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Dieser zweite Band führt die Geschichte von Frankie, Maxi und Gabo weiter, aber mit neuen Farben. Er erzählt vom Mut der Jungen, die zum ersten Mal allein unterwegs sind. Von den Storchengeschwistern, die ihre eigenen Wege finden müssen. Und von Ulla und Edgar, die lernen, wie sich Loslassen anfühlt – und wie viel Liebe dabeibleibt. Viele dieser Geschichten wären ohne die Menschen im Chat nie entstanden. Ihre Beobachtungen, Nachrichten, Witze und Sorgen sind in diesen Seiten verwoben. Wer damals live dabei war, wird manches wiedererkennen.
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2025
Kirchzartener Storchenkinder II
Der Flug ins Licht
Peet Jackson wurde auf der Insel Rügen geboren und verbrachte über vier Jahrzehnte seines Lebens in Küchen, wo er Menschen mit einfachen Dingen glücklich machte. Nach seinem Ruhestand fand er eine neue Leidenschaft: das Schreiben über die kleinen Wunder des Alltags.
Durch Zufall stieß er auf den Livestream eines Storchennests in Kirchzarten – ein Moment, der ihn nicht mehr losließ. Aus dem stillen Staunen über Ulla, Edgar und ihre Küken entstand eine ganze Welt, getragen von Wärme, Humor und echter Zuneigung.
Mit dem zweiten Band der Kirchzartener Storchenkinder erzählt Peet Jackson diese Welt weiter: ein bisschen reifer, ein bisschen tiefer und mit dem Blick eines Menschen, der weiß, wie viel Kraft in einfachen Geschichten steckt. Seine Texte sind geprägt von Dankbarkeit, Neugier und der Freude daran, mit Leserinnen und Lesern ein Stück Wunder zu teilen.
Willkommen zurück in einer malerischen Welt
Als ich den ersten Band der „Kirchzartener Storchenkinder“ geschrieben habe, wusste ich nicht, wie sehr mich diese kleine Familie noch begleiten würde. Ich wollte nur festhalten, was mich an dem Nest auf dem Kirchturm St. Gallus so berührte: der Mut der Küken, die Fürsorge der Eltern und die stille Gemeinschaft der Menschen, die ihren Weg im Livestream verfolgten.
Dieser zweite Band setzt dort an – aber er erzählt eine reifere Geschichte. Es geht um Frankie, Maxi und Gabo, die zum ersten Mal wirklich hinaus in die Welt müssen. Jeder auf seine eigene Art. Es geht um Ulla und Edgar, die lernen, Vertrauen zu haben, auch wenn die Kinder nicht mehr im Nest sind. Und es geht um die Momente, in denen man begreift, dass Abschied nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Licht.
Viele der Erlebnisse in diesem Buch wären ohne die Menschen im Chat nie entstanden. Ihre Freude, ihre Sorgen und ihre kleinen Beobachtungen sind in diesen Geschichten versteckt wie Federn im Nest. Wer damals dabei war, wird manches wiederfinden.
Ich bin kein Biologe. Ich erzähle nur das, was mich bewegt: wie lebendig eine Storchenfamilie sein kann, wenn man sie mit offenem Herzen betrachtet. Wenn dieser Band dazu einlädt, ein Stück mit zu schweben, dann erfüllt er seinen Zweck.
Viel Freude beim LesenPeet Jackson
Peet Jackson
Kirchzartener
Storchenkinder
Band II
Der Flug ins Licht
26 Vorlese-Geschichten
Inhalt
Monte Carlo
Erinnerung an das Leben
Maxis bunte Welt
Identitätaskrise
Frankie und der Flug nach Afrika
Das Wiedersehen
Der vierte Geburts-Monatstag
Der Storch Elisa
Der Herbst der Störche
Maxis letzte Reise
Ein Storch der uns verbindet
Der fliegende Teppich
Kirchzartener Modeikonen
Die geheimnisvolle Ulla
Die Putzkolonne
Stille Nacht
Weihnachten der Tiere
In der Wüste
Ein Brief an Frankie
Die Rückkehr
Maxis Schlüssel
Klau Klaus „Gucki“
Herzenssache
Der Ruf des Regenbogens
Frankies Rückkehr
Der Flug ins Licht
Für Frankie, Maxi und Gabo
Die Mittelmeersonne funkelte auf den Wellen, als Frankie und Gabo in einem eleganten Bogen über den Hafen von Monaco kreisten. Drei Tage waren sie nun unterwegs, hatten schneebedeckte Gipfel hinter sich gelassen und sich durch stürmische Böen gekämpft. Doch jetzt breitete sich vor ihnen eine Welt aus blendendem Weiß und Blau aus – Palmen wie grüne Federbüsche, Yachten, die auf dem Wasser tanzten, und das berühmte Casino, dessen goldene Kuppeln in der Sonne funkelten.
"Sieh nur die Autos!", rief Gabo begeistert, als ein scharlachroter Sportwagen unter ihnen aufheulte. Frankie, normalerweise der Vernünftigere, ließ sich vom Glanz der Stadt verzaubern. "Papa hat immer gesagt, Störche bringen Glück", zwitscherte er. "Vielleicht bringen wir uns heute selbst welches!"
Mit einem kecken Flügelschlag landeten sie vor dem Casino. Durch die schwingenden Glastüren drangen Lichtreflexe wie tanzende Sterne heraus. Gabo stolzierte voran – sein schwarz-weißes Gefieder passte perfekt zu den Frackträgern im Foyer. Ein Portier mit goldbetresster Uniform riss die Augen auf, als die beiden ungebetenen Gäste durch den Marmorflur stolzierten.
Im Saal der Spielautomaten blieb Gabo wie angewurzelt stehen. Die Maschinen blinkten in Regenbogenfarben, Münzen klimperten, und überall lächelten glückliche Gesichter. "Frankie, schau!", flüsterte er und pickte einen verlorenen Jeton vom Teppich. Mit der Präzision, die er sonst nur beim Wurmfangen zeigte, manövrierte er den Chip in den Schlitz des Einarmigen Banditen.
Frankie hielt den Atem an, als er mit seinem Flügel den Hebel des Spielautomaten herunterdrückte. Die Walzen ratterten – Kirschen, Sterne, Glocken – bis... Klingelingeling! Drei goldene Storchensilhouetten leuchteten auf. Aus der Maschine sprudelten Jetons wie ein Wasserfall.
"Wir haben gewonnen!", kreischte Gabo und hüpfte auf einem Bein. Lachende Gäste umringten sie, Handys zückend. Eine Dame mit Diamantcollier tätschelte Frankies Kopf: "Mein lieber Glücksbringer!" Selbst der Croupier am Roulettetisch zwinkerte ihnen zu.
Draußen auf der Promenade verschenkten sie die gewonnenen Jetons an eine obdachlose Katze und flogen überglücklich zum Hafen. Dort ließen sie die Beine, sitzend auf der Kaimauer, über dem Meer baumeln und die untergehende Sonne tauchte die Küste des Fürstentums in Honiggold.
"Stell dir vor, was Maxi sagen würde, wenn sie wüsste, dass wir im Casino waren", kicherte Gabo und malte mit dem Schnabel imaginäre Zahlen in die Luft.
Frankie sah seinem Bruder in die funkelnden Augen. "Weißt du, was das Beste ist? Dass wir das zusammen erleben. Egal wie weit wir fliegen – unsere besten Abenteuer sind die, die wir teilen."
Als die ersten Sterne über Monaco aufblinkten, breiteten sie die Flügel aus. Irgendwo hinter den Bergen wartete Afrika. Aber heute Nacht würden sie zwischen den Palmen des Casino-Gartens schlafen – zwei gewöhnliche Störche mit außergewöhnlichen Geschichten im Gepäck.
Und hoch oben in Kirchzarten, während Ulla und Edgar die GPS-Signale verfolgten, flüsterte Edgar staunend: "Schatz... unsere Jungs sind gerade reich geworden." Ulla antwortete nur mit einem mütterlichen Lächeln: "Nein, Liebling. Das waren sie schon immer."
Der Morgen erwachte über Kirchzarten, als Ulla sich langsam aus dem Nest erhob. Die ersten Sonnenstrahlen spielten mit den letzten Federn, die ihre Kinder hinterlassen hatten. Sie pickte eine davon behutsam auf – es war eine von Maxis weißen Schwanzfedern, immer etwas krumm gewachsen, wie es für das einzige Mädchen so typisch war. Edgar schlief noch, seine langen Beine unter sich zusammengefaltet. Seit die Kinder fort waren, schliefen sie beide unruhig.
Ulla blickte hinunter ins Tal, wo der Nebel über der Dreisam tanzte. Vor genau elf Tagen hatten sie ihre Küken zum letzten Mal gesehen. Frankie war als erster aufgebrochen, mit jenem entschlossenen Blick, den er immer hatte, wenn er sich etwas in den Kopf setzte. Maxi hatte noch schnell ein letztes Bild in den feuchten Boden des Nestes gekratzt – eine stilisierte Storchenfamilie. Und Gabo, ihr wilder Gabo, war einfach losgeflogen, ohne sich umzudrehen, als hätte er Angst, sein Mut könnte ihn verlassen, wenn er noch einmal zurückblickte.
In diesem Moment erwachte Edgar mit einem Ruck. "Ich habe geträumt, Supermini wäre noch bei uns", sagte er mit rauer Stimme. Ulla stupste ihn sanft mit dem Schnabel an. "Er ist bei uns. In jeder Feder, die der Wind durchs Tal trägt."
Während die Eltern im leeren Nest saßen und die vertraute Stille ertrugen, war Gabo bereits in Tanger angekommen. Die marokkanische Küste breitete sich vor ihm aus wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht. Er landete auf einem bunten Fischerboot, wo ihn die Kinder mit lautem Gejubel empfingen. "Ein Glücksstorch!", riefen sie auf Arabisch und warfen ihm frische Sardinen zu. Gabo verbeugte sich theatralisch, doch als er später allein am Strand stand, wo die Wellen leise ihre Sorgen ins Ohr flüsterten, überkam ihn eine Welle von Heimweh. Er erinnerte sich, wie Frankie ihm immer die besten Würmer überließ und wie Maxi ihn getröstet hatte, als er beim ersten Flugtraining immer dieselben Fehler machte und ihn der Mut verlassen wollte.
Weiter nördlich, in den endlosen Olivenhainen Andalusiens, machte Maxi gerade Rast. Während die anderen Störche hastig weiterzogen, blieb sie stehen und beobachtete, wie die silbernen Blätter im Wind tanzten. Eine alte Störchin, die seit Jahren diese Route flog, zwitscherte ihr zu: "Kindchen, wenn du so langsam bleibst, kommst du nie nach Afrika!" Maxi antwortete mit einem geheimnisvollen Lächeln: "Aber wenn ich zu schnell fliege, sehe ich all die Schönheit nicht." Sie breitete ihre Schwingen aus und fing einen warmen Aufwind, der sie sanft über die blühenden Hänge trug. In der Ferne sah sie ein einsames Storchennest auf einem alten Bauernhaus – und für einen Moment war sie wieder zu Hause, wo Ulla ihr und ihren Brüdern jeden Abend Geschichten erzählt hatte.
Frankie befand sich derweil in der strengen Formation erfahrener Zugvögel. Als sie die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen überquerten, spürte er den eisigen Wind in seinen Federn. Plötzlich erinnerte er sich an Edgars Worte: "Ein guter Flieger kämpft nicht gegen den Wind, er versteht ihn." Frankie entspannte seine Muskeln und ließ sich vom Luftstrom tragen. Unter ihm lag die Welt ausgebreitet wie eine geheimnisvolle Landkarte – und irgendwo dort draußen waren seine Geschwister unterwegs.
Zurück im Kirchturm nestelten Ulla und Edgar an Peets altem Laptop. Die Chatnachrichten flimmerten über den Bildschirm. "Gabo wurde in Tanger gesichtet!", "Frankie kämpft sich durch Zentralspanien!", "Maxi wurde beim Malen in einem andalusischen Olivenhain fotografiert!" Edgar kicherte, als er eine Nachricht von Peet las: "Ich habe eure ganze Geschichte aufgeschrieben – sogar wie Gabo damals den Eindringling verjagt hat!"
Ulla lehnte sich an ihren Gefährten. "Weißt du was?", flüsterte sie. "Ich habe Lust auf Abenteuer. Wie wäre es mit einem kleinen Ausflug nach Südfrankreich? Nur für ein paar Tage. Vielleicht treffen wir ja zufällig..."
Edgar schnatterte lachend. "Spontan? Du? Da hat wohl jemand die Abenteuerlust der Kinder geerbt!" Doch in seinen Augen blitzte es auf – der gleiche Funke, den er als junger Storch gehabt hatte, bevor die Jahre der Nestpflicht gekommen waren.
