Intuitives Stillen - Regine Gresens - E-Book

Intuitives Stillen E-Book

Regine Gresens

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12,99 €

  • Herausgeber: Kösel
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2016
Beschreibung

Stillen ist das Beste fürs Kind – da sind sich alle Experten einig. Doch geraten dabei viele Frauen unter Druck. Denn nicht immer fühlt sich das Stillen an wie „die natürlichste Sache der Welt“. Jeder hat unterschiedliche Ratschläge dazu, die Milch fließt nicht wie erwartet, die Brustwarzen schmerzen ... und oft genug rät nach kurzer Zeit ein Arzt dazu, per Fläschchen zuzufüttern.

Die renommierte Hebamme Regine Gresens zeigt, wie es anders geht: Wenn Mamas vor allem auf ihre Intuition und ihr Baby achten, kann Stillen ganz einfach sein. Neben einer Stillhaltung, die mit der Schwerkraft arbeitet statt dagegen, setzt das „Intuitive Stillen“ auf die angeborenen Reflexe des Babys und das naturgegebene „richtige Gefühl“ der Mutter. Auf diese Art lassen sich hausgemachte Stillprobleme fast immer vermeiden.

Stillen kann ganz natürlich, einfach und angenehm sein – dieses Buch zeigt es Ihnen!



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Seitenzahl: 292

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Das Buch

So ist Stillen einfach, natürlich und angenehm Stillen ist das Beste fürs Kind – da sind sich alle Experten einig. Doch wird Müttern auch vermittelt, Stillen müsse gelernt werden und Probleme wie schmerzende Brustwarzen oder mangelnde Milchbildung seien normal. Die renommierte Hebamme und Stillberaterin Regine Gresens zeigt, wie es anders geht: Wenn Mamas auf die Signale des Babys und auf ihre Intuition achten, lassen sich Stillprobleme fast immer vermeiden. Intuitives Stillen bedeutet, dass die Weisheit dazu bei Mutter und Kind immer noch abgespeichert und vorhanden ist und letztlich nur intuitiv »wachgeküsst« werden muss. Dr. Wolf Lütje, Chefarzt des ersten Babyfreundlichen Krankenhauses in Deutschland

Die natürlichste Sache der Welt? Wenn es nur immer so einfach wäre … Zum Stillen hören Frauen die unterschiedlichsten Tipps und Ratschläge. Manche widersprechen sich sogar. Doch die Natur hat Mütter und Babys mit allem ausgerüstet, was sie in der Stillzeit brauchen. Das Intuitive Stillen zeigt einen Weg, der sich an ganz ursprünglichen, natürlichen Gegebenheiten orientiert: an den angeborenen Reflexen des Babys und den Instinkten der Mutter. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch eine bequeme Stillposition, die mit der Schwerkraft arbeitet statt dagegen. So können viele Stillprobleme von Anfang an vermieden werden. Mit diesem Ansatz kann die Stillbeziehung zwischen Mutter und Baby wieder werden, wie sie von Natur aus angelegt ist: einfach, innig und angenehm. Unzählige Frauen haben so bereits einen neuen Zugang zum Stillen gefunden.Stillen kann ganz einfach sein – dieses Buch zeigt Ihnen wie!

Die Autorin

Regine Gresens, geboren 1963, ist Hebamme, Still- und Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Bis 2014 Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbands (DHV), bis 2015 Mitglied der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR). Sie hält zahlreiche Vorträge und berät Schwangere und Mütter in eigener Praxis in Hamburg. Mit ihrem besonderen Ansatz in der Stillberatung begeistert sie Mütter ebenso wie erfahrene Kolleginnen. www.stillkinder.de

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
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Copyright © 2016 Kösel-Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München Umschlag: Weiss Werkstatt, München Umschlagmotiv: Laima Chenkeli, Berlin Illustrationen: Jutta Wetzel, Siegburg Gestaltung und Satz: Der Buchmacher, Arthur Lenner, München E-Book Herstellung: JB E-Book Produktion: Vera Hofer ISBN 978-3-641-18038-6V002www.koesel.de

Inhalt

Vorwort

Einleitung

1

Sie und Ihr Baby können stillen

Stillen ist normal und natürlich

Jedes Säugetier bildet eine optimale Milch

Muttermilch – ein Supercocktail

Flaschenernährung hat viele Nachteile

Nachteile des Nicht-Stillens für die Mutter

Stillen stärkt die Mutter-Kind-Beziehung

Stillen ist Kommunikation

Stillen fühlt sich gut an

Oxytocin unterstützt das Stillen

Sie beide sind zum Stillen geschaffen

2

Sich auf das Stillen vorbereiten

Bereiten Sie sich mental auf das Stillen vor

Ihr Körper bereitet sich vor

Was Sie noch zur körperlichen Vorbereitung tun können

Auch Ihr Gehirn bereitet sich vor

Was Sie sonst noch tun können

Bereiten Sie Ihre Umgebung für das Stillen vor

Was Sie für die Stillzeit benötigen und was nicht

3

Das Stillen gut beginnen

Das natürliche Hormonorchester

Das Neugeborene nach der Geburt

Kolostrum – mehr als ideale Erstnahrung

Das erste Stillen

Die Umstellung der Milchbildung

Die ersten Tage

4

Startschwierigkeiten überwinden

Verzögerter Stillbeginn

Schmerzende oder wunde Brustwarzen

Verspäteter Milcheinschuss

Starke Gewichtsabnahme des Neugeborenen

Verstärkter Milcheinschuss

5

Ihr Baby gut anlegen

Gutes Anlegen

Die drei Schritte zum guten Anlegen

Aufrechte Stillpositionen erschweren das Anlegen

Schmerzen beim Stillen ernst nehmen

Das Anlegen in verschiedenen Positionen

Halbliegende Position

Halbsitzende Position

Seitenhaltung oder Rückengriff

Aufrecht sitzend

Seitenlage

Das Baby gut von der Brust abnehmen

Noch ein paar Bemerkungen zum Schluss

6

Ihrem Baby und Ihrem Gefühl vertrauen

Stillen ist mehr als Ernährung

Bekommt es genug?

Babys haben einen kleinen Magen

Genug Milch für gutes Gedeihen

Einen Überblick behalten

Die Gewichtsentwicklung eines Stillbabys

Babys gibt es in vielen Größen

Wann und wie oft anlegen?

Häufiges Stillen ist normal

Schonen der Brustwarzen ist nicht erforderlich

Bedürfnisse müssen befriedigt werden

Schnuller ja/nein

Brüste speichern unterschiedliche Milchmengen

Auch nach Ihrem Bedarf stillen

Muttermilch verändert sich beim Stillen

Eine oder zwei Brüste geben

Der Rhythmus kommt vom Kind

Phasen des häufigen Stillens sind normal

Die Regelung der Milchproduktion

7

Mit dem Stillbaby leben

Gute Unterstützung organisieren

Lassen Sie sich helfen

Wählen Sie gute Vorbilder

Finden Sie Gleichgesinnte

Die Nächte mit dem Stillkind

Schlafen Sie nah beieinander

So schläft Ihr Baby sicher

Machen Sie sich die Nächte leichter

Einschlafen an der Brust

Ihre Ernährung in der Stillzeit

Mit dem Stillbaby unterwegs

Krankheiten und medizinische Behandlungen

Ohne Stillbaby unterwegs sein

Das Stillkind wird älter

8

Mögliche Stillprobleme lösen

Schmerzende Brustwarzen

Milchstau und Brustentzündung

Geringe Gewichtszunahme

Stillstreik

Zu viel Muttermilch

Stillhütchen

Lassen Sie sich beraten

9

Die Stillzeit gut beenden

Dank

Anhang

Anmerkungen

Internetadressen

Bildnachweis

Literatur

Vorwort

Heutzutage mit dem Begriff »Intuition« zu arbeiten wirkt fast anachronistisch. In Zeiten von Kontrolle, Perfektion und Optimierung kann man auf alles vertrauen, nur nicht auf die Intuition. Was ist überhaupt Intuition? Sie ist nichts anderes als das vorwissenschaftliche Wissen. Und es ist mit Blick auf die Irrtümer in der Medizin sehr häufig das bessere Wissen. Leider muss das heute immer wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die Geschichte des Stillens ist ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn man nicht mehr auf die Intuition, sondern nur auf hohle Industrieversprechen vertraut. Die Folgen einer aggressiven Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten in den 1970er- und 1980er-Jahren lösten eine weltweite skandalöse Entwicklung aus, auf die im Rahmen einer WHO-Initiative massiv reagiert wurde. In dem Glauben an eine gleichwertige Ersatznahrung stand das Stillen kurz vor seiner Abschaffung. Erst dank intensiver und noch im Ansatz nicht abgeschlossener Forschung gelang es, dem intuitiv Richtigen wieder seinen Stellenwert zu geben. Stillen – insbesondere auch als Teilaspekt des Bondings – schafft eine wesentliche Grundlage für die körperliche und seelische Gesundheit des Menschen.

Intuitives Stillen bedeutet, dass die Weisheit dazu bei Mutter und Kind immer noch abgespeichert und vorhanden ist und letztlich nur intuitiv »wachgeküsst« werden muss. Dazu möchte dieses Buch animieren und alle Leserinnen und Leser ermuntern, diesen auch heute noch machbaren Weg zu gehen. Auch wenn wir zur Bedeutung des Stillens und der Muttermilch schon relativ viel wissen – so richtig verstanden haben wir es immer noch nicht.

Die Hormonforschung, insbesondere zum Oxytocin, die neurobiologischen Erkenntnisse und das weite Feld der noch relativ jungen Wissenschaft der Epigenetik und selbstredend auch die Psychosomatik werden noch so unendlich viele Erkenntnisse an den Tag bringen, welche beweisen werden, das hinter Intuition eben ganz oft ein tiefes Wissen der Richtigkeit steckt. Für mich als Vater und Geburtshelfer ist es immer wieder faszinierend, nach einer wie auch immer gelungenen Geburt zu beobachten, wie Mutter und Kind liebevoll, staunend, fragend und doch so wissend miteinander umgehen. »Ich kenn dich schon so lange und doch freu ich mich so, dich endlich kennen zu lernen.« Blicke, Berührung, alle Sinne sind wie gleichgeschaltet und irgendwann geschieht ganz wie von allein die (Wieder-)Verbindung über die neue Nabelschnur – die mütterliche Brust.

Das passiert regelhaft intuitiv, wenn Mutter und Kind ungestört und nicht allzu belastet von der Mühsal der Geburt sind. Uneingeschränktes Bonding, das rechte Maß an äußerer Unterstützung und Akzeptanz sowie die innere (intuitive!) Überzeugung von Kompetenz und Potenz sind gute Wegbegleiter ins stille – ins Still-Glück. Mögen es möglichst viele Mütter und Kinder erfahren.

Dr. Wolf Lütje

Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus, Hamburg

Einleitung

»Stillen ist das Beste fürs Kind« – da sind sich alle Experten einig. Doch wird heute auch vermittelt, Stillen müsse gelernt werden und Probleme wie schmerzende Brustwarzen oder mangelnde Milchbildung seien normal. 90 Prozent der Schwangeren möchten ihr Baby stillen und beginnen es auch nach der Geburt hochmotiviert. Bei vielen Stillpaaren treten jedoch schon zu Beginn der Stillzeit Probleme auf, die manchmal trotz großer Anstrengungen nicht zu überwinden sind. Die Zahl der gestillten Babys fällt daher in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt dramatisch ab. Nach vier Monaten hat ein Drittel der Mütter entgegen ihrer Pläne vorzeitig abgestillt. Oft leiden sie noch lange an dem Verlust der erträumten Stillbeziehung und haben noch dazu das Gefühl, selbst versagt zu haben. Aber auch, wenn der Stillstart ohne Schwierigkeiten verläuft, scheint vielfach im weiteren Verlauf der Stillzeit die Milch nicht mehr zu reichen.

Wie kommt es dazu? Und wie können Mütter und Babys wieder in den Genuss einer einfachen und entspannten Stillzeit kommen, so wie es von der Natur eigentlich vorgesehen ist?

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich als Hebamme seit über 30 Jahren bei meiner Arbeit mit Müttern und Babys. Seit 1996 berate ich als Still- und Laktationsberaterin in meiner Praxis Mütter mit den unterschiedlichsten Stillschwierigkeiten. Mit diesem Buch möchte ich die wichtigsten Ursachen für die heute so verbreiteten Schwierigkeiten beim Stillen darstellen und zu neuen Sichtweisen auf das Stillen und den normalen Verlauf der Stillzeit anregen.

Ich möchte Sie auf die möglichen Fallstricke hinweisen, wie etwa Mythen und Ammenmärchen, aber auch Störungen durch medizinische Maßnahmen und Fehlinformationen benennen. Außerdem gebe ich Ihnen natürlich hilfreiche Tipps und Informationen, um Stillschwierigkeiten zu vermeiden oder ggf. frühzeitig zu lösen.

Dabei geht es mir vor allem darum, Sie zu ermutigen, sich von festen Regeln und Anleitungen zu lösen und sich mehr von Ihrem Gefühl leiten zu lassen. Ich möchte Ihnen auch den Druck nehmen, stillen zu müssen, wenn das Stillen für Sie nicht so läuft wie erhofft. Es gibt gute und verständliche Gründe nicht zu stillen oder das Stillen zu beenden. Dieses Buch soll Ihnen den Rücken stärken, Ihren individuell richtigen Weg beim Stillen zu finden, indem Sie Ihrem Kind und Ihrer Intuition folgen.

Sie sind schwanger und möchten Ihr Baby stillen, weil es als die beste Ernährung im ersten Lebenshalbjahr empfohlen wird. Allerdings haben Sie vielleicht auch von vielen Seiten gehört, dass das Stillen anfangs schwierig und schmerzhaft sein kann und viele Mütter nicht genügend Milch haben. Daher haben Sie sich vorgenommen, das Stillen zu versuchen – und wenn es klappt, in den ersten Monaten voll zu stillen. Dann geht es Ihnen wie den meisten werdenden Müttern heute.

Vielleicht ist Ihr Baby aber auch schon da und Sie erleben gerade, dass das Stillen ganz und gar nicht so einfach und natürlich läuft, wie Sie es erwartet hatten. Oder Sie hatten bei Ihrem ersten Kind große Stillschwierigkeiten und konnten nicht so lange stillen, wie Sie eigentlich geplant hatten.

Anfängliche Probleme beim Stillen sind leider tatsächlich sehr verbreitet, was jedoch nicht am Stillen selbst liegt, sondern kulturell bedingt ist. In diesem Buch möchte ich Ihnen vermitteln, wie einfach Stillen eigentlich sein kann und sollte, warum es dabei heutzutage so häufig Schwierigkeiten gibt und wie Sie diese vermeiden oder überwinden können.

Werfen wir aber erst einmal einen Blick auf die Besonderheiten der Muttermilch und die Bedeutung des Stillens.

Stillen ist normal und natürlich

Vergessen Sie den Satz »Stillen ist das Beste«! Muttermilch ist nicht die »beste«, sondern schlicht und einfach die von der Natur vorgesehene, normale Nahrung für menschliche Babys. Sie ist jederzeit verfügbar, immer richtig temperiert und enthält alle für das Gedeihen nötigen Nährstoffe in genau der richtigen Menge und leicht verdaulicher Form.

Darüber hinaus passt sich die höchst komplexe Zusammensetzung Ihrer Muttermilch kontinuierlich an die wechselnden Bedürfnisse Ihres Kindes an. Sie ändert sich sowohl im Laufe jeder einzelnen Stillmahlzeit, wie auch im Verlauf eines Tages und während der gesamten Stillzeit ständig und ist sogar in beiden Brüsten unterschiedlich.

So ist beispielsweise nachts die Konzentration von Tryptophan in der Muttermilch höher als tagsüber. Tryptophan ist eine Aminosäure, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss, und vom Körper in das »Glückshormon« Serotonin umgebaut wird. Serotonin macht innerlich ruhig und zufrieden, reduziert Ängste und Kummer, wirkt schlaffördernd und hat außerdem eine wichtige Funktion für die Gehirnentwicklung. Aus Serotonin wird auch das »Schlafhormon« Melatonin produziert, das vom Baby noch nicht ausreichend selbst gebildet wird. Beide Hormone steuern den Schlaf-Wach-Rhythmus. Außerdem enthält Muttermilch Nukleotide, die eine schlaffördernde oder eher anregende Wirkung entfalten können. Nukleotide sind Moleküle, die als Grundbausteine der Erbinformationsträger DNA und RNA fungieren. Zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens sind besonders viele beruhigende Nukleotide in der Muttermilch, während tagsüber die anregenden Sorten häufiger vorkommen.1

Muttermilch unterstützt den Schlaf-Wach-Rhythmus des Babys

Auch das Geschlecht des Kindes beeinflusst die Inhaltsstoffe der Muttermilch. So haben Wissenschaftler erst vor kurzem festgestellt, dass die Muttermilch bei einem männlichen Baby 25 Prozent mehr Fett enthält. Dadurch erhalten Jungen bei gleicher Trinkmenge eine höhere Energiezufuhr und nehmen mehr und schneller an Gewicht zu als Mädchen.2

Außerdem variieren die Geschmacks- und Aromastoffe in Ihrer Muttermilch von Tag zu Tag. Je nachdem, was Sie selbst gegessen oder getrunken haben. So lernt Ihr Baby schon während der Stillzeit ganz nebenbei die in Ihrer Familie üblichen Nahrungsmittel und Gerichte kennen. Wenn es dann später beginnt, Beikost oder Ihr Essen vom Familientisch zu probieren, ist es der neuen Nahrung gegenüber aufgeschlossener, da ihm die Geschmacksstoffe und Aromen schon vertraut sind.

Jedes Säugetier bildet eine optimale Milch

Die einzigartige Erfolgsgeschichte der Muttermilch begann bereits vor zirka 200 Millionen Jahren, als sich die ersten frühen Säugetiere entwickelten. Heute gibt es noch etwa 5400 Säugetierarten auf der Erde. Jede Art hat im Laufe der Evolution eine spezifische Milch entwickelt, die optimal auf die Bedürfnisse ihrer Nachkommen ausgerichtet ist, um deren Überleben zu sichern.

Blauwale, die größten Meeressäuger, haben die konzentrierteste, fettreichste Milch von allen Säugetieren. Der Fettgehalt von bis zu 50 Prozent führt dazu, dass das Blauwalkalb durch den hohen Energiegehalt sehr schnell wächst – es verdoppelt sein Geburtsgewicht innerhalb von etwa drei Wochen – und eine vor Kälte schützende Fettschicht aufbaut.

Kuhmilch enthält zirka 3,4 Prozent Eiweiß (Proteine) und 4,8 Prozent Kohlenhydrate, weil ein Kalb schnell Muskulatur aufbauen und sein Gewicht in sechs bis sieben Wochen verdoppeln muss, um mit dem weidenden Muttertier und der Herde Schritt halten zu können.

Frauenmilch hat einen durchschnittlichen Fettgehalt von 3,8 Prozent. Sie enthält nur etwa 0,9 Prozent Protein, dafür aber 7,0 Prozent Kohlenhydrate, vor allem Laktose (Milchzucker). Dadurch ist sie leicht verdaulich, das heißt sie durchläuft relativ schnell das Verdauungssystem des Babys, was wiederum häufige Mahlzeiten des Stillkindes notwendig macht. Zugleich nehmen unsere Babys, im Vergleich zu anderen Säugetieren, langsamer an Gewicht zu. Sein Geburtsgewicht verdoppelt ein Baby erst mit etwa sechs Monaten. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist nicht auf einen schnellen Muskel- oder Fettaufbau ausgerichtet, sondern auf die optimale Entwicklung des menschlichen Gehirns. Zudem ergänzen und potenzieren sich die Wirkungen der Inhaltsstoffe und erfüllen dabei oft mehrere Funktionen zugleich.

Muttermilch – ein Supercocktail

Muttermilch ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Das zunehmende Interesse an der Erforschung der Muttermilch fördert seit einigen Jahren mithilfe der modernen Labortechniken immer mehr faszinierende Erkenntnisse über diesen Supercocktail zutage. Diese Forschungen belegen zugleich, dass es sich in jedem Fall lohnt, das Baby mit Muttermilch zu ernähren, auch wenn dies nur teilweise, nur für kurze Zeit oder nur als sogenanntes Pumpstillen3 möglich ist.

Muttermilch besteht aus Tausenden verschiedener Inhaltsstoffe. Sie liefert während der ersten sechs Lebensmonate die erforderliche Energie (74–79 kcal/100 ml), alle wichtigen Nährstoffe (Proteine, Fette und Kohlenhydrate) und die notwendige Flüssigkeit (87 Prozent Wasser) für Wachstum, Entwicklung und Körperfunktionen des Babys. Zusätzlich enthält sie Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die genau auf die Bedürfnisse und die Entwicklung des jeweiligen Stillkindes abgestimmt sind. Darüber hinaus ist Muttermilch aber auch eine lebendige Flüssigkeit – ebenso wie Blut – und wird deshalb auch als »weißes Blut« bezeichnet. Ein Teelöffel Muttermilch enthält 3.000.000 lebende mütterliche Zellen, vor allem Makrophagen, Leukozyten, Lymphozyten und Epithelzellen, die Krankheitserreger bekämpfen. Jeder Tropfen Muttermilch ist also gesundheitlich wertvoll für Ihr Kind. Zusätzlich enthält Muttermilch weitere bioaktive Faktoren, wie zum Beispiel Immunglobuline, Laktoferrin und Lysozyme, die ebenfalls der Krankheitsabwehr dienen.

Neueste Studien fanden sogar zwischen 10.000 und 13.000.000 lebende mütterliche Stammzellen pro Milliliter Muttermilch. Diese Stammzellen können sich, wie Tierexperimente zeigen, noch in jede Art von Körperzelle, wie etwa Knochen-, Muskel-, Fett-, Leber- und Gehirnzellen, weiterentwickeln. Die Forscher gehen davon aus, dass die Muttermilchstammzellen eine bedeutende Rolle für die normale körperliche Entwicklung des Babys spielen. So könnten sie etwa gestörtes Gewebe in unterschiedlichsten Organen reparieren oder allergische Reaktionen auf mütterliche Zellen und Proteine in der Muttermilch verhindern.4

Muttermilch weist darüber hinaus ein ganz individuelles Muster an »guten« Bakterien auf – das Muttermilch-Mikrobiom. Bis heute wurden 700 unterschiedliche Bakterienarten in Muttermilch gefunden. Im Durchschnitt erhält ein gestilltes Baby täglich zwischen 100.000 und 10 Millionen Bakterien, die seinen Verdauungstrakt besiedeln und die Entwicklung seiner Immunabwehr unterstützen.5

Muttermilch enthält außerdem 150 bis 200 verschiedene Humanmilch-Oligosaccharide (HMO). Das sind nicht-verdauliche komplexe Zucker, die nur in Muttermilch vorkommen. Sie wirken präbiotisch und machen den sogenannten Bifidusfaktor aus. Im Dickdarm des Babys dienen sie den »guten« Darmbakterien wie Laktobazillen und Bifidobakterien als Nahrung, verhindern die Anheftung krankmachender Bakterien an die Darmwand und beeinflussen so die kindliche Darmflora in günstiger Weise. Die Kombination der Oligosaccharide in der Muttermilch ist individuell sehr unterschiedlich und verändert sich zudem ebenfalls im Verlauf der Stillzeit.6

Bei jeder Stillmahlzeit bekommt das Baby Millionen dieser Inhaltsstoffe, die sein Immunsystem bei der Abwehr von Krankheitserregern unterstützen, vor Krankheiten schützen, Entzündungen hemmen und die Wundheilung fördern. Muttermilch ist also nicht nur ein gesundes Nahrungsmittel, sondern zugleich auch ein hochwirksames Medikament.

Auch nach dem ersten Lebenshalbjahr bleiben diese Inhaltsstoffe wertvoll und nahrhaft für Ihr Kind, selbst wenn es im zweiten Halbjahr damit beginnt, zusätzlich festere Nahrung zu sich zu nehmen. Künstliche Säuglingsnahrung orientiert sich heute in der Zusammensetzung ihrer Hauptnährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe zwar weitgehend an der Muttermilch. Dennoch wird kein industrieller Hersteller jemals – auch nur annähernd – eine Säuglingsfertignahrung mit allen in der Muttermilch enthaltenen Inhaltsstoffen und einer derartigen Variabilität produzieren können. Muttermilch war, ist und bleibt der Goldstandard, an dem sich jede andere Form der Säuglingsernährung messen muss.

Flaschenernährung hat viele Nachteile

Unzählige wissenschaftliche Studien belegen seit Jahrzehnten die Bedeutung der Muttermilch und der Stilldauer für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes sowie für die Gesundheit der Mutter.

Nicht gestillte Babys erkranken im Vergleich zu gestillten Babys häufiger an Infektionen, wie zum Beispiel Atemwegs- und Mittelohrentzündungen oder Magen-Darm-Erkrankungen. Infektionserkrankungen verlaufen bei nicht gestillten Kindern auch meist schwerer und dauern länger, weil den Babys die in der Muttermilch enthaltenen mütterlichen Abwehrstoffe gegen die beteiligten Krankheitserreger fehlen. Langfristig leiden sie öfter an Diabetes mellitus, Asthma und Leukämie. Sie neigen auch eher zu Allergien, Zöliakie und Übergewicht im Jugend- und Erwachsenenalter.7

Neben den negativen Auswirkungen auf ihre Gesundheit zeigen nicht gestillte Kinder auch öfter eine weniger gute grob- und feinmotorische sowie kognitive Entwicklung.9

Verantwortlich für die Unterschiede zwischen gestillten und nicht gestillten Kindern sind nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch epigenetische Effekte des Stillens. Das bedeutet: Muttermilch ist nötig, um bestimmte gesundheitsfördernde Gene des Menschen einzuschalten, die sonst »stumm« bleiben.10

Dies heißt nicht, dass alle nicht gestillten Kinder krank werden und gestillte Kinder immer absolut gesund sind und bleiben. Statistiken können niemals Aussagen über einzelne Individuen treffen, sondern geben lediglich rechnerische Risiken oder Wahrscheinlichkeiten wieder, die sich auf eine große Anzahl von Personen mit gleicher Ausgangssituation beziehen, im Vergleich zu einer entsprechenden Gruppe mit einer anderen Ausgangssituation. Dennoch zeigt sich eindeutig, dass das Stillen ein bedeutsamer Schutzfaktor für die Gesundheit und Entwicklung von Babys ist.

Nachteile des Nicht-Stillens für die Mutter

Die Nachteile der Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung für das Kind sind allgemein gut bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass Nicht-Stillen auch erhebliche Nachteile für die Mutter hat. Denn Stillen ist die natürliche und normale Folge einer Schwangerschaft und Geburt. Hier sind die wichtigsten Auswirkungen des Nicht-Stillens auf die Mutter:

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Nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter einer nicht stillenden Mutter langsamer zurück, was zu verlängertem Wochenfluss und somit zu höherem Blutverlust im Wochenbett führt.

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Nicht stillende Mütter leiden auch häufiger unter Wochenbettdepressionen, da ihnen die schützenden Effekte der Stillhormone fehlen.

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Mütter, die nicht stillen, benötigen länger, um wieder das gleiche Gewicht wie vor der Schwangerschaft zu erreichen, weil sie die in der Schwangerschaft angelegten Fettreserven nicht beim Stillen verbrauchen.

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Die fehlenden Stillhormone führen zudem zu einer früheren Rückkehr der Fruchtbarkeit und haben daher häufig kürzere Geburtenabstände zur Folge.

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Langfristig haben Mütter, die nicht oder nur kurz gestillt haben, ein höheres statistisches Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebs, Diabetes Mellitus Typ 2, Osteoporose, rheumatoide Arthritis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.11

Stillen ist somit auch für die Mutter eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Krankheiten.

Stillen stärkt die Mutter-Kind-Beziehung

Stillen ist viel mehr als nur die Versorgung Ihres Kindes mit der optimalen Nahrung. Es bedeutet auch eine ganz besondere Beziehung, die Sie nur in der Stillzeit zu Ihrem Baby haben können. Viele Mütter beschreiben das Stillen als das schönste, innigste Gefühl, das sie je erlebt haben.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass Stillen zunächst einmal vor allem eine sehr sinnliche, angenehme Erfahrung für Mutter und Kind ist. Durch den regelmäßigen engen Körperkontakt beim Stillen werden sämtliche Sinne des Babys (Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen) stimuliert. Mutter und Kind lernen einander dabei auf eine ganz spezielle Weise immer besser kennen.

Gleichzeitig erfüllt das Stillen aber auch viele emotionale Bedürfnisse des Babys. Denn es erfährt nicht nur die Sättigung seines Hunger- und Durstgefühls, sondern auch Nähe, Geborgenheit, Entspannung und Trost. Die prompte und ganzheitliche Befriedigung seiner Bedürfnisse gibt ihm Sicherheit und unterstützt die Entwicklung seines Urvertrauens.

Auf der anderen Seite erfüllt das Stillen auch Ihre Bedürfnisse, Ihrem Baby nah zu sein und ihm den besten Start ins Leben zu geben – indem Sie es gut ernähren, schützen und trösten. Beim Stillen werden Sie sich als kompetente Mutter erleben und stolz auf sich und Ihren Körper sein.

Stillen ist Kommunikation

Mutter und Kind kommunizieren beim Stillen auf verschiedensten Ebenen miteinander. Ihr Baby teilt Ihnen durch seine Körpersprache sowie mit Blicken, Lauten und Berührungen mit, wie gut es ihm tut, gestillt zu werden. Es entspannt sich, lächelt und schläft oft auch satt und zufrieden an der Brust ein. Je älter das Baby wird, desto deutlicher zeigt es seine Lust und Freude beim Stillen, indem es die Brust umarmt, streichelt oder küsst und bei ihrem Anblick juchzt und strahlt.

Mutter und Baby kommunizieren beim Stillen auf mehrere Weisen

Und auch Sie teilen Ihrem Baby bewusst und unbewusst mit Ihrer Körpersprache, Ihren Blicken, Ihrer Stimme, Ihren Worten und Ihren Berührungen beim Stillen mit, wie sehr Sie es lieben, dass Sie es schützen und umsorgen und auch, wie es Ihnen selbst gerade geht.

Die Kommunikation beim Stillen erfolgt aber auch auf rein körperlicher Ebene: Beispielsweise tauschen sich dabei sogar die Immunsysteme von Mutter und Kind aus. So geht man heute davon aus, dass beim Saugen an der Brust durch eine Umkehrung des Milchflusses Speichel des Babys über die Brustwarze in die mütterliche Brustdrüse gelangt. Ist das Baby mit unbekannten Krankheitserregern infiziert, werden bestimmte Rezeptoren in der Brustdrüse aktiviert. Daraufhin produziert die Mutter sehr schnell vermehrt spezifische Abwehrstoffe gegen die Erreger. Jene gelangen dann wiederum in die Muttermilch und können somit binnen kurzer Zeit das kindliche Immunsystem dabei unterstützen, die Infektion zu bekämpfen.12

Stillen fühlt sich gut an

Das Wissen um die langfristigen positiven Auswirkungen motiviert nicht ausreichend, wenn das Stillen aktuell als schwierig, aufwändig und einschränkend erfahren wird. So stillen Mütter oft vorzeitig ab, wenn sie dabei dauerhaft Schmerzen haben, was nur allzu verständlich ist und keiner Mutter zum Vorwurf gemacht werden kann.

Das ist jedoch umso bedauerlicher, als die Natur das Stillen als angenehmes Erlebnis vorgesehen hat, das sich für die Mutter auch kurzfristig und ganz unmittelbar lohnt – nicht nur als Investition in eine gesunde Zukunft. Wenn das Stillen normal funktioniert, fühlt es sich einfach gut und richtig an. Dafür sorgt das Hormon Oxytocin, das oft auch als Liebes-, Kuschel- oder Bindungshormon bezeichnet wird.

Oxytocin ist immer dann involviert, wenn sich etwas gut anfühlt. So wird es zum Beispiel bei angenehmen Berührungen ausgeschüttet, wie etwa beim Hautkontakt, bei einer Umarmung oder bei einer Massage, aber auch beim Liebesspiel und bei einem Orgasmus oder beim sozialen Miteinander, etwa einem guten Essen in geselliger Runde mit netten Menschen. Oxytocin wird vom Hypothalamus gebildet und von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ausgeschüttet. Es wirkt als Neurotransmitter im Gehirn und über die Blutbahn im ganzen Körper. Oxytocin reduziert Angst und fördert Vertrauen und emotionale Bindung.

Beim Stillen wird Oxytocin schubartig in den mütterlichen Blutkreislauf ausgeschüttet und löst den Milchspendereflex aus. Zugleich stimuliert es damit auch die Ausschüttung des Milchbildungshormons Prolaktin, das oft auch das Fürsorge- oder Mütterlichkeitshormon genannt wird, weil es Brutpflegeverhalten auslöst.

Das Zusammenwirken von Oxytocin und Prolaktin richtet die liebevollen, fürsorglichen Gefühle der stillenden Mutter nun auf das Baby aus. Es macht sie einfühlsamer, intensiviert ihre Bindung zum Kind und lässt ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten.

Oxytocin unterstützt das Stillen

Oxytocin zeigt jedoch noch viele weitere Wirkungen bei der Mutter, die das Stillen unterstützen. Es regt die Gebärmutter an, sich zusammenzuziehen, unterstützt ihre Rückbildung und verringert den Blutverlust nach der Geburt.

Oxytocin reduziert das Stresshormon Cortisol und die Aktivität des sympathischen Nervensystems, das den Körper bei Stress und Belastung in höchste Leistungsbereitschaft versetzt. Stattdessen aktiviert es das parasympathische Nervensystem. Dieses wirkt beruhigend, senkt den Blutdruck, verlangsamt die Herzfrequenz, entspannt die Skelettmuskulatur, fördert die Verdauungsfunktionen und macht schläfrig und weniger aggressiv und reizbar.

Oxytocin steigert zugleich auch den Appetit, erhöht die Ausschüttung von Insulin und sorgt so dafür, dass die Kohlenhydrate aus der Nahrung effizienter aufgenommen werden und der mütterliche Blutzuckerspiegel steigt. Gleichzeitig beeinflusst Oxytocin auch das Hormon Glucagon, das die Freisetzung von Nährstoffen aus den mütterlichen Körperdepots für die Muttermilchproduktion steigert.

Beim Stillen sorgt Oxytocin direkt für zusätzliche Wärme für das Baby, indem es die Blutgefäße in der Haut der mütterlichen Brüste erweitert und die Durchblutung steigert, vor allem wenn direkter Hautkontakt besteht. Oxytocin stimuliert Wachstum und unterstützt darüber hinaus die Wundheilung.13

Stillen führt also zur Ausschüttung von Oxytocin, das wiederum Mutter und Kind in der Stillzeit unterstützt und schützt.

Sie beide sind zum Stillen geschaffen

Gesäugt zu werden ist überlebenswichtig für jedes einzelne Jungtier, aber auch für die Erhaltung der Art. Aus diesem Grund hat die Natur dafür gesorgt, dass das Säugen einfach ist, gut funktioniert und mit angenehmen Gefühlen bei Mutter und Kind einhergeht.

Alle neugeborenen Säugetiere sind auf das Überleben programmiert. Sie kommen mit den Reflexen und Instinkten auf die Welt, die sie benötigen, um bereits kurz nach der Geburt und über viele weitere Wochen hinweg aus eigener Kraft die nahrungsspendende, mütterliche Milchdrüse zu finden, anzudocken und daran zu trinken. Dies trifft auch auf neugeborene Menschenbabys zu.

Ihr Baby erwartet gestillt zu werden und bringt alles mit, was es dafür braucht. Vertrauen Sie in die Fähigkeiten Ihres Babys und vertrauen Sie in Ihre eigene Fähigkeit, Ihr Kind zu stillen. Sie sind beide für das Stillen geschaffen.

Mutter und Baby genießen das Stillen

Legen Sie dazu am besten die Haltung »ich will versuchen zu stillen, wenn es klappt« ab. Nehmen Sie sich stattdessen fest vor, zu stillen. Sehen Sie Flaschennahrung nicht als eine fast gleichwertige Alternative zur Muttermilch und zum Stillen, sondern lediglich als ergänzende Möglichkeit für den Notfall.

Selbst wenn Sie zu den ganz wenigen Müttern gehören sollten, die ihr Baby aus körperlichen Gründen nicht ausschließlich mit Muttermilch ernähren können, können Sie trotzdem auch mit einer nur teilweisen Muttermilchernährung eine erfolgreiche und glückliche Stillbeziehung erleben – mit lebenslangen Auswirkungen für Sie und Ihr Kind.

Stillen ist die natürliche Art ein Baby zu ernähren, und Sie beide haben die Fähigkeiten dazu. Gleichwohl muss das praktische Vorgehen der Mutter beim Stillen aber auch zum Teil erlernt werden.

Am einfachsten lässt es sich durch das Beobachten stillender Mütter lernen. Da wir aber heute nicht mehr in einer »Stillkultur« leben, fehlen solche Vorbilder für die Praxis des Stillens fast immer. Viele Frauen haben noch nie eine stillende Mutter beobachtet, wenn sie heute ihr erstes Kind erwarten.

Das war früher ganz anders. Denn in »Stillkulturen« lernten schon Kleinkinder im täglichen Zusammensein mit vielen stillenden Müttern ganz selbstverständlich, wie gestillt wird. Im Spiel ahmten sie dann das Stillen mit einer Puppe nach, wie es auch heute oft bei älteren Geschwistern von Stillbabys oder bei lang gestillten Kindern zu beobachten ist.

Auf diese Weise wurde der Umgang mit dem Baby schon früh geübt und verinnerlicht. Diese Art von Körperwissen war später den erwachsenen Frauen allerdings unbewusst. Die gespeicherten Tätigkeiten und Bewegungsabläufe konnten beim Stillen eines eigenen Babys abgerufen werden, sodass weitere Anleitung unnötig war.

Nebenbei bemerkt: Damit Kinder auch in Zukunft das Stillen am Modell lernen können, ist es wichtig, dass Mütter heutzutage unbehelligt in der Öffentlichkeit stillen können.

Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, wie Sie sich innerlich und praktisch optimal auf das Stillen vorbereiten können und welche Anschaffungen für die Stillzeit sinnvoll sind.

Bereiten Sie sich mental auf das Stillen vor

Die wichtigste Vorbereitung auf das Stillen findet in Ihrem Kopf statt. Sie haben jetzt etwa neun Monate Zeit, um sich geistig darauf einzustimmen, dass Sie Ihr Kind stillen werden. Nutzen Sie die Schwangerschaft, um die wichtigen Dinge für Ihren Stillerfolg zu lernen und so das Fehlen des Modell-Lernens in unserer Kultur auszugleichen. So wie Sportler sich mit mentalem Training auf Erfolg programmieren, können Sie bereits vor der Geburt Stillpositionen und Bewegungsabläufe einüben, Ängste reduzieren und das Vertrauen in Ihre Stillfähigkeit stärken.

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Erstellen Sie eine Liste mit den Gründen, warum Stillen für Sie persönlich wichtig ist. Notieren Sie möglichst detailliert alles, was Ihnen einfällt: kurz- und langfristige Motive, emotionale, körperliche, intellektuelle, soziale, finanzielle, ökologische Gründe und so weiter. Das Aufschreiben Ihrer Gründe hilft Ihnen, sich bewusst zu machen, das Stillen weit mehr als Ernährung ist. Diese Liste kann Sie außerdem in schwierigen Phasen der Stillzeit motivieren, nicht zu schnell aufzugeben.

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Legen Sie eine Mappe an mit wichtigen Informationen und Adressen für die Stillzeit und heften Sie die Liste mit Ihren persönlichen Gründen darin ab.

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Machen Sie in Ihrem Umfeld erfolgreich stillende Mütter ausfindig. Löchern Sie sie mit Ihren Fragen zum Stillen. Zum Beispiel: Was war für sie besonders herausfordernd und wie haben sie es bewältigt? Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit ihnen, damit Sie sie beim Stillen beobachten und dabei von ihnen lernen können.

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Wenn Sie keine erfolgreich stillenden Mütter finden können, besuchen Sie noch in der Schwangerschaft eine Stillgruppe vor Ort. In vielen Geburtskliniken, Geburtshäusern und auch Hebammenpraxen sowie auch in Privaträumen werden regelmäßige Treffen von Stillgruppen angeboten. Diese Gruppen werden meist von einer Stillberaterin geleitet und bieten Müttern Kontakt und Erfahrungsaustausch mit anderen Stillenden sowie Rat und Antworten bei vielen Fragen während der Stillzeit – und davor.

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Hören Sie sich keine Horrorgeschichten vom Stillen an. Wenn Sie merken, dass jemand Sie vom Stillen abbringen möchte, Ihre Stillfähigkeit anzweifelt oder ungefragt »gute« Ratschläge für die Stillzeit oder für das Leben mit dem Baby gibt, stellen Sie ruhig und sachlich klar, dass Sie diese Erfahrungen selbst machen möchten. Wenn es möglich ist und Ihnen nötig erscheint, reduzieren Sie den Kontakt zu diesen Personen.

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Im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien gibt es Informationen, Tipps und Ratschläge zum Stillen im Überfluss. Manches davon ist hilfreich, einiges aber auch nicht. Leider überwiegen zumeist noch falsche Informationen und schlechte Ratschläge, die Sie sehr verunsichern können.

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Meiden Sie insbesondere Informationsmaterialien von Säuglingsnahrungsherstellern. Diese sind oft sehr ansprechend und aufwändig erstellt und wirken neutral und sogar hilfreich. Aber sie sind nicht dafür entwickelt, das Stillen dauerhaft zu unterstützen, da die Hersteller nicht wirklich daran interessiert sind, dass Babys lange gestillt werden.

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Es ist ausreichend, wenn Sie ein (!) gutes Stillbuch lesen. Sie können und müssen sich vor der Stillzeit nicht auf alle vorstellbaren Szenarien vorbereiten. Aber Sie sollten wissen, wo Sie gute Informationen finden und schnell Hilfe erhalten können. Im Anhang dieses Buches finden Sie Tipps für empfehlenswerte Webseiten.

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Informieren Sie sich schon jetzt über die vielen Mythen und Ammenmärchen rund ums Stillen, damit schlechte Ratschläge – denn die werden Sie bekommen, selbst wenn Sie nicht danach fragen – Sie nicht so leicht verunsichern können. Leider sind es nicht nur Laien, die Ihnen meist aus Unwissenheit falsche Empfehlungen geben, auch bei Fachpersonen kommt das immer wieder vor. Wenn Sie selbst gut informiert sind, können Sie die Aussagen von anderen besser einordnen und Ihren eigenen Standpunkt dazu finden. In den nächsten Kapiteln werde ich die wichtigsten Mythen aufklären.

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In Geburtsvorbereitungs- und Babypflegekursen nimmt das Stillen manchmal wenig Raum ein. Wenn Sie neue Informationen am besten durch Fragen, Zuhören, Beobachten und praktische Übungen aufnehmen können, kann die Teilnahme an einem Kurs zur Stillvorbereitung hilfreich für Sie sein. Stillvorbereitungskurse werden in vielen Kliniken, Geburtshäusern und Praxen von Hebammen oder Stillberaterinnen angeboten. Falls Sie in Ihrer Nähe keinen passenden Kurs finden, können Sie auch über das Internet einen Stillvorbereitungskurs online oder auf DVD kaufen. So wäre es auch möglich, sich wichtige Lektionen mehrfach anzusehen.

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Notieren Sie sich in Ihrer Mappe auch Kontaktdaten und Telefonnummern von Stillberaterinnen in der Nähe, die bei einem Stillproblem einen Hausbesuch machen würden oder die Sie aufsuchen könnten. Falls es tatsächlich beim Stillen zu Problemen kommt, haben Sie dann bereits alles parat und müssen nicht zusätzlich zu dem Stress, den Sie ohnehin schon haben, noch mit der Suche nach Unterstützung beginnen.

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Finden Sie ebenfalls heraus, wo Sie mit einem ärztlichen Rezept eine gute elektrische Milchpumpe mieten können, falls Sie in der Stillzeit eine benötigen sollten – am besten mit Doppelpumpzubehör zum gleichzeitigen Abpumpen beider Brüste. Apotheken, Sanitätshäuser, Kliniken, Hebammenpraxen sowie selbstständige Hebammen oder Stillberaterinnen können hier Ihre Ansprechpartner sein.

Ihr Körper bereitet sich vor

Durch die Schwangerschaftshormone gesteuert, bereitet sich auch Ihr Körper ohne Ihr Zutun darauf vor, dass Ihr Neugeborenes nach der Geburt die Brust schnell finden und dort die optimale Nahrung bekommen kann.

Die Vorbereitung Ihrer Brüste auf das Stillen hat aber bereits lange vor Ihrer ersten Schwangerschaft begonnen. Schon kurz vor der Pubertät fingen Ihre Brüste an zu wachsen, indem dort Fett eingelagert wurde. Und auch das Drüsensystem in Ihren Brüsten begann sich zu entwickeln. Etwa nach zwei Jahren war diese Entwicklungsphase abgeschlossen und Ihre Brüste veränderten sich nur noch jeweils im Verlauf des Menstruationszyklus. Die Menge des eingelagerten Fettgewebes ist jetzt für die Form und Größe Ihrer Brüste verantwortlich, hat jedoch keinen Einfluss auf die Menge und Qualität der Muttermilch, die Sie bilden werden.

Während der ersten Schwangerschaft kommt es, unter dem Einfluss zahlreicher Hormone, zu weiteren Veränderungen in den Brüsten. Viele Frauen bemerken eine Schwangerschaft bereits ab der 3. bis 4. Woche an empfindlicheren Brustwarzen und einem Spannungsgefühl in den Brüsten. Die Haut Ihrer Brüste erscheint nun dünner, weil sie gedehnt wird, die Brüste stärker durchblutet werden und die oberflächlichen Venen deutlicher hervortreten. Ihr Brustumfang nimmt um ein bis zwei Körbchengrößen zu und bis zum Ende der Schwangerschaft wird jede Brust zirka 200 bis 300 g schwerer. Dabei wächst und verzweigt sich vor allem das Drüsengewebe, während das Fettgewebe in den Brüsten abnimmt.

Nach dem Abstillen bildet sich das Drüsengewebe wieder zurück, das Fettgewebe wird aber nicht wieder vollständig eingelagert. Darum haben die Brüste nach einer Schwangerschaft immer eine andere Form und mehr Elastizität als vorher.

Achtung Mythos