Beschreibung

2. Auflage Warum erlebte der christliche Glaube so einen kometenhaften Aufstieg? Wann entstand das Glaubensbekenntnis? Wie war das noch mal mit den Kreuzzügen, den Hexenverbrennungen und der Inquisition? Wer bestellte die Reformation? Kann man Hugenotten essen? Und: Was hat das alles mit mir zu tun? Fabian Vogt gibt Antworten: Fundiert, übersichtlich und dabei höchst unterhaltsam öffnet er die Schatztruhe der Vergangenheit und zeigt, warum sie uns auch heute noch reich macht. Das Buch ist ein Lesevergnügen für Heiden wie für Fromme aller Couleur.

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Seitenzahl: 200

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Fabian Vogt

Kirchengeschichte(n) für Neugierige

Das kleine Handbuch großer Ereignisse

Fabian Vogt, Jg. 1967, ist Schriftsteller und Künstler. Er hat Theologie, Germanistik und Gesang studiert und arbeitet als kreativer Teilzeit-Pfarrer im Vordertaunus bei Frankfurt. Mehrere seiner Romane und Kurzgeschichten wurden für Literaturpreise nominiert. 2001 gewann er den „Deutschen Science Fiction Preis“, 2010 den Kleinkunstpreis „Honnefer Zündkerze“. Fabian Vogt lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Oberstedten.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

2. Auflage © 2013 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.

Gesamtgestaltung: Kai-Michael Gustmann, Leipzig

Coverabbildung: Thees Carstens

ISBN 9783374036011

www.eva-leipzig.de

Für alle,

die in Geschichten eintauchen

wie in ein Meer.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Einführung: Eine kleine Reise durch 2000 Jahre

Flüsterpropaganda

Die Erfolgsgeschichte der Urgemeinde

Als der Glauben laufen lernte

Das theologische Ringen der ersten Jahrhunderte

Von der Lust an der Macht

Nach der Konstantinischen Wende

Gnade dir Gott!

Die Theologie des Augustinus

Eine Heidenarbeit

Die Geheimnisse der Germanenmission

Christliche Ritter und ritterliche Christen

Erhellendes aus dem dunklen Mittelalter

Ein schwerer Anschlag

Reformatorische Umstürze

Glaub doch, was du willst!

Der Schock der Aufklärung

Erweckung und Erschreckung

Die geistlichen Trends des 19. Jahrhunderts

Krieg und Frieden

Die Kirchenkämpfe des 20. Jahrhunderts

Wegweisendes zum Schluss

Register

Vorwort

Warum erlebte der christliche Glaube eigentlich so einen kometenhaften Aufstieg? Wie entstand das Glaubensbekenntnis? Weshalb sangen die Christinnen und Christen, als sie in den römischen Arenen den Löwen vorgeworfen wurden? Wann zogen die Missionare erstmals nach Deutschland? Besser gesagt: ins wilde Germanien? Wie war das noch mal genau mit den Kreuzzügen, den Hexenverbrennungen und der Inquisition? Ach ja, und nicht zu vergessen: Warum saß Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis, obwohl er doch das schöne Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ geschrieben hat? Beziehungsweise: Wer war das überhaupt?

Klingt ein bisschen wie in einer dieser zahlreichen, schrillen Quizshows. Oder? Obwohl, da lauten die Aufgaben eher so: Ist „Origenes“ ein Pizzagewürz? Wer bestellte die Reformation? Kann man „Hugenotten“ essen? Und wann werden sie geerntet? Gilt „Pietismus“ in der Medizin als Nebenform des Autismus? Und natürlich: Ist die „Ringparabel“ wirklich ein Hochzeitsgedicht? Oder bezieht sie sich eher auf Richard Wagner? Nun, spätestens jetzt denken die meisten Leute zu Recht: Was hat das alles mit mir zu tun?

Fragen über Fragen. Und mal ganz ehrlich: Bei einigen dieser merkwürdigen Themen macht es vielleicht im Hinterkopf ganz leise „Klingeling“ (Moment mal! Genau: Gab es da nicht in grauer Vorzeit im Geschichtsunterricht so eine komische Unterrichtseinheit, oder nee, da lief doch mal so ein reißerischer Blockbuster mit Brad Pitt – oder war es Til Schweiger? Egal!). Aber wie das mit der Kirchengeschichte genau war, das wissen die wenigsten. Schade eigentlich. Finde ich. Weil Kirchengeschichte hinreißend sein kann. Wirklich!

Da haben Menschen 2000 Jahre lang unfassbar bewegende Erfahrungen gesammelt – wunderbare und grausame, dramatische und beflügelnde – und damit eine große „Schatzkiste“ gefüllt: mit Emotionen, Ängsten, Hoffnungen, Träumen, Sehnsüchten und Enttäuschungen. Kurz: mit dem prallen Leben. Mit allen Dimensionen des Daseins. Und vor allem: mit allen Dimensionen des Glaubens. Und diese Erlebnisse und Erkenntnisse sind wertvoll. Sehr sogar. Weil sich die grundsätzlichen Herausforderungen des Lebens ja nicht wirklich ändern – auch wenn die Jünger Jesu angesichts eines Smartphones oder einer Ray-Ban-Brille sicherlich direkt in Ohnmacht oder in den See Genezareth gefallen wären.

Ich behaupte mal ganz dreist: Schon immer sucht die Menschheit nach dem, was ein Leben wertvoll und heil macht. Heute würde man die dahinter liegende Sehnsucht wohl etwas lakonischer als die „Suche nach Glück“ bezeichnen. Ja, die ganze Kirchengeschichte ist letztlich eine große Erzählung von unzähligen, bisweilen leider völlig missglückten Versuchen, endlich glücklich sein zu können. Und möglicherweise – sogar sehr wahrscheinlich – können wir viel von den reichhaltigen Erfahrungen unserer Vorfahren lernen. Von dem, was sie richtig gemacht haben. Aber auch und gerade von dem, was sie alles falsch gemacht haben. Denn manche der Fehler, die man bei anderen erkennt, kann man dann selbst vermeiden (wenn auch nicht alle!).

Dieses „Kleine Handbuch großer Ereignisse“ möchte die einzigartige Schatzkiste der Kirchengeschichte öffnen. Und das nicht – wie es so einige unter uns traumatisch erlebt haben – in der Aneinanderreihung historischer Zahlen. Dabei war das mit den Zahlen immer so neckisch. Erinnern Sie sich: „Drei – drei – drei, bei Issos Keilerei.“ Nur: Was war das noch für eine Keilerei? Und: Passierte sie 333 vor oder nach Christus? Ich fürchte: Zahlen alleine öffnen den Deckel dieser verwunschenen Schatzkiste nicht. Im Gegenteil. (Vielleicht spricht man ja deshalb auch von „Zahlenschloss“.) Nein, ich bin überzeugt, dass der wahre Schlüssel zur Schatzkiste der Vergangenheit die Geschichten sind. Ja, die Geschichte erschließt sich über die Geschichten – über die konkreten Erzählungen markanter und wegweisender Momente der Historie, in denen wir erkennen, was bestimmte Persönlichkeiten damals motiviert, frustriert oder geprägt hat. Es sind die großen Legenden, die Mythen, die Schilderungen von Schicksalen, in denen der wahre Geist einer Epoche, einer Umbruchzeit oder einer großen wegweisenden Idee spürbar und erfahrbar wird. Deshalb heißt dieses Buch „Kirchengeschichten für Neugierige“. Es erzählt Geschichten aus der Kirchengeschichte, die unsere Neugier befriedigen – und uns zugleich auch neugierig machen wollen: Was kann ich mir von den Menschen des frühen 4. oder des späten 15. Jahrhunderts abgucken? Und ich garantiere Ihnen: Es ist mehr, als man denkt.

Schlaumeier haben sich jetzt schnell noch mal das Inhaltsverzeichnis angeschaut und bemerken zu Recht: „Augenblick mal! Zehn Kapitel? Nur zehn Kapitel! Das geht gar nicht. Da wird es doch massive Lücken geben. Man kann doch nicht in zehn historischen Stippvisiten die Fülle von 2000 Jahren Kirchengeschichte darstellen.“ Stimmt. Das kann man nicht. Und das gestehe ich schon hier im Vorwort ein. Wer ein umfassendes Kompendium des kirchenhistorischen Geschehens seit Christi Geburt haben möchte, den muss ich auf die herrlichen Bibliotheken unserer Hochschulen und die Buch-Bestände vieler kirchlicher Institutionen verweisen. Darin findet man sehr kluge und tiefgehende Untersuchungen zur „Machiavellistischen Territorialpolitik prämoderner Despoten in Südkatalonien“, zum „Ekklesiologischen Verständnis der Zwickauer Propheten unter Gender-Aspekten“ oder zur „Anzahl der heimlichen Mätressen von Karl dem Großen nach seiner Kaiser-Krönung im Jahr 800“.

Ich habe selber während des Studiums ähnliche Arbeiten verfasst – und halte sie auch für wichtig. In diesem Buch geht es mir aber eher darum, anhand geschichtlicher Schlüsselmomente zentrale Zusammenhänge deutlich zu machen. Eben: dem „Geist“ einer Epoche nachzuspüren. Die entscheidenden Wende- und Angelpunkte vor Augen zu führen. So, wie eine alte, schlichte Weisheit der Filmbranche sagt: „Wenn du als Regisseur deinen Zuschauern die Schrecken des Krieges nahebringen willst, dann darfst du nicht riesige Schlachtfelder inszenieren, dann musst du einen leidenden Soldaten in Großaufnahme zeigen. Und wenn du die Schönheit des Glaubens verdeutlichen willst, dann filme nicht euphorische Massen, sondern ein erleuchtetes Gesicht.“ Filmleute lernen, wie man Inhalte vermittelt. Und bekommen dafür oftmals den Rüffel, sie würden zu stark „elementarisieren“, sprich: vereinfachen. Ich persönlich halte „Elementarisierung“ allerdings in einer Zeit immer komplexerer Lebensperspektiven inzwischen für ein Lob. Weil ich ja als Normalsterblicher überhaupt erst anfange, mich intensiver für ein Thema zu interessieren, wenn mich ein Aspekt davon vorher in verständlicher Form angesprochen hat. Und „Verständlichkeit“ ist zum Glück etwas ganz anderes als „Banalität“. Ich wünschte mir, dass wir mehr Mut hätten, das „Schwere leicht zu sagen“, wie der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch es einmal ausgedrückt hat.

Sprich: Eingefleischten Historikern mag meine Darstellungsweise in mancherlei Hinsicht zu grob sein. Und ich lasse auch viele Aspekte aus. Sehr viele sogar. Das macht aber nichts. Meine „Kirchengeschichten“ sind kein Buch für habilitierte Wissenschaftler, sondern für Neugierige. Für all diejenigen, die Lust auf einen charmanten Überblick haben, der es ihnen ermöglicht, in Zukunft die wesentlichen geschichtlichen Entwicklungen besser einordnen zu können und die großen gesellschaftlichen Epochen mit ihren jeweiligen Grundfragen zu kennen – und eben danach zu schauen, welche Phänomene in all dem Ringen der Jahrhunderte letztlich zeitlos sind, weil sie auch im 3. Jahrtausend nach Christus genau so wieder auftauchen.

Vielleicht sind manche existentiellen Fragen heutzutage ein bisschen postmoderner verkleidet, also in einem anderen Gewand, aber im Kern bewegen sie uns genauso wie damals. Und das gilt besonders für Glaubende. Ja, ich wage zu behaupten, dass gerade der Blick in die Vergangenheit der Christenheit viel darüber sagt, warum unsere Kirche heute so ist, wie sie ist, und wie man wohl in Zukunft glauben kann oder soll. Gerade, weil so manche Diskussion, die in den Kirchenleitungen oder in den Medien geführt wird, schon viel mehr als einmal geführt wurde – etwa im 3., im 8. und im 14. Jahrhundert. Und da könnte man sich doch einfach mal ein wenig von unseren Vorgängern inspirieren lassen.

Warum hat dieses markige Büchlein den anmaßenden Titel „Handbuch“? Ganz einfach: Möchte man im 21. Jahrhundert irgendwoher Antworten bekommen – etwa weil der Computer kryptische Warnmeldungen ausspuckt, das Auto fürchterlich quietscht und qualmt, ein unbekanntes, zwei Meter langes Reptil im Garten herumkriecht oder die Liebesbeziehung in die Weltfinanzkrise gerät – dann besorgt man sich … genau: ein Handbuch. Zum Nachschlagen. Zum Informieren. Und zum Lösungen finden. Nun, das, was Sie gerade in den Händen halten, versteht sich in diesem Sinn als Handbuch. Eben eines der Kirchengeschichte. Und es hat den festen Willen, ihre Fragen zu beantworten: Fundiert, hilfreich, übersichtlich und dabei fröhlich verschafft es einen ersten Überblick über die grandiose (und manchmal auch sehr abschreckende) Entwicklung einer kleinen Bewegung begeisterter Jesus-Fans zu einer der größten und einflussreichsten Institutionen der Welt. Vom überschaubaren Jünger-Kreis zur einflussreichen Weltkirche. Vom feurigen Pfingstereignis zum vernetzten Machtapparat. Und vom charmanten Aufbruchsgeist der Frühzeit bis zur enttäuschten Säkularisation der Neuzeit. Wissbegierige können dieses Buch gerne in einem Rutsch durchlesen, andere schauen vielleicht mit einem speziellen Interesse erst einmal nur eine bestimmte Thematik an. Beides ist erlaubt und möglich.

Ich wünsche mir, dass Ihnen „Kirchengeschichten für Neugierige“ Lust macht, den Schatz von 2000 Jahren geballter Lebenserfahrung (neu) zu heben, den bisweilen etwas vergammelten Deckel der Truhe zu öffnen, den Anblick der Kostbarkeiten zu genießen – und sich auch etwas herauszunehmen. Denn dazu sind Schatzkisten ja da. Behauptet jedenfalls der Pirat in mir. Mir jedenfalls geht es immer wieder so, dass mich das Ringen bedeutender Persönlichkeiten um den rechten Glauben anspornt, meine eigene Spiritualität zu überprüfen. Oder dass ich plötzlich verdutzt feststelle, dass da jemand schon vor 1000 Jahren etwas begriffen hat, das mir bislang nicht zugänglich war. So kann das Eintauchen in die Kirchengeschichte auch dem eigenen Glauben gut tun.

Eine anregende Lektüre wünscht

Fabian Vogt

Einführung

Eine kleine Reise durch 2000 Jahre

Die Reise in die Vergangenheit beginnt gleich. Keine Sorge. Doch bevor wir uns einige besonders prägnante Wegmarken der Kirchengeschichte genauer anschauen, sollten wir eine nette philosophische und nicht ganz unwichtige Frage ansprechen: Wiederholt sich die Geschichte eigentlich immer wieder (wie manche Menschen ganz überzeugt behaupten) – oder geht sie von jeher einen geradlinigen Weg? Das ist wichtig. Und es ist für Ihre Lektüre von zentraler Bedeutung. Denn von der Beantwortung dieser Frage hängt es ja ab, ob und wie man überhaupt von den Erfahrungen der Vergangenheit lernen kann. Außerdem stehen dahinter auch andere, nicht weniger knifflige Herausforderungen – wie zum Beispiel diese hier: Hat sich die Menschheit eigentlich als Ganzes in den letzten 2000 Jahren weiterentwickelt oder nicht? Spannende Frage, oder? Was denken Sie? Fortschritt, ja oder nein?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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