Jugend zählt! -  - E-Book

Jugend zählt! E-Book

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Beschreibung

Wie viele Kinder und Jugendliche erreichen Jugendarbeit, Kindergottesdienst, Konfirmandenarbeit und Kirchenmusik? Verlässliche Daten für die Landeskirchen Baden und Württemberg, wissenschaftlich erhoben, verständlich aufbereitet. Ein Grundlagenwerk für alle, die sich in der evangelischen Kirche für junge Menschen engagieren. 70.000 Menschen engagieren sich - zumeist ehrenamtlich - im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden und Württemberg für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dieses Buch stellt erstmals für Baden-Württemberg eine Gesamtschau aller evangelischen Kinder- und Jugendangebote mit detaillierten Zahlen vor. Fachleute aus Jugendarbeit, Kirche und Wissenschaft ordnen die Ergebnisse ein und geben Impulse zum Weiterdenken. Ein Grundlagenwerk für alle, die sich für junge Menschen engagieren.

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Seitenzahl: 386

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Impressum

© 1. Auflage 2014 - durchgesehene E-Book-Ausgabe, Stand März 2015

buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart

Printed in Germany. All rights reserved.

ISBN Buch 978-3-86687-126-7ISBN E-Book 978-3-86687-140-3

Gestaltung: buch+musik, Heike Volz

Grafiken: WEADYOU, Alexandra Schlierf

Satz: Heike Volz

Bildrechte Umschlag:

Die Fotos wurden der Foto-DVD „Blickwinkel“, die der Deutsche Bundesjugendring im Rahmen von „Projekt P – misch dich ein“ produziert hat, entnommen:

dp: dieprojektoren agentur für gestaltung und Präsentation

rw: Journalistenbüro Röhr: Wenzel

pk: studioprokopy werbeagentur & fotostudio

V. l. n. r., obere Reihe, rw 28, rw 27, mittlere Reihe, dp306, pk 133, rw 73, untere Reihe, dp 67, dp 330, rw 37. Robert Kneschke-Fotolia.com (unten links)

Für die Bereitstellung von Daten danken wir insbesondere:

–dem Statistischen Landesamt. Für alle Daten zur Gesamt-Demografie im Blick auf Baden-Württemberg gilt: © Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2014.

–den Statistik-Experten der Evangelischen Oberkirchenräte in Karlsruhe und Stuttgart für die Bereitstellung der Daten zum kirchlichen Meldewesen. Auch die grafischen Veranschaulichungen zu kirchlichen Gebietsgrenzen basieren auf Geodaten der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

www.ejw-buch.de

Weitere Informationen zum Projekt „Jugend zählt“: www.statistik-ev-bw.de

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort(Wolfgang Ilg / Gottfried Heinzmann / Mike Cares)

Geleitwort(Thomas Rauschenbach)

TEIL A: Überblick

1.Zusammenfassung(Wolfgang Ilg / Gottfried Heinzmann / Mike Cares)

2.Notwendige Verständnis-Grundlagen zur Darstellung(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann)

TEIL B: Grundlagen

3.Statistik und/oder Theologie?(Friedrich Schweitzer) Bedeutung und Grenzen statistischer Beschreibungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der evangelischen Kirche

4.Statistik und Empirie in der Jugendarbeitsforschung(Wolfgang Ilg)

5.Die Struktur der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Bereich der Landeskirchen(Wolfgang Wilka / Volker Renz)

6.Demografische Grundlagen(Wolfgang Ilg)

TEIL C: Ergebnisse in der Gesamtperspektive

7.Ergebnisse für Baden-Württemberg im Überblick(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann)

7.1Überblick über Aktivitäten und Teilnehmende

7.2Gesamtzahlen der Aktivitäten

7.3Gesamtzahlen der Teilnehmenden

7.4Gesamtzahlen der Mitarbeitenden

8.Gruppenstrukturen(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann)

8.1Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel und Verbreitung in den Kirchengemeinden

8.2Alterszusammensetzung

8.3Koedukation

8.4Frequenz der Gruppentreffen

9.Reichweite der regelmäßigen Gruppenarbeit(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann)

10.Jugendverbände und weitere Kooperationen(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann)

11.Verbreitung inklusiver Angebote(Peter Lehmann / Jule Lehmann)

TEIL D: Kommentierte Daten zu den Arbeitsfeldern

12.Kinder- und Jugendarbeit(Wolfgang Ilg / Peter Lehmann / Gottfried Heinzmann / Mike Cares)

12.1Einführung und Überblick

12.2Arbeit mit Kindern

12.3Jugendgruppen und Pfadfindergruppen

12.4Offene Angebote und Gruppen für Junge Erwachsene

12.5Sportaktivitäten

12.6Mitarbeiterbildung

12.7Freizeiten und Waldheime

12.8Jugendgottesdienste

12.9Tagesveranstaltungen

12.10Soziale Aktivitäten und Fundraising

12.11Weitere Gruppen und Angebote

13.Schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit(Peter Lehmann / Wolfgang Ilg / Gottfried Heinzmann / Mike Cares)

13.1Methodische Vorbemerkungen

13.2Überblick

13.3Kooperationsformen

13.4Schularten

13.5Mitarbeitende

13.6Finanzierung

13.7Perspektiven

14.Musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen(Peter Lehmann)

14.1Einführung und Überblick

14.2Posaunenchöre

14.3Kinder- und Jugendchöre

14.4Singteams und Bands

14.5Weitere musikalische Aktivitäten

14.6Musik mit Kindern und Jugendlichen – regelmäßige Bindung mit nachhaltiger Wirkung. Bewertungen aus Sicht der Kirchenmusik (Bernhard Reich / Kord Michaelis)

15.Kindergottesdienst(Peter Lehmann / Frank Widmann / Christine Wolf)

15.1Einführung und Überblick

15.2Mitarbeitende und Teilnehmende

15.3Frequenz und Zeitpunkt

15.4Formen und Leitung des Kindergottesdienstes

16.Konfirmandenarbeit(Wolfgang Ilg / Thomas Ebinger / Stefan Kammerer)

16.1Konfirmandenarbeit im Jugendalter (Konfi 7/8)

16.2Konfirmandenarbeit im Kindesalter (Konfi 3)

TEIL E: vertiefte Analysen und Interpretationen

17.Regionale Analysen nach Kirchenbezirken(Wolfgang Ilg)

18.Trends und Entwicklungen.Vergleich der Württemberg-Daten von 2006 und 2013(Gottfried Heinzmann / Wolfgang Ilg)

19.Ein Bundesland – zwei Perspektiven:Die Daten aus Baden und Württemberg im Vergleich(Gottfried Heinzmann / Mike Cares)

20.Vergleich der Daten mit der EKD-Statistik „Kirchliches Leben“(Wolfgang Ilg)

21.Die Statistik 2013 im Licht der allgemeinen Demografie(Bernd Wildermuth)

22.Acht Thesen aus der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in Baden-Württemberg(Fabian Peters / Stefan Kuhn)

23.Landschaften statt Inseln:Die zusammengehörige Vielfalt der Kinder- und Jugendangebote(Werner Baur / Ulrich Heckel / Matthias Kreplin / Christoph Schneider-Harpprecht)

24.Zur Gesamtinterpretation der Befunde aus religionspädagogischer Perspektive(Friedrich Schweitzer / Wolfgang Ilg)

TEIL F: Weiterführende Perspektiven und Impulse

25.Stimmen aus den eigenständigen Jugendverbänden

25.1CVJM – Christlicher Verein Junger Menschen

25.2SWD-EC-Verband – Südwestdeutscher Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) e. V.

25.3SV-EC – Süddeutscher Jugendverband „Entschieden für Christus“

25.4 Api-Jugend im Evangelischen Gemeinschaftsverband Württemberg – die Apis

25.5AB-Jugend des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes AB

25.6VCP – Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder

25.7Johanniter-Jugend Baden-Württemberg

25.8Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Ferien- und Waldheime in Württemberg

25.9Kirche Unterwegs der Bahnauer Bruderschaft e. V.

26.Querblick auf die Daten des BDKJ in Baden-Württemberg(Kai Mungenast)

27.Vielfalt, Ressourcen, Ehrenamt: Eine jugendpolitische Perspektive(Mike Cares / Martin Burger)

28.Zwischen Jugendarbeitsforschung, amtlicher Statistik und Zukunftsplan – eine Einordnung zur „Statistik 2013“(Jens Pothmann)

29.Realität erfassen – ein Kommentar aus der Perspektive der Evangelischen Jugend in Deutschland(Mike Corsa)

30.Kommentar aus Sicht der non-formalen Bildungsforschung(Andreas Thimmel)

TEIL G: Anhang

31.Konzeption der Statistik 2013(Mareike Möhle / Axel Schuhen / Wolfgang Ilg)

Literatur

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Bildnachweis

Die Herausgeber und Autoren

VORWORT

„Jugend zählt“ – unter diesem Titel werden die Ergebnisse der Statistik für die evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Baden und Württemberg präsentiert. „Jugend zählt?“ – der Titel des Buches lädt zu Rückfragen ein. Zum Beispiel, ob man von einer statistischen Erhebung ausgehend gleich darauf schließen kann, dass Kinder und Jugendliche wirklich zählen in Kirche und Gesellschaft. Oder etwas provokativer gefragt: Müsste es nicht viel eher heißen „Jugend zahlt“? Denn oft genug werden Kinder und Jugendliche dann gezählt, wenn festgestellt werden soll, ob die nächste Generation genügend Potenzial aufbringt, um die Zukunft zu finanzieren.

„Sprechende“ Zahlen

„Jugend zählt“ – wir haben diesen Titel gewählt, weil wir nachvollziehbar darstellen möchten, dass Kinder und Jugendliche sehr wohl zählen in den vielfältigen Arbeitsformen der kirchlichen Arbeit. Durch dieses Buch wollen wir die Zahlen zum „Sprechen bringen“. Zum Beispiel geben sie Auskunft darüber, wie viele Menschen sich engagieren, um für junge Menschen Wegbegleitung und orientierende Angebote bereitzustellen. Und sie erzählen davon, für wie viele Kinder und Jugendliche beispielsweise die regelmäßig stattfindenden Gruppenangebote ein wichtiger Termin im Wochenablauf oder die Freizeiten ein Highlight im Jahreslauf sind. Diese und viele andere Beobachtungen lassen sich aus der Statistik 2013 ableiten. Wir laden dazu ein, sich anhand der Tabellen und Schaubilder, Darstellungen und Interpretationen selbst ein Bild zu machen.

Verlässliche Daten

„Jugend zählt“ – dass diese Zahlen nicht nur nach innen sprechen, sondern auch nach außen, ist ein zentrales Anliegen, das wir mit der Herausgabe dieses Buches verbinden. Das Gefühl, dass in der evangelischen Kirche „vieles läuft“ für Kinder und Jugendliche, genügt heutzutage längst nicht mehr für die sorgfältige Wahrnehmung dieses Handlungsfelds. Vielmehr benötigen sowohl die kirchlichen Akteure als auch staatliche Stellen auf allen Ebenen (Kommunen, Landkreise, Landespolitik) verlässliche Daten über Angebote und Inanspruchnahme kirchlicher Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Jugend zählt“ präsentiert ein gelungenes Statistikprojekt mit Pionier charakter. Gezählt wurden alle Aktivitäten der Kinder- und Jugendarbeit, der musikalischen Arbeit, des Kindergottesdienstes und der Konfirmandenarbeit innerhalb der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg. Erstmals liegt damit ein Überblick über diese Felder für das gesamte Bundesland Baden-Württemberg vor.

Lesehinweise

Das Buch kann im Sinne eines Nachschlagewerks mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen gelesen werden. Als Einstieg empfehlen wir die Lektüre der Zusammenfassung sowie die (für das Verständnis unerlässlichen) Hinweise in Kapitel 2. Teil B bildet den weiteren Rahmen für die Erhebung und reflektiert Chancen und Grenzen der Statistik, die Struktur der hier vorgestellten Arbeitsfelder sowie demografische Grundlagen. Die beiden folgenden Buchteile stellen die Ergebnisse unter verschiedenen Blickwinkeln vor: Teil C bietet zunächst eine Gesamtperspektive, in der über alle Arbeitsfelder hinweg Summenzahlen, Gruppenstrukturen und Kennzahlen für die Reichweite berichtet werden. Auch die Auswertung nach Jugendverbänden und die Ergebnisse zur Inklusionsfrage sind hier dargestellt. Teil D dagegen sortiert die Ergebnisse nach den einzelnen Arbeitsbereichen. Wer sich also speziell für die Jungschararbeit, Kinder- und Jugendchöre, den Kindergottesdienst oder ähnliche Felder interessiert, erhält hier kommentierte Auswertungen. Im Teil E werden die vorgestellten Daten nochmals in verschiedenen Hinsichten beleuchtet, detaillierter ausgewertet und interpretiert. Teil F schließlich enthält Impulse von Kommentatoren, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Anstöße für die Interpretation und Weiterarbeit einbringen.

Hintergrundinformationen

Das vorliegende Statistik-Projekt baut auf die unter dem Titel „Evangelische Jugendarbeit in Zahlen“ veröffentlichte EJW-Statistik 2007 auf (Frieß / Ilg 2008), nimmt aber gegenüber der Statistik 2007 eine dreifache Ausweitung vor: Zum einen wurde die Befragung regional erweitert und erfasst neben der württembergischen nun auch die badische Landeskirche. Zum zweiten wurden die eigenständigen Jugendverbände innerhalb der evangelischen Landeskirchen stärker mit einbezogen. Und schließlich wurde das inhaltliche Spektrum auch auf die anderen großen außerschulischen Aktivitäten ausgeweitet und umfasst nun neben der Kinder- und Jugendarbeit auch die musikalischen Angebote, den Kindergottesdienst und die Konfirmandenarbeit.

Auch wenn es sich um die umfassendste bislang vorgelegte Statistik der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für diesen Bereich handelt, gibt es noch weitere Handlungsfelder, in denen die evangelische Kirche Angebote für Kinder und Jugendliche bereithält. Dazu zählen beispielsweise die evangelischen Kindertagesstätten, die evangelischen Schulen und der Religionsunterricht, darüber hinaus auch die evangelischen Studierenden-Gemeinden, die Familienbildungsstätten, verschiedene Formen der Freiwilligendienste oder die diakonische Jugendhilfe. Sie alle konnten aufgrund der Struktur dieser Erhebung nicht erfasst werden, spielen aber dennoch eine wichtige Rolle. Auch innerhalb der hier erfassten Arbeitsfelder ließen sich bestimmte Daten nicht mit vertretbarem Aufwand erheben, dies gilt beispielsweise für die Themen Finanzierung, Räume und hauptamtliches Personal.

Dank

„Jugend zählt“ – was zunächst nach einer überschaubaren Aufgabe klingt, war ein zweijähriges Großprojekt, das nur durch die Zusammenarbeit vieler engagierter Personen gelingen konnte. Wir danken allen, die daran mitgearbeitet haben, namentlich den Mitgliedern der Steuerungsgruppe und des Beirats (Werner Baur, Martin Burger, Anne Braun, Mike Cares, Prof. Dr. Ulrich Heckel, Gottfried Heinzmann, Peter Lehmann, Dr. Wolfgang Ilg, Mareike Möhle, Volker Renz, Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, Prof. Dr. Friedrich Schweitzer, Dr. Axel Schuhen, Bernd Wildermuth, Wolfgang Wilka) sowie den Telefonisten, wissenschaftlichen Hilfskräften, Öffentlichkeitsarbeitern und IT-Experten (Dieter Abrell, Ina Banzhaf, Raphael Fauth, Eberhard Fuhr, Jule Lehmann, Elisabeth Lutz, Mirjam Rutkowski, Sabina Schneider, Alexander Strobel, Matthias Vögele, Martin Weinschenk). Die Kontakte zur „Fachszene“ der Jugendarbeitsstatistik waren hilfreich, insbesondere gibt es im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg, im Statistischen Bundesamt sowie der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Universität Dortmund in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Thema Jugendarbeit, von der wir profitiert haben. Zahlreiche weitere Personen haben das Projekt beraten und begleitet – ihnen allen danken wir herzlich. Insgesamt 39 Namen stehen im Autorenverzeichnis dieses Buchs – wir bedanken uns für die durchweg termingerechte Lieferung der Beiträge und die darin zum Ausdruck kommenden vielseitigen Perspektiven auf unser Zahlenwerk. Martina Mühleisen von buch+musik sowie den Grafikerinnen Alexandra Schlierf (Diagramme) und Heike Volz (Buchgestaltung) danken wir für die unkomplizierte und kompetente Begleitung bei der Bucherstellung.

Nichts zu zählen gäbe es allerdings, wenn nicht Woche für Woche vor Ort viele Menschen mit großer Leidenschaft und Einsatzfreude die kirchlichen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche gestalten würden. Sie sorgen dafür, dass der besondere Auftrag evangelischer Jugendarbeit, jungen Menschen in ihrer Lebenswelt und spezifischen Lebenssituation das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen, in vielfältige Angebote umgesetzt wird. Ihnen gelten unsere Hochachtung und unser größter Dank. Die Statistik dieser Vielfalt von Aktivitäten soll dazu beitragen, dass auch zukünftig die Jugend zählt!

Wolfgang Ilg

Gottfried Heinzmann

Mike Cares

GELEITWORT

Wer in unbekanntem, unwegsamem Gelände unterwegs ist, wird sich über eine Landkarte freuen. Sie gibt Orientierung, wo sonst vielleicht nur stolperndes Umherirren möglich wäre. Natürlich teilt eine Landkarte niemandem mit, welches Ziel er oder sie anstreben soll – aber eine Karte erhöht die Chancen, ein einmal gestecktes Ziel auch tatsächlich zu erreichen (oder sie ermöglicht zumindest eine Überprüfung, wie weit der real erreichte vom angepeilten Ort entfernt ist).

In diesem Sinn kann das hier vorgelegte Buch als eine Art Landkarte dienen, mit der das große Terrain der evangelischen Jugendarbeit vermessen wird. Diese Landkarte liefert Orientierung über das, was sich im „evangelischen Gelände“ des Landes Baden-Württemberg entwickelt hat. Sie kann dabei helfen, ein genaueres Bild von den verschiedenen Wegen zu erhalten, die dieses Terrain erschließen. Sie ermöglicht eine Kartografie von Angeboten, Leistungen und vielleicht auch von Stolpersteinen, die hier zu finden sind. Wie viele evangelische Kinder- und Jugendgruppen werden in Baden und Württemberg angeboten, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erreicht? Wie viele Kirchengemeinden kooperieren mit den Schulen – und was bieten sie an? Welche Resonanz haben musikalische Aktivitäten für junge Menschen, die von den Kirchengemeinden ausgehen? Solche und ähnliche Fragen lassen sich mit dieser „Landkarte“ der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit beantworten; dies schafft Überblick und vertiefte Kenntnis gleichermaßen.

Natürlich kann eine solche Landkarte die Suche nach dem richtigen Ziel nicht ersetzen. Mit solchen Ansprüchen sind empirische Befunde, Erhebungen und Analysen schnell überfordert und überlastet. Doch die Empirie bildet gewissermaßen eine Basis für rationales Handeln in normativen Kontexten: Auf der Grundlage einer genauen Kenntnis dessen, was sich im Feld der Kinder- und Jugendarbeit entwickelt hat, lässt sich nach meiner Überzeugung am besten klären, welche Ziele und Ansprüche, welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten die vielen beteiligten Institutionen für erstrebenswert halten. Um noch einmal im Bild zu bleiben: Eine Landkarte mit einem Wegweiser zu verwechseln, ist sicherlich ungeschickt. Doch, wer einen Wegweiser aufstellen will, ist gut beraten, vorher die Karte zu studieren.

Aus meiner Sicht sind solche Erhebungen für die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit von ganz erheblicher Bedeutung. Der Eindruck drängt sich auf, dass immer mehr Institutionen – wie eben auch die evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg – die Notwendigkeit einer empirischen Bilanzierung des eigenen Arbeitens erkennen: Wer sich innerhalb dieser Institutionen engagiert, muss heutzutage genauer wissen, was da insgesamt geschieht und geleistet wird. Doch auch von außen wird ein solches Wissensbedürfnis an fast jede Bildungsinstitution – wozu man die Kinder- und Jugendarbeit zweifelsohne zählen sollte – herangetragen: Lokale und regionale Politik wie auch die mediale Öffentlichkeit verlangen heute häufiger als früher Auskunft über die Angebote, die Kosten und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe als Ganzes, aber auch der Kinder- und Jugendarbeit als deren Teilgebiet.

In diesem Sinne kann man das vorliegende Werk auch mit den Entwicklungslinien der Bildungsforschung des letzten Jahrzehnts in Verbindung bringen. Hier war spätestens nach der Jahrhundertwende mit dem Pisa-Schock eine empirische Wende zu erkennen. Der Bildungsdiskurs, der bis dahin häufig durch Kollisionen normativer Ansprüche und Werte gekennzeichnet war, wurde nach und nach mit einer stärkeren empirischen Basis versehen. In Deutschland etablierte sich eine Bildungsforschung, die sich mehr um faktisch belegbare Sachverhalte als um moralisch aufgeladene Werturteile bemüht (obwohl auch da manchmal der Schein trügt: Jede Empirie fußt ihrerseits auf Voraussetzungen; schon die Formulierung einer Fragestellung kann bestimmte Aspekte ein- oder ausblenden – und insbesondere im Bereich der Bildung lässt sich eben nicht alles einfach messen, weshalb auch empirische Ansätze immer wieder an Grenzen stoßen, die es zu reflektieren gilt).

Insgesamt aber, so würde ich bilanzieren, war diese Wende für die pädagogische Wissenschaft (wie auch für die Bildungspolitik unserer Gesellschaft) tendenziell notwendig und letztlich auch förderlich. Die Etablierung einer nationalen, empirisch ausgerichteten Bildungsberichterstattung ist ebenso Bestandteil dieser Erfolgsgeschichte wie viele kleinere Vorstöße in Form verschiedener Berichte auf der Ebene von Kommunen, Regionen und Bundesländern. Insofern ist die hier vorliegende, auf ein Bundesland ausgerichtete empirische Bilanz Teil einer modernen Bildungs- und Jugendforschung, deren Bedeutung in unserer Gesellschaft inzwischen erfreulicherweise unbestritten ist.

Der vorliegende Band ist ein Musterbeispiel einer aufwendigen, hoch engagierten Studie der gezielten (Selbst-)Beobachtung einer Organisation. Er ist als Fundgrube spannender Ergebnisse unter dem Strich von weitaus größerem Wert als dies vielleicht auf den ersten Blick erkennbar sein mag: Für die Gestaltung und Planung der eigenen kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, für die Selbstvergewisserung eines zivilgesellschaftlichen Akteurs unter den Rahmenbedingungen einer heterogener werdenden Gesellschaft, für die Kommunikation im politischen und öffentlichen Raum sowie – hoffentlich – als ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer eigenständigen evangelischen Bildungsberichterstattung.

Ich kenne keinen Verband, keinen zivilgesellschaftlichen Akteur, der in vergleichbarer Breite und Tiefe eine entsprechende Studie vorgelegt hat. Diese Studie ist ein ermutigendes Beispiel dafür, dass das Wissen um die Bedingungen und Möglichkeiten des Aufwachsens jenseits der etablierten Institutionen von Kindergarten und Schule erhoben und auch auf der Basis belastbarer Daten nachgezeichnet werden kann. Im Spiel der gesellschaftlichen Kräfte wird es immer wichtiger, in derartigen Prozessen sichtbar zu bleiben – das gilt auch für die evangelische Kirche und ihre Angebote für Kinder und Jugendliche.

Prof. Dr. Thomas Rauschenbach Direktor des Deutschen Jugendinstituts

Teil A: Überblick

1.ZUSAMMENFASSUNG

Wolfgang Ilg / Gottfried Heinzmann / Mike Cares

Die in diesem Buch vorgelegten Ergebnisse des Projekts „Statistik 2013“ enthalten für den Bezugszeitraum 2012/13 Daten aus einer Vollerhebung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für die Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg. Erfasst wurden bei dieser Erhebung die Kinder- und Jugendarbeit, die musikalischen Angebote, der Kindergottesdienst und die Konfirmandenarbeit. Einbezogen waren neben den landeskirchlichen Strukturen (Kirchengemeinden, Bezirksjugendwerke usw.) auch die eigenständigen evangelischen Jugendverbände wie beispielsweise die AB-Jugend. Mit ihrer Kombination aus Online-Erhebung und umfangreicher Telefon-Unterstützung, dem Einbezug zweier Landeskirchen und dem weiten Feld untersuchter Arbeitsbereiche betritt die Studie, die wissenschaftlich von der Universität Tübingen durchgeführt und von der SilverAge GmbH umgesetzt und begleitet wurde, in vielerlei Hinsicht Neuland. In dieser Zusammenfassung werden einige wichtige Ergebnisse im Überblick dargestellt. Vertiefte Analysen, Interpretationen von Experten und die Einbettung der Daten in den weiteren Kontext finden sich in den jeweiligen Kapiteln.

Insgesamt nehmen in Baden-Württemberg 306.044 junge Menschen an einem der 15.765 regelmäßigen evangelischen Gruppenangebote teil. Meist finden die Gruppentreffen wöchentlich statt. Über 9.000 dieser Gruppen sind Teil der Kinder- und Jugendarbeit (beispielsweise eine Jungschar oder ein Jugendkreis), etwa 2.800 sind Musikgruppen (Kinderchor, Posaunenchor), zudem gibt es über 1.700 Kindergottesdienstgruppen und über 2.000 Konfirmandengruppen. Insgesamt 15% dieser über 300.000 jungen Menschen werden durch Angebote schulbezogener Kinder- und Jugendarbeit, einem relativ neuen Arbeitsfeld, erreicht.

Abbildung 1: Anzahl der regelmäßig erreichten jungen Menschen nach Arbeitsbereich

Lesebeispiel: 127.321 Kinder und Jugendliche nehmen regelmäßig an Gruppenangeboten der Kinder- und Jugendarbeit (z. B. Jungscharen, Sportgruppen usw.) teil, dies sind 42% aller Teilnehmenden in regelmäßigen Gruppenangeboten.

Anmerkungen: Bei der schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit handelt es sich zwar überwiegend, aber nicht ausschließlich um regelmäßige Angebote, insofern ist die Zuordnung zu den „regelmäßigen Gruppenangeboten“ hier etwas unscharf.

Hinzu kommen 461.740 Teilnahmen an 11.152 Einzelangeboten wie beispielsweise einer Freizeit, einem Seminar oder einem Sportturnier. Als „Einzelangebote“ werden alle Aktivitäten bezeichnet, die nicht in einem regelmäßigen Rhythmus, sondern über das Jahr verteilt zu bestimmten Anlässen stattfinden, so wie beispielsweise die „ChurchNight“ am 31. Oktober seit einigen Jahren einen Rahmen für zahlreiche Kinder- und Jugendaktionen zum Reformationstag bietet. Eine ausführliche Darstellung dieser Daten findet sich in Kapitel 7.

Abbildung 2: Teilnahmen an Einzelangeboten der Kinder- und Jugendarbeit

Lesebeispiel: 128.147 Kinder und Jugendliche werden jährlich bei Tagesveranstaltungen der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in Baden-Württemberg gezählt. Anders als bei den regelmäßigen Gruppenangeboten (Abbildung 1) wird bei den Einzelangeboten jede Teilnahme eines Jugendlichen pro Jahr einzeln gezählt.

Die vielfältigen Angebote beruhen zum großen Teil auf ehrenamtlichem Engagement. Insgesamt sind in Baden-Württemberg über 70.000 Personen im Rahmen der evangelischen Kirchen für Kinder- und jugendliche engagiert, der Großteil davon ehrenamtlich. Zum Vergleich: Im Bezugszeitraum gab es an allen öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg etwa 95.000 Lehrerinnen und Lehrer. Der Vergleich zeigt die Größenordnung, in der Menschen in Baden-Württemberg sich ehrenamtlich innerhalb der evangelischen Kirchen für Kinder und Jugendliche engagieren.

Anschaulich werden diese Zahlen, wenn man sie auf die Kirchenbezirke umrechnet: Durchschnittlich sind 709 Personen pro Kirchenbezirk (Baden) bzw. 1.143 Personen pro Kirchenbezirk (Württemberg) für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagiert. Umgerechnet auf die Kirchengemeinden wären das durchschnittlich 25 Personen pro Gemeinde in Baden bzw. 40 in Württemberg.

Innerhalb der evangelischen Landeskirchen wird die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Mitarbeitenden intensiv betrieben. Neben 695 regelmäßigen Mitarbeitergruppen gibt es pro Jahr über 1.500 Fortbildungen, bei denen mehr als 40.000 Mitarbeitende aktiv sind. Mit einem gestaffelten Kurssystem von Schnupperkursen, Grundkursen und Aufbaukursen erwerben Jugendliche Kompetenzen für ihr Engagement und erhalten nach erfolgter Qualifizierung die bundesweit gültige Jugendleitercard „Juleica“. Dazu kommen innovative Formen der Mitarbeiterbildung, wie zum Beispiel die sogenannten „Trainee-Gruppen“, bei denen pro Jahr über 2.000 Jugendliche zumeist direkt nach ihrer Konfirmation in spielerischer Weise an die Mitarbeit herangeführt werden (vgl. Kapitel 12.6).

Welchen Anteil erreichen die regelmäßigen Gruppenangebote? Abbildung 3 stellt die Reichweite im Blick auf die evangelischen Kinder und Jugendlichen dar. Insgesamt 18,5% aller evangelischen 6- bis 20-Jährigen in Baden-Württemberg nehmen regelmäßig an einer Gruppe der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit teil, 6,8% an Musikgruppen. Bei Kindern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren werden durch regelmäßige Gruppen der Kinder- und Jugendarbeit sogar mehr als ein Viertel, durch musikalische Angebote und Kindergottesdienste jeweils etwa ein Zehntel der jungen Kirchenmitglieder erreicht. Hinzu kommen Teilnahmen in weiteren Arbeitsfeldern (schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit, Einzelangebote, Konfirmandenarbeit), bei denen eine präzise Reichweitenberechnung aus methodischen Gründen nicht möglich ist.

Abbildung 3: Reichweite der regelmäßigen Gruppenarbeit, bezogen auf die evangelischen Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg

Lesebeispiel: 27,4% aller evangelischen 6- bis 8-Jährigen besuchen regelmäßig eine Gruppe der Kinder- und Jugendarbeit. Alle Angaben in Prozent.

Bezieht man, wie in Abbildung 4 dargestellt, die Reichweite auf alle Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg, liegt die Quote der durch regelmäßige Gruppen erreichten 6- bis 20-Jährigen bei 6,2% (Kinder- und Jugendarbeit) sowie 2,3% (musikalische Arbeit). Weitere Berechnungen zur Reichweite führt das Kapitel 9 aus.

Für das Verständnis der Daten ist ein Blick auf die Demografie hilfreich, die in Kapitel 6 und 21 näher beleuchtet wird. Wie Abbildung 5 verdeutlicht, sinkt die Anzahl von Personen pro Altersjahrgang seit Anfang der 1990er-Jahre deutlich ab – dies gilt in verschärfter Weise für evangelische Kirchenmitglieder. Insofern wird die evangelische Kirche vom demografischen Wandel doppelt getroffen: Es gibt immer weniger Kinder, und der Anteil der Evangelischen unter ihnen wird prozentual geringer. Der in Kapitel 6 vorgestellten Prognose zufolge wird bereits in sieben Jahren die Anzahl der 16-jährigen Evangelischen um mehr als ein Viertel geringer sein als deren Zahl im Jahr 2013 war.

Abbildung 4: Reichweite der regelmäßigen Gruppenarbeit, bezogen auf alle Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg, unabhängig von ihrer Konfession

Anmerkungen: Alle Angaben in Prozent.

Abbildung 5: Anzahl von Personen pro Geburtsjahrgang in Baden-Württemberg zum Zeitpunkt 2012/13

Lesebeispiel: In Baden-Württemberg leben ca. 115.000 Personen mit Geburtsjahrgang 1995, davon gehören ca. 43.000 Personen der evangelischen Kirche an.

Da in der Statistik „Jugend zählt“ jede einzelne Gruppe bzw. Aktivität separat erfasst wurde, ermöglichen die Auswertungen auch tiefe Einblicke in die Gruppenstrukturen. Eine überschaubare Gruppe mit intensiver Betreuung kann als das Markenzeichen evangelischer Kinder- und Jugendarbeit gelten. So werden in einer typischen Jungschar- bzw. Kindergruppe etwa 14 Kinder von 4 Mitarbeitenden betreut. Vergleicht man den bei den meisten Gruppen oder Freizeiten gängigen Betreuungsschlüssel von einem Mitarbeitenden auf ca. drei bis fünf Kinder, so wird das hohe personale Angebot dieser Aktivitäten deutlich. Kinder und Jugendliche finden hier Gesprächspartner und Vertrauenspersonen, die gerade auch in der Phase der Pubertät eine wichtige Ergänzung zum Elternhaus und zur Schule darstellen. Zur Vielfalt der Angebote gehört auch, dass es neben koedukativen Angeboten nach wie vor auch reine Mädchen- und reine Jungengruppen gibt – bei den Jungschar- und Kindergruppen machen diese die Hälfte aller Gruppen aus. Auch bei Jugendkreisen, Pfadfindergruppen und Sportgruppen sind geschlechtergetrennte Angebote nach wie vor gefragt, die meisten Angebote finden aber koedukativ statt. Kapitel 8 enthält weitere Analysen zu Fragen der Gruppenstrukturen, beispielsweise auch zur Frequenz der Gruppentreffen – denn nicht mehr jede Gruppe kommt im Wochenrhythmus zusammen.

Am Beispiel der Freizeiten, bei denen jährlich über 73.000 junge Menschen teilnehmen, wird das hohe Niveau der Betreuungsstrukturen deutlich: Während die Zuschussregelung der Landesregierung jeweils nur einen Betreuer pro 11 Teilnehmende finanziell unterstützt, kommen bei den Freizeiten der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit im Durchschnitt nur drei oder vier Kinder auf eine Betreuungsperson. Ähnliches gilt auch für die Waldheime, die selbst dann beziehungsintensive Kleingruppen anbieten, wenn sie mehrere hundert Kinder gleichzeitig betreuen – oftmals sind hier weit über fünfzig junge Ehrenamtliche pro Waldheim engagiert.

Während viele Gruppen für Kinder und Jugendliche zielgruppenspezifisch auf ein bestimmtes Alter zugeschnitten sind (so beispielsweise der Kindergottesdienst auf die ca. 6- bis 12-Jährigen, die Konfirmandenarbeit mit einer ersten Phase auf Drittklässler und mit ihrem Hauptangebot auf 7./8.-Klässler), stellen einige Angebote ein nach wie vor funktionierendes „Mehrgenerationenprojekt“ dar. So gehören die Posaunenchöre in Württemberg zwar strukturell zur Arbeit des EJW, ihre Teilnehmerschaft setzt sich aber etwa zur Hälfte aus jungen Menschen bis 26 Jahre und zur anderen Hälfte aus Erwachsenen bis hin zu Senioren zusammen. Anders als in vielen anderen kirchlichen oder musikalischen Arbeitsfeldern prägen bei Posaunenchören die Männer mit drei Viertel der Teilnehmenden das Bild – beispielsweise beim zweijährlich stattfindenden „Landesposaunentag“ in Ulm mit vielen tausenden Bläserinnen und Bläsern allen Alters. Aber auch am Heimatort zeigen die Posaunenchöre ein intensives musikalisches Engagement: Über 12.000 Einsätze wurden von den 815 Posaunenchören in Baden-Württemberg gezählt, das bedeutet durchschnittlich mehr als ein Sondertermin pro Monat, beispielsweise für die Mitgestaltung von Gottesdiensten, Geburtstagsständchen oder diakonische Einsätze wie das „Klinikblasen“ am Sonntagmorgen.

Insgesamt beeindruckt die in Kapitel 14 ausführlich vorgestellte musikalische Arbeit durch den enormen Einsatz der Gruppen. Jede vierte Gemeinde hat einen Kinder- und Jugendchor, daneben gibt es mit Singteams, Bands und weiteren musikalischen Aktivitäten eine Vielzahl jugendgerechter Angebote. Die 2.830 hier erfassten Musikgruppen (allen voran die Kinder- und Jugendchöre) gestalten jährlich fast 25.000 Musikveranstaltungen, also Konzerte, Gottesdienstmitwirkung oder diakonische Einsätze. Umgerechnet bedeutet das 67 solcher Einsätze pro Tag in Baden-Württemberg – die umfangreiche Probenarbeit nicht mitgerechnet. Gerade im Musikbereich wird deutlich, dass herkömmliche Bereichsabgrenzungen zwischen „Kirchenmusik“, „Popularmusik“, „Jugendarbeit“ in der Arbeit vor Ort oftmals nicht scharf gezogen werden können – und auch nicht müssen.

Ein Kindergottesdienst wird in 87% der Kirchengemeinden angeboten. Knapp 30.000 Kinder, ein Viertel davon im Kindergartenalter, besuchen den Kindergottesdienst, über 12.000 Mitarbeitende übernehmen hier Verantwortung. Die Rolle der „Helfer“ im Kindergottesdienst hat sich deutlich gewandelt: In mehr als der Hälfte der Kirchengemeinden wird das Kindergottesdienst-Team von Ehrenamtlichen geleitet. Während beim Wochentag weiterhin fast durchgehend der Sonntag gewählt wird (in der Regel parallel zum Erwachsenengottesdienst), ist die wöchentliche Durchführung längst nicht mehr Standard: 42% der Kindergottesdienste haben keinen wöchentlichen Rhythmus, sondern treffen sich alle zwei Wochen, monatlich oder projektartig. Neben dem klassischen liturgischen Modell des Kindergottesdienstes sind mittlerweile auch Mischformen zwischen Jungschar und Gottesdienst oder andere Formen, beispielsweise nach dem „Abenteuerland“-Konzept, in vielen Gemeinden etabliert. Die Daten zum Kindergottesdienst werden in Kapitel 15 näher vorgestellt.

Eine hohe Stabilität in der Teilnahme und zugleich eine große Dynamik in den Gestaltungsformen kennzeichnet die Konfirmandenarbeit, wie in Kapitel 16 deutlich wird. Wie kein anderes Angebot der Kirche erreicht man bei den 13-/14-Jährigen fast den geschlossenen Jahrgang der evangelischen Jugendlichen – und 6% der Konfirmanden kommen bei der Konfirmation neu zur Kirche dazu. Eindrücklich belegen die Zahlen aus Kapitel 16, wie stark das ehrenamtliche Engagement mittlerweile im Feld der Konfirmandenarbeit geworden ist. Nicht nur für die projekthafte Mitarbeit, auch im regelmäßigen Konfirmandenunterricht und bei Konfi-Samstagen setzen sich die Teams oft aus Pfarrer/in und jugendlichen sowie erwachsenen Ehrenamtlichen zusammen. Eine Konfi-Freizeit und/oder ein Konfi-Camp gehören fast überall zum Konfirmandenjahr dazu, daneben haben sich auch zahlreiche weitere Arbeitsformen etabliert, insbesondere Projekt(halb)tage, Gemeindepraktika, Ausflüge und spezielle Konfirmanden-Gottesdienste. Dennoch ist die Zusammenarbeit von Konfirmanden- und Jugendarbeit noch längst nicht in jeder Gemeinde verankert und ein festes Team für diese Kooperation steht nur in jeder fünften Gemeinde bereit.

Parallel zur Erfassung der statistischen Daten wurden die beteiligten Träger (Kirchengemeinden und Jugendverbände) auch um eine Einschätzung zum Thema Inklusion gebeten (vgl. Kapitel 11). Wie die Rückmeldungen zeigen, sind gemeinsame Angebote für junge Menschen mit und ohne Behinderung in vielen Bereichen vorhanden, allen voran bei Waldheimen bzw. Freizeiten sowie in der Konfirmandenarbeit. Die Kommentare in der (einzigen!) offenen Frage der Erhebung zum Thema Inklusion verdeutlichen, wie aufgeschlossen und pragmatisch die Verantwortlichen vor Ort mit dem – durchweg positiv bewerteten – Anliegen der Inklusion umgehen.

Welche Entwicklungen lassen sich aus den vorliegenden Daten ablesen? Da die Statistik in dieser Form erstmals erhoben wurde, gibt es in der Breite keine Vergleichsdaten zu früheren Jahren. Innerhalb des württembergischen Landesteils ist ein Vergleich mit den sieben Jahre früher erhobenen Daten des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) möglich. In der aktuellen Erhebung liegt die Reichweite der mit einem regelmäßigen Gruppenangebot erreichten evangelischen Kinder und Jugendlichen prozentual auf einem ähnlichen Niveau wie bei der EJW-Statistik 2007 – allerdings bei einer deutlich geringer gewordenen Gesamtzahl evangelischer Kinder und Jugendlicher aufgrund der demografischen Entwicklungen. In fast allen Erhebungsbereichen ist die Zahl der Mitarbeitenden weniger rückläufig als die Zahl der Teilnehmenden. Insofern steht in Relation zu den Teilnehmerzahlen eine höhere Quote von Mitarbeitenden bereit. Von einem Abbruch des ehrenamtlichen Engagements in der Breite kann auf Grundlage dieser Daten nicht gesprochen werden. Allerdings weisen Experten auch auf die Fragilität ehrenamtlichen Engagements bei jungen Menschen hin: Insbesondere durch G8 und stärker vorstrukturierte Studiengänge engen sich die Freiräume für das Engagement zunehmend ein (vgl. Kapitel 27).

Was es bedeutet, wenn sich die Angebote in der evangelischen Kirche auf neue Rahmenbedingungen einlassen, kann an zwei Beispielen deutlich gemacht werden: In der Konfirmandenarbeit wurde vor einigen Jahren die Möglichkeit eingeführt, dass Kirchengemeinden bereits parallel zur 3. Klasse eine erste Phase der Konfi-Zeit im Kindesalter, das Modell „Konfi 3“, anbieten. Inzwischen haben 15% der Gemeinden (freiwillig) auf dieses Modell der geteilten Konfirmandenarbeit umgestellt, weitere 6% stehen in den Startlöchern. Solche Entwicklungen zeigen, dass auch über Jahrhunderte gewachsene Traditionen wie die Konfirmandenarbeit flexibel gestaltet werden können – hier mit der Idee, dass junge Menschen auf der Wegstrecke zwischen Taufe und Konfirmation (mit ungefähr 14 Jahren) in einer weiteren Phase intensiven Kontakt mit ihrer Kirche bekommen.

Ein zweites Beispiel zeigt einen Aufbruch in der Jugendarbeit, der durch die Veränderungen im schulischen Bereich angestoßen wurde: Angebote schulbezogener Kinder- und Jugendarbeit erreichen mittlerweile fast 48.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg. In Württemberg haben sich diese Zahlen gegenüber der letzten Erhebung mehr als verdoppelt. Mit Kooperationsformen wie regelmäßiger Mitgestaltung von Schulgottesdiensten, Praktika in der Jugendarbeit oder dem Schülermentorenprogramm kooperieren die örtlichen Träger der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit mittlerweile mit über 1.000 Schulen in Baden-Württemberg – das entspricht etwa jeder vierten Schule. Ein weiterer Ausbau dieser Arbeit für die kommenden Jahre ist zu erwarten, insbesondere im Zuge der 2014/15 eingeführten neuen Regelungen zur Ganztagsgrundschule.

Insgesamt zeigt sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als ein vitales Arbeitsfeld, das zwar die demografischen Entwicklungen zahlenmäßig spürt, aber mit einer Vielfalt von Angeboten weiterhin eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg erreicht. Mit ihrem hohen Grad an ehrenamtlichem Engagement sind diese Angebote eine Ausdrucksform der lebendigen Zivilgesellschaft und stellen für viele Kinder und Jugendliche einen Lebensraum bereit, in dem sich Glaube und Leben entfalten können.

2.NOTWENDIGE VERSTÄNDNIS-GRUNDLAGEN ZUR DARSTELLUNG

Wolfgang Ilg / Peter Lehmann

Anlage der Erhebung

Die folgenden Lesehinweise bieten eine rasche Einführung in die Darstellung der Ergebnisse. Ausführliche Hinweise für wissenschaftlich Interessierte sowie weitere Differenzierungen sind in Kapitel 31 dargestellt.

Die Statistik 2013 stellt eine Vollerhebung für die Kinder- und Jugendaktivitäten in den Evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg dar. Folgende Arbeitsbereiche wurden jeweils in einem eigenen Teil-Erhebungsbogen abgefragt:

–Kinder- und Jugendarbeit, aufgeteilt in

■regelmäßige Gruppenangebote

■Einzelangebote

■Schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit

–Musikalische Angebote

–Kindergottesdienst

–Konfirmandenarbeit

–Basisdaten, insbesondere zur Gesamt-Mitarbeiterzahl und zum Thema Inklusion

Die Online-Erhebung erfolgte in der zweiten Jahreshälfte 2013 für den Bezugszeitraum des Schuljahrs 2012/13. 85% der angeschriebenen 2.416 Träger (Kirchengemeinden, Bezirksjugendwerke, Bezirkskantoren sowie Jugendverbände) beteiligten sich, ausgehend von dieser Datengrundlage wurden die Gesamtdaten hochgerechnet. Die für eine solche Erhebung vergleichsweise sehr hohe Beteiligungsrate konnte aufgrund intensiver Unterstützungsangebote, insbesondere einer Telefon-Hotline, erreicht werden. Damit liegen erstmals für den Bereich des gesamten Bundeslands Baden-Württemberg wissenschaftlich erhobene Daten zu diesen Arbeitsbereichen vor. Die wissenschaftliche Auswertung wird vom Team der Universität Tübingen (Lehrstuhl Prof. Dr. Schweitzer) verantwortet.

Erfasst wurden alle Aktivitäten, die sich schwerpunktmäßig an junge Menschen zwischen 6 und 26 Jahren wenden. Nicht erfasst sind Aktivitäten im schulischen Bereich (z. B. Religionsunterricht) sowie im Bereich der Diakonie. Daneben nehmen junge Menschen natürlich auch an Angeboten teil, die sich nicht schwerpunktmäßig an Kinder und Jugendliche richten (z. B. die regelmäßigen sonntäglichen Gottesdienste), diese wurden ebenfalls nicht erfasst.

Die Erfassung der Aktivitäten erfolgte in sehr differenzierter Weise. Bei den Gruppenangeboten der Kinder- und Jugendarbeit, bei den Einzelangeboten der Kinder- und Jugendarbeit sowie bei den musikalischen Aktivitäten sollte jede eingetragene Aktivität (z. B. „CVJM-Handball-Team“) einer bestimmten Art (z. B. „Sportgruppe“) zugeordnet werden. Für die Auswertung wurden die insgesamt 50 vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten dann zu 21 Kategorien zusammengefasst. Diese Kategorien bilden das Raster, in dem die Daten hier dargestellt werden.

Hinweise zum Verständnis der Darstellung

Die Daten in diesem Buch werden jeweils auf drei Ebenen dargestellt und mit folgenden Kennfarben markiert:

–Baden-Württemberg Gesamt (schwarz)

–Baden (orange)

–Württemberg (violett)

Alle Aktivitäten enthalten jeweils auch die Daten der selbständigen Jugendverbände, die unter dem Dach der jeweiligen Landeskirche (aber nicht immer in direkter Kooperation mit den Kirchengemeinden oder Bezirksinstitutionen) arbeiten. Jede Aktivität wurde einzeln erfasst, so dass auch Strukturdaten, beispielsweise zur durchschnittlichen Gruppengröße, berichtet werden können. Die Einzelnennung jeder Aktivität bürgt auch dafür, dass nicht „Fantasiedaten“ eingetragen werden konnten, sondern jede Nennung durch eine konkrete Bezeichnung (z. B. „Jungschar Kleine Fische“) belegt wird.

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Gruppen und Einzelangeboten (Beispielzahlen beziehen sich auf die Tabelle in Kapitel 12.2):

–Bei Gruppen wird die durchschnittliche Teilnehmer- bzw. Mitarbeiterzahl pro Treffen angegeben. Die Summe von 47.086 Teilnehmern in Jungschargruppen bedeutet also, dass 47.086 Kinder regelmäßig (zumeist wöchentlich) eine Jungschar besuchen. Diese Zähl-Logik gilt neben den Gruppenangeboten der Kinder- und Jugendarbeit auch für die schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit, die musikalischen Angebote, den Kindergottesdienst und die Konfirmandenarbeit.

–Bei Einzelangeboten werden dagegen Teilnahmen und Mitarbeiter-Engagments als Summe aller Veranstaltungen in einem Jahr benannt. Die 59.866 Teilnahmen bei Kinderbibeltagen/-wochen sagen also aus, dass bei diesen Angeboten insgesamt 59.866 Kinder gezählt wurden. Dabei ist es aber möglich, dass ein Kind sowohl im Frühjahr als auch im Herbst bei einer Kinderbibelwoche teilnahm und entsprechend zwei Mal gezählt wurde. Die Begriffe „Teilnahmen“ und „Mitarbeiter-Engagements“ (anstatt „Teilnehmer“ und „Mitarbeiter“) verdeutlichen diese Möglichkeit der Doppelzählung. Entsprechend werden diese Einzelangebote bei der Berechnung der Reichweite (Kapitel 9) nicht berücksichtigt. In Grafiken und Tabellen werden zur Unterscheidung die Absolutzahlen der Einzelangebote in kursiver Schrift dargestellt.

Einige Erläuterungen zu wichtigen Begrifflichkeiten sowie weitere Lese-Hinweise:

–Die Zahlen werden in der Regel sowohl für Baden als auch für Württemberg dargestellt. Allerdings ist ein direkter Vergleich (wie in Kapitel 19 ausgeführt wird) aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen nicht ohne Weiteres möglich. Als grobe Orientierung kann gelten, dass die Evangelische Landeskirche in Baden (1,2 Millionen Kirchenmitglieder) ungefähr halb so viele Mitglieder hat wie die Evangelische Landeskirche in Württemberg (2,2 Millionen). Sofern bei einer Darstellung keine Landeskirche genannt ist, beziehen sich die Angaben immer auf das gesamte Bundesland Baden-Württemberg.

–Der Begriff „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ wird als Überbegriff für alle hier erfassten Angebote für junge Menschen im Raum der beiden evangelischen Landeskirchen verwendet. Dazu gehören also die Kinder- und Jugendarbeit (z. T. auch nur als „Jugendarbeit“ bezeichnet), die musikalische Arbeit, Kindergottesdienste sowie die Konfirmandenarbeit.

–Die Kinder- und Jugendarbeit findet an verschiedenen Orten statt. Ihre „klassische“ Form hat sie in Gemeinden und Verbänden – diese Arbeitsformen werden daher auch ohne weiteren Zusatz als „Kinder- und Jugendarbeit“ bezeichnet. Daneben hat sich eine neue Form entwickelt, die im Kontakt mit der Schule stattfindet. Diese „schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit“ ist Teil der Kinder- und Jugendarbeit, wird aber aus methodischen Gründen (eigener Erhebungsbogen) in einem separaten Kapitel dargestellt.

–Als „Träger“ werden alle einbezogenen Institutionen bezeichnet, die Angebote für Kinder und Jugendliche vorhalten. Auf der örtlichen Ebene sind dies die Kirchengemeinden (manchmal in der Kurzform als „Gemeinden“ bezeichnet) und Jugendverbände (manchmal in der Kurzform als „Verbände“ bezeichnet), auf der Bezirks- und Landesebene die Bezirksjugendwerke, Bezirkskantoren und die überregionalen Jugendverbände.

–Bei der Angabe der Verbreitung („Dies gibt es in …% aller Gemeinden“) wird der Anteil der Kirchengemeinden angegeben, bei denen es diese Aktivität gibt. Aktivitäten auf Bezirks- und Landesebene sowie Aktivitäten von Verbänden, die nicht mit der örtlichen Kirchengemeinde kooperieren, bleiben dabei unberücksichtigt.

–Die häufig erwähnte „Statistik 2007“ meint die Erhebung des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg zum Bezugszeitraum 2005/2006, also sieben Jahre vor der Statistik 2013. Die Statistik 2007, veröffentlicht als „Evangelische Jugendarbeit in Zahlen“ (Frieß / Ilg 2008) bildete den methodischen Ausgangspunkt der vorliegenden Statistik 2013, ihre Ergebnisse werden in Kapitel 18 mit den aktuellen Daten verglichen.

–Die Darstellung von Daten erfolgt zumeist in absteigender Reihenfolge der Häufigkeit, wobei die Kategorie „Weitere Aktivitäten“ stets als letztes angegeben wird. „Weitere Aktivitäten“ umfassen dabei zumeist sowohl verschiedene kleinere abgefragte Aktivitäts-Arten (beispielsweise „TEN SING“) als auch alle Angaben, die von den Trägern unter „sonstige Aktivitäten“ eingetragen wurden, weil sie zu keiner der vorgegebenen Aktivitäts-Arten passten.

–Die Angabe von Prozentwerten erfolgt aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen der Prozentsummen von 100 beruhen auf Rundungsdifferenzen.

–Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit werden geschlechtergerechte Sprache formen nicht durchgehend verwendet. Ein Begriff wie „Mitarbeiter-Engagements“ bezieht sich selbstverständlich auf Frauen und Männer gleichermaßen.

In grauer und kleinerer Schriftart werden Hinweise zur Methodik präsentiert. Diese können vom eiligen Leser übersprungen werden, enthalten aber insbesondere für wissenschaftlich Interessierte Zusatzinformationen zu Details der Erhebung und der Auswertung.

Abkürzungen

–BL: Bezirks- und Landesebene. „ohne BL“ bedeutet, dass sich die Darstellung nur auf die Daten der Ortsebene, ohne die Bezirks- und Landesebene, bezieht

–MA: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

–TN: Teilnehmerinnen und Teilnehmer

–N: Hiermit wird in Grafiken angegeben, wie oft ein bestimmtes Angebot vorhanden ist.

–n. a.: „nicht anwendbar“ (aus dem Englischen für „not applicable“) – wird in Tabellenzellen verwendet, für die keine Angabe möglich ist.

–SGB VIII: Achtes Buch Sozialgesetzbuch (= Kinder- und Jugendhilfegesetz)

Überblick über Aktivitäts-Arten und Kategorien

In den Bereichen „Kinder- und Jugendarbeit“ (außer der separat erfassten schulbe- zogenen Jugendarbeit) sowie bei den musikalischen Aktivitäten sollte jede Aktivität einer vordefinierten Art von Aktivität zugeordnet werden, zum Beispiel „Kinderbibeltage (1–2 Tage)“ oder „Kinderbibelwochen (3 und mehr Tage)“. Insgesamt waren für die Gruppenangebote der Kinder- und Jugendarbeit 12 Arten angegeben, für die musikalischen Angebote 10, für die Einzelangebote 28 (auf der örtlichen Ebene war die Auswahl zum Teil geringer, weil manche Differenzierungen nur auf der überörtlichen Ebene notwendig sind). Um die Vielzahl dieser Aktivitäts-Arten in überschaubarer Weise darzustellen, wurden diese in Kategorien zusammengefasst (z. B. „Kinderbibeltage/-wochen“): Insgesamt ergaben sich so 8 Kategorien für die Gruppenangebote der Kinder- und Jugendarbeit, 4 Kategorien für die musikalischen Aktivitäten und 9 Kategorien für die Einzelangebote.

In Kapitel 12 und 14 erfolgt die Auswertung zunächst über die Kategorien, eine zusätzliche Tabelle gibt dann in jedem Unterkapitel die darin enthaltenen Aktivitäts-Arten an.

Tabelle 1 stellt die Kategorien und die darin enthaltenen Aktivitäts-Arten für die drei Bereiche dar.

Tabelle 1: Übersicht über die Aktivitäts-Arten und die daraus gebildeten Kategorien

Anmerkungen: [BL]: Diese Aktivität wurde nur auf Bezirks- und Landesebene erfragt. Bei der Erhebung lautete die Bezeichnung für die Kinder- und Jugendchöre „Vokalchor“, für die Posaunenchöre „Posaunengruppen“ – in der Auswertung werden die gängigeren Begriffe genutzt

Teil B: Grundlagen

3.STATISTIK UND/ODER THEOLOGIE?

Bedeutung und Grenzen statistischer Beschreibungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der evangelischen Kirche

Friedrich Schweitzer

Lange Zeit schienen sich theologische und statistische Betrachtungsweisen wie Feuer und Wasser zueinander zu verhalten: „Wer theologisch denkt, braucht keine Statistik, und wer statistisch arbeitet, bleibt hinter theologischen Fragestellungen oder gar Einsichten zurück.“

An dieser Einschätzung hat sich auch durch die schon bei dem berühmten Theologen Friedrich Schleiermacher zu findende Forderung, dass die Beschäftigung mit der „kirchlichen Statistik“ ein unerlässlicher Bestandteil des theologischen Studiums sei (Schleiermacher 1811/1973, 89–96), nur wenig geändert. Schleiermacher stand vor Augen, dass die Theologie den jeweiligen „Gesamtzustand“ der Kirche genau kennen müsse. Vielen anderen lag es wohl aber näher, an das gleichnishafte Missverhältnis zwischen dem einen Schaf, um das sich die Nachfolger Jesu kümmern müssen, und den 99 Schafen, die den Statistikern überlassen bleiben können, zu denken und die komplizierten Zahlenverhältnisse getrost außer Acht zu lassen.

Heute hat sich demgegenüber auch in Theologie und Kirche weithin das Bewusstsein durchgesetzt, dass der auch hier schon lange geforderte Realitätssinn kaum mit einer grundsätzlichen Aversion gegen Statistik zu vereinbaren wäre. So sind es inzwischen weniger die grundsätzlichen Vorbehalte, die im Blick auf statistische Zugangsweisen zu diskutieren sind, als vielmehr spezifische Fragen nach den jeweils mit statistischen Erfassungen verbundenen Zielen und Erwartungen.

Dies ist im vorliegenden Falle einer Gesamtstatistik zur evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in zwei Landeskirchen besonders bedeutsam. Denn mit dieser Zugangsweise verbindet sich die Möglichkeit einer insgesamt veränderten Betrachtungsweise, die durch die Statistik allein zwar keineswegs schon erreicht oder gar durchgesetzt werden kann, die sich durch eine solche Statistik jedoch in wesentlicher Weise unterstützen lässt.

Der Gewinn einer Gesamtstatistik zur evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Die verschiedenen Felder der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der evangelischen Kirche weisen allesamt eine jeweils besondere Geschichte auf. Sie sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, und sie verbinden sich mit verschiedenen Zielsetzungen. Beispielsweise ist die evangelische Jugendarbeit, abgesehen von den Anfängen schon im 19. Jahrhundert, zumindest in der Breite vor allem ein Kind des 20. Jahrhunderts und darin Ausdruck des Strebens nach einer größeren Selbständigkeit Jugendlicher in Kirche und Gesellschaft. Der Kindergottesdienst hingegen erwuchs aus den Bedingungen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens im 19. Jahrhundert, als Teil der Inneren Mission, der kirchlichen Sozialpädagogik sowie einer neuen bewussten Hinwendung zum Kind mit seinen spezifischen Bedürfnissen und Weltzugängen. Die Konfirmandenarbeit erhielt ihre ersten Impulse schon in der Reformationszeit, entwickelte sich aber erst im 18. Jahrhundert zu einem flächendeckenden Angebot. Wieder anders sind die Kontexte der kirchlich-musikalischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die einerseits weit in die Geschichte zurückverweisen und andererseits seit dem späten 20. Jahrhundert eine neue Blüte erreicht haben.

Die Stärke der historisch gewachsenen Vielfalt unterschiedlicher Arbeits- oder Handlungsfelder ergibt sich aus den vielfältigen Angeboten, die auf diese Weise entstehen und gepflegt werden können. Der Preis dieser Vielfalt bedingt zugleich aber auch eine Schwäche, die besonders dann zu Tage tritt, wenn die mit der unabhängigen Gestalt der Einzelbereiche verbundenen Gefahren einer fehlenden wechselseitigen Wahrnehmung und handlungsfeldübergreifenden Kooperation oder gar einer wechselseitigen Isolation vor Augen treten. Von einer Gefahr ist hier insofern zu sprechen, als der Auftrag evangelischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ja nicht darin bestehen kann, einzelne Angebote zu profilieren. Dieser Auftrag hat sein Maß vielmehr an dem Kriterium, ob es gelingt, den einzelnen Kindern und Jugendlichen erfolgreich Zugänge zu einem kind- und jugendgemäßen Ausdruck eines vom Evangelium bestimmten Glaubens und Lebens zu geben. Ob und in welchem Maße dieses Kriterium erfüllt ist, lässt sich ohne einen Blick auf die Gesamtheit der evangelischen Kinder und Jugendlichen, wie die Statistik ihn zu bieten vermag, kaum abschätzen.

Die nun vorliegende Gesamtstatistik, die sich anders als frühere Untersuchungen bewusst nicht mehr einfach auf die Kinder- und Jugendarbeit im herkömmlichen Sinne beschränkt, stellt insofern einen entscheidenden Fortschritt dar. Sie entspricht der beschriebenen Notwendigkeit, über die einzelnen Angebote und Handlungsfelder hinaus zu denken und als Gesamtstatistik eben das zu erfassen, was sich Kindern und Jugendlichen im evangelischen Bereich als Angebot darstellt.

Dass der mit der vorliegenden Statistik erreichte Fortschritt dabei noch immer auch Grenzen aufweist, sollte dabei nicht verschwiegen werden. Verschiedene Bereiche von ebenfalls zentraler Bedeutung müssen noch hinzugezogen werden, um ein Gesamtbild zu erhalten, etwa die evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder, der Religionsunterricht in der Schule oder die Schulen in evangelischer Trägerschaft. Auch die Arbeit im Bereich der Diakonie muss hier genannt werden. Für diese Bereiche liegen eigene statistische Erhebungen vor, die in einer Zusammenschau zusammengeführt werden sollten. Hier liegen weitere Aufgaben für die Zukunft, die auf der Grundlage des nun vorliegenden Berichts angegangen werden sollten.

Statistik als notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung weiterreichender Erkenntnisse

Es ist eine Binsenweisheit, dass statistische Befunde als solche noch keine theologischen Einsichten bieten. Theologisch werden solche Befunde erst dann und dadurch bedeutsam, dass sie theologisch aufgenommen und interpretiert werden. Zu diesem Zweck müssen sie beispielsweise mit religionspädagogischen oder kirchentheoretischen Perspektiven verbunden und vor deren Hintergrund gedeutet werden. Umgekehrt werden religionspädagogische oder kirchentheoretische Deutungen erkennbar realitätshaltiger, wenn sie sich auf statistische Befunde stützen können.

Zu Recht wird in diesem Zusammenhang allerdings vor sogenannten naturalistischen Fehlschlüssen gewarnt. Damit ist gemeint, dass sich aus einer Beschreibung der Realität nicht ableiten lässt, in welcher Hinsicht der jeweilige Zustand, wie er sich etwa in statistischen Befunden widerspiegelt, vielleicht verändert werden sollte. Ziele, die als Normen in das religionspädagogische oder kirchliche Handeln eingehen, ergeben sich nicht einfach aus einer Zustandsbeschreibung. Ziele und Normen müssen vielmehr eigens theologisch und pädagogisch begründet werden. Dabei bleibt aber auch der umgekehrte Zusammenhang bedeutsam: Normen und Ziele, die nicht mit der Realität vermittelt sind, bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit wirkungslos.

Vielfach wird die statistische Erfassung bereits als eine empirische Zugangsweise verstanden. Sozialwissenschaftlich gesehen ist es jedoch sinnvoller, statistische Befunde als notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für empirische Erkenntnisse anzusehen. Empirische Erkenntnisse ergeben sich erst daraus, dass spezielle Fragen oder Zusammenhänge genauer untersucht werden, und zwar mithilfe empirischer Methoden wie etwa einer inhaltlichen Befragung, verschiedener Formen der Beobachtung sowie spezieller Analysen, die weit über eine statistische Erfassung von Grunddaten hinausreichen. Im vorliegenden Zusammenhang können sich empirische Untersuchungen etwa darauf beziehen, welche Erfahrungen Kinder und Jugendliche mit den Angeboten, an denen sie sich beteiligen, tatsächlich machen, wie sich dies beispielsweise auf ihre religiösen Einstellungen auswirkt und welche Fähigkeiten oder Kompetenzen sie dabei erwerben.

Auch in dieser Hinsicht lässt sich erneut Schleiermacher als Zeuge aufrufen. Denn für ihn gehörte zur „kirchlichen Statistik“ auch die Frage nach dem „Gehalt einer kirchlichen Gemeinschaft“, also nach den in der Kirche zu findenden Glaubensüberzeugungen, notwendig zu einer zureichenden Beschreibung der Realität von Kirche mit hinzu.

Statistische Befunde geben so gesehen einen ersten Einblick in die Realität kirchlicher Arbeit. Damit können sie zum Ausgangspunkt weiterer gezielter Untersuchungen werden, etwa indem sie auf sich abzeichnende – häufig problematische, zum Teil aber auch besonders chancenreiche – Entwicklungen aufmerksam machen. Die in den letzten Jahren in Gang gekommene Evangelische Bildungsberichterstattung ist dafür ein eindrückliches Beispiel. Hier könnte sogar von einer Art Frühwarnsystem gesprochen werden, wenn etwa sich abzeichnende Engpässe im Personalbereich erfasst werden. Ähnliches gilt für die bundesweiten Untersuchungen zur Konfirmandenarbeit, die statistische Erhebungen mit weiterreichenden Untersuchungen verbinden (vgl. Ilg / Schweitzer / Elsenbast 2009).

Begründung statistischer Arbeit aus evangelischer Sicht?

Dass sich statistische Erhebungen aus evangelischer Sicht begründen lassen sollen, wird vielen erstaunlich erscheinen. Über die allgemeinen Begründungen statistischer Erhebungen aus theologischer Sicht sowie im Blick auf ihre Bedeutung als Voraussetzung empirischer Untersuchungen hinaus sollen in diesem Abschnitt deshalb noch einige spezifisch evangelische Begründungen dargestellt werden. Damit wird natürlich nicht behauptet, dass sich statistische Erhebungen nur aus evangelischer Sicht begründen ließen. Stattdessen kommt es mir darauf an, den speziellen Zusammenhang zwischen dem evangelischen Kirchenverständnis und statistischen Fragestellungen aufzuzeigen.