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Stanislaus ist ein recht aufgeweckter Jungkater, der seine Familie in der besinnlichen Zeit so richtig auf Trab hält und damit allen die lange Wartezeit auf Weihnachten verkürzt. In vierundzwanzig Geschichten erzählt Stanislaus aus seinem bewegten Leben und von seinem Unverständnis für so manch menschliches Treiben. Jede Geschichte wird aus der Sicht des Katers und der des Erzählers erzählt. Dabei entdecken die Leserin und der Leser, dass es keine Tatsachen gibt, es kommt immer auf die Betrachtungsweise an.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2016
Dezember Als die Sterne vom Himmel fielen
Dezember Nicht in meinem Haus!
Dezember Flammender Advent
Dezember Glück im neuen Jahr
Dezember Wer hat Angst vorm Krampus?
Dezember Der Nikolo war da
Dezember Der Feind in meinem Haus
Dezember Die süße Versuchung
Dezember Grün, grün, grün sind alle meine Kleider
Dezember Brief ans Christkind
Dezember Der erste Schnee
Dezember Das weiße Ebenbild
Dezember Ich packe meinen Koffer
Dezember Katzenfutter?
Dezember Weihnachtputz muss sein
Dezember Das Aschenbad
Dezember Stanislaus allein zuhaus
Dezember Kugeln kugeln
Dezember Stanislaus, der Stolperstein
Dezember Ein Geschenk für Stanislaus
Dezember Dosenschnee
Dezember Armer kranker Kater!
Dezember Alles wieder gut!
Dezember Der Heilige Abend
Miau, ich bin Stanislaus, sechs Monate alt und ein Kater, männlich also, und wie meine Menschen meinen, von außerordentlicher Schönheit. Tja, dagegen ist nichts einzuwenden, wo sie Recht haben, da haben sie nun einmal Recht. Auch wenn es nicht allzu häufig vorkommt, dass wir einer Meinung sind.
So wie heute zum Beispiel.
Es war eigentlich ein recht netter Morgen, bis zu dem Zeitpunkt, als alle durcheinander kreischten und ich einfach nicht verstehen konnte, wo das Problem lag.
Ich wollte doch nur spielen. Miau.
„Mama, hast du den Adventkalender schon fertig? Heute ist der 1. Advent!“
Fini war schon etwas aufgeregt, hatte Mama vielleicht vergessen einen zu basteln?
„Du wirst schon sehen!“, meinte Mama aber nur geheimnisvoll und verschwand im Wohnzimmer.
Fini und ihr Bruder Tobi sahen sich an, dann stürmten sie ihrer Mutter hinterher. Mama stand mitten im Wohnzimmer, in ihrer Hand hielt sie einen Traum von einem Adventkalender. Große und kleine Sterne, die in allen Farben glitzerten, hingen an einem großen roten Stern, der die Nummer 24 trug. Alle Sterne hatten Nummern und alle sahen sie prall gefüllt aus. Einige hingen bis fast zum Boden herab und schaukelten leicht hin und her. Fini und Tobi starrten dieses Prachtstück atemlos an. „Na, gefällt er euch?“; fragte Mama erwartungsvoll. Doch zu einer Antwort kam es nicht mehr.
Miau! Es bewegt sich, es glitzert und es will mit mir spielen. Miauuuuu!
Stanislaus sprang hinter dem Sofa, wo er gelauert hatte, hervor und schoss auf den Adventkalender zu. Bevor Mama und die beiden Kinder es verhindern konnten, hatte er sich bereits auf die baumelnden Sterne gestürzt und krallte sich in den Bändern fest. Süßigkeiten kullerten auf den Teppich.
Fini kreischte, Mama schimpfte und Tobi heulte, als Stanislaus endlich vom Adventkalender abließ und beleidigt unter dem Sofa verschwand.
Miau. Jetzt bin ich aber sauer! Sie haben mich ins Bad gesperrt. Ins Bad!!
Ich lass mich doch nicht anschreien! Jetzt gefällt mir auch das Spielzeug nicht mehr. Ich werde es gar nicht mehr anschauen, bestimmt nicht. Miau.
Miau. Ein wenig sauer bin ich immer noch, auch wenn sie sich alle Mühe gegeben haben mich wieder zu versöhnen. Das glitzernde Ding haben sie zwar noch, aber es hängt so hoch, dass ich es gar nicht erreichen kann. Was sie sich dabei wieder gedacht haben? Menschen! Miau.
„Kommt, helft mir ein wenig aufräumen, heute kommt Tante Hilde!“
Mama klang schon ein wenig genervt, immerhin kam gleich Besuch und die Schuhe lagen noch immer auf einem Haufen im Vorraum umher, obwohl die Kinder sie schon längst hätten wegräumen sollen. Auch das Katzenkistchen sollte wieder mal gereinigt werden, dafür blieb nun aber keine Zeit mehr. Fini und Tobi hatten eben alle Schuhe im Schrank verstaut, als es bereits an der Tür klingelte.
Tante Hilde war pünktlich auf die Minute. Sie war eigentlich Mamas Tante und schon recht alt, aber immer noch sehr sportlich. Das sah man gleich an ihrer Ausrüstung: Wanderschuhe, Sportjacke und Stöcke.
„Hallo, Tante Hilde!“, sagte Mutter zur Begrüßung und küsste ihre Tante auf beide Wangen. „Du bist aber außer Atem!“
„Ich komme gerade von einem Spaziergang, weißt du, die Bewegung tut mir immer noch sehr gut“, meinte die Tante und keuchte leicht, als sie sich bückte um aus ihren Schuhen zu schlüpfen.
„Also deshalb die Turnschuhe!“, lachte Mama, nahm Tante Hilde am Arm und führte sie zum Kaffeetisch.
„Dann hast du dir jetzt aber auch etwas Gutes verdient.“
Neugierig kam Kater Stanislaus angetapst.
Miau. Was riecht hier denn so eigenartig? Sind das etwa diese Schuhe? Die habe ich ja noch nie gesehen. Schnüffel! Das riecht nach .... fremder Katze! Na warte. Nicht in meinem Haus! Hier riecht es nur nach mir. Das werden wir gleich haben. Miau.
„Du meine Güte! Wieso sind meine Schuhe denn ganz nass?“ Tante Hilde war außer sich, als sie sich am Ende des Nachmittags von der Familie verabschieden wollte. „Stanislaus!“, riefen alle entsetzt und Mama meinte beschämt: „Tante Hilde, es tut mir so leid, ich borge dir ein Paar von meinen Schuhen.“
Miau. Was soll das nun wieder? Jetzt bin ich schon wieder im Bad eingesperrt. Sollten sie tatsächlich vergessen haben, dass ich mir die Tür nicht alleine aufmachen kann? Und was war das für ein Gezeter wegen dieser Schuhe? Sollen sie doch froh sein, dass sie jetzt nicht mehr so eigenartig riechen. Miau.
