert Klannz war am Apparat. Wie immer meldete er sich mit: „Hier Dr. Klannz mit zwei Klannz“, das war so ein Spleen von ihm. Überhaupt war er ein sehr humorvoller Zeitgenosse.
Etwas untersetzt mit einer Halbglatze und immer mit einer roten Hornbrille und einer farbenfrohen Fliege unterwegs.
Diesmal aber redete er mit einem sehr ernsten Unterton. Er sagte, dass er etwas sehr Wichtiges mit ihr zu besprechen habe, was keinen Aufschub duldete und bat sie sofort in sein Büro im 2. Stock zu kommen.
Isabell ahnte schon nichts Gutes und genauso sollte es kommen. Im Büro druckste Dr. Klannz erst ein bisschen rum, bis er zum Punkt kam.
Also… legte er los: das Innenministerium in München hat aus Spargründen beschlossen, das die Forensische Pathologie Bad Tölz und Rosenheim zusammengelegt wird. Die zentrale Stelle wird Rosenheim, wobei aber Personal abgebaut werden soll. Für das Personal in Bad Tölz sind, außer der dortigen Leiterin, andere Stellen gefunden worden. Da aber nun zwei Leiterinnen für diese Stelle bei uns vorhanden sind, hat man sich dazu entschlossen, Isabell einen Vorschlag zu machen.
Dr. Sandra Schwarz, so hieß die Leiterin aus Bad Tölz, sei ja um 12 Jahre jünger als sie und hätte durch mehrere Lehrgänge auch eine bessere Qualifikation. Dr. Klannz unterbreitete Isabell nun den Vorschlag, mit ihren 56 Jahren bei vollen Bezügen in Frührente zu gehen. Wenn sie möchte, ganz oder auf Teilzeit, wobei sie bei Teilzeit nur noch als Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretung fungieren könnte. Die ganze Entwicklung tue ihm sehr leid, aber er könne nichts daran ändern. Isabell solle sich bis zum darauffolgenden Freitag überlegen, ob sie das Angebot annehmen möchte oder nicht.
Bereits am Montag kommender Woche käme schon die neue Chefin Dr. Sandra Schwarz zur Einarbeitung. Die Arbeitsstelle ihrer Assistentin bliebe davon unberührt.
Was für ein Hammer. Gerade hatte Isabell ein tolles Erfolgserlebnis und jetzt das…. Seit 20 Jahren war sie nun in Rosenheim die Leiterin der Rechtsmedizin und hatte nicht im Traum daran gedacht, dass sie nun mit 56 Jahren zu Hause rumsitzen soll.
Total sauer drehte sie sich auf dem Absatz rum und schmiss die Türe donnernd zu.
Ab jetzt sollte sich Isabells Leben total ändern.
Nach einer schlaflosen Nacht und einem sehr langen Telefonat mit ihrer besten Freundin Elfi (und einigen Piccolööchen gegen den Schock) kam sie zu dem Schluss, dass bei vollen Bezügen das Leben ja doch noch viel zu bieten hatte und sie sich nun neuen Dingen widmen könne.
Ihre Freundin Elfi wusste auch keinen Rat und so hatte sie sich entschieden.
Am nächsten Morgen stand Isabell sichtlich ergriffen vor dem Polizeipräsidium in Rosenheim. Es war ein sehr schönes um 1900 erbautes Gebäude. Wenn man es nicht besser wüsste, konnte man meinen, es stünde in Italien, war es doch im florentinischen Stil gebaut. Nun kam schon etwas Wehmut bei Isabell auf. Aber was halfs, sie hatte nun ihre Entscheidung getroffen und sie ging, nein, sie schlich geradezu ins Büro von Dr. Klannz. Der bat sie in sein doch sehr stattliches lichtdurchflutetes Büro und begrüßte sie sehr einfühlsam. Ging es doch um eine elementare Entscheidung für Beide. Isabell sagte ihm, dass sie die vergangene Nacht kein Auge zu gemacht hatte und sich das Angebot viele Male überlegt hatte.
Sie willigte ein, aber unter der Bedingung die Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretung zu übernehmen, so wie ihr es auch Dr, Klannz unterbreitet hatte. Wenn sie sich in der Zukunft aber für einen anderen Job entscheiden sollte, ginge sie in Frühpension. Dr. Klannz fiel nun ein mittlerer Felsbrocken vom Herzen und er machte sofort die Arbeitspapiere fertig. So weit so gut.
Es war Montagmorgen halb acht, als sich die zwei Damen im Keller der Rechtsmedizin gegenüberstanden. Dr. Sandra Schwarz war schon eine etwas außergewöhnliche Erscheinung. In zu groß wirkender gelbgrün-getupften Schlabberhose und smaragdgrünen Stöckelschuhen stand sie nun vor Isabell. Zudem hatte sie lila Lippenstift aufgelegt, das aber mit ihrem blonden Kurzhaarschnitt irgendwie doch harmonierte.
Beiden war die Situation unangenehm und Isabells Assistentin Conny brach das Eis, indem sie zur Kühlkammer 5 ging. Sie holte drei Piccolos raus und sagte: „So, jetzt trinken wir erstmal einen auf den Schreck.
Es kann ja von euch Beiden schließlich keiner was dafür.“
Die drei setzten sich um einen Seziertisch und „feierten“ den Einstand von Sandra Schwarz. „Hi, ich bin die Sandra“, sagte sie und hielt Isabell ihre Hand entgegen. „Kannst auch Lilamunde zu mir sagen. Den Spitznamen haben mir meine Kollegen aus Bad Tölz gegeben. Lustig, was?“ Isabell ergriff ihre Hand und sagte: „Ok, ich bin die Isabell“ und prostete ihr zu.
Als sich die Stimmung nun sichtbar aufhellte, klingelte das Telefon und es sollte gleich am ersten Tag zu einem recht skurrilen Einsatz kommen. Polizeiobermeister Brandl rief ganz aufgeregt an. Er sagte, er sei gerade im Zoo und berichtete total aufgeregt: ein Elefant wäre plötzlich tot zusammengebrochen und habe einen Mann unter sich begraben, der jetzt leider auch tot war.
Also nix wie hin zum Zoo.
Dort stellte sich heraus, dass der Mann von dem Elefanten zerquetscht worden war. „Dumm gelaufen“, sagte Brandl.
Isabell fiel auf, dass der Elefant genauso aus dem Rüssel stank wie der Mageninhalt von der letzten Leiche. Und das ein Elefant einfach so tot umfiel, ist ja auch nicht grad üblich. Also musste man den Elefanten untersuchen und viele starke Männer brachten ihn dann mit einem Kranwagen in die Abdeckerei. Die zwei Pathologinnen mussten ja irgendwie an den Mageninhalt kommen.
Wie sich später herausstellte, schweißte dieser wohl außergewöhnliche Arbeitseinsatz die Damen zusammen.
Isabell hielt die schwere Bauchdecke des Elefanten nach oben, Sandra (auch hier lassen wir den Doktortitel ab sofort weg) holte dem Magen raus, lud ihn mit Isabells Hilfe auf eine Schubkarre und ab ging´s wieder zurück in die Rechtsmedizin.
Dort fanden die zwei Damen heraus, dass es das gleiche Gift war, was auch den jungen Mann getötet hatte. Polizeiobermeister Bandl suchte daraufhin im Zoo nach dem Gift und fand es im Gebüsch, wo es anscheinend der Elefant verknuspert hatte. Wie es sich herausstellen sollte, hatte der Mörder das Gift aus dem Elefantenhaus gestohlen und ein Päckchen davon unterwegs verloren….
Na ja, wieder war ein Fall gelöst und die drei Damen gingen zufrieden wieder mal zur Kühlkammer 5…….
Nach einer Woche Einarbeitungszeit war denn auch das Arbeitsende für Isabell gekommen. Eine Abschiedsfeier gab´s ja nicht, da sie ja noch immer für die jeweiligen Vertretungszeiten angestellt war und so ging sie wehmütig nach Hause. „Standby“ sozusagen.
So vergingen die Tage und Wochen in der sich in ihrer schicken, aber gemütlich eingerichteten, Penthouse Wohnung die Eintönigkeit einschlich.
Es war nun schon Ende August und irgendwie war auch schon der Ausklang des Sommers zu spüren und Isabell graute vor dem nahenden Winter. Sie stand auf ihrem Balkon und schaute auf das schöne Alpenpanorama, das ihr quasi zu Füßen lag. Aber all das konnte sie auch nicht so richtig aufheitern.
Isabell wurde es immer langweiliger, obwohl sie einen Zeichenkurs bei der VHS belegte, kulturell sich alles reinzog, was überhaupt möglich war und mit Freunden ausging. Sie mochte keine Bücher mehr lesen oder irgendwelche Hausarbeiten machen, sondern sie wollte was erleben, irgendetwas Neues machen. Nur was?
Da besann sie sich ihrer alten Hippiezeit, als sie sich mit ihren Freunden immer mal einen Joint drehte. Ja, das wär´s doch, jetzt mal einen Joint reinziehn….…….…
Aber woher nehmen? Wenn sie ins Bahnhofsviertel oder in einschlägige Kneipen ging, musste sie damit rechnen ihren Kollegen zu begegnen. Nein, das wollte sie dann auch nicht und googelte im Internet nach diskreten Angeboten, fand dort aber auch nicht das Gewünschte. Was tun?
Am nächsten Tag ging sie ins Kommissariat zu ihren Technikkollegen und ließ sich zeigen, wie man ins Darknet kam. Isabell sagte, sie müsse da mal was recherchieren. Zu Hause angekommen, suchte sie im Darknet nach Anbietern von Gras und Joints, fand aber wieder nicht so das passende.
Es waren sehr dubiose Angebote, die da gemacht wurden und sie hatte auf einmal Angst vor dem nächsten Schritt.
Sie klappte ihr Laptop zu und ging aufgewühlt ins Bett.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging sie wieder ins Netz und schaute nach neuen E-Mails. Es war ein E-Mail von einem unbekannten Adressaten gekommen mit dem Betreff: Rückmeldung aus dem Darknet.
Wieso das?? Sie hatte doch keine Anfrage gestartet. Ab sofort ging ihr Puls steil nach oben. Sollte sie das Mail öffnen? Leicht könnte sie sich ein Virus auf den Laptop holen. Bis zum Kaffeetrinken konnte Isabell sich beherrschen, dann war die Neugier doch zu groß. Sie machte einen Back – Up, um ihre Daten zu sichern und machte das E-Mail auf.
Sie mochte gar nicht glauben, was sie da las. Der Adressat schrieb ihr, dass er leider keinerlei Drogen anzubieten hätte, aber dafür ein Abenteuer, das ihr Leben verändern könne. Er schreib sie auch direkt mit Isabell an, obwohl sie doch beim Surfen durch´s Darknet sich gar nicht zu erkennen gegeben hatte.
Ihr Puls donnerte nochmal nach oben. Was sollte sie nun tun?
Irgendwie wollte sie ja gerade ein neues Abenteuer, aber sollte sie einem ihres unbekannten Adressaten antworten? Doch wieder war die Neugierde größer und den Back-Up hatte sie ja sowieso schon gemacht.
Also antwortete sie: „Wer sind Sie? Woher kennen sie meinen Namen und meine E-Mailadresse?? und überhaupt, von welchem Abenteuer sprechen Sie??“
Die Antwort kam prompt.
In der E- Mail stand:
Entschuldigung Isabell, dass wir sie mit dieser Angelegenheit überrollen, aber es sei ein absoluter Glücksgriff, dass man sie gefunden habe. Sie selbst seien eine seriöse Forschergruppe von ca. 30 Personen, die sich mit dem Phänomen der Kontaktaufnahme von und mit verstorbenen Menschen auseinandersetzen.
Dafür seien sie auf die Mithilfe von Menschen aus den verschiedensten Arbeitsfeldern angewiesen. Unter anderem auch der Pathologie. Sie würden sich sehr freuen, wenn sie sich dazu entschließen könne, in ihrer Forschergruppe mitzuwirken, was aber absolutes Vertrauen voraussetzen würde. Peng, dass saß.
Der Puls beschleunigte sich erneut und Isabell wollte sich normalerweise gerade einen Kaffee machen, entschied sich dann aber doch für ein Glas Rotwein. Um´s genauer zu sagen: es waren derer drei. Jetzt ratterte ihr Gehirn. Was soll sie denn jetzt antworten? Soll sie sich überhaupt auf so etwas einlassen. Gibt es diese Gruppe überhaupt oder hatten der oder die etwas Böses mit ihr vor??
Dann, sie saß schon vor dem vierten Glas, musste sie an einen belgischen Film denken (kann auch ein französischer gewesen sein), den sie tags zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Darin ging´s um eine Frau, die von einer Autobahntankstelle entführt wurde und nicht mehr aufzufinden war. Deren Ehemann suchte drei Jahre nach dem Entführer. Er fand ihn genau auf dieser Tankstelle (der Täter kommt immer an den Tatort zurück), aber konnte nichts beweisen. Er wollte aber auch unbedingt wissen, was mit seiner über alles geliebten Frau passiert war, und so sprach er den Mann an: „Was hast du mit meiner Frau gemacht?“ Der antwortete, wenn er das wirklich wissen wolle, solle er sich von ihm betäuben lassen und er würde es erfahren. Der Ehemann ging das Risiko ein, und……………...erwachte zwei Meter tief unter der Erde lebendig begraben in einem Sarg mit einer Taschenlampe in der Hand……..
Jetzt trank Isabell das vierte Glas Rotwein aus und klappte den Lap-Top zu. Es schauderte ihr zusehends und sie musste an die frische Luft. Sie lief, um sich zu entspannen dem Flüsschen Mengfall entlang, bis sie zur Mündung zum Inn kam und setzte sich dort vor ihr Lieblings Eiscafé Lido Venezia in die Sonne, um zu überlegen. Isabell bestellte sich bei Luigi ihren obligatorischen Aperol-Spritz und sinnierte vor sich hin.
Was sollte sie tun? Auf die E-Mail antworten oder sich vorher irgendwem anvertrauen, der sie beraten und eventuell beschützen konnte??
Könnten ihre Kollegen den Darknet Adressaten herausfinden und was sollte sie denen dann sagen? Oder sich doch dem Abenteuer hingeben? Das mit dem Film ist ja doch zu negativ gedacht, oder?
Isabell kam zu dem Entschluss, erstmal nicht zu antworten. Vielleicht verlief sich ja alles von selber im Sand.
Es verging eine Woche und es tat sich nichts. Isabell sah aufgeregt jeden Morgen nach ihrem e-Mailaccount, als es dann auf einmal wieder geschah… Da war sie wieder, diese Nachricht aus dem Darknet.
Neugierig machte sie das Mail auf. Und wieder ging die Pumpe, und der Adrenalinspiegel ging unter die Decke….
Der Unbekannte schrieb, er hieße Gustavo und würde bei der Forschungsgruppe als Organisator arbeiten.
Wie er recherchiert hätte, sei Isabell früher stark an ihrem Vater gehangen und fragte, ob sie vielleicht Interesse habe, die Stimme von ihm zu hören.
Rumms. Das saß wieder. Isabell überlegte kurz und schrieb zurück, dass so etwas ja gar nicht möglich sei. Punkt.
Umgehend schrieb Gustavo zurück, dass dies vielleicht doch möglich sei. Er habe alle schon alle relevanten Daten von ihrem Vater, benötige aber noch ein Paar Familienbilder und möglichst viele Informationen, um einen Kontakt mit ihm aus, wenn man so will, dem Jenseits aufzunehmen.
Sollte sie ihm die Daten liefern, werde er versuchen, ihr seine Stimme übers Netz zu übermitteln. Die Daten, die er über Isabells Vater gesammelt hätte, wären im Anhang des Mails gespeichert und sie solle die Angaben bitte überprüfen, ob diese der Wahrheit entsprachen.
Sofort machte Isabell den Anhang auf und wirklich: alles stimmte, was da zusammengetragen war. Von der Geburt, über die Kindheit, wie er nach Deutschland kam, über die verschiedenen Arbeitsstellen bis zur Hochzeit und ihrer Geburt bis zu dem Tod ihres Vaters in Montevideo. Alles, aber auch alles entsprach der Wahrheit.
Isabell überlegte kurz und kam zu dem Entschluss, dass jemand, der sich eine solche Arbeit machte, ein echtes Interesse haben muss und kein Spinner oder Krimineller sein konnte. Also antwortete sie, dass sie einverstanden wäre und ihm ein Paar Fotos aus ihrer Kindheit sowie ein paar persönliche Information zukommen lassen würde.
Daraufhin bedankte sich Gustavo höflichst und schrieb, dass er sich demnächst bei ihr wieder melden würde. Isabell sammelte nun ein paar alte Familienfotos zusammen, scannte sie ein und schickte sie mit einigen Informationen ihres Vaters an die Darknet Adresse und wartete auf das, was jetzt geschehen sollte. Es vergingen so zwei Wochen, bis sich Gustavo wieder meldete. Er schrieb, dass es seiner Gruppe gelungen sei, die Stimme ihres Vaters zu finden und aufzuzeichnen.
Sie solle doch bitte überprüfen, ob es sich wirklich um die echte Stimme ihres Vaters handele. Im Anhang des Mails wäre die kurze Aufnahme.
Sofort machte Isabell sich daran den Anhang zu öffnen und hörte doch tatsächlich die Stimme ihres Vaters.
Er erzählte irgendwelches wirres Zeug, war aber anscheinend guter Laune.
Es war nicht allzu viel, was zu hören war und auch teilweise durch störende Nebengeräusche überlagert. Aber es war eindeutig die Stimme ihres Vaters.
Puhhh….Was für ein Erlebnis.
Isabell musste das Ganze erstmal für sich verarbeiten, klappte den Laptop zu und ging mal wieder ins Eiscafé, um sich zu sammeln.
Noch ganz geflasht vom Tag zuvor machte sie nochmal die bewusste
E-Mail auf und hörte sich die Stimme ihres Vaters wieder und wieder an und kam zu dem Entschluss, bei der Gruppe mitzumachen.
Isabell mailte also Gustavo, dass sie nun einverstanden sei, der Forschungsgruppe beizutreten.
Gustavo mailte sofort zurück. Er teilte ihr mit, dass sie, um das Vertrauen der Gruppe zu bekommen, zwei Prüfungen zu bestehen habe. Vorher könne man ihr nicht den Zugang zu geheimen Informationen oder gar Aktionen gewähren. Die erste Prüfung würde darin bestehen nach Sansibar zu fliegen und dort einen Stein zu finden, den ein gewisser Bartholomee Ortega irgendwo auf der Insel versteckt habe. Man kenne die Koordinaten, wo sich der Stein befinde. Danach solle sie den Stein ins Hauptquartier der Gruppe, sie nennt sich Soulfinder, bringen. Wo sich der Sitz der Gruppe befinde, würde sie aber erst erfahren, wenn sie den Stein gefunden hätte.
Diesen Vertrauensbeweis wäre die absolute Voraussetzung, dass sie in diese noch nie dagewesenen unabhängigen, geheimen sowie auch privaten und absoluten seriösen Forschergruppe aufgenommen würde.
Isabell war nun wild entschlossen mitzumachen und das Abenteuer lockte.
Sie stimmte zu.
Zwei Tage später mailte Gustavo die Koordinaten. Er schrieb, dass sie so ziemlich in der Mitte der Insel lagen, wo der gesuchte Stein irgendwo nur darauf wartete, dass er gefunden wurde.
Nun war es so, dass Franz, ein guter Bekannter von Isabell, gerade letztes Jahr mit seiner Frau Martina auf Sansibar ein gemütliches, alternatives Motel aufgemacht hatte.
Um Kosten und Zeit zu sparen, dachte sich Isabell, dass sie ihren Bekannten bitten sollte, für sie den Stein zu holen und ihn dann ihr per Post zu schicken. Sie rief ihn an und erklärte ihm alles und schrieb ihm, dass sie für alle Kosten aufkommen würde. Franz sagte zu. Isabell gab ihm die Koordinaten und wartete nun auf eine Antwort. Gustavo aber verheimlichte sie diese Aktion und sagte ihm nichts davon.
Es vergingen fünf Tage, bis eine Reaktion aus Sansibar kam. Martina, die Frau von Franz, rief an und teilte unter Tränen Isabell mit, das ihr Mann, nachdem er den Stein gefunden hatte, plötzlich tot umgefallen sei.
Isabell wusste gar nicht, was sie sagen sollte, so geschockt war sie.
Als sie sich gesammelt hatte, sagte sie zu Martina, dass sie so schnell wie möglich nach Sansibar komme, um die Sache aufzuklären. Sie fragte Martina, wo sich momentan der Leichnam von Franz befinde.
Sie wolle herausfinden an was er gestorben sei, und würde sich mit den Pathologen (wenn´s denn vor Ort einen gab) vor Ort zusammentun.
Martina sagte, dass er sich im Mnazu Mmoja Hospital befinde und gab ihr die Telefonnummer.
Isabell, total geschockt, buchte für den Folgetag sofort einen Flug von München nach Sansibar. Die gesamte Flugzeit von 11 Stunden konnte sie keinen Bissen von dem Essen herunterbringen, was die Stewardess ihr brachte, so war ihr Magen zugeschnürt. Die Landung auf dem holprigen
Asphalt tat dann sein Letztes. Aber es musste weitergehen.
Isabell rief gleich das Hospital an und ließ sich mit der Pathologie verbinden. Dort war eine sehr nette Ärztin dran und Isabell stellte sich als Pathologin aus Deutschland vor.
Sie erklärte ihr, dass der Tote ihre Arbeit, einen Stein im Urwald zu suchen, gemacht hatte und dass sie nun ein schlechtes Gewissen habe. Sie wolle Gewissheit darüber haben, ob Franz an ihrer Stelle gestorben sei und bat die Ärztin an der Untersuchung des Leichnams beizuwohnen, um die Hintergründe herauszufinden. Die Ärztin war selbst ganz geschockt von der Geschichte und stimmte zu. Isabell konnte im Flieger überhaupt nicht schlafen und als sie in Sansibar-Stadt angekommen war, fuhr sie direkt ins Hospital. Sie wollte sich erst bei Martina melden, wenn sie den Grund für Franks Ableben herausgefunden hatte.
Die Zeitverschiebung von nur einer Stunde war ja kein Thema für sie und so stand Isabell schon kurz nach der Landung mit der Ärztin Safiya (was in Tansania die Gelassene bedeutet) vor dem Seziertisch im Mnazu Mmoja Hospital. Safiya war eine außerordentlich schöne junge Frau mit Mandelaugen und einem kaffeebraunen Teint. Sie nahm das weiße Laken beiseite und schaute Isabell mitleidig an.
Vor ihr lag Frank, den sie erst im Herbst letzten Jahres vor seinem Abschied nach Sansibar auf einer Party verabschiedet hatte. Er machte einen friedlichen Eindruck, so als wenn er schlafen würde. Er hatte keinerlei Verletzungen und so obduzierten sie. Aber auch der Mageninhalt wies nichts Außergewöhnliches auf. Fündig wurden die Zwei erst bei der Lunge. Es stellte sich heraus, dass Frank durch ein Gas ums Leben gekommen war.
Er musste noch Stunden nach dem Einatmen gelebt haben, bevor es mit ihm zu Ende ging.
Isabell rief Martina an und sagte ihr, dass sie nun in Sansibar im Hospital sei und erklärte ihr, was sie mit Safiya herausgefunden hatten.
Sie fragte Martina, ob denn Frank irgendwelche Symptome gezeigt habe.
Martina bestätigte ihr, dass Frank, nachdem er nach Hause gekommen war, sehr stark hustete. Isabell bedankte sich, sagte noch ein paar tröstende Worte und sagte Martina, dass sie gleich bei ihr sei.
Daraufhin nähten die Zwei den Leichnam wieder zu und Isabell bedankte sich bei Safiya, dass sie bei der Obduktion dabei sein durfte und lud sie für den nächsten Tag zum Essen ein. Sie setzte sich gleich in ein Daladala, ein ortsübliches Sammeltaxi, deren Fahrer überall hektisch rumschrien, um an einen Fahrgast zu kommen. Durch das Verkehrsgewusel in Sansibar-Stadt fuhr sie zu Martina ins Motel.
Die saß zusammengekauert an einem Tisch. Ihre langen roten Haare fielen auf den Fußboden und ihr Kopf lag auf dem Tisch in ihren Händen. Martina weinte und war fix und fertig. Isabell nahm sie in ihren Arm und tröstete sie. Martina war nur noch Haut und Knochen. Normalerweise war sie sowieso schon mit ihren 50 Kilo sehr schlank. Aber nun, sie hatte ewig nichts mehr gegessen, war man schon erschrocken, wenn man sie sah.
Sie setzten sich an einen Tisch fernab der Motelgäste und Isabell erzählte Martina, was sie bei der Obduktion herausgefunden hatten. Frank musste demnach, kurz nachdem er den Stein gefunden hatte, giftige Dämpfe aufgenommen haben. Aber warum nur, und woher kamen die Dämpfe.
