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Der Liebesroman mit Gänsehauteffekt begeistert alle, die ein Herz für Spannung, Spuk und Liebe haben. Mystik der Extraklasse – das ist das Markenzeichen der beliebten Romanreihe Irrlicht: Werwölfe, Geisterladies, Spukschlösser, Hexen und andere unfassbare Gestalten und Erscheinungen erzeugen wohlige Schaudergefühle. Wie von Furien gehetzt rannte ich die eisernen Stufen empor. Meine rechte Hand umklammerte das Geländer und zog mich, einem inneren Zwang folgend, immer weiter nach oben. Etwas verfolgte mich. Oder verfolgte mich… jemand? Ich wagte es nicht, mich umzublicken, wußte aber, daß man mir dicht auf den Fersen war. Mein Atem ging rasselnd, doch ich hetzte die Metallstufen weiter nach oben. Immer wieder wischten mir tiefhängende Spinnweben durch das erhitzte Gesicht. Angewidert duckte ich mich. Von meiner Umgebung konnte ich so gut wie nichts erkennen. Die einzigen Lichtquellen waren die winzigen Fenster im Mauerwerk, die mich an die Schießscharten einer alten Festung erinnerten. Befand ich mich in einer mittelalterlichen Festung? Ich hatte keine Ahnung, wo ich war und wie ich hierher gelangt war. Immer wieder passierte ich eines dieser kleinen Fenster, durch die das fahle Mondlicht ins Innere des alten Gebäudes drang und die Szenerie noch bizarrer, noch unwirklicher erscheinen ließ. Auch zwischen Mauerwerk und den hölzernen Fensterrahmen hingen dicke Spinnweben und lag eine zentimeterdicke Staubschicht auf dem Sims. Weiter, schrie alles in mir. Mein Herz schien in meiner Brust zu explodieren, und auf der Stirn stand mir der kalte Schweiß. Meine Hand umklammerte das ebenfalls eiserne Geländer, als wolle sie den sicheren Halt niemals aufgeben. Weiß traten die Knöchel unter der Haut hervor. Ich atmete tief durch und stürmte weiter, die nicht enden wollenden Stufen hinauf. Meine nackten Füße erzeugten auf den Treppen ein rhythmisches platsch, platsch.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Wie von Furien gehetzt rannte ich die eisernen Stufen empor. Meine rechte Hand umklammerte das Geländer und zog mich, einem inneren Zwang folgend, immer weiter nach oben. Hinauf ins Unbekannte…
Etwas verfolgte mich.
Oder verfolgte mich… jemand?
Ich wagte es nicht, mich umzublicken, wußte aber, daß man mir dicht auf den Fersen war. Mein Atem ging rasselnd, doch ich hetzte die Metallstufen weiter nach oben. Immer wieder wischten mir tiefhängende Spinnweben durch das erhitzte Gesicht. Angewidert duckte ich mich. Von meiner Umgebung konnte ich so gut wie nichts erkennen. Die einzigen Lichtquellen waren die winzigen Fenster im Mauerwerk, die mich an die Schießscharten einer alten Festung erinnerten.
Befand ich mich in einer mittelalterlichen Festung?
Ich hatte keine Ahnung, wo ich war und wie ich hierher gelangt war. Immer wieder passierte ich eines dieser kleinen Fenster, durch die das fahle Mondlicht ins Innere des alten Gebäudes drang und die Szenerie noch bizarrer, noch unwirklicher erscheinen ließ. Auch zwischen Mauerwerk und den hölzernen Fensterrahmen hingen dicke Spinnweben und lag eine zentimeterdicke Staubschicht auf dem Sims.
Weiter, schrie alles in mir. Lauf weiter, Lara…
Mein Herz schien in meiner Brust zu explodieren, und auf der Stirn stand mir der kalte Schweiß. Meine Hand umklammerte das ebenfalls eiserne Geländer, als wolle sie den sicheren Halt niemals aufgeben. Weiß traten die Knöchel unter der Haut hervor. Ich atmete tief durch und stürmte weiter, die nicht enden wollenden Stufen hinauf. Meine nackten Füße erzeugten auf den Treppen ein rhythmisches platsch, platsch. Und wäre diese Szene nicht so beklemmend gewesen, hätte ich über dieses Geräusch vielleicht sogar gelacht. Doch augenblicklich war mir das Lachen vergangen. Eine unerklärliche Panik hatte mich ergriffen. Es war, als wäre ich nicht mehr Herrin über meinen Körper. Immer höher erklomm ich die geheimnisvolle Treppe.
Plötzlich erkannte ich links von mir eine Bewegung. Ein Schatten, der sich urplötzlich vor das Mondlicht eines der kleinen Fenster schob und den Raum zusätzlich verdunkelte. Ruckartig wandte ich den Kopf im Laufen nach links und erstarrte.
Im Fenster neben mir sah ich ein Gesicht. Ein Mann, der mich mit völlig regungsloser Miene anstarrte. Volle Lippen, ein markantes Kinn und eine gerade Nase. Eigentlich ein attraktives Gesicht, doch etwas Unheimliches, etwas Bedrohliches ging von dem Fremden aus. Die dunklen Haare hatte er streng gescheitelt, sein Blick war stechend. Die Haut wirkte irgendwie wächsern, was aber auch am gespenstischen Licht des Mondes liegen konnte. Wie, um Himmels willen, war er hier hinaufgekommen? Ich nahm mir weder die Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, noch, sein Alter zu schätzen. Sein Kopf schien einfach vor dem Fenster im Nichts zu schweben und mich anzustarren. Jetzt verzog sich seine Miene zu einem hämischen Lachen. Es war eine schreckliche Grimasse, die mich da anstarrte. Ich wollte schreien, doch ein dicker Kloß saß in meiner Kehle. Kein Laut kam über meine Lippen. Wie gebannt starrte ich den Unheimlichen an. Maskengleich wirkte sein Antlitz, und dennoch glaubte ich zu spüren, wie sein Blick meinen Bewegungen zu folgen schien.
Alles in mir schrie auf vor Entsetzen. Als ich einen Schritt nach vorn machte, trat ich buchstäblich ins Nichts. Bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, verlor ich das Gleichgewicht. Ich ruderte mit den Armen, versuchte, das Geländer zu erreichen, doch da war nichts mehr. Lichtblitze explodierten vor meinen Augen, mein Herzschlag schien einen Moment lang auszusetzen, als ich ins Bodenlose stürzte. Dann endlich löste sich ein spitzer Schrei aus meiner Kehle…
*
Als ich erwachte, malte sich die Zimmerdecke als graues Rechteck vom Dunkel des restlichen Zimmers über mir ab. Schweißgebadet richtete ich mich im völlig verwühlten Bett auf. Die Gedankten rasten durch meinen Kopf, und nur langsam registrierte ich, daß das eben Erlebte nur ein Traum gewesen war. Es war so wie oft, wenn man gerade erst eingeschlafen ist. Der tiefe Fall ins Bodenlose, der Moment, wo sich der Körper unkontrolliert im Schlaf aufbäumt und man glaubt, in die Tiefe zu stürzen. Für dieses Phänomen gab es sogar eine medizinische Erklärung: Das Gehirn befand sich bereits im Tiefschlaf, während die Muskulatur noch aktiv war. Daher stammte das bekannte Muskelzucken im Schlaf, bei dem der Schlafende träumt und plötzlich ins Leere zu stürzen glaubt. Ich selber hatte das schon tausendmal erlebt, und dennoch war es diesmal anders gewesen. Alles war so realistisch gewesen, so, als wäre ich wirklich die eisernen Stufen in dem unheimlichen Gemäuer hinaufgelaufen, um dann plötzlich zu stürzen. Und noch etwas… dieses Gesicht am Fenster. Wer war diese unheimliche Gestalt? Mit zitternden Fingern tastete ich nach dem Schalter der Nachttischlampe und rutschte zur Bettkante vor. Der gelbliche Lichtkegel der kleinen Lampe erhellte mein Schlafzimmer nicht wirklich – vielmehr warf er lange, unheimliche Schatten auf das gesamte Mobiliar. Ein Schauer rann meinen Rücken herunter. Es dauerte einige Minuten, bis ich begriff, daß ich in Sicherheit war. Ich befand mich in meiner kleinen Wohnung, mitten in London. Nicht in einem unheimlichen Gemäuer, in dem ich eiserne Stufen nach oben gehetzt war, um dann ins Nichts zu stürzen. Wie kam ich nur auf einen solchen Blödsinn? Nachdenklich schüttelte ich den Kopf und versuchte vergeblich, das soeben Geträumte aus meiner Erinnerung zu streichen. Ich spürte einen pelzigen Geschmack auf der Zunge und beschloß, in der Küche ein Glas Milch zu trinken. Mit einer hastigen Bewegung stieß ich die Bettdecke fort und kletterte aus dem Bett. Barfuß tappte ich durch den dunklen Flur und erreichte die Küche. Aus einem mir unerfindlichen Grunde verzichtete ich darauf, das Licht einzuschalten. Den Kühlschrank fand ich auch im Dunkeln. Ich nahm mir kein Glas, sondern führte die Milchflasche direkt an die Lippen und trank hastig. Mühsam nur verblaßte die Erinnerung an meinen Alptraum. »Lara Myles, langsam wirst du wunderlich«, murmelte ich und wischte mir den Milchbart mit dem Handrücken von den Lippen. Ich erschrak über den heiseren Klang meiner Stimme. Aber die letzten Wochen waren auch nicht gerade leicht gewesen für mich. Ich, eine junge Schriftstellerin, die bei einem bekannten Verlag unter Vertrag stand, stand vor dem Abschluß eines neuen Romans. Das Problem bestand darin, daß der Abgabetermin für das neue Buch immer näher rückte. Dann hatte mich Dwain, mein langjähriger Freund, verlassen, weil er sich in seine junge Kollegin verliebt hatte. Von einem Moment zum anderen hatte er mir den Laufpaß gegeben. Noch am gleichen Tag habe ich ihn aus unserer gemeinsamen Wohnung geworfen. Ich hatte mich gefragt, was für einen Menschen ich da über vier Jahre lang geliebt hatte. Der Trennungsschmerz saß tief und hatte mir ein Loch in mein Herz gebrannt. Prompt hatte ich fortan unter dem berüchtigten »Writer’s Block«, der Schreibblockade, gelitten und nichts Vernünftiges mehr zu Papier gebracht. Es mußte endlich etwas passieren, sonst sah ich schwarz für meinen Abgabetermin. Ich hatte fast fünf Kilo abgenommen und war nur noch selten mit Freunden unterwegs, um das Nachtleben Londons in vollen Zügen zu genießen, so, wie ich es früher immer mit Dwain getan hatte. Ein Bleigürtel legte sich um meine Brust, als ich an meinen Exfreund dachte. Eine Mischung aus Wut und bodenloser Enttäuschung nahm Besitz von mir, und sekundenlang hatte mich die Erinnerung an Dwain sogar meinen schrecklichen Alptraum vergessen lassen. Dann war die Erinnerung an den Traum wieder da und streckte ihre eiskalten Klauen nach mir aus. Mich fröstelte. Ein Schauer rann meinen Rücken herunter. In welchem Gebäude hatte ich mich nur befunden? Ich entsann mich an eine eiserne Wendeltreppe, die steil in die Höhe geführt hatte. Winzige Fenster hatten den Weg nach oben gesäumt. Vermutlich hatte es sich um einen mächtigen, alten Turm gehandelt, durch den ich in meinem Alptraum gehetzt war. Ich schüttelte den Kopf. Wie kam ich nur an solche Phantasien? Vermutlich war ich völlig überreizt. »Du mußt dich über solche Träume gar nicht wundern, Lara Myles«, versuchte ich mich zu belehren. »Es wird Zeit, nach vorn zu blicken.« Doch anstatt mir selber Mut zu machen, dachte ich an das Gespräch mit Mr. Petterson, dem Verlagsleiter, am nächsten Tag. Ich hatte keine Ahnung, warum er mit mir reden wollte, als mich seine Einladung erreicht hatte. Diese Dinge schwirrten mir im Kopf herum, als ich die Milchflasche zurück in den Kühlschrank stellte und mich zurück ins Schlafzimmer begab. Morgen würde ein anstrengender Tag werden, und ich wollte fit und ausgeschlafen sein, wenn ich Mr. Petterson traf. Einem inneren Impuls folgend, trat ich ans Schlafzimmerfenster und zog die Vorhänge einen Spalt zurück. Die regennasse Straße lag verlassen da. Soeben bog tuckernd eines der berühmten schwarzen London-Taxis um die Straßenecke. Wie die glühenden Augen eines Ungeheuers verschwanden die roten Rücklichter in der Nacht. Auf den Dächern der geparkten Autos perlte sich der Regen und wurde tausendfach vom diffusen Schein der Straßenlaternen reflektiert. Als ich mich beruhigt zurückziehen wollte, stockte mein Atem: Eine hochgewachsene Gestalt schälte sich aus dem Schatten eines alten Ahornbaumes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Mann trug einen schwarzen Hut, dessen Krempe einen breiten Schatten auf sein Gesicht warf. Der lange, ebenfalls schwarze Mantel erinnerte mich eher an einen Umhang, vielleicht auch deshalb, weil er den Kragen hochgeschlagen hatte.
Unwillkürlich wich ich vom Fenster zurück und suchte Deckung hinter den Gardinen. Vorsichtig spähte ich nach unten. Ich war sicher, daß diese düstere Gestalt nichts Gutes im Schilde führte. Vielleicht handelte es sich um einen Einbrecher, der im Begriff war, in eines der umliegenden Häuser einzusteigen. Sollte ich die Polizei rufen? Ich beschloß, noch einen Augenblick lang zu warten und zu beobachten, was unten geschah. Regungslos stand der Mann unter den weit ausladenden Ästen des Ahornbaumes. Die großen Blätter boten ihm zusätzlichen Schutz vor ungebetenen Zuschauern. Doch ich hatte ihn längst entdeckt und nahm mir jetzt doch vor, die Polizei zu alarmieren. Vorsichtig zog ich die Gardine wieder ein Stück zur Seite, um zu sehen, was der Unheimliche tun würde. Mein Herzschlag schien einen Moment lang auszusetzen. Der Mann war nun mitten auf die Straße getreten und blickte ungeniert zu meinem Fenster hinauf. Ja, er hatte den Kopf in den Nacken gedrückt und sah direkt zu mir auf. Jetzt konnte ich auch sein Gesicht erkennen. Mir wurde heiß und kalt, und das Grauen packte mich. Vor Schreck preßte ich die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien: Dort unten auf der Straße stand der Mann, dessen Gesicht mir bereits in meinem Alptraum begegnet war!
*
Erschrocken wandte ich mich vom Fenster ab. Wie war das möglich? Spielte meine Phantasie mir einen gruseligen Streich? Das konnte unmöglich die Wirklichkeit sein. Ich zwickte mir in den Unterarm und stellte beinahe enttäuscht fest, nicht zu träumen. Die Gedanken schlugen Purzelbäume in meinem Kopf. Verfolgte mich der Unheimliche?
War es möglich, daß er mir aus meinem Traum hierher in die Wirklichkeit gefolgt war? Man hörte viele Geschichten über die Traumwelt, und sogar namhafte Parapsychologen stritten sich über derartige Phänomene. Nein, ich durfte jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen. Vermutlich sah er dem Unheimlichen aus dem Traum nur ähnlich. »Immer ruhig bleiben, Lara«, mahnte ich mich selbst. Ich war offensichtlich wirklich überreizt. Meine Nerven spielten mir einen Streich; ich fühlte mich schwach und ausgebrannt. Vielleicht brauchte ich einfach mal Urlaub. Aber daran war nicht zu denken, denn immerhin hatte ich den Abgabetermin für das Manuskript im Nacken. Wer also war der geheimnisvolle Mann, der mich scheinbar mehr beschäftigte, als mir lieb sein konnte?
Ich nahm all meinen Mut zusammen und spähte noch einmal durch den Spalt der Gardinen nach unten. Die Straße lag menschenleer und verlassen da. Keine Spur mehr von dem Unheimlichen. Der Mann aus meinem Traum war wie vom Erdboden verschwunden!
Jetzt kamen Zweifel in mir auf. Hatte ich das alles nur geträumt? Unruhig marschierte ich durch die spärlich beleuchtete Wohnung und stand schließlich vor meinem Bücherregal im Livingroom. Unschlüssig stand ich davor und spielte mit dem Gedanken, ein wenig zu lesen. Ich liebte Bücher, liebte es, dem Alltag für kurze Zeit Adieu zu sagen, wenn ich in der Handlung eines Buches versank. Doch augenblicklich stand mir nicht der Sinn nach Lesen. Immer wieder dachte ich an den Unheimlichen vor meinem Schlafzimmerfenster. Sollte ich noch einmal nach ihm sehen? Nein, lieber nicht. Wieder wanderte ich eine Runde durch die Wohnung. Ich landete in der Küche und trank noch ein Glas Milch. Wie war es dem Unheimlichen gelungen, von meinem Traum in die Wirklichkeit zu kommen? Oder hatte es sich nur um einen Mann gehandelt, der rein zufällig Ähnlichkeit mit dem Unbekannten aus meinem Traum gehabt hatte? Vermutlich war ich einfach übernächtigt. Ich landete in meinem kleinen Arbeitszimmer mit Blick auf den dunklen Hinterhof. Die Schatten dort schienen zu einer schwarzen Masse zu verschmelzen. Ich sah die Mülltonnen und einige Fahrräder, die die Nachbarn im Hof abgestellt hatten. Kein schöner Anblick, aber nachts waren alle Katzen grau. Fröstelnd wandte ich mich ab und ließ mich hinter dem Schreibtisch nieder. Ich schaltete die kleine Schreibtischlampe ein, klappte den Laptop auf, scrollte mich durch mein Romanmanuskript, ersetzte hier und da eine Passage, kam aber nicht wirklich weiter. Barfuß durchquerte ich noch einmal die Wohnung und versicherte mich, daß ich die Wohnungstür auch wirklich abgeschlossen hatte. Ja, auch die massive Eisenkette lag vor. Ungebetene Besucher hatten keine Chance. Zurück im Wohnzimmer schaltete ich den Fernseher ein und ließ mich auf die Couch sinken. Um diese Uhrzeit lief nichts, was mich wirklich interessierte. Mit der Fernbedienung zappte ich seufzend durch die Kanäle, ohne jedoch eine Sendung oder einen Film zu finden, der mich auch nur halbwegs interessierte. Was war nur los mit mir?
Lag das alles noch an der Trennung von Dwain? Hinderte er mich daran, einen klaren Gedanken zu fassen, und lag es auch an ihm, daß mich schreckliche Alpträume plagten, die mich bis in die Wirklichkeit verfolgten? Mein Blick glitt ins Leere. Das Atmen fiel mir schwer. In meiner Kehle hatte sich ein schwerer Kloß gebildet, als ich an meinen Exfreund dachte und an den Abend, als er mir gestanden hatte, sich in eine andere Frau verliebt zu haben. Wut keimte in mir auf. So etwas sollte mir nie wieder im Leben passieren!
Völlig erschöpft sank ich auf dem Sofa zusammen und legte den Kopf in die verschränkten Arme. Tränen traten in meine Augen, und schon bald schmeckte ich den salzigen Geschmack meiner Tränen, die über mein Gesicht liefen. Ich fühlte mich so leer und ausgebrannt, von Gott und der Welt verlassen. Die Einsamkeit griff mit eiskalten Klauen nach mir. Ich zog die Beine an. Es dauerte nicht lange, und ich war völlig erschöpft vor dem noch laufenden Fernseher eingenickt. Irgendwann mitten in der Nacht wachte ich auf, weil ich ein Geräusch gehört hatte. Mein Herz klopfte mir bis zum Halse. Als ich die Augen aufschlug, lief der Fernseher noch immer. Ich blickte mich im Zimmer um. Als ich nichts Auffälliges feststellen konnte, erhob ich mich und drehte eine Runde durch die Wohnung. Wer weiß, was mich geweckt hatte. Meine Nerven schienen mir schon einen Streich zu spielen.
Ich betrat das Schlafzimmer, warf einen letzten Blick durch das Fenster auf die Straße, die verlassen da lag, und krabbelte ins Bett zurück. Die Decke war inzwischen abgekühlt. Ich kuschelte mich fest in die Daunen und versuchte, an etwas Schönes zu denken. Irgendwo hatte ich einmal gehört, daß es half, wenn man nicht einschlafen konnte. Ich träumte mich an einem wunderschönen Sommertag ans Meer. Barfuß lief ich über den Strand und genoß die würzige Seeluft. Mit einem Lächeln auf den Lippen war ich nur wenige Minuten später eingeschlafen.
*
