Keine Schonzeit für Mörder - Franz Preitler - E-Book

Keine Schonzeit für Mörder E-Book

Franz Preitler

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Beschreibung

1914 ist Schluss mit der scheinbar »guten alten Zeit«. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs wird die Steiermark zum Schauplatz eines abscheulichen Verbrechens. Ein Gendarm stirbt durch die Kugel eines Wildschützen. Der wird daraufhin von einem Jäger erstochen, dem das Gericht Notwehr zugesteht. Zweifel am Ablauf der Tat bleiben ebenso ungehört wie an der mittlerweile ausgebrochenen Kriegsbegeisterung und eine verbotene Liebe sowie die Aussicht auf baldigen Frieden entwickeln sich anders als erhofft.

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Seitenzahl: 350

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Buecherwurm1910

Gut verbrachte Zeit

Im neuen historischen Krimi kehren wir nach Mürzzuschlag zurück. Zehn Jahre sind seit dem letzten Fall vergangen. Wir begleiten die teilweise schon bekannten Protagonisten durch eine schwere Zeit - den Beginn des ersten Weltkrieges. Durch den unverwechselbaren Schreibstil des Autors kann man gut in die Zeit eintauchen und der Krimianteil ist gut in die Gesamthandlung eingebettet. Denn auch dieses Mal handelt es sich nicht um einen reinen Kriminalfall, sondern es geht auch um Themen wie Familie, verbotene Liebe, Intrigen, Schrecken des Krieges und viele mehr.
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Franz Preitler

Keine Schonzeit für Mörder

Historischer Krimi aus der Steiermark

Zum Buch

Hinterhältige Fährten Jedes Verbrechen hat seine Vorgeschichte. So auch die beiden Morde, die im Jahr 1914 in einem Europa begangen werden, das in allen Fugen zu krachen beginnt und dessen bisherige Ordnung rasant in sich zusammenstürzt. Ein Gendarm wird durch einen Wildschützen erschossen. Den ertappten Wilderer wiederum ersticht daraufhin ein ebenfalls anwesender Revierjäger. Dessen Freispruch wegen angeblicher Notwehr sorgt ob der Widersprüche in seiner Aussage für große Zweifel. Zusätzlich für Unruhe sorgen zwei ungeklärte Einbrüche. Die anfängliche Kriegsbegeisterung nach der Ermordung des Thronfolgerpaares drängt aber bald alles in den Hintergrund. Doch die Realität holt die Begeisterten, unter ihnen den Revierjäger, der sich freiwillig zum Militär meldet, rasch ein. Die gute alte Zeit endet mit Schrecken und hinterlässt Tote, schwer verletzte Soldaten und Kriegsgefangene. In den auch in der Heimat immer härter werdenden Zeiten kommt die Wahrheit endlich ans Tageslicht.

Franz Preitler, aufgewachsen in der Steiermark, in Langenwang im Mürztal, publiziert seit 2005 Bücher und ist Herausgeber und Mitautor von Anthologien. Er organisiert Literatur- und Kulturveranstaltungen und ist bekannt als Nach-Erzähler von Sagen und Legenden rund um seine Heimat. Der Bestsellerautor möchte die Leser mit Erzählungen aus der Geschichte berühren und durch sie die Vergangenheit lebendig vermitteln und vor dem Vergessen bewahren. Seit März 2019 arbeitet Franz Preitler im Vorstand des renommierten steirischen Literatur- und Kulturvereins Rosegger[bund] Waldheimat. Preitler hält Lesungen sowie Vorträge zu seinen Büchern, nutzt erfolgreich Web und Social-Media und ist durch die Presse in der Steiermark bekannt.

Impressum

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung/E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Bildes von: © historische Ansichtskarte, Sammlung Franz Preitler

ISBN 978-3-7349-3102-4

Zitat

Es ist schöner, einen Menschen zu verstehen, als über ihn zu richten.

Stefan Zweig

Prolog

19. September 1914

Mein geliebter Schatz!

Ich weiß nicht, was zu Hause die Zeitungen berichten, und du hast am Hof wohl alle Hände voll zu tun. Trotzdem möchte ich dir mit diesen Zeilen offen die Erlebnisse der letzten Zeit erzählen. Es ist nun fast zwei Monate her, dass ich hier mit etlichen Steirern tapfer an der Ostfront diene, und seit 23. August werden wir ganz arg umkämpft. Bis jetzt habe ich trotz der Umstände für keinen Moment den Kopf verloren. Im Gegenteil! Ich hoffe noch immer, mit all meiner Kraft unsere geliebte Heimat verteidigen zu können, um vor Wintereinbruch zu Hause bei dir sein zu können. Daher solltest du nicht die geringste Angst um mich haben, selbst wenn die Situation an der Front unbeschreiblich grausam ist. Zum Glück ändern wir spätestens in ein paar Tagen unseren Standort. Meine Division kommt aus der Kampfzone in eine wohlverdiente Reserve. Das Ziel ist uns noch unbekannt. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass wir uns dort für eine Weile in einen Wald zurückziehen dürfen, um am dringend benötigten Holz zu arbeiten. Du kennst mich ja, wie sehr ich den Wald liebe. So wird es also die nächste Zeit wohl besser werden, um in aller Stille an dich und meine geliebte Heimat denken zu können. Oftmals fällt es mir schwer, mich vor lauter Krachen und Schreien zu konzentrieren. Der kleine Spaten, den du mir zum Abschied in den Rucksack gesteckt hast, hat sich zu meinem besten Freund entwickelt. Denn je tiefer wir den Schützengraben bauen können, desto besser sind wir gegen die Flankierung durch Geschosse aus feindlichen Schulterwehren geschützt.

Vor zwei Tagen hat es den Schützengraben vom älteren Sohn des Mitterhofbauern erwischt. Er hatte sich einem Grazer Schützenregiment im Kampf gegen den Feind auf dem Schlachtfeld angeschlossen. Warum er sich gerade zu den Grazern gemeldet hatte, ist mir unklar. Eine Kugel soll ihn beim Herzen getroffen haben. Die Sanitäter berichteten uns, dass es am Schlachtfeld dort schlimmer als in der Hölle gewesen sein soll. Die schwer Verwundeten stöhnten und lagen in ihrem Blut, und die Toten starrten sie mit ihren großen offenen Augen an. Bei Einbruch der Dunkelheit gruben wir daraufhin unseren Unterstand noch tiefer und füllten Säcke mit Erde und stellten sie vorm Schützengraben auf. Unser Lazarett im Hinterland war bereits nach kurzer Zeit überfüllt. Einige Soldaten wurden angeblich schwer verletzt nach Hause gebracht.

Bitte schicke mir weiterhin deine kleinen Pakete mit dem geschnittenen Zeitungspapier und den Trockenfrüchten und vergiss nicht, dazwischen ein paar Sonnenstrahlen vom Kreuzbauerhof einzupacken. Die kann ich gut brauchen.

Das feindliche Feuer ruft große Verluste hervor. Viele Männer sind schon gefallen oder verwundet. Lass uns zum Herrgott beten, dass ein Regenwetter auf sich warten lässt. Vor zwei Wochen hat es so stark geregnet, dass meine Stiefel in der zähen Masse des schweren Lehmbodens stecken geblieben sind. Ich musste sofort an dich und deinen ersten Besuch oben am Forsthaus denken. Mit dir durfte ich dort die schönsten Stunden meines Lebens verbringen. Ich sehne mich so sehr nach dir. Am Sonntag besuchte uns ein Militärpfarrer. Wir haben gemeinsam im Schützengraben gebetet. Du warst in mein Gebet eingeschlossen, denn nur dir allein gehört mein Herz. Es wird doch des Herrgotts Wille sein, dass ich dich bald wiedersehen kann. Ich hoffe, dass mein Rosenstock in deinem Garten die schönsten Blüten trägt und dich in der Zeit meiner Abwesenheit erfreut.

Mein nächster Brief lässt bestimmt nicht lange auf sich warten. So schließe ich für heute mit vielen tausend Grüßen und bestem Dank für alles und verbleibe

dein Benedikt.

1 Am Tage des Festes

Erwin Pfandl, der umtriebige Mürzzuschlager Gastwirt, stand, wie so oft in den letzten Wochen, auch heute zeitig auf. Es würde wieder ein langer, anstrengender Tag werden. Der stolze Postwirt wirkte in letzter Zeit trotz seiner erst 51 Jahre ziemlich abgekämpft. Die Anstrengungen rund um die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des von ihm hoch verehrten Peter Rosegger schienen den Wirt mitzunehmen. Denn der alt gewordene Dichter zeigte sich äußerst ungnädig allen Bemühungen des Wirtes gegenüber, diesen runden Geburtstag zu einem würdevollen Fest zu gestalten. Manchmal kanzelte er seinen eifrigen Verehrer regelrecht ab, wenn dieser eine Idee einbrachte. Niemand konnte es Pfandl verdenken, dass er sich über diesen Undank grämte. Aber schließlich hatte der Dichter doch gnädig seinen Segen gegeben, und so würde heute Nachmittag das einzige Theaterstück Roseggers, Am Tage des Gerichts, auf der Freilichtbühne in der Au zu seinen Ehren aufgeführt werden.

Pfandl strich sich vor dem Spiegel durch sein immer noch volles gewelltes Haar und bemerkte, dass ihm erste weiße Strähnen in die von der Sonne gebräunte faltige Stirn fielen. Auch die normalerweise großen hellen Augen wirkten heute klein und trüb. Keine Spur von dem sonstigen euphorischen Glanz. Er fühlte sich müde und erschöpft. Sogar deutlich abgenommen hatte er in letzter Zeit. Seine korpulente Gattin Maria hatte schon angemerkt, dass er wieder an Gewicht zulegen könnte: »Wenn du tatsächlich dein großes Vorhaben dort oben am Berg zu Ende bringen möchtest, brauchst du wieder mehr Fleisch auf den Rippen!« Sie machte sich Sorgen, weil ihn diese Geburtstagsfeier so viel Energie kostete: »Richtig erschöpft siehst du aus, Erwin. Wo ist deine Begeisterung geblieben? Geh doch heute früher zu Bett und erhole dich etwas, ich mach für dich den Schlussdienst und Sperrstunde!«, hatte sie ihm kürzlich angeboten. »Immer Rosegger! Alles dreht sich bei dir nur noch um dieses eine Thema!«, fügte sie murrend hinzu. Ernsthaft besorgt kritisierte sie ihn auch erneut wegen seines großen Lasters, dem vielen Rauchen, und meinte verärgert: »Man könnte geradewegs annehmen, du bist vom weißen Nebel berauscht, Erwin. Du findest ja keine klaren Gedanken mehr!«

Pfandl verschlang dennoch weiter die Zigaretten und zündete sich oft sogar eine an der anderen an. Er fand so einen tiefen Zug einfach beruhigend. Beim Rauchen konnte er am besten Pläne schmieden, wie er sich zugunsten der Region einsetzen könnte. Für viele Mürztaler galt er mit seinen unzähligen Ideen als zu übereifrig. Manche hielten auch sein Getue rund um Rosegger und die Waldheimat für leicht übertrieben. Dabei hatte er doch mit seiner Rosegger-Gesellschaft nur den Wunsch, den großen Heimatdichter und sein Weltbild zu ehren, außerdem dabei auch für seine Gegend, die Waldheimat, alles zu unternehmen, um möglichst viele Gäste anzulocken. Und statt ihn bei seinen Ambitionen zu unterstützen, die Waldheimat als begehrtes Ziel für Touristen weiterzuentwickeln, warf ihm der Bürgermeister immer wieder vor, seine ganzen diesbezüglichen Aktivitäten geschähen nur aus Eigennutz.

Einzig der Fotograf und ehemalige Schauspieler Böhm, sein besonnener Freund, hörte ihm stets aufmerksam zu, wenn er von seinem großen Idol Rosegger sprach oder über seine neuen Vorhaben berichtete. Der gibt sich zumindest interessiert, um mich nicht zu verärgern, aber auch das hilft mir, dachte Pfandl dankbar. Zu allem Übel hatte Rosegger selbst ihm vor Kurzem mitgeteilt, dass er keinen Wert auf seine Propaganda lege und nicht mehr erlaube, dass mit seinem Namen die Gegend beworben werde. Diese Worte waren wie ein Schlag in sein Gesicht gewesen. Pfandls Frau Maria ging ohnedies nicht erst seit Beginn der Planung der Geburtstagsfeierlichkeiten dem Heimatdichter großräumig aus dem Weg. Die tüchtige Wirtin hatte anderes zu tun, als sich im Gasthof blicken zu lassen, wenn der prominente Mann im Anmarsch war und wieder etwas zu kritisieren hatte.

Gedankenverloren schaute der Wirt auf seine Taschenuhr. Was, schon gleich 7 Uhr! Über Mürzzuschlag war die Sonne aufgegangen. Unter ihren wärmenden Strahlen begannen die Vögel, ihre Lebensfreude laut in den Tag hinauszuzwitschern. Pfandl, jetzt schon auf dem Weg zur Au, schritt rasch dahin. Er hatte es eilig. Die Zeit drängte. Die letzte Probe zur heutigen Aufführung musste fehlerfrei über die Bühne gehen. Auf keinen Fall durfte etwas schieflaufen: Es muss ein Erfolg werden. Niemand soll diesen Tag so schnell vergessen. Schon gar nicht der Heimatdichter!

Ja, Rosegger würde mit dieser Aufführung hoffentlich zufrieden sein, und auch der Bürgermeister, Anton Hopfer, würde wieder einmal so tun, als wäre alles seine Idee gewesen. Dabei hatte er sich wie immer nach Möglichkeit quergelegt. Das letzte unerfreuliche Gespräch mit dem Bürgermeister zerrte immer noch an seinen Nerven. Denn egal, welch neuen Vorschlag er dem immer dicker werdenden Gemeindeoberhaupt machte, er lehnte ihn ab. Pfandl konnte dem engstirnigen Mann nicht mehr in die Augen sehen, dieser industriegläubige Verhinderer vieler seiner Pläne brachte ihn zur Weißglut. Denn Mürzzuschlags Bürgermeister hatte nicht nur seit jeher einfach kein Gespür für respektvolles Auftreten, mit zunehmendem Alter schien Hopfer auch von immer trägerem Verstand zu werden.

Die beiden Männer waren infolge ihrer unterschiedlichen Interessen selten gut miteinander ausgekommen. Zum Leidwesen Pfandls mussten sie trotzdem immer noch regelmäßig Streitgespräche führen. Wie all die Jahre zuvor ging es um den Fremdenverkehr. Der Hotelwirt kämpfte weiterhin mit aller Kraft verbissen gegen die fortschreitende Industrialisierung, durch die die schöne Gegend immer mehr verschandelt wurde. Allein das Eisenwerk Bleckmann zählte inzwischen rund 1.400 Arbeiter. Die Hammerwerke der Mürz entlang waren ausgelastet, mit allem damit verbundenen Lärm und der immer schlechter werdenden Luft.

Mit der Zeit hatten die meisten Menschen im Mürztal aber trotzdem immer mehr Gefallen am industriellen Fortschritt gefunden. Am Anfang allem Neuen gegenüber kritisch eingestellt, ließen sich inzwischen auch die Skeptiker nicht mehr von Roseggers Waldheimatgeschichten leiten. Kaum einer wollte sich den ganzen Tag lang am Bauernhof abrackern, wenn in der Fabrik geregelte Arbeitszeiten und bares Geld für ein scheinbar besseres Leben sorgten.

Als Befürworter des Fremdenverkehrs nahm sich dagegen der Wirt bei seiner Kritik an der Industrie kein Blatt vor den Mund. Er blieb seiner Linie treu und bezog sich immer wieder auf die Texte Roseggers. Für ihn hatte der weise Dichter in allem recht, sogar mit seiner Meinung, dass das Automobil sich nicht durchsetzen werde. Im Sommer mit der Kutsche und im Winter mit dem Pferdeschlitten – so wollten seiner Meinung nach die Gäste nach einer langen Zugfahrt transportiert werden.

Der Bürgermeister hingegen zog seine unzähligen Ideen, mehr Gäste mit der Eisenbahn in die Region zu locken, ins Lächerliche. »Was interessiert mich der Fremdenverkehr oben am Berg, wenn die Industrie unten im Tal sowieso ausreichend Geld einbringt?«, hatte er vor einem Jahr wieder einmal verächtlich zu Pfandl gesagt, nachdem dieser ihm den Bau eines Alpenhotels am Ganzstein vorgeschlagen hatte. Hopfer verhinderte die Umsetzung. So wurde daraus nur ein Aussichtsplatz unter Fichten, ein Fleck im Freien mit Blick auf die Rax und die Schneealpe. Die Bezeichnung »Zur Rosegger-Ruh« – Pfandl erhoffte sich, dass der Platz auch nach Ableben des Dichters noch weiter an seine Spaziergänge in Mürzzuschlag erinnern würde und der Ort davon profitieren sollte – ließ Hopfer ihm gelten.

»Die kleine Lichtung dort oben am Ganzstein kann ich schon so benennen lassen!«, meinte der Bürgermeister. Er grinste hämisch und schüttelte den Kopf. »Wir wollen doch nicht, dass die Krieglacher meinen, der Heimatdichter gehöre ihnen ganz allein und wird nur bei ihnen gewürdigt«, fügte er hinzu. Hopfer lachte übertrieben laut auf, er freute sich über seine boshaften Worte. Pfandl dagegen verging das Lachen. Hopfer wusste schließlich, dass der Wirt in seinem Gasthof eigens für den prominenten Literaten ein Dichterstüberl hatte einrichten lassen, um ihn zu ehren und ihm in Mürzzuschlag ein Denkmal zu setzen. Der Wirt hatte die Errichtung des Rosegger-Stüberls mit riesigem Aufwand betrieben und auch keine Kosten für die Werbung gescheut. Mürzzuschlag war ein Ort, in dem Rosegger schon längst geehrt wurde, da konnte man auf Hopfer und seine plumpen Worte gerne verzichten. Pfandl war froh, wenn er das boshafte Gemeindeoberhaupt in seinem Gasthof zur Post nicht allzu oft sehen musste.

Das galt gleichfalls für den Gemeindegendarm Fladinger, der seinerseits nichts von der »übertriebenen Roseggerei« des Gastwirtes hielt. Diesen Ausdruck hatte der in Gedanken schon mehr mit seiner baldigen Altersrente als seiner Arbeit beschäftigte übergewichtige Gendarm in einem vor einigen Jahren erschienenen Buch über Mürzzuschlag gelesen. Nun warf Fladinger dem Wirt diese Kritik gerne immer wieder an den Kopf. Bei jeder Gelegenheit beschwerte er sich außerdem über den Mehraufwand für die Gendarmerie aufgrund von Pfandls Veranstaltungen. Der Mann für Ordnung und Sicherheit gab dem übertriebenen Bestreben des Wirtes, Gäste anzulocken, an der steigenden Kriminalität im Mürztal Schuld. Der freche Einbruch vor zwei Wochen in das Jagdschloss Mürzsteg, bei dem Silberbesteck und sogar einige persönliche Gegenstände des Kaisers gestohlen worden waren, sei sicher auch das Werk von irgendwelchen solchen »Touristen« gewesen.

Fladingers dummes Gerede störte Pfandl zwar, aber schlimmer empfand er die Abneigung Hopfers gegen den Fremdenverkehr überhaupt. Er war so gekränkt darüber, dass er sich sogar zu einer wichtigen Planänderung entschlossen hatte. »Dieser Trottel von Bürgermeister ärgert sich hoffentlich inzwischen schon grün und blau darüber, dass mein neues Hotel nicht auf Mürzzuschlager Boden steht!« Bei diesen Gedanken musste Pfandl zum ersten Mal an diesem Tag lachen. Er würde nämlich sein bisher wichtigstes Vorhaben, sein einzigartiges Alpenhotel in hoher Lage, auf Gemeindegebiet des Nachbarorts Langenwang betreiben. Von Weitem zu sehen thronte der Neubau jetzt schon ehrfurchtgebietend mit hoch emporragendem Aussichtsturm auf einer Lichtung hoch oben am Bärenkogel. Der beeindruckende Holzbau blickte erhaben hinunter auf das Mürztal. Zwischen dem Kreuzbauer und der Ganzalm lugte das Gebäude durch den Hochwald auch in Richtung Pretulalpe hinüber. Das Hotel war schon fast fertiggestellt. Pfandl plante, es demnächst für Übernachtungen zu öffnen. Inzwischen stand es schon für Tagesausflüge zur Verfügung. In sämtlichen Zeitungen war bereits über sein Alpenhotel zu lesen gewesen. Ein eigener Klettersteig den Felsen entlang zum Alpenhotel war in Planung. Abermals war Pfandl kein Aufwand zu groß, im Gegenteil. Er würde es allen zeigen!

Dieser Sinneswandel – nämlich sein Hotel in Langenwang und nicht in Mürzzuschlag zu bauen – wäre ihm selbst vor einem Jahr noch undenkbar erschienen. Da er nicht am Ganzsteig bauen durfte, wollte er zunächst auf den Alpsteig ausweichen. Da stellten sich aber die letzten Bauern in der Waldheimat quer. Und als sein größter Kritiker in dieser Sache hatte sich der Heimatdichter Rosegger erwiesen. Pfandl, ganz überzeugt von seiner Idee, hatte dem verehrten Freund ein fertiges Konzept, mit dem er beabsichtigte, aus der Waldheimat einen Luftkurort zu machen, samt Zeichnungen vorgelegt. Der Dichter hatte darüber nur verärgert den Kopf geschüttelt und ihn dringend aufgefordert, er möge von einem derart sinnlosen Bau Abstand nehmen. Es fehle am Alpl an arbeitsamen Bauern und nicht an faulen Leuten in nutzlosen Kureinrichtungen. Pfandl war so enttäuscht gewesen.

Auf Höhe der Lambachbrücke hielt der Wirt kurz inne, um zu verschnaufen. Heute bei der großen Feier mit der Aufführung, da würde dem großen Dichter sicher auch wieder nichts recht sein. Dabei hatten sie sich doch alle so bemüht, ihm zu Ehren alles so gut wie möglich zu machen. Wenn nur nichts schiefgeht!, dachte er besorgt.

Die Sonne stieg höher, die Luft erwärmte sich. Während er Atem schöpfte, schweifte sein Blick zu den felsigen Hängen des Kaisersteins und der Hochwand. Von dort herab genossen die Wanderer eine herrliche Aussicht auf Mürzzuschlag, die Neuberger-Bahn und die Mürzbrücke. Pfandl, von seinen Gedanken an Rosegger getrieben, erinnerte sich einer Aussage in einem Buch des Dichters:

Mürzzuschlag ist der Schlüssel zur Steiermark. Sowohl für die obere, mittlere, als untere Lade. Die allerschönsten Sachen sind freilich in der oberen drin …

Er grübelte kurz darüber und seufzte tief. Sein Herz wurde ihm bei diesen Zeilen schwer. Als schönste Lade hatte er immer die Gegend der Waldheimat gesehen, und gerade hoch oben auf den Bergen, da hatte er so manchen Schatz gefunden. Waren sie eigentlich noch da, diese schönsten Sachen in der oberen Lade? Warum machte ihm der Bürgermeister das Leben so schwer? Weshalb war Rosegger so stur und eigenartig geworden?

Roseggers Zurechtweisungen waren für Pfandl nämlich noch mühsamer zu verkraften als die Eigenheiten des Bürgermeisters. Am hilfreichsten schien es ihm mittlerweile, seine Kritiker überhaupt zu ignorieren. Er wollte sich nach der heutigen Feier in der Au nur mehr auf sein Alpenhotel am Bärenkogel konzentrieren. Dieser grandiose Bau zwischen Mürztal und Himmel würde ihm allein die wohlverdiente Ehre erweisen und ein Juwel in der oberen Lade sein. Das stand für ihn fest. Er schluckte seinen Groll hinunter, atmete kurz durch und freute sich auf die Theaterprobe in der Au.

Die werden alle heute am Nachmittag große Augen machen, dachte er jetzt wieder zuversichtlicher. So setzte er sich froheren Mutes wieder in Bewegung und bog weiter in Richtung Au ein. Dort war vor einigen Jahren ein schöner, erholsamer Naturpark an der frisch plätschernden Mürz mit saftigen Wiesen, schattigen Waldplätzen und vielfachen Wegen mit Sitzbänken und Ruheplätzen entstanden. Da die Idee zur Gestaltung der Au vom Verschönungsverein kam, ließ der Bürgermeister die Errichtung der Promenade samt Bankerln an der frischen Quelle rasch umsetzen. Aber in Wirklichkeit war es eine von Pfandls Ideen gewesen, von der er dem Primar der Wasserheilanstalt bei einem Bier erzählt hatte.

Der schönste Platz in der Au war für den Postwirt bei der Mürz-Wehr. Die stürzenden Wasser, die massive Eisenbahnbrücke und ringsum das Waldesgrün taten ihm gut. Er suchte den Platz mehrmals im Monat auf, um von seinen selbstauferlegten Strapazen Abstand zu gewinnen. Heute hatte er zwar keine Zeit dafür, aber sonst hielt er gerne auf der Brücke Ausschau und sortierte seine unzähligen Gedanken. Überall fand er bezaubernde Aussichten. Über grünen Fichtenkronen ragten aus der Ferne die Felsenzinnen der Schneealpe empor. Der Blick zur Pretulalpe ließ ihn jedes Mal wehmütig werden. Die Alpe samt dem Schutzhaus auf 1656 Metern Höhe war trotz des grausamen Mordes vor zehn Jahren an seinem Freund, dem ersten Hüttenwirt Peter Bergner, sein liebstes Ausflugsziel.

Obwohl er vor zwei Jahren die Liegenschaft samt der dem Andenken des »Almpeterl« gewidmeten Peter-Bergner-Aussichtswarte an einen alpinen Verein verkauft hatte, besuchte er die Pretulalpe immer noch regelmäßig. Eine Schneeschuhwanderung zum Stuhleck, wie er sie einst als einer der ersten Skipioniere bewältigt hatte, schien ihm derzeit aber unvorstellbar. Im wahrsten Sinne des Wortes hatte er Angst davor, dass ihm dabei die Luft wegbleiben könnte. Sein schneller Gang zur Freilichtbühne in der Au, wo die Probe zu Roseggers Volksstück gerade angefangen hatte, ließ ihn heute nämlich schon fast außer Atem kommen.

Jetzt vernahm er schon von Weitem die kräftige Stimme eines Mannes und stellte erfreut fest, dass es sich nur um seinen Freund Böhm handeln konnte. Dieser spielte im Stück den Straßl Toni, einen Wilderer und Mörder. »Diese ruhige, tiefe Stimme, das passt ganz großartig für diese Rolle. Es wird alles gut werden!« Sein Herz pochte wie wild, diesmal vor Freude. Am frühen Nachmittag sollte und würde ganz Mürzzuschlag bei der Aufführung des tragischen Volksschauspiels Am Tage des Gerichts von Peter Rosegger auf der Bühne in der Au vor Begeisterung eine Gänsehaut bekommen. Die in höchsten Tönen verfassten Zeitungsberichte konnte er schon vor sich sehen. Er wusste, Franz Josef Böhm war der sichere Garant dafür.

Pfandl betrat das Freilufttheater, als Böhm gerade mit von Kohle geschwärztem Gesicht und in zerschlissener Kleidung von der Bühne rief: »Sie mögen sagen, was sie wollen. Ehevor der Mensch zugrunde geht, ehevor probiert er viel. Viel! Not lehrt beten – und schießen. Dem dort unten, dem mag ein Rehbock mehr wert sein als wie eine Menschenbrut, eine jämmerliche. Mir nicht! Hinein mit dem Blei! Wirst nicht lange im Loch bleiben, Kugerl. So lang wie ich schon gewiss nicht. Je fester hineingestopft, desto schärfer heraus. Ist so.«

Der Wirt war selbst einmal in jungen Jahren bei einer Aufführung in die Rolle des mit seiner Familie in größtem Elend lebenden Wilderers Straßl geschlüpft, der, nachdem er bereits einmal wegen Wilderei im Kerker gewesen war, in der nach seiner Entlassung noch größeren Not für die hungernde Familie keinen anderen Ausweg sieht, als wieder wildern zu gehen. Als er dabei erwischt wird, erschießt er den jungen Förster, streitet aber die Tat bis zur Gerichtsverhandlung ab. Erst als des Försters Gattin beim Verhör des Wilderers Verständnis für seine ausweglosen, armseligen Familienverhältnisse zeigt und ihm verzeiht, falls er der Mörder ihres Mannes sein sollte, gesteht er die schreckliche Tat.

Pfandl hatte sein Kostüm von damals aufbewahrt, und so konnte er Böhm eine zerschundene Knielederhose, zerschlissene Strümpfe, ausgeblichene, mit Eisen beschlagene Bundschuhe und ein mehrmals gestopftes bräunliches Hemd für die Rolle borgen. Der zerlumpte Hut und die struppigen Haare, die ihm ins Gesicht fielen, unterstrichen noch den verkommenen und zugleich verwegenen Eindruck.

Der Wirt warf einen prüfenden Blick zur Bühne und empfand ein Gefühl der Zufriedenheit. Die erst vorgestern geschlagene grüne saftige Tanne auf der Bühne und die insgesamt 25 Laienschauspieler, die zum Großteil von angrenzenden Bauernhöfen kamen, boten ein prächtiges Bild. Das Wetter spielte mit, und die Sonnenstrahlen wurden mithilfe von Brettern geschickt ein- und ausgeblendet, was natürliche Schatteneffekte bewirkte. Die Gattin von Straßl wurde von Eva Glück gespielt, der Nichte der Kaffeehausbesitzerin im Ort. Den jungen Oberförster spielte Karl Gruber, der jüngere Kreuzbauersohn, und dessen Frau wurde von der jüngsten Tochter des Franz Josef Böhm dargestellt.

Karl Gruber hatte sich für seine Rolle das Arbeitsgewand von einem jungen Förster der Rabenhofer Forste ausgeliehen. Er machte mit seinen blonden Haaren und den blauen Augen eine gute Figur. Die verliebten Blicke von Böhms Tochter für ihren Gatten im Schauspiel schienen nicht nur gespielt zu sein. Sie war offensichtlich sehr angetan von Karl. Leider beruhte die Schwärmerei nicht auf Gegenseitigkeit, das war sogar Böhm und Pfandl aufgefallen. Der junge Kreuzbauersohn ging so voll Euphorie in seiner Rolle als Förster auf, dass ihn sonst nichts zu interessieren schien.

Nach dem Ende der Probe fragte er Böhm voller Begeisterung: »Werter Herr Böhm, können Sie mir bitte etwas vom Theaterspielen beibringen? Es macht mir so viel Freude.« Der Fotograf freute sich über das Interesse des jungen Mannes, meinte aber: »Mein Junge, ich glaube nicht, dass das deinem Vater recht sein wird. So wie ich den Bauern kenne, wird er dir die Schauspielerei verbieten.« Karl bejahte nickend mit einem traurigen Blick. Er verneinte auch die Frage, ob der Vater zur Nachmittagsvorstellung kommen würde. Böhm bemerkte die Enttäuschung des jungen Mannes. Er erinnerte sich an seine eigene Lage, als er damals nach dem Tode seines Vaters in Wien zu seinem älteren Bruder hatte ziehen müssen, um bei ihm zu arbeiten. Kaum ein halbes Jahr hatte er es ausgehalten. Dann beendete er die Arbeit bei seinem Bruder. Vom Ersparten besuchte er die 1. Wiener Theaterschule. Sein Traum erfüllte sich tatsächlich. Vier Jahre war er mit einem Wandertheater durch die Gegend gezogen und konnte so seinen Lebensunterhalt bestreiten. Sogar Rosegger zeigte sich bei einer Aufführung in Pettau davon begeistert, wie er in seinem Stück Am Tage des Gerichts dem Straßl Toni auf der Bühne Leben einhauchte. Aber das war alles schon länger her.

Was sollte er nun dem jungen Kreuzbauersohn in seiner Situation empfehlen? Er überlegte. Da kam ihm plötzlich eine Idee: »Karl, was hältst du davon, wenn du mir bei meinen Fotoaufnahmen im Atelier zur Hand gehst?« Der junge Mann warf ihm einen fragenden Blick zu. »Du kannst dir ein paar Kronen dazuverdienen, und zwischendurch erzähle ich dir etwas übers Theater«, ergänzte Böhm und lächelte ihn freundlich an. Ohne lange zu überlegen, ja, ohne seinen strengen Vater vorher um Erlaubnis gefragt zu haben, sagte Karl auf der Stelle zu. Er streckte ihm voll Freude die Hand entgegen und meinte zufrieden: »Abgemacht!«

Pfandl, der überall Augen und Ohren offenhielt, bekam das Gespräch der beiden mit. Sogleich erinnerte er Böhm an ein Versprechen: »Das freut mich. Somit könnt ihr gemeinsam zu mir auf den Bärenkogel kommen, um mein Alpenhotel abzulichten.« Böhm lachte laut auf. Natürlich hatte er den Auftrag des Wirtes nicht vergessen. Er hatte nur keine Freude damit, die schwere Ausrüstung allein auf den Bärenkogel zu schleppen. »Ja, das können wir demnächst machen. Soeben habe ich einen Gehilfen gefunden.« Dann zog er Karl auf die Seite und flüsterte ihm ins Ohr: »Komm nächste Woche zu mir ins Atelier in der Wiener Straße.« Der junge Mann blickte ihn fragend an. Er hatte offensichtlich keine Ahnung, wo Böhm sein Atelier eingerichtet hatte.

»Frag einfach deine Schwester um den Weg. Erst vorigen Monat war die Resi nämlich bei mir«, fügte Böhm hinzu. Karl lächelte verlegen. Er ließ sich seine Verwunderung nicht anmerken. Seine Schwester hatte nämlich kein Wort darüber gesagt, dass sie beim Fotografen Böhm im Atelier gewesen war. Sehr eigenartig, er musste sie fragen, weshalb sie das verschwiegen hatte. Aber erst, nachdem die große Feierlichkeit vorüber und wieder Ruhe eingekehrt war.

Pfandl war über die Maßen zufrieden mit der Generalprobe in der Au und lud nun alle Akteure zu sich in den Gasthof auf ein Mittagessen mit Gulasch und Bier ein, bevor es dann am Nachmittag mit der Aufführung weitergehen würde. Er hatte sich von der hervorragenden Leistung der Schauspielgruppe und der perfekt in Szene gesetzten Bühne überzeugen können. Mehr als zuversichtlich blickte er der Aufführung entgegen. Gemeinsam verteilten Böhm und er die Programmhefte und Platzkarten für die Ehrengäste in den ersten Reihen. Dem Bürgermeister Hopfer samt seinem Kollegen vom Semmering teilte er einen Platz in der zweiten Reihe zu. Für Rosegger mit Gattin und den beiden Töchtern reservierte er den Platz direkt neben ihm. Für die Jägerschaft und das Forstpersonal sowie die Gendarmen, die alle bis auf einen Notdienst die Teilnahme an der Feier zugesagt hatten, gab es eigene Plätze neben der Bühne.

Die Planung der Feierlichkeiten hatte insgesamt sehr viel Zeit in Anspruch genommen, und der Termin musste einige Male verschoben werden, weil es auch an anderen Orten Festivitäten rund um des Dichters Geburtstag gab. Um diese zu übertrumpfen, hatte Pfandl die ein wenig in Vergessenheit geratene und verwilderte Freilichtbühne in der Au aus dem Schlaf geholt. Wer den Postwirt kannte, wusste, dass er den Anspruch hatte, die beste Jubiläumsfeier von allen auf die Beine zu stellen. Nach wochenlangen Arbeiten erstrahlte die Bühne in der Au in neuem Glanz. Und heute, am 2. Mai 1914, war endlich der große Tag des Festes. Und es würde ein großartiges Fest werden, dessen war sich Pfandl inzwischen ganz sicher.

Für rund 200 Besucher hatte man ausreichend Reihen mit Sitzbänken vorbereitet. Um 15 Uhr am Nachmittag waren diese Reihen dann tatsächlich voll besetzt. Fast niemand wollte sich die große Feier für Rosegger entgehen lassen. Sogar die einflussreichen Gewerke Bleckmann und Nierhaus gaben dem Fest mit ihren eleganten Gattinnen die Ehre. Vinzenz Rabenhofer, als Nachfolger seines Vaters nicht nur Hammerherr und Werksbesitzer, sondern auch der größte Wald- und Forstherr der Gegend, war in Begleitung seiner Tochter Lisl gekommen. Pfandl fiel auf, dass die sonst immer aufmerksame und muntere junge Frau heute nervös und zerstreut, ja beinahe abwesend wirkte.

Die Feierlichkeit startete mit einer ausführlichen Lobeshymne des Gastwirtes für den Jubilar, dann begann das Schauspiel. Alles lief großartig. Tosender Applaus war nach der letzten Szene zu hören. Pfandl war glücklich, der enorme Aufwand hatte sich mehr als gelohnt. Wie von ihm erhofft, war die Aufführung von Roseggers Volksschauspiel Am Tage des Gerichts zu Ehren seines 70. Geburtstages in der Au ein grandioser Erfolg.

Die Schauspieler hatten sich mit ihrer Rolle noch intensiver als bei den Proben identifiziert, sie waren zum Teil über sich hinausgewachsen. Der soziale Aspekt des Stückes, den der Dichter vor mehr als 20 Jahren damit vermitteln wollte, war auch jetzt noch nachvollziehbar. Die ausweglose Not der Familie des Wilderers Straßl – Böhm spielte den verzweifelten Mann einfach hervorragend – wie auch die Armut und das Elend der Ameisengräber, Wurzelsammler und Kohlenbrenner spiegelte sich in den erschrockenen Gesichtern der Zuseher wider. Während der Aufführung hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so gepackt vom Bühnengeschehen waren die Anwesenden.

Da auch in der Gegend um Mürzzuschlag in den letzten Jahren die Anzahl der Wildschützen zugenommen hatte, erregte das heikle Thema nicht nur die Gemüter der anwesenden Jäger und Förster. Auch die Gendarmen lauschten besonders aufmerksam. Pfandl hatte in dieser Inszenierung das Ende des Mörders offen gelassen, obwohl er anfangs damit geliebäugelt hatte, ihn vor Gericht wegen Notwehr freisprechen zu lassen. Aber er wollte den Verfasser des Dramas durch diese Veränderung nicht unnötig provozieren.

Rosegger bedankte sich zwar für die gelungene Veranstaltung, lehnte jedoch das anschließende Wildessen im Gasthof zur Post ab. Die in seinen Augen unnötig gefällte Tanne war nicht sein einziger Kritikpunkt. Er zeigte sich bei der Verabschiedung von Pfandl verärgert über dessen in überschwänglichen Worten verfasste Festrede. Diese Rede hätte fast so viel Zeit wie das Schauspiel selbst in Anspruch genommen. Lobend dagegen äußerte er sich darüber, Böhm nach so vielen Jahren erneut in der Rolle des Straßl Toni gesehen zu haben. Vom Talent des jungen Kreuzbauersohns als Förster zeigte er sich beeindruckt. Er meinte zu Böhm, dass der junge Mann unbedingt gefördert werden müsse.

Die Zuschauer warteten geduldig auf ihren Plätzen, bis Pfandls prominenter Gast, gestützt auf die Arme seiner beiden Töchter, die Freilichtbühne verlassen hatte. Rosegger wirkte alt und gebrechlich. Die Besucher gaben ihm zum Abschied durch lang anhaltenden lauten Applaus noch einmal die Ehre. Erst als der Gemeindegendarm Fladinger unerwartet am Gelände auftauchte, verstummten die Jubelschreie allmählich. In seiner bekannt schwerfälligen Art schaute er sich zuerst kurz um, dann ging er zum Platz neben der Bühne, wo der Kommandant Birnstingl saß. Schwer atmend stand er dort, verschwitzt und mit hochrotem Kopf. Schließlich beugte er sich zu seinem Vorgesetzten hinunter, flüsterte ihm etwas zu und zeigte dabei mit den Händen in Richtung Wald. Birnstingl starrte ihn mit großen Augen an, er schien über das Gehörte nachzudenken. Dann stand er auf, warf einen Blick in die Runde zur Jägerschaft und zu den Kollegen, denen er mit einem Handzeichen bedeutete, sitzen zu bleiben. Gemeinsam mit Fladinger verließ er vor dem Rest der Besucher eilig die Veranstaltung in Richtung Ortsmitte. Die beiden tauchten auch später nicht mehr auf, was für einiges Gerede beim anschließenden Wildessen im Gasthof zur Post sorgte.

Pfandl, der überall seine Informanten hatte, wusste natürlich bald den Grund des vorzeitigen Aufbruches. Aber er ließ sich nichts anmerken, um die gute Stimmung unter den Gästen nicht zu verderben. Aus Sensationsgier hätten nämlich sicher nicht wenige daraufhin seinen Gasthof verlassen. Daher erzählte er nur seiner neugierigen Gattin, dass der diensthabende Revierjäger vom Gut Rabenhofer zum Zeitpunkt der Aufführung in der Au einen Wilderer am Kaisersteig auf frischer Tat mit einem gerade erlegten Rehkitz ertappt hatte. Als er ihn zur Rede stellte, nahm ihm der freche Wildschütz sein Gewehr ab. Nicht nur das, er jagte ihn damit sogar in die Flucht. Der Jäger, erzürnt über diese Schande, verständigte sofort den an diesem Tag einzig Diensthabenden, den Gendarmen Fladinger, über den Vorfall und bat um diskrete Behandlung und um Unterstützung bei der Suche nach dem Wilderer. Fladinger, der sich davon überfordert fühlte, war deshalb in der Au aufgetaucht, um seinen Vorgesetzten Birnstingl in Kenntnis zu setzen. Dieser entschied, dass dem Wildschütz schnellstmöglich und ohne Aufsehen das Handwerk gelegt werden sollte, um den Ruf des Jägers nicht zu gefährden. Daher wollte sich der Kommandant gemeinsam mit dem inzwischen beim Ganzsteig wartenden Jäger auf die Suche nach dem Wilderer machen. »Sollte der Gutsherr davon erfahren, dass einem seiner Revierjäger das Dienstgewehr von einem Wilderer abgenommen wurde, wäre das sein letzter Arbeitstag«, vermutete Pfandl. »Stell dir nur das Gespött in der Wirtsstube vor!«, kicherte seine Frau Maria.

Dass es sich bei dem Wilderer womöglich um Sepp, den älteren Sohn des Kreuzbauern handeln könnte, behielt Pfandl lieber für sich. Ein Teil des Wildes für das Fest kam nämlich von ihm, der übrige Teil ganz legal von der Forstwirtschaft des Rabenhofer Gutes. Aus Vorsicht informierte er seine Gattin lieber nicht darüber, woher er das Wildfleisch bezog, das er seinen Gästen servierte. Sie brauchte nicht alles zu wissen. Zufrieden zapfte er sich ein kleines Bier und trank es in einem Zug aus. Das war doch eine gelungene Aufführung gewesen. Und nichts sollte den Erfolg dieser geglückten Jubiläumsfeier schmälern. Das würde großartige Berichte in den Zeitungen geben.

Pfandl ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass stattdessen fast zehn Jahre nach dem Mord auf der Pretul zwei mysteriöse Morde im Wald am Kaisersteig für Aufregung sorgen würden. Leider waren es diese, die sogar mitsamt einer Zeichnung ihren Platz am Titelblatt einer regionalen Zeitung fanden. Weder ein Wort über die großartige Aufführung in der Au noch die wohl gesetzten Grußworte an den Jubilar wurden dieses Mal abgedruckt.

Denn während sich die Festgäste in Pfandls Gasthof bei Bier und Wildbraten weiter köstlich amüsierten, verließen die Jäger und Gendarmen bereits nach einer Weile still und unauffällig den Wirtshaustisch. Es war nämlich auch zu ihnen durchgesickert, dass es einen Zwischenfall mit einem Wilderer gegeben hatte. Daher machten sie sich alle gemeinsam auf den Weg in Richtung Ganzstein, um Birnstingl und den Jäger bei der Suche nach dem Wilderer zu unterstützen. Sie waren noch nicht lange unterwegs, als ihnen der Jäger – es war der junge Revierjäger Johann Freidl – entgegenkam und angab, gerade auf dem Weg zur Gendarmerie zu sein, um einen weiteren schrecklichen Vorfall zu melden.

Er führte die Gruppe zum Ort des Geschehens. Auf einer Lichtung fanden die Männer zu ihrem Entsetzen sowohl den Kommandanten Birnstingl als auch den Wilderer regungslos am Waldboden liegend vor. Alois Birnstingl lag erschossen vor einem Baum, neben ihm sein Dienstgewehr. Der Wilderer war an zwei Stichverletzungen in der Brust verblutet. Neben ihm sah man die Tatwaffe, ein Jagdmesser. Unweit davon lag das Gewehr des Jägers Freidl, welches seinen Angaben nach der Wilderer ihm vor ein paar Stunden abgenommen hatte.

Der Jäger sagte aus, dass er und Birnstingl den Wilderer gestellt hätten, dieser aber ohne Warnung den Kommandanten mit dem Gewehr erschossen habe. Daraufhin habe er den Wilderer in Notwehr mit seinem Hirschfänger erstochen. Da es inzwischen bereits dunkel geworden war, entschied man, dass der Revierjäger Freidl am Gendarmerieposten seine Aussage beim dort noch immer diensthabenden Gendarmen Fladinger machen sollte. Die beiden Leichen sollten bis zum Morgen unter Bewachung zweier junger Gendarmen an Ort und Stelle verbleiben, damit man bei Tageslicht eventuell vorhandene Spuren sichern und alles aufnehmen könne.

Als Pfandl dann noch spät in der Nacht Kenntnis von diesen schrecklichen Ereignissen erhielt, war er mehr als entsetzt und sehr verwirrt. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sich das Drama im Wald tatsächlich so zugetragen hatte. Ein mehr als ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus. Er hegte den schlimmen Verdacht, dass an der tragischen Sache irgendetwas faul war.

Er wusste, dass Fladinger den Revierjäger Freidl zum Tathergang befragt hatte. In Erinnerung an den Mord auf der Pretul bereitete Pfandl die ungeschickte Art des Gendarmen, Untersuchungen und Befragungen durchzuführen, Kopfschmerzen. Er befürchtete, dass dieser wieder einmal die Tatsachen verdrehen und damit für Verwirrung im Ort sorgen würde.

»Denn da stimmt doch etwas nicht an dieser Geschichte. Ein Wilderer hat dem Jäger im Kampf das Gewehr abgenommen und ihn damit davongejagt? Wie soll das zugegangen sein?«, fragte er sich und schüttelte verwundert den Kopf. »Der alte Gemeindegendarm sollte besser in Rente gehen«, murmelte er vor sich hin.

2 Unbeugsame Härte

Ein bedrücktes Schweigen umfing die drei Menschen vom Kreuzbauerhof, die zeitig in der Früh am großen Holztisch beim Frühstück saßen und gerade ein Dankgebet für das Essen gemurmelt hatten. Die Gesichter nach unten gerichtet, zeigte keiner von ihnen eine rechte Freude an diesem Beisammensein. Schon gestern beim Nachtmahl war der Vater grantig gewesen. Dabei waren Karl und Resi nach der Theateraufführung bewusst nicht mit ins Wirtshaus gegangen, sondern gleich nach Hause. Aber der Vater war verärgert, weil der ältere Sohn Sepp nicht zum Essen heimgekommen war. Und inzwischen hatte sich seine Laune kein Bisschen gebessert. Dabei war ein längst notwendiger Regen in aller Früh niedergegangen. Während die Sonne versuchte, sich zaghaft durch das gerade etwas lichter werdende Gewölk über dem Wald durchzukämpfen, erhoffte sich Resi Gruber, dass sich die gereizte Stimmung ihres Vaters ebenso aufhellen würde. Alle nahmen sich von Sterz und Kaffee, aber die gedrückte Stimmung und das Schweigen blieben.

»Was für ein starrköpfiger Mensch«, murmelte Resi vor sich hin, während sie sich nach dem Essen vom Tisch erhob und den übrig gebliebenen Sterz hinaustrug. Der Vater warf ihr einen strengen Blick zu. Dann streckte er die Hand nach dem großen Steinkrug aus, der kühlen Most enthielt. Es war die Gewohnheit ihres Vaters, dass er nach jedem Essen noch einen kräftigen Schluck Most trank, bevor er wieder an die Arbeit ging. Der Kreuzbauer-Hias, wie den Mathias Gruber jeder im Dorf nannte, war kein armer Bauer. Er führte einen der wenigen größeren Bauernhöfe in der Gegend. Im Ort war er als eigenwilliger, kluger Kopf, aber auch als sturer, unnachgiebiger Mensch bekannt. Die alten Leute erzählten sich, dass sein Großvater – ebenfalls ein großer, starker Mann – sogar noch sturer gewesen sei. Und von seinem auch schon vor Jahren verstorbenen Vater wurde erzählt, dass praktisch keine Wirtshausrauferei im Ort ohne seine handfeste Beteiligung stattgefunden habe. Der jetzige Kreuzbauer dagegen hatte in seinen jungen Jahren einen anderen Weg gefunden, um seine Wut gegen die Ungerechtigkeiten der Welt und die Überheblichkeit der reichen Großgrundbesitzer abzureagieren.

Diese Wut auf die Reichen hatte ihm sein Vater mitgegeben. Der hatte über die Bauernbefreiung kein gutes Wort zu sagen gewusst. Die Kreuzbauern, so hatte er gerne betont, waren schon seit vielen Generationen als Besitzer ihrer Landwirtschaft und somit als Freibauern unabhängig. Das war ihr großes Glück damals gewesen. Die meisten im Mürztal ansässigen Bauern und Kleinhäusler durften nämlich den zu bewirtschaftenden Grund nicht ihr Eigentum nennen. Sie hatten lediglich ein Nutzungsrecht und mussten Abgaben an die Grundherren leisten. Durch die Grundentlastung von 1848 waren die Bauern jedoch regelrecht gezwungen, die von ihnen bewirtschafteten Höfe teuer zu erwerben. Für die Ablöse, die sie an ihre Grundherren zu zahlen hatten, mussten aber Kredite aufgenommen werden. Durch die Besitzänderung verschlechterte sich entgegen den hoffnungsfrohen Erwartungen die Situation für viele Mürztaler Bauern sogar. Zuvor belieferten sie nur ihre Grundherren, nun mussten sie selbst die Produkte vermarkten und Abnehmer finden. Das und damit ein erfolgreiches Wirtschaften gelang nur wenigen.

Ein weiteres Problem, das die Bauern im Mürztal ebenfalls direkt betraf, war der Preisdruck, der durch Waren entstand, die aus anderen Teilen der Monarchie kamen. Zu dieser Veränderung trug vor allem der praktisch zeitgleich mit der Änderung der Besitzverhältnisse stattfindende Ausbau der Eisenbahn bei, wodurch billigeres Getreide und Schlachtvieh einfacher transportiert werden konnten. Daher mussten sehr viele der kleineren Bauern aus wirtschaftlichen Gründen Haus und Grund um wenig Geld verkaufen und schlitterten in die Armut. Und mancher vormalige Bauer musste als Bettler herumziehen oder suchte bei größeren Bauern als Knecht Arbeit, um seine Familie ernähren zu können.

All das hatte der alte Kreuzbauer mit wachem Geist beobachtet und seine kritischen Gedanken dazu an seinen einzigen Sohn Hias, den jetzigen Kreuzbauern, weitergegeben. Und dieser reagierte darauf, indem er selbst durch den Zukauf einer angrenzenden Landwirtschaft seine Betriebsfläche vergrößerte und sich auf die Zugvieh- und Milchviehzucht konzentrierte. Somit zählte der Besitz des Kreuzbauern, der in uralter Familientradition von Generation zu Generation bewirtschaftet worden war, zu einem der größeren Höfe im Mürztal.

Neben einem Wohnhaus, einem Ausgedinge, einem Wirtschaftsgebäude und einem kleinen Sägeschuppen drängten sich Felder, Wiesen und Kuppen. Dicht dahinter strebten ein Steingraben sowie ein Nadelwald gegen den Berghang zu, aus dem eine ergiebige Wasserquelle entsprang. Auf der Bergkuppe vor dem Waldbesitz des angrenzenden Gutes der Rabenhofer standen seit ewigen Zeiten drei Wetterkreuze. Von diesen leitete sich der Vulgoname Kreuzbauer ab.

Der Jagd- und Forstwirtschaft – es gehörte auch ein Stück Wald zum Hof – schenkte Hias weniger Beachtung, im Gegensatz zu dem immer reicher werdenden Gutsherrn Rabenhofer. Wie sein Vater schon zuvor kaufte dieser im Mürztal einen Hof nach dem anderen zu einem Spottpreis auf, ließ statt der Wiesen und Felder große Wälder für die Produktion von Holzkohle und für die Jagd aufforsten, während die übernommenen Bauernhäuser kläglich verfielen. Dass das Land des Kreuzbauern nicht auch längst der Familie Rabenhofer gehörte, erfüllte Vinzenz Rabenhofer immer wieder mit Groll. Der Großvater vom Rabenhofer hatte bereits zu Beginn des großen Bauernsterbens im Mürztal großes Interesse am Kreuzbauerhof gezeigt, der ja direkt an seinen Forst angrenzte, und mit allerlei Machenschaften versucht, den damaligen Bauern zum Verkauf zu bewegen. Dies war allerdings nicht gelungen, die Kreuzbauern waren ein zäher und tüchtiger Menschenschlag und wussten Angriffen standzuhalten. Schon seit Generationen hatten sie gelernt, sich gegen die reichen Grundherrn Rabenhofer zu behaupten. Inzwischen war der gut florierende Kreuzbauerhof längst kein mögliches Übernahmeobjekt mehr, Feindschaft, Groll und Misstrauen zwischen den beiden Familien hielten sich aber aus alter Tradition.