Verlag: Edition Nautilus Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

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E-Book-Beschreibung Kaliber .64: Der Fall der Engel - Carmen Korn

Eine Frau fällt aus dem vierten Stock ihres Hauses. Kommissar Lüttichs Kollegen haben den Fall bereits als Selbstmord eingestuft, ein Abschiedsbrief wurde gefunden, warum also zweifeln? Doch es ist bereits der zweite Fenstersturz in einer Woche. Beide Frauen waren in den Vierzigern und haben sich für ihren letzten Weg besonders schön herausgeputzt. Lüttich wird stutzig und spürt die beklemmenden Hintergründe auf.

Meinungen über das E-Book Kaliber .64: Der Fall der Engel - Carmen Korn

E-Book-Leseprobe Kaliber .64: Der Fall der Engel - Carmen Korn

Carmen Korn

DER FALL DER ENGEL

Krimi Nautilus

KALIBER .64

Edition Nautilus

Verlag Lutz Schulenburg

Schützenstraße 49a

D-22761 Hamburg

www.edition-nautilus.de

Alle Rechte vorbehalten

Die Krimireihe

»Kaliber .64« wird

herausgegeben von

Volker Albers

© Edition Nautilus 2005

Umschlaggestaltung:

Maja Bechert

www.majabechert.de

1. Auflage 2006

Printed in Germany

Print ISBN 978-3-89401-482-7

E-Book EPUB ISBN 978-3-86438-097-6

E-Book PDF ISBN 978-3-86438-098-3

Das hätte ihr kaum gefallen. Auf der Straße zu liegen und nicht länger gut gekleidet zu sein. Der Rock des neuen Kostüms war weit nach oben gerutscht und ließ den Ansatz der Strumpfhose sehen. Laufmaschen liefen ihr über die verdrehten Beine. Blut. Nicht derart viel Blut wie man denken sollte nach einem Sturz aus dem vierten Stock. Doch genug.

Ein zerschmetterter Spatz, der da unten lag.

Er zog sich vom Fenster zurück, als das Tuch über sie gelegt wurde. Dort unten auf der Straße war das Leben von Gerti zu Ende gegangen, und er wusste, dass sie es nicht freiwillig beendet hatte. Gestern noch war sie hier bei ihm gewesen, um sich in dem Kostümchen zu zeigen. Könnte doch von Chanel sein, hatte sie gesagt und sich gedreht und gefreut. Er kannte keine Chanelkostüme. Doch Gerti sah hübsch darin aus. Schimmernde rosa Perlen steckten in ihren Ohren. Auch die neu. Kaufte eine Frau das alles, um damit aus dem Fenster zu springen? Auf der Straße zu liegen? In ihrem Blut? Vor aller Augen?

Drüben in dem Klinkerhaus hatten sie hinter den Gardinen gestanden. Nur die alte Broder war auf den Balkon gekommen, hatte erst noch an ihren Geranien gezupft, um dann das Bild zu betrachten, das sich bot. Der Junge, der neben Gerti kniete und ihren Kopf zu drehen versuchte, wurde schnell weggescheucht. Einen Kreis bildeten die zufälligen Passanten um die Tote, einen weiten Kreis. Dann waren die Martinshörner zu hören gewesen.

Er saß am Küchentisch und hatte die Flasche Gorbatschow vor sich stehen und noch kein Glas getrunken, als es an der Tür klingelte. Der Polizist drehte die Mütze in den Händen, als müsse er den Tod eines Angehörigen verkünden.

Doch. Gerti hatte ihm nahe gestanden. Beide waren sie vom Leben gebeutelt worden und hatten sich nach glanzvolleren Tagen in dieses Haus gerettet. Das verband. Er ließ den Polizisten in den Flur treten und sagte ihm, dass er es gewesen sei, der die 112 gewählt habe. Mehr hatte er nicht zu sagen. Den Verdacht wollte er einem anderen anvertrauen.

Lüttich hatte das Kuvert in den alten Audi gelegt, der sein neuer Dienstwagen war, und das Auto dann abgeschlossen. Ein paar Schritte laufen. Die Gegend angucken und über diese Frau nachdenken, die da einfach so aus dem Fenster fiel. Aus dem Fenster eines hohen alten Hauses, von denen noch ein paar wenige zwischen den Klinkerbauten der Nachkriegszeit standen und sogar in ihrem abgeschabten Zustand davon zeugten, dass sich der Mensch mal mehr Mühe mit der Architektur gegeben hatte. Auch in einem Arbeiterviertel wie es Barmbek immer gewesen war.

Den Apfel klaute Lüttich im Vorbeigehen. Griff in die Auslage des Gemüseladens an der Ecke und nahm einen Cox aus der Kiste, biss kraftvoll hinein und hatte den halben Apfel zwischen den Zähnen, als wolle er das Corpus delicti eiligst eliminieren. Wurde ein Kriminalkommissar suspendiert, wenn er klaute? Mundraub, dachte Lüttich. Er hatte seit dem Morgen nichts gegessen. Vielleicht hätte er in die Kantine gehen sollen, statt hier herzukommen. War wirklich nicht nötig, jedem Selbstmord nachzuspüren. Doch es war der zweite Fenstersturz in einer Woche. Auch die erste war eine Frau in den Vierzigern. Ließ sich denn alles schnell und leicht auf Depressionen schieben?

Lüttich blieb stehen, als er sein eigenes Spiegelbild auffing. Ein Friseurladen. Vielleicht hatte sie sich hier die Haare in diesem silbrigen Blond färben lassen. Sie schien ihm sehr gepflegt. Ein Zufall, dass er sich in dem Augenblick in der Rechtsmedizin aufhielt, als ihre Leiche gebracht wurde. Er hatte sie in aller Ruhe betrachten können. Sie hatte sich so hübsch gemacht, um ihr Leben zu beenden. Soweit er das noch erkennen konnte. Doch sogar ihre Fingernägel waren frisch lackiert, und in ihren Ohren steckten dicke rosa Perlen, die zum Lack passten. So war es bei der Toten aus der Elsastraße auch gewesen.

Der Audi sprang erst nach einer Verzögerung an. Vielleicht nur, weil Lüttich in die Betrachtung des Kuverts versunken den Zündschlüssel zu wenig konsequent drehte. Im Kuvert steckte der Abschiedsbrief, den er oben in der Wohnung vorgefunden hatte. Zwei Sätze auf rosa Papier geschrieben. Die Handschrift verschnörkelt wie die ganze Wohnung. Ein Puppenheim, in dem Gerti Teske gelebt hatte.

Lüttich lenkte das Auto aus der Lücke und bremste gleich ab, als eine junge Frau eher unachtsam über die Straße ging und sich dann auch noch bückte, um ein Buch aufzuheben, das ihr aus einem kleinen Stapel gerutscht war. Auch sie sah rosa aus. Ein neuer Trend? Nur ihn ließ man in einem alten dunklen Audi herumfahren.

Am Abend waren sie dann alle gekommen. Hatten sich um seinen Küchentisch gesetzt. Die Flasche Gorbatschow hatte er ins Kühlfach zurückgelegt. Ungeöffnet. Keinen Wodka.

Er wollte einen klaren Kopf behalten.

Eine Anderthalb-Liter-Flasche Wein stand auf dem Tisch. Frascati. Davon würden drei Männer und eine Frau nicht betrunken werden. Er stellte was zu Knabbern dazu. Salzstangen, kleine Brezeln, Erdnüsse.

Gerti hatte immer gesagt, dass er ein guter Gastgeber sei.

»Soll einen Abschiedsbrief geben«, sagte Hanna.

Er konnte sich denken, wo sie das herhatte. Von der Ollen, die Gerti gegenüber wohnte. Immer ein Ohr an der Tür. Er würde sehr vorsichtig sein müssen, wenn er den Schlüssel benutzte, den Gerti ihm gegeben hatte. Für alle Fälle. Zwei Mal war es vorgekommen, dass sie sich ausgesperrt hatte.

Morgen wollte er sich umsehen da oben. Wenn die Olle ihren Hund ausführte.

»Ist nicht versiegelt«, sagte Hanna.

Die Herren von der Kripo schienen sich sehr sicher zu sein, dass Gerti freiwillig aus dem Leben gefallen war.

»Das geht dir nahe, was?«

Er sah Jürgen an, der aussah, als habe er auf dem Kiez ein paar Mädchen laufen. Dabei führte er von ihnen allen das ordentlichste Leben. Versicherungskaufmann. Doch vielleicht waren das die größeren Schurken. Er hob die Schultern. Nach der zweiten Scheidung hatte er geschworen, dass ihm nichts mehr nahe gehen durfte. Kein Elend der Gefühle. »Irgendwie schon«, sagte er zu Jürgen.