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Er ist der heißeste Quarterback der NFL, der beste Freund meines Bruders. Und der Mann, den ich nie wiedersehen wollte.
Acht Jahre lang habe ich den Star der New York City Skyliners gemieden. Doch dann lande ich auf einer Kiss Cam, mein Date ignoriert mich vor Tausenden Zuschauern - und Easton Watts trägt mich einfach aus der Halle. Küsst mich, als gehöre ich ihm.
Ein virales Foto später stecken wir in einem PR-Deal: Fake Dates, gemeinsame Auftritte, erzwungene Nähe bis zum Super Bowl. Um unsere Karrieren zu retten.
Dummerweise brennen sich nicht nur seine Blicke tief unter meine Haut, sondern auch jede seiner Berührungen.
Bis mir klar wird: Mein Crush von damals hat nie aufgehört. Und mein Bruder darf niemals erfahren, was ich für seinen besten Freund empfinde.
~ New York City Skyliners - Love. Sweat. Touchdowns. ~
Katie McLane - Spice up your Life.
"Du bist meine Ruhe und mein Risiko. Mein Zuhause. Und ich werde dich nie wieder gehenlassen." - Eine Geschichte über zwei Menschen, mit dem selben Ziel, beruflich durchzustarten, sich aus der Vergangenheit kennen und auf ihren Weg zu einander gefunden haben. Brother's Best Friend, mit einigen Hinternissen und einen wundervollen Happy End! - Lady's of Wonderland
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Buchbeschreibung
Er ist der heißeste Quarterback der NFL, der beste Freund meines Bruders. Und der Mann, den ich nie wiedersehen wollte.
Acht Jahre lang habe ich den Star der New York City Skyliners gemieden. Doch dann lande ich auf einer Kiss Cam, mein Date ignoriert mich vor Tausenden Zuschauern - und Easton Watts trägt mich einfach aus der Halle. Küsst mich, als gehöre ich ihm.
Ein virales Foto später stecken wir in einem PR-Deal: Fake Dates, gemeinsame Auftritte, erzwungene Nähe bis zum Super Bowl. Um unsere Karrieren zu retten.
Dummerweise brennen sich nicht nur seine Blicke tief unter meine Haut, sondern auch jede seiner Berührungen.
Bis mir klar wird: Mein Crush von damals hat nie aufgehört. Und mein Bruder darf niemals erfahren, was ich für seinen besten Freund empfinde.
Sports Romance | Brothers Best Friend | One Kiss Changes Everything | Forced Proximity | Public Exposure |
Über die Autorin
Katie McLane – buchverrückt, meerverliebt und hoffnungslos romantisch.
Ihr Herz schlägt für starke Heldinnen und unwiderstehliche Männer.
Ihre Liebesromane reichen von sanftem Prickeln über intensive Leidenschaft bis hin zu überwältigendem Verlangen und absoluter Hingabe.
Und sie treffen mit all ihren Emotionen mitten ins Herz – bis zum Happy End.
Liebe Leser:in,
vielleicht hast du schon einmal von dem Problem der E-Book-Piraterie gehört.
Wie man es von den Songs der Lieblingsmusiker kennt, werden auch meine Bücher illegal im Internet angeboten. Mit dem offiziellen Kauf dieses Buches unterstützt du nicht nur mich als Autorin, sondern aktiv auch den Kampf gegen die unrechtmäßige Verbreitung von Romanen.
Vielen Dank dafür!
(New York City Skyliners 1)
Impressum
1. Auflage, 2026
© Katie McLane – alle Rechte vorbehalten.
Lektorat: Lektorat Franziska Schenker
Covergestaltung: Constanze Kramer, coverboutique.de
Bildnachweise:
©TTh – stock.adobe.com
©VectorCraft Studio – shutterstock.com
freepik.com
Illustration des Paares: Charlotte Fiolka
Katie McLane
c/o easy-shop
K. Mothes
Schloßstr. 20
06869 Coswig (Anhalt)
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Das Training von künstlichen Intelligenzen jeglicher Art mit diesem und sämtlichen Werken der Autorin ist untersagt, jetzt und in Zukunft.
Außerdem behält die Autorin sich die Nutzung ihrer Inhalte für Text und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
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Hinweis Triggerwarnung
Liebe Leser:innen,
Dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Deshalb findest du am Ende eine Triggerwarnung oder du informierst dich unter:
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Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch!
Und nun wünsche ich euch ein aufregendes Leseerlebnis.
Deine Katie
»Control« – Halsey
»The Archer« – Taylor Swift
»Don’t Start Now« – Dua Lipa
»Cool Girl« – Tove Lo
»Power Over Me« – Dermot Kennedy
»I’m a Mess« – Bebe Rexha
»Love Me Again« – John Newman
»Eyes On Fire« – Blue Foundation
»High« – Whethan feat. Dua Lipa
»In My Bed« – Amy Winehouse
»Up From the Bottom« – Linkin Park
»Sex With Me« – Rihanna
»Say My Name« – David Guetta feat. Bebe Rexha & J Balvin
»Talking Body« – Tove Lo
»Ignite« – ILan Bluestone
»Let Her Go« – Passenger
»The Night We Met« – Lord Huron feat. Phoebe Bridgers
»Lose You to Love Me« – Selena Gomez
»You’re the One That I Want« - Lo-Fang
»Let Me« - ZAYN
Oder bei Spotify hören unter »Playlist zu Kissed by the Quarterback«.
Nie wieder werde ich den Fehler begehen, die Wirkung einer Frau zu unterschätzen.
Oder darauf zu wetten.
Nur deswegen bewege ich mich an diesem ersten Januarsonntag als plüschiger grüner Bulle im unteren Rund des Barclays Centers und muss das Publikum bespaßen.
Das erste Drittel des Abends liegt hinter mir und in dem Kostüm schwitze ich mehr als in so mancher Trainingseinheit. Doch jetzt ist die Kiss Cam dran und damit Zeit für eine Pause.
Ich bleibe vor einem der Ausgänge stehen, über die man die Tribünen der Multifunktionshalle verlassen kann, und strecke mit einem Ächzen den Rücken durch.
Vor zwei Tagen war das letzte Spiel der regulären Football-Saison und unsere Gäste haben mir als Quarterback besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das Ergebnis sind blaue Flecken und Schmerzen, die Physioteam sowie Eisbäder zum Glück in Grenzen halten konnten.
Und ein knapp verlorenes Spiel, was uns auf Platz 5 der Play-off-Tabelle der American Football Conference geschoben hat.
Fuck!
Nach dieser grandiosen Saison hätten wir es verdient, die Division East zu gewinnen. Doch der Dezember hat uns zurückgeworfen, vor allem wegen der angespannten Stimmung im Team.
Woran du und diese Wette nicht ganz unschuldig seid!
Ja, und genau deswegen löse ich bei dem Benefizbasketballspiel der Brooklyn Bulls meinen Einsatz ein.
Ich habe aus diesem Scheiß gelernt.
Ein lautes Jubeln geht durch die Halle und ich richte meinen Blick automatisch auf den Videowürfel, der von der Deckenmitte herabhängt. Die Kiss Cam zeigt gerade einen romantischen Kuss, gesäumt von einem roten Herzrahmen, und danach strahlen die beiden verliebt in die Kamera.
Jesus!
Die Drohnenkameras ziehen weiter und ich will mich schon wieder wegdrehen, als auf den Monitoren ein Typ auftaucht, der sich ein Smartphone ans Ohr hält und telefoniert, das Gesicht ein wenig zur Seite gedreht.
Die junge Frau neben ihm, gleich am Reihenanfang, schaut nach oben und lächelt.
Und aus meinem Bauch steigt ein anerkennendes Prickeln auf, begleitet von einem Grinsen.
Wow, die Kleine ist eine verdammte smoke show!
Automatisch checke ich sie durch das Mesh-Gewebe im Maul des Bullenkopfes genauer ab, als sie sich dem Mann zuwendet.
Von der wilden schwarzen Kurzhaarfrisur über das bildhübsche herzförmige Gesicht bis zu dem Sweatshirt mit Brooklyn-Schriftzug auf der Brust.
Sie legt die Hand auf seine Schulter, sagt etwas.
Doch er reagiert nicht.
Ich verziehe abfällig den Mund, gehe automatisch ein paar Schritte vor.
Was ist das denn für ein Wichser?
Ihr Lächeln erstirbt und sie schaut kurz zur Kamera. Wirkt nicht nur verlegen, sondern irritiert und verärgert.
Und in diesem Moment regt sich etwas in mir.
Die Frau kommt mir bekannt vor.
Ich mustere ihr Gesicht. Von der Stirn bis zum Kinn, Kieferlinie und Ohr.
Beobachte ihre Bewegungen, als sie sich wieder zu ihrem Begleiter umdreht. Sich vorbeugt und anscheinend versucht, seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Fassungslos reiße ich die Augen auf.
Fuck! Das ist doch …
Im Reflex begebe ich mich Richtung Treppe und am oberen Bildrand des LED-Panels tauchen meine grünen Fellbeine auf.
Kimberly sieht nicht mehr aus wie die schüchterne Teenagerin von früher, aber –
Da hebt der Mann die freie Hand und wedelt damit, als wolle er eine lästige Fliege verscheuchen. Schaut sie kurz gereizt an, wendet sich ab und telefoniert weiter.
Ein schockiertes Raunen kommt auf, gefolgt von Buh-Rufen.
Ihr Körper erstarrt, ihr gekränkter Blick schweift erneut zur Kiss Cam.
Trifft mich.
Und bei mir brennt eine Sicherung durch.
Angepisst marschiere ich zur Treppe, suche und finde die beiden wenige Stufen entfernt. Laufe die hinunter, bleibe neben ihrer Reihe stehen und stemme die Fäuste in die Hüften, starre den Mann an. »Hey, Arschloch!«
Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass sie sich wieder gerade hinsetzt, mich ansieht, aber der Kerl reagiert noch immer nicht.
Deshalb ziehe ich den nächsten Pappbecher aus dem Getränkehalter und schütte dem Vollidioten den Inhalt über den Kopf.
Er reißt den Mund auf, nimmt das Telefon vom Ohr und dreht sich um, starrt mich entgeistert an.
Die Menschen rundherum japsen auf. Gefolgt von Gelächter, Pfiffen und Applaus.
Ich schleudere ihm den leeren Becher in den Schoß, gehe in die Knie und beuge mich vor. Hebe die kleine Schwester meines besten Freundes auf die Arme, ignoriere ihren Aufschrei und marschiere die Treppe hinauf zum Blockausgang.
»Hey, was soll denn das?« Sie boxt mit einer Hand auf mich ein.
Ich schweige. Darauf konzentriert, keine Stufe zu verfehlen, die in den unteren Hallenumlauf hinabführt, denn der Bullenkopf fühlt sich an wie ein verfluchter Astronautenhelm.
Unten angekommen trage ich sie vorbei an schockierten Leuten sowie Verkaufsständen für Hotdogs und Getränke.
Wobei das Ding auf meinem Schädel doch noch verrutscht, meine Sicht behindert, und ich einen Fluch ausstoße.
»Lass mich runter, du Vollidiot!« Unvermittelt fängt sie an zu zappeln.
Mit einem Grunzen drücke ich sie fester an meine Brust und laufe schneller auf die nächste zweiflügelige Stahltür zu, durch die man in die nicht öffentlichen Bereiche des Barclays Centers gelangt. Setze sie davor ab, packe ihren Arm und halte die andere Plüschhand vor das Lesegerät.
Darin ist ein Chip eingearbeitet, der mir die Tür öffnet, und ich zerre sie hindurch in den dahinterliegenden Gang. Allerdings stemmt sie schon nach wenigen Schritten die Stiefel in den Betonboden und wirft mich damit zur Seite, zu sich herum.
»Wenn du mich nicht sofort loslässt, zerquetsche ich dir die Kronjuwelen. Hast du mich verstanden?« Ihre Stimme klingt so hart und kalt, dass ich überrascht den Griff lockere.
In der nächsten Sekunde befreit Kimberly ihren Arm mit einem kräftigen Ruck. Weicht einen Schritt zurück und nimmt eine Verteidigungshaltung ein, die verdammt professionell aussieht.
Ich hebe die Hände. »Stopp!« Streife die Plüschhandschuhe ab und lasse sie fallen. Löse die Riemen an Kinn sowie Nacken, schiebe den Bullenkopf hoch und befreie mich davon.
Kimberly reißt die Augen auf, nimmt eine normale Haltung an. »Duuu?«
»Ja, ich!« Verschwitzt und atemlos lasse ich das Haupt des Maskottchens fallen.
»Was, zum Teufel, war das bitte?!« Schon lodert die Wut wieder in ihren grauen Augen.
»Was hätte ich denn tun sollen? Zusehen, wie er dich wie Dreck behandelt?«
Sie verzieht den Mund zu einem höhnischen Lächeln. »Easton Watts, Gentleman? Kannst du dir sonst wo hinstecken.«
»Oh, entschuldige bitte, Prinzessin. Die ganze Halle hat über die Kiss Cam sein mieses Verhalten gesehen und du tust so, als wäre das normal.«
»Nein, aber ich wollte verhindern, dass sich jemand wie du einmischt.«
»Jemand wie ich?« Ich mache einen Schritt auf sie zu. »Was soll das denn heißen?«
»Dass du derselbe überhebliche Arsch bist wie auf der Highschool. Einfach reinplatzen und nehmen, was du willst.«
Ein weiterer Schritt und ich stehe dicht vor ihr. »Und du? Immer noch die Kleine, die hinnimmt, dass andere dich schlecht behandeln?«
In ihren Augen blitzt etwas auf, doch sie weicht nicht zurück. »Du hattest deinen Auftritt, Watts. Glückwunsch. Held für fünf Sekunden.«
»Fuck it, Kim! Er hätte dich küssen sollen.«
»Das geht dich nichts an.«
»Ich hätte es getan.«
»Ja, klar. Weil du alles vögelst, was nicht schnell genug wegrennen kann.«
Ein heißer Stich fährt in meine Eingeweide, löst unerwartet Verlegenheit aus und das stachelt meine Wut erneut an.
Sie erwidert meinen Blick nur, schüttelt den Kopf. »Aber mit mir wird dir das niemals gelingen, du selbstsüchtiges Arschloch.«
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten sehe ich rot.
Packe ihren Kopf mit beiden Händen, ziehe sie an mich und küsse sie. Hart, aggressiv.
Dränge die Zunge in ihren Mund, erfüllt von brennendem Verlangen.
Für einen unglaublichen, traumartigen Moment erwidert sie es, umschlingen sich unsere Zungen.
Von dort aus schießt ein Blitz bis in meinen Schwanz und tief in mir erwacht etwas.
Dann erstarrt sie.
Stößt mich von sich.
Fixiert mich aus großen Augen, die Lippen leicht geöffnet, und ihre Brust hebt sich unter hektischen Atemzügen.
Ich hole tief Luft, obwohl ich keine Ahnung habe, was ich sagen will.
Fuck! Mir fehlen zum ersten Mal im Leben echt die Worte.
Da wendet sie sich ab und marschiert zur Tür.
Die steht seltsamerweise ein gutes Stück offen, sodass sie direkt hindurchgeht und nach rechts verschwindet.
Dahinter entdecke ich einige Leute, die mich mit fasziniert anstarren. Folglich laufe ich zur Tür, werfe sie mit einem lauten Knall ins Schloss.
Drehe mich um, fahre mir mit den Händen durchs nasse Haar und versuche, das Chaos in meinem Innern in den Griff zu bekommen.
Damn, was ist hier gerade passiert?
Mit wild hämmerndem Herzen marschiere ich von der Garderobe zum Ausgang des Barclays Center und bleibe auf dem Vorplatz stehen, um Schal und Mantel anzuziehen. Dann fische ich mein Smartphone aus der Gesäßtasche, starte die Uber-App und bestelle mir einen Wagen.
Perfekt, in fünf Minuten soll er hier sein.
Meine Finger zittern, als ich das Telefon in meine Manteltasche stecke, die Knöpfe schließe, und ich rede mir ein, dass die Eiseskälte daran schuld ist. Ziehe die Schultern bis zu den Ohren hoch, verschränke die Arme vor der Brust und schlendere zur Bushaltestelle Flatbush Avenue hinüber, die ich als Abholort angegeben habe.
Das Gedankenkarussell in meinem Kopf rast, begleitet von Verzweiflung und einer Stinkwut.
Auf Garrick, Easton und vor allem mich selbst.
Jesus Christ, was ist nur in mich gefahren?
An der Haltestelle tigere ich umher, mache Atemübungen und probiere progressive Muskelentspannung, was nur zum Teil hilft.
Das Uber fährt pünktlich vor und ich steige ein, lege den Sicherheitsgurt an und lehne meinen Kopf mit einem Seufzer an die Stütze, sobald wir losfahren.
»Ist Musik okay?« Die Fahrerin schaut mich über den Rückspiegel kurz an.
Ich lächle schief. »So lang es kein Rap oder Hip-Hop ist …«
»Oh nein!« Sie lacht auf. »Nicht meine Generation.«
»Okay.«
»Sonntagabends höre ich am liebsten Jazz, ganz entspannt, wie in einer gemütlichen Coffee Lounge.«
»Klingt gut.«
»Alles klar.« Sie erhöht ein wenig die Lautstärke und softes Piano flutet den Innenraum, untermalt von weichem Schlagzeugspiel.
Angenehm überrascht sehe ich eine Weile aus dem Fenster und spüre, wie meine Anspannung langsam sinkt. Die Ruhe in meinen Kopf zurückkehrt.
Und mit ihr zu viele laute Gedanken.
Das attraktive Gesicht mit himmelblauen Augen und blondem Haar.
Fuck, ich muss dringend reden.
Kurz entschlossen hole ich mein Smartphone aus der Manteltasche und rufe den Chat mit meiner besten Freundin auf.
Ich:Bist du zu Hause?
Ocean wohnt ebenfalls im Wohnkomplex 20 Halletts Point, nur zwei Etagen höher und mit demselben Blick den East River hinunter, direkt auf Manhattan. Was es extrem leicht macht, Zeit miteinander zu verbringen. An guten wie an schlechten Tagen.
Sie geht online und drei Sekunden später erscheint schon ihre Antwort.
Ocean:Ja. Ist das Benefizspiel so schrecklich?
Jesus, ich kenne niemanden, der mit den Daumen so schnell übers Display jagt.
Ich: Keine Ahnung, musste abhauen.
Ocean:Was? Wieso? Und wo ist Garrick? Ich dachte, du wolltest über Nacht bei ihm bleiben.
Ich: Lange Geschichte, muss reden. Hast du Zeit?
Ocean:Für dich immer, weißt du doch. Treffen wir uns in der Lounge? Ich wollte ohnehin mal schauen, was da heute los ist.
Ich:Okay, sollte in einer halben Stunde da sein.
Ocean:Wein oder Tequila Shots?
Ich:Beides.
Ocean: WTF???
Ich:Später.
Ich schließe die App, deaktiviere das Display und stecke mein Telefon ein. Sehe wieder zum Fenster hinaus und lasse meinen Gedanken freien Lauf.
Sogleich spielen sich jene Minuten erneut vor meinem inneren Auge ab.
Von unserem Bild in der Kiss Cam bis hin zu meiner Flucht zurück in den Hallenumlauf sowie dem Beinahezusammenstoß mit einem Kerl in Hemd und Feinstrickpullover, nur wenige Schritte weiter. Begleitet von den passenden Gefühlen.
Und letztlich presse ich verzweifelt die Lider zusammen.
Das muss ein verfluchter Albtraum sein.
In meinem Wohnhaus angekommen, fahre ich in die Lounge hinauf, in der kaum etwas los ist, und laufe direkt zu unserem Lieblingsbereich. Die Ecke des Gebäudes, deren Winkel von einer Couch ausgefüllt wird, davor diverse Tischchen sowie Sessel. Eine Seite der Fensterfront geht auf die Terrasse mit Pool hinaus, die andere zum East River.
Genau dort wartet Ocean, ein Bein unter das andere geschlagen und den Blick auf das glitzernde Manhattan gerichtet. Sie hat das lange blonde Haar zu einem Zopf geflochten und ist, wie ich sie kenne, garantiert ungeschminkt. Trägt lediglich Hoodie, Yogahose sowie Sneakers und wirkt trotzdem perfekt gestylt.
Die natürlichste und schönste Frau, die ich kenne.
»Hey.« Ich umrunde den kleinen Tisch, auf dem Rotwein, Tequila sowie Gläser bereitstehen, und sinke neben ihr auf die Sitzfläche.
Meine Freundin sieht auf und mustert mich umgehend. »Hey. Alles okay bei dir?«
»Keine Ahnung, ehrlich.« Mit einem tiefen Seufzer schäle ich mich aus dem Mantel und werfe ihn auf den Platz neben mir.
Sogleich setzt sie sich aufrecht hin, füllt die beiden Shot-Gläser aus der mit Kondenswasser benetzten Tequilaflasche und reicht mir stumm eines davon.
»Auf beschissene Entscheidungen.« Ich proste ihr zu und stürze den Schnaps in einem Schwung hinunter. Knalle das Glas auf den Tisch und stoße die Luft aus. »Noch einen.«
»Holy shit, das klingt ernst.« Sie kippt ihren eigenen Tequila, gießt ein.
»Worauf du einen lassen kannst.« Nach dem zweiten Shot breitet sich wohlige Wärme in meinem Bauch aus und ich sinke gegen die Lehne.
»Und jetzt raus damit. Hast du ihn mit einer anderen erwischt?«
Ich schüttle den Kopf, kaue auf meiner Unterlippe.
Garrick ist acht Jahre älter, ebenfalls Pilot bei TrueSky Airlines und wir sind seit ein paar Monaten zusammen. Eine erwachsene, lockere Beziehung zwischen zwei Menschen, deren Karriere an erster Stelle steht. Mit regelmäßigen Dates, kultivierten Gesprächen und Sex, bei dem ich auf meine Kosten komme. Mehr will und brauche ich aktuell nicht.
»Es war gut, wie immer. In der Halle hat er mal wieder mit jemandem von der Fluggesellschaft telefoniert, das stört mich ja nicht. Aber …«
»Ja?« Meine Freundin nimmt dieselbe Position ein wie bei meiner Ankunft, stützt den Ellbogen auf die Lehne und das Kinn auf ihre Hand.
»Blöd war, dass die Kiss Cam uns gefilmt hat. Und Tausende Menschen Zeugen wurden, wie er mich verärgert abgewimmelt hat, als ich ihn darauf hinweisen wollte.«
»Uuh, das ist fies.«
»Warte, das Schlimmste kommt noch.«
Sie lacht. »Hat dich stattdessen dein anderer Sitznachbar geküsst?«
»Nicht ganz.«
»Was?« Mit einem Ruck richtet sie sich auf.
Kurz presse ich die Lider zusammen und berichte von dem Maskottchen. Seiner Aktion, bis wir in diesem Backstage-Tunnel gelandet sind.
»Oh Mann! Ich weiß nicht, ob ich das cool oder übergriffig finden soll.«
»Mh-hm. Deswegen war ich schon bereit, ihn zu verprügeln, aber er hat direkt den Kopf abgenommen. Und du kommst nie darauf, wer in dem Kostüm gesteckt hat.«
»Kenne ich ihn?«
»Nein. Oder besser gesagt, nicht persönlich. Es ist jemand … aus meiner Vergangenheit.«
»Ein Ex vom College?«
»Nope.«
»Ein Kollege?«
»Auch nicht.«
»Okay, sag schon.«
»Der beste Freund meines Bruders.«
»Von dem hast du mir noch nie erzählt.«
»Weil ich ihn seit der Highschool nicht mehr gesehen habe und es am liebsten dabei belassen hätte.«
»Klingt nach unangenehmen Erinnerungen.«
»Der Kerl war damals schon ein karrieregeiler Egomane und Player, aber die beiden waren so.« Ich halte eine Hand hoch, Zeige- und Mittelfinger verschränkt. »Du weißt schon. Erste Partys, erste sexuelle Abenteuer und so weiter. Am Ende hat er Matt echt enttäuscht, das habe ich ihm nie verziehen. Mein Bruder ist sogar noch mit ihm befreundet, aber das ist seine Sache.«
»Okay. Hat der Kerl dich denn erkannt?«
»Nur deswegen hat er den Scheiß abgezogen.«
»Und was ist in diesem Tunnel passiert?«
»Wir haben gestritten und dann …« Ich hole zittrig Luft. »… hat er mich geküsst.«
»What?« Ocean reißt die Augen auf. »Warum?«
»Woher soll ich das wissen?«
»Hast du ihm die Eier abgerissen?«
Hitze schießt mir in die Wangen und ich verziehe schuldbewusst das Gesicht.
»Du hast es erwidert?«
»Nur ganz kurz, ehrlich.«
»Du hast die Kontrolle verloren.«
»Er hat mich überrumpelt.«
»Bullshit! Entweder gärt da noch etwas von früher oder …« In ihren blauen Augen funkelt es. »War er damals dein Crush?«
»Oh Gott!« Verzweifelt schlage ich die Hände vors Gesicht. »Erinnere mich nicht daran. Verfluchte Pubertät.«
Wieder lacht sie auf. »Aber wo ist das Problem? In Garrick bist du ohnehin nicht verliebt.«
»Woher weißt du das?«
»Ich kenne dich, Kim.« Ihre Stimme ist weich geworden, nun legt sie mir eine Hand auf die Schulter. »Und ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass dich ein Mann dermaßen aus der Fassung bringt.«
»Auf die schlechte Art.«
»Trotzdem fährst du auf ihn ab.«
»Nein!«
»Wenn du das sagst …«
»Allerdings. Er ist eine absolute Red Flag.«
»Du hast ihn Jahre nicht gesehen. Er könnte sich verändert haben.«
Mir entfährt ein humorloses Lachen. »Oh, das hat er. Aber in die falsche Richtung.«
»Woher willst du das wissen?«
»Weil er die ganze Welt an seinem Scheißleben teilhaben lässt und selbst im Job komme ich nicht an ihm vorbei, wir sind der Airline-Partner seines Teams.«
»Fuck! Er ist ein Skyliner?«
Ich nicke.
Auf ihrem Gesicht breitet sich Entsetzen aus. »Wer?«
»Easton Watts.«
»Jesus Christ!«
»Sag ich doch.«
»Jetzt brauche ich einen Shot.« Damit wendet sie sich dem Tisch zu und ergreift die Tequilaflasche.
*
Am nächsten Morgen nutze ich die unerwartet verfügbare Zeit, kümmere mich um den Haushalt und fahre anschließend für ein ausgiebiges Fitnesstraining ins Gym hinunter.
Garrick hat sich nicht gemeldet, weder gestern noch heute, und ich habe keine Ahnung, ob ich froh oder sauer sein soll. Doch statt mir Gedanken darüber zu machen, rotieren die schon wieder rund um Easton und den Kuss.
Vergiss es, du wirst ihn ohnehin nie wiedersehen.
Ja, das wäre vermutlich die einfachste und beste Lösung.
Nur leider funktioniert es nicht.
Nach dem Krafttraining steige ich aufs Laufband und erhöhe langsam das Tempo.
Grüble weiter über den gestrigen Abend.
Ocean und ich haben die Sachlage eine ganze Weile analysiert, vor allem meine Gefühle. Dabei habe ich ihr das Peinlichste verschwiegen, nämlich was der Kuss in mir ausgelöst hat.
Zur Hölle mit East, aber, ich schwöre, sobald seine Zunge meinen Mund erobert hat, bekam meine Pussy einen Puls.
Und was für einen!
Allein die Erinnerung daran katapultiert mich zurück in jene Situation und in meinem Schoß beginnt es heftig zu pochen.
Ich stoße einen frustrierten Laut aus. Laufe schneller, keuche.
Nein, nein, nein! Raus aus meinem Hirn, du elender Bastard!
Deshalb lenke ich meine Aufmerksamkeit in die andere Richtung. Fokussiere mich auf Garrick und sein Verhalten.
So bequem unsere Beziehung auch ist –
Mein Verstand lacht gehässig.
Beziehung? Das ist eine Bettgeschichte Plus.
Tja, sieht ganz danach aus.
Kollegen mit gewissen Vorzügen.
Nun, so lange es sich für uns beide gut anfühlt, ist das für mich in Ordnung. Und möglicherweise entwickelt sich irgendwann etwas daraus, wer weiß das schon.
Trotzdem – das gibt ihm noch lange nicht das Recht, mich so mies zu behandeln.
Die Frage ist nur, wie ich damit umgehe.
Halte ich die Klappe und warte ab, was passiert?
Oder suche ich das Gespräch und beende unsere kleine Romanze?
Welcher Weg ist der richtige?
Fühlst du denn nichts dabei?
Jesus, ich weiß es einfach nicht.
Folglich drehe ich die Frage um.
Was davon würde ich bereuen, nicht getan zu haben?
Fuck it, Kim! Er hätte dich küssen sollen.
Das geht dich nichts an.
Ich hätte es getan.
Ja, klar. Weil du alles vögelst, was nicht schnell genug wegrennen kann.
Ach, zum Teufel mit ihm!
Ausgepowert, aber keinen Schritt weiter beende ich schließlich das Training mit einem ausgiebigen Stretching und fahre in meine Etage hinauf. Verlasse den Aufzug, wische mir mit dem Handtuch übers Gesicht und bremse abrupt ab. »Garrick!«
Er sitzt neben meiner Wohnungstür, rücklings an die Wand gelehnt und schenkt mir sein charmantestes Lächeln. »Hey, Honey!« Greift zur Seite, steht auf und tritt mir mit einem großen Strauß Rosen entgegen. »Verzeih mir, ich war ein Idiot.«
In mir steigen Erleichterung und Freude auf, dennoch hebe ich ungläubig die Brauen. »Und das fällt dir erst jetzt auf?«
Dicht vor mir bleibt er stehen. »Könnten wir das vielleicht drinnen besprechen?«
»Wenn’s sein muss …«
»Bitte!« Mit eindringlichem Blick streckt er mir die Blumen hin.
Nun regt sich Widerstand, doch ich schiebe das beiseite.
Was ist schon dabei?
Insofern ergreife ich die Blumen, laufe um ihn herum zur Tür und öffne sie mit meiner Key-Card.
Er folgt mir in die Küche, wo ich den Strauß auf der Kochinsel ablege.
Mein Zeug landet daneben, dann hole ich meine einzige Vase aus dem Schrank, fülle sie mit Wasser und stelle die Blumen hinein. Beuge mich vor, schnuppere an den Blüten und nehme nur einen hauchzarten Duft wahr.
Schade.
»Es tut mir leid.« Garrick tritt näher, ergreift meine Hand und zieht mich sanft an sich. »Wirklich.«
Unentschlossen streiche ich über seine Oberarme. »Warum hast du mich dann so behandelt? Die ganze Halle hat es gesehen.«
»Das war nur ein blöder Reflex. Dieser bescheuerte Flight Operations Coordinator hat mich mit seinem chaotischen Plan zur Weißglut gebracht. Du weißt doch, wie sehr ich das hasse.«
»Hm.«
Er senkt den Kopf und wartet, bis ich ihn ansehe. »Ich mache es wieder gut, ja?«
»Und wie?«
»Ich habe schon eine Idee, aber dazu muss ich einiges in Bewegung setzen. Kannst du dich so lange gedulden?«
Ich schaue ihm in die Augen. Suche nach einem Anzeichen dafür, dass er mich verarscht, finde aber nichts.
Zum Glück.
Deshalb nicke ich. »Okay, eine Chance gebe ich dir noch.«
Sein Mund verzieht sich zu einem Lächeln. »Du wirst es nicht bereuen.«
»Hoffentlich.«
»Und ich bin sehr froh, dass wir das aus der Welt schaffen konnten, bevor ich zum Dienst muss.« Damit senkt er den Mund auf meinen und küsst mich.
Im ersten Moment zögere ich, erwidere es aber.
Und in der nächsten Sekunde trifft mich eine Erkenntnis.
Fuck, es fühlt sich falsch an.
Nein, unmöglich, das …
Gestern war noch alles in Ordnung.
Vorsichtig löse ich mich von ihm und lächle entschuldigend. »Sorry, ich bin nassgeschwitzt.«
»Zu schade, dass wir keine Zeit haben, zusammen unter die Dusche zu springen.«
Bei der Vorstellung bildet sich ein kleiner schwarzer Stein in meinem Magen. »Stimmt.«
»Also dann, ich muss los.« Ein schneller Kuss, dann tritt er zurück. »Ich melde mich, sobald es fix ist.«
»Okay. Guten Flug.«
»Dir morgen auch, bis dann.« Schon läuft er zur Tür und verschwindet.
Ich schlinge die Arme um mich und seufze.
Alles wird gut, ich spüre es.
Pah, einen Scheiß wird es …
»Guten Morgen, Mr. Watts, hier ist der Concierge. Ihre Limousine ist da.«
»Danke, ich bin auf dem Weg.« Ich tippe auf den roten Hörer, deaktiviere das Display und schiebe das Smartphone in die Innentasche meines Jacketts.
Nach einem letzten Blick in den Ganzkörperspiegel nicke ich zufrieden und gehe in grauem Designeranzug, hellgrauem Hemd sowie schwarzen Lederschuhen zum Bett. Streife mir den Kaschmirmantel über, kontrolliere noch einmal den Inhalt meiner Business-Tasche aus italienischem Saffiano-Leder und schultere sie. Dann umfasse ich den Teleskopgriff meines Koffers und verlasse mein Schlafzimmer.
Ich trete in den separaten Flur zum Fahrstuhl hinaus und verriegle die Tür mit Key-Card sowie PIN. Schreibe Tanner eine Nachricht, dass ich auf dem Weg bin. Steige kurz darauf in die Kabine und gleite ins Erdgeschoss hinab.
Dort verabschiede ich mich für das Wochenende vom Concierge, durchquere das Foyer und schiebe dem Fahrer meinen Koffer hin. »Hallo, Warren.«
»Guten Morgen, Mr. Watts.« Er versenkt den Griff und hebt den Trolley in den Kofferraum.
»Wir holen noch Mr. Fairfield ab, 100 Barclay.«
»Gern, Sir.«
Ich setze mich auf die Rückbank, lege meine Tasche in den Fußraum und den Sicherheitsgurt an.
Gute fünf Minuten später hält Warren direkt vor Tanner am Straßenrand, steigt aus und nimmt ihm das Gepäck ab.
Der vollbärtige Tight End mit dem dunkelblonden Haar, das sich unterhalb seiner Ohren lockt, gesellt sich zu mir in den Fond und wir schlagen zur Begrüßung ein. »Morgen, East.«
»Hey. Was macht deine Schulter?«
»Ich war nach dem Training beim Physiotherapeuten und eine Runde schwimmen. Alles bestens.«
»Und ein paar Streicheleinheiten von Gin?« Ich wackle vielsagend mit den Augenbrauen.
Er lächelt, ein Funkeln in den saphirblauen Augen, und zuckt nur mit den Schultern, dann lachen wir zusammen.
»Oh, da wir gerade davon sprechen. Danke für das Beweisfoto von dir und dem eigentlichen Maskottchen.«
»Kein Ding.«
»Wie wars denn?«
»Frag nicht.«
»Wieso? Deine Rettungsaktion war doch cool.«
»Meine was?«
»Na, dass du die Kleine aus der Halle getragen hast. Das kannst nur du gewesen sein.«
»Ach, das.« Sofort sind alle Bilder und dieses verfickte Chaos wieder da. Doch ich gebe mich cool. »Der Wichser hat es nicht anders verdient.«
»Sehe ich ähnlich.«
»Woher weißt du überhaupt davon? Warst du dort?«
»Dafür reichen die sozialen Medien.« Mein Teamkollege greift in seinen Mantel und holt sein Smartphone hervor. Wischt, scrollt, tippt und hält es mir schließlich hin.
Tatsächlich, die Kiss Cam hat weiter draufgehalten.
Ich stöhne auf. »Fuck!«
»Mach dir keinen Kopf, es hat dich ja niemand erkannt.« Mit einem Knopfdruck deaktiviert er das Display und steckt das Telefon wieder ein.
»Hoffentlich.«
»Hat die Lady sich wenigstens bedankt?«
»Nicht wirklich.«
»Wie ungerecht.«
»Vergiss es, ist egal.«
»Gin fand es auch mega, sie hat den Kerl verflucht.«
»Okay.«
»Und dann kam eine berechtigte Frage auf.«
»Ja?«
Er fixiert mich aus zusammengekniffenen Augen. »Hättest du das auch vor dieser bescheuerten Wette und all ihren Konsequenzen getan?«
»Keine Ahnung.«
Auch nicht für Kim?
Kurz runzle ich die Stirn, schiebe es aber beiseite.
Darüber möchte ich gerade lieber nicht nachdenken.
»Gin und ich waren uns einig. Niemals.«
»Hm.«
»Der Einlauf vom Coach hat echt etwas in dir bewirkt, East.«
Weil dir anscheinend jegliches zwischenmenschliche Feingefühl abgeht. Obwohl du genau das für deinen Job brauchst. Ein Quarterback führt sein Team nicht nur, er kennt es. Jeden Einzelnen. Dir jedoch sind die Männer außerhalb deines Dunstkreises vollkommen egal. Du hast keinen blassen Schimmer davon, was sie bewegt, belastet oder beflügelt. Sonst hättest du längst mitbekommen, von wem Tanner vermehrt redet. Und vor allem, in welcher Weise.
Die Erinnerung daran ist auch nach gut drei Wochen noch so lebendig, dass ich mich innerlich winde. »Möglich.«
»Okay, verstanden. Kein Wort mehr darüber.«
»Danke.«
Stattdessen nutzen wir die Fahrt, um über das anstehende Spiel zu reden.
Am John F. Kennedy International Airport sammeln wir uns in einem gesonderten Bereich von Terminal 5 und steigen in den Airbus, der in unseren Franchise-Farben lackiert ist. Dunkelblau mit weißen Akzenten, lila Sternen am Heck und unserem Logo zwischen Einstieg und Flügel.
Eine junge Stewardess mit geflochtenem blondem Haar begrüßt uns mit Namen, sobald wir nacheinander einen Fuß an Bord setzen, und ich nicke ihr freundlich zu. Gehe hinter Jordan in die Kabine.
Im Innern gibt es mehr First-Class-Luxus als in jedem anderen Linienflieger. Leder, indirektes Licht, klappbare Seitentische, dezente Holzfurniere, WLAN. Dazu Snacks und ein Getränkeangebot, das mit einer Bar mithalten kann.
Mein Stellvertreter und ich verstauen die Mäntel in den Gepäckfächern und machen es uns nebeneinander bequem, legen den Gurt an.
Er reibt sich die Hände. »Übrigens habe ich gestern Abend die Zusage von dem Club in Houston bekommen. Die Party ist gebucht.«
»Cool.« Ich schiebe meine Tasche unter den Vordersitz.
»Alles klar bei dir? Du klingst, als ob es dir scheißegal wäre.«
»Ich will mir gleich noch die letzten Spiele unserer Gegner ansehen und analysieren. Alles andere ist gerade nebensächlich.«
Jordan schüttelt den Kopf und schnaubt. »Du wirst noch zum Streber.«
»Falsch. Ich war schon immer einer, was Football angeht.« Ich lasse mich ein wenig tiefer in den Sitz sinken und werfe einen Blick aus dem Fenster, hinaus aufs Rollfeld.
»Was dich bisher nicht vom Feiern abgehalten hat.«
Grimmig sehe ich ihn an. »Nein, aber ich bin auch nicht so blöd, Hicks‘ Ansage zu ignorieren. Und wenn ich den Scheiß runterfahren muss, um meinen Job bestmöglich zu erledigen, dann tue ich das.«
»Schon gut, Alter! Bleib mal locker.« Seine Tonlage verrät, dass er beleidigt ist.
Fuck it, er wird sich wieder einkriegen.
Und falls nicht, geht es mir ebenfalls am Arsch vorbei.
Die Play-offs stehen für mich an erster Stelle, danach kommt lange nichts.
Über alles andere mache ich mir Gedanken, wenn es nötig ist.
Nach dem Start werden Getränke serviert und ich hole iPad sowie Earpods heraus. Konzentriere mich auf die Analyse unserer Gegner, erstelle Notizen und bespreche sie später mit Coach Hicks sowie dem Offensive Coordinator, um unsere Startstrategie festzulegen.
Nach dem Lunch wechsle ich die Musik, klappe die Lehne nach hinten und entspanne mich. Falle in einen kurzen, leichten Schlaf und träume von dem Abend als Maskottchen.
Daraus schrecke ich schließlich hoch, als Kim mir nach dem Kuss eine Ohrfeige verpasst. Fahre mir übers Gesicht und seufze.
Welch ein Schwachsinn, das hat sie gar nicht getan.
Ich ziehe die Ohrhörer heraus, verstaue sie in ihrer Ladebox und werfe die in meine Business-Tasche. Stehe auf, schiebe mein Smartphone in die Hosentasche und schlängle mich an Jordan vorbei, der mit offenem Mund schnarcht.
Die meisten Leute aus Team und Betreuerstab halten es ähnlich, dementsprechend laufe ich durch eine ruhige Kabine zum vorderen Waschraum.
Anschließend schlüpfe ich durch den zugezogenen Vorhang in den Bereich zwischen Einstieg und Cockpit. Leise Stimmen und Lachen lotsen mich in die Bordküche, wo die Flugbegleiterinnen und der einzige männliche Kollege bei einem Getränk zusammensitzen.
Die Blondine vom Boarding schaut zu mir, springt auf und klimpert lächelnd mit den Wimpern. »Hallo, Mr. Watts. Kann ich etwas für Sie tun?«
»Ein Kaffee wäre cool.«
»Natürlich, gern. Ich bringe ihn zu Ihrem Platz.«
»Danke, aber ich warte. Will mir mal die Beine vertreten.«
»Kein Problem. Ich muss nur kurz an ihnen vorbei.« Sie kommt mir ziemlich nahe, bevor sie anhält, und schaut herausfordernd zu mir auf.
Bis vor einigen Wochen wäre ich, ohne zu zögern, darauf eingegangen. Hätte sie direkt in dem großzügigen Waschraum vernascht.
Heute jedoch weiche ich einen Schritt zurück. Lehne mich seitlich an einen der Klappsitze vor der Flugzeugtür, ziehe mein Smartphone heraus und gebe vor, beschäftigt zu sein.
Verfolge aus dem Augenwinkel ihren Weg und das Hantieren mit Porzellan, anschließend startet das unverkennbare Mahlwerkgeräusch eines Kaffeevollautomaten.
Unvermittelt klickt es schräg vor mir und ich sehe zur Cockpittür.
Sie schwingt nach innen auf, Richtung Pilotensitz, und von rechts erklingt eine weibliche Stimme: »Ich hole mir einen Kaffee, dann hast du Zeit, wieder runterzukommen.«
Irritiert von dem gereizten Unterton runzle ich die Stirn.
Da tritt die Co-Pilotin heraus, in gut sitzendem Uniformhemd und dunkelblauer Krawatte.
Kim.
Meine Brauen schießen nach oben.
Sie sieht mich – die Wangen leicht gerötet, ihre grauen Augen blitzen vor unterdrücktem Zorn –, erstarrt und kneift die Lider zusammen.
Und ich kann nicht anders, als zu grinsen. »Na, so etwas! So schnell sieht man sich wieder.«
An ihrer Wange zuckt ein Muskel. »Watts.«
Kein Hallo, nur diese unterschwellige Warnung.
Hinter ihr sagt der Captain etwas und sie zieht mit einem Ruck die Tür zu.
Ist mir übergangslos so nah, dass mir ihr Duft in die Nase steigt.
Darin erkenne ich Nuancen, die mich an Vanille und Kastanien erinnern, und wieder regt sich etwas in mir.
What the fuck …
Automatisch gleitet mein Blick zu ihren verführerischen Lippen.
Jesus, ich weiß noch ganz genau, wie weich sie sind. Wie gut sie schmecken.
Die Stimme in meinem Kopf lacht.
Das hier könnte verdammt interessant werden.
»Du solltest zu deinem Sitz zurückkehren.« In ihrer Stimme schwingt ein frostiger Unterton mit.
Meine Mundwinkel wandern höher. »Überrascht, mich hier zu treffen?«
»Genervt trifft es besser.«
Ich stecke das Telefon ein und verschränke die Arme. Mustere ihr Gesicht, will keine Regung verpassen. »Dabei haben wir uns neulich schon ein wenig angenähert.«
»So definierst du also deine Übergriffigkeit? Du solltest dringend an deinem Wortschatz arbeiten.«
Lächelnd beuge ich mich ein wenig vor und senke die Stimme. »Vielleicht wollte ich dich ja nur aus der Reserve locken. Ein bisschen reizen.«
In ihren Augen funkelt es auf, zu schnell, um es zu greifen. Dann strafft sie die Schultern und ihr Gesicht nimmt einen höflichen Ausdruck an. »Bitte, setz dich wieder.«
Da tritt die Stewardess in mein Blickfeld, hält mir einen Porzellanbecher mit dem Airline-Logo hin. »Ihr Kaffee, Mr. Watts.«
Ich nehme ihn mit einem freundlichen Nicken. »Vielen Dank.«
»Gern.« Erneut klimpert sie auffällig mit den Wimpern.
»Könnte ich bitte auch einen haben?«, fragt Kim.
»Sicher. Wie trinkst du ihn?«
»Schwarz, ohne alles.«
»Kommt sofort.« Damit wendet sie sich ab und verschwindet in der Bordküche.
Vorsichtig nippe ich an dem Heißgetränk und bin positiv überrascht. Schaue Matts kleine Schwester an und schmunzle. »Schwarz passt zu dir.«
»Ach ja? Wie willst du das beurteilen?«
»Ich bitte dich, wir sind praktisch zusammen aufgewachsen.«
Sie schnaubt. »Als ob du mich je wirklich wahrgenommen hättest. Oder überhaupt jemanden außerhalb deiner Bubble.«
»Tja, das wird wohl ewig mein Geheimnis bleiben.«
Wieder unterbricht uns die Flugbegleiterin, hält diesmal Kim einen Pappbecher hin. »Bitteschön.«
»Danke dir.« Dann schießt sie mir einen zornigen Blick zu. »Mach’s gut.« Dreht sich abrupt um und verschwindet im Cockpit.
Die Verriegelung klickt leise, doch für mich klingt es nicht wie ein Ende.
Ganz im Gegenteil.
Ich kehre zu meinem Platz zurück, genieße den Kaffee und schaue auf die fast geschlossene Wolkendecke hinab.
Das Weiß leuchtet watteweich im Sonnenlicht.
Erinnert mich an ein zerwühltes Bett mit unzähligen Kissen.
Und in meinem Hirn steigt eine dreckige Fantasie auf.
Wie Kim sich unter mir windet, weil ich sie lecke und fingere, wimmernd vor Lust.
Wie ich sie zum Orgasmus ficke und –
Gequält presse ich die Lider zusammen.
Fuck, woher kommt das? Sie ist die Schwester meines besten Freundes, ich darf nicht so von ihr denken. Niemals.
Das hat dich nicht davon abgehalten, sie zu küssen.
Was ein riesiger Fehler war, der Auslöser für diese körperlichen Regungen und Gedanken.
Trotzdem … da ist etwas, das tiefer geht und ich weder kontrollieren noch definieren kann.
Und genau damit komme ich nicht klar.
Vergiss es endlich, sie ist tabu. Akzeptier es!
Mein Verstand hat recht. Kim ist kein Groupie oder ein One-Night-Stand.
Und selbst wenn – Matt würde mir den Schwanz abschneiden.
Beziehungsweise mich daran aufhängen.
Ich schaudere.
Nein. Es wird Zeit, sie als das zu sehen, was sie damals schon war. Eine Art nervige Verwandte. Und sie dementsprechend zu behandeln.
Oder besser jeglichen Kontakt zu meiden.
Ja, das ist gut. Dann komme ich erst gar nicht in Versuchung.
Angst, die Kontrolle zu verlieren?
Halt die Fresse!
Demonstrativ hole ich mein iPad wieder hervor und arbeite.
Finde später Ablenkung in Witzeleien mit Teamkollegen, auch während des Transfers vom Flughafen zur Unterkunft, und steige am Ende entspannt aus dem Bus.
Mit einer der letzten Gruppen gehe ich ins Hotel, bedrängt von den üblichen Pressefragen, und checke ein.
Anschließend bleiben wir einen Moment im Foyer stehen, um unsere Fachsimpeleien zu beenden. Verabschieden uns, wenden uns den Fahrstühlen zu.
Da bemerke ich aus dem Augenwinkel zwei Personen in dunkelblauer Uniform, die mit ihren Koffern durch die Automatiktüren kommen.
Sehe hin, erkenne Kim und ihren Pilotenkollegen, der sogar seine Mütze trägt.
Fuck, das ist doch dieser Scheißkerl aus dem Barclays Center.
Ihr Freund, der sie so respektlos behandelt hat.
Und mit dem sie im Cockpit gestritten hat.
Aus meinem Innern steigt dieses Etwas auf, begleitet von demselben roten Nebel, und ich beiße verzweifelt die Zähne zusammen.
Halt dich da heraus, es ist ihre Entscheidung.
Nein, ich muss sie davor bewahren, weitere Fehler zu begehen.
Vielleicht will sie ja gar nicht gerettet werden.
Ist mir egal.
Ich beobachte, wie sie an die Rezeption treten, einchecken.
Umfasse den Koffergriff fester und schleiche mich langsam heran.
Reiß dich zusammen, Watts! Du musst jeglichen Ärger vermeiden, sonst macht der Coach seine Drohung wahr und du verlierst deine Startgarantie.
Ich weiß.
Und am besten erfährt dieser Wichser niemals, dass du das Maskottchen warst.
Okay. Dann brauche ich eine andere Lösung.
»Ich habe uns einen Tisch reserviert.« Garrick unterschreibt seinen Anmeldebogen. »18 Uhr.«
»Wenn du meinst …« Lächelnd nehme ich das gleiche Formular von der Rezeptionistin entgegen. »Danke.« Kontrolliere und unterzeichne.
»Lass uns in Ruhe reden.«
Ich schiebe das Papier zurück über den Tresen. Ignoriere den Stein in meinem Magen und gebe erneut nach, wende mich ihm zu. »Okay, aber das ist wirklich das –«
Hinter ihm nähert sich ein großer Mann mit breiten Schultern unter einem teuren Mantel und im nächsten Moment erkenne ich Easton.
Mein Herz rast los.
Fuck, er wird doch jetzt keinen Ärger machen!
Garrick sieht mich an, bemerkt meinen Blick und dreht sich um.
Da setzt Easton ein charmantes Lächeln auf. »Welch ein Zufall. Kim Rivera!«
Verwirrt öffne ich den Mund. Stocke allerdings, als er sich zu mir beugt und mich auf die Wange küsst. Schlucke und atme tief durch. »Hey, East.«
»Wo kommst du gerade her?« Mit neugieriger Miene tritt er zurück.
Keine Ahnung, warum er diese Show abzieht, aber ich gehe darauf ein. »Aus New York. Mit eurer Maschine.«
»Dein Ernst? Du hast uns geflogen?«
»Als First Officer.« Ich deute auf meinen Kollegen. »Und das ist euer Captain, Garrick Barker.«
Eastons Braue zuckt und in seinen Augen blitzt Abneigung auf, ist aber genauso schnell wieder verschwunden. Er streckt ihm die Hand hin. »Easton Watts.«
»Ich bin einer Ihrer größten Fans.« Strahlend schlägt er ein.
»Danke.«
Sichtlich überwältigt sieht Garrick mich an. »Woher kennt ihr euch?«
»Aus der Highschool.«
»Nein!«
Der Freund meines Bruders schnalzt mit der Zunge. »Und wir haben uns seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Zehn Jahre, richtig?«
Ich nicke. »Stimmt.«
»Hast du Lust, heute Abend mit mir essen zu gehen?«
»Oh, ich …« Hastig schaue ich zu Garrick.
Easton klopft ihm auf die Schulter. »Du hast doch nichts dagegen, oder, Kumpel? Ich möchte nur ein bisschen über alte Zeiten quatschen.«
»Ach was, kein Problem.«
»Ich dachte, wir wollten –«
Doch er winkt ab. »Geh nur, wir haben zwei ganze Tage, um die Stadt zu genießen.«
Ich weiß nicht, ob ich erleichtert bin, dem Essen und einem entscheidenden Gespräch für heute zu entkommen.
Oder sauer auf die beiden Kerle sein soll, weil es der Football-Rockstar mit Garricks Unterstützung schafft, dass ich Zeit mit ihm verbringen muss.
Also lächle ich und nehme mir im Stillen vor, Easton die Eier abzureißen, falls er einen weiteren Annäherungsversuch wagt. »Gut, gehen wir essen.«
»Cool. Treffen wir uns um 18 Uhr hier in der Lobby? Ich muss morgen früh raus.«
»Mh-hm.«
Bin ich verrückt geworden?
»Cool, dann bis gleich.« Wieder schlägt er Garrick auf die Schulter, wendet sich ab und läuft zu den Aufzügen.
»Warum hast du mir nichts davon erzählt?«
Ich unterdrücke den aufsteigenden Ärger und schaue ihn an. »Warum sollte ich damit prahlen? Er ist der beste Freund meines Bruders und ich habe ihn seit zehn Jahren nicht gesehen.«
»Solche Leute muss man sich warmhalten. Wer weiß, wofür es noch gut ist.«
Den bestimmt nicht!
Statt einer Antwort nehme ich dankend die Key-Card entgegen und ergreife meinen Koffer. »Wir sehen uns morgen beim Frühstück.« Damit marschiere ich an ihm vorbei und zum Fahrstuhl.
In meinem Zimmer schäle ich mich aus meiner Uniform, hänge das Jackett zum Lüften auf und den Rest über einen Stuhl. Stelle meinen Smartphone-Wecker, schlüpfe unter die Bettdecke und blende alles aus, um ein Nickerchen zu halten.
Danach gehe ich duschen und mache mich fürs Abendessen fertig.
Lege den Koffer geöffnet auf das dafür vorgesehene Gestell und packe sämtliche Kleidung aus.
Da ich keine Ahnung habe, in welcher Art von Restaurant wir essen werden, entscheide ich mich für das seegrüne Satinoberteil zur schwarzen Skinny Jeans. Kombiniere einen schwarzen Blazer sowie halbhohe Pumps dazu und packe das Wichtigste in meine Handtasche. Dann verlasse ich mein Zimmer, fahre ins Erdgeschoss hinunter und betrete überpünktlich die Lobby.
Easton steht in der Nähe des Ausgangs, eine Hand lässig in der Hosentasche und sieht in seinem Anzug verboten attraktiv aus.
Fuck, ich will nicht so über ihn denken!
Und eigentlich auch nicht mit ihm ausgehen.
Oder gesehen werden.
Also gebe ich ihm das mit meiner Miene zu verstehen, während ich auf ihn zugehe.
Doch er verzieht den Mund nur zu dem sexy Lächeln, mit dem er schon in der Highschool das weibliche Geschlecht in seinen Bann gezogen hat. »Hallo, Kim.«
Ich bleibe mit gerade genug Abstand vor ihm stehen, dass er mir keinen Wangenkuss geben kann. »Wozu soll das gut sein, East?«
Da schnalzt er mit der Zunge und schüttelt den Kopf. »Ich möchte wirklich nur mit dir essen und quatschen. Um der alten Zeiten willen.«
»Die gab es nie.«
»Du bist Matts Schwester.«
»Von der du ständig genervt warst.«
»Wirklich?« Er zuckt mit den Schultern. »Tja, das ist wohl vorbei.«
Herausfordernd hebe ich eine Braue.
»Okay, ich gebe es zu. Ich wollte dich auch von Garricks Anwesenheit befreien.«
»So wie letzte Woche?«
Sein Lächeln wird breiter. »Wenn du das möchtest …«
In mir explodiert Hitze.
War ja klar, dass er es absichtlich anders deutet.
»Träum weiter.«
Doch Easton lacht nur. »Komm, der Wagen wartet.«
Ohne Vorwarnung ergreift er meine Hand, dasselbe Prickeln wie bei unserem Kuss schießt durch meinen Arm in meinen Körper, und führt mich zum Ausgang.
Davor steht ein silberner SUV mit getönten Scheiben und ein Chauffeur in grauer Uniform hält die hintere Tür auf.
Easton lässt mich los und umrundet das Heck, ich bedanke mich beim Fahrer und steige ein. Kurz darauf sitzen wir viel zu nah nebeneinander und zu allem Überfluss hüllt mich sein unaufdringlicher Duft ein. Eine Mischung aus Holz, Leder und etwas sehr Maskulinem.
Was mich an den Kuss erinnert und meinen Schoß pochen lässt.
Verzweifelt presse ich die Schenkel aneinander und schaue aus dem Fenster, sobald der Wagen anrollt.
»Du siehst übrigens echt heiß aus. Und die Bluse passt zu der grünen Nuance in deinen Augen.«
Warum, zum Teufel, fällt ihm so etwas auf?
Ich drehe den Kopf, funkle ihn an. »Spar dir die Komplimente.«
»Bist wohl keine gewohnt.«
»Du verschwendest nur deine Zeit.«
»Sorry, aber dein Freund ist ein Loser.«
»Ich wüsste nicht, was dich das angeht.«
»Wenn er dich immer so behandelt wie letzte Woche, tut es das.«
»Du hast keinerlei Recht dazu.«
»Matt ist mein bester Freund und du –«
»Halt dich einfach aus meinem Leben heraus.«
Einen Moment starren wir uns wortlos an.
Doch sein Blick rutscht kurz tiefer und die nächste Hitzewelle steigt aus meinem Bauch auf.
»Ihr habt im Cockpit gestritten, oder?«
Ich blinzle. »Das war rein beruflich.«
»Dann hat er sich verhalten wie der Arsch, der er ist. Du warst ziemlich aufgebracht.«
»Jesus, warum kümmert dich das überhaupt?«
»Wie gesagt –«
Meine Hand schnellt hoch. »Vergiss es, ich will es gar nicht wissen. Wir gehen heute essen, aber danach lässt du mich gefälligst in Ruhe.«
»Wie du willst. Aber sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«
Mit einem unwilligen Laut drehe ich den Kopf und sehe erneut aus dem Fenster.
