Indische Kriminalerzählungen - Rudolf von Rüts - E-Book

Indische Kriminalerzählungen E-Book

Rudolf von Rüts

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Beschreibung

Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Kolonialzeit Indiens mit den "Indischen Kriminalerzählungen" von Rudolf von Rüts. Diese packende Sammlung von Kurzgeschichten entführt Sie in eine exotische Kulisse voller Spannung, Geheimnisse und menschlicher Abgründe. Von den Straßen Bombays bis zu den verschlungenen Bergpfaden Darjeelings erwecken die Geschichten die lebendige Atmosphäre einer vergangenen Epoche. Mit präzisen Beschreibungen und einem Auge für Details schafft Rudolf von Rüts ein authentisches Bild des kolonialen Indiens – angereichert durch Wendungen, die Sie bis zur letzten Seite fesseln werden. Begleiten Sie die Protagonisten auf ihren gefährlichen Abenteuern, treffen Sie auf ungewöhnliche Charaktere und erleben Sie den schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht. Ein literarischer Genuss für Liebhaber von Kriminalliteratur und historischen Erzählungen. Null Papier Verlag

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Seitenzahl: 174

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rudolf von Rüts

Indische Kriminalerzählungen

Rudolf von Rüts

Indische Kriminalerzählungen

Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · [email protected] 2. Auflage, ISBN 978-3-962810-32-0

null-papier.de/angebote

Inhaltsverzeichnis

Der Ge­s­pens­ter-Bun­ga­low.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

Der Schatz des Ma­ha­ra­dscha.

Im Ban­ne der Kali.

Dan­ke

Dan­ke, dass Sie sich für ein E-Book aus mei­nem Ver­lag ent­schie­den ha­ben.

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Ihr Jür­gen Schul­ze

Kri­mis bei Null Pa­pier

Der Frau­en­mör­der

Eine De­tek­ti­vin

Hem­mungs­los

Der Mann, der zu viel wuss­te

Noch mehr De­tek­tiv­ge­schich­ten

Sher­lock Hol­mes – Samm­lung

Eine Kri­mi­nal­ge­schich­te & Das graue Haus in der Rue Ri­che­lieu

Der Dop­pel­mord in der Rue Morgue

In­di­sche Kri­mi­na­ler­zäh­lun­gen

Kri­mi­nal­ge­schich­ten

und wei­te­re …

Der Gespenster-Bungalow.

1.

Wir hat­ten uns in Bom­bay bei Wat­son ken­nen ge­lernt und spä­ter in Bena­res in Clarks Ho­tel wie­der­ge­se­hen. Wir hat­ten in Agra in dem­sel­ben Ho­tel ge­wohnt, und jetzt tra­fen wir uns mit­ten im Ge­bir­ge.

»Wirk­lich ein tol­les Stück!« mein­te Oberst But­ler und schüt­tel­te uns die Hand.

Ich sage: Mit­ten im Ge­bir­ge.

Nehmt eine Kar­te von In­di­en und legt den Fin­ger auf Dar­jee­ling. Fahrt mit ihm nach Nord­wes­ten – nach der Gren­ze von Ne­pal. Da wer­det ihr eine Stra­ße fin­den, eine große Stra­ße, die aus dem Ge­bir­ge kommt und nach der Ebe­ne hin­un­ter­führt. Der Ver­kehr auf der Stra­ße ist heu­te gleich null. Stre­cken­wei­se exis­tiert sie über­haupt nicht mehr. Oben ist sie noch vor­han­den. Win­det sich in hun­dert Krüm­mun­gen zum Pass hin­auf. Aber man konn­te es ver­ste­hen, dass der Oberst sie einen Schand­fleck für die gan­ze anglo-in­di­sche Ver­wal­tung nann­te. Denn die Stra­ße war mi­se­ra­bel, und wir ver­dank­ten es nur un­sern klei­nen, ti­be­ta­ni­schen Po­nys, dass wir nicht ohne wei­te­res den Hals bra­chen.

Der Weg lief auf stei­len, schma­len Ber­grücken ent­lang, klet­ter­te die kah­len Fels­kup­pen hin­auf und tauch­te wie­der hin­ab, in tie­fe, feuch­te Wäl­der aus Ei­chen, Lor­bee­ren, Kas­ta­ni­en, Zimt­bäu­men. Oder es ging im trock­nen Bett ei­nes Ge­birgs­bachs wei­ter. Rechts und links Bam­bus­rohr oder baum­ho­he Rho­do­dend­ren und Ma­gno­li­en. Un­se­re Gäu­le stampf­ten durch Bar­ri­ka­den von blut­ro­ten und wei­ßen, faust­großen Blü­ten, die ab­ge­fal­len wa­ren und einen star­ken, wür­zi­gen Duft ver­brei­te­ten.

Vom Hoch­ge­bir­ge war noch nichts zu se­hen. Mil­lio­nen von Sil­ber­tan­nen ver­schränk­ten oben die Aus­sicht. Wie ein schwar­zer Samt­gür­tel hiel­ten sie das wun­der­vol­le, tief­blaue Kleid des Him­mels zu­sam­men, an dem – als großer, ein­zi­ger Gold­knopf – die Son­ne prang­te.

»Du wirst bloß noch ’r­un­ter­fal­len, Car­ry!« knurr­te Oberst But­ler.

Mrs. But­ler lach­te und ließ ih­ren Pony noch nä­her an den Ab­hang her­an­ge­hen.

»Car­ry – –!!«

Der Oberst biss sich auf den di­cken, ei­sen­grau­en Schnurr­bart. Dann gab er sei­nem Pfer­de einen Schlag. Das Tier dräng­te nach vorn und rann­te ge­gen den Pony an, auf dem sie saß.

We­nig fehl­te, dann la­gen bei­de un­ten.

»Sind Sie des Teu­fels, Oberst?« brumm­te Rol­by, der vor­an ritt. Er pack­te mit sei­ner Rie­sen­faust den Pony am Zü­gel und riss ihn vom Ab­hang.

Mrs. But­ler war blass ge­wor­den. Sie setz­te sich wie­der im Sat­tel zu­recht. »Was mei­nen Sie, Mr. Rol­by – – – wenn er mich da hin­ab wür­fe?«

Rol­by be­hielt den Zü­gel ih­res Pfer­des in der Hand.

»Was ich mei­ne – –? Hm!« mach­te er. »Kal­ku­lie­re: Sind kei­ne fünf­und­zwan­zig Fuß. Wenn man nicht gra­de un­ter den Pony zu lie­gen kommt – –«

Sie lach­te. Es war ein ei­gen­ar­ti­ges La­chen. Ein lei­ses, heim­li­ches La­chen, und doch ein La­chen, das uns in je­dem Nerv vi­brier­te.

Rol­by hielt einen Au­gen­blick inne; dann fuhr er be­däch­tig fort:

»Wenn man nicht un­ter den Pony zu lie­gen kommt, braucht man nicht gra­de den Hals zu bre­chen. Sind dort un­ten höl­lisch viel Nes­seln und Ber­be­rit­zen. Gibt das ein kom­for­ta­bles Bett, mei­ne ich.«

Er sah sie mit sei­nen halb treu­her­zi­gen, halb ver­schmitz­ten Au­gen an.

Wir rit­ten wei­ter.

Der Oberst sah fins­ter drein. Er war wahr­haf­tig kei­ne an­ge­neh­me Rei­se­be­kannt­schaft. Sein tief ge­bräun­tes, fast schwar­zes Ge­sicht mit der plum­pen Nase und den gel­ben, ste­chen­den Au­gen hat­te et­was Bru­ta­les, Ge­mei­nes. Mit sei­ner Frau stand er of­fen­bar in schlech­tem Ein­ver­neh­men. Man konn­te sich gar kein Paar den­ken, das we­ni­ger zu ein­an­der pass­te. Der klei­ne, vier­schrö­ti­ge Mann mit sei­ner Bull­dog­mas­ke und die ele­gan­te Frau mit dem pracht­vol­len Haar und den be­rücken­den Au­gen …

Der Weg wur­de stei­ler, schlän­gel­te sich zwi­schen tief ein­ge­schnit­te­nen Was­ser­läu­fen und en­gen Schluch­ten zu ei­ner Berg­hal­de em­por, die bis zum Fuß der Tan­nen hin­an­stieg. Die kur­ze, glat­te Ra­sen­nar­be, auf der un­se­re Tie­re aus­rutsch­ten, ein paar ein­sa­me Roll­stei­ne von ko­los­sa­ler Di­men­si­on – Gra­nit­find­lin­ge, mit Gneis­adern1 durch­schos­sen und von schwe­fel- oder schar­lach­far­bi­gen Flech­ten und Moo­sen ka­riert und ge­spren­kelt – gold­ne Wol­ken aus lan­gem, trock­nem Fe­der­gras: al­les leuch­te­te in präch­ti­ger Ver­klä­rung. Gro­ße, schwar­ze Schmet­ter­lin­ge mit gel­ben oder pur­pur­ro­ten Au­gen auf den Flü­geln se­gel­ten durch die stil­le, hei­ße Luft; oder sie sa­ßen auf den glü­hen­den Fels­blö­cken, klapp­ten die stol­zen Schwin­gen aus­ein­an­der, gra­de als wenn sie uns ihre Schön­heit zei­gen woll­ten.

Oben am Wal­de mach­ten wir halt. Wir stie­gen ab und setz­ten uns in den Schat­ten, um auf un­se­re Leu­te zu war­ten.

»Was hat Sie ei­gent­lich nach In­di­en ge­führt?« frag­te Mrs. But­ler. »Sie sind doch Ame­ri­ka­ner, Mr. Rol­by?«

»Bin ich, Mrs. But­ler! Bin ich,« nick­te der.

»Und wo sind Sie drü­ben zu Hau­se, Mr. Rol­by?«

»Bin ein Mis­sou­ri­mann, Mrs. But­ler. Ein rich­ti­ger Mis­sou­ri­mann! – Un­ten vom Mis­sis­sip­pi.«

»Vom Mis­sis­sip­pi?« sag­te Mrs. But­ler. »Wir ken­nen New Or­leans und den Mis­sis­sip­pi. Nicht wahr, Char­ley?« Sie wen­de­te sich zu ih­rem Man­ne, der ver­drieß­lich zu­hör­te.

»Ist ein stol­zer Strom der Mis­sis­sip­pi,« fuhr Rol­by fort. »Der Meis­ter al­ler Strö­me! Schluckt Eu­ren Gan­ges über, ohne Ma­gen­schmer­zen zu be­kom­men, schnappt Eu­ren In­dus zum Früh­stück weg und guckt sich noch nach mehr um. Sage: Ist ein glor­rei­cher Strom – der Mis­sis­sip­pi; steckt alle Eure Strö­me, Flüs­se und Flüss­chen – wie sie auch hei­ßen mö­gen – in die Ta­sche.«

Ich un­ter­brach ihn. Denn ich kann­te sein Lieb­lings­the­ma und wuss­te, dass es schwer hielt, ihn da­von ab­zu­brin­gen. »Dick!« sag­te ich also, »Dick –«

Aber der Oberst kam mir zu­vor. »Mr. Rol­by,« frag­te er, »Sie ha­ben uns noch nicht ge­sagt, was Sie nach In­di­en führ­te.«

»Was mich nach In­di­en führ­te?« er­wi­der­te Rol­by. »Was mich nach In­di­en führ­te? – Du lie­ber Him­mel! – Woll­te Ti­ger schie­ßen, mit den Rad­schas Brü­der­schaft ma­chen – – woll­te Ele­fan­ten ja­gen und Ka­me­le rei­ten, woll­te Bud­dha und den an­dern Hei­den­ker­len mei­ne un­ter­wür­figs­te Ver­eh­rung ma­chen, woll­te – – – Ja, was woll­te ich nicht al­les, Oberst!«

Ich muss­te la­chen. Rol­by war bei al­ler Bie­der­keit ein neun­mal durch­ge­sieb­ter Bur­sche von ech­ter Yan­kee-Smart­ness. Er ge­hör­te zu ei­nem eng­lisch-ame­ri­ka­ni­schen Syn­di­kat, das die Koh­len­fel­der des Da­mu­da­tals aus­beu­ten woll­te. Nach Dar­jee­ling war er her­auf ge­kom­men, um dort die hei­ßes­te Zeit zu ver­brin­gen und mit mir über den Er­werb von Gold­sei­fen und Dia­mant­grä­be­rei­en im Vind­hya­ge­bir­ge2 zu be­ra­ten.

Aber der Oberst ließ nicht lo­cker. »Mr. Rol­by!« fuhr er fort. »Sie kom­men aus Bho­pal?«

Wir staun­ten.

»Sind ganz re­spek­ta­bel in­for­miert,« brach Dick end­lich los, und ich frag­te, ob er zur Ge­heim­po­li­zei ge­hö­re.

Die ge­hei­me Po­li­zei spielt in In­di­en eine große Rol­le.

Der Oberst stutz­te. Mrs. But­ler aber lach­te, so herz­lich, wie ich es noch nicht von ihr ge­hört hat­te. Sie schüt­tel­te sich or­dent­lich vor La­chen.

»Char­ley!« stöhn­te sie nach ei­ner Wei­le. »Du – und die Po­li­zei!«

Sie konn­te sich gar nicht zu­frie­den ge­ben, bis ihr ihr Mann un­ter sei­nen di­cken Au­gen­de­ckeln her­vor einen Blick zu­warf, der sie ver­stum­men mach­te.

Nach ei­ner Mi­nu­te fing er von neu­em an.

Der wort­kar­ge Mann war mit ein­mal ge­sprä­chig ge­wor­den. Um das Da­mu­da­syn­di­kat wuss­te er. Eben­so, dass Rol­by in Bho­pal und Ra­j­pur ge­we­sen war, um die Vind­h­ya zu be­su­chen. Und wir wun­der­ten uns über die tref­fen­den Be­mer­kun­gen, die er mach­te, sein si­che­res Ur­teil und die kauf­män­ni­sche Kennt­nis, die bei ei­nem Of­fi­zier er­staun­lich war. Auch wir tra­ten mehr aus un­se­rer Re­ser­ve her­aus. Das Ge­spräch wur­de leb­haft, dreh­te sich um alle mög­li­chen Din­ge, Han­dels- und In­dus­trie­un­ter­neh­mun­gen, Geld- und Bank­ver­hält­nis­se, bis das »Mail, mail! – ai hai! – arre, arre!« un­se­rer Leu­te über die stil­le Mat­te her­über­klang.

Un­se­re Ka­ra­wa­ne zog mit gel­len­dem Ge­schrei vor­über, den Wald hin­auf. Der Kuli-Sir­dar3 an ih­rer Spit­ze. Wir sa­ßen noch und schau­ten den Weg hin­ab, den wir ge­kom­men wa­ren. Bei Gott! War das schön – –!

Wie Ku­lis­sen scho­ben sich die Ber­ge in ein­an­der. Reck­ten und streck­ten die bunt ge­fleck­ten Rie­sen­lei­ber, an de­nen die Wäl­der bis zur Ebe­ne hin­ab­klet­ter­ten. Bei der köst­li­chen Klar­heit der At­mo­sphä­re konn­te man deut­lich die ein­zel­nen Ve­ge­ta­ti­ons­zo­nen un­ter­schei­den, die das Ge­bir­ge um­gür­ten.

Un­ten an der Hal­de fin­gen Ei­chen, Kas­ta­ni­en, Lor­beer und Ma­gno­li­en an. Draus lug­ten – ko­ket­tem Spiel­zeug gleich – die wei­ßen Häu­ser von Dar­jee­ling. Dann kam – nach un­ten – die Re­gi­on des Baum­farns, dann Pal­men und wie­der Pal­men mit ih­ren wun­der­vol­len Kro­nen und Fä­chern und Säu­len­schaf­ten und zu­letzt, ganz un­ten am Fuße des Ge­bir­ges, die wo­gen­den Mas­sen der wil­den Pla­ta­ne, die in Sik­kim zu Hau­se ist.

Aus tief ein­ge­ris­se­nen Schluch­ten, ein paar tau­send Me­ter un­ter uns, bra­chen die Berg­was­ser her­aus – der Myong, der Pem­mi, der Tam­bar und wie sie alle hei­ßen, die hoch vom ewi­gen Schnee her­un­ter kom­men. Und drau­ßen in der un­er­mess­li­chen Ebe­ne zwi­schen Reis- und Mais- und Wei­zen­fel­dern, Bana­nen­gär­ten und Zucker­rohr­plan­ta­gen, Oran­gen-, Fei­gen-, Pal­men­hai­nen, – – – zwi­schen Städ­ten und Dör­fern, Pa­läs­ten, Hüt­ten, zwi­schen Kup­peln und Tür­men, Pa­go­den … da blitz­ten die Flu­ten des hei­li­gen Stroms.

– – Wir stie­gen zu Pfer­de und rit­ten in den Hi­ma­la­ja­wald. Kühl um­fing uns der Schat­ten der Sil­ber­tan­nen.

Die Son­ne stand schon nied­rig.

Der Wald war still. Ab und zu baum­te ein schwar­zes Eich­hörn­chen auf, oder ein paar Bül­büls schlüpf­ten, wie große Mäu­se, durch die Zwei­ge. Der Kris­hen­pat­ti ließ sein ein­tö­ni­ges Lied hö­ren, das so selt­sam zu Her­zen geht. Da leuch­te­te es vor uns auf.

Fa­ckel­licht un­ter den Tan­nen?

Ein kal­ter Luft­zug flog uns ent­ge­gen. Die Po­nys schnaub­ten und ver­fie­len in mun­te­res Tem­po. Wir hat­ten den Berg­sat­tel er­reicht.

Der bren­nend rote Abend­him­mel hing über dem Gip­fel. Der rag­te kei­ne tau­send Schritt von uns em­por. Al­les gleiß­te in ro­tem Licht: die Kup­pe, das kah­le, mit Schutt und Ge­röll be­deck­te Pla­teau, die we­ni­gen Lat­schen- und Wach­hol­der­bü­sche …

Es war ein selt­sa­mes, über­ir­di­sches Licht, das wie eine zie­gel­rot­gol­di­ge Pa­ti­na den gan­zen Berg über­zog und uns blen­de­te. Wir muss­ten die Au­gen mit der Hand be­schat­ten.

»Hur­ra!« rief Rol­by. »Da sind sie! – Bei mei­ner See­le! – da sind sie! Wie in der Ge­schich­te vom ar­ti­gen Jack, der ins Mär­chen­land reis­te …!«

Wir bra­chen in einen Schrei des Ent­zückens aus. Über dem Pas­se stan­den die Schnee­ber­ge, von der un­ter­ge­hen­den Son­ne mit tau­send und Aber­tau­send Lich­tern und Far­ben über­gos­sen.

Tau­send und Aber­tau­send Lich­ter und Far­ben, die Men­schen­hand nicht schaf­fen, kei­nes Men­schen Hirn sich aus­ma­len kann. Ein Cha­os von Far­ben … und wie­der kein Cha­os. Schrof­fe Kon­tras­te – ein Wett­streit von zar­ten und schrei­en­den Tin­ten – und wie­der ein köst­li­ches Ver­schmel­zen von Far­ben und Far­ben­tö­nen … ein In­ein­an­der­flie­ßen feins­ter Nuan­cen …

Rechts im wei­ten Bo­gen bis zum Tscho­la zehn – zwan­zig – hun­dert fun­keln­de Spit­zen: die Ber­ge von Sik­kim; links in veil­chen­blau­en Schat­ten ein­gehüllt, die Ket­te von Ne­pal. Und da­zwi­schen – im Nor­den, ge­ra­de vor uns – türm­te sich das un­ge­heue­re Mas­siv des Kang­chend­zön­ga4 ge­gen den blut­ro­ten Ze­nit … ein gran­dio­ser So­ckel aus Fir­nen und Glet­schern, und dro­ben in furcht­ba­rer Un­nah­bar­keit die drei gra­ni­te­nen Zin­nen, über die noch die letz­ten Son­nen­strah­len, wie feu­ri­ge Zun­gen, leck­ten.

– Der Sir­dar riss uns aus der Ver­zückung. Er hat­te eine Stre­cke wei­ter un­ten halt ge­macht und das La­ger auf­ge­schla­gen. Mipo war ein präch­ti­ger Bur­sche. Er stamm­te aus Cha­bang am Tawa, kann­te hier oben Weg und Steg und hielt sei­ne Lept­scha5 brav in Ord­nung. Der Platz pass­te zum Camp. Der Berg fiel an die­ser Sei­te ter­ras­sen­för­mig ins Tal ab. Auf der obers­ten Ter­ras­se, durch Wald und Berg­kup­pe ge­schützt, stan­den die Zel­te. Kei­ne hun­dert Schritt von ei­ner Quel­le, die in sump­fi­ger Rin­ne zu Tal floss. Schilf und Zwerg­bam­bus be­glei­te­ten ih­ren Lauf und ga­ben dem Fleck et­was Freund­li­ches, An­hei­meln­des.

Un­se­re Leu­te hat­ten sich schon häus­lich ein­ge­rich­tet. Gleich vorn un­ter ur­al­ten Tan­nen das Zelt, das Rol­by und ich be­wohn­ten. Wei­ter zu­rück das des Obers­ten. Es war ein ganz statt­li­ches Ding, aus weiß- und rot ge­streif­tem Se­gel­tuch, die Stan­gen mit ele­gan­ten Mes­sing­knäu­fen; oben flat­ter­te ein grü­ner Sei­den­wim­pel. An der Vor­der­sei­te eine Art Ve­ran­da aus Bam­bus­stä­ben, mit Palm­gras­de­cken aus­ta­pe­ziert. Ein großer Feld­tisch, Bam­bus­stüh­le und eine al­ler­liebs­te, klei­ne Chai­se­longue – na­tür­lich auch aus Bam­bus und mit Yakle­der über­zo­gen – vollen­de­ten die Ein­rich­tung.

»Don­ner­wet­ter!« mach­te Rol­by be­wun­dernd. »Sind kom­for­ta­bel ein­lo­giert, Oberst.«

Der Oberst nick­te. »Und es bleibt da­bei, dass Sie das Din­ner auf un­se­rer Ve­ran­da ein­neh­men.«

– – Wir stie­gen ab, ga­ben die Pfer­de dem Syce und gin­gen ins Zelt. Das ers­te war ein Tschat­ty-Bad,6 ohne das es in In­di­en nicht geht. Dann bum­mel­ten wir durch das La­ger. Re­vi­dier­ten die Po­nys und die Ba­ga­ge. Be­such­ten Ha­bib Ul­lah, den mo­ham­me­da­ni­schen Koch, der mit der Wür­de ei­nes Pro­phe­ten sei­nes Amts wal­te­te. Ha­bib war Kü­chen­jun­ge bei ei­nem der un­zäh­li­gen Duo­dez­fürs­ten im Nor­den In­diens ge­we­sen. Dann kam er in glei­cher Ei­gen­schaft zum ach­ten Re­gi­ment, und von dort avan­cier­te er nach Agra ins Me­tro­pol. Wa­rum er die­sen eh­ren­vol­len Pos­ten auf­ge­ge­ben hat­te, war nicht aus ihm ’raus zu krie­gen. Je­den­falls war er ein ge­schick­ter Koch, der es ab und zu über das Herz brach­te, sich die Hän­de zu wa­schen, und wohl auch ein ehr­li­cher Mensch, so­weit das bei ei­nem Ein­ge­bo­re­nen mög­lich ist. Ein Glück, dass wir ihn hat­ten! Denn der Ba­wart­schi7 des Obers­ten war un­ter­wegs krank ge­wor­den und wie­der um­ge­kehrt.

Un­ser bra­ver Kü­chen­chef hock­te mit un­ter­ge­schla­ge­nen Bei­nen vor sei­nem klei­nen, trans­por­ta­blen Ofen, der ihn über­all­hin be­glei­te­te. Gleich­zei­tig briet und schmor­te er noch auf zwei of­fe­nen Feu­er­stel­len, die er rechts und links von sich in die Erde ge­gra­ben hat­te.

»Hal­lo, Mr. Ha­bib!« sag­te Dick, »wie steht’s mit dem Din­ner?«

Der Alte grüß­te.

Ein freund­li­ches Grie­nen lief über sein schwar­zes Ge­sicht. Rol­by war bei al­len Na­ti­ves be­liebt. »Bara Sa­hib« 8 nann­ten sie ihn we­gen sei­ner phä­no­me­na­len Kör­per­grö­ße.

»Kho­da seg­ne Eue­re Herr­lich­keit!«

Dann be­rich­te­te er das Menü. Zu­erst gab’s die ob­li­ga­te Grün­kern­sup­pe, dann Mur­gi­an qua­wa – ge­bra­te­nes Huhn – mit Aru, Scor­zo­ne­ren und grü­nen Scho­ten. Zu­letzt kam Cur­ry mit Reis, ein Gang, der in In­di­en bei kei­nem Es­sen feh­len darf, und zum Schluss – als Nach­tisch – ein­ge­mach­te Früch­te: Apri­ko­sen, Pi­sta­zi­en, Ing­wer, Quit­ten und die de­li­ka­ten Mango­früch­te …

Auf der Ve­ran­da emp­fing uns Mrs. But­ler.

Wir nah­men Platz. Der Tisch war ge­schmack­voll ge­deckt; blen­den­der Da­mast, ele­gan­te Wein­kel­che, so­gar Sekt­glä­ser schmück­ten die Ta­fel. Der Sir­dar hat­te einen Strauß ben­ga­li­scher Ro­sen auf­ge­trie­ben, der in der Mit­te prang­te. Eine stil­vol­le Hän­ge­lam­pe aus mat­ter Bron­ze be­leuch­te­te das En­sem­ble.

Rol­by strahl­te. Bei al­ler Rau­heit war er doch für den Zau­ber be­hag­li­cher Häus­lich­keit be­son­ders emp­fäng­lich. Eben­so ging’s ihm mit der hol­den Weib­lich­keit. Frei­lich hat­te er es noch nicht zu ei­ner Frau ge­bracht. Es fehl­te ihm – wie er zu sa­gen pfleg­te – die Zeit dazu.

Auch Mrs. But­ler hat­te es ihm an­ge­tan. Seit­dem er ih­ren Gaul vom Ab­hang ge­ris­sen, ging er ihr nicht mehr von der Sei­te. Und die schö­ne Frau ließ sich sei­ne Hul­di­gung gern ge­fal­len.

»Wo steckt nur mein Mann?« mein­te sie un­ge­dul­dig.

Ich sag­te, dass wir ihn mit sei­nem Hin­du­die­ner vor ei­ner Wei­le bei den Pfer­den ge­se­hen hät­ten, und Rol­by frag­te: »Wie ist der Oberst nur zu dem wi­der­wär­ti­gen Bur­schen ge­kom­men? Hat eine ganz ver­bo­te­ne Phy­sio­gno­mie, der Mann – ein Paar Au­gen in sei­nem grün ge­fleck­ten Ha­lun­ken­ge­sicht, wie eine Mo­kass­in­schlan­ge. Jag­te ihn lie­ber heu­te als mor­gen zum Teu­fel … Wo er auch hin ge­hört!«

Mrs. But­ler lach­te ihr me­lo­di­sches La­chen, das uns bei­de im­mer wie­der be­rück­te.

»Aber, was hat Ih­nen denn der arme Boy ge­tan?! Er ist ein Mus­ter von ei­nem Die­ner, wie man ihn in In­di­en gar nicht wie­der kriegt. Und für sein gräss­li­ches Ge­sicht kann der Mensch doch nicht.«

Dick schüt­tel­te den Kopf. »Ver­ste­he den Oberst nicht, dass er sich so einen Gal­gen­vo­gel auf­ge­la­den hat. Auch die an­dern Leu­te ge­fal­len mir nicht.«

»Wa­rum mie­te­ten Sie kei­ne Lept­scha?« frag­te ich. »Das sind die bes­ten Ku­lis hier oben.

Sie ken­nen das Ge­bir­ge, ver­tra­gen Berg­stei­gen und Hö­hen­luft. Da­bei sind es zu­ver­läs­si­ge Men­schen. – Se­hen Sie doch bloß un­sern Mipo an!

Das Volk, das in Dar­jee­ling zu­sam­men­läuft und sei­ne Diens­te an­bie­tet, ist der Ab­hub von ganz In­di­en. Da gib­t’s Leu­te aus Ben­ga­len, Oris­sa, Tscho­ta – Nag­pur, aus dem Pun­jab; selbst aus dem Berar und aus Ma­dras kommt Ge­sin­del her­auf, um ein paar Ru­pi­en zu ver­die­nen. Von al­len Ihren Leu­ten taugt nur der Dho­bi9 et­was. Das ist ein Kulu-Mann. Dort gib­t’s or­dent­li­che Boys.«

Mrs. But­ler nick­te: »Sie mö­gen recht ha­ben. Aber – – wir ha­ben sie vom Agen­ten be­kom­men.«

»Net­ter Agent das!« knurr­te Rol­by. Mir woll­te es nicht schei­nen. Denn ich war mit den Ver­hält­nis­sen be­kannt und wuss­te, dass es gar nicht schwer hielt, gute Ku­lis zu fin­den. –

Das Ge­spräch war Mrs. But­ler of­fen­bar nicht an­ge­nehm. Drum be­grüß­ten wir es, als der Oberst er­schi­en. Ein Pony war ge­schla­gen wor­den. Er hat­te sel­ber den Ver­band an­ge­legt und rä­so­nier­te über die ver­d– – Na­ti­ves, die an al­lem schuld sei­en.

»Kha­na ka hukm do!«10 wand­te er sich an sei­nen Die­ner, der mit ge­kreuz­ten Ar­men hin­ter ihm stand und auf den Be­fehl zum An­rich­ten war­te­te.

»Kha­na mez par lao!«11 gell­te der zu Ha­bib Ul­lah hin­über …

Das Din­ner mach­te Ha­bib alle Ehre. Wir ver­leb­ten einen sehr ver­gnüg­ten Abend und gin­gen erst spät zur Ruhe. – – – – – – – – –

Am nächs­ten Mor­gen klap­per­ten wir den Wald nach Fa­sa­nen ab, die in Sik­kim häu­fig vor­kom­men.

Mrs. But­ler schloss sich uns an. Der Oberst blieb im Camp, um Brie­fe zu schrei­ben.

Kühl weh­te es von den Schnee­ber­gen, die ihre Sil­ber­schei­tel in den köst­lich blau­en Son­nen­him­mel reck­ten. Von der Stra­ße zweig­te sich gleich beim La­ger ein Fuß­weg ab, dem wir folg­ten. Schat­ten­ge­spren­kel­te Tan­nen, blau­grü­ner Wa­chol­der, manns­ho­hes Ried­gras. In den gold­nen Wip­feln rausch­te der Berg­wind; un­ten sang und ki­cher­te der Bach. Ein zar­ter, la­ven­delblau­er Duft stieg aus den Tä­lern und schlei­er­te um die fer­nen Kup­pen. Vo­gel­ge­zwit­scher; die klei­nen, schwar­zen Eich­hörn­chen hä­kel­ten sich, pfei­fend und murk­send, an den ker­zen­ge­ra­den Stäm­men in die Höhe.

Ich ging vor­an. Die bei­den an­dern folg­ten lang­sam. Sie spra­chen laut und lach­ten. Wie konn­te man da zum Schuss kom­men!

»– – Die ver­ma­le­dei­te Lie­be­lei!« Ich war mit der gan­zen Ge­schich­te über­haupt nicht ein­ver­stan­den und ver­wünsch­te den un­be­greif­li­chen Zu­fall, der uns zu­sam­men­ge­führt hat­te. Wie ich mich um­dreh­te, sah ich, dass Rol­by eine Rose im Knopf­loch hat­te, die Mrs. But­ler vor­her im Gür­tel trug. Ich stieß einen läs­ter­li­chen Fluch aus und muss zu mei­ner Schan­de be­ken­nen, dass es der blas­se Neid war, der ihn mir aus­press­te.

Sie pass­ten zu ein­an­der.

Rol­by mit sei­nem klei­nen, fei­nen Kopf und den Ath­le­ten­schul­tern; Mrs. But­lers schlan­ke Fi­gur, ihre wun­der­vol­len For­men, die durch das schi­cke wei­ße Fla­nell­kleid nur noch ge­ho­ben wur­den … das El­fen­bein des schma­len Ge­sichts mit dem zier­li­chen Bocks­näs­chen, den blas­sen, schön ge­schwun­ge­nen Lip­pen, den Au­gen – –!

Ich schlen­der­te wei­ter, die Flin­te im Arm. Das Sil­ber­la­chen woll­te mir nicht aus den Ohren. Da lich­te­te sich der Wald. Ich staun­te … Vor mir in ei­ner Ein­sat­te­lung ein schma­les Wie­sen­tal und drü­ben auf der an­dern Sei­te – kei­ne hun­dert Schritt! – ein Haus.

Ich blieb ste­hen.

»Hal­lo, Rol­by!« rief ich. »Ein Bun­ga­low.«

»Scheint nicht be­wohnt zu sein,« mein­te der.

Wir gin­gen ’ran. Das Haus sah nicht ver­trau­en­er­we­ckend aus. Ver­fal­len, die Fens­ter mit Bret­tern ver­schla­gen, das Dach wind­schief, die Ve­ran­da eine Rui­ne.

»Ein rich­ti­ges Rat­ten­loch!« lach­te er. »Aber gran­di­os ge­le­gen.«

Aus den Hin­ter­fens­tern muss­te man einen über­wäl­ti­gen­den Blick auf die Kluft ha­ben, de­ren fürch­ter­lich zer­ris­se­ne Fels­wän­de ein paar tau­send Fuß hin­ab­stürz­ten. Vorn das schma­le, grü­ne Wald­tal, das sich si­chel­för­mig an die dun­keln Tan­nen an­schmieg­te. Dar­über die Pan­dim-Glet­scher. Sie fun­kel­ten in der Son­ne wie gold­ge­fass­te Be­ryl­le und Aqua­marin­stei­ne.

»Ein al­ter Dak Bun­ga­low,« sag­te Mrs. But­ler.

»Der sich vor dem Schnee hier ’r­un­ter in das war­me Tal ge­flüch­tet hat.«

»Nein!« er­wi­der­te Dick. »Wo kommt der Gar­ten her?«

Er hat­te Recht. Das Haus lag in ei­nem ver­wil­der­ten Gar­ten, den si­cher nicht die Hand ei­nes Ein­ge­bor­nen an­ge­legt hat­te. Bäu­me und Pflan­zen, die man in die­ser Höhe sonst nicht fin­det, wuch­sen beim Bun­ga­low. Die hat­te ein Sa­hib mit her­auf­ge­bracht – in das war­me, ge­schütz­te Tal, das wie ein Treib­kas­ten für ihr Fort­kom­men sorg­te. Wir schätz­ten das Al­ter der Bana­nen-, Wal­nuss- und Oran­gen­bäu­me auf etwa zwan­zig Jahr; aber das Haus war höchs­tens erst ein paar Jahr ver­las­sen.

Rol­by klet­ter­te auf die Ve­ran­da und rüt­tel­te an der Tür. Sie war ver­schlos­sen. Un­heim­lich hall­te es im Hau­se wi­der.

»Kom­men Sie, Mr. Rol­by!« rief Mrs. But­ler. »Las­sen Sie doch die alte Ba­ra­cke!«

Sie stand an der Ta­ma­ris­ken­he­cke, die das Ge­höft nach dem Ab­grund zu be­grenz­te, und pflück­te einen Strauß von den herr­li­chen, vio­let­ten Blü­ten­trau­ben.

Aber Rol­by ließ nicht lo­cker. Er klet­ter­te auf den Sims un­ter dem Fens­ter, das nach der Ve­ran­da hin­aus­ging, und sei­ner Bä­ren­kraft ge­lang, ein Brett los­zu­wuch­ten.

Wir guck­ten bei­de durch die blin­de Schei­be. Mit ein­mal fuh­ren wir zu­rück. Es hat­te drin an das Fens­ter ge­klopft.

»Eine Fle­der­maus,« sag­te ich, und wir ver­such­ten wie­der hin­ein­zu­se­hen. Aber wie­der fuh­ren wir zu­rück.

»Damn!« knurr­te Rol­by. »Der Ka­ten ist be­hext.«

Deut­lich sahn wir hin­ter der dunklen Schei­be eine Ge­stalt. Sie be­weg­te, bück­te sich … ein wei­ßes Ge­sicht er­schi­en an der Schei­be. Plötz­lich aber lach­te Rol­by, wie nur Rol­by la­chen kann. »Mrs. But­ler!« schrie er aus­ge­las­sen und schwang sei­nen Hut. »Bei Jin­go! Sind ein paar glo­rio­se Hel­den, Ralph!«

Wir lach­ten. – Wie war sie aber hin­ein ge­kom­men? Vorn nur die eine Tür. Die Gie­bel­wän­de hat­ten we­der Tür noch Fens­ter. Also muss­te sie von hin­ten ins Haus ge­langt sein. Doch da war der Ab­grund. – –

»Ver­hext, Ralph!« spru­del­te Rol­by. Dann stieß er mit dem Kol­ben die Schei­be ein. »Good day, Mrs. But­ler! Wie kom­men Sie aber wie­der ’raus?«