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Es handelt sich hier um eine Sammlung alter Märchen! Vom gestiefelten Kater bis zu Rumpelstilzchen ist alles vertreten und kann in diesen kleinen Sammlungen alleine gelesen oder mit den Kindern genossen werden! Die Bücherreihe deckt die klassischen Märchen der deutschen Literatur ab!
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Seitenzahl: 38
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Markus Kalmann
Klassische Märchen für Groß und Klein 1
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Bauer und sein Sohn (Eduard Mörike)
Der Bauer und sein Sohn (Eduard Mörike)
Der gestiefelte Kater (Charles Perrault)
Die Feen (Charles Perrault)
Impressum neobooks
Morgens beim Aufstehn sagt einmal der Peter ganz erschrocken zu seinem Weib: "Ei, schau doch, Ev', was hab' ich da für blaue Flecken! Am ganzen Leib schwarzblau! - und denkt mir doch nicht, daß ich Händel hatte!" "Mann!" sagte die Frau, "du hast gewiß wieder den Hansel, die arme Mähr, halb lahm geschlagen? Vom Ehni hab' ich das wohl öfter denn hundertmal gehört: wenn einer sein Vieh malträtiert, sei's Stier, sei's Esel oder Pferd, da schickt es seinem Peiniger bei Nacht die blauen Mäler zu. Jetzt haben wir's blank." Der Peter aber brummte: "hum, wenn's nichts weiter zu bedeuten hat!" schwieg still und meinte, die Flecken möchten ihm den Tod ansagen; deshalb er auch etliche Tage zahm und geschmeidig war, daß es dem ganzen Haus zugut kam. Kaum aber ist ihm die Haut wieder heil, da ist er wie immer der grimmige Peter mit seinem roten Kopf und lauter Flüchen zwischen den Zähnen. Der Hansel sonderlich hatte sehr böse Zeit, dazu noch bittern Hunger, und wenn ihm oft im Stall die Knochen alle weh taten von allzu harter Arbeit, sprach er wohl einmal vor sich hin: ich wollt', es holte mich ein Dieb, den würd' ich sanft wegtragen!Es hatte aber der Bauer einen herzguten Jungen, Frieder mit Namen, der tat dem armen Tier alle Liebe. Wenn die Stalltür aufging, etwas leiser wie sonst, drehte der Hansel gleich den müden Kopf herum, zu sehn, ob es der Frieder sei, der ihm heimlich sein Morgen- oder Vesperbrot brachte. So kommt der Junge auch einmal hinein, erschrickt aber nicht wenig: denn auf des Braunen seinem Rücken sitzt ein schöner Mädchenengel mit einem silberhellen Rock und einem Wiesenblumenkranz im gelben Haar und streicht dem Hansel die Bückel und Beulen glatt mit seiner weißen Hand. Der Engel sieht den Frieder an und spricht:
"Dem wackern Hansel geht's noch gut,Wenn ihn die Königsfrau reiten tut.Arm FriederWird Ziegenhüter,Kriegt aber Überfluß,Wenn er schüttelt die Nuß,Wenn er schüttelt die Nuß!"
Solches gesagt, verschwand der Engel wieder und war nicht mehr da. Den Knaben überlief's, er huschte hurtig aus der Tür. Als er aber den Worten, die er vernommen, weiter nachsann, ward er fast traurig. "Ach!" dachte er, "der Ziegenbub vom Flecken sein, das ist doch gar ein faul und ärmliches Leben, da kann ich meiner Mutter nicht das Salz in die Suppe verdienen. Aber Nüss'? Woher? In meines Vaters Garten wachsen keine; und wenn ich sie auch ganzer Säcke voll schütteln sollte, wie der Engel verheißt, davon wird niemand satt. Ich weiß, was ich tun will, wann ich die Ziegen hüten muß: ich sammle Besenreißig nebenher und lerne Besen binden, da schafft sich doch ein Kreuzer." Solche Gedanken hatte Frieder jenen ganzen Tag, sogar in der Schule und schaute darein wie ein Träumer. "Wieviel ist sechs mal sechs?" fragte der Schulmeister beim Einmaleins. "Nun, Friederl, was geht dir heut im Kopf herum? schwätz!" Der Bub, voll Schrecken, wußte nicht, sollt' er sagen: Besenreißig oder sechsunddreißig, denn eigentlich war beides richtig; er sagte aber: "Besenreißig!" Da gab es ein Gelächter, daß alle Fenster klirrten, und blieb noch lang ein Sprichwort in der Schule, wenn einer in Gedanken saß: der hat Besenreißig im Kopf.In der Nacht konnte Frieder nicht schlafen. Einmal kam es ihm vor, als sei es im Hof nicht geheuer; er richtete sich auf und sah durchs Fenster über seinem Bett. Sieh da!, drang eine Helle aus dem Stall und kam der Hansel heraus und der Engel auf ihm, der ritt ihn aus dem Hof so sachten Tritts, als ging es über Baumwolle weg. Im ersten Augenblick will Frieder schreien, doch gleich besinnt er sich und denkt, es ist ja Hansels Glück! - legt sich also geruhig wieder hin und weint nur still in die Kissen, daß jetzt der Hansel fort sein soll und nimmer wiederkommen.
