Small Town Love - Rebecca & Sean - Katie McLane - E-Book

Small Town Love - Rebecca & Sean E-Book

Katie McLane

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Beschreibung

Er sucht einen Neuanfang. Sie sucht Abstand. In North Haven finden sie einander.

*

Rebecca Chandler ist jung, erfolgreich und gerade spektakulär betrogen worden. Als sie deshalb in das malerische Städtchen North Haven flieht, will sie nur eins: Eine Auszeit. Von Boston. Von Männern. Von allem.

Bis Sean Crowe sie aus einer kritisch-peinlichen Situation rettet.

Der unwiderstehliche Mann und Ex-NFL-Star mit der zerstörten Karriere segelt inkognito die Küste entlang, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Was er findet? Eine Frau mit funkelnden Augen und einer Verletzlichkeit, die sein eisernes Herz zum Schmelzen bringt.

Es knistert ab der ersten Berührung so heftig zwischen ihnen, dass sie sich in ein leidenschaftliches Abenteuer stürzen. Nur bis zum Ende ihres Urlaubs, so der Plan.

Allerdings ist das Küstenstädtchen in Maine ein Ort, an dem Fremde zu Familie werden - und Urlaubsflirts zu etwas Größerem.

Wären da nicht Seans Geheimnisse und ein vernichtendes Video, das Rebeccas gesamte Existenz bedroht.

*

~ North Haven. Spicy Small Town Romance | Echte Menschen, echte Gefühle, echte Happy Ends. ~

Katie McLane - Spice up your Life!

-> Das Buch ist auch als verdeltest Paperback mit Farbschnitt, Cover-Innendesign und spicy Page Overlay erhältlich. <-

*

- "Das ist er. Der Moment, den ich mir immer gewünscht habe. - Wenn zweikaputte Seelen aufeinandertreffen, gemeinsam heilen, an einem Ort, den sie nicht gesucht, aber gefunden haben. Ich bin immer noch völlig emotional, eine klare Empfehlung von mir!"​​​​​​​ - Lady's of Wonderland

- „Eine Kleinstadt, zwei Herzen und die Suche nach dem einen Ort, der sich nach „Zuhause“ anfühlt. Süß, herzerwärmend und absolut zum Verlieben!“ - @lilis_library

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Vorwort
Prolog
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
Aber– Halt, stop!
Ouvertüre
Weiter geht es in »Small Town Love – Jenna & Mark«
Alle Informationen über mich und von mir findest du hier:
Content Note

Small Town Love – Rebecca & Sean

Von Katie McLane

Buchbeschreibung:

Eine zauberhafte Kleinstadt an der Küste Maines, ein prickelnder Urlaubsflirt und ein Herz, das andere Pläne hat.

Enttäuscht und betrogen trennt sich Rebecca von ihrem Freund und flieht kurzentschlossen in den Urlaub. Allerdings droht ihr erster Abend in North Haven in einer Katastrophe zu enden – bis ihr Retter auftaucht.

Sean ist ebenfalls Tourist, mega hot, und es knistert ab der ersten Berührung zwischen ihnen.

Mutig stürzt sich Rebecca in ein sinnliches Abenteuer, entwickelt ungewollt Gefühle für ihn.

Doch Sean hat Geheimnisse.

Und dann taucht ein Video auf, das ihr gesamtes Leben zerstören könnte.

Über die Autorin:

Katie McLane – buchverrückt, meerverliebt und hoffnungslos romantisch.

Ihr Herz schlägt für starke Heldinnen und unwiderstehliche Männer.

Ihre Liebesromane reichen von sanftem Prickeln über intensive Leidenschaft bis hin zu überwältigendem Verlangen und absoluter Hingabe.

Und sie treffen mit all ihren Emotionen mitten ins Herz – bis zum Happy End.

Liebe Leser:in,

vielleicht hast du schon einmal von dem Problem der E-Book-Piraterie gehört.

Wie man es von den Songs der Lieblingsmusiker kennt, werden auch meine Bücher illegal im Internet angeboten. Mit dem offiziellen Kauf dieses Buches unterstützt du nicht nur mich als Autorin, sondern aktiv auch den Kampf gegen die unrechtmäßige Verbreitung von Romanen.

Vielen Dank dafür!

(North Haven 1)

Impressum

1. Auflage, 2026

© Katie McLane – alle Rechte vorbehalten.

Lektorat: Lektorat Franziska Schenker

Cover: Dream Design – Cover and Art, Renee Rott

Bildnachweise:

shutterstock.com: 2109932357

depositphotos.com: 668717330_XL

Katie McLane

c/o easy-shop

K. Mothes

Schloßstr. 20

06869 Coswig (Anhalt)

[email protected]

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Zustimmung der Autorin zulässig. Personen und Handlungen sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Das Training von Künstlichen Intelligenzen jeglicher Art mit diesem und sämtlichen Werken der Autorin ist untersagt, jetzt und in Zukunft.

Außerdem behält die Autorin sich die Nutzung ihrer Inhalte für Text und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

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Hinweis Triggerwarnung

Liebe Leser:innen,

Dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Deshalb findet ihr ganz am Ende eine Triggerwarnung oder ihr schaut unter

→ https://katie-mclane.de/Buecher/Triggerwarnungen/

Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch!

Und nun wünsche ich euch ein aufregendes Leseerlebnis.

Eure Katie

Vorwort

Willkommen in North Haven.

Einem sicheren Hafen für Vertriebene,

Gestrandete und Abenteurer*innen.

Dem Rückzugsort im Norden, an dem

zerbrochene Herzen und gequälte Seelen heilen können,

neue Hoffnung finden.

Wo Miteinander, Hilfsbereitschaft

und die Liebe zu Hause sind.

Für das perfekte North-Haven-Feeling

empfehle ich die YouTube-Videos

The Ocean is Calling, Vol. 2 + 1

(am besten in der Reihenfolge)

von alexrainbirdMusic.

Prolog

»Guten Morgen, Abbie! Kann ich dir helfen?«

Verärgert stoße ich die Luft aus, lasse den Spannhebel los und sehe über das graue Stoffverdeck meines 1970er Beetle Convertible hinweg. Auf der anderen Seite steht Larry Mercer, dem sowohl Larry’s Lobster House hier am Aussichtspunkt vor meinem Leuchtturm gehört, als auch der Pub drüben an der Marina.

»Ach, der Hebel klemmt nur mal wieder. Wärst du so nett?«

»Kein Problem.« Er öffnet die Beifahrertür, löst mit leisem Quietschen die dortige Sicherung zwischen Verdeck und Windschutzscheibenrahmen, umrundet den Oldtimer.

Ich weiche zurück und lasse den Blick automatisch über die klassische Kontrastlackierung schweifen, während er sich mit dem Bügel abmüht. Streiche mir eine ergraute Strähne hintes Ohr, die sich wegen der konstanten Brise aus meiner Frisur befreit hat.

Der silberne Metallic-Lack glänzt in der morgendlichen Frühsommersonne und die matten, hellgrauen Seiten strahlen mit den Weißwandreifen um die Wette.

Sofort denke ich an Arthur und seufze wehmütig.

Er hat den Wagen geliebt, er war sein ganzer Stolz.

Unvermittelt löst sich der Spannhebel und Larry ächzt laut. »Himmel, fahr zu Paddy, die Kiste braucht dringend eine Wartung.«

Innerlich verdrehe ich die Augen.

»Danke für den Tipp. Und deine Hilfe, Larry.« Ich trete vor und dränge ihn dezent beiseite. Schiebe die Finger vorn unter den wasserdichten Stoff, trenne die seitlichen Clips und umrunde das Heck, um auf der Beifahrerseite genauso zu verfahren.

»Wohin willst du eigentlich so früh?«

»Früh? Es ist fast halb zehn.« Kurz deute ich auf die ersten Touristinnen und Touristen auf der anderen Seite der Landspitze, die ihre Autos entlang des bogenförmigen Parkplatzes abstellen und aussteigen. Hebe das Verdeck an und drücke es mit Schwung nach hinten, womit ich es zusammenfalte. Auch die metallene Rahmenstruktur quietscht dabei und ich verfluche stumm die salzhaltige Meeresluft, die dafür verantwortlich ist.

»Sag schon, was hast du vor? Sind Leuchtturm und Museum heute nicht geöffnet?«

»Nein, ich habe die Öffnungszeiten in Absprache mit der Stadtverwaltung ein wenig angepasst. Ab sofort ist Donnerstag ebenfalls ein freier Tag.«

»Gut zu wissen.«

Ich ignoriere den spöttischen Unterton in seiner Stimme und werfe die Beifahrertür zu, kehre zur Fahrerseite zurück und lächle ihn freundlich an. »Und um deine Neugier zu stillen – ich fahre raus zu Doc Fitzgerald.«

Er reißt die Augen auf. »Du bist aber nicht krank, oder?«

»Nein, ich will Bonnie verabschieden.«

»Wie – verabschieden? Wohin will sie? Und warum?«

»Sie folgt ihrem Herzen, Larry.«

»Sag nicht, sie zieht nach Boston zu ihrem Freund.«

»Doch, leider.«

»Mist.«

»Genau. Und damit ich ihre Verabschiedung nicht verpasse, muss ich jetzt los.« Ich tätschle seinen Oberarm, steige ein und ziehe die Tür hinter mir zu.

»Richte ihr alles Gute aus.«

»Mache ich.« Damit starte ich den Motor, schließe den Sicherheitsgurt und setze meine Sonnenbrille auf. Manövriere den Beetle rückwärts aus seiner Parkbucht und in einem Viertelkreis auf die Straße. Dann hebe ich die Hand zum Gruß, lege den ersten Gang ein und knattere davon.

Hinter dem schmalen Übergang der tropfenähnlichen Landzunge befindet sich nördlich das Zentrum von North Haven, gleich am kurzen Nordstrand gelegen. Doch ich halte mich links und fahre auf der Long Beach Avenue durch den neueren Teil unserer Kleinstadt, direkt am langen Südstrand entlang. Ein beseeltes Lächeln auf den Lippen.

Seit bald 65 Jahren lebe ich an diesem bezaubernden Fleckchen Erde und genauso wie mein viel zu früh verstorbener Mann stamme ich direkt von den irischen Auswandererfamilien ab, die sich im 18. Jahrhundert hier niederließen.

Sie haben sich hier ein neues Leben aufgebaut und einen Ort mit besonderer Anziehungskraft geschaffen. Was auch die historischen Aufzeichnungen belegen, die im Stadtmuseum neben dem Leuchtturm ausgestellt werden.

North Haven war, wie es der Name zum Teil besagt, schon immer ein Zufluchtsort.

Für die Gründerväter und ihre Nachkommen.

Gestrandete, Vertriebene und Abenteurer.

Und ein sicherer Hafen für zerbrochene Herzen sowie gequälte Seelen, denn hier können sie heilen, neue Hoffnung finden.

Viele Fremde würden diese Worte als Kitsch abtun. Dabei sind das lediglich Erfahrungswerte. Meine eigenen ebenso wie die meiner Eltern und Großeltern.

Die Menschen, die hier leben, bilden eine unvergleichliche Gemeinschaft. Geprägt von Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Gutherzigkeit und Liebe.

Und es kommen immer wieder Personen hinzu, die perfekt ins Puzzle passen. Es ergänzen und erweitern.

Natürlich gibt es auch Einheimische, die unser idyllisches Städtchen gar nicht schnell genug verlassen können, aus diversen Gründen.

Doch viele von ihnen kehren zurück und setzen das fort, was unsere Vorfahrinnen und Vorfahren begonnen haben.

Ob Bonnie Kilroy ebenfalls eine von ihnen sein wird, muss sich allerdings erst zeigen.

Vor der Stadtgrenze biege ich auf die Straße ab, die unter anderem zu unserer Highschool führt, meinem ehemaligen Arbeitsplatz. Fahre aber ein ganzes Stück weiter durch den stark bewaldeten Randbezirk, wechsle auf eine Hauptstraße und verlasse sie am Ziel wieder.

Die bogenförmige Auffahrt führt einen sanften Hügel hinauf, zu einem L-förmigen Haus mit Doppelgarage am privaten Flügel und einem Parkplatz vor dem Trakt, der die Hausarztpraxis beherbergt.

Dort stelle ich meinen Wagen neben dem bulligen Polizei-SUV ab, steige aus und eile zum Fuß der Treppe, die zur Praxis hinaufgeht.

Die junge Krankenschwester verabschiedet sich gerade von ihren ehemaligen Arbeitgebenden, Maria und Alexander Fitzgerald. Der Arzt und seine Frau, die Ärztin und Hebamme ist, wirken traurig und Bonnies Stimme kann ich den Kloß im Hals anhören.

Daneben steht Police Sergeant Nash Baldwin, mit ausdrucksloser Miene und die Daumen zu beiden Seiten der Schnalle in seinen Waffengürtel gehakt. Das schwarze Uniformhemd spannt über seinen breiten Schultern und ich muss unwillkürlich daran denken, wie harmlos er vor seiner Zeit beim Militär ausgesehen hat.

»Da bin ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen, was?« Neben ihm bleibe ich stehen, sehe zu ihm auf.

Mein ehemaliger Schüler, dessen Highschool-Abschluss keine zehn Jahre her ist, schüttelt den Kopf und lächelt, irgendwie freudlos. »Sie hätte gewartet.«

Ich runzle die Stirn. »Was machst du überhaupt hier?«

»Sie ist Burns’ Freundin, gehört praktisch zur Familie.«

»Das ist mir bewusst, aber wo ist dann deine Schwester?«

»Die hat sich gestern schon mit einer kleinen Party verabschiedet. Ziemlich tränenreich, wie Mom meinte.«

»Und du hattest gestern Dienst.«

»Genau.«

Ich nicke und wende mich ab.

Endlich lässt Maria die zierliche Rothaarige los, die ihr langes Haar wie meistens in einem geflochtenen Zopf nach vorn über der Schulter trägt, und schnieft noch einmal. »Du wirst uns so unsagbar fehlen.«

»Ihr mir auch.«

»Du kannst jederzeit zurückkommen, hörst du?«

»Danke, das weiß ich sehr zu schätzen.«

»Ich kann noch immer nicht glauben, dass du deine Heimat für einen Mann verlässt.«

»War der überhaupt schon einmal hier?«, fragt Alexander.

Bonnie lächelt schief. »Ja, einmal.«

»Und? Warum zieht er nicht stattdessen zu dir?«

»Ihm ist es hier zu eng und es gibt auch kein Krankenhaus, in dem er Karriere machen kann.«

Nash grummelt. »Der Kerl hat sie überhaupt nicht verdient.«

»Wie bitte?« Irritiert schaue ich ihn an.

»Ich habe nichts gesagt.« Mit neutralem Gesichtsausdruck starrt er geradeaus.

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen.

»Oh, Abbie, wie schön, du bist gekommen!«, erklingt Bonnies Stimme.

Ich drehe mich um und breite lächelnd die Arme aus. »Aber natürlich! Ich lasse doch nicht eine meiner liebsten Schülerinnen einfach so fortgehen.«

»Das sagst du bestimmt allen, die du unterrichtet hast.« Ihre haselnussfarbenen Augen sind gerötet, trotzdem hält sie sich tapfer und umarmt mich mit einem Seufzen. »Ich werde dich vermissen. Deine positive Ausstrahlung, dein Lachen, deine Weisheit. Und dass du immer ein offenes Ohr hast.«

»Falls du das auch in Boston brauchst, ruf mich an. Oh, und alles Gute von Larry.«

»Danke.« Sie reibt meinen Rücken, löst sich von mir und wischt sich die Tränen aus den Augen. Dann holt sie tief Luft und sieht zu Nash auf. »Hi, Serge.«

»Hey, Ginger Nut.« Er nimmt die Daumen von seinem Gürtel.

»Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich keine Verrückte bin?« Bedacht stößt sie mit der Faust vor seinen Bauch, hält inne und ihre Brauen zucken.

»Doch, warst du schon immer.«

Einen Augenblick schauen sie sich in die Augen und ich meine, einen Ausdruck von tiefer Zuneigung über sein Gesicht huschen zu sehen.

In der nächsten Sekunde blinzelt er, räuspert sich. Beugt sich vor und schließt sie fest in die Arme, presst die Augen zusammen. »Du wirst mir fehlen.«

»Du mir auch.« Bonnie drückt die Hände sichtbar an seinen Rücken.

Unvermittelt lässt er sie los, tritt zurück und richtet sich auf. »Komm uns ab und zu besuchen. Mom und Burns würden sich bestimmt freuen.«

»Nur die beiden?« Sie schiebt die Hände in die Gesäßtaschen ihrer Jeans.

»Nein, natürlich nicht, wir alle. Du gehörst schließlich irgendwie zur Familie.«

»Ja, irgendwie. Die Nervige mit der großen Klappe.«

»Genau.« Er lacht leise.

Sie presst nur kurz die Lippen aufeinander, strafft die Schultern und nickt. Schaut von mir zu den Fitzgeralds hinter sich. »Okay, dann werde ich mal losfahren.«

Ich streiche ihr über den Oberarm. »Gute Fahrt.«

»Danke, ist ja nicht weit bis Boston.«

»Und viel Erfolg in deinem neuen Job. Zeig ihnen, wie erstklassig man in der Provinz arbeitet.« Ich lächle aufmunternd.

»Mache ich.« Ein letzter Blick in die Runde, ein zittriges Lächeln. »Bis dann.«

Damit wendet sie sich ab und geht zu ihrem roten Jeep, der bis unters Dach beladen ist. Öffnet die Tür, steigt hinter das Lenkrad und knallt sie zu.

Einige Sekunden passiert nichts und ich runzle besorgt die Stirn.

Doch dann startet sie den Motor, winkt aus dem Fenster und fährt los, ohne sich noch einmal umzusehen.

Ich kreuze die Arme vor der Brust, starre ihr nach und reibe mir über die Oberarme. »Ich wünschte, sie würde bleiben.«

»Dito«, flüstert Nash neben mir.

Dieses Mal spricht er so leise, dass ich an mir zweifle.

Habe ich mir das nur eingebildet? Aus reinem Wunschdenken heraus?

Da räuspert er sich und holt tief Luft. »Okay, ich muss weiter. Hab einen schönen Tag, Abbie.«

Ich blinzle, schaue ihn an. »Danke. Dir eine ruhige Schicht.«

Er nickt den Fitzgeralds zu, marschiert zu seinem Polizeiwagen und fährt ebenfalls die Auffahrt hinunter. Biegt auf der Hauptstraße in die entgegengesetzte Richtung ab und verschwindet.

Maria seufzt hörbar. »Abbie. Hast du Zeit für einen Kaffee?«

Mit einem entschuldigenden Lächeln wende ich mich der Ärztin zu. »Würde ich wirklich sehr gern, aber ich bin mit Eileen verabredet.«

»Dann viel Spaß und bestell ihr liebe Grüße.«

»Wird erledigt. Wir sehen uns.« Ich hebe zum Abschied die Hand, laufe zu meinem Wagen und fahre zurück Richtung Zentrum.

Inzwischen strömen die Touris zum Strand, suchen Lücken im eingezeichneten Parkstreifen am Straßenrand und es geht langsamer voran als vorhin, doch das ist mir egal. Ich liebe das Meer und die Weite, nehme nur im äußersten Notfall die Routen durch die Ortschaft.

Vor der Kurve, die ins Zentrum hinabführt, reduziere ich schließlich meine Geschwindigkeit auf die vorgeschriebenen 25 Meilen, schalte herunter und lasse den Beetle rollen, reihe mich in die Autokolonne ein.

Entspannt lausche ich dem Kreischen der Möwen, atme tief den Duft nach Sonne und Seetang ein. Genieße die Aussicht auf Ellis Park, den Nordstrand und das Meer dahinter.

Auch hier schert jeder zweite Wagen aus der Schlange auf den Parkplatz aus, sodass der Rest auf der Ocean Avenue immer wieder anhalten muss.

Bei der Gelegenheit entdecke ich auf der Gegenspur einen Pick-up von Four Seasons Landscaping, dem größten und ältesten Unternehmen für Garten- und Landschaftsgestaltung in North Haven. Halte automatisch nach Killian und seinem Hund Ausschau.

Tatsächlich, der junge Mann, der mit Bonnie sowie Nashs jüngerer Schwester Burns die Highschool besucht hat und letztes Jahr als Juniorchef in den Familienbetrieb zurückgekehrt ist, sitzt am Steuer. Und Simpson, sein muskulöser schwarzer Beauceron mit den lohfarbenen Flecken an Pfoten, Brust sowie Lefzen steht hechelnd auf der Ladefläche, alles um sich herum im aufmerksamen Blick.

Verkehrsbedingt fahren wir langsam aneinander vorbei und ich hebe grüßend die Hand.

Er streckt seine zum offenen Fenster hinaus. »Hi, Abbie! Wie geht’s?«

»Bestens, und selbst?«

»Alles cool.«

»Grüß deine Eltern.«

»Mache ich.«

Schon ist er vorbei und ich konzentriere mich wieder auf die Straße.

Am Ende des Parkplatzes befindet sich eine weitere Zufahrt, gedrosselt durch eine Fahrbahnschwelle, auf der zusätzlich ein Fußgängerüberweg eingezeichnet ist. Und der Liefer-Truck auf der anderen Straßenseite vor dem Beach Bucket & General Store steht auch halb im Weg, weswegen sich hier einiges staut.

Außerdem überquert ein Stückchen weiter eine Familie mit Kleinkind die nächste Temposchwelle, gleich vor der besten Bar im Ort.

Baldwin’s Bar ist noch geschlossen, aber Jude, dem der Laden gehört, inspiziert bereits eine der transparenten Planen auf der Veranda im ersten Stock. Meiner Meinung nach eine der besten Investitionen, die der Jüngste der drei Baldwin-Geschwister getätigt hat. Sie schützen nicht nur vor Regen oder Wind, sondern verwandeln die Veranden im Winter mithilfe von Heizpilzen zu sehr gemütlichen Orten.

Endlich fließt der Verkehr weiter, vorbei am luxuriösen Beach Residence Hotel, und am Ende der Ocean Avenue fahre ich rechtsherum Richtung Norden auf die Main Street. Wo ich gleich nach der Kurve mein Ziel erreiche.

Da gerade kein Gegenverkehr herrscht, biege ich schnell in die Zufahrt zum Bankparkplatz ab und drücke einmal auf die Hupe.

Keine dreißig Sekunden später verlässt Eileen Moore, meine beste Freundin und Besitzerin des Needles & Pins, ihren Handarbeitsladen, eilt die drei Stufen hinab und zu meiner Beifahrerseite. »Da bist du ja endlich.«

Sie steigt ein und wir begrüßen uns mit einem Wangenkuss.

»Tut mir leid, das Verdeck hat mal wieder geklemmt und ich habe Bonnie gerade noch erwischt.« Ich wende den Wagen in wenigen Zügen.

»War bestimmt sehr emotional.«

»Und wie! Alle werden sie vermissen.«

»Ich verstehe ohnehin nicht, was sie an Boston findet.«

»Ihr Freund ist dort.« Mit einem schnellen Blick überprüfe ich den Verkehr und fahre wieder Richtung Norden auf die Straße.

»Der Vollidiot nimmt sie uns weg.«

Mir entfährt ein Lachen. »Du kennst ihn doch gar nicht.«

»Nur aus ihren Erzählungen, wenn ich mal beim Arzt war. Das reicht mir schon.«

»Maria lässt übrigens grüßen.«

»Danke. Trotzdem. Ihm ist es hier zu eng. Und Karriere kann er auch nicht machen.« Eileen äfft einen arroganten Ton nach.

»Uns steht da kein Urteil zu, meine Liebe. Ich hoffe lediglich, dass sie glücklich ist. Das ist das Wichtigste.«

»Du kennst mindestens die Hälfte der Bevölkerung von North Haven, Abbie, also sei ehrlich. Wird sie das?«

Ich öffne den Mund, stocke. Zucke schließlich mit den Schultern. »Bonnie war schon von Providence nicht wirklich begeistert, aber das College dort war ihr Favorit, also hat sie es durchgezogen.«

»Hat sie da auch ihren Freund kennengelernt?«

»Nein, das war in ihrer Zeit am Portsmouth Regional Hospital.«

»Da ist sie seit fast zwei Jahren weg.«

Zur Antwort zucke ich nur mit den Schultern.

»Hm. Und nun ist er in Boston und hat sie gezwungen, zu ihm zu ziehen.«

»Bonnie Kilroy lässt sich zu gar nichts zwingen, von niemandem.«

»Dann kann es nur emotionale Erpressung gewesen sein.«

Ich lache auf, schüttle den Kopf. »Deine Schlussfolgerungen sind höchst amüsant.«

»Ich versuche lediglich, eine plausible Erklärung zu finden.«

»Spar dir die Mühe. Und damit reicht es auch. Schließlich wollen wir uns ein paar schöne Stunden machen.«

Eileen lehnt den Kopf an die Stütze und seufzt. »Du hast recht. Wie immer.«

Ich lenke den Wagen in den Bogen zur US-1 zu, die uns nach Portsmouth bringen wird, und schmunzle.

Ganz genau.

*

Über denselben Weg kehren wir am Nachmittag zurück und machen zum Abschluss einen Abstecher zur Marina.

Ich stelle meinen Beetle auf dem dazugehörigen Parkplatz ab, wir schnappen uns unsere Handtaschen und laufen zur Treppe.

Eileen seufzt. »Himmel, was tun mir meine Füße weh.«

»Obwohl du langes Stehen gewohnt bist?«

»Das schon, aber kein Gehen.«

»Dann sollten wir unsere Freizeit öfter in dieser Form verbringen.«

»Jesus, bitte nicht! Erstens verlieren auch Shopping-Touren irgendwann ihren Reiz und zweitens muss ich meinen Geldbeutel schonen.«

»Stimmt allerdings.«

Wir steigen zur Terrasse hinauf, finden einen freien Tisch gleich an der Brüstung und setzen uns.

Erleichtert stoße ich die Luft aus, strecke die Beine von mir. Falte die Hände auf meinem Kopf und lasse den Blick über die Bucht schweifen. »Ist das nicht herrlich?«

»Und wie!«

Eine junge Frau eilt mit einem leeren Tablett heran, bleibt lächelnd vor uns stehen. »Hallo, zusammen! Wie geht es euch an diesem herrlichen Tag?«

Ihre positive Art gefällt mir, denn sie passt wunderbar zu North Haven, und ich erwidere ihr Lächeln. »Wunderbar, und dir?«

»Danke, gut.«

»Bist du neu hier?« Ich werfe einen Blick auf ihr Namensschild, Sabrina.

»Oh, ja. Vor zwei Tagen angekommen.«

»Bleibst du die ganze Saison über?«

»Genau.«

»Schön, dann sehen wir uns ja öfter.«

»Was darf ich euch denn bringen?«

Eileen und ich bestellen Kaffee sowie Cupcakes, dann eilt sie davon.

Meine Freundin schaut sich um. »Wie es aussieht, ist das hier kein Geheimtipp mehr.«

»Oh, da du das gerade erwähnst. Weißt du, wie weit die Renovierung im Oceanview Café ist?«

»Sie sind fertig, Ivy hat schon wieder geöffnet.«

»Sehr gut. Schlimm genug, dass sich das Ganze so lange verzögert hat. Im schlechtesten Fall könnte es ihr das Genick brechen.«

»Ach was, sie hat ihre ersten 15 Monate super überstanden, die Urlauberinnen und Urlauber haben ihr die Bude eingerannt.«

Ich schüttle den Kopf. »Jede Saison ist anders, das weißt du selbst am besten.«

»Deshalb sollten wir sie extra unterstützen.«

»Hervorragende Idee, wir treffen uns mindestens alle zwei Wochen dort.«

Meine Freundin lacht auf. »Ich bin zu fast allen Schandtaten bereit, sofern ihre Backkünste nicht nachgelassen haben. Aber eigentlich habe ich eher an Empfehlungen an unsere Kundschaft gedacht.«

»Auch eine Möglichkeit. Und ich frage sie bei Gelegenheit, ob sie wieder Werbeflyer hat, die ich auslegen oder verteilen kann.«

»Vorsicht, bitte!« Sabrina tritt mit einem vollen Tablett an den Tisch, serviert unsere Bestellung und geht weiter.

Wir plaudern über den neuesten Klatsch in North Haven, schweifen von dort über bundesstaatliche sowie nationale Entwicklungen zur Weltsituation.

Am Ende seufze ich und lehne mich mit dem zweiten Kaffee zurück. »Ganz ehrlich, das Ganze ist nur noch deprimierend.«

»Wem sagst du das?«

In einvernehmlichem Schweigen schauen wir hinaus auf die Marina.

Die Nachmittagssonne glitzert auf der freien Wasserfläche in der Mitte, die Boote und Jachten an ihren Liegeplätzen rundherum wiegen sich in der leichten Brise. Von dort aus schallt das typische Klingen und Klirren von Takelagen herüber, Metall auf Aluminium. Das eine oder andere Gummiquietschen, das Schwappen von Wasser gegen Rümpfe. Und natürlich das unerlässliche Möwengeschrei.

Unvermittelt gleitet eine strahlend weiße Jacht hinter der meerseitigen Landzunge heran, deren Segel bereits eingeholt wurden, und ich beobachte ihre Einfahrt.

Die dauert nicht allzu lange, denn das Boot wird zu einem Liegeplatz am letzten Schwimmsteg auf der rechten Seite gesteuert, gewendet, und zum Schluss springt eine Person hinaus, um es vorn und hinten festzuzurren.

Ich sehe Eileen an und deute hinüber. »Machen wir noch einen Spaziergang an den Booten vorbei? Da ist gerade jemand frisch angekommen.«

»Sicher.« Sie schaut sich nach der Kellnerin um, winkt sie heran.

Kurz darauf begleichen wir die Rechnung, verabschieden uns und verlassen die Terrasse. Laufen zum Steinweg hinab und rechts herum am Ufer entlang.

Dabei kommen wir an Larrys Pub vorbei, der erst um 17 Uhr öffnet, und der langen Halle daneben, in der eine Bootswerft sowie Einlagerungsflächen untergebracht sind. Auf der anderen Seite des Weges führt eine flache Rampe ins Wasser und dahinter beginnt der Schwimmsteg, an dem vornan drei Boote von Einwohnern liegen, dann fremde.

Wir begutachten das jeweilige Modell nach Form, Eleganz, möglichem Alter und Namen, natürlich rein amateurhaft. Und am Ende gelangen wir zu der gerade eingetroffenen Segeljacht.

»Wow!« Eileen pfeift durch die Zähne.

»Oh ja, wunderschön.« Voller Bewunderung betrachte ich die sportlich-elegante Form des sichtlich nagelneuen Bootes. »Wie heißt es?«

»Warte, ich gucke mal nach.« Sie geht zurück zum Heck.

»Star Chaser.« Die Stimme erklingt genauso plötzlich, wie abrupt der Mann dazu aus dem Innenraum auftaucht.

Meine Freundin stößt einen leisen Schrei aus, ich fahre zusammen.

Er tritt an Deck, richtet sich auf und nickt uns zu. »Guten Tag, Ladys. Kann ich helfen?«

Ich mustere seine große, athletische Gestalt, die in blaue Chinos und ein passendes Poloshirt gehüllt ist. Dazu trägt er ein Basecap mit dem Namen seines Seglers, doch darunter erkenne ich kurzes braunes Haar. Vermutlich ist er etwa in Nashs Alter, Mitte bis Ende zwanzig, aber in seinen braunen Augen spiegelt sich ein gewisser Ernst, der da nicht sein sollte.

»Wir haben nur das Boot bewundert, eine echte Schönheit.« Eileen tritt neben mich.

»Danke. Ich habe mich auch direkt in sie verliebt.« Er lächelt und zuckt leicht mit den Schultern.

Hm, diese Geste habe ich schon einmal gesehen.

»Sieht ziemlich neu aus.«

»Ist es.«

Ich neige den Kopf. »Verzeihen Sie meine Neugier, aber waren Sie schon einmal hier? Sie kommen mir bekannt vor.«

Ohne Vorwarnung verschließt sich sein Gesicht. »Nein, tatsächlich ist das mein erster Besuch hier in der Gegend.«

»Oh, dann herzlich willkommen in North Haven, wo alle Gäste zur Familie gehören. Wie lange willst du bleiben?«

Wieder zuckt er mit den Schultern. »Vielleicht ein paar Tage. Ich segle die Küste hinunter und lasse mich treiben.«

Meine Freundin seufzt verträumt. »Hört sich nach einem wunderbaren Urlaub an. Sich mit dem Wind treiben lassen. Ankern, wo es einem gefällt ...«

»Ja, mal sehen.« Sein Lächeln wirkt gezwungen.

»Ich bin übrigens Abbie MacNamara.« Mit ausgestreckter Hand trete ich an den Rand des Schwimmstegs, beuge mich vor.

Der junge Mann zögert, schlägt jedoch ein. »Sean.«

»Hallo, Sean. Ich lebe drüben am Leuchtturm und betreue unser Heimatmuseum.« Ich deute vage in die entsprechende Richtung. »Komm gern vorbei, wenn du etwas über den Ort, seine Geschichte und Menschen erfahren möchtest.«

»Und ich bin Eileen Moore, mir gehört der Handarbeitsladen, Needles & Pins.« Sie hebt die Hand.

»Klingt auf jeden Fall interessant. Was kann man hier sonst noch unternehmen?«

»Abgesehen von Strand und Tierpark? Die Ruhe genießen, seinen Gedanken lauschen.« Eileen lacht.

Ein gequälter Ausdruck huscht über seine Züge. »Ah.«

Ich schnalze mit der Zunge und sehe sie vorwurfsvoll an. »Willst du ihn gleich wieder verjagen?« Wende mich Sean zu und winke ab. »Lass dich davon nicht abschrecken. North Haven ist wirklich zauberhaft, schau dich einfach um und lass alles auf dich wirken. Und falls du uns Einheimische kennenlernen möchtest, komm sonntagabends in Baldwin’s Bar, das liegt direkt am Nordstrand. Dort wird viel geredet, gelacht, getrunken und getanzt. Ach ja, und leckeres Essen gibt es bei Jude auch.«

»Danke für den Tipp.«

»Immer gern. Und jetzt haben wir dich lange genug belästigt. Genieß deinen Aufenthalt.«

Er nickt.

Wir verabschieden uns, drehen um und schlendern zurück Richtung Parkplatz.

Zunächst schweigen wir, doch sobald wir den Schwimmsteg verlassen haben, ergreift Eileen das Wort. »Merkwürdiger Kerl.«

»Warum?«

»Hast du den Ausdruck in seinen Augen gesehen?«

»Allerdings.«

»Viel zu ernst für sein Alter.«

»Vielleicht war er beim Militär und hat zu viel Scheiße erlebt.«

»Hm, nein, der Typ hat Geld.«

»Oder ein Schicksalsschlag. Unfall, Krankheit, Tod. Eltern oder Frau verloren.«

»Ja, möglicherweise.«

Lächelnd stoße ich ihr den Ellbogen in die Seite. »Hör auf zu grübeln, wir werden ihn vermutlich nie wiedersehen.«

»Quatsch! Er kommt bestimmt morgen in meinen Laden und sucht Garn für sein nächstes Strickprojekt aus.«

Wir sehen uns an und brechen in Gelächter aus.

»Meinst du, er ist allein unterwegs?«

Ich schürze die Lippen. »Er hat nur von sich gesprochen und ich habe keinen Ring gesehen oder Geräusche aus dem Schiff gehört. Ach ja, und das Anlegen hat er auch allein erledigt.«

»Du mit deiner Beobachtungsgabe.«

»Jahrzehntelange Schulung durch den Job.«

»Weshalb du auch mindestens die halbe Stadt kennst.«

»Eher dreiviertel.«

»Weißt du, was ich glaube?«

Wir sind an meinem Wagen angekommen und ich gehe zur Fahrerseite, schaue sie über den offenen Innenraum hinweg an. »Na?«

»Du bist das Herz von North Haven.«

In meiner Brust wird es warm und weich. »Oh, du bist so süß.«

»Nein, ehrlich! Du stammst in direkter Linie von den Einwandererfamilien ab, bist hier aufgewachsen und warst fast nie fort. Du kennst unsere gesamte Historie, die Leute und ihre Geschichten. Bist für alle da, nutzt dein Einfühlungsvermögen in sämtlichen Lebenslagen und wendest sogar Katastrophen ab. Nur dank dir strotzt der Ort vor Harmonie.«

»Ist doch besser als Streitereien.«

»Natürlich. Und ich bin sehr froh, dass du es fortführst. Deine Vorfahrinnen und Vorfahren wären stolz auf dich.«

»Ich gebe mein Bestes.«

»Das wissen wir alle. Die Frage ist nur, wer nach dir diesen Job übernehmen soll.«

Bedauernd verziehe ich das Gesicht, leider waren Arthur und mir keine Kinder vergönnt. »Tja, keine Ahnung.«

»Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken.«

Ich schaue einen Moment auf die Marina hinaus.

Ja, möglicherweise sollte ich das tun.

Und nach würdigen Kandidatinnen oder Kandidaten Ausschau halten.

Das Zuschlagen der Beifahrertür holt mich in die Realität zurück und ich schiebe mich hinter das Lenkrad.

In gemütlichem Tempo fahre ich ins Zentrum, halte am Straßenrand vor Eileens Haus.

Sie steigt aus, nimmt ihre Tüten aus dem rückwärtigen Fußraum und schließt die Tür zu. »Sehen wir uns am Sonntag bei Jude?«

»Na klar, wie immer!«

»Hast du etwas dagegen, wenn Matt einen seiner Jagdfreunde mitbringt?«

»Solange ihr uns nicht verkuppeln wollt ...«

»Nein, Quatsch, der ist verheiratet.«

»Was ist dann mit seiner Frau?«

»Besucht ihre Schwester in Florida. Hat sich wohl ein Bein gebrochen und braucht Hilfe.«

Ich atme erleichtert auf. »Okay.«

»Super. Wir sehen uns.«

»Ja, bis dann.«

Wir heben beide zum Abschied die Hand, dann lege ich den ersten Gang ein und fädle mich wieder in den Verkehr ein.

Anstatt direkt nach Hause zu fahren, folge ich der Main Street und biege gegenüber der Feuerwache ab. Ein Stück hinter dem Tierpark befindet sich unser Supermarkt und ich springe schnell hinein, um ein paar frische Lebensmittel einzukaufen.

Natürlich treffe ich dort Einheimische, junge wie alte, und wechsle einige Worte. Weshalb ich erst eine Stunde später die Papiertüte auf den Beifahrersitz stelle und weiterfahre.

Ich nehme den Rückweg, der am Oceanview Café vorbeiführt, und verringere das Tempo, sobald ich in die Küstenstraße eingebogen bin. Und tatsächlich entdecke ich Ivy auf der Terrasse des Lokals, wie sie an einem Tisch serviert.

Kurz entschlossen biege ich auf den Parkplatz ab, den sich Café, Souvenirladen und Tattoo-Studio teilen. Finde eine Lücke und parke den Beetle.

Am Eingang zu Esmes Geschäft, in dem sie neben klassischen Andenken auch handgefertigte Produkte anbietet, herrscht stetiges Kommen und Gehen. Einige der Touristinnen und Touristen schlendern direkt zum Oceanview hinüber und ich schließe mich ihnen an. Höre ihre Frage nach den Öffnungszeiten.

»Wir sind von 10 bis 20 Uhr für Sie da, montags ist Ruhetag«, erklingt Ivys melodische Stimme. »Oder Sie kommen am Samstag zur Beachparty am Nordstrand, da werde ich ebenfalls meine Kuchen verkaufen.«

Die Leute bedanken sich und gehen.

Ich laufe zu ihr, breite lächelnd die Arme aus. »Hallo, Ivy, wie geht es dir?«

»Abbie, hi!« Herzlich erwidert sie die Umarmung, tritt zurück und streicht sich eine schwarze Haarsträhne aus dem blassen Gesicht.

»Ist es also endlich fertig, ja?« Ich lasse den Blick über das Gebäude gleiten.

»Ja, zum Glück. Ist blöd gelaufen.«

»Hat Colin etwa deinen Auftrag vergessen?«

»Nein, er kann nichts dafür. Urlaub und Krankheit, wie immer.«

»Und einer hat gekündigt.«

»Genau.«

Ich schnalze mit der Zunge. »Na, wenigstens läuft es jetzt wieder. Und für die nächsten Jahre hast du ja Ruhe.«

»Genau.«

»Schön, dann kommen Eileen und ich nächste Woche mal auf einen deiner leckeren Kuchen vorbei. Und schicken bei der Beachparty auch alle zu dir.«

»Sehr gern.«

»Hast du wieder Flyer, die ich im Museum auslegen kann?«

»Nein, noch nicht. Ich habe eine Agentur in Portsmouth mit neuen Bildern und Werbematerial beauftragt, die kommen auch nächste Woche.«

»Ah, perfekt. Ich sehe schon, du hast alles im Griff.«

Ihr hübscher, natürlich rot wirkender Mund verzieht sich zu einem stolzen Lächeln. »Ich bemühe mich.«

»Ach was, mach dich mal nicht kleiner, als du bist. Immerhin stemmst du das alles hier allein.«

»Vergiss meine Saisonkräfte nicht.«

»Die nehmen dir nicht die unternehmerische Seite ab.«

»Nein, stimmt.«

»Na, siehst du.« Ich streiche ihr über den Arm. »Also, wir sehen uns nächste Woche. Viel Erfolg am Wochenende.«

»Danke, bis dann.«

Ich kehre zu meinem Wagen zurück, winke Kyle durch das Schaufenster seines Tattoo-Studios zu und fahre nach Hause. Ergattere den Parkplatz gleich neben der Fußgängerbrücke zum Leuchtturm und schließe das Verdeck meines Oldtimers. Dann schnappe ich mir sämtliche Einkäufe, verriegle den Wagen und balanciere sie zu dem Tor, das den Zugang zur Brücke versperrt.

Zum Glück schaffe ich es, nichts davon beim Aufschließen, Hindurchgehen und Verriegeln fallenzulassen. Oder auf dem Weg zum Haus und in die Wohnung hinauf, die sich im ersten Stock über dem Heimatmuseum befindet.

Dort stelle ich sämtliche Tüten auf dem Küchentisch ab, werfe einen Blick auf das offene Meer und laufe in den Eingangsbereich, um Handtasche, Schlüssel und Schuhe loszuwerden.

Zurück in der Küche schalte ich das Radio an, das auf den Lokalsender unserer Stadt eingestellt ist. Pfeife einen sommerlichen Oldie mit, verräume meine Einkäufe und mache mir eine Tasse Kaffee. Damit gehe ich hinaus auf den u-förmigen Balkon, der die kurze Seite des Gebäudes umschließt, und zum landseitigen Arm. Lehne mich mit dem Bauch gegen das Geländer, führe die Tasse mit beiden Händen an die Lippen und lasse den Blick über die Felsküste schweifen.

Die Frühabendsonne taucht die Stadt in hellorangefarbenes Licht, die Schatten der Touris am Aussichtspunkt gegenüber werden länger. Darüber segeln Möwen im ablandigen Wind und unten spülen Wellen über das schroffe Gestein.

Ich seufze zufrieden.

Es gibt keinen schöneren Ort auf der Welt als diesen.

Entspannt genieße ich meinen Kaffee, denke an die Begegnungen und Ereignisse des heutigen Tages.

Und bleibe an einem Gesicht hängen.

Sean.

Er hat gesagt, er war noch nie in North Haven.

Trotzdem kam er mir seltsam bekannt vor.

Aber wie soll ich herausfinden, woher?

Hm.

Wie wäre Arthur vorgegangen?

Er war schließlich Polizeichef hier in North Haven.

Ein Foto habe ich von dem Segler nicht, nur den Vornamen.

Keine weiteren Anhaltspunkte.

Halt!

Das Boot. Die Star Chaser.

Aufgeregt eile ich zurück in die Wohnung und zum Schreibtisch im Wohnzimmer. Setze mich hin, klappe den Laptop auf und trommle mit den Fingern auf die Tischplatte, bis das System hochgefahren ist.

Eilig öffne ich den Browser, gebe die drei Wörter in die Suchleiste ein und tippe auf Enter. Eine Sekunde später flutet Text den Bildschirm, doch ich klicke auf »Bilder«.

Auch in dem Bereich gibt es unzähliges Material, das ich Stück für Stück sichte.

Aus heiterem Himmel stutze ich, kneife die Augen zusammen, sehe genauer hin.

Der Typ hat längeres Haar und wirkt fast arrogant gut gelaunt, aber er könnte es sein.

Ich klicke darauf, folge dem Link zu einer Gossip-Website und lese die Schlagzeile.

Im Schnelldurchgang überfliege ich den Artikel, finde den Namen des Bootes und auch seinen.

Am Ende des kurzen Textes, der fast zwei Jahre alt ist, wird ein Link aufgeführt, der mich angeblich ebenfalls interessieren könnte.

Und ich schnappe bestürzt nach Luft.

1.

»Ja, ich treffe mich seit ein paar Wochen mit Roxy.« Genervt hebt Peter die Hände. »Aber es ist nur Sex. Wirklich.«

Mir wird heiß, in meinem Magen bildet sich ein fetter Stein und Tränen brennen in meinen Augen.

Reiß dich zusammen und zieh das gefälligst durch!

Also schlucke ich, recke das Kinn.

Beschämt und wütend, vor allem auf mich selbst.

»Verschone mich mit deinem Gelaber, das sind eh nur Lügen. Ich mag zwar blond sein, aber keinesfalls blöd. Mir ist klar, dass sie im Bett die Dinge mit dir treibt, die ich nie wollte.«

»Du weißt echt nicht, was du verpasst, Becky.«

»Halt den Mund! Ich will gar nicht wissen, wie pervers du bist.«

Peter schnaubt und bedenkt mich mit einem verächtlichen Blick. »Du bist einfach nur total gefrustet.« Damit wendet er sich ab und läuft zur Hausbar. Schenkt sich einen Wodka ein und leert das Glas zur Hälfte, dreht sich grinsend zu mir um. »Lass uns heute Abend zu dritt ausgehen und wir zeigen dir, was wirklich abgeht.«

Fassungslos starre ich in sein blasses, gepflegtes Gesicht unter dem gewollt zerzausten blonden Haar.

Wie sehr hat er sich eigentlich verstellt, als wir uns kennenlernten?

Hat er schon immer ein Doppelleben geführt?

Aber wozu?

Für ein bisschen Ruhm und Rampenlicht an meiner Seite?

Den Push für seine Followerzahlen und die Reichweite?

Fuck, ich wünschte, ich hätte seine Neigungen eher erkannt.

Entschieden straffe ich die Schultern. »Es reicht. Sieh zu, dass du deinen Kram hier weg schaffst.«

»Du schmeißt mich raus?«

»Das macht man so, wenn man eine Beziehung beendet.«

»Dein Ernst?«

Peter kommt auf mich zu, doch ich weiche zurück und hebe eine Hand. »Spar’s dir einfach, es ist aus. Ich fahre ein paar Tage weg, dann kannst du in Ruhe ausziehen.«

»Und wo soll ich hin?«

Mir entfährt ein Lachen. »Sexy Roxy wird dich bestimmt mit Freuden aufnehmen. Oder du ziehst vorübergehend wieder zu deinen Eltern.«

Aus zusammengekniffenen Augen starrt er mich an, seine Gesichtszüge verhärten sich. »Das wird dir noch leidtun.«

»Wohl kaum.«

»Verklemmte Bitch.« Damit marschiert er an mir vorbei in den Flur, ein Schlüsselbund klirrt, dann knallt die Tür zu.

Schlagartig weicht die Anspannung aus meinem Körper und ich stoße die Luft aus.

Gehe zum Wohnzimmerfenster, halte mich am Fensterrahmen fest und schaue auf die Straße hinab.

Peters gelber Camaro parkt am Gehweg vor dem Hauseingang und kurze Zeit später eilt er darauf zu. Springt hinters Steuer, ohne sich noch einmal umzusehen, startet den Motor und röhrt mit quietschenden Reifen davon.

Erleichtert schließe ich die Augen, atme tief durch und laufe ins Schlafzimmer. Zerre meine zwei großen Koffer unter dem Bett hervor und beginne zu packen.

Eine halbe Stunde später ziehe ich die Reißverschlüsse der beiden Trolleys zu und rolle sie zur Wand neben der Wohnungstür. Danach hole ich eine Reisetasche und befülle sie mit persönlichen Dingen, die Peter keinesfalls in die Finger bekommen soll. Zwei Ordner mit Papieren, Tagebuch, Schmuck, Fotos, Jobunterlagen.

Zusammen mit meiner prall gefüllten Laptoptasche lege ich die große Tasche zu den Koffern. Mache einen letzten Rundgang, schließe die Fenster und kontrolliere, ob ich auch nichts vergessen habe.

Am Ende bleibe ich mitten im Wohnbereich stehen und sehe mich um.

Eigentlich traurig, wie wenig von mir in dieser Wohnung vertreten ist. Nicht einmal Dekoration oder Bilder an den Wänden, kein Bücherregal.

Trotzdem bin ich froh über die Regelungen, die wir beim Einzug getroffen haben.

Die Raten und die laufenden Kosten für die Wohnung waren von Anfang an mein Anteil, Peter hat die alltäglichen Ausgaben übernommen und fast die gesamte Einrichtung aus seinem Apartment mitgebracht. Mir gehören lediglich der Schreibtisch und der Lesesessel, die letzten Überbleibsel aus meiner Studienzeit in New York, doch darauf kann ich im Zweifel verzichten.

Auch deshalb fällt es mir heute leicht, diesen Schlussstrich zu ziehen und mich vorübergehend von der Wohnung zu verabschieden.

Wenn ich zurückkehre, sind die Räume leer und ich kann von vorn anfangen.

Nur gut, dass meine Eltern meine Büchersammlung sowie die Erstausgaben meiner Veröffentlichungen für mich verwahren.

Bücher gehören nicht in Peters Lebenskonzept, Romane schon gar nicht. Obwohl ich mein Geld überwiegend als Autorin verdiene. Ich musste beim Lesen sogar auf E-Books umsteigen, nachdem wir vor sechs Monaten zusammengezogen sind.

Ohne Vorwarnung steigt neuer Ärger in mir auf.

Jesus, warum habe ich mich dermaßen für ihn verbogen?

Mich praktisch selbst aufgegeben?

Kein Mann ist das wert.

Und es entspricht auf keinen Fall wahrer Liebe, das vermittle ich in jedem meiner Bücher.

Mein Verstand lacht höhnisch.

Schreib deine Liebesromane, aber im wahren Leben existiert so etwas nicht.

Tja, vielleicht hat mein Kopf recht. Zumindest in gewisser Weise.

Am besten verabschiede ich mich von der romantischen Vorstellung, eines Tages den richtigen Mann zu finden.

Mit 25 Jahren.

Schon irgendwie arm, oder?

Egal.

Ich schüttle mich, ziehe mein Smartphone aus der Handtasche und tippe eine Nachricht an meine beste Freundin in New York.

Ich:Du darfst mich beglückwünschen, ich habe Schluss gemacht. Fahre erst einmal eine Woche weg, damit er ausziehen kann. Kuss, Becca.

Die Antwort kommt postwendend, begleitet von Emojis, einem knallenden Sektkorken und einer Party-Tröte.

Jill: Bravo! Ich bin stolz auf dich! Wohin willst du?

Ich: Keine Ahnung, ich fahre einfach nach Norden, die Küste entlang, und bleibe, wo es mir gefällt.

Jill: Okay. Melde dich, wenn du etwas gefunden hast. Ab sechs bin ich zu Hause, dann können wir telefonieren.

Ich schicke ihr ein Daumen-hoch-Emoji, stecke das Telefon an seinen Platz in meiner Handtasche und schultere sie. Befördere meine Sachen aus der Wohnung und schließe die Tür hinter mir.

Sobald das Gepäck in meinem Wagen verstaut ist, werfe ich mich hinters Steuer. Schalte das Radio ein und fahre auf der US-1 aus Boston hinaus Richtung Norden.

Bis zum Rand der Vorstädte herrscht starker Verkehr und ich bin abgelenkt, doch dahinter verselbstständigen sich meine Gedanken und wandern automatisch zum gestrigen Abend.

---ENDE DER LESEPROBE---