INTO THE BEAT - TextDoc Kiesel - E-Book

INTO THE BEAT E-Book

TextDoc Kiesel

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Beschreibung

Die junge Katya ist ein Tanztalent, eine aufstrebende Ballerina. In wenigen Wochen steht ein großes Vortanzen für die New York Ballet Academy an, und sie hat gute Chancen, ein Stipendium zu erhalten. Ihr Vater Victor unterstützt seine Tochter nach dem Tod der Mutter zu 100 Prozent. Als Katya jedoch einer Gruppe Streetdancer begegnet, taucht das Mädchen in deren völlig andere und für sie komplett neue Welt ein. Sie ist mit ganzem Herzen Feuer und Flame für den neuen Move – und für den Tänzer und Einzelgänger Marlon. Katya weiß: Sie kann nicht zurück zum klassischen Ballett. Zusammen mit Marlon will sie an einer Audition der Burning Dragons, einer weltbekannten Streetdance-Crew, teilnehmen. Marlon und Katya erleben das erste Mal in ihren Leben Gefühle von Glück, Liebe, Freundschaft und Freiheit. Doch Katyas Entscheidung steht im krassen Konflikt zu Victors Plänen. Sie muss ich entscheiden! Ein atemberaubendes Buch zum Film "INTO THE BEAT - Dein Herz tanzt". Geschrieben auf Basis des Drehbuchs von Hannah Schweier und Stefan Westerwelle. Produktion: Lieblingsfilm, die u.a. mit den "Rico, Oscar"-Filmen, Kerstin Giers Edelstein-Trilogie sowie mit "Mein Lotta Leben" und "Amelie rennt" sehr erfolgreich im Kinder- und Jugendfilmsegment arbeiten. Mit Filmbildern und Drehbuch-Passagen!

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Das Buch zum Film

Nach einem Drehbuch von Hannah Schweier und Stefan Westerwelle,

nach einer Idee von Vera Kissel

Von TextDoc Kiesel

Inhalt

Titel

Widmung

Dornröschen

Staatsballett

Premiere

Wochen später

BALLETTSCHULE / UMKLEIDE

Daheim

Kettenriss

Welcome im BATTLELAND

Powermoves

Spieluhr

Ballettkostüm

Irgendetwas

Spielplatz

(Aus dem Drehbuch)

BATTLELAND/ GANG

Anderes

Trigger

Abgrund

(Szenen aus dem Drehbuch)

Break

Abendbrot

Ausrede

U-BAHN

U-BAHNHOF

Dönerdate

Sprungkraft

Butterkopfbild

(Aus dem Drehbuch)

Audition

(Aus dem Drehbuch)

Ballettfamilie

Kopfstand

Tags darauf:

Flucht

Hoffnung

Ein Beat setzt ein,

Fundsachen

Unterdessen:

Offenbarung

(Aus dem Drehbuch)

Drama

(Aus dem Drehbuch)

Ziegengleichnis

Einverständniserklärung

»Scheiss auf die Choreo!«

Unterdessen:

Ready

Kurz zuvor:

Bühnenpower

Finale

MESSEHALLE/DAVOR

INTO THE BEAT – DEIN HERZ TANZT

Bildteil

»Deine Familie ist das Ballett.«

Victor, Katyas Vater

»Die Welt des Streetdance ist eine riesige Family.«

MARLON

Dornröschen

Die Spuren des harten Trainings waren nicht zu übersehen. Die Mädchen flatterten wie Prinzessinnen durch die Gänge der Ballett­schule. An den Füßen trugen sie Bandagen. Auch ich hatte Toe-Pads, diese Spitzenschoner, zwischen die Zehen gesetzt und meine Knöchel sorgfältig mit Tape umwickelt. Darüber hatte ich Satin­bänder gebunden und die Haare nach Vorschrift zum Dutt hochgesteckt. So saß ich nun da auf dem Parkett unserer prunkvollen Schule, wie die anderen Elevinnen auch, und wartete. Wartete auf die Ansage unserer Tanzlehrerin.

Dann kam sie durch die weiße, mit Goldfarben verzierte Flügeltür. Wie eine Königin schritt die große alte Dame auf uns zu. Jedem ihrer Schritte und jeder ihrer Gesten war die Erhabenheit anzusehen. Frau Rosebloom hatte eine unfassbar erfolgreiche Ballett­karriere als Prima Ballerina hinter sich. Sie hatte Beifall­stürme auf den Bühnen dieser Welt rund um den Globus erlebt, lange Artikel mit großen Fotos waren in den Zeitungen über sie erschienen, sie wurde gefeiert, auch nach ihrer Karriere. Sie hatte schon meinen Papa trainiert, und Elevin an ihrer Tanzschule zu sein, war Auszeich­nung und Ehre zugleich. Frau Rosebloom war eine Göttin für uns. Und Göttinnen huldigt man, auch wenn man sie nicht immer liebt.

»Guten Morgen, young Ladies«, sagte die Göttin zu uns Mäd­chen und fuhr mit ernster und fordernder Stimme fort: »Ihr habt noch acht Wochen bis zum Vortanzen. Denkt immer daran: Die New York Ballet Academy sucht nur eine für das Stipendium aus. Das ist eure große Chance. Enttäuscht euch nicht.«

Da war er wieder. Der Druck. Die Jury der Academy würde genau hinsehen, und ja, nur eine von uns, nur eine einzige von uns allen würde genommen werden.

Ich wollte genommen werden. Und ich war mir sicher, dass ich es schaffen würde.

Ich heiße Katya. Ich bin 16. Manche nennen mich anmutig und schön und selbstsicher. Sollen sie. Mir ist das egal, was andere über mich denken. Ich bin ich. Von meinen Fragen, meinen Zweifeln und Unsicherheiten wissen sie ohnehin nichts. Alles war schwer genug die letzten Jahre. Nicht nur wegen des Trainings im Ballett. Auch zu Hause. Vor allem seit der Sache mit Mama.

Aber daran konnte ich jetzt nicht denken. Frau Rosebloom klatschte in die Hände und sagte: »Wir beginnen heute mit der Solo­variation aus Dornröschen Auroras Geburtstag«.

Dann schaute sie mich direkt an und bat mich nach vorn.

Ich war also als Erste dran. Vortanzen im Training. Nichts Besonderes. Ich eilte zum Spiegel und ging in Startstellung.

Der Pianist begann zu spielen.

»S’il te plait.« Los ging’s.

Mit den ersten Klavierklängen begann ich, die vorgegebene Choreografie und die Figuren zu tanzen.

Auf den Spitzen. Die Hände immer wieder federleicht in der Höhe. Die Arme geschwungen. Alles war fließend, graziös, fehlerfrei.

»Cinquième.«

Die schier endlosen Aufzählungen von Frau Rosebloom schreckten mich nicht.

Entrée.

Ballonné, Ballonné.

Battement tendu, Battement tendu.

Assemblé.

Fouetté en tournant.

Fouetté en tournant.

À la seconde.

Ailes de Pigeon.

Zweimal Glissade und Grand jeté …

Ich tanzte alles perfekt. Bis zur Schlussposition.

»Bravo, Katya«, sagte Frau Rosebloom anschließend. Die Worte waren ihr Applaus. »So tanzt nur eine echte Orlow.«

Ja, ich war eine Orlow. Eine echte Orlow. Die Orlows waren und sind eine Meistertänzer-Familie. Papa war stolz auf mich.

Staatsballett

Wie ich meine Freiheit liebte. Auf dem Fahrrad zum Beispiel spürte ich sie. Ich trat in die Pedalen und raste durch die Straßen. Aus den Kopfhörern dröhnte laut Popmusik. Ja, ich weiß, das ist verboten, auf dem Rad Musik zu hören. Aber das war mir in diesem Moment egal. Ballett war Ballett. Und Freiheit war FREIHEIT.

Im Kindergarten musste ich meinen Bruder Paul abholen. Er war fünf. Ich mochte den Kleinen sehr. Seit Mama weg war, musste ich mich noch mehr um ihn kümmern und so war er mir noch wichtiger geworden.

In seinem grasbefleckten Fußballtrikot wartete Paul bereits. Am Fenster hielt er nach mir Ausschau. Als er mich sah, stürmte er hinaus zu mir. Ich nahm schnell die Kopfhörer ab, ehe es noch eine Erzieherin sah.

»Mann, da bist du ja endlich!«, rief Paul.

»Was denn, ich bin total pünktlich«, erwiderte ich.

Und das stimmte sogar. Denn ich hatte mich nach dem Ballett beeilt, weil wir schnell zu Papa wollten. Er hatte heute Premiere. Aber es war noch ewig Zeit.

Das machte ich Paul jetzt auch klar: »Die Premiere ist heute Abend. Wir könnten einmal um die ganze Welt fahren und wären immer noch rechtzeitig da.«

Paul schaute mich irritiert und fragend an. »Hä? Um die ganze Welt?«

So war er, unser Paul. Klein halt noch. Und ziemlich verträumt. Und manchmal ein wenig langsam im Denken. Aber klug war er trotzdem, pfiffig auch. Und immer für eine Überraschung gut.

Ich musste schmunzeln, zeigte ihm die Tupperdose und sagte: »Hier, Wegzehrung.«

Paul stieg auf mein Rad, den improvisierten Kindersitz liebte er.

Ab ging’s. Auf zu Papa ins Staatsballett.

Als wir das Foyer betraten, sahen wir Victor gleich. Unser Vater stand kerzengerade vor einem Mikrofon und gab einem Journalis­ten ein Interview. Eine Fotografin knipste Fotos. Ich wollte gerade den Finger auf meine Lippen legen, damit Paul wusste, dass er ruhig sein sollte. Aber Papa hatte uns schon gesehen und unterbrach seine Antwort für das Interview. Seine Familie war ihm wichtiger.

»Hey, Paule«, rief er voller Freude. »Da seid ihr ja.«

Paul war schon losgerannt und stürzte auf ihn zu.

»Komm Paul, lass uns fliegen, fliegen … «, rief Papa und breitete seine Arme weit zum Propeller aus. So war er. Auf seine Kinder ließ unser Papa nichts kommen.

Laut johlend stürmte Paul auf ihn zu. Papa riss ihn an sich, warf ihn freudig in die Höhe und ließ ihn durch die Lüfte sausen.

Der Journalist sah zu und sagte: »Na, da will wohl jemand in die Fußstapfen seines Vaters treten.«

»Na, schauen wir mal«, meinte Papa. »Ich glaube, er schießt lieber als Stürmer Tore …« Dann sah er zu mir und sprach weiter. »… Aber machen Sie sich keine Sorgen, die nächste Orlow steht schon längst in den Startlöchern.«

Die nächste Orlow – das war ich. Jedenfalls für Papa, der seinen Stolz über seine Tochter auch jetzt nicht verbergen konnte. Freudig nahm er mein Gesicht in seine Hände und gab mir zur Begrüßung einen Kuss. Dann nahm er mich in den Arm und sagte: »Kommt, wir machen ein Familienfoto für die Zeitung.«

Die Orlows für die Ewigkeit sozusagen.

Premiere

Bis zur Premiere war wie gesagt noch ein wenig Zeit. Aber wir blieben im Staatsballett. Hier war nicht immer solche Hektik, aber heute war wirklich irre viel los. Trotzdem lief alles routiniert. Wie immer vor einer Premiere. Ich war schon oft dabei. Für Paul war das alles noch ein bisschen neu. Aber er fühlte sich auch sichtlich wohl. Und war stolz auf seinen Papa, der ihn zwischendurch immer mal wieder auf den Arm genommen hatte. Und dann war Papa auch schon im Feder­kostüm, seinem Kostüm für den Auftritt.

Wir standen in der Nullgasse zwischen den Vorhängen, schauten zur Bühne, wo Papa noch mal übte und nachher, wenn die Zuschauer im Saal waren, auftreten und bestimmt gefeiert werden würde.

Romy, die Abendspielleiterin, schob sich an uns vorbei. »Eine Minute noch, okay!«, sagte sie.

Wir warteten voller Spannung.

Gleich musste Papa raus auf die Bühne.

Das Orchester setzte ein. Musik erklang.

Papa schien ein wenig aufgeregt, das war eigentlich untypisch für ihn. Er ist sonst immer ganz cool. Auch vor den Auftritten.

»Ich mach den großen Sprung heute nur für dich«, sagte er und lächelte mich an.

»Toi, toi, toi, Papa!«, sagte ich und spuckte ihm auf die Schulter.

Er ging auf seine Position Richtung Bühne, zwinkerte mir noch mal zu, setzte seine Vogelmaske auf und konzentrierte sich jetzt voll und ganz auf seinen Auftritt. Noch mal tief Luft holen.

Im Zuschauersaal brandete Applaus auf.

Dann eröffnete er sein Solo, perfekt und exakt zum richtigen Zeitpunkt. Stolz schaute ich zu aus unserer Ecke in der Nullgasse. Wir konnten alles gut sehen. Papa tanzte hingebungsvoll und ausdrucksstark im Lichtkegel.

Plötzlich stand Romy neben mir. Jetzt, da die Vorstellung lief, schien die Anspannung von ihr gewichen zu sein.

»Hey, Katya«, sagte sie. »Schön, dich zu sehen.«

Und dann meinte sie flüsternd, wie unglaublich ähnlich ich meiner Mutter mittlerweile sähe. Da war er wieder, dachte ich. Der Vergleich. Wie oft hatte ich den schon gehört – den Orlow-Vergleich …

Zum Glück ging es jetzt gerade nicht um mich. Jetzt stand Papa auf der Bühne im Rampenlicht. Und ich nur in der Nullgasse.

»Und was macht New York?«, fragte Romy.

»Das wird«, sagte ich und lächelte Romy an.

»Wow. Was für ein Traum«, meinte Romy. »Wir drücken alle die Daumen, dass das was wird. Dein Vater redet von nichts anderem mehr.«

Wieder lächelte ich sie an. Es war schön, zu wissen, dass andere an einen glauben. Und Romy war Profi durch und durch. Ihre Aussage bedeute was. Aber noch mal, eigentlich war das jetzt nicht wichtig. Denn jetzt und hier ging es um Papa. Er ließ sich gerade in der Drahtseilkonstruktion befestigen.

Gleich würde er fliegen.

Der große Sprung.

Wie oft hatte er ihn geprobt.

Wie oft hatte er davon erzählt.

Passend zur Musik, die immer dramatischer wurde, nahm er Anlauf und setzte zum großen Sprung an.

Jetzt gleich hob er ab, schwebte höher und höher durch die Lüfte.

Gigantisch sah das aus.

Grandios sah das aus.

Ich schaute gebannt wie alle anderen zu.

Der Lichtkegel der Scheinwerfer verfolgte den fliegenden Tänzer …

Doch dann passierte das Schreckliche.

Das, was niemand erwartet hatte.

Keiner hatte es kommen sehen.

Alles lief ab wie im Zeitraffer.

Der Aufschrei im Zuschauersaal.

Der dumpfe Knall seines Aufschlags auf dem Bühnenboden.

Die fassungslose Stille …

Ehe alle zu ihm stürzten – zu Papa auf dem Boden.

Noch immer sind meine Augen wie vor Schreck geweitet, wenn ich an diese verdammte Szene denke. Noch immer zittere ich am ganzen Körper. Noch immer kann ich kaum glauben, was seither passiert ist.

Alle dachten, Papa würde nach diesem Unfall nie wieder laufen können.

Zum Glück hatten sie nicht recht.

Aber alles kam ganz anders.

Wochen später

(Aus dem Drehbuch)

TANZSCHULE / BALLETTSAAL

INNEN – TAG

Im Ballettsaal sitzt Katya unter den Elevinnen auf dem Boden.

Sie ist in Gedanken.

FRAU ROSEBLOOM

(zu den Elevinnen)

All right, Ladies. Wir haben noch drei Wochen.

Ihr habt ab jetzt nichts anderes als Ballett im Kopf.

Trainiert in jeder freien Sekunde. Keine Pause.

Keine Ablenkung. Okay?

Die Elevinnen nicken.

FRAU ROSEBLOOM (CONT’D)

I hope so. See you tomorrow.

Die Mädchen packen ihre Taschen.

Frau Rosebloom kommt zu Katya.

FRAU ROSEBLOOM (CONT’D)

Er kommt heute nach Hause, richtig?

Katya nickt. Frau Rosebloom lächelt warm.

FRAU ROSEBLOOM (CONT’D)

Keine Angst, Katya.

Ihr habt schon ganz andere Dinge gemeinsam geschafft.

Alles wird gut, glaub mir.

Katya lächelt Frau Rosebloom ermutigt an.

FRAU ROSEBLOOM (CONT’D)

Victor kann übrigens sehr stolz auf dich sein.

Du hast noch mal enorme

Fortschritte gemacht.

New York ist für dich zum Greifen nah.

KATYA

Danke.

FRAU ROSEBLOOM

Richtest du ihm liebe Grüße aus?

KATYA

Mach’ ich, Frau Rosebloom.

Frau Rosebloom nickt und schaut Katya liebevoll hinterher.

BALLETTSCHULE / UMKLEIDE

INNEN – TAG

In der Umkleide steht Katya an ihrem Spind und zieht sich um. Janine setzt sich auf die Bank und seufzt übertrieben.

KATYA

Ja, Janine?

JANINE

(gespielt freundlich)

Nichts. Ich wollte dir nur sagen, wie unglaublich stark du bist.

Erst die Sache mit deiner Mutter vor drei Jahren und jetzt das …

Hoffentlich kann er bald wieder richtig laufen.

JANINE (CONT’D)

Ich hab’ ihn doch noch vor ein paar Tagen tanzen sehen.

Janine schüttelt mit betroffener Miene den Kopf.

JANINE (CONT’D)