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Der Jüdische Krieg schildert den Aufstand der Juden gegen Rom (66–73 n. Chr.) von den hasmonäischen und herodianischen Voraussetzungen über die Misswirtschaft des Gessius Florus bis zu Vespasians und Titus' Feldzügen, der Belagerung Jerusalems und der Tempelzerstörung; Masada bildet den Epilog. Josephus verbindet Augenzeugenschaft mit hellenistischer Historiographie: eingefügte Reden, moralische Deutungen, dramatische Szenen und topographische Präzision. Adressiert an ein griechisch-römisches Publikum, steht das Werk zugleich im Kontext flavischer Gedächtnispolitik. Flavius Josephus (37/38–nach 100), aus priesterlicher Jerusalemer Aristokratie und pharisäisch gebildet, war 66 Befehlshaber in Galiläa, geriet bei Jotapata in Gefangenschaft und sagte Vespasians Kaiserwürde voraus. In Rom, unter flavischer Patronage, nahm er den Namen Flavius an und verfasste seine Historie wohl auf der Basis einer verlorenen aramäischen Fassung für griechische Leser. Sein Motiv war Rechtfertigung der jüdischen Sache und seiner Person sowie die Korrektur tendenziöser Darstellungen. Als Quelle ersten Ranges erschließt das Werk die politische, militärische und religiöse Dynamik des 1. Jahrhunderts. Wer die Zerstörung Jerusalems und ihre Deutungen verstehen will, kommt an Josephus nicht vorbei—doch quellenkritisch: Rhetorik, Zahlen und proflavische Tendenzen verlangen Aufmerksamkeit; der historische Ertrag ist dennoch außergewöhnlich. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Im Jüdischen Krieg ringt ein Zeitzeuge zwischen Loyalität und Wahrhaftigkeit, indem er die Erfahrungen eines zerrissenen Landes und die Logik eines Weltreichs in eine Erzählung presst, die zugleich Rechenschaft, Warnung und Selbstverortung ist, eine Geschichte aus der Nähe der Lager und Räte, die die Spannungen zwischen Glaube und Herrschaft, Ehre und Überleben, Verantwortung und Schuld ausleuchtet und dem Leser vor Augen führt, wie die Deutung von Ereignissen zum zweiten Schauplatz des Konflikts wird, an dem Erinnerung und Macht um die Geltung dessen ringen, was als Geschichte in die Zukunft eingehen soll.
Flavius Josephus’ Jüdischer Krieg ist ein Werk der antiken Historiographie und Kriegsgeschichte, das die Konflikte in Judäa und Galiläa samt ihrem römischen Umfeld schildert. Das heute überlieferte Werk ist auf Griechisch verfasst und entstand nach verbreiteter Einschätzung in den 70er Jahren n. Chr. in Rom unter der Patronage der flavischen Kaiser. Als Schauplätze treten Städte, Heiligtümer und Feldlager im östlichen Mittelmeerraum hervor, mit besonderer Dichte in Jerusalem und Umgebung. Josephus verbindet die Perspektive eines gebildeten Judäers mit der Nähe zum römischen Machtzentrum und richtet sich erkennbar an ein Publikum, das beide Welten verstehen möchte.
Ausgangspunkt ist ein angespanntes Verhältnis zwischen römischer Herrschaft und lokalen Gruppen in Judäa, geschürt durch politische Rivalitäten, religiöse Sensibilitäten und soziale Verwerfungen. Josephus zeichnet die Eskalation schrittweise nach: Missstände, Fehlentscheidungen und hitzige Fraktionen treiben die Dinge voran, während Vermittlungsversuche an Härte, Angst und Ehrgeiz scheitern. Der Autor führt in Verwaltung, Kult und Landschaft ein und macht die Logik militärischer Reaktionen verständlich, ohne die innere Dynamik der Gemeinden zu nivellieren. Früh erscheint er selbst als Akteur im nordischen Landesteil und als Beobachter von Verhandlungen und Gefechtsvorbereitungen, was der Darstellung Dichte, Anschaulichkeit und unmittelbare Spannung verleiht.
Die Stimme des Werks trägt die doppelte Rolle des Beteiligten und gelehrten Chronisten: sie ist erklärend, gelegentlich verteidigend, stets an klassischer Rhetorik geschult. Josephus nutzt Reden, Charakterzeichnungen und detaillierte Beschreibungen von Taktik, Versorgung und Topographie, um Entscheidungszwänge sichtbar zu machen. Der Ton pendelt zwischen nüchterner Registerführung und dramatischer Verdichtung, ohne sich in bloßer Anklage oder Triumph zu verlieren. Immer wieder weitet er den Blick zu kulturkundlichen Exkursen, um fremden Lesern Bräuche, Institutionen und Deutungsmuster nahezubringen. So entsteht ein Leseerlebnis, das analytische Distanz mit erzählerischer Energie verbindet und historische Komplexität schrittweise entfaltet.
Ein zentrales Thema ist die Frage politischer Verantwortung: Wer darf handeln, wenn Normen kollidieren, und wie wird Autorität legitimiert? Daneben reflektiert Josephus die zerstörerische Kraft innerer Spaltungen, das Verhältnis von religiöser Überzeugung zu strategischer Klugheit und die Rollen von Zufall, Schicksal oder Vorsehung in menschlichen Unternehmungen. Er prüft die Grenzen von Tapferkeit, Maß und Rat, aber auch die Versuchungen von Ehrgeiz und Rache. Durch die Verknüpfung individueller Entscheidungen mit kollektiven Folgen wird Krieg nicht als Naturereignis, sondern als Folge verdichteter Fehlleitungen sichtbar, deren moralische und politische Kosten sich an Menschen, Städten und Institutionen ablesen lassen.
Für heutige Leserinnen und Leser öffnet sich hier zugleich ein Lehrstück über Geschichtsschreibung unter Machtbedingungen. Josephus schreibt als Überlebender und protegierter Autor; seine Nähe zu römischen Entscheidungsträgern und sein jüdischer Hintergrund erzeugen Spannungen, die sich in Auswahl, Gewichtung und Deutung niederschlagen können. Das Werk lädt dazu ein, Quellenkritik praktisch zu üben: Wie argumentiert ein antiker Historiker? Welche rhetorischen Mittel strukturieren das Geschehen? Wo werden Motive zugeschrieben, wo bleiben Lücken? Wer diese Fragen mitliest, gewinnt nicht nur Wissen über den Krieg, sondern Einsicht in Mechanismen von Rechtfertigung, Propaganda und interkultureller Vermittlung.
Darüber hinaus bleibt Jüdischer Krieg aktuell, weil es die Zerbrechlichkeit politischer Ordnungen und die Eskalationslogik radikalisierter Konflikte sichtbar macht. Es spricht Forschung und breite Leserschaft an: als Quelle für Antike, Judentum und Römisches Reich, als Fallstudie zu Aufstand und Gegenmacht, als Reflexion über Führung und kollektives Handeln. Wer es liest, begegnet einer frühen, komplexen Form des Kriegsjournalismus mit philosophischer Tiefe. Das Buch fordert, die eigene Position mitzudenken und Ursachen, Dynamiken und Erzählweisen kritisch zu unterscheiden. So vermittelt es Orientierung in Debatten über Gewalt, Identität und Verantwortung, die unsere Gegenwart weiterhin prägen.
Der Jüdische Krieg des Flavius Josephus ist eine umfassende Geschichtsdarstellung der Erhebung Judäas gegen Rom in den Jahren 66 bis in die frühen 70er n. Chr. Das Werk entstand in Rom unter flavischer Patronage und will Entstehung, Verlauf und Folgen der Auseinandersetzung verständlich machen. Josephus ordnet Ereignisse in eine längere Vorgeschichte ein und verbindet politische, militärische und religiöse Dimensionen. Im Zentrum stehen Ursachenanalyse, Darstellung der Kriegsphasen und die Reflexion über Verantwortung und Schuld. Die Erzählung folgt überwiegend der Chronologie, erweitert durch Charakterzeichnungen, Reden und Exkurse, die Motive, Entscheidungen und Stimmungen der Zeit beleuchten.
Zu Beginn erläutert Josephus seine Perspektive als jüdischer Priester und ehemaliger Militärbefehlshaber, der zum Beobachter und Chronisten wurde. Er beansprucht Augenzeugenschaft, will Übertreibungen korrigieren und richtet sich an jüdische wie römische Leserschaften. Methodisch verknüpft er Quellennutzung, persönliche Erfahrungen und literarische Gestaltung. Leitend sind Fragen nach legitimer Herrschaft, dem Umgang mit Heiligtum und Gesetz sowie den Folgen von Fanatismus. Die Darstellung stellt Machtpolitik, soziale Spannungen und religiöse Erwartungen in ihren Wechselwirkungen heraus und deutet das Geschehen zugleich als moralische Warnung vor innerer Zerrissenheit.
Die Vorgeschichte setzt bei den Seleukidenkonflikten und dem Makkabäeraufstand an, aus dem die hasmonäische Dynastie hervorgeht. Josephus schildert deren Erfolge, aber auch innerjüdische Rivalitäten, die schließlich römische Interventionen begünstigen. Mit Pompeius’ Eingreifen wird Judäa stärker in die römische Ordnung eingebunden. Der Aufstieg Herodes, den Rom stützt, markiert einen Wendepunkt: Er konsolidiert das Königtum, fördert monumentale Bautätigkeit und sucht Ausgleich mit Rom. Zugleich wachsen Misstrauen, Hofintrigen und soziale Spannungen. Diese Vorgeschichte dient bei Josephus dazu, langfristige Ursachen politischer Instabilität sichtbar zu machen, die den späteren Aufstand mit vorbereiten.
Nach Herodes’ Tod führt die Aufteilung seiner Herrschaft und wechselnde römische Verwaltung zu neuer Unsicherheit. Josephus beschreibt die Rolle von Klientelherrschaft, lokalen Ambitionen und der Belastung durch Abgaben. Unter den Prokuratoren verschärfen Konflikte um Kultpraxis, Tempelverwaltung und Rechtsordnung die Lage. Verschiedene Gruppen – städtische Eliten, ländliche Bevölkerung, Priesterschaft, radikale Kreise – verfolgen konkurrierende Ziele. Unruhen, Räuberwesen und charismatische Anführer nähren Unberechenbarkeit. In diesem Klima entstehen Feindbilder und Vergeltungsspiralen, die Kompromisse erschweren. Josephus betont, dass Missverwaltung und innere Spaltungen ebenso kriegsfördernd waren wie die Machtinteressen der Großmacht Rom.
Der unmittelbare Weg in den Aufstand beginnt für Josephus mit eskalierenden Provokationen und einer symbolträchtigen Abkehr von kaiserlichen Loyalitätsriten. In Jerusalem radikalisieren sich Teile der Bevölkerung, greifen Garnisonen an und stellen die Kontrolle über zentrale Punkte her. Moderatere Kräfte versuchen, einen Ausgleich zu verhandeln, doch die Gewaltlogik setzt sich durch. Die römische Gegenreaktion erfolgt rasch, zunächst unter regionalen Kommandeuren. Der Vorstoß des Cestius Gallus scheitert überraschend, was Josephus als gefährliche Ermutigung für die Rebellen beschreibt. Zugleich kündigt sich die nächste, weitaus systematischere Phase der römischen Kriegsführung an.
Mit der Entsendung Vespasians beginnt eine strategisch abgestufte Offensive, die Judäa isolieren und Zentren des Widerstands nacheinander neutralisieren soll. Josephus schildert die Operationen in Galiläa, wo er selbst ein Kommando innehatte. Nach Belagerungen, inneren Spannungen und seiner Gefangennahme wechselt er in die Rolle des Beobachters an römischer Seite. Dieser Perspektivwechsel prägt den Bericht: Militärische Planung, Logistik und Belagerungstechnik treten deutlicher hervor, während Josephus seine frühere Position reflektiert. Die römische Strategie zielt auf Zermürbung und Kontrolle der Zugänge nach Jerusalem, um den finalen Konflikt vorzubereiten.
Die römischen Erfolge werden durch die Krisen im Imperium unterbrochen, als nach Neros Tod ein Bürgerkrieg ausbricht. Josephus beschreibt, wie die Machtwechsel in Rom den Feldzug verzögern, bevor Vespasian selbst zum Kaiser ausgerufen wird und die Operationen unter Titus fortgesetzt werden. In Jerusalem verschärfen sich unterdessen interne Konflikte: rivalisierende Fraktionen bekämpfen einander, Vorräte werden verschwendet, und die Verteidigung wird unkoordiniert. Josephus deutet diese Selbstschwächung als wesentlichen Faktor des späteren Zusammenbruchs. Gleichzeitig wächst die symbolische Bedeutung der Stadt, deren religiöses Zentrum zum Fokus beider Seiten wird.
Die Belagerung Jerusalems bildet den dramatischen Höhepunkt des Berichts. Josephus schildert Belagerungswerke, Gegenangriffe und den Druck einer eingekesselten Bevölkerung, ohne die Darstellung auf Schlachtentaktik zu verengen. Entscheidende Momente ergeben sich aus der Wechselwirkung von äußerem Zwang und innerer Zerrüttung. Am Ende führt die römische Übermacht in Verbindung mit der Uneinigkeit der Verteidiger zur Einnahme der Stadt und zur Zerstörung ihres Heiligtums. Josephus rahmt dies als historische Katastrophe mit weitreichenden religiösen und politischen Folgen und als warnendes Beispiel für die Risiken unversöhnlicher Konfliktführung.
Im Schlussabschnitt richtet Josephus den Blick auf die letzten Widerstandsnester und die Etablierung der neuen Ordnung unter der flavischen Dynastie. Er reflektiert Verantwortlichkeiten, verurteilt extremistische Gewalt und plädiert für Maß und Besonnenheit. Das Werk schließt mit einer doppelten Botschaft: Es dient als Mahnung gegen inneren Bürgerkrieg und als Rechtfertigung von Ordnungspolitik, zugleich als unverzichtbare Quelle zur zweiten Tempelzeit, zu römischer Kriegführung und antiker Historiographie. Trotz erkennbarer Parteilichkeiten bietet der Jüdische Krieg ein prägendes Narrativ über Ursachen, Verlauf und Preis kollektiver Radikalisierung, dessen Relevanz über seine Epoche hinausweist.
Flavius Josephus’ Jüdischer Krieg schildert Ereignisse des 1. Jahrhunderts n. Chr. im östlichen Mittelmeerraum, vor allem in Judäa, Galiläa und Jerusalem. Die Region stand unter römischer Oberhoheit, teils als Klientelkönigtum der Herodianer, teils als direkt verwaltete Provinz mit Präfekten bzw. Prokuratoren. Prägende Institutionen waren der Jerusalemer Tempel mit Priesterschaft, der Hohepriester als zentrale Autorität, synagogale Gemeinden sowie Strömungen wie Pharisäer, Sadduzäer und Essener. Auf römischer Seite bestimmten Senat, Kaiserhof und stehende Legionen die Politik. Steuererhebung, Rechtspflege und Sicherheitsinteressen des Imperiums kollidierten häufig mit lokalen Traditionen, Ritualen und Autonomiebestrebungen. Städtische Zentren wie Caesarea und Sebaste verstärkten die griechisch-römische Prägung.
Der politische Hintergrund reicht in die späte hasmonäische Zeit. 63 v. Chr. besetzte Pompeius Jerusalem und band Judäa an Rom. Herodes der Große, seit 37 v. Chr. als König eingesetzt, stabilisierte die Herrschaft durch Bündnisse und massive Bauprojekte, darunter die monumentale Erweiterung des Zweiten Tempels. Nach seinem Tod 4 v. Chr. teilte Rom das Reich unter seinen Söhnen; der Ethnarch Archelaos wurde 6 n. Chr. abgesetzt, und Judäa kam unter einen römischen Präfekten. Die damit verbundene Zählung durch Quirinius und fiskalische Maßnahmen weckten Widerstand, den Josephus mit Judas dem Galiläer und frühen aufrührerischen Strömungen verbindet.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. prägten religiöse und soziale Gruppen das jüdische Gemeinwesen. Pharisäer betonten Auslegung und Praxis der Tora, Sadduzäer dominierten vielfach die Tempelaristokratie, und Essener lebten in asketischen Gemeinschaften; Josephus beschreibt diese Strömungen ausführlich. Spannungen ergaben sich zwischen städtischen Eliten, ländlicher Bevölkerung und römischer Verwaltung. Ein akuter Konflikt war die sogenannte Götterbildkrise unter Kaiser Gaius: 40 n. Chr. sollte eine Statue des Kaisers im Tempel aufgestellt werden, was der syrische Statthalter Petronius verzögerte; nach Gaius’ Tod wurde die Anordnung aufgehoben. Solche Erfahrungen verschärften Misstrauen und kollektive Alarmbereitschaft. Zugleich nahmen interethnische Reibungen in gemischten Städten zu.
In den 60er Jahren eskalierten Missstände unter einzelnen Prokuratoren. Gessius Florus (64–66) ließ laut Josephus Geld aus dem Tempelschatz beschlagnahmen und griff hart gegen Proteste durch. Streit um Eigentumsrechte an einer Synagoge in Caesarea, Übergriffe und die Blockade rechtlicher Abhilfe vertieften die Krise. 66 n. Chr. brach der Aufstand aus; in Jerusalem wurden römische Kräfte angegriffen und die Besatzung der Burg Antonia bedroht. Der syrische Legat Cestius Gallus marschierte mit Truppen nach Judäa, wurde jedoch in der Schlacht bei Beth-Horon geschlagen. Dieser Sieg der Aufständischen ließ den Konflikt landesweit anschwellen.
Kaiser Nero beauftragte Vespasian 66/67 n. Chr. mit der Niederwerfung des Aufstands; Legionen aus Syrien, Ägypten und dem Osten wurden konzentriert. 67 begann die systematische Eroberung Galiläas. Josephus, zuvor als jüdischer Kommandeur in Galiläa eingesetzt, wurde nach langer Belagerung von Jotapata gefangen genommen. Er berichtet, er habe Vespasians künftige Erhebung zum Kaiser vorausgesagt, was seine Schonung begünstigt habe. Tiberias und Tarichea fielen, Gamla wurde nach heftigem Kampf eingenommen. Der Vormarsch zerschnitt Versorgungslinien und isolierte Jerusalem. Titus, Vespasians Sohn, agierte als ranghoher Offizier und übernahm später das Oberkommando. Im Gefolge standen die Legionen V Macedonica, X Fretensis und XV Apollinaris.
Die römische Innenkrise 68/69 n. Chr. – das Vierkaiserjahr – verzögerte die Offensive, bis Vespasian zum Kaiser ausgerufen wurde. Titus führte den Krieg fort und begann 70 die Belagerung Jerusalems. Innerjüdische Fraktionskämpfe zwischen Gruppen um Johannes von Gischala, Simon bar Giora und den Sikariern schwächten die Verteidigung und zerstörten Vorräte. Mehrfach stürmten römische Truppen die Stadtteile, errichteten Belagerungswälle und setzten Belagerungsmaschinen ein. In diesem Zuge wurde der Tempel zerstört, ein Wendepunkt religiösen Lebens. Die Einnahme der Stadt beendete den organisierten Widerstand in Judäa weitgehend, doch einzelne Festungen hielten noch aus.
Die letzten Widerstandszentren fielen in den folgenden Jahren, darunter Machaerus und schließlich Masada 73/74 n. Chr. In Rom feierten die Flavier 71 einen Triumph; auf dem Titusbogen ist die Schau der Tempelgeräte, etwa der Menora, dargestellt. Beutestücke wurden im Templum Pacis ausgestellt. Vespasian führte den Fiscus Iudaicus ein, eine Abgabe für den Kapitolinischen Jupiter, die die frühere Tempelsteuer ersetzte. In Judäa stationierten die Römer dauerhaft Truppen, insbesondere die Legio X Fretensis. Jüdisches Leben musste sich an den Verlust des Tempels anpassen, wobei Synagogen, Schriftstudium und lokale Autoritäten stärkeres Gewicht erhielten.
Josephus verfasste den Jüdischen Krieg in den 70er Jahren n. Chr., zunächst in aramäischer Fassung, dann in einer erweiterten griechischen Version in Rom unter Flavier-Schutz. Er stützte sich auf eigene Erlebnisse, Zeugenaussagen und amtliche Berichte. Das Werk richtet sich an griechisch-römische Leser und will den Kriegsverlauf darstellen, gegnerische Darstellungen korrigieren und die Aufständischen kritisieren, ohne jüdisches Gesetz und Traditionen herabzusetzen. Es entstand unter der Schirmherrschaft Vespasians und des Titus und fiel zeitlich mit ihren Triumphfeiern zusammen. Als zentrale Quelle kommentiert es seine Epoche durch die Darstellung von Provinzverwaltung, religiöser Vielfalt, innerjüdischen Konflikten und imperialer Entscheidungsfindung.
Flavius Josephus (geb. als Jōsēpos/Josef ben Mattitjahu, ca. 37–um 100 n. Chr.) war Historiker, Chronist und Zeitzeuge des Jüdischen Krieges. Er lebte vom Ende der hasmonäisch-herodianischen Epoche bis zur Festigung der flavischen Kaiser in Rom. Seine griechisch verfassten Werke sind eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte des Zweiten Tempels, zur römischen Provinzverwaltung in Judäa und zu innerjüdischen Bewegungen des 1. Jahrhunderts. Als ehemaliger Kommandeur im Aufstand und späterer Autor unter römischer Patronage verband er Innenansicht und imperiale Perspektive. Sein Schaffen prägte Geschichtsschreibung, Religionsgeschichte und spätere Debatten über Erinnerung und Loyalität.
Er stammte aus einer priesterlichen Jerusalemer Familie und erhielt eine intensive Ausbildung in Schrift und jüdischem Gesetz. In seinen Schriften schildert er Studien bei verschiedenen Gruppen, bevor er sich der pharisäischen Richtung zuordnete. Früh suchte er Gelehrsamkeit und praktische Weisheit, auch im Kontakt mit asketischen Lehrern; zugleich kannte er die griechisch-römische Bildungssprache und Rhetorik. Eine Reise nach Rom in den 60er-Jahren, unternommen zur Fürsprache für inhaftierte Priester, erweiterte seinen Horizont und Kontakte am kaiserlichen Hof. Diese Erfahrungen und die Tradition hellenistischer Historiografie prägten Stil, Quellenkritik und Zielpublikum seiner späteren Werke.
Beim Ausbruch des Jüdischen Krieges 66 n. Chr. übernahm Josephus im Auftrag der Aufstandsregierung das Kommando in Galiläa. Nach der langen Belagerung von Jotapata geriet er 67 in römische Gefangenschaft. Er verband sein Schicksal fortan mit den Flaviern, deren Aufstieg er in einer berühmten Prophetie vorweggenommen haben will. Unter Vespasian und Titus erhielt er Schutz, römisches Bürgerrecht und den Namen Flavius. Als Dolmetscher und Beobachter begleitete er die Feldzüge, einschließlich der Belagerung Jerusalems 70. Diese existenzielle Wende prägte sein späteres Selbstverständnis als Vermittler zwischen jüdischer Tradition und römischer Macht. Herrschaft.
In Rom begann er, seine Kriegserfahrungen literarisch zu verarbeiten. Das siebenteilige Werk Der jüdische Krieg entstand in den 70er-Jahren unter flavischer Patronage und richtet sich an ein breites griechischsprachiges Publikum. Josephus beschreibt Ursachen, Fraktionen, Belagerungen und den Untergang des Tempels; zugleich deutet er das Geschehen als Tragödie mangelnder Klugheit und innerer Zwietracht. Als Augenzeuge beansprucht er Genauigkeit und korrigiert aus seiner Sicht verzerrende Gerüchte. Eigeninteressen bleiben erkennbar, doch die Fülle an Details zu Topografie, Militär und Ritualen macht das Werk zu einem Schlüsseltext der Geschichtsschreibung der römischen Kaiserzeit. Seine Sprache folgt häufig klassischen Modellen.
Mit den Jüdischen Altertümern legte Josephus in den frühen 90er-Jahren eine umfassende Darstellung der jüdischen Geschichte von den Anfängen bis kurz vor den Krieg vor. Er arbeitet biblische Überlieferung erzählerisch auf, ergänzt sie durch außerbiblische Quellen und erläutert Gesetz, Feste und Institutionen für Leserinnen und Leser der griechisch-römischen Welt. Als Anhang verfasste er seine Vita, eine Selbstverteidigung und Chronik seiner galiläischen Amtszeit, die zugleich den rivalisierenden Bericht des Justus von Tiberias adressiert. Die Altertümer verbinden apologetische Ziele mit dem Anspruch, die Antike und Ordnung des jüdischen Volkes sichtbar zu machen.
Seine Streitschrift Gegen Apion richtet sich gegen Autoren, die Alter und Würde des Judentums bestritten. Josephus verteidigt die Chronologie Israels, die Verlässlichkeit der heiligen Schrift und die philosophische Tiefe des mosaischen Gesetzes im Vergleich mit griechischen Traditionen. Er nutzt Werkzeuge der antiken Rhetorik, Quellenkritik und Ethnographie, um Vorwürfe zu entkräften. Dabei bekennt er sich zu einer pharisäisch geprägten Auslegung, die Gesetzestreue, Kultdisziplin und Weisheit betont. Das Werk verknüpft apologetische Polemik mit kulturübergreifender Vermittlung und zeigt Josephus’ Bemühen, jüdische Geschichte in den Kanon respektabler antiker Literatur einzuordnen. Gleichzeitig reflektiert er Grenzen griechischer Quellen.
Josephus verbrachte seine späteren Jahre in Rom, unter dem Schutz flavischer Kaiser, mit literarischer Arbeit und der Pflege seiner Netzwerke. Sein Todesjahr ist nicht sicher überliefert; er dürfte nach 90 n. Chr. gestorben sein. Seine Bücher zirkulierten in griechischer Sprache und wurden in der Spätantike ins Lateinische übertragen. In der jüdischen Erinnerung blieb seine Rolle im Krieg umstritten, während christliche Gelehrte ihn als historischen Zeugen ausgiebig zitierten. Moderne Forschung prüft seine Parteilichkeit, würdigt jedoch die einzigartige Fülle an Informationen. Josephus’ Vermächtnis prägt bis heute das Verständnis von Antike, Autorität und kollektiver Erinnerung.
Entferntere Vorgeschichte.Von den Machabäerkämpfen bis zum Tode des Herodes.
Der Krieg zwischen Juden und Römern überragt alle Schlachten, doch Fremde verunstalten ihn mit Gerede. Ich, Josephus, Sohn des Matthias, Priester aus Jerusalem, stand anfangs selbst gegen die Legionen und sah den restlichen Zug als widerwilliger Zeuge. Darum übersetze ich mein früheres hebräisches Werk, um dem Reich auf Griechisch Wahrheit zu geben. Damals faulten viele Glieder des Imperiums, Gallier grollten, Nero schwankte, und unsere kampfkräftigen Landsleute reckten sich, träumten vom Orient, während Römer um dessen Verlust bangten. Ich will verhindern, dass Schmeichler oder Hasser Geschichte verstümmeln, und lasse weder Lobgesang noch Schmährede gelten. Nur blanke Tatsachen sollen die Seiten füllen.
Meine Trauer darf mitschwingen; Titus selbst bezeugt, dass er den Tempel schonen wollte und die Stadt nur wegen innerer Tyrannen verbrannte. Wer mein Klagen tadelt, sehe auf die Trümmer und schenke mir Nachsicht. Ich rüge die Griechen, die vor Augen liegende Katastrophen verschmähen, nur kritisieren und lieber fernste Völker abschreiben. Ein wahrer Geschichtsschreiber stellt Neues hin und findet eigene Stimme. Darum investiere ich Geld, Mühe und Gefahr, um Römern und Hellenen ein klares Gedächtnis zu hinterlassen. Alte Ursprünge, Auszug aus Ägypten und Wanderungen überlasse ich früheren Schreibern; ich setze dort ein, wo ihr Faden abreißt.
Zuerst erzähle ich, wie Antiochus Epiphanes Jerusalem eroberte und es drei Jahre, sechs Monate hielt, bis die Söhne des Hasmonäers ihn vertrieben. Dann flammt ihr Erbfolgestreit auf, sie zerren Pompejus und das römische Schwert herbei, und Herodes, gestützt von Sosius, stürzt ihr Haus. Nach Herodes’ Tod tobt unter Augustus und Statthalter Varus ein Aufruhr; im zwölften Jahr Neros bricht der große Krieg aus, Cestius erleidet Niederlagen, die Juden brennen Städte und mauern das Land. Vespasian rückt mit disziplinierten Legionen ein, unterwirft Galiläa, nimmt mich gefangen. Nero stirbt, Zeichen verheißt Vespasian Herrschaft; Rom schwankt, Jerusalem zerfleischt sich selbst.
Ich schildere den Abmarsch des Titus aus Ägypten, seinen zweiten Einbruch ins Land, Sammelpunkt, Art und Stärke des Heeres, die zerstrittene Hauptstadt, heftige Stürme und Erdwerke, die drei Ringmauern samt Maßen und übrige Bollwerke, dazu Aufbau von Heiligtum, Tempel, Altar, Riten, sieben Reinheitsstufen, Dienste, Gewänder und Räume. Ich zeige Grausamkeit der Schreckensmänner, römische Milde, Titus’ wiederholte Kapitulationsrufe, Leiden des Volks durch Krieg, Parteihaß, Hunger, Elend der Überläufer, Martern der Gefangenen, Tempelbrand gegen Cäsars Willen, geborgene Schätze, Fall der Stadt, Zeichen, Gefangennahme der Häupter, Massenversklavung, letzte Kämpfe, geschleifte Festungen, Titus’ Rundreise, Heimkehr, Triumph. Alles fasse ich in sieben Bücher, der Wahrheit verpflichtet.
