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Ray Cuttler ist Multimillionär. Und er mag das Dominieren seiner Partnerinnen. Seine letzte Freundin forderte als Gegenleistung die Ehe. Als er ablehnte, spottete sie und empfahl ihm, sich seine Sklavin doch zu kaufen.
Diese Idee fand er interessant. Und er fand sogar einen Weg, wie er es anstellen konnte. Jetzt bekam er 10 Frauen auf seine Insel geliefert. Hier waren sie ihm und seinen Bodyguards ausgeliefert. Doch kaum angefangen musste er erkennen, welchen Denkfehler er begangen hatte. Alles änderte sich. Die verkauften Frauen müssen auch ihre neue Situation erst einmal verstehen. Sind es jetzt Chancen für sie oder Katastrophen?
Und dann kam noch eine Bedrohung von außen. Es brauchte Zeit, da Fortschritte zu machen. Nur mit den Erkenntnissen hätte er nie gerechnet. Hat sich seine Aktion am Ende überhaupt gelohnt?
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Die Insel der Sklavinnen
Eine BDSM-Geschichte
von Rolf West
© 2026
1. überarbeitete und erweiterte Fassung
Ich erzähle eine Geschichte, keinen Tatsachenbericht. Sie soll unterhalten und vielleicht anregen. Für Leser (m/w/d) ab 18 Jahren geeignet. Diese Buch ist nicht KI-generiert.
Alle hier vorkommenden Personen sind erwachsen und frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt. Auch die Insel ‚Horseshoe Island‘ ist nicht existent.
Bitte denken Sie immer an die Grundsätze bei BDSM:
Gegenseitiges Einverständnis, bewusste Akzeptanz und vor allem Sicherheit.
Persönlich rede ich auch gern von Freiwilligkeit, Vertrauen und Verantwortung. Bei Fehlern kann die Gesundheit von Körper und Geist davon abhängig sein.
Hinweis:
Dieses Buch war in einer kürzeren Version bereits im Angebot gewesen und wurde jetzt überarbeitet und erweitert. Dabei wurden Korrekturen sowie Vorschläge von Leserinnen und Lesern eingearbeitet. Ich würde mich freuen, wenn auch diese Fassung wieder gefällt.
Für Verbesserungen oder Kritik bin ich immer offen.
Trailer:
Ray Cuttler ist Multimillionär. Und er mag das Dominieren seiner Partnerinnen. Seine letzte Freundin forderte als Gegenleistung die Ehe. Als er ablehnte, spottete sie und empfahl ihm, sich seine Sklavin doch zu kaufen.
Diese Idee fand er interessant. Und er fand sogar einen Weg, wie er es anstellen konnte. Jetzt bekam er 10 Frauen auf seine Insel geliefert. Hier waren sie ihm und seinen Bodyguards ausgeliefert. Doch kaum angefangen musste er erkennen, welchen Denkfehler er begangen hatte. Alles änderte sich. Die verkauften Frauen müssen auch ihre neue Situation erst einmal verstehen. Sind es jetzt Chancen für sie oder Katastrophen?
Und dann kam noch eine Bedrohung von außen. Es brauchte Zeit, da Fortschritte zu machen. Nur mit den Erkenntnissen hätte er nie gerechnet. Hat sich seine Aktion am Ende überhaupt gelohnt?
Inhalt
Vorwort
Der Plan
Erste Lieferung
Unterkunft
Die Anderen
Begrüßung
Erkenntnis
Änderung
Lernen
Kennenlernen
Demonstration
Zweite Front
Gemeinschaft
Einigung
Gegenspieler
Befragung
Preisgabe
Absprache
Erlebnisse
Enttäuschung
Erprobung
Enthüllung
Konsequenzen
Vereinigung
Horseshoe Island
Am Horizont wurde ein kleiner schwarzer Punkt sichtbar. Ray Cuttler lächelte. Nun würde sein Plan endlich Wirklichkeit. Die erste Lieferung war im Anflug.
Der Punkt wurde größer und langsam wurde ein Hubschrauber vom Typ Bell 407 erkennbar. Er reduzierte die Flughöhe. Anscheinend wollte er landen.
Ray nickte seinen beiden Begleitern zu und zusammen gingen sie zur Terrassenmauer vor dem Haus. Von hier hatte man einen Blick auf den markierten Landeplatz, etwa hundert Meter entfernt.
Der Hubschrauber war jetzt deutlicher sichtbar und senkte sich langsam auf die Markierung für den Landeplatz. Er war nachtschwarz lackiert mit einem silbernen Firmenlogo an der Passagiertür. Durch die dunkel getönten Scheiben im hinteren Bereich für Passagiere oder Last war nichts von möglichen Passagieren sichtbar. Nur der Pilot und der Copilot waren erkennbar.
„Sam, Hank, geht bitte rüber und helft Ed beim Ausladen, wenn die Maschine steht. Dann bringt ihr die Ladung erst einmal in ihre Zimmer und sperrt sie ein.“
Seine beiden Begleiter nickten kurz und gingen den Weg zum Landeplatz. Beide trugen schwarze Shirts mit einem silbernen Firmenlogo eingestickt auf der linken Brust. Es war dasselbe wie auf dem Hubschrauber. Zu den schwarzen Shorts trugen sie ebenso gefärbte Springerstiefel. Ihre leicht gebräunte Haut zeugte von häufigerem Aufenthalt in der Sonne. Am Gürtel waren neben einem Funkgerät auch Handschellen und eine Gerte eingehakt.
Mit kurz geschorenen Haaren und dem Aussehen von trainierten Soldaten boten sie einen harten und fast schon bedrohlichen Anblick. Tatsächlich waren sie ehemalige Marines.
Ray wusste, warum er ehemalige Soldaten angeworben hatte, die ihn als persönliche Security-Truppe öfter begleiteten. Wer wie er fast einer Milliarde Dollar wert war, hatte nicht nur Freunde. Also waren gewisse Sicherheitsmaßnahmen unvermeidbar und notwendig. Mochte der Tod nicht unbedingt das Ziel sein, so warf ein schwerer Unfall einen auch aus dem Rennen bei Geschäften. Oder es erschütterte das Vertrauen von Investoren.
Seine gute Bezahlung und die angebotenen zusätzlichen Freiheiten sorgten dafür, dass seine Mitarbeiter gerne bei ihm blieben und treu waren. Da sein gesamtes Team bereits seit einigen Jahren unverändert für ihn arbeitete, kannte man sich auch untereinander gut. Auch privat. Ray war kein Freund von Distanz bei Mitarbeitern, mit denen er eng zusammenarbeiten und denen er vertrauen musste. Das hatte bei möglichen Aktionen Vorteile, wenn man sich fast blind verstand. Die ehemaligen Soldaten kannten die Notwendigkeit einem Wingman zu vertrauen. Blind zu vertrauen. Und er und sie mussten dasselbe Vertrauen haben. Er, auch als Boss, durfte eine Warnung oder Maßnahme nicht in Frage stellen oder diskutieren. Und sie mussten wissen, dass er prompt reagierte, so, wie sie es wollten. Nur dann waren sie ein funktionierendes Team.
Er selbst trainierte sogar gerne mit dem Security-Team. Von Profis konnte er lernen. Wenn man ihm an den Kragen wollte, konnte es für ihn nur von Vorteil zu wissen, wie er zu reagieren hatte und auch, dass er wusste, wie das Team agierte. Das ergab automatisch weniger Diskussionen, ein besseres Miteinander und damit mehr Sicherheit für ihn und sie. Die Männer konnten sich um eine potentielle Bedrohung kümmern und keine musste nach ihm sehen. Und er war auch nicht der Mann, der nur in der sicheren Deckung blieb. Also musste er so gut wie sein Team werden und sein.
Selbst hier auf seiner Insel, auf die er sich öfter zurückzog, um auszuspannen. Die Insel hatte er vor ein paar Jahren von einem früheren Konkurrenten abgekauft. Sie lag knapp 300 Kilometer vor der Küste von Los Angeles im Pazifik. Damit war sie weitab und ein ziemlich sicherer Ort. So leicht kam niemand hier an ihn heran.
Bei seinen weltweiten Firmen und Beteiligungen hatte er ausgezeichnete Manager im Einsatz. Seine Manager legten Rechenschaft ab. Und die wussten, was er wollte. Sie wussten auch, dass er nicht nur an Bilanzen klebte, sondern auch an menschlichen Aspekten interessiert war. Seiner Manager wussten, dass er auch einige Prozent Gewinn weniger akzeptierte, wenn es den Menschen in seinen Unternehmen weiter gut ging. Zumindest, wenn er die Begründung verstehen konnte.
Rauswurf, um Bilanzen zu optimieren, lag ihm nicht und er hatte es auch seinen Managern untersagt. Er hatte früh gelernt, dass zufriedene Mitarbeiter mehr lieferten als Mitarbeiter, die Angst hatten. Mitarbeiter, die Vertrauen in ihren Arbeitgeber hatten, brachten sich selber auch mehr ein. Wieder ein Gewinnpunkt aus seiner Sicht. Er wollte bei Problemen möglichst frühe Hinweise, damit nichts ganz aus dem Ruder lief. Selbst ein früher Verdacht, konnte durch Prüfen Schaden abwenden. Regelmäßiger Austausch von Informationen oder Finden potentieller Schwächen und punktuelle Unterstützung waren eines seiner Erfolgsrezepte. Warum sollte er sich um alles selber kümmern? Seine Aufgabe war die strategische Ausrichtung und das Definieren von Zielen. Alles andere waren Details und nicht seine Ebene. So blieb ihm mehr Zeit. Und mit 36 Jahren hatte er klare Vorstellungen, was er wollte.
Seine Gedanken schweiften einige Monate zurück.
Damals hatte er seiner letzten Freundin Rachel Burns den Laufpass gegeben. Sie hatte keine Lust mehr auf seine BDSM-Spiele, die er als Dom beim Sex gerne praktizierte. Ihr Ziel war es, Mrs. Cuttler zu werden, nicht seine Sklavin zu sein. Deswegen machte sie auch nicht den feinen, aber wichtigen Unterschied zwischen BDSM und reinem SM. Bei ihr war es nicht Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit, sondern sie unterwarf sich ihm nur aus anderen Gründen. Solange er ihr gewährte, was sie wollte, würde sie sich ihm unterordnen. Wenn sie erst seinen Ring am Finger hatte, dann hatte er sich gefälligst allein ihren Wünschen zu beugen. Dann würde es nur noch einen Top geben, dem sie folgte. Und der hieß ‚Geld‘. Ihr Geld. Nachdem sie die dritte Session in Folge aus für ihn nichtigen Gründen abgebrochen hatte, hatte er ihr die Trennung etwas vergoldet.
Damals hatte sie ihm zum Abschied gesagt: ‚Was du willst, kann ich dir nicht geben. Du hättest im alten Rom leben müssen, um das zu finden, was du haben willst. Wahrscheinlich wirst du früher oder später sowieso hinter Gitter landen mit deinen perversen Neigungen. Wenn du dir, so wie die alten Römer, eine Frau kaufen könntest, dann würde sie vielleicht glücklich deine Befehle befolgen.‘
Es hatte noch eine Weile gebraucht, um sie zu verstehen. Er hatte nur nicht den Sarkasmus aus ihren Worten herausgehört. Ihm war nur ein Unterschied zwischen Geliebten mit masochistischen Neigungen und professionellen Frauen aus dem BDSM-Bereich aufgefallen. Beide redeten von Geld und ihren Grenzen. Nur die Reihenfolge war unterschiedlich.
Eine Sklavin rund um die Uhr fand er zwar interessant. Allein der Gedanke, jederzeit ihren Körper benutzen zu können, reizte. Aber er musste sich auch sagen, dass die berufsbedingten Unterbrechungen ihn schon bei den Freundinnen gefrustet hatten. Oft war es ja nicht nur ein Tag, den er wegmusste. Meist hatten seine Freundinnen auch einen eigenen Beruf. Also zwei trennende Elemente. Eine Professionelle würde ihm zwar immer zur Verfügung stehen. Doch hier hätte er eher gelangweilte Pflicht gesehen, denn die wenigsten waren wirklich devot. Deshalb hatte er sich statt auf rund um die Uhr nur auf beim gelegentlichen Sex hinsichtlich BDSM festgelegt. Das reichte ihm.
Eine Zeit lang hatte er über Rachels letzte Worte nachgedacht. Erst fand er es schade, dass es keine Sklaven mehr wie im alten Rom gab. Sicher gab es immer wieder Gerüchte über Staaten, in denen Sklaven existieren sollten, aber offiziell gab es das natürlich nicht. Dann hatte er eine Idee, wie er sie vielleicht trotzdem bekommen könnte. Immerhin gab es das Geben und Nehmen, also auch die Möglichkeit, für einen Zeitraum als Sklavin zu leben, wenn die Bezahlung stimmte. Professionelle machten es schließlich so. Nur seine Vorstellung für den Zeitrahmen war eine andere. Und sein Angebot würde ein anderes sein.
Eigentlich hatte er schon allererste Ideen vor vier Jahren bekommen. Damals hatte er mal wieder die Gräfin besucht. Eigentlich hieß sie Charlene de Boise. Ihre Großeltern waren vor den Nazis aus Frankreich 1941 geflohen. Ihr Großvater war ein Comte gewesen, aber in den Staaten zählte das nicht. Doch die Familie hatte sich hier an der Westküste ein kleines Imperium aufgebaut durch gute Investitionen in die boomende Filmindustrie.
Heute gehörte der Familie ein kleiner, aber gut dotierter Konzern, deren Vorstand die Gräfin war, wie sie wegen ihres Auftretens genannt wurde. Die Gräfin war eine Frau, wohl Ende 50, wie er schätzte. Ein genaues Alter kannte er nicht. Eigentlich niemand, wie es aussah. 'Man fragt eine Dame nicht nach ihrem Alter‘ war ihre stereotype Antwort mit dezentem Lächeln und Augenzwinkern. Aber sie war eine Erscheinung, die im Gedächnis blieb. Oft gekleidet wie eine vornehme Dame Anfang des 20ten Jahrhunderts, aus der Zeit der sogenannten ‚goldenen Zwanziger‘, mit knielangem Kleid, viel Fransen und Strassbestickung und, nicht zu vergessen, Stirnband und Straußenfederfächer. Ein weiteres Kennzeichen war ihre Zigarettenspitze mit über 30 Zentimeter, auf der immer ein dünnes Zigarillo steckte. Doch sie war auch eine zeitlose Schönheit für ihr geschätztes Alter. So gut wie keine Falten, ohne Botox oder andere Eingriffe, glatte silbrigblonde Haare in Schulterlänge und dunkelblaue Augen.
Ray hatte nicht sehr oft mit der Gräfin geschäftlich zu tun, aber er wusste, dass sie äußerst clever war. Sie nutzte allein schon ihren Auftritt, um Geschäftspartner abzulenken und damit die Geschäfte in ihrem Sinne zu lenken.
Zu dem Konzern, den sie RTS genannt hatte, gehörten einige kleinere Hotels, Restaurants, Modegeschäfte, ihr eigenes Label, Firmen für Kleidung und Elektronik, und einiges mehr. Nichts großes, aber immer gut laufend und die übrige Produktpalette ergänzend. Aber eines war augenscheinlich: die Gräfin stand auf Frauen. Es gab keinen Mann in ihrem Leben, nur ihre beiden Töchter, die auch im Vorstand saßen. Selbst bei allen Firmen des Konzerns waren die Führungskräfte Frauen.
Durch die geschäftliche Beziehung war er gelegentlich auch auf ihre Ranch eingeladen worden. Tatsächlich hatte sie eine Pferderanch etwa eine halbe Stunde Fahrt außerhalb von Los Angeles. Einmal im Vierteljahr organisierte sie dort eine Veranstaltung mit Übernachtung. Schließlich konnte das Haupthaus, im Südstaatenstil erbaut, alle beherbergen. Es erinnerte an ein anderes Gebäude, das im Film ‚Vom Winde verweht‘ eine wichtige Rolle spielte. Amüsanterweise hatte sie es wohl auch deswegen ‚Three Oaks‘ genannt und ähnlich eingerichtet. Auch auf der Ranch gab es nur weibliche Mitarbeiter, die sich um das Haus und die Pferde kümmerten.
Ray erinnerte sich an das damalige Gespräch.
Erinnerungssplitter 1:
„Madam, das Haus ist überzeugend. Wenn jetzt noch Krinoline und Frack gefordert wären, könnte ich mich als Rett Butler präsentieren“ meinte Ray bei seinem ersten Besuch auf Three Oaks.
Das ‚Madam‘ sprach er französisch statt amerikanisch aus, weil es ihm passender erschien, als er die Hausherrin begrüßte. Die Gräfin lachte.
„Nun, eine Krinoline finde ich so unpraktisch. Versuchen Sie damit die moderneren Tänze. Oder Sie werden merken, wie … unpraktisch diese Kleider sind, je später der Abend wird.“
Bei letzterem zwinkerte sie ihm kokett zu. Trotz ihres vergleichsweisen höheren Alters verstand er es nur als wissend, denn sie deutete damit den Verlauf des Abends und der Veranstaltung an. Natürlich liefen unter der Hand auch geschäftliche Gespräche. Immerhin waren die Chefs verschiedener Firmen vertreten. Doch Ray konnte dem Stunden später nur zustimmen. Wer nicht mit Partner oder Partnerin gekommen war, und das waren die meisten Gäste, der fand in den anwesenden Damen angeregte Gesprächspartner. Die unbekannten Frauen stellten sich schon nach wenige gewechselten Sätzen als hier lebende Cowgirls oder Ranchhelps heraus, die die Gelegenheit für so eine Festlichkeit gerne nutzten. Und er fand heraus, wie willig die durchweg sehr attraktiven Frauen als stellvertretende Gastgeberinnen waren. Es gab gute Gespräche und Tänze. Sie waren gebildet und klug. Und sie hatten nichts dagegen, jemanden später noch auf sein Zimmer zu begleiten. Sie blieben bis zum Morgengrauen und erfüllten jeden Wunsch. Selbst seine spezielleren. Er fand es erstaunlich, denn keine wurde dafür bezahlt.
Nach dem Frühstück fand er Gelegenheit, noch ein paar Worte mit der Gräfin zu wechseln.
„Wofür steht eigentlich das ‚RTS‘ ihres Unternehmens?“ versuchte er, seine Wissenslücke zu schließen.
Im Netz hatte er nirgendwo eine Erklärung gefunden, aber RTS klang wie eine Abkürzung. Die Gräfin studierte ihn einen Moment und lächelte dann.
„Sie sind nicht der erste, der fragt. Ihre Gedanken sind richtig. In gewisser Hinsicht steht es für etwas, was ich auch als Philosophie bezeichnen möchte. Vielleicht finden Sie es selber heraus. Oder es kommt der Moment, an dem ich es Ihnen erklären möchte.“
Damit blockte sie weitere Nachfragen ab und gab ihm etwas zum Nachdenken. Eine Philosophie? In seinem Kopf schwirrten Ideen herum, die er aber alle wieder schnell verwarf, weil er sie nicht als zutreffend einstufte.
„Wo haben Sie nur ihre erstaunlichen Mitarbeiterinnen gefunden?“ stellte er eine andere Frage.
In seiner Stimme schwang Lob und Anerkennung mit, wie sie hören konnte. Einen Moment musterte sie ihn und lächelte.
„Im Knast“, erwiderte sie trocken.
Und sie lachte leise, als er erstaunt und ungläubig die Brauen hob.
„Wirklich. Es ist so.
Passen Sie auf. Die wenigsten wissen, dass ich zwei Stiefschwestern habe. Meine Mutter starb nach meiner Geburt. Elaine, meine eine Schwester, ist von Daddys zweiter Frau und hat heute eine eigene Anwaltskanzlei. RTS arbeitet mit denen zusammen. Nach dem kranksheitsbedingten Tod meiner Stiefmutter, mit der ich mich gut verstanden hatte, heiratete mit Vater ein drittes Mal. Und die Frau brachte eine Tochter mit, Loren. Die behielt ihren Nachnamen und ist heute Staatsanwältin. Und bevor Sie auf falsche Gedanken kommen, wir lieben uns und sind eng verbunden.
Nun, wir drei machten einen Deal. Finden wir eine junge Frau angeklagt, die unsere Anforderungen erfüllt, dann machen wir mit den Klägern ein Angebot. Sie verzichten auf die Klage und wir übernehmen eine Art Bestrafung. Die jungen Frauen unterwerfen sich für fünf Jahre unseren Regeln und wir bilden sie parallel aus. Wir bieten ihnen eine Zukunft, raus aus dem Sumpf, den sie bisher kannten. Weg von den sogenannten Freunden und der Familie. Heute arbeiten eigentlich alle hier in unserem Konzern. Das Jahr hier auf der Ranch ist immer das erste Jahr. Harte Arbeit. Es ist wie beim Zureiten von Pferden. Wir brechen sie ein, wie man es nennt, aber wir zerbrechen sie nicht. Sie lernen die Faust kennen, bekommen aber auch die ausgestreckte Hand gezeigt. Vor allem sehen sie die mögliche Zukunft, denn wir bringen sie in Kontakt mit den Optionen. Mit allen Vorteilen, aber auch allem, was sonst dazugehört. Geben und Nehmen. Eine Hand wäscht die andere. Teamwork. Ideen, Anleitungen, Hilfestellungen … und Wünsche. Sie lernen von ihren Vorgängerinnen. Sie lernen, dass und wie es funktioniert. Sie lernen, was Leben ist. Sie lernen besonders, dass Rosinen im Kopf hier nicht mehr angebracht sind. Es gibt keine Stars und es gibt keinen Sumpf. Es gibt nur gleichberechtigte Lernwillige.
Und die Teilnahme am gestrigen Abend ist freiwillig und deren Entscheidung, wie weit sie gehen wollen, alles einbezogen. Ich habe sie lediglich über die Veranstaltung, die Optionen, den Beginn und Dresscode informiert. Sie haben deswegen keine Vorteile, aber auch keine Nachteile. Absolute Freiwilligkeit. Alles Weitere war auch allein deren Entscheidung. Sie entscheiden über jede Minute. Niemand befielt es ihnen.“
Ray war beeindruckt. Er kannte das Konzept nicht detailliert, aber die Idee, junge Straftäterinnen so vor einer Verurteilung zu bewahren, die sie lebenslang beschatten würde, fand er interessant. In dem Moment sah er vor allem die Dankbarkeit, die diese jungen Frauen wohl mitbrachten. Für ihn war es auch Ausdruck, was sie gestern alles mitgemacht hatten.
Ende Splitter
Hier auf seiner Insel wollte er das umsetzen. Fern ab von allen Störungen. Da konnte er seine Sklavinnen wie in einem Käfig halten. Wann immer er kam, waren sie bereit für ihn und er konnte sie dominieren und mit ihnen machen, was er wollte.
Frauen aus dem Strafvollzug? Ihnen eine Alternative zum Knastalltag bieten. Sicher, da kam jetzt Sex. Aber warum nicht? Es waren Frauen. Jahrelang ohne Männer? Wenn es keine absoluten Lesben waren, würden sie für eine Nacht mit richtigen Männern sicher alles tun. Mag sein, dass Sklavin ein erst einmal krasser Titel war. Aber, hey, man musste die Vorteile sehen. Eine absehbare Zeit, anders als im Knast. Gewisse Freiheiten? Eine Insel mit allem, was dazugehörte? Und dann noch eine neue Zukunft? Reichte das nicht aus, um die Beine freudig breit zu machen? Ein bisschen ruppigerer Sex, aber, hey, niemand würde sie wirklich verletzen. Die Idee klang gut, einfach nur gut.
Eigentlich war es ganz einfach, dachte er. Da gibt es so viele Staaten, die auch junge Frauen mit lebenslänglichen Haftstrafen oder sogar in den Todeszellen haben. Ein paar Jahr hier? War das nicht einen lockenswerte Alternative? Wer würde das ausschlagen?
Und da er über das ‚Vitamin C‘ wie Cash verfügte, wie er es selbstironisch nannte, waren die nächsten Schritte weniger ein Problem. Zusätzlich hatte er einige Geschäftspartner in einem eher grauen Bereich. Diese Partner waren manchmal froh, wenn es Lieferungen ohne ganz einwandfreie Lieferpapiere gab und sie zahlten entsprechend mehr. Oder wie in diesem Fall, auch mit Dienstleistungen. Der gute alte Tauschhandel. Tatsächlich war das Kaufen der Frauen beinahe das Günstigste. Transport und ‚Zoll‘ waren teurer, weil hier das Räderwerk aus mehr ‚Rädern‘ bestand und damit mehr geschmiert werden musste. Andererseits durfte es auch nicht zu viele Wissende geben, die sich verplappern konnten.
Ray hatte eine Liste mit Eigenschaften erstellt. Schließlich wollte er auch genau das für sein Geld bekommen, was ihm vorschwebte. Wer gab schon Hundertausende aus für ein Überraschungspaket, das einem dann nicht gefiel?
Völlige Gesundheit gehörte zu den Grundanforderungen. Sie durften nicht süchtig sein. Altersmäßig sollten sie zwischen 20 und 25 liegen. Bestimmte Schönheitsmerkmale waren eher Option. Keine Jungfrauen war dagegen wieder Basis. Und, ganz wesentlich für ihn, die Kandidatinnen durften keine Mörderinnen sein. Mord war für ihn keine akzeptable Straftat. Ray fand keine Möglichkeit, wie man Mord rechtfertigen konnte. Obwohl, wie konnte es bei Notwehr aussehen? Aber schließlich gab es genügend andere Delikte, wie Drogenhandel oder Diebstahl, die in einigen Ländern lebenslänglich oder sogar Todesstrafe nach sich ziehen konnten. Außerdem waren keine Verwandten oder Angehörigen als Anforderungen genannt. Und ganz wesentlich … alle mussten die englische Sprache sehr gut beherrschen. Schließlich musste die Verständigung ja funktionieren. Sonst konnte es Missverständnisse geben und eskalieren. Es würde für die Frauen auch die Zukunft erschweren, die er sich überlegt hatte.
Und die Kandidatinnen mussten freiwillig bereits sein, jede andere Strafe zu akzeptieren, an Stelle von lebenslangem Gefängnis oder gar Hinrichtung. Da rechnete er sich aber die wenigsten Probleme aus. Nach seiner Meinung würde jede eine Alternative zu Lebenslang oder Tod sofort wählen.
Insgesamt hatte ihn das Ganze eine ordentliche Summe gekostet. Trotzdem war er oft erstaunt, wie ‚günstig‘ man in manchen Ländern ein Menschenleben erwerben konnte. Ob kriminell, politisch oder aus anderen Gründen … ein freigewordener Platz war dort schnell erneut besetzt. Manchmal war die ‚Lieferung‘ aufwendiger, auch kostenmäßig, als die ‚Anschaffung‘. Aber er wollte das Ganze richtig durchziehen und nichts Halbes bekommen. Auch seine Männer, die ähnliche Neigungen hatten, sollten nicht zu kurz kommen. Und auf der Insel konnten die Frauen nicht weglaufen und Fremde gab es auch keine. Damit konnte niemand unbequeme Fragen stellen. Eigentlich war alles ideal in seiner Vorstellung. In Gedanken rieb er sich die Hände voll Vorfreude auf die kommenden Jahre.
Von seinem Aussichtspunkt auf der Terrasse sah er zu, wie seine beiden Security-Leute zum Hubschrauber traten, nachdem dessen Rotoren ausgelaufen waren.
Pilot und Copilot stiegen aus und begrüßten die Ankömmlinge. Ihre Helme hatte sie in der Maschine gelassen. Sie waren ähnlich gekleidet wie das Begrüßungskomitee, nur war es ein schwarzer Overall. Dann zogen sie die Passagiertür auf. Drinnen lagen mehrere orangefarbene Bündel auf dem Boden, wie Ray aus der Distanz sehen konnte.
Nacheinander zogen die vier diese Bündel heraus und stellten sie hin. Jetzt war zu erkennen, dass es ebenfalls Personen waren. Drei kleinere mit dunklen und eine größere mit hellen Haaren.
Der Copilot schnappte sich noch einen Rucksack und kam auf Ray zu.
Die drei anderen Männer führten die orangefarbenen Personen langsam weg. Erst durch das Blinken in der Sonne fiel auf, dass letztere Ketten an Händen und Füßen trugen. Weite Schritte waren ihnen damit nicht möglich. Sie waren Gefangene.
Ray ging dem Copiloten lächelnd ein paar Schritte entgegen und reichte ihm die Hand. Als sie nebeneinander standen, sahen sie sich sogar ein bisschen ähnlich. Beide waren groß gewachsen und hatten einen muskulösen Körper. Ed Morgan, der Copilot, war im Gesicht noch etwas kantiger geschnitten als Ray und er hatte schwarze statt dunkelbraune Haare.
„Hallo Ed, wie ich sehe, ist es gut gelaufen.“
„Besser als erwartet, Boss. China, Thailand, Japan und auch Russland haben geliefert. Und morgen Vormittag kommen schon die Ladungen aus Afrika und Amerika bereits am Sammelplatz an. Ich werde morgen früh nach dem Auftanken mit Mike wieder losfliegen und dann haben wir die komplette Ladung morgen am späten Nachmittag hier.“
„Fein. Das geht schneller, als erwartet. Ich habe Hank gesagt, er soll sie erst einmal einsperren. Wenn die anderen morgen kommen, dann werden wir sie übermorgen offiziell begrüßen.“
„Ich weiß, er hat mich informiert. Er wird ihnen auch die Fesseln abnehmen.“
Ed holte einige Schnellhefter aus dem Rucksack.
„Hier sind übrigens die neuesten Unterlagen zu dieser Ladung.“
„Und, hat sich die Ladung gut benommen?“
„Wir hatten sie am Boden angekettet. Also konnte keine aus dem Fenster sehen oder Ärger machen. Sie dürften damit auch nicht wissen, wo sie sind. So, wie geplant. Ja, sie waren friedlich. Mal sehen, ob das so bleibt.“
Ed grinste und Ray schloss sich zufrieden an.
„Gut. Wenn alles weggesperrt ist, dann ruht euch aus. 5 Flugstunden sind kein Pappenstiel. Tom hat das Essen in einer halben Stunde fertig. Ihr seid also genau richtig gekommen. Noch irgendetwas?“
Ed schüttelte den Kopf, tippte kurz mit zwei Fingern an die Schläfe und ging mit seinem Rucksack in Richtung Haus.
Ray blätterte die Akten kurz durch. Es waren die Kopien der Akten aus den jeweiligen Herkunftsländern und Gefängnissen. Eigentlich kannte er den Inhalt bereits. Schließlich hatte er seine Auswahl an Hand derer getroffen. Nur jeweils ein Vermerk war neu: ‚verstorben‘, und unterschiedliche Todesursachen, wie Herzversagen, unglücklich gestürzt. Damit waren die Akten zu seiner Lieferung geschlossen worden. In den jeweiligen Ländern wurde die Toten noch irgendwo anonym bestattet und vergessen. Nach den Akten waren die ersten ‚Toten‘ bei ihm auf der Insel angekommen.
Sein Blick schweift nochmals zu der Gruppe, die langsam in Richtung Fuß der Klippe marschierte, auf der er stand. Die Akten würde er gleich noch in sein Arbeitszimmer bringen. Und die Begrüßung stand für übermorgen im Plan. Früh genug, die Frauen dann kennenzulernen. Noch ein Blick über die Umgebung und er wandte sich auch wieder Richtung Haus.
Er lächelte. Sein Plan wurde immer mehr Realität.
Eine Villa in Los Angeles
Im Wohnzimmer saßen sich drei Frauen gegenüber. Auf der Couch saßen zwei junge Frauen mit rückenlangen brünetten Haaren. Beide Frauen waren unterschiedlich gekleidet und trugen unterschiedliche Frisuren. Nur die Gesichter wirkten identisch, vom gleichen Schwung der Brauen über die braunen Augen bis zum gleich geformten Mund. Beide waren schlank mit kleineren Brüsten. Beide trugen Jeans und Turnschuhe, nur die Blusen waren in unterschiedlichen Farben.
Ihnen gegenüber saß eine ebenfalls schlanke Frau mit mehr Brust. Ihr Gesicht konnte auf eine mexikanische Abstammung hindeuten, ebenso wie die schulterlangen schwarzen Haare. Sie trug einen dunkelblauen Hosenanzug und passende Pumps, alles in sehr guter Qualität.
Natürlich hatten sich die beiden über ihre neue Auftraggeberin kundig gemacht. Wer rief schon Detektive von der Ostküste an die Westküste? Rachel war anscheinend eine ziemliche Größe in der Filmindustrie. Nicht vor der Kamera, aber in etlichen Blockbustern im Vorspann unter ‚Maske‘ oder ‚Spezialeffekte‘ zu finden. Die Villa, in der sie sich gerade aufhielten und die Rachel gehörte, war auch nicht billig einzustufen. Da passte auch der offerierte Betrag bei Erfolg. Selbst ein Appartement wurde ihnen hier in L.A. bezahlt.
„Kate, Sharon“, wandte sich Rachel an die beiden Brünetten, „ich brauche eure Hilfe.“
„Um was genau geht es, Rachel?“ fragte die linke Brünette.
„Es geht um einen Bastard, Kate. Ihr sollt Beweise finden, um den Kerl vor Gericht zu bringen. Er quält Frauen und betreibt Menschenhandel, vor allem Frauen. Er kauft sie, quält sie und wenn er genug hat, gibt er sie weiter“, zische die Schwarzhaarige boshaft.
Bei der Begrüßung hatten sich die beiden Besucherinnen vorgestellt und über die unterschiedliche Kleidung konnte Rachel die Namen zuordnen. Sie wusste, dass die beiden Schwestern waren und in New York eine Detektei betrieben. Gerade weil sie so weit weg waren, hatte Rachel sie kommen lassen. Niemand hier würde sie kennen.
„Wer ist es?“ fragte die zweite Brünette.
Trotz der Beschuldigungen hatte sich ihr Gesichtsausdruck nicht geändert. Sie wusste, dass Beschuldigungen erst einmal nur Beschuldigungen blieben, solange man sie nicht beweisen konnten. Beweise finden, sollte jetzt ihre Aufgabe sein.
„Ray Cuttler, Sharon.“
Beide Besucherinnen stießen einen leisen Pfiff aus. Der Name war allerdings bekannt. Trotzdem mussten sie sicher sein.
„Der Milliardär?“ fragte Kate.
Rachel nickte. Mochten noch einige Millionen für den Titel fehlen, so wusste doch jeder, wer gemeint war. Und die Beschuldigungen passten gar nicht, nach ihren bisherigen allgemeinen Informationen.
„Folter und Menschenhandel?“ hakte Sharon deswegen fragend nach.
Als Antwort stand Rachel auf und öffnete das Oberteil ihres Hosenanzugs. Sie entblößt ihren Oberkörper. Diesmal kam ein deutliches Keuchen von den Besucherinnen. Quer über die Bauchdecke verlief eine weißlich rote Linie, die mit vielen Stichen genäht war. Am Brustansatz rechts verlief eine kürzere Linie. Und ebenfalls entlang des linken Oberarms.
„Ray ist ein ausgeprägter Sadist. Das ist, was er Liebe machen nennt. Er liebt Messerklingen. Und er hat Geld genug, um Ärzte und Zeugen zu kaufen. Bei mir war es angeblich eine Selbstverstümmelung. Es gibt Aussagen, dass ich das schon früher getan haben soll.“
Beide Schwestern waren blasser geworden und tauschten einen schnellen Blick. Es war ihr Vorteil, dass sie sich sehr gut kannten und auch ohne Worte verständigen konnten.
„Ok, wir machen den Job. So eine Bestie gehört hinter Gitter. Wo finden wir das Schwein?“ fragte Kate scharf und ihre Schwester nickte mit zusammengekniffenen Lippen.
„Entweder bei seinen Firmenzentralen in der City. Oder er soll eine Ranch nahe der mexikanischen Grenze haben. Abgeschieden und gut für Menschenschmuggel geeignet. Wo genau, weiß ich leider nicht. Er wollte mich dorthin mitnehmen, doch ich habe mich vorher abgesetzt. Wahrscheinlich war das mein Glück.“
Rachel zog sich wieder an. Sie beobachtete, wie die Schwestern erneut Blicke wechselten.
„Wo wollt ihr anfangen?“
„Zuerst sammeln wir Informationen, dann stören wir seine Geschäfte und locken ihn aus seinem Versteck. Und wir werden uns etwas überlegen, um ihn dann in flagranti zu erwischen. Ok, nicht wir, aber FBI tut es wohl auch.“
„Dann haltet mich bitte auf dem Laufenden.“
Rachel sagte es nicht, aber das war für sie am wichtigsten. Ihr Plan sah vor, dass Ray mit dem Rücken an der Wand stand und die Schlinge vor seinem Kopf baumelte. Warum sollte er dann nicht nach dem aus seiner Sicht letzten Strohhalm greifen und ihr, Rachel, als seiner Retterin nicht die Ehe antragen?
Wenig später endete das erste Treffen der drei Frauen. Schon nach wenigen Tagen gab es eine interessante Akte. Es war sogar in einem Punkt sehr interessant. Vielleicht war der nicht wirklich wichtig und noch nicht bewiesen, aber es erstaunte die Schwestern. Das hätten sie nicht vermutet.
Nur war die Akte, die sie bei Rachel hinterlegten, nicht vollständig. Horseshoe Island tauchte nicht bei seinen Besitztümern auf. Auch wohin in den letzten Wochen viel Geld geflossen war, hatten sie nicht herausgefunden.
Aber sie hatten ein Ziel. Und daran arbeiteten die beiden.
Horseshoe Island:
Lin war eine hübsche junge Frau im Alter von 23 Jahren aus China. Nur 1,59 klein, war sie trotzdem wohlproportioniert und fiel Männern auch mit ihren schulterlangen braunen Haaren und den Rehaugen auf. Sie hatten englische und französische Sprache studiert und sie wollte als Dolmetscherin im wachsenden internationalen Handel Chinas dabei sein. Leider waren diese Posten rar und sie hatte nicht die richtigen Beziehungen. Und erschlafen wollte sie sich die Beziehungen auch nicht. Diese Verweigerung gefiel ihrem Vorgesetzten allerdings nicht. Er erklärten es zu mangelnder Bereitschaft, zu Chinas Größe beitragen zu wollen. Niemand nannte das Wort, aber auf anderen Ebenen und im Flüsterton wurde es als Sabotage interpretiert. Wer nicht bedingungslosen Einsatz zeigt, wer die Weisheit der Vorgesetzten nicht einsehen will, der ist dagegen. Das hatte Konsequenzen für Lin.
Sie hatte das Pech, dass es auf ihrem Heimweg jemanden gab, der laut protestierte. Gegen irgendetwas anderes. Dass überall Kameras, offen und versteckt, liefen und Gesichtserkennungssoftware, daran hatten sich alle gewöhnt. Schließlich diente es ja der Sicherheit aller. Aber sie wurde dort gesehen, ihre Anwesenheit als Zustimmung und ihr schnelles Weggehen als Flucht vor den Behörden interpretiert. Ebenso, dass sie nicht umgehend die Behörden über den Demonstranten informiert hatte. Und dann kam erschwerend hinzu, dass sie schon wegen anti-chinesischen Tendenzen einen Eintrag in ihrer Akte hatte. Wie so vieles, war auch hier die Konsequenz vorhersagbar.
Weil sie sich unglücklicherweise zur falschen Zeit am falschen Platz aufgehalten hatte, war sie zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Natürlich lag das auch daran, dass rein zufällig im Anschluss an ihre Festnahme einige Dokumente in ihrer Wohnung gefunden worden, die man weiter oben gar nicht gerne sah. Lin wusste nur, dass sie diese Unterlagen noch nie vorher gesehen hatte. Aber wie konnte sie das Gegenteil beweisen, wenn es dann auch noch Zeugen gegen sie gab. Rein zufällig waren das auch noch die Männer, die sie früher abgewiesen hatte, wie sie bei ihrer Gerichtsverhandlung erkennen konnte. Schon ihr erster Protest gegen eine Aussage, eine Lüge zu sein, wurde ihr als Verleumdung ehrenwerter und pflichtbewusster Männer zusätzlich aufgedrückt. Ab da war ihr die Farce von ihrem Prozess bewusst und sie schwieg. Jedes weitere Wort war sinnlos.
Da es aus ihrer Sicht keine Möglichkeit gab, wieder von alleine aus dem Gefängnis herauszukommen, hatte sie das fragwürdige Angebot, durch eine andere Strafmaßnahme doch früher freizukommen, angenommen. Auch, weil sie in den wenigen Monaten im Gefängnis gemerkt hatte, wie bei den Aufsehern oft darüber weggesehen wurde, wenn sie sich nicht an die offiziellen Regeln hielten und sich Freiheiten an den weiblichen Gefangenen herausnahmen. Es gab die, die nichts taten, als die die ‚drei Affen‘ zu sein, wenn etwas geschah. Andere wollten nur ihre Lust an Opfern ausleben und dir dritte Gruppe liebte es, renitenten Opfern Respekt einzubläuen. Lin wusste zwar nichts Genaueres über diese andere Maßnahme, aber irgendwann wieder Freiheit statt lebenslänglich war ein Lockmittel.
Nun war sie nach vielen Flugstunden an diesem sonnigen, warmen Platz angekommen und wurde von einem bulligen Mann, der einen Kopf größer war als sie, in Ketten zu einem Eingang in der Steilwand geführt. Sie bemerkte oben auf einer Terrasse einen weiteren Mann, der sich mit dem Copiloten unterhielt. Bisher sah alles noch ganz angenehm aus, wenn auch mehr als merkwürdig. Immerhin schlug niemand.
Vor Lin wurde Akira geführt. Erst 22 und 1,65 groß, stammte sie aus Japan. Eher untypisch fiel sie mit breiteren Hüften und einem vollen Busen auf. Und ihre langen glatten Haare fielen ihr fast bis zur Hüfte.
Während ihres Wirtschaftsstudiums hatte sie ein Semester in Südkorea verbracht und die Gelegenheit genutzt, auch den Norden bei einer Rundreise kennenzulernen. Dabei wurde sie unter fadenscheinigen Gründen und untergeschobenen Beweisen wegen Spionage verhaftet. Immerhin war sie Japanerin. Schon auf die sprachliche Barriere ging man bei dem Schauprozess, der mit ihr veranstaltet wurde, nicht ein. Ihr Verteidiger kannte nur einige Brocken Japanisch und was er daraus machte, verstand sie nicht. Eigentlich hätte sie sogar hingerichtet werden sollen. Sie wusste nicht, dass im Hintergrund dem japanischen Botschafter in Südkorea ein Deal angeboten wurde, gegen eine hohe Summe Akira wieder freizulassen. Wegen der Unbedeutendheit der jungen Frau lehnte man das Ansinnen ab. Wahrscheinlich rettete ihr die Unbedeutendheit auch das Leben, denn sie wurde nur zu lebenslang verurteilt. Vielleicht hoffte man noch, dass Japan einlenken würde.
So lernte sie das Straflager kennen. Und sie lernte schnell, dass sie als Japanerin ganz, ganz unten in der Hierarchie stand, eigentlich Freiwild für alle, selbst andere Gefangene, war.
Doch anscheinend hatte der Lagerleiter Monate später noch ein anderes Angebot bekommen und ihr eine Wahl angeboten. Sie hatte ohne Bedenken der anderen Strafe zugestimmt. Was immer es sein würde, die Alternative Tod und Qual gefiel ihr auf jeden Fall noch weniger.
Und nun wurde sie mit drei anderen Frauen zu einem Gebäude gebracht. Gegenüber Nordkorea, war dies sehr modern mit viel Glas im oberen Stockwerk. Vielleicht war es doch nicht so schlimm. Zumindest lebte sie. Und sie hatte genug zu essen bekommen. Und keine Schläge.
Nori war Thailänderin. Mit 23 war sie sehr schlank und mit fast 1,70 recht groß gewachsen. Die Männer sahen bei ihr vor allem auf den großen festen Busen. Selbst ohne BH schwang da nicht viel. Er war ihr ganzer Stolz und mit vielen Massagen und Training hatte sie seine Festigkeit gepflegt. Und sie hatte schöne mandelförmige Augen.
Beruflich hatte sie als Buchhalterin in einer kleinen Firma gearbeitet. Ihr Freund arbeitete in der Tourismusbranche und half bei Reiseplanungen im Land. An den Wochenenden waren sie oft in Diskotheken gewesen. Leider kam dann der eine Abend, an dem sie herausfand, dass ihr Freund noch einen Nebenjob hatte, von dem sie bis dahin nichts gewusst oder geahnt hatte. Die Diskothek war an dem Abend Ziel einer Razzia gewesen. Ihr Freund wurde damit in die Enge getrieben. Doch er hatte eine Lösung. Schnell hatte er seine Sammlung an Drogentütchen aus seiner Jackentasche in ihre Handtasche gestopft. Gerade als sie die wieder herausgeholt hatte und noch in der Hand hielt, nahm sie die Polizei fest. Ihre Aussage, ihr Freund, der ohne Drogen freigelassen wurde, habe sie ihr zugesteckt, wurde ignoriert. Schließlich hatte sie die Drogen in der Hand gehalten und ihr Freund hatte geleugnet. Damit stand das Urteil schnell fest. Lebenslänglich.
Nach einem halben Jahr in einem Drecksloch von Gefängnis mit brutaler Hackordnung musste sie nicht lange überlegen, als ihr eine Alternative zu Verbüßung angeboten wurde. Es konnte nur besser werden.
Zumindest wurde sie während des langen Transportes gut behandelt. Hand- und Fußketten kannte sie zur Genüge, aber bisher genug zu Essen und keine Schläge waren schon eine deutliche Verbesserung. Sie war zwar immer noch Gefangene, ihre Zukunft war irgendwie ungewiss, aber sie sah ihre Lebenserwartung als gestiegen an. Wo sie war, wusste sie nicht, aber Thailand war das hier mit Sicherheit nicht.
Natalja stammte aus Russland. Sie hatte lange blonde Haare und blaue Augen. Der Großvater war ein deutscher Soldat aus dem Großen Vaterländischen Krieg gewesen, der nach seiner Zeit in einem Gefangenenlager aus Liebe zu einer Russin geblieben war.
Mit 1,76 war sie die größte der vier Frauen, die zusammen zu dem Gebäude geführt wurden. Etwas neidisch stellte sie fest, dass zwei der Asiatinnen einen schöneren Busen hatten, als sie selbst. Ihrer gefiel ihr nicht. In ihren Augen war er zu klein. Aber immerhin fest.
Mit 22 gehörte sie am Ende des Ingenieurstudiums einer Gruppe an, die gegen die vorherrschende Politik protestierte. Teils mit Demos, mit Flugblättern, aber auch anderen Aktionen, die Aufsehen erregen sollten.
Und dann flogen bei einer Aktion Steine, Autos brannten und Polizisten wurden verletzt. Damit wurde sie nach der Festnahme als ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung eingestuft und zu lebenslänglich verurteilt. Ein kurzer Schauprozess sollte die Härte des Regimes gegen Kritiker deutlich machen. Der Staat demonstrierte, wie man bei potentiellen Nachahmern Aufmerksamkeit erregte. Keine Vergünstigung, weil sie eine junge Frau war, oder eine bessere Bildung hatte. Und die Sterblichkeitsrate in den Lagern sprach für sich. Nur drang die nicht nach draußen. Dort gab es nur die gut zensierten Reportagen, dass das Leben in den Lagern streng aber nicht brutal war. Es entsprach nur nicht ihren persönlichen praktischen Erfahrungen, die sie in wenigen Monaten gesammelt hatte. Möglich, dass sie dort als junge Frau vielleicht ihr Leben etwas verbessern konnte, wenn sie sich sehr willig zeigte, aber gerade gegen diese Form von Ausbeutung hatte sie protestiert.
Alles andere, als für immer in Sibirien zu leben, sah sie als akzeptabel an. Darum hatte sie dem Vorschlag einer alternativen Strafe ohne langes Überlegen zugestimmt. Auch ohne genau zu wissen, was es bedeutet. Hauptsache kürzer und nicht Sibirien.
Während sie zum Gebäude geführt wurden, ließ sie den Blick schweifen. Auf der einen Seite war eine endlose Wasserfläche. Es gab Strand und Palmen. Sie konnte auch den stählernen Anleger sehen, der weit auf das flache Meer hinausging. Das Meer, beziehungsweise der Boden unter Wasser war flach, schätzte sie durch die helle Färbung des Wassers, die sich viele Meter nach draußen zog. Nur lag kein Schiff an diesem Pier.
Es war angenehm warm. Zwar war es absolut abgelegen, aber die bis zu minus 40 Grad im Winter würde sie hier wohl nicht erleben. Wenn es hier kein Gefängnis wäre, könnte es wohl ziemlich angenehm hier sein, dachte sie. Die Behandlung war bisher gut und auch das Gebäude vor ihnen auf dem Felsrücken sah beeindruckend modern aus. Sibirien wäre definitiv schlechter gewesen.
Von dieser Seite waren es zwei Ebenen, die vom Gebäude oben zu sehen waren. Wahrscheinlich waren dort die Ebenen für die Aufseher. Ihr Weg dagegen führte zu einem vergitterten Eingang in der Felswand darunter, im Untergeschoß, wie sie es interpretierte. Nun, mit dem Kellergeschoß konnte sie leben. Wenn sie dann noch Ausgang auf den Strand bekamen, hatte sie das große Los gezogen, wie sie momentan empfand.
Als die Gruppe an der Gittertür ankam, ging einer der Männer zu einem Terminal, dass in einem Blechkasten ein paar Schritte neben der Gittertür eingebaut war, und tippte etwas ein. Es musste der Öffnungscode sein, denn die Gittertür ruckte etwas zur Seite, wurde dann von dem anderen Mann weit aufgeschoben und rastete in der offenen Stellung ein. Die Frauen wurden von einem Mann einzeln und nacheinander in den dahinterliegenden Gang geführt, während die anderen Männer bei den übrigen Frauen draußen blieben. Drinnen nahm der Mann den jungen Frauen die Handschellen und Fußfesseln ab und hieß sie mit einem Handzeichen warten, bis er die nächste Frau hereinführte. Als alle vier nebeneinanderstanden, sprach er sie abschließend an. Er wusste, dass sie trotz unterschiedlicher Nationalitäten Englisch beherrschten.
„So, Ladies, das wird erst einmal ihre Unterkunft. Links und rechts“, er deutete den Gang hinunter, „sind eure Zimmer. Die Namen stehen daneben. Noch weiter den Gang entlang sind Toiletten und Waschräume. Und ganz am Ende gibt es noch eine Küche, eine Vorratskammer und ein Aufenthaltsraum.
Macht es euch erst einmal gemütlich. Wascht euch, duscht, esst oder wozu ihr sonst Lust habt. Schaut Fernsehen oder schlaft. Hier stört euch keiner. Ihr seid unter euch.“
Damit nahm er die abgelegten Ketten auf und trat wieder nach draußen. Hinter ihm wurde die Tür zugeschoben. Mit deutlichem Klick rastete sie ein. Es wurde probeweise gerüttelt, dann gingen die Männer fort und ließen die Frauen zurück.
Die Frauen sahen sich an. Das Gitter war zu. Sie konnten den Strand und das Meer sehen, aber sie konnten nicht dorthin. Zolldicker Stahl und zu schmal für ein Durchkommen ließ ihnen nur den Weg in die andere Richtung über. Immerhin war der Gang durch Lampen hinter Deckenplatten einigermaßen hell. Der Boden war verfliest und die Wände verputzt und weiß gestrichen.
Wortlos gingen sie den Gang hinunter. Nach wenigen Schritten waren die ersten Durchgänge an den Seiten. Auf dem Gang war neben jedem Durchgang eine Metallplatte befestigt, auf dem ein Name stand. Schnell hatten die vier Frauen ihre Namen und damit ihre Zimmer gefunden. Und sie stellten fest, dass es noch sechs weitere Namen gab. Das würde wohl bedeuten, dass noch sechs weitere Personen erwartet wurden.
Die Räume dahinter waren alle etwa dreimal vier Meter groß. Drinnen gab in einer Ecke ein Bett aus Holz mit einer dicken Matratze und drei Decken. Außerdem gab ein kleines offenes Regal sowie ein Kommode. Das Zimmer wurde durch eine Deckenlampe erhellt, die mit einem Schalter im Raum gesteuert werden konnte. Eine Tür gab es allerdings nicht. Auch kein Gitter. Schon das führte sie einem gewissen staunenden Blickwechsel bei den Frauen. Die Zellen, wie die Frauen die Zimmer bezeichneten, waren verglichen mit ihren Erfahrungen groß und erheblich besser ausgestattet. Besonders, da sie für eine Person ausgelegt waren und fast wie ein kleines Zimmer anmuteten. Aber es gab eben keine Türen. Nicht einmal etwas, das in der Wand versenkt war. Nichts, mit dem man die Außenwelt ausschließen konnte. Keine wirkliche Rückzugsmöglichkeit.
Das bedeutete aber auch, es gab nur die Tür nach draußen. Wie es aussah, gab es auch keine Regelung, was die Gefangenen wann machen konnten oder durften. Diese Bewegungsfreiheit empfanden alle schon als winzigen Vorzug. Allerdings gab es damit auch keine wirkliche Privatsphäre. Das erinnerte wieder an Gefängnisse, wo eine Zellentür aus Gitter auch keine Versteckmöglichkeit bot.
Auch Dusch- und Waschraum hatten keine Türen. Einzig der Toilettenraum war durch eine Schiebetür abgegrenzt. Andererseits waren die drei Toiletten da drinnen nur durch Trennwände abgeteilt. Nach vorne waren sie offen. Immerhin gab es im Waschraum einen Schrank mit einer breiten Auswahl an Hygieneartikeln. Von Seifen und Shampoos über Zahnbürsten und Zahnpasten bis hin zu Nassrasierern. Und viele weiche Handtüchern in einem Regalteil.
Natürlich war auch der Aufenthaltsraum ohne Tür. Hier waren mehrere Tische zusammengestellt und ein dutzend Stühle standen daneben. Eine Wandseite wurde von zwei großen Kühlschränke und einen kleinen Küchenzeile abgedeckt. Immerhin waren etliche haltbare Lebensmittel, Obst und Getränke vorhanden, die Kühlschränke gefüllt und in der Küchenzeile waren auch Besteck, Geschirr und Gläser in größerer Zahl vorhanden. Es führte zu ersten Freudenschreien der Frauen. Zum Kochen gab es ein Induktions-Kochfeld und passende Töpfe und Pfannen. Und, noch viel wichtiger, es gab einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Allerdings gab es nur ein Waschbecken zum Geschirrspülen, keine Maschine.
Fast sofort drängten sich die Frauen um den Kaffeevollautomaten. Es war, so die Aussagen von einigen Frauen, eine hochwertige Maschine. Milch gab es im Kühlschrank, die Bohnen lagen im Schrank und nicht lange danach saßen die vier Frauen ziemlich entspannt um einen der Tisch. Jede hielt eine volle Tasse in der Hand, roch mit fast seligem Gesichtsausdruck an dem aufsteigenden Aroma oder nahm einen kleinen Schuck. Es war seit langem das schönste Vergnügen, dass ihnen gegönnt wurde.
Erst eine Stunde später rafften sie sich wieder auf, ihre neue Umgebung weiter zu erforschen. Kameras oder ähnliches konnten die Frauen in keinem Raum erkennen. Entweder war alles gut versteckt, oder man überließ sie tatsächlich sich selbst ohne Kontrolle. Was ihnen auffiel, war eine Wanduhr in jedem Raum und ein Lautsprecher im Flur. Trotzdem kontrollierten die Frauen alles sehr misstrauisch.
Zumindest boten sich aber die Möglichkeiten, sich nach den langen Flugstunden wieder zu säubern und auch ein warmes Abendessen zu genießen. Ein dampfendes Duschbad empfanden alle als Wohltat, selbst wenn es keine Kleidung zu Wechseln gab. Letzterer Punkt sorgte wieder für Fragen in den Gesichtern. So gut alles andere vorhanden war, keine Kleidung? Doch man verschob die Frage, weil man keine Antwort kannte.
Noch. An diesen Punkt klammerten sich die vier Frauen. Nach den Namensschildern an den Zimmern fehlten noch sechs Schicksalsgefährtinnen. Den Namen nach kamen sie auch aus verschiedenen Ländern. Wahrschein würden diese Frauen auch demnächst kommen und dann würden sie mehr erfahren.
Mochte unterschiedliche Herkunft auch unterschiedliche Kocherfahrung mitbringen, Spagetti und Tomatensauce kannten alle. Wieder sogen sie den würzigen Duft ein, denn mit den gefundenen Gewürzen konnte jede ihren Teller nach eigenem Geschmack verfeinern. Fast folgte das wohlige Stöhnen auf die ersten Bissen.
Selbst gekocht, selbst abgeschmeckt und vor allem die Menge, die sie wollten, war ein gewaltiger Sprung gegenüber halb kalten Gerichten undefinierter Herkunft. Selbst einen Nachtisch in Form von fertigen Joghurtbechern fanden sich im Kühlschrank. So etwas hatte man ihnen früher nicht gegönnt. Jedenfalls nicht ohne Gegenleistung. Und die stand hier nicht zur Diskussion. Bisher jedenfalls nicht, wie alle Frauen für sich dachten, aber kein äußerte es laut. Niemand wollte es beschreien.
Jetzt genoss man die Vorzüge des neuen Gefängnisses. Bisher überwogen die Vorteile. Bisher war man sehr zufrieden, zugestimmt zu haben. Bisher ... denn bei einer ungewissen Zukunft hatten alle auch einen kleinen Knoten des Unbehagens im Bauch.
Dass es keinen Alkohol gab, fanden die Frauen verständlich. Es störte sie auch nicht weiter. Denn es gab so vieles, was sie in den Wochen und Monaten ihrer bisherigen Gefangenschaft nicht zur Verfügung gestellt bekommen hatten.
Beim Abendessen und in der Zeit danach setzten sich die Frauen zusammen und erzählten sich gegenseitig ihre Geschichten. Sehr schnell war klar, dass trotz ihren unterschiedlichen Nationalitäten die Englischkenntnisse bei allen sehr gut waren. Wahrscheinlich ein Kriterium bei der Auswahl, wie alle dachten. Doch nachdem die unterschiedlichen Herkunftsländer genannt worden waren, empfand man es wieder als Vorteil, dass hier nicht für Sprachbarrieren gesorgt worden war.
Vor allem wurde über die ‚alternative Bestrafung‘ diskutiert. Keine hatte genaue Informationen, so dass die Bandbreite vom Testen eines neuen Strafvollzugs bis hin zum Mitwirken an Experimenten ging. Und es wurde spekuliert über die noch fehlenden Personen. Durch die Namen war man sich einigermaßen sicher, dass es wohl nur Frauen wären in dieser Zimmerflucht. Auch ob es etwas Ähnliches nur für Männer gab – alles war unsicher und bot Raum zum Diskutieren.
Ebenfalls wurde über die Raumausstattung gesprochen. Es gab keine Gitter oder Türen, außer nach draußen. Jede konnte die anderen jederzeit besuchen oder etwas anderes machen. Vollkommen ungewohnt nach den Reglementierungen der Vergangenheit. Es gab richtigen Betten, mit Matratzen und Decken. Das war mehr als minimal. Es gab aber auch keinerlei Intimsphäre, nicht einmal auf der Toilette. Da musste man auch erst einmal lernen, damit umzugehen. Obwohl, fast alle hatten schon Schlimmeres erlebt. Sie nahmen sich jedenfalls vor, hier auf Sauberkeit zu achten. Sie würden nur wenige sein. Es gab keinen Grund, dieses für sie momentane Paradies durch Dreck und Gestank kaputt zu machen.
Andererseits war Besteck und damit auch Messer frei zugängig. Mochten die Messer nicht superscharf sein, Schneiden war kein Problem. Selbst Nassrasierer mit Klingen waren frei verfügbar. Aus der bisherigen Gefangenenerfahrung eigentlich ein absolutes Verbot. Was also lief hier? Hatten die hier keine Bedenken hinsichtlich eines Suizids? Oder keine Angst, dass die Frauen diese Möglichkeiten zu Angriffen nutzten?
Um 22 Uhr, sichtbar an den überall hängenden Uhren, wurde das Licht zumindest im Flur automatisch sehr stark gedimmt. Eigentlich nur noch Dämmerlicht. Gerade ausreichend, um sich gefahrlos im Gang zu bewegen. Im Flur gab es keine Lichtschalter. Also das wurde anscheinend automatisch geregelt. Alle anderen Räume hatten Lichtschalter. Für diesen Abend beschlossen die vier jungen Frauen, sich in ein Zimmer zurückzuziehen. Matratzen und Decken waren schnell verlegt. Man wollte nur die Nähe als Gefühl von Sicherheit. Die anfänglichen Gespräche im Dunkeln versiegten bald und die Frauen schliefen ein.
Am nächsten Morgen gab es keinen Weckruf, wie in den bisherigen Gefängnissen. Sie wurden wach, als sie hörten, wie der Hubschrauber warmlief und schließlich wegflog. Weil sie kein Programm hatten, führten sie ihre Morgentoilette durch und gönnten sich die Zeit zur Körperpflege und anschließend zu einem heißen Kaffee, Rührei und Baken, und mehr. Wieder kam das Empfinden der deutlichen Verbesserung gegenüber Wasser, trockenem Brot und kaum Auflage.
Den ganzen Tag über waren sie sich selber überlassen. Niemand kam, niemand wollte etwas. Essen war genug vorhanden, wenn auch alles selber zubereitet werden musste. Aber sich selbst überlassen sein, war einerseits ein weiteres unergiebiges Diskussionsthema, denn es gab keine Antworten. Es machte die Frauen aber auch nervös, weil niemand etwas zu tun hatte und auch die mangelnde Information ihre Fragen nicht beantwortete. Ständig hielt sich eine der Frauen in der Nähe der Gittertür auf, um zu sehen, was draußen los war. Das einzige, was sie sahen, waren Felsen, Sand, endloses Wasser und blauer Himmel.
Erst als die Schatten am Nachmittag schon länger wurden, war wieder ein näherkommender Hubschrauber zu hören. Sie konnten ihn zwar nicht sehen, aber hören. Er schien zu landen. Dann liefen langsam die Triebwerke aus und es herrschte wieder Stille.
Fast eine halbe Stunde später kamen wieder die drei Männer von gestern und brachten sechs weitere orange gekleidete Frauen mit sich.
Bevor sie die Gittertür öffneten, befahlen sie den vier Frauen, sich in den Aufenthaltsraum zu begeben. Die vier zögerten einen Moment und der Befehl wurde wiederholt, unterstrichen mit einer Armbewegung. Als die vier Frauen sich zurückzogen, dachte jede daran, dass es ohne Schreien und vor allem ohne Schläge abgelaufen war. Trotzdem wollte keine herausfinden, was passiert wäre, wenn sie weiter stehengeblieben wären.
Vom Aufenthaltsraum aus sahen sie dann zu, wie eine nach der anderen von den Neuankömmlingen, so wie sie selber gestern, in den Gang gebracht und ihnen die Fesseln abgenommen wurden. Als der Mann mit den Ketten wieder rausging, hörten sie, wie er den Neuangekommenen noch zurief:
„Die Kolleginnen werden euch einweisen.“
Dann schloss sich die Gittertür wieder und die vier Frauen eilten zu den Neulingen. Zwei waren sehr dunkelhäutig, zwei weitere eher braun und die letzten beiden hatten eine hellbraune Hautfarbe.
Wieder fand man schnell heraus, dass Englisch als Sprachbasis bei allen passte. Und als Erstes wurden die Namen ausgetauscht. Man zeigte den Neuen ihre Räume und führte sie auf der Besichtigungstour am Ende in den Aufenthaltsraum.
Nachdem die Neuen die Möglichkeiten zur Körperpflege genutzt und sich erfrischt hatten, saßen alle nach dem Abendessen bei einem Getränk, Kaffee, Tee oder einem Softdrink, zusammen und informierten sich wieder gegenseitig. Die vier ‚Erfahrenen‘ hatte den ‚Neuen‘ die Zeit gegönnt und gekocht. Jetzt machten die vier den Anfang und dann erzählten die Neuen ihre Geschichten.
Adanna erzählte als Erste. Sie stammte aus Nigeria und war mit ihren 23 Jahren 1,69 groß. Sie war schlank und hatte fast hüftlange schwarze glatte Haare. Auch ihre schwarzen Augen fielen auf. Ihr Busen war nicht sehr groß, war aber fest. Man merkte ihr die Afrikanerin vom Gesicht bereits an, nicht erst durch ihre dunkle Hautfarbe.
Ihre Familie hatte ein kleines Lokal betrieben. Weil ihre Familie aber einem kleineren Stamm angehörte und einige ihrer Äußerungen den späteren politischen Machthabern missfielen, wurden sie verfolgt und ihre Eltern getötet. Sie selbst kam wegen ‚staatsfeindlichen Umtrieben‘ lebenslang in das Gefängnis. Mochte man sich auch modern und tolerant geben, so gab es weiterhin ethnische Rivalitäten wie seit Jahrhunderten. Und die Korruption sorgte für die beschützende Hand bei Kämpfen zwischen mächtiger und ärmer, zwischen gieriger und friedlicher. Auch hier wurde sie auf Grund ihrer Abstammung weiter gequält. Insofern war sie völlig überrascht, als man ihr eine Alternative bot. Wie man auf sie gekommen war, warum man gerade ihr das Angebot machte, konnte sie nicht sagen. Doch sie war sich sicher, dass jemand sie gewünscht und mit Geld gewunken hatte. So lief es eben in diesem Land. Aber alles war besser, als von Wärtern und Mitgefangenen weiter systematisch gequält zu werden. Also sagte sie sofort zu.
Aaliyah stammte aus dem Sudan. Sie hatte einige arabische und europäische Vorfahren. Insofern fiel ihre kaffeebraune Haut auf, weil man eher sehr dunkle Hautfarbe bei ihrem Herkunftsland erwartet hätte. Auch sie war 23 und 1,67 groß. Ihre schwarzen Haare reichten nur knapp über die Schultern und sie sah sich mit ihren braunen Augen um. Bei ihr fielen sehr lange Wimpern auf. Ebenso wie eine volle Brust.
Zusammen mit einer Aktivistengruppe hatte sie versucht Schleusern Einhalt zu gebieten. Leider hatten die Leute Verbindungen zu einflussreichen Stellen. ‚Geld regiert die Welt‘ – und die Schleuser kannten die Schmierstellen im regierenden Getriebe sehr gut. Die Schleuser hatten die Aktivisten, und damit auch sie selber, im Gegenzug angezeigt. Auf Grund von gefälschten Unterlagen hätte sie angeblich einen Anschlag auf die Regierung vorbereitet. Also wurde sie sehr schnell und still abgeurteilt. Eigentlich schon zur Hinrichtung verurteilt, hatte man ihr eine alternative Strafe angeboten. Hier war sie froh, dass anscheinend auch andere, ihr Unbekannte, wussten, was sie mit Geld anfangen konnten. Für die anderen Mitglieder der Aktivistengruppe galt das Angebot nicht, nur für sie. Sie zögerte keine Sekunde. Auch wenn sie sich später als sehr egoistisch bezeichnete. Doch wie auch Akira war sie der Meinung, selber leben ist eindeutig vorzuziehen. Vielleicht hätte sie dann irgendwann die Chance, es ihren Anklägern heimzuzahlen.
