Justine 3 - Marquis de Sade - E-Book

Justine 3 E-Book

MARQUIS DE SADE

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Erotik
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2016
Beschreibung

Der dritte Teil entführt uns in eine Welt des bizarren Lasters. Marquis de Sade entfaltet sein gesamtes Repertoire an Abartigkeiten, die dem Bürger zuwider sind. Seine kranke Fantasie schafft sich ein Ventil. Illustrierte Ausgabe mit Bildern zum Thema. Dieser antireligiöse Text ist für Jugendliche unter 18 Jahren absolut nicht geeignet.

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Marquis de Sade

Justine 3

Band 3

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

1. Kapitel

Fortsetzung der Geschichte Jeromes.

Das erstemal, da man sich allein befindet, nachdem man recht lange zu Zweit war, scheint es, als ob dem Dasein etwas fehle. Die Toren halten das für die Wirkungen der Liebe; sie täuschen sich. Der Schmerz, den man durch diese Leere empfindet, ist nur die Wirkung der Gewohnheit, die durch eine entgegengesetzte Gewohnheit schneller schwindet als man denkt. Am zweiten Tage meiner Reise dachte ich schon nicht mehr an Josephine; wenn ihr Bild in meinen Gedanken auftauchte, so geschah es mit der Empfindung einer Art grausamen Vergnügens, das viel wollusterregender war als das der Liebe oder des Zartgefühls. »Sie ist gestorben,« sagte ich zu mir, »gestorben unter entsetzlichen Qualen, und ich war es, der ihr diese verursacht hat.« Dieser köstliche Gedanke rief dann solche Freudenausbrüche in mir hervor, daß ich mich häufig genötigt sah, halten zu lassen, um meinen Postillon von hinten zu bearbeiten.

Ich befand mich in der Umgebung von Trient, ganz allein in meinem Wagen, auf dem Wege nach Italien, als eine dieser Regungen der Sinnlichkeit mich im gleichen Augenblicke ergriff, da ich im Walde, den wir durchquerten, Jammerlaute vernahm. »Halt!« sagte ich zum Postillon. »Ich möchte die Ursache dieses Geschreies wissen. Entferne dich nicht und gib auf meinen Wagen acht.« Ich dringe, die Pistole in der Hand, in den Wald und entdeckte endlich in einem Gestrüpp ein fünfzehn oder sechszehnjähriges Mädchen, das mir ausnehmend schön schien. »Welches Mißgeschick betrübt Sie, mein schönes Fräulein?« fragte ich, an sie herantretend. »Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?« – »Ach nein, nein, mein Herr,« erwiderte sie, »es gibt kein Mittel gegen die Schande; ich bin eine Verlorene; ich erwarte nur den Tod, um den ich Sie bitte.« – »Aber, Fräulein, wenn Sie so gut wären, mir zu erzählen ....« – »Sie Sache ist ebenso einfach wie grausam, mein Herr. Ein junger Mann verliebt sich in mich; dieses Verhältnis mißfällt meinem Bruder; der Barbar mißbraucht die Autorität, die der Tod unserer Eltern ihm verleiht; er entführt mich und läßt mich nach schrecklichen Mißhandlungen in diesem Walde zurück, indem er mir unter Androhung des Todes verbietet, jemals wieder in seinem Hause zu erscheinen: dieses Ungeheuer ist zu allem fähig; er tötet mich, wenn ich heimkehre. Ach, mein Herr, ich weiß nicht, was aus mir werden soll! Doch Sie bieten mir ja Ihre Dienste an .... Nun gut, ich nehme sie an. Bitte, helfen Sie mir bei der Aufsuchung meines Liebhabers; tun Sie das, mein Herr, ich beschwöre Sie darum. Ich kenne nicht Ihren Stand oder Ihr Vermögen; aber mein Geliebter ist reich und wenn Sie Geld benötigen, bin ich sicher, daß er es Ihnen für meine Wiedererlangung gerne geben würde.« – »Wo ist dieser Geliebte, Fräulein?« fragte ich eifrig. – »In Trient, kaum zwei Meilen von hier.« – »Weiß er etwas von Ihrem Erlebnis?« – »Ich glaube, noch nicht.« – Jetzt sah ich wohl, daß dieses schöne Mädchen, gegenwärtig ohne jeden Schutz, wenn ich es wollte, mir zu Willen sein müsse; aber ebenso geldgierig als lüstern, begann ich sogleich einen Plan zu schmieden, um gleichzeitig beide Gelüste zu befriedigen. »Wissen Sie nicht,« fragte ich zunächst die Unglückliche, »ob nicht ein Haus in der Nähe dieser Waldpartie ist?« – »Nein, Herr, ich glaube nicht.« – »Nun gut, verbergen Sie sich noch mehr im Gebüsch; rühren Sie sich nicht; schreiben Sie mit meinem Stift auf dieses Papier die drei Zeilen, die ich Ihnen diktieren werde; in einigen Stunden bringe ich dann Ihren Liebhaber.«

Ich diktierte dem hübschen Mädchen folgendes: »Ein wackerer Unbekannter wird es Ihnen ermöglichen, sich von meinem Unglück zu überzeugen; es ist furchtbar. Folgen Sie ihm, er wird Sie an den Ort geleiten, wo ich Sie erwarte; aber kommen Sie allein, ganz allein; das lege ich Ihnen sehr ans Herz; warum, werden Sie bald erfahren. Wenn zweitausend Zechinen Ihnen nicht zu gering scheinen als Belohnung für den Mann, der uns vereinigt, so bringen Sie sie mit, um sie ihm vor mir zu verabfolgen. Sie können mehr bringen, wenn Ihnen die Belohnung zu mäßig scheint.«

Die schöne Mißhandelte, die Héloise hieß, unterzeichnete das Billet; ich begab mich sodann rasch in meinen Wagen und trieb den Postillon zur schnellen Fahrt an; ich ließ ihn halten vor der Türe des jungen Alberoni, des Geliebten Héloisens. Ich überreichte ihm den Brief. »Zweitausend Zechinen!« schrie er, mich umarmend, »zweitausend Zechinen für Nachrichten vom Teuersten, was ich auf Erden habe! Nein, nein, mein Herr, das ist nicht genug, hier haben Sie das doppelte! Gehen wir, ich beschwöre Sie darum. Ich erfuhr soeben das Verschwinden meiner Geliebten und den Zorn ihres Bruders; aber ich wußte nicht, wohin meine Schritte lenken, um sie zu finden; Sie weisen mir den Weg, wieviel Dank schulde ich Ihnen dafür! Fahren wir, mein Herr, und gehen wir allein, da sie es so verlangt.« Jetzt zügelte ich aber den Uebereifer des jungen Mannes um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er wegen der Erbitterung des Bruders Héloisens das Mädchen nicht nach Trient zurückbringen dürfe. »Nehmen Sie soviel Geld mit als möglich,« sagte ich ihm, »verlassen Sie das Gebiet dieser Stadt und verbinden Sie sich für immer mit Ihrer Geliebten. Denken Sie gut darüber nach, mein Herr, denn der entgegengesetzte Weg wird ihren ewigen Verlust für Sie bedeuten.« Alberoni, von meinen Erwägungen überzeugt, dankt mir; er stürzt eiligst in sein Gemach und rafft alles Gold und Geschmeide an sich. »Eilen wir jetzt,« sagt er zu mir. »Ich habe die Mittel, ihr ein Jahr lang in welcher Stadt Deutschlands oder Italiens immer ein glänzendes Leben zu ermöglichen; indessen kann man die Sache hier in Ordnung bringen.« Mit diesem weisen Entschluß zufrieden, billige ich ihn; meinen Wagen lasse ich in die Herberge einstellen, trotz der inständigen Bitten Alberonis, der ihn durchaus bei sich zu behalten wünschte. Dann eilen wir fort.

Héloise hatte sich nicht gerührt. »Unkluger« sagte ich zu Alberoni, während ich ihm die Mündung einer Pistole an die Schläfe setzte, ohne ihm die Zeit zu lassen, nur einen Laut auszustoßen, »wie konntest du die Dummheit begehen, den Händen eines dir Unbekannten deine Geliebte und dein Geld anzuvertrauen? Lege schnell alles, was du mit hast, her und trage in den Gluten der Hölle die ewige Reue über deine Unklugheit!« Alberoni will eine Bewegung machen; ich strecke ihn zu meinen Füßen nieder. Héloise fällt in Ohnmacht.

»Sapperlot!« sagte ich dann zu mir, »so wäre ich denn durch diese köstliche Missetat Herr eines reizenden Mädchens und einer netten Summe; jetzt wollen wir mal genießen.« Andere an meiner Stelle hätten vielleicht aus der Ohnmacht ihres Opfers Nutzen gezogen, um sich ihrer mit mehr Ruhe zu erfreuen; ich dachte ganz anders. Ich wäre verzweifelt gewesen, wenn diese Unglückliche nicht im Besitze aller ihrer Sinne gewesen wäre, um mich an ihrem Mißgeschick noch mehr erfreuen zu können. Meine wüste Phantasie ersann zu dem einige Ruchlosigkeiten; ich wollte sie den Leidenskelch bis zur Neige leeren lassen. Wenn man so weit geht, ein Verbrechen zu begehen, dann muß man es in dem erdenklich größten Umfang, mit raffiniertester Grausamkeit verüben.

Ich hielt meiner Héloise flüchtiges Salz unter die Nase; ich versetzte ihr Ohrfeigen und kniff sie. Da ich sie durch das alles nicht zu Bewußtsein brachte, so schürzte ich sie und kitzelte ihre Clitoris; auf diese wollüstige Empfindung hin schlug sie ihre Augen auf. »Schönes Kind,« sagte ich zu ihr, während ich einen feurigen Kuß auf ihren Mund drückte, »nur ein wenig Mut: Sie brauchen ihn, um den weiteren Verlauf Ihres Unglücks ertragen zu können. Sie sind noch nicht am Ziel.« – »Ruchloser,« sagte das interessante Mädchen weinend, »was willst du denn noch? Welche neue Qualen stehen mir denn noch bevor? Ist es denn nicht genug, mein Vertrauen mißbraucht zu haben, um mir alles zu rauben, was ich liebe? Drohest du mir nur mit dem Tode, dann beeile dich, ihn mir zu geben; vereinige mich rasch mit dem angebeteten Gegenstande meiner Liebe; für diesen Preis verzeihe ich dir deine Untat.«

»Dem Tod, nach dem du dich sehnst, mein Engel,« antwortete ich, indem ich sie zu betasten begann, »wirst du ganz sicher nicht entgehen; aber es müssen ihm einige Demütigungen und Grausamkeiten vorangehen, denn ohne diese dir den Tod zu geben, würde mir meinen Genuß verkürzen.« Aber da während dieser Worte meine Hände, die beständig herumwühlten, meinen gierigen Blicken Schenkel von blendender Weiße und schöner Rundung darboten, machte ich dem Gespräch ein Ende und handelte nur mehr. Die Gewißheit, die Erstlinge eines so schönen Mädchens pflücken zu können, ließ mich an eine Art des Angriffs denken, die mir sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Gott! In welche Schwierigkeiten, in welche Hitze, in welches Entzücken versetzte mich dieser Sieg! Die Art, wie ich ihn errang, verlieh ihm noch mehr Würze. Ein alabasterweißer Hals bot sich mir dar; in dem Zustand, in dem ich mich befand, war ich mehr zu Mißhandlungen als zu Liebkosungen geneigt, darum biß ich und drückte ich sie, anstatt sie zu küßen. Welch wunderbares Phänomen! Héloise unterliegt trotz ihres Schmerzes dem Gefühle des Entzückens, das zu empfinden ich sie zwinge; sie entleert sich. Nun entfacht nichts auf der Welt das Gefühl wolllüstiger Raserei in mir so stark, als wenn ein Weib meinen Genuß teilt. »Elende Dirne!« schrie ich, »du wirst für deine Kühnheit büßen!« Damit drehte ich sie heftig um und setzte mich in den Besitz des denkbar reizendsten Hintern. Mit einer Hand schiebe ich die Backen, auseinander, mit der anderen führe ich mein Glied ein und nun sodomisiere ich drauf los. Götter; Welch ein Vergnügen bereitet sie mir! Ich verursachte ihr Schmerzen; sie wollte schreien, da preßte ich ihr ein Taschentuch auf den Mund. Doch störte diese Vorsicht den Akt und mein Glied glitt heraus. Ich begriff, daß ich mein Opfer aufheben und auf eine Unterlage stützen müsse. Da legte ich sie auf den Leichnam ihres Geliebten und brachte die beiden in eine so gute Stellung zueinander, daß beider Mund sich berührte, sozusagen aufeinander klebte. Man kann sich das Entsetzen, den Schauder, die Verzweiflung nicht vorstellen, in die diese meine Ruchlosigkeit mein Opfer versetzte. Wenig gerührt von den verschiedenen Regungen, die ihr Herz zerfleischten, machte ich aus meinem Taschentuch und meinen Strumpfbändern eine Fessel, mit der ich sie in dieser Stellung fixierte worauf ich mich ruhig wieder ans Werk begab. Götter! Was für Hinterbacken! Welche Rundung! Welche Weiße! Ich überhäufte sie mit Tausenden von Küßen; ich glaube dieses schöne Gesäß fressen zu müssen, bevor ich es bearbeite. Endlich dringt mein Glied hinein, aber mit solcher Geschwindigkeit, mit so wenig Achtsamkeit, daß das Blut über die Schenkel herabfließt. Nichts kann mich aufhalten; ich bin gut drin; ich wünschte ihren Mastdarm enger, meinen Penis viel dicker, um ihr so rechte Qualen bereiten zu können. »Nun, kleine Hure,« sagte ich, sie aus Lebeskräften reibend, »wird dich dieser zweite Genuß auch zur Entladung veranlassen?« Damit prackte ich heftig ihre Hinterbacken; ich kratzte sie; meine Hände fuhren nach vorne und rißen ihr grausam die Flaumhaare heraus, mit denen die Natur sie geschmückt hatte. Tausend grausame Gedanken wirbeln durch mein Gehirn. Ich verzögere schließlich meine Entladung, damit das Feuer, das jenes durchströmt, nicht erlösche. Ich erinnere mich des entsetzlichen Planes, den ich bezüglich des Leichnames der Frau de Moldane gefaßt hatte. Ich rufe mir all das ins Gedächtnis, was man mir über die entzückenden Genüsse an einem frisch getöten Leichnam gesagt hat, und gedenke der Verzweiflung, in die mich meine stürmischen Begierden einst stürzten, da sie mich verhindert hatten, dieses Verbrechen zu begehen. Ich ziehe mein Glied heraus, ich werfe verstörte Blicke auf Alberonis blutigen Körper; nun lasse ich seine Hosen herunter. Er war noch warm; ich bemerkte prächtige Hinterbacken und küße sie; mit meiner Zunge bahne ich mir den Weg, ich führe mein Glied ein und fühle mich so gut bei dem Experiment, daß mein Same unter den unsagbaren Ausbrüchen meines Entzückens sich ausgiebig in den After des von mir getöteten Liebhabers ergießt, während ich den Arsch seiner Geliebten, die ich auch bald morden werde, küße.

Héloisens Reize, ihre Verzweiflung, ihre Tränen, der Zustand von Angst, in den ich sie durch meine Drohungen versetzte; so viele Einwirkungen auf mein stahlhartes Herz brachten mich bald wieder in Erregung. Aber erfüllt von Raserei, schäumend vor wütender Geilheit, die unsere Sinne in so heftiger Weise aufpeitscht, vermag ich mich jetzt nur mehr durch Mißhandlungen zum Genuß anzuregen. Ich pflücke Zweige in dem Gestrüp, der uns umgibt; ich binde aus ihnen Ruten; ich entkleide das Mädchen vollständig und peitsche ihren ganzen Körper, ohne den Hals auszunehmen, so grausam, daß ihr Blut sich bald mit dem aus den Wunden ihres Liebhabers fließenden vermengt.

Von dieser Barbarei übersättigt, ersinne ich ihrer neue; ich zwinge sie, die Wunden Alberonis zu lecken. Als ich aber bemerkte, daß sie mit einer Art Zartgefühl gehorchte, riß ich Dornen ab und rieb damit ihre empfindlichsten Körperteile; ich führe sie in ihre Scheide ein, ich zerreiße damit ihre Brüste. Schließlich schneide ich den Kadaver des Jünglings auf; ich reiße das Herz heraus, um damit das Gesicht meines Opfers zu beschmieren; ich zwinge sie, davon einige Stücke abzubeißen. Nun aber hielt ich's nicht mehr aus. Und der stolze Jérome, der soeben über zweier Menschen Schicksal entschieden hatte, mußte sich nunmehr dem Wunsche seines Gliedes fügen; noch nie hatte ich eine Erregung von solcher Heftigkeit verspürt. Da der Samenerguß drohte, so nötigte ich mein Opfer, das Glied ihres Liebhabers in ihren Mund zu nehmen und bearbeitete sie von hinten. Ich hielt einen Dolch in der Hand: ich behielt mir ihren Tod für den Moment meiner Entladung vor ... Er naht; ich schwelge voll Entzücken in dem wollüstigen Gedanken, mit dem göttlichen Feuer meines Ergußes die letzten Seufzer derjenigen, die ich bearbeite, zu vermengen. »Sie wird die furchtbarsten Dinge durchmachen,« dachte ich, indem ich sie aus Leibeskräften rieb, »während ich die süßesten Augenblicke erleben werde.« Das Entzücken bemächtigt sich meiner Sinne; ich packe sie mit einer Hand bei den Haaren, mit der anderen stoße ich fünfzehnmal meinen Dolch in ihren Busen, in ihren Unterleib, in ihr Herz. Sie stirbt, aber noch habe ich meinen Samen nicht ergossen. Damals, meine Freunde, empfand ich so recht, wie wunderbar die Ermordung des bearbeiteten Gegenstandes wirkt. Der Mastdarm meines Opfers verengte sich, zog sich zusammen, und zwar je nach der Heftigkeit der Stiche, die ich ihr versetzte; als ich aber ihr Herz durchbohrte, da war der Druck so heftig, daß mein Glied davon gerißen wurde. O herrlicher Genuß! er war der erste dieser Art, den ich empfand; aber wieviel Dank schulde ich ihm für die Lehre, die ich aus ihm zog, wieviel Nutzen habe ich seitdem aus ihm geschöpft! Ein Augenblick der Ruhe folgt auf so heftige Erregung; aber in einer solchen ruchlosen Seele, wie die meine ist, muß das Schauspiel des Verbrechens bald wieder die Begier anfachen. »Ich habe den Leichnam des Liebhabers geschändet,« sagte ich mir, »warum sollte ich nicht mit dem der Geliebten desgleichen tun?« Héloise war noch immer schön; ihre Bläße, die Unordnung ihrer schönen Haare, das Interesse, das die verstörten Züge ihrer bezaubernden Physiognomie erregten, all dies versetzte mich wieder in Erektion; ich bearbeite sie ein letztesmal von hinten und entleere mich, während ich in ihr Fleisch beiße.

Nachdem der Rausch sich verflüchtigt hatte, raffte ich das Geschmeide und das Geld zusammen und entfernte mich, ohne meine Mißetat zu verabscheuen. Ha! hätte ich sie bereut, hätte sie mich seitdem so oft in Erregung versetzt? Nein, ich verabscheute es nicht, dieses köstliche Verbrechen; wohl aber bedauerte ich gar sehr, es nicht mit noch größerer Wucht verübt zu haben.

Ich begab mich in meinen Wagen und fuhr sofort nach Venedig. Da mir das Klima des Gebietes von Trient und der Charakter seiner Bewohner mißfielen, so entschloß ich mich für Sizilien. »Dort,« sagte ich mir, »ist die Wiege der Tyrannei und Grausamkeit; das, was die Dichter und Schriftsteller von der Wildheit der Inselbewohner in der Vorzeit erzählen, erweckt in mir den Glauben, daß ich einige Spuren ihrer Laster in den Nachkommen der Lästrygonen, der Cyklopen und Lotophagen wiederfinden werde.« Man wird sehen, ob ich mich getäuscht habe und ob die Priester, die Adeligen und die reichen Händler dieser herrlichen Insel nicht alles besitzen, was uns eine genügende Vorstellung von der Verderbtheit und Grausamkeit ihrer Vorfahren zu geben vermag. Mit diesem Plane durcheilte ich ganz Italien; außer einigen Akten der Wollust und mehreren heimlichen Untaten, die ich vollführte, um mich in Atem zu halten, ereignete sich nichts, was vergleichbar mit dem, was nun folgte, Eure Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen verdiente.

Mitte September schiffte ich mich in Neapel auf ein hübsches kleines Kauffahrteischiff ein, das nach Messina segelte, auf dem mir der Zufall die Gelegenheit zu einem verbrecherischen Willkürakt bot, der ebenso merkwürdig als anregend war. Wir hatten bei uns eine Händlerin aus Neapel, die ihre Geschäfte nach Sizilien führten; sie nahm mit sich zwei reizende kleine Mädchen, deren Mutter sie war, die sie aufgezogen hatte und die sie so liebte, daß sie sich nie von ihnen trennen konnte. Die ältere mochte vierzehn Jahre zählen, hatte ein romantisches Gesicht, die schönsten blonden Haare und eine recht hübsche Gestalt. Die Reize ihrer um achtzehn Monate jüngeren Schwester waren ganz anderer Art; ihre Züge waren pikanter als die der anderen, dabei vielleicht weniger interessant, dafür aber wollusterregender; kurz, sie besaß alles, was geeignet war, nicht gleich ihrer Schwester allmählich für sich zu gewinnen, sondern selbst das in Liebessachen störrigste Herz im Sturm zu erobern.

Kaum hatte ich diese beiden Mädchen bemerkt, als ich beschloß, sie zu opfern. Es wäre schwer gewesen, mir ihren Genuß zu verschaffen. Von ihrer Mutter vergöttert, beständig unter ihrer Aufsicht, war es nicht leicht, den Moment des Angriffs zu wählen. Es blieb mir also nichts anderes übrig als sie zu opfern; und der Genuß, den mir die Zerschneidung des Lebensfadens zweier so hübscher kleiner Wesen in Aussicht stellte, überwog den, sie mit den Annehmlichkeiten der Wollust vertraut zu machen. Meine Tasche, die stets fünf bis sechs Arten von Giften enthielt, bot mir mannigfache Möglichkeit, ihre Tage zu verkürzen. Aber meiner Meinung nach war der Streich nicht schmerzlich genug für eine zärtliche, ihre Tochter vergötternde Mutter; ich wünschte ihnen einen auffallenderen, unendlich rascheren Tod; der Schoß der Wellen, auf welchen wir fuhren, schien mir ein Grab, von dem ich sie lieber verschlingen lassen wollte. Die beiden jungen Mädchen besaßen die Unklugheit (ich war ganz verwundert, daß man sie daran noch nicht gehindert hatte) sich auf den Rand des Oberdecks zu setzen, während die Schiffsmannschaft Mittagsruhe hielt. Am dritten Tage unserer Reise ergreife ich die Gelegenheit; ich nähere mich ihnen; während sie sich mit den Armen umschlungen halten, hebe ich sie in die Höhe, hindere sie daran, sich mit ihren Händen an mir festzuhalten, und werfe sie kraftvoll in das salzige Element, das sie für immer begraben soll. Ich empfand einen so heftigen Reiz, daß ich meinen Samen in meine Hosen ergoß. Auf das Geräusch hin wird es lebendig; ich stelle mich, als ob ich meine Augen riebe und als ob ich erst die Opfer dieses Unglücks bemerkte; ich stürze zur Mutter hin: »Ach, Madame!« sagte ich ihr, »Ihre Töchter sind verloren!« – »Was sagen Sie?« – »Eine Unvorsichtigkeit ... sie befanden sich auf dem Oberdeck ... da fuhr ein Windstoß daher ... sie sind verloren, Madame! Sie sind verloren!« Man kann sich den Schmerz dieser Unglückseligen nicht vorstellen; nie schien mir die Natur beredter, pathetischer zu sein; und umgekehrt hatten mich nie wollüstigere Empfindungen durchströmt. Als die Frau ihrer Sinne wieder mächtig war, schenkte sie mir ihr ganzes Vertrauen. Sie wurde in einem schrecklichen Zustande ans Land gesetzt. Ich logierte in derselben Herberge. Da sie ihr Ende herannahen fühlte, übergab sie mir ihre Brieftasche und bat mich, diese ihrer Familie zu übergeben; ich versprach alles und hielt nichts. Sechshunderttausend Francs, die in jener enthalten waren, waren eine genug beträchtliche Summe, um sie mir bei meinen Grundsätzen nicht entgehen zu lassen; die unglückliche Neapolitanerin, die den zweitnächsten Tag nach unserer Ankunft in Messina starb, ließ mich den Raub bald ruhig genießen. Ich muß gestehen, daß ich nur eines bedauerte: nämlich, nicht mit ihr vor ihrem Tode geschlechtlich verkehrt zu haben. Sie war noch schön, dabei sehr unglücklich, und hatte mir eine äußerst heftige Begierde eingeflößt; aber ich fürchtete ihr Vertrauen zu verlieren; bei dieser Gelegenheit, wo es sich nur um eine Frau handelte, trug die Habgier den Sieg über die Wollust davon.

Ich besaß keine anderen Empfehlungsschreiben in Messina als die Wechsel, mit denen ich mich in Venedig versehen hatte, wo ich die kluge Vorsichtsmaßregel getroffen hatte, mein bares Geld wegen der Wertschwankungen gegen sizilianische Papiere umzutauschen. Der Bankier, dem ich jene vorlegte, zeigte sich mir gegenüber höflicher als die Pariser den Sizilianern gegenüber, die sich mit dem gleichen Anliegen an sie wenden; überhaupt muß ich der vollendeten Urbanität aller fremden Kaufleute, mit denen ich zu tun hatte, alle Ehre widerfahren lassen. Ein Wechselbrief ist für sie ein Empfehlungsschreiben.

Ich legte meinem Bankier gegenüber das Verlangen an den Tag, mit den beträchtlichen Mitteln, die in meinem Besitze waren, mir ein Herrengut zu kaufen. »Das feudale Regime ist hier ganz in Kraft,« sagte ich dem wackeren Manne, »das allein bestimmt mich, mich hier anzukaufen; ich will zugleich den Menschen befehlen und die Erde bebauen, gleicherweise über mein Feld wie über meine Hörigen herrschen.« – »In diesem Falle haben Sie es nirgends besser als in Sizilien,« antwortete mir der Bankier, »in diesem Lande entscheidet der Herr über Leben und Tod seiner Diener.« – »Gerade das suche ich,« war meine Antwort. Um mich nicht diesbezüglich in Einzelheiten einzulassen, teile ich gleich mit, daß ich nach Verlauf von einem Monat Herr von zehn Kirchspielen war und das schönste Landgut mit dem schönsten Schloß im Tale der Ruinen von Syracus besaß, ganz nahe beim Golfe von Catania, d.h. in dem schönsten Teile Siziliens.

Ich verschaffte mir bald ein zahlreiches Gesinde, das ich nach meinem Geschmacke auswählte. Meine Lakaien und Dienerinnen mußten meinen Geilheiten zuwillen sein. Meine Haushälterin, namens Donna Clementia, eine ungefähr sechsunddreißigjährige Frau, eines der schönsten Weiber der Insel, mußte außer ihrer persönlicher Hingabe noch die Aufgabe versehen, Gegenstände beider Geschlechter zu entdecken; und ich kann Euch versichern, daß solange sie diesen Dienst versah, mir nichts abging. Bevor ich mich ansäßig machte, durcheilte ich die berühmten Städte dieser interessanten Gegend.

Theocrits Beschreibungen der Freuden Siziliens hatten nicht wenig dazu beigetragen, in mir den Wunsch zu erwecken, ein so schönes Land zu bewohnen. Ich fand alles richtig, was er über die Milde des Klimas, über die Schönheit der Einwohner, besonders aber über ihre Ausschweifungen sagt. Hier, in diesem wundervollen Himmelstrich, erweckt zweifellos die gütige Natur die Begierden und Leidenschaften, die dazu beitragen können, das Dasein angenehm zu gestalten. Hier muß man es genießen, wenn man die Fülle von Glück, die unser aller zärtliche Mutter ihren Kindern vorbehält, erkennen will. Nach der Besichtigung von Messina, Catania und Palermo kehrte ich zurück, um von meinem Schlosse Besitz zu ergreifen. Da es sich auf einem hohen Berge erhob, genoß ich gleichzeitig die reinste Luft und die herrlichste Aussicht. Dieses Festungsartige des Gebäudes war übrigens meinem Geschmacke sehr förderlich. Ich sagte mir, daß die Gegenstände, die ich ihm opfern werde, hier wie in einem Gefängnis sein würden. Wo sollten sie Beschützer finden, wenn ich zugleich ihr Herr, ihr Richter und Henker sein werde? Ach! Wie göttlich ist der Genuß, wenn Despotismus und Tyrannei ihn also anstacheln!

Clementia hatte Sorge getragen, mein Serail während meiner Abwesenheit in stand zu setzen; ich fand es bei meiner Rückkehr mit zwölf jungen Knaben im Alter von zehn bis achtzehn Jahren, mit sehr schönen Gesichtchen, und der gleichen Zahl von fast gleichaltrigen Mädchen versehen. Man ersetzte sie jeden Monat durch neue; ich überlasse es Euch, meine Freunde, auszudenken, welchen wollüstigen Zügellosigkeiten ich mich überließ. Man kann sich nicht vorstellen, was ich alles ersann; die Grausamkeiten, mit denen ich meine Genüsse mir versüßte; mein Trientiner Abenteuer hatte mich so sehr mit blutigen Gelüsten vertraut gemacht, daß ich mich ohne sie nicht mehr zu behelfen vermochte. Grausam durch meine Geschmacksrichtung, durch mein Temperament und durch inneren Zwang, konnte ich mich keiner Freude überlassen, wenn sie nicht das Gepräge der brutalen Leidenschaft trug, die mich verzehrte. Zunächst ließ ich nur Frauen ihre Wucht fühlen; die Schwäche dieses Geschlechtes, seine Sanftmut und Lieblichkeit, sein Zartgefühl schienen mir ebenso viele Anreize zur Befriedigung meiner Barbarei. Doch sah ich bald meinen Irrtum ein.

2. Kapitel

Ich fühlte, es sei unendlich wollustreizender, die Aehren, die Widerstand leisten, zu mähen, als das zarte Gras, das sich unter der Sense biegt; wenn diese Erwägung mir nicht schon früher gekommen war, so war dies eher wegen falscher Zurückhaltung als aus Raffinement geschehen. Ich machte Versuche. Der erste Lustknabe, den ich tötete, zählte fünfzehn Jahre, war schön wie die Liebe und verursachte mir so wütendes Entzücken, daß ich mich in Zukunft viel mehr solchen Genüssen zuwandte als anderen. Es schien mir, als ob ich die Frauen allzusehr verachtete, um sie zu Opfern auszuersehen, während die Knaben durch ihre Reize meinen Sinnen mehr schmeichelten, sie mußten sich daher auch mehr zu Qualen eignen. Auf Grund dieser Erwägungen, die durch die Tatsachen sich bestätigten, verging keine Woche, wo ich nicht ihrer drei oder vier, und zwar stets durch neue Martern, umbrachte. Manchmal hetzte ich ein paar von ihnen in einen großen Park, der von hohen Mauern umringt war und aus dem man unmöglich entweichen konnte. Daselbst stellte ich auf sie Treibjagden wie auf Hasen an; ich suchte sie, indem ich meinen Park durchritt; wenn ich sie gefangen hatte, hing ich sie vermittelst Halseisen an Bäumen auf; unter ihnen ließ ich ein großes Feuer anzünden, das sie langsam verzehrte. Anderemale trieb ich sie zu Pferde vor mir her und traf ihren Leib mit gewaltigen Peitschenhieben; wenn sie umfielen, ließ ich meinen Renner auf ihren Bauch treten oder schoß Kugeln in ihren Kopf. Oft führte ich noch raffiniertere Martern aus, für deren Anwendung sich nur das Dunkel und die Stille des Gemaches eignete; während solcher Handlungen reizte mich stets die treue Clementia an, oder sie inszenierte wollüstige Akte, in denen ihre hübscheren Mädchen die wichtigste Rolle spielten. Zu meinem Glück hatte ich in dieser Clementia alle Eigenschaften gefunden, die zu der von mir angenommenen grausamen und wüsten Lebensweise nötig waren. Die Schelmin war boshaft, wollüstig, unmäßig und atheistisch; kurz, sie besaß alle meine Laster, und keine andere Tugend, als ihre unglaublich große Anhänglichkeit an mich und ihre wundervolle Diensteifrigkeit. Ich führte also infolge des Eifers dieses prächtigen Weibes in diesem Schlosse das köstlichste und meinem Geschmack entsprechendste Leben, als der Unbestand, zugleich die Geißel und die Seele aller Genüsse, mich dieser friedlichen Idylle entriß, um mich wieder auf das große Abenteuertheater dieser Welt zu stellen.

Man wird blasiert, wenn nicht Hindernisse die Genüsse würzen; man möchte sie durch Mühseligkeiten steigern; nur durch solche kann man sich große Freuden verschaffen. Ich beließ Clementia in meinem Schlosse und schlug abermals in Messina meinen Wohnsitz auf. Rasch verbreitete sich die Nachricht, daß ein reicher Junggeselle sich in der Stadt niedergelassen hatte und öffnete mir die Pforten aller Paläste, in denen es heiratsfähige Mädchen gab; ich durchschaute gleich die Absicht und beschloß, mich daran zu belustigen.

Von allen diesen Häusern, in denen man mich wohlwollend aufnahm, fesselte mich das des Chevalier Rocupero ganz besonders. Dieser alte Adelige und seine Gattin mochten zusammen ein Jahrhundert zählen. Bei ihrem geringen Vermögen mußten sie ihre drei wunderschönen Töchter mit allzu großer Sparsamkeit aufziehen. Die erste hieß Camilla; sie zählte zwanzig Jahre, hatte braune Haare, eine blendend weiße Haut, recht ausdrucksvolle Augen, einen sehr angenehmen Mund und die Gestalt einer Hebe. Die zweite, interessanter, aber weniger schön, zählte achtzehn Jahre und hatte kastanienbraune Haare; ihre großen blauen, sehnsuchtsvollen Augen strahlten Liebe und Wolllust aus; ihre Gestalt, wie die schöne Rundung zeigte, verhieß herrliche Genüsse; sie hieß Veronika; und sicherlich hätte ich sie nicht nur Camillen, sondern der ganzen Welt vorgezogen, wenn nicht die göttlichen Reize der kaum fünfzehnjährigen Laurentia nicht nur die ihrer Schwester, sondern die der Schönen ganz Siziliens überstrahlt hätten.

Kaum war ich bei dem wackeren Edelmann eingeführt, als ich beschloß, den Kummer, die Verzweiflung, die Schamlosigkeit und die Schande, kurz alle Geißeln des Verbrechens und der Verzweiflung in sein Haus zu tragen. Die Redlichkeit war bei ihm zuhause; auch Schönheit und Tugend schienen hier ihren Sitz aufgeschlagen zu haben; brauchte es mehr, um in mir den heißen Wunsch zu erregen, jenes durch alle erdenklichen Mißetaten zu besudeln? Ich zeigte mich gleich sehr freigiebig; doch nahm man meine Geschenke nur ungern entgegen; aber die Aussichten auf eine Ehe, auf die mein Verhalten zu schließen erlaubte, machten eine Ablehnung unmöglich. Man bat mich, meine Pläne auseinanderzusetzen. »Wie kann ich unter diesen drei Grazien die Entscheidung treffen?« erwiderte ich. »Geben Sie mir doch Zeit, Ihre reizenden Töchter besser kennen zu lernen, dann werde ich Ihnen sagen können, welche die Ausrewählte meines Herzens ist.« Als ich so weit war, kann man sich leicht vorstellen, daß ich den Aufschub dazu benutzte, um alle drei zu betrügen. Da ich ihnen aber vollständiges Stillschweigen ans Herz gelegt hatte, machte keine die andere zu ihrer Vertrauten, so daß keine wußte, wie weit ich mit der anderen war. Nunmehr ging ich folgendermaßen vor.

Die erste, die ich verführte, war Camilla; da ich sie unter Ehevorspiegelungen betrog, hatte ich sie nach Verlauf eines Monates dort, wo ich sie wollte. Wie schön war sie! welche Freuden kostete ich durch ihren Genuß! Kaum hatte ich sie nach allen Regeln bearbeitet, machte ich mich an Veronika heran; und als ich Camillens Eifersucht erweckte, wußte ich sie gegen ihre Schwester derart in Harnisch zu bringen, daß sie den Entschluß faßte, diese zu erdolchen.

Das heiße Temperament der Sizilianerinnen scheut vor nichts zurück; sie kennen nur zwei Leidenschaften, die Rache und die Liebe. Als ich die Gewißheit von Camillens verbrecherischen Plänen zu haben glaubte, benachrichtigte ich Veronika davon; es gelang mir, ihr darüber Klarheit zu verschaffen, so daß ihr nicht einmal der tröstende Gedanke des Zweifels übrig blieb. Das schöne Mädchen, voll Verzweiflung, aber eher furchtsam als unternehmend, fleht mich an, sie zu entführen, wenn ich sie liebe, um sie der zügellosen Rachsucht einer zu allem fähigen Schwester zu entziehen. – »Mein Engel,« antwortete ich, »wäre es nicht besser, das Uebel bei der Wurzel zu fassen, seine Urheber zu erkennen und uns ohneweiters zu rächen?« – »Es ist ja nur die heiße Liebe, die Camilla für dich hegt, schuld daran,« erwiderte Veronika, »sie bemerkt, wie du mich ihr vorziehst, darum hat es das teuflische Geschöpf auf mein Leben abgesehen!« – »Ich sehe in der Sache nicht ganz so wie Sie,« entgegnete ich. »Zweifeln Sie nicht, meine Teure, daß Ihre Eltern Camillen vor Ihnen bevorzugen. Ich weiß nicht, ob dieses Mädchen mich liebt; sicherlich habe ich ihr nie irgendwelche Hoffnungen gemacht. Doch haben sich Ihre Eltern mir gegenüber offen ausgesprochen; zweifellos ist Camilla der einzige Gegenstand ihrer Liebe; würde ich ihnen meine Liebe zu Ihnen vorbringen, sie würden mich sicherlich zurückweisen. Sie schlagen mir vor, zu fliehen; dieses Mittel wäre gefährlich; wir würden uns Ihren Eltern gegenüber ins Unrecht setzen; kaum würden sie oder das Gericht davon Kenntnis erhalten, würde man uns an unserem Vermögen oder Leben strafen. Doch scheint mir folgendes ein vorteilhafterer und einfacherer Weg: rächen wir uns zugleich an Camilla, die nach Ihrem Leben trachtet, und an Ihren Eltern, die sie dazu aufreizen.« – »Auf welche Weise denn?« – »Mit einem Mittel, das das glückliche Land, in dem wir leben, uns auf Schritt und Tritt darbietet.« – »Mit Gift?« – »Gewiß!« – »Meinen Vater, meine Mutter, meine Schwester vergiften?« – »Haben sie es nicht auf Ihr Leben abgesehen?« – »Ich hege nur einen Verdacht.« – »Ihr Tod wird der Beweis sein.« – Nach einigem Nachdenken begann wieder Veronika: »Ich weiß, daß andere Frauen ebenso gehandelt haben, Donna Capraria hat soeben ihren Gatten vergiftet.« – »Warum zögern Sie also?« – »Ich fürchte Ihre Verachtung; Sie werden nach der Rachetat kaltblütiger sein und mich verabscheuen.« – »Fürchten Sie nichts; ich werde dann in Ihnen ein feuriges, mutiges, liebendes, leidenschaftliches, kurz ein charaktervolles Mädchen sehen, und werde Sie dann tausendmal heißer verehren. Zaudere nicht, Veronika, sonst verlierst du auf ewig meine Liebe.« – »Ach, mein Freund, aber der Himmel!« – Leere Furcht; der Himmel hat sich nie in weltliche Dinge gemengt; er ist nichts als die abgestumpfte Waffe der Lüge und des Aberglaubens. Es gibt keinen Gott; Lohn und Strafe, die sich auf dieses verhaßte Phantom gründen, sind ebenso verächtlich wie er. Wenn es einen Gott gäbe, den das Verbrechen erzürnte, würde er dann dem Menschen alle Mittel an die Hand geben, es zu verüben? Was sage ich da! Wenn das Verbrechen diesen angeblichen Schöpfer der Natur erzürnte, wäre es dann ein wesentliches Werkzeug der Naturgesetze? Denke doch daran, daß die entartete Natur sich nur durch Verbrechen nährt und aufrecht erhält; wenn aber diese notwendig sind, können sie weder die Natur noch das sie angeblich regierende Phantasiegeblide beleidigen. Das, was der Mensch ein Verbrechen zu nennen gewagt hat, ist nur die Tat, die die Gesetze der Gesellschaft verletzt; aber was kümmert sich die Natur um die Gesetze der Gesellschaft! Hat denn sie diese diktiert? und sind diese Gesetze nicht in verschiedenen Ländern verschieden? So schauerlich Ihnen eine Tat erscheinen mag, so kann sie als Verbrechen nur in einer begrenzten Oertlichkeit gelten; von diesem Augenblicke an kann sie die Natur nicht beleidigen, da ihre Gesetze allumfassend sind. Der Vatermord, in Europa als Verbrechen betrachtet, steht in mehreren Gegenden Asiens in Ehre; ebenso verhält es sich mit allen anderen menschlichen Handlungen; ich glaube nicht, daß man mir eine einzige nennen kann, die überall als lasterhaft gilt. Bedenken Sie übrigens, daß es sich hier nur um Notwehr handelt, daß also alle Mittel, die Ihnen dabei dienlich sind, nicht nur nicht verbrecherisch sind, sondern sogar lobenswert werden, da das oberste Gesetz der Natur uns den Trieb zur Selbsterhaltung um jeden Preis eingegeben hat. »Handeln Sie, Veronika, handeln Sie, oder es kostet Sie Ihr eigenes Leben.«