Kill U - Carla Spradbery - E-Book

Kill U E-Book

Carla Spradbery

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Beschreibung

Dieses Spiel ist tödlich! "Spraye einhundert Graffiti-Tags an unmöglichen Stellen, und du darfst dem Klub der 100 beitreten! Aber Vorsicht, du könntest dabei draufgehen …" Die Kunststudentin Grace ist kurz davor, in den legendären Klub der 100 aufgenommen zu werden. Bereits 95 der 100 nötigen Tags hat sie gesprayt. Beim Versuch, den 96. Tag auf einer Brücke anzubringen, kommt es jedoch zu einem gefährlichen Zwischenfall: Grace und ihre Freunde werden von einem Fremden angegriffen. Kurz darauf entdeckt Grace, dass ihre bisherigen Tags mit einem Sensenmann übersprüht wurden. Will jemand ihre Aufnahme in den Klub sabotieren? Als mehrere von Grace' Freunden in seltsame Unfälle verwickelt werden, ist Grace davon überzeugt, dass der Fremde es eigentlich auf sie abgesehen hat. Die harmlose Mutprobe wird plötzlich zum tödlichen Ernst und jeder ist verdächtig ... Rasanter Action-Thriller voller Nervenkitzel Eine waghalsige Mutprobe und ein gnadenloser Jäger

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 291

Veröffentlichungsjahr: 2015

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ISBN eBook: 978-3-649-66873-2

© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe

Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Hafenweg 30, 48155 Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

Die englische Originalausgabe erschien 2014 bei Hodder Children’s Books

(Hachette Children’s Books)

Text © 2014 by Carla Spradbery

The right of Carla Spradbery to be identified as the author of the work has been asserted

by her in accordance with the copyright, Design and Patents Act, 1988.

Originaltitel: 100 Society

Aus dem Englischen von Petra Knese

Umschlaggestaltung: Ute Kleim

Lektorat: Kristin Overmeier

www.coppenrath.de

Das Buch erscheint unter der ISBN: 978-3-649-62149-2

COPPENRATH

Grace Becker suchte am Sternenhimmel nach einem Halt, nach irgendetwas, um bloß nicht nach unten zu schauen, während sie sich Zentimeter für Zentimeter nach vorne schob. Dicht ans Mauerwerk gepresst, tastete sie sich auf dem schmalen Vorsprung der Brücke entlang.

Zehn, vielleicht auch zwanzig Meter unter ihr in der tiefschwarzen Nacht lagen die Eisenbahngleise. Wenn sie jetzt abrutschte, wären ein paar gebrochene Knochen wohl ihr geringstes Problem.

Grace blieb stehen, lehnte den Kopf an die Mauer und schloss die Augen. Unter der Sturmhaube wurde einem schnell heiß und die Ziegel waren schön kühl. Mit der Fußspitze tastete sie nach dem Ende des Mauervorsprungs. Weiter wagte sie sich nicht vor, denn sie war ohnehin nur Millimeter vom Rand entfernt. Keinen Schritt würde sie weitergehen, wenn ihre Zehen jetzt ins Leere stießen.

Gleich geschafft. Ein kleines Stück noch.

Grace öffnete die Augen und wusste sofort, dass sie nicht hätte stehen bleiben sollen. Der Himmel kippte zur Seite, ihr wurde schwindelig und Schweiß brannte in den Augen.

»Mach’s dir nicht zu gemütlich, Prinzessin«, sagte eine Stimme neben ihr. »Du bist an der höchsten Stelle. Sieh doch mal runter!«

Unwillkürlich senkte sie den Blick, als gerade ein Zug aus dem Tunnel schoss. Sie riss den Kopf zurück und schnappte nach Luft, als sie gegen die Steine schlug. Unter ihr donnerte der Zug vorbei, ein scheinbar endloser Strom von Waggons schepperte über die Schienen, an die sie nicht hatte denken wollen. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte der letzte Waggon unter der Brücke auf und mit ihm verschwand auch der Lärm. Die Stille wurde durch ein unterdrücktes Lachen neben ihr durchbrochen.

»Findest du das etwa lustig, Trick?«, fragte Grace und musste immer wieder nach Luft schnappen. »Echt witzig, wenn ich abgestürzt wäre!«

»Vielleicht nicht witzig im herkömmlichen Sinn.« Er rückte an sie heran, bis sich ihre Arme fast berührten.

»Weißt du eigentlich, dass ich dich hasse?«

»Komm schon«, sagte er und lachte leise. »Fast geschafft.«

Die einzige Straßenlaterne der Brücke war erloschen, ein Stein hatte die Glühbirne zerschmettert. Nicht gesehen zu werden war nämlich ihre oberste Regel, aber so finster, wie es war, fragte sich Grace, ob sie Sicherheit nicht doch ein wenig wichtiger nehmen sollten.

Trick bewegte sich neben ihr auf dem Mauervorsprung, sie konnte das energische Kinn und die kräftigen Oberarme unter dem Pulli ausmachen. Dann fasste er sie am Arm und sofort fühlte sie sich sicher.

»Alles okay?«, fragte er. »Können wir loslegen?«

Grace nickte.

Trick streifte sich den Rucksack ab. »Licht«, rief er und machte sich am Reißverschluss zu schaffen.

Eine Taschenlampe flammte auf, der Strahl bewegte sich unruhig ein Stück links von ihnen zwischen der steilen Böschung und der Brücke.

»Mann, Pete!«, brüllte Trick. »Der Job ist so schon schwierig genug. Kannst du nicht mal für ’ne Sekunde die blöde Lampe still halten?«

»Sorry!«, rief Pete aus der Dunkelheit. »Faith dachte, sie hätte was gehört.«

»Alles gut, Pete«, rief Grace mit zusammengebissenen Zähnen und krallte die Finger noch ein wenig fester ins Mauerwerk. »Du machst das super. Du auch, Faith«, setzte sie hinterher, schließlich hatte sie ihre arme Freundin auch noch zum Schmierestehen mitgeschleppt. Obwohl Pete und Faith verborgen unten im Gebüsch standen, vernahm sie deren leises Gemurmel.

Der Strahl der Taschenlampe hielt inne und erleuchtete die Mauer neben Grace bunt und gleißend hell. Langsam drehte sie sich herum und fuhr mit den Fingern über das piece, als würden sich die Ziegelsteine unter dem Graffiti anders anfühlen.

Im Rucksack schlugen die Sprühdosen klirrend aneinander, als Trick nach einer fischte. »Mitternachtsschwarz.« Er hielt ihr die Dose hin.

Grace suchte sich einen festen Stand, schüttelte die Dose, bevor sie die Kappe abnahm, und mit einem letzten Blick auf die halb erleuchtete Mauer legte sie los.

Irgendwie übte die Dose in der Hand eine beruhigende Wirkung auf sie aus. Auf einmal lohnten sich all die Angst, die Gefahr und das Risiko, erwischt zu werden. Nun rückte sie sogar ein wenig von der Mauer ab, mit jedem Strich wurde Grace selbstsicherer, denn sie konzentrierte sich allein auf das tag, das vor ihr Gestalt annahm.

Nach einem gelungenen Schnörkel ließ sie die Dose sinken und machte einen Schritt zurück, um ihr Werk zu begutachten. Doch ihr Fuß trat ins Leere.

Unwillkürlich griff sie nach der Mauer, aber dort gab es nichts, an dem sie sich festhalten konnte.

Nun war alles vorbei.

Grace schloss die Augen und bereitete sich innerlich auf den Fall vor, als sie eine starke Hand am Oberarm packte und fast mühelos zurück auf den Vorsprung zog.

»Was zum Teufel war das denn?« Trick schnappte ein paarmal nach Luft. Sie waren sich so nah, dass Grace spürte, wie sein Herz raste.

»Ich bin abgerutscht.«

Trick schnaufte. »Ach was. Und fast hättest du mich mitgerissen.« Er drehte sich um und sah hinunter. »Lass uns das piece fertig machen und dann nichts wie weg.«

Grace nickte. Sagen konnte sie nichts mehr, das Adrenalin rauschte durch ihren Körper. Mit zitternder Hand setzte sie die Dose von Neuem an.

Die Linien wurden etwas wackliger, aber wenn sie dafür schneller von der Brücke kam, nahm sie das gerne in Kauf.

Trick wandte sich ihr zu und schob die Sturmhaube hoch. »Fertig. Jetzt hätte ich gerne wieder festen Boden unter den Füßen. Was ist mit dir?«

Grace machte den Mund auf, um zu antworten, doch bevor sie etwas sagen konnte, schwenkte der Strahl der Taschenlampe weg, und um sie wurde alles dunkel.

Dann hallte ein gellender Schrei durch die Nacht.

Sofort drückte Grace sich an die Mauer. Ihr fiel die Spraydose aus der Hand, die noch einmal scheppernd neben ihren Füßen aufschlug, bevor sie über die Kante rollte. Sie hatte das Gefühl, der Abstand zwischen ihr und den Gleisen würde sich plötzlich verdoppeln und krampfhaft klammerte sie sich an das Gemäuer.

»Was ist passiert?«, flüsterte Trick. »Wo ist Pete mit der Taschenlampe hin?«

»Keine Ahnung. Ich kann gar nichts sehen.«

Einen Moment lang war alles still, dann wurden Spraydosen klirrend in eine Tasche geworfen und ein Reißverschluss ratschend zugezogen. Aufmerksam lauschte Grace den scharrenden Geräuschen. Als ihr klar wurde, dass Trick sich zum Ende des Vorsprungs aufmachte, wo Wall und Brücke aufeinanderstießen, runzelte sie verärgert die Stirn.

»Wo zum Teufel willst du hin?«, raunte Grace.

»Weg hier.« Mit einem dumpfen Aufprall landete etwas Schweres in der Böschung. Sein Rucksack.

Grace konnte gerade noch Tricks Umrisse ausmachen. Er beugte sich nach vorn und war im Begriff zu springen.

»Trick, warte doch …«

Ohne ein Wort machte er einen Schritt und verschwand in der Finsternis. Grace wagte nicht zu atmen, wartete auf einen Laut, ein Signal, dass er gut unten angekommen war.

»Nun steh da nicht bloß rum«, rief er. »Komm endlich!«

Grace setzte ihren Weg über den Mauervorsprung fort. Je näher sie dem Ende kam, desto schneller schlug ihr Herz.

Schritte erklangen über ihr auf der Brücke.

Grace erstarrte.

Es könnte jemand x-Beliebiges sein, der gar nichts mit ihnen zu tun hatte. Aber wie es sich anhörte, lief derjenige langsam von einer Seite der Brücke zur anderen, als würde er jemanden suchen.

Und Grace war die Einzige, die noch hier war.

Sie traute sich nicht, sich zu bewegen, kniff die Augen zusammen und in ihrem Kopf hämmerte es im Takt ihres Herzens.

Die Schritte kamen näher, wurden lauter, bis sie irgendwo über ihr stehen blieben. Kurze Zeit war alles ruhig, und Grace stellte sich vor, wie sich jemand über die Brüstung lehnte und zu ihr heruntersah. Sie presste sich an die Mauer, verbarg sich, so gut es ging, im Schatten und hielt die Luft an. Von oben kam ein merkwürdiges Geräusch, ein Schaben, gefolgt von einem orangen Flackern. Dann fiel ein brennendes Streichholz nur einen Meter rechts von ihr entfernt die Brücke hinunter – die Flamme stürzte in die Dunkelheit und verlosch.

Nicht lange und das nächste Streichholz folgte, diesmal in einem größeren Bogen, als hätte es die Person über ihr kräftig weggeschnippt.

Was sollte das? Wollte jemand mit der Streichholzflamme den Mauervorsprung absuchen? Warum hatte er keine Taschenlampe dabei?

Grace drückte sich noch dichter an die Mauer, ohne zu bemerken, dass die rauen Ziegel ihr durch die Sturmhaube die Wange aufschrammten.

Ihr kam es vor wie Stunden, aber sicher waren es nur Sekunden, bis wieder Schritte erklangen, die sich diesmal zur anderen Seite bewegten.

Das war ihre Chance.

So schnell wie möglich balancierte sie bis zum Ende der Brücke. Geräuschlos ließ sie sich zur Böschung herunter und entfernte sich langsam, behielt aber die Gestalt oben im Auge. Das Gesicht war unter der Kapuze eines Hoodies verborgen.

Der Unbekannte beugte sich über die Brüstung und sah hinunter, bevor er ein weiteres Streichholz entzündete und ins Dunkel schnippte. Dann kehrte er zurück zu ihrer Seite. Wieder spähte er nach unten, suchte den Mauervorsprung ab, auf dem Grace noch kurz zuvor gestanden hatte.

Höchste Zeit abzuhauen.

Als sie sich umdrehte, sah sie direkt in ein Gesicht. Sie wollte schreien, doch jemand hielt ihr den Mund zu und zerrte sie ins Gebüsch.

Grace versuchte, sich zu befreien, aber da wurde sie nur noch fester am Arm gepackt.

»Ich bin’s«, flüsterte Pete und löste langsam die Hand von ihrem Mund.

Grace hielt sich an seiner Jacke fest. »Du hast mir einen riesigen Schreck eingejagt.«

»Sorry, aber du wolltest gerade schreien.«

Grace blickte sich zu der Gestalt auf der Brücke um. »Was jetzt?«

»Jetzt hauen wir ab.«

Pete nahm ihre Hand und sie ließ sich von ihm führen.

»Hier geht’s lang«, raunte er und drückte ihre Hand. Er zog sie tiefer ins Dickicht der Bäume, wo es nach Erde und Laub roch. Die Böschung fiel steil zu den Gleisen ab und der Boden war von dichtem Wurzelwerk durchzogen. Grace stolperte mehr als einmal und rutschte mit ihren Turnschuhen weg, doch Pete war stark, griff sie einfach noch fester bei der Hand und brachte sie wieder auf die Beine. Schließlich blieben sie stehen. Außer ihrem Atem war kein Geräusch zu hören.

Grace nahm die Sturmhaube ab und genoss die kühle Luft im Gesicht. »Meinst du, der Typ ist noch da?«, flüsterte sie. »Was wollte der nur mit den Streichhölzern?«

»Keine Ahnung.«

»Wo ist Faith? Was ist passiert?«

»Sie hat andauernd was gehört und meinte, dass jemand hinter den Bäumen steht. Ich habe nachgesehen und da schreit sie auf einmal los und rennt weg.«

»Glaubst du, das war der Typ von der Brücke?«

»Wer weiß. Ich habe ihn erst gesehen, als ich zurückkam.«

Grace erschauderte. »Hoffentlich geht es ihr gut.«

»Bestimmt«, sagte Pete und legte ihr den Arm um die Schultern.

Dankbar lehnte sie sich an ihn. »Lass uns trotzdem zur Sicherheit noch einen Moment hierbleiben.«

Grace schaute in Petes Gesicht, das Mondlicht fing sich in seinem blonden Haar. »Danke«, sagte sie.

»Wofür?«

»Dass du mich nicht im Stich gelassen hast.«

Pete zuckte die Achseln und zog sie an sich. »Hey, dafür bin ich doch da.«

»Ich meine es ernst, Pete. Du bist ein richtig guter Freund.« Als er sie ansah, glaubte Grace für den Bruchteil einer Sekunde, ein Stirnrunzeln ausmachen zu können. »Danke. Du auch.«

Stumm standen sie da und lauschten in die Dunkelheit, bis Grace es vor Kälte nicht mehr aushielt. »Bestimmt ist er jetzt weg«, meinte sie zähneklappernd. »Wollen wir zurück?«

»Klar«, antwortete Pete. »Wie du willst.«

Während sie die Böschung hinaufkletterten, hielten sie sich immer wieder an Baumstämmen fest, um nicht auszurutschen. Als sie aus dem Dickicht auftauchten, war die Brücke leer.

»Die Luft ist rein«, stellte Pete fest.

Fröstelnd rieb Grace die Handflächen aneinander. »Können wir jetzt zurück zur Schule? Ich will wissen, wie es Faith geht.«

»Willst du es denn gar nicht sehen?« Pete knipste die Taschenlampe an und richtete den Strahl auf Grace’ Kunstwerk.

»Ich habe den Schwanz nicht so gut hinbekommen.«

Pete lachte leise, und obwohl es dunkel war, wusste Grace, dass er den Kopf schüttelte. »Ganz die Perfektionistin.«

»Wie soll ich denn besser werden, wenn ich nicht kritisch bin?«

»Du hast jetzt schon sechsundneunzig von diesen Dingern gemacht. Sechsundneunzig! Wie kannst du dich da immer noch fragen, ob du’s gut hinbekommen hast?«

»Weil noch vier fehlen. Das Letzte muss einfach perfekt werden.«

»Das ist ein Graffiti tag. Das kann man ja wohl kaum mit deinem Abschlussprojekt in Kunst vergleichen.«

»Eigentlich ist mir das hier wichtiger.« Grace kaute auf der Lippe herum, während sie Tricks und ihr Werk betrachtete. »Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob der Drache als Symbol die richtige Wahl war. Sicher, dass es wie ein U aussieht?«

»Ganz sicher. Ich würde dich nie anlügen.« Pete strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und diesmal runzelte er wirklich die Stirn. Aber bevor er noch etwas sagen konnte, knackte hinter ihnen ein Zweig.

Pete fuhr herum und leuchtete mit der Taschenlampe in die Dunkelheit. Ein weiteres Knacken ertönte und noch eines. Irgendjemand bewegte sich schnell zwischen den Bäumen hindurch.

Hektisch hüpfte der Strahl der Taschenlampe hin und her, als Pete das Dickicht durchleuchtete. Im Lichtkegel tauchte eine Kapuzengestalt auf, die nur ein paar Meter vor ihnen hinter einem Baum abtauchte.

Einen Augenblick rührte sich niemand mehr. Grace konnte gerade eben die Umrisse der Gestalt hinter dem Baum ausmachen. Anscheinend suchte sie nach einem Fluchtweg, doch da blieb nur die Straße übrig.

Und das hieße vorbei an Grace und Pete.

Die Gestalt schoss auf sie zu und rannte Grace fast um. Pete packte den Unbekannten am Arm. Sie rangen miteinander und schlitterten mit den Füßen über die schlammige Erde.

»Lass ihn los, Pete!«, rief Grace, aber da war es schon zu spät.

Mit einem letzten Befreiungsschlag stieß der Unbekannte Pete rückwärts die Böschung hinunter. Pete verschwand in der Dunkelheit. Immer wieder war das scheußliche Knacken von Ästen zu hören, die unter seinem Gewicht zerbrachen.

Grace schlug die Hand vor den Mund und drehte sich zu der Kapuzengestalt um, die schwer atmend vor ihr stand. Sie sahen einander an, die glänzenden Augen waren das Einzige, das unter der Kapuze hervorblitzte. Dann floh die Gestalt und ließ Grace allein auf dem Wall zurück.

Grace hielt sich an einem Baum fest, um hinunter in die Dunkelheit zu spähen.

»Pete? Pete, kannst du mich hören?« Sie machte einen Schritt den Abhang hinunter, rutschte weg und trat eine kleine Lawine aus Steinen und Erde los. Halt suchend griff sie hinter sich nach dem Baumstamm, bevor sie sich erneut an den steilen Abstieg wagte. Immer wieder gab der Boden unter ihren Füßen nach.

Aus einem Busch kam ein Stöhnen.

»Pete, bist du das? Alles okay?«

»Ja, ich … ich bin okay. Aber ich habe die Taschenlampe verloren. Kannst du mir mal hochhelfen?«

Grace arbeitete sich bis zu dem Busch vor und griff in der Dunkelheit nach seiner Hand. Pete rappelte sich auf und fluchte laut, als ihm die Äste entgegenschlugen.

»Bist du verletzt?«, fragte Grace und versuchte, ihn zu stützen.

»Alles gut. Nur ein …« Seine Worte wurden von einem Zug verschluckt, der mit ohrenbetäubendem Krach aus dem Tunnel gedonnert kam.

Grace hielt Petes Hand noch fester, während sie nebeneinandergekauert abwarteten, bis der Zug vorbeigefahren war.

Kalte Schauer liefen Grace über den Rücken. »Da unten hättest du jetzt liegen können.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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