Jared King - der Unternehmer - Emma Darcy - E-Book

Jared King - der Unternehmer E-Book

Emma Darcy

2,2
2,99 €

Beschreibung

Seit dem Tag, an dem die Schmuckdesignerin Christabel in seiner Perlenfirma angefangen hat, versucht der Jared, das Herz der jungen Mutter zu erobern. Doch sie weist ihn zurück. Hat es was mit den drei Männern zu tun, die plötzlich in der kleinen Küstenstadt Broome aufgetaucht sind? Kurzerhand entführt Jared King sie auf den Familiensitz King's Eden. Wird Christabel ihm hier sagen, wovor sie so große Angst hat?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 196

Bewertungen
2,2 (18 Bewertungen)
0
3
2
8
5



Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

EMMA DARCY

DIE SÖHNE DER KINGS

JARED KING - DER UNTERNEHMER

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright © 2012 by MIRA Taschenbuch in der Harlequin Enterprises GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

The Pleasure King’s Bride

Copyright 2000 © by Emma Darcy

erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd, Toronto

Published by arrangement with

Harlequin Enterprises II B.V., Amsterdam

Konzeption/Reihengestaltung: fredeboldpartner.network, Köln

Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln

Titelabbildung: Corbis GmbH, Düsseldorf

Autorenfoto: © by Harlequin Enterprise S.A., Schweiz

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN eBook 978-3-95576-022-9

www.mira-taschenbuch.de

Werden Sie Fan von MIRA Taschenbuch auf Facebook!

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

1. KAPITEL

Ein Mann im Anzug!

Niemand in Broome trug einen Anzug, schon gar nicht an einem Sonntagnachmittag.

Von kalter Angst gepackt, richtete Christabel sich in dem hüfttiefen Wasser auf, wo sie geschwommen war. Sie brauchte einen besseren Blick auf den Mann, der soeben den Park oberhalb des Strandes durchquerte … in einem Anzug!

War er einer von ihnen? Hatten sie sie aufgespürt?

Bevor sie ihn genauer sehen konnte, war er hinter dem Block mit den öffentlichen Einrichtungen verschwunden. Christabel wartete angespannt. Ihr Herz pochte wie wild angesichts der Möglichkeit, dass man sie trotz all ihrer Vorsichtsmaßnahmen gefunden haben könnte.

Seit sechs Monaten war sie jetzt hier … vielleicht schon zu lang. Jedenfalls lang genug, dass sie angefangen hatte, sich sicher zu fühlen … was immer ein Fehler war. Wie dumm von ihr, sich vor ihnen sicher zu fühlen, wo für diese Leute so viel auf dem Spiel stand! Obwohl sie eine echte Chance darin gesehen hatte – so weit weg von allem, was für diese Leute wichtig war, gestrandet in einem Außenposten der Zivilisation an der Küste des gewaltigen australischen Outbacks.

Broome – eine bunt zusammengewürfelte, multikulturelle Gemeinde, die um die Perlenindustrie gewachsen war, als die Menschen hier noch nach Perlen tauchten und an der Taucherkrankheit starben – lag am anderen Ende der Welt, weit weg von den Finanzhaien in Europa. Seine Geschichte und tropische Lage, weit oben an der Westküste der Kimberleys, zog Touristen an, aber niemand trug hier einen Anzug, weder die Einheimischen noch die Besucher. Allein schon die Hitze hier erforderte eine möglichst leichte Bekleidung.

Da war er wieder. Christabel erhaschte einen Blick auf den Mann, als er das offene Gelände zwischen den Einrichtungen und dem Café überquerte. Er hatte das Gesicht zum Parkplatz gewandt, sodass Christabel ihn nicht erkennen konnte, aber sein Anzug verriet ihr genug.

Dies war jemand, der auf das tropische Klima hier nicht vorbereitet war. Jemand, der es zu eilig gehabt hatte, um sich umzuziehen. Jemand, der zielstrebig auf den Wohnwagenpark zuhielt, der an den Strand grenzte.

Und Alicia war gerade zum Wohnwagen zurückgegangen, um einige Dosen mit kühlen Getränken zu holen!

Von Panik getrieben, watete Christabel an Land, rannte über den feuchten Sand, bis sie die felsigen Ausläufer erreichte, die zu dem Campingplatz hinaufführten.

Er war einer von ihnen, war gekommen, um Alicia zu holen und sie in jenes andere Leben zurückzubringen … Nein!

Wild entschlossen sprang Christabel von Fels zu Fels, entschlossen, um ihre Tochter zu kämpfen, entschlossen, sie vor diesem Albtraum von einem Leben zu bewahren, das diese Männer für sie vorsehen würden. Sie würde nicht zulassen, dass man Alicia nach Europa zurückbringen würde. Niemals! Ihre Tochter war hier sicher. Wenn man sie beide doch nur in Ruhe lassen und ihnen einfach erlauben würde, ein ganz normales Leben zu führen!

Christabel hatte den grasbewachsenen Rand des Wohnwagenparks erreicht und rannte mit klopfendem Herzen weiter. Ihr langes, feuchtes Haar peitschte ihr ins Gesicht. Leute aus benachbarten Wohnwagen riefen sie überrascht an, um den Grund für ihre auffällige Hast zu erfahren. Doch Christabel blieb nicht stehen, um zu antworten. Zuerst musste sie zu Alicia gelangen, bevor der Mann im Anzug sie finden würde. Wusste er, wo er suchen musste, in welchem Wohnwagen sie lebten? Sie konnte ihn nicht entdecken, aber er musste hier irgendwo sein.

Jetzt hatte sie es fast geschafft. Ein letzter Spurt, Christabel sprang über Zeltleinen und Heringe, bog um die Ecke ihres Wohnwagens … und blieb wie angewurzelt stehen.

Er war da, der Mann im Anzug, und sprach mit ihrer Tochter. Aber er war nicht einer von ihnen.

Es war Jared, ihr Arbeitgeber in Broome. Jared King, der aber auch gar nichts mit denen zu tun hatte! Und wenn Christabel ehrlich war, war er der Hauptgrund, warum sie hiergeblieben war, länger, als es vielleicht klug gewesen war.

“Stimmt etwas nicht?”, fragte er, als er ihre Erregung bemerkte.

Christabel lehnte sich erleichtert an den Wohnwagen, presste eine Hand auf ihr wild pochendes Herz und fuhr sich mit der anderen durch das zerzauste schwarze Haar, das ihr in feucht schimmernden Kaskaden bis zur Taille reichte. Es war ihr peinlich, dass Jared sie so sah – ungeschminkt und ungekämmt, nur mit einem Badeanzug bekleidet und innerlich zu aufgewühlt, um ihre Gefühle zu verbergen.

“Warum bist du so gerannt, Mummy?”

Christabel atmete tief ein und rang sich für ihre fünfjährige Tochter ein Lächeln ab, das hoffentlich beruhigend wirkte. “Ich dachte, du hättest dich verlaufen.”

Alicia winkte empört ab. “Ich bin doch kein Baby!”

Das war ihre Tochter, ein reizendes, aufgewecktes Mädchen, das zarte Gesicht von braunen Locken umrahmt. In den großen goldbraunen Augen war keine Spur von Furcht, und Christabel war wieder einmal überrascht und dankbar, welch ein Selbstbewusstsein Alicia entwickelt hatte, seit sie hier in dem Wohnwagenpark in Broome lebten.

“Du warst schon so lange fort, und ich war halb verdurstet”, sagte Christabel nun besänftigend. Ihr war nicht entgangen, dass Jared sie forschend beobachtete, und sie wünschte sich, sie hätte ihre Angst nicht so offen gezeigt. Er war beunruhigend scharfsinnig, und sie konnte es sich einfach nicht leisten, zu viel von sich zu verraten. Sobald bekannt werden würde, wer sie, wer ihre Tochter war, würde sich alles für sie verändern.

“Ich habe alles, siehst du?” Alicia hielt ein Netz mit einigen gekühlten Getränkedosen hoch. “Und ich war schon auf dem Weg zurück …”

“Ich muss mich wohl dafür entschuldigen, dass ich sie aufgehalten habe”, mischte sich Jared nun ein und hielt eine geöffnete Getränkedose hoch. “Alicia war so freundlich, mir auch etwas zu trinken zu holen.”

“Warum tragen Sie einen Anzug?” Die vorwurfsvolle Frage war heraus, ehe Christabel sich besann.

Das trug ihr einen erneuten kritischen Blick von Jared ein, noch nachdenklicher als der zuvor. Tatsächlich hatte Jared sich das Jackett inzwischen lose über eine Schulter gehängt, die Krawatte gelockert und die Hemdsärmel aufgekrempelt. Eine starke männliche Ausstrahlung ging von ihm aus, die allen drei King-Brüdern eigen schien und die Christabel wiederum ihre eigene Weiblichkeit umso bewusster machte.

“Ich meine, bei der Hitze”, fügte sie rasch hinzu, “ist es doch verrückt, so herumzulaufen. Kein Wunder, dass Sie durstig sind.”

Er lächelte ein wenig spöttisch. “Ich muss zugeben, dass ich auch lieber Badekleidung tragen würde.” Während er das sagte, ließ er den Blick bewundernd über sie gleiten.

Es war kein anzüglicher Blick. Jared King war nicht der Typ dazu. Aber Christabel spürte, dass er es genoss, sie so zu sehen … bekleidet mit nur einem glänzenden gelben Badeanzug, der noch feucht war vom Schwimmen und sich eng an die reizvollen Rundungen ihrer schlanken Figur schmiegte. Und Jareds offensichtliche Freude daran rief in ihr, wie so oft, ein beunruhigendes Gefühlschaos hervor. Ein Schauer der Erregung jagte ihr über den Rücken, ihre Brustspitzen wurden hart. Wenn er nur nicht so attraktiv wäre, in so vielfältiger Hinsicht so unwiderstehlich für sie!

“Ehrlich gesagt, ich komme gerade vom Flughafen und war auf dem Weg nach Hause”, fuhr er fort.

Natürlich! Er sollte ja heute von einer Geschäftsreise aus Hongkong zurückkommen. Sie hatte den Anzug nur einfach nicht mit Jared in Verbindung gebracht. Aber bei seinen geschäftlichen Verhandlungen mit den Chinesen hatte er natürlich einen getragen, um in jeder Hinsicht Autorität zu vermitteln. “Perlenkönig” nannte man ihn gemeinhin, weil er das Perlenimperium seiner Familie leitete, aber Christabel hatte ihn insgeheim “König der Sinnenlust” getauft. Aus seinen braunen Augen sprach etwas so Warmes, Zärtliches, Sinnliches.

“Dann fiel mir ein, dass meine Mutter gar nicht da ist …”

Seine Mutter … Elizabeth King. Eine intelligente Frau mit einem scharfen Urteilsvermögen und einer Lebenserfahrung, die Christabel als beständige Gefahr für sich betrachtete.

“Es wäre also niemand da, mit dem ich reden und in dessen Gesellschaft ich mich entspannen könnte …”

Das klang, als fühlte er sich einsam. Aber ein Mann wie Jared King musste nicht einsam sein. Wollte er vielleicht nur auf eine Gemeinsamkeit mit ihr und ihrer vermuteten Einsamkeit anspielen?

“Also habe ich mich gefragt, ob Sie mir vielleicht beim Abendessen Gesellschaft leisten und gern etwas darüber hören würden, wie Ihre Entwürfe, die ich nach Hongkong mitgenommen habe, angekommen sind?” Sein Lächeln war gewinnend, aber seine Augen leuchteten herausfordernd. Da sie sich bislang beharrlich geweigert hatte, sich außerhalb des rein Geschäftlichen mit ihm zu verabreden, probierte er jetzt diese Taktik … und war gespannt auf ihre Reaktion.

“Hat mein Schmuck den Chinesen gefallen?”, fragte Christabel, unfähig, ihre Neugier zu bezwingen, denn sie war sehr stolz auf ihre Entwürfe, bei denen Jared ihr freie Hand gelassen hatte.

“Abendessen?”

Die Versuchung war groß. Wie konnte ein Mann nur so attraktiv und sexy sein? Jared war groß und schlank und hatte dichtes, fast schwarzes Haar, das ihm in einer sanften Welle in die hohe Stirn fiel. Während seine markanten Gesichtszüge Spiegelbild seiner Entschlossenheit und Zielstrebigkeit waren, verrieten sein schöner Mund und die warmen dunkelbraunen Augen die sinnliche Seite seines Wesens. Und der Blick dieser Augen ruhte jetzt verheißungsvoll auf Christabel.

Sie atmete tief ein und wünschte sich, sie hätte dem Verlangen, das er in ihr weckte, nachgeben können. “Sicher werden Sie mir morgen in der Firma alles berichten”, sagte sie ausdruckslos.

“Ich hatte auf einen angenehmen gemeinsamen Abend gehofft.”

Mehr denn je war sie versucht, sein Angebot anzunehmen. Aber er würde zu viel von ihr wollen. Jared King war nicht der Mann, der sich mit weniger zufriedengab, als er anstrebte. Hinter seiner ruhigen, liebenswürdigen Art verbarg sich ein eiserner Wille.

“Vikki Chan kocht zur Feier meiner Rückkehr immer etwas ganz Besonderes”, fügte er jetzt schmeichelnd hinzu, womit er ihr beiläufig zu verstehen gab, dass seine chinesische Haushälterin – sozusagen als Anstandsdame – im Haus sein würde. “Es wird Ihnen bestimmt schmecken. Vikkis gedünsteter Fisch ist ein Gedicht!”

Das Essen war nicht das Problem, wie er genau wusste.

“Ich mag chinesisches Essen”, rief Alicia dazwischen.

Jared wandte sich ihr sofort mit einem gewinnenden Lächeln zu. “Und was ist dein Lieblingsgericht?”

“Krabben in Honig”, lautete die prompte Antwort.

“Sehr köstlich”, pflichtete Jared ihr lächelnd bei. “Ich bin sicher, Vikki würde sie für dich zubereiten, wenn deine Mutter dich heute Abend zum Essen mitbringen würde.”

Ihre Tochter direkt in seine Einladung mit einzubeziehen war ein unerwarteter Tiefschlag. Bislang hatte er das noch nie getan, und Christabel kochte innerlich vor Wut über diesen unfairen Trick. Beide wandten sich ihr nun erwartungsvoll zu.

“Oh bitte, Mummy, können wir hingehen?”, fragte Alicia in argloser Vorfreude.

“Ich glaube nicht”, antwortete Christabel schroff.

“Warum nicht?”, fragte ihre Tochter verblüfft.

“Ja … warum nicht?”, wiederholte Jared freundlich.

Christabel sah ihn ärgerlich an, weil er sie in dieses Dilemma gebracht hatte. “Alicia isst immer sehr früh und geht um acht Uhr ins Bett.”

“Kein Problem.” Jared blickte auf die Uhr. “Es ist jetzt kurz vor fünf. Wenn Sie um sechs Uhr zu mir kommen …”

“Hören Sie auf, Jared!”, stieß sie hervor.

Er sah sie erneut an, und diesmal sprach aus seinem Blick der glühende Wunsch, alle Barrieren niederzureißen, die sie zwischen ihnen errichtet hatte. Jared gab sich keine Mühe mehr zu verbergen, dass er sie genauso begehrte wie sie ihn. “Manche Dinge lassen sich nicht aufhalten, Christabel”, sagte er ruhig.

Und auf diese unbestrittene Wahrheit wusste sie nichts zu antworten. Angespannt versuchte sie, die Gefühle, die er in ihr wachrief, niederzukämpfen. Sie wollte diesen Mann, wollte ihn so sehr, dass sie glaubte, in zwei Stücke gerissen zu werden. Denn ihre Vernunft sagte ihr, dass eine enge Beziehung mit Jared unweigerlich dazu führen würde, dass er und Alicia eine gefühlsmäßige Bindung zueinander entwickeln würden. Und das würden die Finanzhaie auf lange Sicht nicht zulassen, sodass es nur in Schmerz und Unglück enden konnte.

Jared machte eine einladende Geste mit seinen schönen, schlanken Händen. “Die Wahl liegt natürlich ganz allein bei Ihnen.”

Wie würde es wohl sein, von diesen Händen gestreichelt zu werden und sich geliebt und umsorgt zu fühlen? Ein heißes Verlangen durchzuckte sie, dies zu erfahren … vom “König der Sinnenlust” geliebt zu werden und ihn – wenigstens für kurze Zeit – ganz für sich zu haben. Ihr pochendes Herz drängte sie, ihre ganz eigene Wahl zu treffen – eine Wahl, die all die anderen Faktoren ausschloss, die nun schon so viele Jahre ihr Leben bestimmt hatten.

“Ich würde so gern hingehen, Mummy!”

Und warum nicht?, dachte Christabel plötzlich, während sie ihre kleine Tochter liebevoll betrachtete. Warum sollte sich Alicia nicht an der Gesellschaft eines Mannes erfreuen, der sie nicht als Pfand in einem monströsen Spiel um Geld, Gier und Macht betrachtete? Es würde ihrem Leben hier in Broome etwas Normalität verleihen. Warum also nicht?

“Schön, einverstanden”, sagte sie entschlossen und bot den bösen Geistern trotzig die Stirn.

Alicia klatschte vergnügt in die Hände und strahlte Jared an. “Krabben in Honig”, erinnerte sie ihn.

Er lachte, sichtlich befreit. “Ich habe noch nie ein Versprechen gebrochen. Du wirst die Krabben bekommen.”

“Und Eiscreme mit Schokoladensplittern?”

“Alicia!”, mahnte Christabel tadelnd.

“Ich hab ja nur gefragt”, verteidigte sich die Kleine rasch.

“Du weißt, das ist schlechtes Benehmen.”

Ihre Tochter seufzte betrübt. “Tschuldigung.”

Auch Christabel seufzte, denn sie hatte Angst, spontan etwas ganz Verrücktes zu tun, das sie unweigerlich bereuen würde. Als sie aber Jared ansah und das glückliche Leuchten in seinen Augen bemerkte, brachte sie es nicht mehr über sich, an die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu denken. “Halb sieben würde uns besser passen”, sagte sie, denn sie wollte noch Zeit haben, sich die Haare zu föhnen und sich voller Vorfreude auf einen Abend mit einem Mann zurechtzumachen, der nur sie begehrte und nicht ihre Verbindung zu einem geradezu unanständig gewaltigen Vermögen.

“Ist mir recht.” Er lächelte so gewinnend, dass es Christabel ganz warm ums Herz wurde.

“Danke”, sagte sie heiser.

“Es ist mir ein Vergnügen”, antwortete er und zwinkerte Alicia zu. “Mit Schokoladensplittern?”

Sie hob die kleinen Hände. “Oh bitte, ja?”

“Ich besorge welches auf dem Weg nach Hause.”

“Danke!”

Jared winkte ihnen beiden zu und ging langsam davon mit dem Flair eines Mannes, der die ganze Welt erobert hatte und sie nun als sein Eigen betrachtete.

Leider ist es nicht so, dachte Christabel wehmütig. Nur ein kleiner Teil der Welt gehörte Jared King. Sie erinnerte sich daran, wie sie die große Rinderfarm im Outback besucht hatte, die seiner Familie gehörte, ein gewaltiger Landstrich auf der Broome gegenüberliegenden Seite der Kimberleys. “King’s Eden” lautete der bezeichnende Name. Sie, Christabel, war zusammen mit einigen anderen Angestellten des Perlenimperiums zur Hochzeit von Jareds ältestem Bruder Nathan eingeladen gewesen, einem traumhaften, tief beeindruckenden Fest, dem Aborigines mit ihren Didgeridoos eine ganz besondere Atmosphäre verliehen hatten.

Sie war froh gewesen, dass sie die Einladung angenommen und auf diese Weise einen einzigartigen Einblick in die Traditionen des Outback und das uralte Erbe, das unauflöslich mit diesem Land verknüpft war, gewonnen hatte. Dabei ging es nicht um den Reichtum, den dieses Land den Kings gebracht hatte, sondern um das Land selbst. “King’s Eden”.

Würde sie, Christabel, sich als Schlange in Jareds Garten Eden erweisen?

Früher oder später würden sie kommen, die mächtigen Männer in Anzügen. Und sie würden die Normalität des Lebens zerstören, das sie sich hier aufgebaut hatte, und alle Beziehungen unterbinden, die sie zu anderen Menschen geknüpft hatte. Christabel erschauderte. “Manche Dinge lassen sich nicht aufhalten.” Das waren Jareds Worte gewesen, aber sie galten nicht nur für ihre gegenseitigen Gefühle. Dennoch, für eine kleine Weile … Trotzig begehrte Christabel gegen das Unvermeidliche auf. Wenigstens für kurze Zeit würde sie haben, was sie sich wünschte. Und Jared ebenso.

Es war auch seine Wahl.

2. KAPITEL

Sie hatte Angst gehabt … weil er einen Anzug trug.

Jared dachte auf der Rückfahrt über diese überraschende Erkenntnis nach. Ein weiteres Stück in dem Puzzle, das er zusammenzusetzen versuchte, seit er Christabel Valdez kennengelernt hatte. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr glaubte er, jetzt das Schlüsselstück gefunden zu haben.

Sie hatte seine unerwartete Aufmachung als Bedrohung empfunden. War der Anzug einfach nur Sinnbild für etwas, das schlechte Erinnerungen in ihr wachrief? Oder steckte mehr dahinter … vielleicht die Angst davor, dass jemand, der immer einen Anzug trug, wieder in ihrem Leben auftauchte?

Die zweite Möglichkeit wollte Jared gar nicht gefallen. Allerdings passte sie gut zu der Tatsache, dass Christabel in einem Wohnwagen lebte, der es ihr ermöglichte, von einem Moment auf den anderen umzuziehen, wenn sie es für nötig hielt. Andererseits fanden viele Leute aus ganz harmlosen Gründen Gefallen an der Freiheit eines Nomadenlebens. Nicht jeder wollte an einem Ort Wurzeln schlagen, und er war, was Christabel betraf, auf reine Spekulationen angewiesen.

Im australischen Outback galt es als verpönt, in der Vergangenheit der Menschen herumzuschnüffeln, die hierherkamen, um zu arbeiten. Es gab viele Gründe, sich aus den Ballungszentren der Zivilisation hierher zurückzuziehen. Manchmal war es einfach nur der Wunsch nach einem ganz anderen Leben, das Bedürfnis nach mehr Raum und Freiheit, das Verlangen, etwas völlig anderes zu erleben. In diesen Fällen sprachen die Menschen meist freimütig darüber. Aber es gab auch solche, die schwiegen und das, was sie hinter sich gelassen hatten, offensichtlich vergessen wollten … und hier im Outback respektierte man das als reine Privatsache.

Christabel vermittelte oberflächlich die erste Einstellung, gab aber so wenig von ihrer Vergangenheit preis, dass Jared längst den Schluss gezogen hatte, dass sie die Tür dazu endgültig verschließen wollte. Schwierig für ihn war gewesen, dass sie jeden, ihn eingeschlossen, auf spürbare Distanz hielt, als könnte sie sich nicht überwinden, zu irgendeinem Menschen eine enge, vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, sosehr sie sich das auch wünschen mochte.

Und sie wollte ihn, daran zweifelte er nicht. Heißer Triumph durchzuckte ihn. Endlich hatte er ihren Widerstand gebrochen. Sie hatte nachgegeben. Warum allerdings ausgerechnet heute? Er schüttelte den Kopf. Es war egal.

Vielleicht war es ja die Erkenntnis gewesen, dass ihre Angst … was immer der Grund dafür sein mochte … bei ihm unbegründet war. Wenn es so war, umso besser. Angst sollte keine Rolle in ihrer Beziehung spielen. Er würde das klarstellen, nun, da er die Chance hatte, ihr nahezukommen … nachdem er sich fünf Monate lang vergeblich bemüht hatte, zu ihr vorzudringen.

Christabel … allein beim Gedanken an ihren Namen huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Ein Name, von dem er geglaubt hatte, er würde ihn bis ans Ende seines Lebens verfolgen, begleitet von der Erinnerung an wundervolle Augen, die geheimnisvoll golden funkelten. Eine Frau mit dem Herzen einer Tigerin, hatte er oft gedacht und sich vorgestellt, wie sie schläfrig ausgestreckt auf seinem Bett liegen würde … der Blick dieser faszinierenden Augen einladend auf ihn gerichtet, ihre dunkle Haut wie Samt und Seide schimmernd, das glänzende schwarze Haar wie ein Fächer auf den Kissen ausgebreitet … ein verführerisches, exotisches Geheimnis.

Ein betörender Name, ein betörendes Bild … und die ganze Zeit hatte es den Anschein gehabt, als würde diese Frau sich ihm in der Realität für immer entziehen.

Jetzt nicht mehr. Heute Abend würde sie für ihn greifbar werden. Heute Abend …

Nur mit Mühe gelang es Jared, seine leidenschaftlichen Gefühle zu bezwingen und sich auf ganz praktische Dinge zu konzentrieren. Mit zittrigen Fingern schaltete er sein Autotelefon ein und wählte die Nummer seines Hauses.

“Vikki hier”, meldete sich die melodiöse Stimme seiner alten chinesischen Haushälterin.

“Wir haben Gäste zum Abendessen, Vikki. Christabel Valdez und ihre Tochter.” Es gelang ihm nicht, seine Freude zu verbergen.

“Ah! Sie haben also gewonnen. Ich habe es Ihrer Mutter ja gesagt. ‘Jared wird gewinnen. Der Junge weiß gar nicht, wie man verliert. Er gibt nicht auf, bis er gewinnt.’”

Jared lachte. Vikki Chan gehörte zur Familie, seit er denken konnte. Sie war schon Köchin und Haushälterin bei seinem verwitweten Großvater gewesen und nach Angus Picards Tod auf dem alten Familiensitz der Picards geblieben, um für seine Mutter zu sorgen. Es überraschte Jared nicht im Geringsten, dass sie von seinem Interesse an Christabel wusste. Vikki verfügte über ein ausgedehntes Nachrichtennetz, und Jared hegte den Verdacht, dass sie so ziemlich alles wusste, was in Broome vor sich ging. Überdies vertraute seine Mutter ihr regelmäßig ihre Sorgen an.

“Ich werde jetzt auf dem Weg das Eis besorgen, das ihre Tochter sich gewünscht hat”, informierte er die alte Haushälterin. “Außerdem habe ich Alicia Krabben in Honig versprochen.”

“Kein Problem. Ich werde anrufen und die besten frischen Krabben liefern lassen. Und noch etwas Fisch. Ihre Christabel mag doch Fisch, oder?”

Seine Christabel … Nun, er hoffte es inständig. “Ganz bestimmt. Sie kommen übrigens schon früh. Um halb sieben. Alicia geht um acht ins Bett.”

“Ich werde mich um die Kleine kümmern und ihr ein Schlafzimmer in der Nähe von meinem geben.”

“Aber sie bleiben vielleicht nicht über acht Uhr hinaus, Vikki.” Er durfte nicht zu viel erwarten, auch wenn er es sich noch so sehr wünschte.

“Ich werde es so einrichten, dass Sie Zeit mit ihr allein haben werden, Jared”, lautete die vielsagende Antwort. “Ich kann immer noch sehr gut mit Kindern umgehen, und ich glaube nicht, dass Sie vergessen haben, wie man gewinnt.”

Vikkis Vertrauen in ihn brachte ihn zum Lächeln. “Sie haben es faustdick hinter den Ohren, Vikki Chan.”

Vergnügt lachend legte sie auf, und Jared sah es förmlich vor sich, wie ihre schwarzen Augen unternehmungslustig funkelten, als sie sich jetzt daran machte, alles für den Abend vorzubereiten.

Vikki Chan hätte nie jemandem ihr wahres Alter verraten. Jared vermutete, dass sie schon über achtzig war, aber immer noch unglaublich rüstig und voller Lebensfreude. Es bereitete ihr ein stilles Vergnügen, ihre eigenen kleinen Geheimnisse zu bewahren, während sie die aller anderen früher oder später unweigerlich herausbrachte. Allerdings war es nicht einmal ihr gelungen, mehr über Christabel in Erfahrung zu bringen als das, was Jared bereits wusste.

Und das war nicht viel. Christabel kannte Amsterdam, wie Jared in einem Gespräch mit ihr über Diamanten herausbekommen hatte. Singapur war ein weiteres Stück in dem Puzzle, obwohl vielleicht auch nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Australien. Auf jeden Fall besaß sie beachtliche Kenntnisse über Schmuck, wo immer sie sie erworben haben mochte.

Jared parkte den Wagen in der Carnarvon Street und ging rasch hinüber zum “Cocos Ice Cream Parlour”, um zwei Schalen Eiscreme mit Schokoladensplittern zu kaufen, für den Fall, dass Christabel auch eines mögen würde. Dazu nahm er noch mehrere Waffeltüten, falls Alicia ihr Eis lieber schlecken wollte.

Von dort war es nur noch eine kurze Fahrt hinauf zu der Klippe, auf der sich der alte Familiensitz der Picards erhob mit einem herrlichen Blick über die Roebuck Bay. Eine ausgesuchte Lage, dachte Jared jedes Mal, wenn er sich dem Haus näherte, obwohl das Haus an sich nicht einmal besonders beeindruckend war – lediglich ein großer, schon ziemlich verwitterter Holzbau, der auf drei Seiten von breiten Veranden umgeben war, die bei rauem Wetter mit hölzernen Läden verschlossen werden konnten.