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In der Geschichte geht es um das Leben in Münzelsbach, einer Kleinstadt am Rande des Fläming, wo sich im sonst tristen Alltag doch Dinge ereignen, wie Korruption, Brandstiftung bis hin zum Mord, die üblicherweise nicht auf der Tagesordnung stehen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei zugereiste junge Frauen, ein vom Dienst suspendierter Polizist, ein Patient und Kinder aus der Grundschule. Am Rande der Stadt in einem Park steht ein altes herrschaftliches Haus mit großem Garten, was seit einigen Monaten eine Klinik beherbergt. Was geschieht dort wirklich, mutmaßen die Bürger von Münzelsbach. Die Örtliche, die nahezu täglich erscheinende Tageszeitung, hat anlässlich der Eröffnung des Hauses Instenburg nur ansatzweise über eine Grundausrichtung der Klinik berichtet und somit der Gerüchteküche Tür und Tor geöffnet. Was geschah dort tatsächlich?
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kleinstadtgeflüster ist die Neufassung von Am Anfang war – Die Parallelgeschichte.
Hierbei geht es um das Leben in Münzelsbach, einer Kleinstadt am Rande des Flämings, wo sich im sonst tristen Alltag doch Dinge ereignen, wie Korruption, Brandstiftung bis hin zum Mord, die üblicher Weise nicht auf der Tagesordnung stehen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei zugereiste junge Frauen, ein vom Dienst suspendierter Polizist, ein Patient und ein Junge aus der Grundschule. Am Rande der Stadt in einem Park steht ein altes herrschaftliches Haus mit großem Garten, was seit einigen Monaten eine Klinik beherbergt. Was geschieht dort wirklich, mutmaßen die Bürger von Münzelsbach. Die Örtliche, die nahezu täglich erscheinende Tageszeitung, hat anlässlich der Eröffnung des Hauses Instenburg nur ansatzweise über eine Grundausrichtung der Klinik berichtet und somit der Gerüchteküche Tür und Tor geöffnet. Was geschah dort tatsächlich?
Mein Dank gilt an der Stelle Mathilde Gläser und Caro. Mit beiden schrieb ich einst unter Federführung von Mathilde an der Novelle „Am Anfang war …“.
Die Wege trennten sich.
Mathilde schrieb ihre Novelle „Am Anfang war …“ allein zu Ende, ich versuchte „Die Parallelgeschichte“, welche in der überarbeiteten Fassung hier als „Kleinstadtgeflüster“ vorliegt.
Natürlich empfehle ich auch im Netz unter https://mathildeglaeser.blog.
„Am Anfang war“ zu lesen lohnt sich!
Mit dem Handy stand er am Bahnhof von Münzelsbach und wartete auf den 7.35 Uhr- Zug aus der Kreisstadt. Sie hatte ihm ein Bild von einer gewissen Monika Pitsch geschickt, mit der eindeutigen Anweisung zu verhindern, dass diese Frau das Haus „Instenburg“ jemals erreicht. Er war es gewöhnt Anweisungen von ihr zu erhalten und mit keiner Silbe dachte er daran, den Befehlen nicht Folge zu leisten. Einen schmächtigen jungen Mann hatte sie ihm zur Unterstützung geschickt, Fragen gab es nicht, ihre Zeilen waren eindeutig. Er schaute auf seine Armbanduhr, der Zug müsste schon da sein, also Verspätung, wie typisch für die Bahn, eine Anzeige der Verspätung gab es natürlich auch nicht. Sie warteten 10 Minuten, da schloss sich die Schranke begleitet vom Signalton und dann war auch der sich annähernden Zug zu sehen. Also jetzt Augen auf, die Frau durften sie nicht verpassen. Die große schwarzhaarige etwas Korpulente musste es sein, sie ließen sie passieren und nahmen die Verfolgung auf. Sie hatten richtig vermutet, die Frau wollte nicht auf den Bus warten, sie war ja auch schon spät dran und bog auf den naheliegenden Parkweg ein. Sie ließen sie noch reichlich 200 Meter in den Park rein laufen, kontrollierte ob ein Passant in der Nähe war, keiner zu sehen, die Luft schien rein, also Zugriff.
Dann ging alles ziemlich schnell, sie mussten sie allerdings erst mal verstecken, denn hier liegen lassen, wollten sie sie nicht, also warten bis zur Dunkelheit.
„Willkommen in Münzelsbach, hier bin ich Mensch, hier fühl ich mich wohl!“ prangt es einladend, in großen Lettern, auf einem Schild am Ortseingang, ganz so wie es zu einem kleinen, stolzen, nicht ganz modernen Örtchen wohl gehört. Hübsch sieht es aus, immer mehr Häuser werden saniert und auf Denkmalschutz wird großer Wert gelegt. Das gehört zur Stadtkultur, wie zu den Menschen, die alle sehr darauf bedacht sind, nach außen ein Bild der Normalität und des Einklangs zu zeigen.
An der östlichen Grenze Anhalts liegend, blickt der Ort auf eine längere Geschichte zurück, als Anhalt selbst. Erstmals erwähnt wurde Münzelsbach im Jahre 1187. Der Ort gehörte zum Einflussgebiet der Askanier und liegt traumhaft zwischen den Hügeln des Flämings im Norden und der abwechslungsreichen Auenlandschaft im Süden. Die Stadt hat sich im vorgeschichtlichen Siedlungsgebiet am nördlichen Hochufer der Elbe im Kreuzungspunkt mittelalterlicher Handelsstraßen nach Magdeburg, Leipzig und Berlin entwickelt. Zum Ärger der Anwohner bilden die alten Verkehrswege auch heute noch die Hauptstraßen der Innenstadt. Der immer mehr zunehmende LKW – Verkehr droht die Innenstadt zu erdrücken. In Spitzenzeiten muss man, will man die Straße überqueren, sehr viel Geduld aufbringen, vom Lärm und Dieselgestank mal ganz abgesehen. Eine Umgehung ist längst überfällig, aber durch den Einspruch weniger zu Lasten der Mehrheit und der innerstädtischen Bausubstanz immer wieder verhindert wurden.
Ältestes Gebäude, im Herzen der Stadt, ist die Sankt Nicolai Kirche, ein Sakralbau mit Ersterwähnung aus dem Jahr 1150. Die in Teilen im echten romanischen Stil noch erhaltene Kirche konnte im Rahmen des Förderprogrammes Städtebaulicher Denkmalschutz, mit Unterstützung von Stiftungen, umfangreich, innen und außen restauriert werden. Im Inneren beeindruckt besonders der große Altaraufsatz. Aus der Schaffenszeit von Lucas Cranach d.J. überdauerten drei Bildwerke das kriegerische 17. und 19. Jahrhundert, welche noch heute in der Kirche zu bewundern sind.
Das sich dahinter befindende ehemalige Nonnenkloster, welches 1272 erbaut wurde, dient nach Sanierung heute als Stadtmuseum. Mit den im Karree befindlichen Gebäuden bildet der so genannte Klosterhof eine Einheit und wird heute für Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen genutzt.
Ebenfalls im Zentrum von Münzelsbach befindet sich ein Schloß, welches an Stelle einer Burg, die zur Überwachung der Schifffahrt errichtet worden war. 1555/56 schufen die Bauleute im Auftrag des Fürsten Wolfgang von Anhalt einen vierflügeligen Schloßbau im Renaissancestil. Heute bemüht sich ein Verein mit aufwendiger Sanierung den Gebäudekomplex als Kulturstätte mit einer Breitennutzung, die auch kostendeckend sein soll, der öffentlichen Nutzung zu zuführen. Mit seinem gelben Anstrich ist das Schloß am Elbufer zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.
Das 500 Jahre alte Rathaus, was überwiegend im Renaissancestil erbaut wurde, begrenzt den Marktplatz zur östlichen Seite. Nach Süden und Westen begrenzen ihn Bürgerhäuser, unter ihnen im Süden die Apotheke am Markt und ein Getränkekiosk mit Ausschankgenehmigung, im Westen ein neu eröffnetes Teehaus und ein Blumenladen, an der nördlichen Flanke führt die Hauptmagistrale der Stadt, die Schloßstraße, am Marktplatz vorbei.
Auf dem Marktplatz befand sich ein Wasserbassin für Feuerlöschzwecke, an welchem eine markante Szene für den Film „Spur der Steine“ gedreht wurde. 1998 entschloss man sich den Teich, aufgrund erheblichen Sanierungsbedarfs, zuzuschütten und den heutigen Marktplatz zu errichten. Zweimal die Woche ist hier Bauernmarkt, ansonsten gilt er als beliebter Treffpunkt für Jugendliche, welche mangels ansonsten weniger Möglichkeiten im Ort, im Schatten der Bäume auf den dort stehenden Bänken chillen und laut Musik hören.
Zu Weihnachten steht hier auch der obligatorische Weihnachtsbaum.
Zur Freude der Ratsherren von Münzelsbach findet der gut betuchte Bürger in der Friederikenstraße, welche als Fußgängerzone ausgeschildert ist, den ehrwürdigen Whisky- Club (for men only)
Auch eine Heilquelle gab es einst in Münzelsbach, welche für ein Heilbad genutzt wurde und nachweislich Gichtkranken Linderung brachte. Heute ist sie leider verschüttet, auch findet sich bisher kein Investor, der die Quelle für die Öffentlichkeit wieder zugänglich macht.
Dafür gibt es aber seit wenigen Jahren die Marina, einem Areal am Ufer der Elbe. Ein Ort der Entspannung, entstanden auf dem Gebiet der ehemaligen Farbenfabrik. Hier findet der Besucher einen großzügigen Caravanstell- und Campingplatz, Wassersport, Ferienbungalows und eine moderne gastronomische Einrichtung. Ein Ort der aktiven Erholung und Partyszene, ein Magnet für den Tourismus
Es empfiehlt sich die beeindruckende Elbauenlandschaft mal aus dem Paddelboot heraus zu entdecken und sich von der unberührten Natur inspirieren zu lassen.
Auch mit einer Fähre kann man die Elbe überqueren. Seit 1864 verkehrt hier eine sogenannte Gierfähre. Sie ist motorlos und wird von einem „V“ geteiltem Seil gehalten. Allein mit der Kraft der Wasserströmung und durch Schrägstellung des Fährkörpers wird sie durch den Fluss bewegt. Für ihre Fahrt über die Elbe benötigt die Fähre etwa 5 Minuten. Auf der anderen Seite erwartet den Besucher nach wenigen Kilometern das Wörlitzer Gartenreich. einem von Fürst Leopold Friedrich Franz von Dessau geschaffenen englischen Garten, der seit seiner Gründung für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist.
Das Flämingbad im Westen der Ortschaft bringt im Sommer Badespaß für die ganze Familie. Einmal im
Jahr, in der Feriensaison präsentiert der Jugendsender Sputnik hier ein „open air“- Festival, was von der hiesigen Jugend dankend angenommen wird. Das sich in Nachbarschaft befindliche Feriendorf wird gern von Schulklassen für Klassenfahrten gebucht.
Ein gut ausgebautes Radwegnetz bringt Touristen per Pedale zu einer einzigartigen Flora und Fauna, zu alten Feldsteinkirchen in den umliegenden Dörfern oder technischen Baudenkmälern.
Seit Neuesten gibt es aber auch am Rande der Stadt im Park eine Klinik, um die sich zahlreiche Mutmaßungen und Gerüchte ranken.
Wir haben jetzt Spätsommer.
Es sollte ein sonniger Tag werden, doch der herrschende Frühnebel ließ davon noch nichts erkennen. Alles war eingehüllt in Schlaf. Selbst die paar Menschen, die mit Maria, einer Medizinstudentin in der Bahn saßen, machten nicht den Anschein, als sein sie aus freien Stücken hier, nein vielmehr kuschelten sie sich in die harten Polster, als würde der gerade anbrechende Tag sie noch lange nichts angehen.
Überall Schlaf und Träume…
Schlaf…
Maria ist eine hübsche junge Frau mit auffällig guter Figur. Auf ihr Äußeres legte sie immer viel Wert, alles war aufeinander abgestimmt. Die Farbe der Schuhe passte zu ihren Jeans und der Farbe ihres Shirts, die leichte Jacke, die sie mitführte war im sanften Pastellton. Selbst ihre Umhängetasche war im Jeans Look. Ihren Koffer mit den restlichen Sachen hatte sie zum Hotel schicken lassen, schließlich wollte sie an diesem Ort doch die nächsten sechs Wochen verbringen.
In Münzelsbach auf dem Bahnhof angekommen, wollte Maria sich am dort hängenden Stadtplan nochmal über den genauen und günstigsten Wegverlauf zur Klinik kundig machen. Aber wie heute leider viel zu oft war der Plan durch Schmierereien verunstaltet und lies den Weg bestenfalls erahnen.
Der beschädigte Plan passte damit gut zum Bahnhofsgebäude, denn das hatte auch seine besseren Tage schon lange hinter sich. Kapute Flaschen und Unrat zierten den Tunnel von den Gleisen zum Gebäude und das Gebäude selbst. Die Bausubstanz war marode. Die Bahn als Eigner lies es regelrecht verfallen und die Stadt hatte dafür auch kein Geld. Die Bewirtschaftung wäre ein reines Verlustgeschäft, so hieß es, vom dringenden Renovierungsbedarf ganz abgesehen. Vor Jahren hatten die Stadtväter die Idee, zur Renovierung des Gebäudes ein Jugendprojekt auf den Plan zu rufen, um dort arbeitslose Jugendliche in Form von Praktika auf ihren möglichen späteren Beruf vorzubereiten, aber beim Plan ist es auch geblieben. Jetzt suchte man händeringend einen privaten Investor, der den öffentlichen Schandfleck beseitigt.
Für Maria hieß es jetzt improvisieren. Da sie nur noch eine knappe halbe Stunde bis zum Arbeitsbeginn hatte, wollte sie den Fußweg durch den nahegelegenen Park nutzen, den ihr ein Pfleger der Klinik bei ihrem Vorstellungstermin empfohlen hatte, zu nutzen, denn dann wäre sie angeblich in 20 Minuten am Ziel.
Aber eh sich Maria versah, stand sie mitten im Nirgendwo. Umgeben von Wald oder vielmehr seinem unheimlichen Bruder.
Maria wollte zur Arbeit, oder richtiger zur Klinik „Instenburg“, wo heute ihr Praktikum beginnen sollte. Doch im Nebel hatte sie leicht die Orientierung verloren. Was blieb ihr nun übrig, es war als verschlinge der Nebel alles um sie herum und das Einzigste was ihr einfiel war geradewegs in den am wenigsten gefährlich anmutenden Weg einzusteuern.
Sie konnte ja nicht ahnen, was sie dort erwarten würde…
Vorsichtig bewegte sie sich durch die weißen Schwaden, die kalt und feucht an ihrer Haut zu kleben schienen. Langsam bemerkte sie, wie ein unheimliches Gefühl der Beklemmung ihren Rücken empor kroch und die feinen Härchen dazu brachte sich zu sträuben.
Sie litt von Natur aus eigentlich nicht unter Panikattacken oder neigte zu hysterischen Anfällen, aber jetzt hatte sie das dringende Bedürfnis zu schreien. ihre Schritte beschleunigten sich während sie gleichzeitig versuchte, nicht zu fallen oder irgendwo gegen zu laufen.
Der Nebel wurde immer dichter und sie verfluchte sich innerlich dafür, dass sie natürlich den Weg durch diesen dunklen Park nehmen musste, war ja schließlich eine Abkürzung.
Um sie herum knackten Äste, wahrscheinlich Tiere, die ihr hastiger Gang aufgeschreckt hatte. Nur noch ein paar Meter und sie hoffte vor dem alten Backsteinbau zu stehen, der jetzt ihre neue Arbeitsstätte war.
Sie wurde leicht panisch. „Nur noch um die nächste Kurve und ich wäre endlich an einem warmen, gemütlichen Ort, würde mit den Kollegen Kaffee trinken und die erste Zigarette genießen.“ Waren ihre Gedanken.
Nur noch ein Stück. Doch als sie um die Ecke bog, bot sich ihr ein Bild, das sie abrupt zum Stehen kommen ließ…
Mit einem Mal knallte sie mit einem völlig abgehetzt wirkenden Mädel zusammen, die die ganze Zeit etwas davon stammelte, dass sie ja eigentlich gleich auf Arbeit sein müsste. Sie schien gar nicht gemerkt zu haben, wie sich der Wald um sie herum verändert hatte, dass es keine Wege mehr gab, noch nicht mal mehr Trampelpfade, und was bald noch erschreckender war – alles war still. Kein Laut, kein Rauschen von Wind in den Blättern, nichts! Und trotzdem die Bäume und Büsche dicht an dicht standen, herrschte noch immer dieser seltsame Nebel…“Hey, alles klar bei dir?“, fragte sie das Mädel, während sie ihr wieder auf die Beine half. Doch statt zu antworten, riss sie sich genervt von ihr los, warf ihr einen wütenden Blick zu und ging oder viel mehr rannte weiter ihres Weges.
Das Mädel, in ihrem etwas schrillen Outfit war Maria schon vorhin im Zug aufgefallen, sie hatte ihr nachher allerdings keine Beachtung mehr geschenkt und somit auch nicht gemerkt, dass sie auch in Münzelsbach ausgestiegen war.
Das brachte Maria völlig aus dem Konzept. Es ist ihr erster Tag als Praktikantin und da will sie auf keinen Fall zu spät kommen. Völlig geistesabwesend und so langsam rasend vor Wut lief Maria vorwärts und malte sich sämtliche Horrorszenarien von fristloser Kündigung bis hin zum größten Versagen ihres Lebens aus, als plötzlich ein Ruck durch ihren Körper ging und sie sich auf dem weichen Waldboden wieder fand. Ihr Fuß steckte unter einer Wurzel und so langsam wurde ihr klar, dass sie gefallen war. Wie immer wenn ihre Wut auf dem Höhepunkt war, schossen ihr Tränen in die Augen und sie begann hysterisch zu kreischen.
Langsam rappelte sie sich hoch und setzte sich auf den Baumstumpf neben der Wurzel, die sie eben unfreiwillig zu einer Rast gezwungen hatte. Sie fummelte eine Zigarette aus ihrer Tasche und genoss den ersten Zug. Irgendetwas war anders und ihr dämmerte langsam was es war:
Um sie herum war völlige Stille, kein Rauschen, kein Luftzug, kein nerviges Vogelgezwitscher, absolute Stille. Der Nebel um sie herum schien alle Geräusche zu verschlingen.
Plötzlich kroch ein kaltes Gefühl ihren Rücken hoch und sie merkte, dass sie Angst bekam, eine total unbegründete Angst wie sie sich einzureden versuchte, aber die Kälte blieb auch als sie aufstand und die aufgerauchte Zigarette auf den Boden warf.
Langsam setzte sie sich wieder in Gang und schlug die Richtung ein, aus der ich gekommen war, wobei sie demonstrativ über die dumme Wurzel stieg. Natürlich war ihr bewusst, dass ihr niemand zuschaute. Sie hätte sich eigentlich darüber freuen sollen: Endlich einmal in ihrer langen Sturzkarriere fiel sie der Länge nach aufs Gesicht und niemand sah es. Aber sie freute sich nicht, ganz und gar nicht.
Sie nahm sich vor das Mädel von vorhin zu suchen. Auch wenn sie sie umgerannt hatte ohne sich zu entschuldigen, oder war Maria selbst etwa schuld gewesen? Keine Ahnung, auch egal, so war es doch besser einen Ausweg zu suchen, wenn noch ein menschliches Wesen mit dabei war…
Ein Aufschrei, nein viel mehr ein Gekreische riss sie aus ihren Gedanken. Sie wollte schon in die Richtung stürmen, aus der sie den Lärm vermutete, als…da war so ein Säuseln, ein Summen, welches sie magisch zu sich zog.
Blindlings stolperte Maria voran, folgte der Melodie und stimmte sogar ein. Erst verhalten, schließlich völlig mitgerissen und außer sich, tänzelte sie singend durch die Gegend. Vergaß alles und jeden und erwachte auch nicht als sie einen, plötzlich vor ihr auftauchenden, Abhang hinunterkullerte.
Das komische Mädel zu finden war dann doch gar nicht mal so schwer, Maria musste ja nur dem Gesang, oder eher dem Gelärme folgen. Die Stimme war gar nicht mal so schlimm, eigentlich klang sie sogar recht gut, wenn man davon absah, dass sie ein schnulziges Lied sang oder vielmehr heraus schmetterte.
Als Maria um die Ecke bog, stand sie erst einmal starr vor Schreck da, denn ihr bot sich ein völlig absurdes Bild, über das sie in einer anderen Situation sicher gelacht hätte: Vor Maria lag eine recht hübsche junge Frau im Gras und sang aus voller Kehle „Sonne wie ein Clown“. Um sie herum waren die Bäume wie ein Käfig angeordnet, ein besonderer Ort in diesem Park dem sie normaler Weise kaum Beachtung geschenkt hätte.
Langsam stieg Wut in ihr hoch, denn sie hatte keine Lust mehr in diesem Park umher zu irren und ging auf die Frau zu, die da im Gras lag und vor sich hinträllerte.
„He du da, hallo, hörst du mich?“ Maria rüttelte sie an der Schulter und wartete auf eine Antwort…
„Eh’, danke. Muss mir wohl den Kopf irgendwo angestoßen haben. Mir ist irre schwindelig“, antwortete das Mädel „Singst du immer, wenn du dir den Schädel einhaust?“ fragte Maria. „Oh, war also doch kein Traum…na ja, wird wohl ein härterer Zusammenstoß gewesen sein.“, witzelte das Mädel.
Nun beschlossen beide gemeinsam den Weg zu gehen, obgleich sich beide noch nicht ganz einig waren, wo genau sie sich eigentlich befanden.
In einem solchen Nebel hatte sich Maria wirklich noch nie befunden. Kurz durchzuckte sie die Idee von Smog; würde dieser nicht auch irgendwie das Fehlen der Geräusche erklären? Sicher hatten sich die Tiere einfach zurückgezogen und da es so windstill war, konnte die Suppe sich schließlich gar nicht auflösen.
All dies erklärte Maria auch ihrer Begleiterin, einerseits um sie ein wenig zu beruhigen, andererseits um sie von ihrem ständigen Gequalme abzuhalten, denn kaum eine Zigarette ausgedrückt, griff sie schon zur Nächsten. Maria rauchte ja auch mal gern eine Zigarette, es beruhigte sie so schön, aber dieses Gequalme von diesem Mädchen, welches ihr auch noch das letzte bisschen frische Luft zum Atmen raubte, ging ihr auf den Nerv. Denn angesichts dieses Nebels, der sich schwer auf beide niederdrückte, ja sie regelrecht zu verschlucken schien, wurde das Luft holen für sie fast zu einem Ding der Unmöglichkeit.
Maria versuchte rational zu denken und auch krampfhaft so zu wirken. Die andere sollte auf keinen Fall mitbekommen, was mit Maria geschah. Sie spürte es nun ganz deutlich – ein seltsames Brodeln in ihr, eine Kraft, als würde ihr Blut kochen.
Und noch immer diese Melodie.
Sie schwirrte jetzt Maria immer noch im Kopf herum und machte ihr das Denken schwer.
Unsicher, ihren Schmerz versteckend, lächelte sie das Mädel an und versicherte ihr sie wüsste wohin beide müssten.
Den Geräuschen und Stimmen in ihr folgend, führte Maria beide nun tiefer in den Wald hinein.
***
Bernhard, ein Mitfünfziger, war auch im Park unterwegs, machte hier seinen täglichen Spaziergang. Er ist eigentlich Polizist, aber seit er vom Dienst suspendiert wurde, nimmt er sich täglich die Auszeit um hier im Park Kraft zu tanken. Er liebt die morgendliche Ruhe, doch heute ist er nicht allein, sein Jagdinstinkt lässt ihn, bei dem Lärm den die jungen Frauen verursachten, aufhorchen. Er versteckt sich hinter einem Baum und beobachtet die wenige Meter vor ihm vorbeilaufenden Wesen. „Ja, da laufen sie beide, diese, na ja, Mädels, so genau kann ich das in der Brühe nicht erkennen, ob ich da unbemerkt noch weiter rankomme? Und was hat die eine da an ihrem Hals, diesen blassen, ja fast weißen Hals, ich muss näher ran, ich muss sie riechen, ich muss sie fühlen.“ Er scannte ihren makellosen Körper, berührte in Gedanken ihre großen festen Brüste und fingerte in Richtung Venushügel. „Doch stopp, die eine hat sich schon rumgedreht, das wäre zu zeitig, noch sollen sie mich nicht bemerken…“.
***
