Kinderlachen - Folge 008 - Anja von Stein - E-Book

Kinderlachen - Folge 008 E-Book

Anja von Stein

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Beschreibung

Im dritten Stock in der neuen Wohnanlage am Rand der idyllischen Kleinstadt lebt rechts Ulla Frank mit ihren drei temperamentvollen Kindern. Die junge Witwe setzt alles daran, um für die Kleinen eine fröhliche, lebensbejahende Mutter zu sein. Auf keinen Fall will sie nur mit erhobenem Zeigefinger dastehen und ihnen jeden Spaß verbieten. Ihr gegenüber in die linke Wohnung ist vor ein paar Tagen Thomas Achterbusch eingezogen. Dem gut aussehenden Junggesellen ist Ullas Nachwuchs von Anfang an ein Dorn im Auge. Kinder machen Lärm, sind ständig schmutzig und liegen sich andauernd in den Haaren, was letztendlich mit nervtötendem Gebrüll endet. Klar, dass es im dritten Stock heiß hergeht. Denn weder Ulla noch Thomas sind bereit, sich von dem anderen unterkriegen zu lassen ...

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Seitenzahl: 118

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Inhalt

Cover

Impressum

Vater werden ist doch schwer!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Monkey Business Images

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-2840-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Vater werden ist doch schwer!

Von der Kunst, einen Kinderfeind zu bekehren

Von Anja von Stein

Im dritten Stock in der neuen Wohnanlage am Rand der idyllischen Kleinstadt lebt rechts Ulla Frank mit ihren drei temperamentvollen Kindern. Die junge Witwe setzt alles daran, um für die Kleinen eine fröhliche, lebensbejahende Mutter zu sein. Auf keinen Fall will sie nur mit erhobenem Zeigefinger dastehen und ihnen jeden Spaß verbieten.

Ihr gegenüber in die linke Wohnung ist vor ein paar Tagen Thomas Achterbusch eingezogen. Dem gut aussehenden Junggesellen ist Ullas Nachwuchs von Anfang an ein Dorn im Auge. Kinder machen Lärm, sind ständig schmutzig und liegen sich andauernd in den Haaren, was letztendlich mit nervtötendem Gebrüll endet.

Klar, dass es im dritten Stock heiß hergeht. Denn weder Ulla noch Thomas sind bereit, sich von dem anderen unterkriegen zu lassen …

Die blonde Frau stand lange in sich versunken am Zaun des schmucken Reihenhauses und betrachtete versonnen den üppig blühenden Garten. Ein bitterer Zug hatte sich um ihre Mundwinkel eingegraben und ließ sie älter erscheinen, als sie war.

Ulla Frank stöhnte leise. Es war schon hart, mit knapp dreißig Jahren Witwe zu werden und mit drei kleinen Kindern plötzlich allein dazustehen.

Wieder schweifte Ullas Blick über das gemütliche Haus mit dem gepflegten Garten, und ein dicker Kloß in ihrer Kehle machte ihr das Atmen schwer. Mühsam kämpfte sie gegen die aufsteigenden Tränen an. Warum war sie überhaupt hierhergekommen, warum quälte sie sich so?

Es war ihr Haus gewesen, den Garten hatten sie und Christian, ihr Mann, gemeinsam angelegt. Sie hatten so viel Freude daran gefunden, dieses Fleckchen Erde nach ihren Vorstellungen zu formen und zu gestalten. Es sollte ein Paradies für die Kinder werden und auch für die Eltern ein Ort des Wohlbehagens.

Nun wohnten fremde Menschen in diesem Haus und genossen das Resultat der harten Arbeit. Das Schicksal hatte Ulla nicht mal die Zeit gegeben, die Blumen, die sie so liebevoll ausgesät hatte, auch blühen zu sehen.

Kurz, nachdem sie das neue Haus bezogen hatten und der Garten endlich fertig geworden war, erlag Christian, ihr über alles geliebter Mann, den Verletzungen, die er bei einem schweren Verkehrsunfall erlitten hatte. Mein Gott, er war noch so jung gewesen, viel zu jung, um zu sterben, und viel zu sorglos, um seine Familie richtig abzusichern! Wer dachte auch an den Tod, wenn er in der Blüte seines Lebens stand? Christian war so unbekümmert und lebensfroh gewesen, nie hätte er geglaubt, dass er mit vierunddreißig Jahren sterben sollte.

Über Nacht hatte Ulla also vor den Scherben ihres Glücks gestanden. Zu all ihrer Verzweiflung und Trauer war die finanzielle Not gekommen. Der Bau des Hauses hatte die letzten Ersparnisse verschlungen, und die geringe Lebensversicherung, die Christian für alle Fälle abgeschlossen hatte, reichte nicht hinten und nicht vorn.

Ihre drei minderjährigen Kinder, das jüngste gerade erst zehn Monate alt, machten es Ulla unmöglich, einer Arbeit nachzugehen. Mit der winzigen Witwen- und Waisenrente, die sie erhielt, konnte sie sich ebenfalls nicht über Wasser halten. Notgedrungen hatte sie das kaum erworbene Eigenheim wieder verkaufen müssen und war in eine Mietwohnung gezogen.

Es war nicht einfach gewesen. Der Wohnblock, der Ullas neues Domizil war, wurde vorwiegend von älteren Leuten bewohnt, die sich an dem reichen Kindersegen der jungen Frau erheblich störten. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten war es Ulla bald gelungen, sich mit ihrer immer freundlichen Art und ihrem offenen, liebenswerten Wesen die Sympathie der alten Herrschaften zu erobern. Man akzeptierte die junge Frau, der das Schicksal so übel mitgespielt hatte, und empfand Achtung für sie. Auch an die drei lebhaften, doch wohlerzogenen Kinder gewöhnten sie sich schnell.

Oft spielten die alten Damen sogar die Ersatzoma, wenn Ulla etwas zu erledigen hatte. Sie war dankbar für die tatkräftige Hilfe der Hausbewohner und revanchierte sich gern. Mal tätigte sie den Einkauf für gehbehinderte Nachbarn, oder sie sah nach dem Rechten, wenn jemand im Haus erkrankt war. Die Mieter verstanden sich gut, man wuchs zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen, in der jeder jedem half.

Ulla war froh, es mit ihrer neuen Wohnung so gut getroffen zu haben. Aber wenn sie jetzt am Zaun ihres ehemaligen Heimes stand und die verschwenderisch blühenden Blumen nur von außen betrachten durfte, versetzte es ihr doch einen Stich, und sie haderte mit dem heimtückischen Schicksal, das ihre heile Welt zerstört hatte.

Wieder seufzte die junge Frau. Es war jetzt schon über ein Jahr her, seitdem Christian gestorben war. Trotzdem hatte sie den schweren Verlust noch immer nicht überwunden. Manchmal hatte sie das Gefühl, niemals dieses Tal der Schwermut und Verzweiflung verlassen zu können. Dabei hatte sie doch die Pflicht, ihren Kindern eine fröhliche und lebensbejahende Mutter zu sein.

Eine Frau trat aus der Tür des Hauses, das Ulla so intensiv betrachtete. Irritiert sah die Fremde auf und kam näher. Erschrocken wurde sich Ulla ihres aufdringlichen Verhaltens bewusst und riss sich energisch von den schmerzhaften Erinnerungen los. Sie murmelte eine Entschuldigung in Richtung der Fremden und eilte davon.

Ein Blick auf die Uhr ließ sie nervös zusammenzucken. Mein Gott, schon so spät! Sie hatte die Zeit völlig vergessen. Frau Maier, ihre betagte Nachbarin, würde schon ungeduldig warten. Die alte Dame hatte sich bereit erklärt, auf die Kinder aufzupassen, während Ulla ihre Besorgungen tätigte. Bei dem kühlen, regnerischen Wetter hatte es die junge Frau nicht für ratsam gehalten, die Kleinen zu dem ohnehin ermüdenden Einkauf mitzunehmen.

Wie lange sie wohl in Gedanken versunken vor dem Haus gestanden hatte? Ulla schüttelte resigniert den Kopf. Es wurde Zeit, dass sie die Vergangenheit endlich ruhen ließ und sich der Gegenwart widmete. Mit ihrer tiefen Trauer konnte sie Christian auch nicht mehr zurückholen. Sie musste das Geschehen endlich akzeptieren und durfte sich nicht länger von wehmütigen Erinnerungen gefangen nehmen lassen. Ab jetzt würde sie diese Gegend konsequent meiden.

Entschlossen warf sie die langen blonden Haare in den Nacken und setzte ihren Weg fort. Es war ihr, als wäre sie endlich von einer quälenden Sehnsucht befreit.

***

Der Wind pfiff schneidend um die Häuserecken, fegte den feinen Nieselregen durch die Straßen und durchdrang die klamme Kleidung der frierenden Menschen.

Schwer stemmte sich Ulla Frank gegen die Naturgewalt. Sie schob den Kinderwagen vor sich her und hielt ihre fünfjährige Tochter Nadine an der Hand. Die Kleine, deren Wangen vom eisigen Sturm stark gerötet waren, weinte unentwegt. Eine Unmutsfalte zeigte sich auf Ullas Stirn.

»Mein Gott, Nadine«, seufzte sie genervt. »Kannst du nicht endlich mit dem Gejammer aufhören? Wird sind doch gleich zu Hause.«

»Mir ist so kalt«, schniefte das Mädchen wehleidig und verzog sein Gesichtchen noch jämmerlicher. »Der Wind ist böse, er tut mir weh.«

Ulla stöhnte leise. Sie beugte sich über ihr Kind und strich ihm liebevoll die zerzausten Haare aus der Stirn.

»Nur noch wenige Meter, mein Schatz«, tröstete sie es sanft. »Wir haben es gleich geschafft. Wenn du weiterhin wie eine Klette an meinem Arm hängst, kommen wir überhaupt nicht vorwärts. Ich kann den Wagen kaum noch schieben, so schwer ist er.«

Der Wind zerrte wütend an dem Wagen, und Ulla hatte große Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Zu allem Überfluss schrie jetzt auch noch der zehn Monate alte Robert aus Leibeskräften. Die junge Frau holte tief Luft. Nur jetzt nicht die Nerven verlieren!

Endlich war der Wohnblock in Sicht. Ulla beschleunigte ihre Schritte. Sie wollte schon aufatmen, als sie entsetzt einen großen Möbeltransporter entdeckte, der den schmalen Weg zum Eingang versperrte. Sie kam mit dem Kinderwagen nicht daran vorbei.

Resigniert stellte sie ihn ab, hängte sich die schweren Einkaufstaschen über die Schulter und nahm behutsam das schreiende Baby aus den warmen Kissen. Dann zwängte sie sich mühsam zwischen Möbeltransporter und Gartenzaun hindurch zum Hauseingang.

»Etwas weniger eng hätte man schon parken können«, schimpfte sie zornig.

»Was? Was haben Sie gesagt?«, brüllte ein Mann gegen den Sturm. Er lud sich gerade einen wuchtigen Sessel auf und balancierte das schwere Möbelstück vorsichtig an Nadine vorbei. Die Kleine bewegte sich jedoch so unglücklich, dass der Sessel sie heftig am Kopf traf. Sofort brach sie in durchdringendes Geschrei aus.

Der Mann stellte erschrocken den Sessel ab und wandte sich dem weinenden Kind zu.

»Oh, habe ich dich verletzt?«, fragte er betroffen und besah sich eingehend die kleine Beule an Nadines Kopf. »Ach, nicht weiter schlimm«, meinte er tröstend. »Nur ein blauer Fleck, das vergeht wieder.«

»Vergeht wieder, mehr haben Sie wohl nicht dazu zu sagen«, fauchte Ulla mit ihren Nerven am Ende. »Nicht nur, dass Sie den Hauseingang verstellen, jetzt erschlagen Sie auch noch fast mein Kind und entschuldigen sich nicht einmal.«

»Nun mal halblang, junge Frau«, erwiderte der Mann verblüfft. »Kleine Behinderungen lassen sich leider nicht vermeiden, wenn man in eine Wohnung einzieht. Oder können Sie mir sagen, wo ich den Möbelwagen sonst parken soll, wenn nicht in der Einfahrt? Ich kann meine Sachen schließlich nicht kilometerweit tragen. Außerdem bin nicht ich der Kleinen in die Quere gekommen, sondern sie mir. Und für den Sturm heute kann ich auch nichts. Also machen Sie mich nicht für Ihre schlechte Laune verantwortlich.«

Ohne auf Ullas Antwort zu warten, griff er nach dem Sessel, stemmte ihn über den Kopf und stapfte mit festen, ausladenden Schritten davon.

Ulla schluckte empört. Dann drückte sie das Baby fest an sich, nahm die schluchzende Nadine an die Hand und eilte in den schützenden Hausflur. Der brummige Neubezieher war bereits verschwunden und dafür der Aufzug blockiert. Ungeduldig hämmerte die junge Frau auf den Aufzugknopf. Nichts rührte sich.

»Das gibt’s doch nicht«, seufzte sie ratlos. Nadine fing erneut an zu quengeln. Beruhigend strich Ulla dem Kind über die strohblonden Haare und wischte ihm zärtlich die tränennassen Augen trocken.

»Heute geht auch alles schief, mein Schatz«, murmelte sie bedrückt. »Hilft nichts, wir müssen zu Fuß gehen.« Sie packte ihre Taschen und begann langsam die Treppen nach oben zu steigen. Die Stufen bis zum dritten Stock erschienen ihr endlos.

Auf halbem Weg kam ihr eine alte Dame entgegen.

»Haben Sie schon gehört, Frau Frank? Sie bekommen einen neuen Nachbarn. In die Wohnung von Frau Schulz zieht wieder jemand ein. Ein ziemlicher Widerling, sage ich Ihnen, mutet mir alten, gehbehinderten Frau doch allen Ernstes zu, die vielen Treppen nach unten zu steigen, während er seine Möbel mit dem Aufzug transportiert. Geht nicht anders, hat er gemeint, wäre zu schwer, um den Hausrat zu Fuß nach oben zu befördern. Also, ich bitte Sie!«

Ulla hörte der Frau nur mit halbem Ohr zu, denn die prallgefüllten Taschen zerrten schmerzhaft an ihren Armen.

Die alte Dame stemmte entrüstet die Hände in die Seite.

»Wenn ich an unseren Einzug denke … Damals gab es noch gar keinen Aufzug. Hugo, mein Mann, musste alles auf dem Rücken hinaufschleppen.« Sie drängte sich noch näher an Ulla heran und wisperte: »Wissen Sie, was der Fremde geantwortet hat, als ich ihm das sagte? Er meinte, sein Rücken sei ihm für derartige Kraftakte zu schade. Außerdem würde es nicht mehr lange dauern, bis der Aufzug wieder benutzbar wäre. Ich solle doch meinen Spaziergang aufschieben. Wie finden Sie diese Unverschämtheit?«

Ulla lächelte gequält und drückte sich an der alten Frau vorbei.

»Die Möbelstücke sind wirklich ziemlich schwer, Frau Maier«, keuchte sie erschöpft. »Haben Sie Geduld mit dem Mann. Er zieht ja nicht jeden Tag ein.«

»Ich glaube, an diesem Herrn werden wir noch unsere helle Freude haben«, antwortete Frau Maier pikiert. »Denken Sie an meine Worte. Dieser Mann sieht mir nicht nach einem angenehmen Zeitgenossen aus. Ich fürchte, mit unserem harmonischen Zusammenleben in diesem Haus wird es erst einmal vorbei sein. Schade, dass Frau Schulz verstorben ist. Sie war eine so reizende Nachbarin. Na ja, leider war sie ja auch schon sehr betagt. Man musste wohl mit ihrem Ableben rechnen.«

»Da haben Sie recht«, sagte Ulla und überlegte angestrengt, wie sie dem Wortschwall der Nachbarin entkommen konnte, doch diese fuhr schon fort.

»Dass man uns nun einen alleinstehenden Mann ins Haus setzt, finde ich ungehörig. Diese Person passt so gar nicht hierher. Den Sachen nach zu schließen, die er hinaufbringt, handelt es sich um einen reinen Männerhaushalt. Wissen Sie, solche Leute sind oft sehr eigenbrötlerisch, und es ist schwer, mit ihnen auszukommen. Sie haben ewig etwas auszusetzen. Es fehlt halt die schlichtende Hand einer einfühlsamen Frau …«, meinte sie in verschwörerischem Ton.

»Entschuldigen Sie mich bitte, Frau Maier«, sagte die junge Frau jetzt leicht gereizt. »Ich muss dringend in meine Wohnung, sonst fallen mir noch die Arme ab.« Mit einem kurzen Kopfnicken verabschiedete sie sich von der mitteilsamen Nachbarin, bevor sie ihr noch weitere Neuigkeiten unterbreiten konnte. Frau Maier war der Nachrichtensender des Hauses, ihren kritischen Augen entging auch nicht die geringste Kleinigkeit.

Aufatmend schloss Ulla die Wohnungstür hinter sich, legte ihren Sohn ins Bettchen und entledigte sich der schweren Einkaufstaschen. Dann sank sie erschöpft in einen Sessel.

»Uff, was für ein Tag!« Heftiger Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, und ein Wetterleuchten kündigte ein nahendes Gewitter an. Ulla schloss die Augen und lauschte dem monotonen Geräusch des trommelnden Regens. Doch dann fuhr sie wie von der Tarantel gestochen hoch. Siedend heiß erinnerte sie sich an den Kinderwagen, der noch immer ungeschützt auf der Straße stand. »Herrje, das habe ich ja völlig vergessen. Nadine, pass du auf Robert auf, ich bin gleich zurück. Michael muss auch bald kommen.«

Michael war mit acht Jahren der älteste Sohn. Er ging schon eigene Wege und verbrachte viel Zeit mit seinen Freunden.

Hastig sprang Ulla die Treppe hinunter, nachdem der Aufzug nach wie vor blockiert war. Sie nahm mehrere Stufen auf einmal und flitzte mit so viel Elan um eine Ecke, dass sie den Mann, der ihr entgegenkam, zu spät bemerkte. Heftig prallte sie gegen ihn. Er taumelte, und ein schepperndes Geräusch begleitete seine zornigen Flüche.

»Können Sie nicht aufpassen?«, fauchte er ungehalten und rieb sich die schmerzende Stirn. Wütend sah er auf den Schaden zu seinen Füßen. Er hatte eine monströse Stehlampe getragen, die nun zerbrochen auf dem Boden lag. Wieder fluchte er lautstark und sammelte die Scherben zusammen.

»Es … es tut mir leid«, stammelte Ulla erschrocken. »Ich habe Sie zu spät gesehen.«