Keiner zwischen uns - Carolin Hristev - E-Book

Keiner zwischen uns E-Book

Carolin Hristev

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12,99 €

Beschreibung

Wenn deine ganze Welt im Chaos versinkt, wer wird bis zuletzt an deiner Seite stehen? Ein fesselnder Jugendroman über die inneren und äußeren Kämpfe einer Schulklasse – authentisch, mitreißend und hochemotional! Eben hat der 15-Jährige Nelson noch gedacht, auf der Klassenfahrt könnte er endlich mit Marie zusammenkommen. Doch im nächsten Moment sieht er sie eng umschlungen mit Hamza. Hamza, seinem Blutsbruder und besten Kumpel! Aber als er ihn zur Rede stellt, offenbart ihm Hamza ein Geheimnis, das seine Welt aus den Fugen geraten lässt und ihre Freundschaft zu zerbrechen droht. Denn wenn das rauskommt, wird nicht nur Hamzas Leben auf eine harte Probe gestellt werden. Und das Allerschlimmste: Der gefährlichste Typ ihrer Klasse kennt die Wahrheit … Nelson muss sich entscheiden – was ist Freundschaft wirklich wert? Ein aufregendes Debüt in einzigartig direkter Sprache über eine Klassenfahrt, die alles verändert!

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Seitenzahl: 240

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Über das Buch

Eben hat der 15-Jährige Nelson noch gedacht, auf der Klassenfahrt könnte er endlich mit Marie zusammenkommen. Doch im nächsten Moment sieht er sie eng umschlungen mit Hamsa. Hamsa, seinem Blutsbruder und besten Kumpel! Aber als er ihn zur Rede stellt, offenbart ihm Hamsa etwas, das seine Welt aus den Fugen geraten lässt: Hamsa ist schwul. Wenn das rauskommt, wird nicht nur Hamsas hart erkämpfter Ruf zerstört sein, sondern auch Nelsons. Und das Allerschlimmste: Der gefährlichste Typ ihrer Klasse weiß davon …

Ein packender Roman über eine typische Klassengemeinschaft - ein Schmelztigel unterschiedlichster Backgrounds.

Inhalt

ALS OB ES GESTERN GEWESEN WÄRE …

1 NELSON

2 NELSON

3 MARIE

4 NELSON

5 MARIE

6 NELSON

7 MARIE

8 NELSON

9 NELSON

10 NELSON

11 NELSON

12 MARIE

13 MARIE

14 MARIE

15 NELSON

16 NELSON

17 MARIE

18 MARIE

19 NELSON

20 NELSON

21 NELSON

22 MARIE

23 NELSON

24 MARIE

25 MARIE

26 MARIE

27 NELSON

28 MARIE

29 MARIE

30 NELSON

31 NELSON

32 MARIE

DANKE

Ich stolpere über dieses verdammte Feld in diesem hässlichen Bundesland namens Mecklenburg-Vorpommern und kriege es einfach nicht in meinen Schädel. Wie kann man so derbe reinfallen?! Wie kann man sich so dermaßen täuschen?! Und wie kann jemand einen so eiskalt anlügen? Jemand, dem du mehr vertraut hast, als irgendwem sonst auf dieser verfickten Welt? Nelson, Bro. Wir sind Brüder, Nelson. Und ich Idiot hab das wirklich geglaubt. Mein Leben hätte ich Hamza anvertraut. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Zum zwanzigsten Mal bleibe ich an irgend so einer Kartoffelpflanze hängen oder was immer das für ein Zeugs ist, das hier wächst. Alter, wie konnten wir nur auf die unterirdisch bekloppte Idee kommen, die Klassenfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern zu machen?! Ich sehe überhaupt nichts, es ist fast komplett dunkel. Meine Schuhe kann ich wahrscheinlich auch in den Müll schmeißen. Das heißt, wenn dieses beschissene Feld überhaupt irgendwann aufhören sollte. Ich habe keine Ahnung, in welcher Richtung die Jugendherberge liegt. Aber es interessiert mich auch nicht. Nicht im Geringsten. Auf meinem Handy öffne ich das Bild von Marie. Verdammt, ich finde kein Wort dafür, wie sehr mir mein Herz wehtut. Ich denke daran, wie sie vor drei Monaten neu in unsere Klasse gekommen ist. Ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre. Es war der Tag, der mein Leben in so was verwandelt hat, was zum Beispiel Gefangene auf Alcatraz statt einem Leben haben. In anderen Worten: Die Hölle.

Oh, verdammt, das Leben ist so ein Verräter! Nein, nicht das Leben. Jemand anderes ist der Verräter. Hamza ist der Verräter, und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, gleich durchzudrehen. Ich bleibe stehen und schaue das Foto von Marie noch einmal ganz genau an. Ich habe es bei unserem Sportfest gemacht, und es sind noch ein paar andere aus der Klasse darauf. Ich vergrößere das Foto, sodass Maries Kopf den gesamten Bildschirm ausfüllt, und streiche mit dem Finger vorsichtig über ihr blondes Haar. Dann lösche ich es. Und dann lösche ich jedes einzelne Bild, das ich von Hamza habe. Es sind Hunderte. Eine halbe Stunde stehe ich mitten in der Nacht auf einem nach Jauche stinkenden Feld und lösche Fotos.

Verdammt, wer hätte geahnt, dass mein bester Freund ein Lügner und ein Verräter ist?!? Ein Heulen kommt aus meiner Brust, als ich das letzte Bild von ihm lösche. Ich fühle mich, als habe ich eine Blutsbrüderschaft aufgelöst. Und genau das habe ich ja auch getan.

ALS OB ESGESTERNGEWESENWÄRE …

1

NELSON

»Oh, là, là, chica«, sagt Djamila und schnalzt mit der Zunge, als Frau Häuser zur Tür reinkommt. Seit Frau Häuser schwanger ist, trägt sie meistens Kleider, und das heute sieht richtig gut aus. Aber Frau Häuser mag es anscheinend nicht, wenn sie von Djamila Komplimente bekommt, und guckt Djamila nur streng an. Und dann guckt sie noch mal in den Flur und sagt: »Hereinspaziert! Nur nicht so zaghaft!« Und da passiert es. Mein Herz bleibt stehen.

Es ist der erste Tag im neuen Halbjahr, und Frau Häuser hatte uns schon vorgewarnt, dass wir zwei neue Schülerinnen bekommen. Aber niemand hatte mich vorgewarnt, was das für mich heißen würde.

Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen und gucke einfach wie alle anderen unsere beiden neuen Mitschülerinnen an, die total verschüchtert nebeneinander vor der Tafel stehen.

Die eine blond wie sonst was.

Von der anderen kann man die Haarfarbe nicht erkennen – unter dem Kopftuch trägt sie extra noch so ein Band, damit man auch nicht den Schatten eines Haares sieht. Dazu ein langes Gewand, unter dem nur ihre Turnschuhe hervorschauen.

Die Blonde ist bisher hier in Hamburg auf eine Privatschule gegangen, sagt sie mit Piepsstimme.

Die im Kopftuch erst vor einem Jahr mit ihren Eltern aus Afghanistan geflüchtet, erzählt Frau Häuser.

Marie und Barin.

»Hast du gemerkt, wie Ibo die Neue angestarrt hat?«, sagt Hamza auf dem Nachhauseweg zu mir.

Ich werde hellwach. »Echt jetzt?«

»Das war soooo auffällig. Du kriegst echt nichts mit, Nelson«, Hamza grinst. »Das hättest du sehen sollen, zu lustig, Digga. Und es hatte ganz sicher nichts mit dem Kopftuch zu tun. Hau rein.« Wir geben uns Ghettofaust und er zieht ab.

Es stellt sich ziemlich schnell heraus, dass Marie schlau ist wie nichts. Seit ein paar Tagen hat sie den Spitznamen »Streberin«. Kam natürlich von Ibo.

Ich stehe mit meinen Freunden auf dem Pausenhof rum. Alex hat Karim gerade aus Spaß im Schwitzkasten und Julius zeigt Hamza was auf dem Handy, als Ibo vorbeikommt. Er ist sauer, weil er in der Deutscharbeit, die wir heute zurückgekriegt haben, eine Fünf hat. »Das is soo unfair, Digga, soo unfair! Ich hab noch nie eine so unfaire Lehrerin gesehen, ich schwör, Digga!«, sagt er so laut zu Tolga, dass alle im Umkreis von zwanzig Metern es hören. Und dann brüllt er plötzlich aus vollem Hals: »Nur, weil Marie blonde Haare hat, kriegt sie in Deutsch ’ne Eins!«

»Ganz klar!«, sage ich laut und höhnisch. »Sie hat ’ne bessere Note als du, weil sie blonde Haare hat. Und auf gar keinen Fall, weil du dumm bist wie’n Stück Schnur, Ibo!«

»Hä?!«, macht Ibo und kommt drohend auf mich zu. »Was muckst du, Nelson? Verpiss dich, du Platzverschwendung, oder du kassierst Schläge!«

»Ich hab ja solche Angst!«, sage ich und beachte ihn nicht mehr.

Früher hatte ich wirklich Angst vor Ibo und was für welche. Er ist immer noch mein Feind. Aber dass ich Angst vor ihm hatte, ist lange her.

»Nach der Logik von Ibrahim Coskun hättest du auch ’ne Eins kriegen müssen, Julius!«, sagt Hamza grinsend und gibt Julius einen kleinen Klatscher gegen seinen blonden Kopf. »Willst du dich nicht beschweren gehen?«

In der nächsten Stunde will Frau Häuser mit uns noch mal paar Sachen wegen der Klassenfahrt besprechen, deshalb müssen wir unsere Stühle im Kreis aufstellen. Keiner außer ihr weiß, was das eine mit dem anderen zu hat, aber egal. Der Stuhlkreis hat durchaus sein Gutes, denn mehr oder weniger aus Versehen sitzt Marie neben Frau Häuser. Ich tue, als ob ich Frau Häuser angucke, aber in Wirklichkeit gucke ich Marie an.

»Also, Jungs und Mädels, hier ist die Liste, auf der steht, was ihr alles mitnehmen müsst und dürft – «

»Ist doch noch fast drei Monate Zeit«, sagt Theo.

»Ja, aber vielleicht muss der eine oder die andere noch was kaufen, deswegen gebe ich euch die Liste schon jetzt.«

Ich höre nicht mehr zu, auch wenn ich so tue, als ob ich Frau Häuser aufmerksam anschaue. Wenn ich Marie nicht vom ersten Moment an so mögen würde, hätte ich wahrscheinlich auch gedacht, dass sie eine Streberin ist. Und vielleicht ist sie das sogar. Aber egal, oder?! Sie ist eben schlau! Dass sie sich in unserer Klasse nicht wohlfühlt, sieht man deutlich. Kein Wunder, wenn man gleich Ibo gegen sich hat. Als sie merkt, dass ich sie angucke, lächle ich ihr zu. Sind eigentlich alle ganz o. k. hier, will ich damit sagen, und nicht alle haben was gegen dich.

Als Karim aufs Klo geht, fällt mir was Lustiges ein. Ich rutsche mit dem Stuhl ein bisschen nach hinten, sodass Karim die Tür nicht aufkriegt, als er zurückkommt. Ein paar Mal donnert er mit der Tür gegen meinen Stuhl, und alle lachen. Als Frau Häuser mich streng anguckt, rutsche ich so weit zur Seite, dass Karim durchschlüpfen kann. »Bist du zu dumm, die Tür ordentlich aufzumachen, oder was?!«, sage ich und boxe ihn in die Rippen. Er versucht, mir ins Gesicht zu klatschen, was ich erfolgreich verhindere. Frau Häuser sieht aus, als ob sie gleich sauer wird. »Wenn ihr mitwollt nach Holland, dann solltet ihr euch jetzt zusammenreißen!«, sagt sie.

Frau Häuser ist cool, sie guckt manchmal Filme mit Will Smith mit uns, also versuche ich, sie nicht weiter aufzuregen. Außerdem ist sie schwanger.

»Wohin fahren?«, fragt da jemand mit einer dünnen Stimme. Es ist Barin, unsere andere neue Mitschülerin.

»Nach Holland, Barin, in die Niederlande«, sagt Frau Häuser.

»Oh. Ich nicht mitkommen kann.«

»Warum?«, fragt Frau Häuser. »Wenn’s am Geld liegt, da gibt es Möglichkeiten …«

Aber Barin steht auf und geht zu ihrer Tasche und holt was, und das zeigt sie Frau Häuser. Es ist ein Ausweis oder so was in der Art, und als Frau Häuser den angeschaut hat, sagt sie: »Oh, schade, das heißt, du darfst Deutschland nicht verlassen, verstehe. Hmmm …«

Und schon am nächsten Tag kommt unsere Lehrerin mit einem zu heftigen Vorschlag. Andererseits, es ist typisch für sie.

In ihrer fröhlichsten Stimme sagt sie: »Ich hab zu Hause noch mal recherchiert, weil wir ja gestern erfahren haben, dass Barin nicht ins Ausland reisen darf …«

»Warum eigentlich nicht?«, ruft Karim dazwischen.

»Weil sie nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung hat, die alle paar Monate verlängert werden muss. Jedenfalls, es gibt noch eine andere ziemlich schöne Variante. Ihr könntet wohin fahren, wo es mindestens ebenso schön ist wie in Holland, und Barin könnte mitkommen. Es gibt dort einen See, und die Jugendherberge – «

»Wo ist es? Wohin?«, schreien gleich alle durcheinander.

Als wir es hören, sind wir enttäuscht.

»Mecklenburg-Vorpommern!?!?«, sagt Djamila. »Im Ernst jetzt?!? Das is alles außer cool, Frau Häuser!«

»Sie fahren ja nicht mit!«, ruft Julius. »Ihnen kann es ja egal sein! Sie sitzen schön mit Ihrem Baby zu Hause, und wir kommen dort inzwischen um vor Langeweile!«

»Wartet!«, ruft Ibo und sieht sich um, damit auch ja alle zuhören, wenn er redet. Und dann ruft er begeistert: »Ein See, Mann! Is doch geil, Mann!«

Anscheinend weiß daraufhin niemand, was er sagen soll. Hat Ibo noch nie einen See gesehen? Aber weil es Ibo sagt, widerspricht auch erst mal keiner.

Dann meldet sich Gülcan. »Ich freu mich auch mega auf Holland«, sagt sie, »aber … ich fänd’s auch unfair, wenn Barin nicht mitkann!«

»Is mir doch egal!«, ruft Theo. »Wir haben das schon so lange geplant!«

»Is dir egal?! Junge, du hast voll kein Gewissen!!«, schreit Ibo, und das ist so lustig, dass Ibo von Gewissen redet, dass alle lachen müssen.

Frau Häuser mischt sich ein. »Ich finde es eigentlich normal«, sagt sie, »dass eine Schülerin, die gerade neu in die Klasse gekommen ist, nicht von der Klassenfahrt ausgeschlossen wird.«

»Find ich auch!«, schreit Ibo, und Frau Häuser ist genauso erstaunt wie wir darüber, dass Ibo einmal im Leben dieselbe Meinung hat wie sie.

»Dann stimmen wir halt ab«, schlägt Marvin vor, der Klassensprecher ist.

Frau Häuser sieht ihn zweifelnd an. Alter, hat sie echt erwartet, dass wir einstimmig Ja schreien?! So blauäugig kann echt nur Frau Häuser sein.

»Okay«, sagt sie, »dann stimmt ab. Ich hatte zwar gehofft, dass ihr von euch aus … aber gut. Wer ist für Mecklenburg-Vorpommern?«

Ich sehe mich um. Komisch, aber ungefähr die halbe Klasse meldet sich. Unter anderem ich, weil nämlich auch Marie ihren Arm in die Luft streckt.

Gleich darauf bereue ich es. Was will ich in Mecklenburg- Vorpommern? Meine Tante wohnt in der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern und ich bin jede zweite Ferien dort. In den Niederlanden war ich im Gegensatz dazu noch nie.

»Spinnst du, Alter?«, sagt Hamza.

»… elf, zwölf, dreizehn!«, zählt Frau Häuser mit einem schlecht versteckten Siegerlächeln. Mecklenburg-Vorpommern hat mit einer Stimme Mehrheit gewonnen. Und natürlich sind die anderen stinksauer.

»Ich denke, das ist die richtige Entscheidung«, sagt Frau Häuser. »Wenn ihr selbst mal in so einer Situation seid, werdet ihr es zu schätzen wissen, wenn andere auf euch Rücksicht nehmen.«

»Pf, ich hab mein deutschen Pass«, sagt Theo wütend, und da wird Frau Häuser richtig ärgerlich. »Das war so ungefähr das Unpassendste, was man jetzt sagen konnte, Theo.«

Es klingelt. Manche stürmen nach vorn und reden auf Frau Häuser ein, aber Hamza und ich nehmen unsere Rucksäcke und verschwinden. Ist sowieso klar, dass die Sache entschieden ist.

»Was sollte das denn?!?«, sagt Hamza, als wir im Flur sind und der Tumult leiser wird. »Wieso hast du nicht für Holland gestimmt?! Ein See, Alter. Statt Ausflug nach Amsterdam. Manchmal bist du echt derbe bekloppt, Nelson.«

2

NELSON

In der ersten Stunde sollen wir unseren neuen Klassenlehrer kennenlernen, der kommt, weil Frau Häuser seit letzter Woche in Mutterschutz ist. Alle sind gespannt und deswegen ziemlich leise, als es klingelt und wir darauf warten, dass er auftaucht.

»Mal sehen, ob der auch Filme mit uns guckt«, sage ich zu Hamza. Dabei schaue ich unauffällig in die Richtung, in der ich Maries blonde Haare sehe.

Ein dünner Mann steckt den Kopf zur Tür herein. »9b?«

»Yes!«, brüllt Tolga zur Antwort. »In anderen Worten: Die geilste Klasse der Welt!«

Der neue Lehrer sagt nichts, sondern zieht die Tür hinter sich zu und stakst stumm zum Lehrertisch. Klack – klack – klack, macht es. Ein paar von uns kichern. Zu seinem Anzug trägt der Lehrer glänzende flache Lederschuhe, und diese Schuhe sind es, die bei jedem Schritt so klicken und klacken wie Frauenschuhe mit hohen Absätzen. Der Lehrer stellt seine Sachen ab und sich selbst – klack – klack – klack – vor die Tafel. Inzwischen hat es jeder gemerkt und die halbe Klasse kichert. Dann sagt der Lehrer stockend, dass er Zimmermann heißt. Und dass wir bitte Namensschilder schreiben sollen. Als wir alle ein Namensschild geschrieben haben, fragt er, ob wir Fragen haben.

Drei, vier Hände gehen hoch. Er nimmt Ibo dran.

»Was hören Sie für Musik?«

Ein paar lachen.

»Haydn, Brahms … Wagner auch«, sagt Herr Zimmermann und knetet seine Finger.

Nie gehört.

Duygu, die Nervensäge, zappelt mit den Fingern in der Luft herum und stellt eine typische Mädchenfrage: »Haben Sie eine Freundin?«

Duygus Frage scheint Herrn Zimmermann noch unangenehmer zu sein als die von Ibo. »Im Moment nicht … keine Fragen mehr?«

Es bleibt leise.

»Well, let’s start with English then«, sagt Herr Zimmermann, und wir sind uns jetzt schon einig: Der Typ ist eine Schlaftablette und das Interessanteste an ihm sind seine Schuhe.

Ich spiele mit Hamza »Drei gewinnt«, bis unser neuer Lehrer es mitkriegt und den Zettel in den Mülleimer schmeißt. Fünf Minuten höre ich zu, aber es ist derbe langweilig, und als von Julius eine Papierkugel geflogen kommt, bin ich extrem dankbar. Ich schmeiße die Papierkugel Ibo in den Nacken, und als der sich umdreht, gucke ich interessiert an ihm vorbei zur Tafel. Ibo knüllt sein Namensschild zusammen und zielt auf Hamza, aber trifft nicht, der Loser. Er tut aber so, als wäre das Absicht gewesen. Als er wieder an die Tafel schaut, werfe ich ihm mein Namensschild in den Nacken. Diesmal merkt er, dass ich es war.

»Ey, Nelson, du Wichser!« Jetzt trifft er sogar fast.

»Ähm …«, ruft Herr Zimmermann in Ibos Richtung, »wie heißt du?«

Ibo lehnt sich mit verschränkten Armen zurück. »Für Sie Ibrahim.«

»Nach der Stunde fegst du, Ibrahim!«

Das hätte Herr Zimmermann wohl besser nicht sagen sollen. Die meisten Lehrer kommen mit Ibo inzwischen ganz gut klar – solange er nicht wütend ist.

Aber Ibo wird ziemlich schnell wütend. Besonders dann, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Und Ibo fühlt sich besonders ungerecht behandelt, wenn jemand so was zu ihm sagt wie: ›Du fegst.‹

Er springt auf. Sein Gesicht ist dunkelrot. »Was, wieso ich, Mann? Mach ich nich, Mann, mach ich nich! Die anderen haben auch geworfen, ich hab nur zurückgeworfen! Das is unfair, ich feg nich, mach ich nich!«

Ich könnte mich jetzt melden und sagen, dass ich ihn zuerst abgeworfen habe. Aber wieso sollte ich den Kopf für Ibo hinhalten?

Herr Zimmermanns Stimme wird lauter. »Und ob du fegst! Hör auf zu diskutieren! Setz dich wieder hin, wir sind hier im Unterricht!«

Ibo fuchtelt mit den Armen in der Luft herum. »Die anderen haben auch geworfen! Die haben noch viel mehr geworfen! Können Sie zehnmal sagen, dass ich fege, mach ich trotzdem nich! Das regt auf, Mann! Ungerecht ist das, Mann!«

Herr Zimmermanns Gesicht ist jetzt fast so rot wie Ibos. »Wo sind wir denn hier?! Das ist doch kein Kindergarten!«

»Genau!«, schreit Ibo. »Und deswegen können Sie mir gar nichts befehlen, Sie Schwuchtel!«

Es ist superleise, nur Duygu prustet los.

Ich melde mich, aber keiner nimmt mich dran, weil Herr Zimmermann immer noch fassungslos Ibo anstarrt.

»Ich hab zuerst geworfen«, sage ich trotzdem und nehme den Arm runter. »Ich feg dann.«

»Hier?!«, ruft Ibo. »Sehen Sie? Sehen Sie, wie ungerecht Sie sind, Mann?! Das lass ich mir nicht gefallen!«

Herr Zimmermann weiß immer noch nicht, was er sagen soll. Er ist jetzt nicht mehr rot, sondern bleich.

»Du bleibst nach der Stunde da, Ibrahim!«, ruft er. »Ich lasse mich hier nicht beleidigen, in der ersten Stunde!«

»Mir doch egal!«, schreit Ibo, und dann klingelt es und Ibo schießt aus der Tür und die anderen hinterher.

Nach der Schule chillen Hamza und ich noch ein bisschen auf dem Spielplatz.

»Du fegst!«, ruft Hamza mit zittriger Stimme und weit aufgerissenen Augen. Ich lasse mich vor Lachen rückwärts von dem abgewetzten Rücken des Krokodils fallen. Dann springe ich auf und rufe: »Was hören Sie für Musik?«

Ich gebe mir selber die Antwort, mit der langweiligsten Stimme, die ich hinkriege: »Ach … Heiner und Prams.« Dann mache ich Duygus Stimme nach: »Haben Sie eine Freundin?«

Die Antwort versuche ich irgendwie tuntig klingen zu lassen: »Im Moment nicht. Ich stehe nämlich nicht auf –«

»Aber sobald eine beim Date nicht einschläft«, fällt Hamza mir ins Wort, »frag ich sie. Bisher sind alle eingeschlafen, aber – ich – «, er reißt den Mund auf und gähnt laut, »gebe – die – Hoffnung – «, er macht perfekt die Körperhaltung von Herrn Zimmermann nach, »nicht – auf.« Er fängt an zu schnarchen, und schwankt hin und her, als ob er im Stehen eingeschlafen ist. Ich muss so hart lachen, dass mir der Bauch wehtut. Mir fallen die Schuhe von dem Typen ein, und mit der Zunge produziere ich ein Klacken, das diese Schwuchtellederlatschen ziemlich genau imitiert, und stolziere dabei um die Tischtennisplatte. Dann ruft Hamzas Mutter an und sagt, dass das Essen fertig ist.

Ich habe auch Hunger, also gehe ich zum Supermarkt und hole mir eine Pizza und eine große Packung Eis.

Es ist die zweite Woche ohne Mama, und obwohl ich normalerweise, wenn sie da ist, auch nicht unbedingt extrem viel Zeit mit ihr verbringe, ist es mittlerweile ziemlich deprimierend. Die Wohnung fühlt sich so leer an, und egal, wie laut ich Musik aufdrehe, irgendwie wird es nicht lebendiger. Wenn Mama in der Klinik ist, hab ich immer einfach nur Angst, dass es so bleibt. Dass die schlimme Phase nicht vorbeigeht und sie für den Rest ihres Lebens traurig sein wird.

Ich nehme das Foto in die Hand, das auf meinem Schreibtisch steht. Mein Vater und ich. Er hat den Arm um mich gelegt und wir lachen. Elf Jahre war ich da alt.

Ich hole das Bild aus dem Rahmen und lese zum hunderttausendsten Mal die Schrift auf der Rückseite. Mit meinem Nelson im Hansapark.

Vorsichtig stecke ich das Bild zurück und bastle den Rahmen wieder zusammen.

Hunger habe ich keinen mehr.

Stattdessen lege ich mich aufs Bett. Und dann kommt einer dieser elenden Vermiss-Anfälle.

Ja, ich weiß, was alle denken. Ich kenne die Klischees über afrikanische Männer. Hier mit einer deutschen Frau anbändeln, sie schwängern, sie sitzen lassen.

Aber mein Vater hat meine Mutter nicht sitzen gelassen. Mein Vater hat meine Mutter geliebt. Vor zwei Jahren ist er gestorben, und er fehlt mir ohne Ende.

Ich nehme einen Zettel und versuche, einen Rap zu schreiben. Manchmal hilft das, wenn ich meinen Vater besonders stark vermisse. Die ganze Wut, der ganze Schmerz, wenn die auf dem Papier sind, ist für eine kleine Weile ein bisschen weniger davon in mir drin.

Aber heute kriege ich keine zwei Zeilen zustande. Ich gebe auf, lege meinen Kopf auf den Zettel, presse die Augen zusammen und versuche, an gar nichts zu denken.

Erst als es anfängt, komisch zu riechen, bemerke ich den Rauch, der vom Flur in mein Zimmer wabert. Die Pizza! Der Ofen qualmt wie ein Wagen zwischen Unfall und Explosion. Als ich die schwarzverkohlte Pizza herausangle, verbrenne ich mir die Hand.

Fuck, das war’s wohl mit Abendessen.

Macht nichts. Ich habe ja noch eine Drei-Liter-Packung Eis.

Nach dem Essen schalte ich den Computer an und spiele ein bisschen »Grand Theft Auto«. Ich bin ziemlich gut, und ich nehme mir vor, heute das letzte Level zu knacken.

Gegen dreiundzwanzig Uhr habe ich es geschafft. Das größte Problem ist, den Fluchtweg zu finden, wenn man nach dem Banküberfall die Scharfschützen vom FBI umgelegt hat. Ich muss ganz schön lange probieren, aber irgendwann habe ich den Trick durchschaut.

Ich bin einfach nur stolz und zufrieden mit mir.

Ich hole den Rest der Eispackung aus dem Gefrierfach und mache es mir vor dem Fernseher gemütlich. Das hab ich mir jetzt echt verdient.

3

MARIE

»Marie!! Aufstehen! Sonst kommst du zu spät!«

Ich drehe mich zur Wand.

»Mach schon, Marie!« Die Ungeduld in der Stimme meiner Mutter nimmt zu, und schließlich schäle ich mich resigniert aus der Decke. Ach ja. Jeden Morgen dasselbe.

Gülcan wartet schon, als ich aus der Haustür komme. »Hallo, Marie!!«, quietscht sie freudig, und wie immer umarmen wir uns fest und lange. Hätte ich in meiner neuen Klasse nicht Gülcan kennengelernt, dann wäre mein Leben komplett unerträglich.

»Alles klar?«, frage ich, denn irgendwie sieht sie bleich aus.

»Wir schreiben heute Mathearbeit«, seufzt Gülcan.

Man könnte meinen, das würde ihren sicheren Tod bedeuten. Mit Grabesstimme fährt sie fort: »Ich und Mathe, das ist wie Tolga und Hochsprung.«

»Ha ha! Oder wie Ibo und Fegen.«

»Wie Herr Zimmermann und cool.«

Wir biegen in den kleinen Weg durch die Grünanlage ein, die sich vor unserem Schulgebäude befindet, und stoßen auf Alex und Julius.

»Na, Streberin?«, sagt Julius beiläufig, als er mich sieht.

Ich versuche, darüber hinwegzuhören. Wie genau habe ich das eigentlich hingekriegt, in meiner neuen Klasse innerhalb kürzester Zeit zur Zielscheibe des Spotts zu werden?

Ibo und Tolga tauchen auf. »Hey, die Streberin!«, sagt Ibo grinsend. »Englisch macht dieser Einschleimerin jetzt bestimmt richtig Spaß, endlich ein Lehrer, der genauso langweilig ist wie sie selbst.«

Gülcan zieht mich ins Schulhaus und zum Klassenzimmer. Die Jungs laufen in einigem Abstand hinter uns her. »Streberin, Streberin«, kommt ein heiserer Singsang aus Ibos Kehle. Mit brennendem Kopf stelle ich meine Tasche ab und setze mich auf meinen Platz. Warum musste ich ausgerechnet auf diesem Planeten geboren werden? Wiegt die sauerstoffangereicherte Atmosphäre Mitschüler wie Julius und Ibo auf?!

Ich komme gerade aus dem Bad, als meine Mutter von der Arbeit kommt, sodass wir uns im Flur begegnen. Seit meine Eltern sich vor einem halben Jahr getrennt haben, ist unser Verhältnis, gelinde gesagt, gespannt.

»Hallo Marie!«, sie gibt mir einen Kuss auf die Wange. »Wie ist das eigentlich mit deiner Klassenfahrt?«, flötet sie, während sie sich die Schuhe auszieht.

»Welche Klassenfahrt? Habe ich jemals irgendetwas von irgendeiner Klassenfahrt gesagt?«

Sie richtet sich auf und schaut auf den Infozettel, der an der Pinnwand hängt. »Das ist doch bald so weit – am neunzehnten Mai soll’s losgehen, in drei Wochen schon!«

»Ich fahre da ganz bestimmt nicht mit.«

Meine Mutter schaut mich an, als hätte ich einen geschmacklosen Witz gemacht. »Was ist denn das jetzt schon wieder?«

»Ein deutscher Aussagesatz, und die Aussage ist, dass ich nicht auf irgendeine Klassenfahrt fahre.«

Vielleicht würde eine andere Mutter fragen, warum ich nicht mitfahren werde. Aber meine Mutter ist keine andere Mutter. Meine Mutter sieht mich genervt an. »Immer deine Aktionen!« Sie lässt ihre Tasche fallen und geht in die Küche. Ich höre, wie sie herumhantiert und die Mikrowelle zuklappt.

Und jetzt fragt sie doch: »Gibt es dafür irgendeinen Grund?«, ruft sie mir aus der Küche zu. Der Tonfall impliziert, dass es für die Dinge, die ihre Tochter tut, nie einen Grund gibt. Die Frage ist rein rhetorisch.

Was soll ich sagen – in meiner neuen Klasse bin ich nur als Streberin bekannt? Die Jungs verachten mich, die meisten Mädchen halten Abstand? Und das Schlimmste – ich bin hoffnungslos verliebt in jemanden, der um Welten zu cool für mich ist?

Bin nicht sicher, dass meine Mutter dafür Verständnis hätte.

Ich habe einen Moment zu lange gewartet.

Die Mikrowelle piept, meine Mutter öffnet sie, und das Zeitfenster für »Mit meiner Tochter über ihre Probleme reden« schließt sich.

»Du fährst mit, und Punkt. Thomas und ich wollen schließlich auch mal Zeit für uns haben.«

4

NELSON

»Nelson! Mein lieber Junge«, sagt Mama, als sie aus dem Fahrstuhl tritt und mich in der offenen Wohnungstür stehen sieht.

Ich lege meine Arme um ihren Hals und drücke meine Wange in ihre wunderschönen, hellroten, langen Haare. Das Haar riecht nach Klinik. Bei Gott, wie ich diesen Geruch nicht ausstehen kann. Und Mama ist noch viel blasser als sonst – ich hab keine Ahnung, mit was für Zeugs die sie da vollstopfen.

Hinter ihr kommt unser Nachbar Herr Yilmaz aus dem Fahrstuhl. Er hat sie mit dem Auto abgeholt und stellt jetzt Mamas Tasche in den Flur.

Mama nimmt mit beiden Händen seine Hand. »Vielen, vielen Dank!«

»Keine Ursache«, sagt er, und zu mir: »Gut aufpassen auf dein Mutter, Nelson! Keine Ärger machen!«

Ich nicke. Klar, Mann. Ich mache nie Ärger.

Mama drückt mich noch einmal. »Wie schön, wieder zu Hause zu sein! Hast du alles gut geschafft?«

»Klar, Mama. Um mich brauchst du dir nun wirklich keine Sorgen zu machen!«

Sie ist total glücklich, als sie die ordentliche Wohnung sieht. Gut, dass ich noch geschafft habe, aufzuräumen.

Wir setzen uns auf die Couch und ich hole die Pizza aus dem Ofen. Mamas Lieblingspizza, mit Thunfisch.

Mama seufzt. »Ich wette, du hast dich die ganze Zeit nur von Pizza ernährt.«

»Na ja … nicht die ganze Zeit.«

Sie nimmt sich eine Ecke. »Wie läuft’s in der Schule?«

»Ganz gut.«

Ich behalte für mich, dass ich gar nicht so oft dort war. Alles muss sie auch nicht wissen.

»Wir haben einen neuen Klassenlehrer. Und Englischlehrer ist er auch. Junge, ist der langweilig.«

»Aber Englisch ist wichtig«, sagt Mama kauend. Ich freue mich derbe, dass sie die Pizza zu mögen scheint.

»Ich weiß. Aber langweilig ist der ohne Ende.«

»Bestimmt kann man trotzdem was lernen.«

»Hm.«

»Ohne Englisch bekommt man heutzutage keine gute Arbeit mehr.«

»Englisch ist mein bestes Fach, da musst du dir echt keine Sorgen machen, Mama!«

»Ja, aber pass auf, dass es auch dein bestes Fach bleibt.«

Was hat sie denn nur mit dem blöden Englisch? Ich suche nach einem anderen Thema.

»In zehn Tagen fahren wir schon auf Klassenfahrt! Ich kann’s echt gar nicht mehr aushalten. Ich freu mich derbe, Mama.«

»Ja, ich freue mich auch für dich, Nelson. Fährt da euer neuer Klassenlehrer mit?«

»Äh – ja. Also, wahrscheinlich.« Außer, wir ekeln ihn vorher wieder raus. Aber das sage ich natürlich nicht.

»Bestimmt ist er ganz nett. Er muss sich halt erst eingewöhnen. Das wird schon.«

»Mama, der ist voll die Schwuchtel!«, sage ich, bevor ich drüber nachgedacht habe.

»Nelson!«, sagt sie in diesem Ton, den ich einfach nicht haben kann. »Ich will nicht, dass du so von deinen Lehrern sprichst!«

»Mann, Mama, red doch nicht mit mir wie mit einem kleinen Kind!«

»Dann benimm dich nicht wie eins!«

»Waaas?! Weil ich ›Schwuchtel‹ sage?? Jeder sagt ›Schwuchtel‹!«

Ich bin beleidigt.

Sie schweigt und ist auch beleidigt.

Super. Sie ist nicht mal eine halbe Stunde da, und schon haben wir Krach.

Ich greife nach der Fernbedienung und schalte den Fernseher ein.

Es beginnt gerade ein Film. Amerikanische Sklaven schuften auf einer Plantage.

Mama nimmt die Fernbedienung und will umschalten.

»Lass doch mal!«, sage ich. »Das ist Der Butler, das ist ein guter Film! Den hat uns sogar Frau Häuser mal empfohlen!«

Mama legt die Fernbedienung wieder hin, und sicherheitshalber lege ich die Hand darauf. Ich bin vielleicht fünfzehn und sie fünfunddreißig, aber, wenn ich auch nicht reden darf wie ich will in meinem eigenen Zuhause, so steht mir doch zumindest beim Fernsehprogramm dasselbe Mitspracherecht zu!