Ein Leben am Scheideweg - Manfred Walter Wengler - E-Book

Ein Leben am Scheideweg E-Book

Manfred Walter Wengler

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Beschreibung

"Ein Leben am Scheideweg" ist die Geschichte eines jungen Mannes der in der ehemaligen DDR geboren wurde und aufgewachsen ist. Er lebte vorrangig in Merseburg im Chemiearbeiter- Bezirk. Seine Kindheit, Jugend , Armeezeit, Studium und ein Teil seiner Assistenzzeit wird hier erzählt. Das Leben stellte ihn vor viele Prüfungen. Er musste sich von beginn an durchboxen, ist aufgestiegen und am Ende doch gescheitert. Woran lag es, an der Selbstüberschätzung oder am System, hatte er überhaupt eine Chance, wenn ja, dann welche?

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Seitenzahl: 94

Veröffentlichungsjahr: 2017

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ein Leben am Scheideweg

TitelseiteImpressum

Ein Leben am Scheideweg

VonManfred Walter Wengler

Vorwort

Die Welt in der wir leben scheint mir nicht mehr lebenswert. Die Reserven so endlich, werden ohne Rücksicht auf unsere Nachkommen ausgebeutet. Profitgier bestimmt leider verstärkt diese Zeit. Billig produzierte Waren überschwemmen immer wieder den so genannten Markt. Das nachhaltig produzierende Handwerk wird leider durch billig produzierende Konkurrenz ausgehebelt. Nachhaltigkeit und sparsamer Umgang mit den Ressourcen ist doch das oberste Gebot um das Über-

leben der Menschheit zu sichern. Aber die Welt steuert ganz offensichtlich auf den sicheren Untergang zu. Nichts wird überzeugend getan, um die Mitgeschöpfe und uns selbst vor dem Untergang zu bewahren. Geld und Gier bestimmen diese Zeit.

Diese Fakten entsprechen aus meiner Sicht dem heutigen Weltbild und so erlaube ich mir, sie als Einstimmung auf mein jetziges Buch zu verwenden. In so einer Überflussgesellschaft, geprägt von Verschwendung und Vernichtung, sollten wir viel öfter in uns gehen und über den Sinn des Lebens nachdenken.

Auch der „reale Sozialismus“ war davon verseucht, nicht der „Sozialistische Wettbewerb“ war seine Triebkraft, nein, auch hier war stets die „Neu- Gier“, mit Betonung auf Gier bestimmend, auch hier beeinflussten sie das Alltagsgeschehen, der persönlichen Bereicherung und der Selbstgefälligkeit, wurden die eigentlichen Ideale des Sozialismus geopfert.

Schade, denn damit wurde eine riesige Chance vertan, nicht das Allgemeinwohl sondern Falschheit, Doppelzüngigkeit und Egoismus bestimmten unseren Alltag und das jeden Tag, wer anderes behauptet, ist und bleibt ein verblendeter Träumer. Oh, wie wurden die Lehren von Marx, Engels und Lenin zurechtgebogen, schon Stalin war darin ein Meister. „Väterchen Stalin“ wurde er von seinen verblendeten Gefolgsmännern gern genannt, doch seien wir mal ehrlich, zu den Opfern seiner Macht zählten mehr Tote als die von Hitlers Faschisten dahingemordeten Russen, Juden, Schwulen, Kommunisten, Andersdenkende.

Lass uns wachsam sein, dass solche Diktatoren nie mehr unser Leben bestimmen, lasst uns wachsam sein, denn dem braunen Mopp scheinen in Europa wieder Tür und Tor geöffnet.

Es lohnt sich auch die Webseite von Mathilde Gläser zu besuchen und mit ihrer

Lyrik in ihre Gedankenwelt einzutauchen. Meine Empfehlung:https://mathildeglaeser.blog .

Prolog

Der Winter hatte sich nun endgültig verabschiedet. Die Sonne kroch langsam hinter den Wolken hervor. Es war Samstagvormittag, alles noch wie im Halbschlaf.

Er stand auf dem Balkon des Studentenwohnheimes in der neunten Etage, ließ seinen Blick in die Ferne schweifen und grübelte. Was sollte er tun? Was ist richtig, was falsch? Soll es das schon gewesen sein? Er ist gerade mal achtundzwanzig, hat den Großteil seines Lebens noch vor sich, wenn da nicht die verfahrene Kiste wäre.

Immer hat er versucht sein Bestes zu geben, war im Verband engagiert, im Studi-

um stürmte er immer vorne weg, war als Beststudent ausgezeichnet und wollte doch jetzt als Assistent auch nur an seine bisher guten Leistungen anknüpfen.

Doch irgendwie ist er leer, wie ausgebrannt, selbst der Gedanke an Frau und Kind, die unten im Familienzimmer warteten, konnte ihn aus seinen trüben selbstzerstörerischen Gedanken nicht herausreißen. Wie sollte es weitergehen? Er hatte nur Fragen und keine Antworten.

Er hatte sich einen Tisch vor die Brüstung des Balkons gestellt. Wenn er jetzt springt, wie muss er seine Hände halten, so dass es dann wirklich zu Ende ist.

Er ist früher Fallschirm gesprungen. Antrainierte Reflexe für den Fall, auch den freien Fall, kann er die jetzt unterdrücken, um wirklich hart aufzuschlagen?

Ein Leben im Rollstuhl ist keine Lösung und Mitleid wollte er nicht.

Ja, so stand er nun schon seit fast drei Stunden, schaute immer wieder nach unten und war weiterhin voller Selbstzweifel, oder war da auch ein wenig Selbstmitleid dabei, wahrscheinlich.

Plötzlich sah er unten einen Sowjetsoldaten, der seinen Postengang unterbrochen hatte und zu ihm raufschaute und ihm zuwinkte...

Wie alles begann

Im Jahre 1954 gab es in der ehemaligen DDR noch keine Antibabypille, zumindest nicht auf Rezept und auch die Abtreibung eines ungewünschten Kindes war nicht legal, so war in den meisten Familien die Familienplanung mehr der fleischlichen Lust und dem Zufall geschuldet, als der akribischen Planung wie in der Neuzeit. Der Natur wurde noch freien Lauf gelas-

sen. Und so war es geschehen, in einer kalten Herbstnacht, als sich meine späteren Eltern heißen Umarmungen hingaben, wurde ich gezeugt. Und so erblickte ich im Hochsommer des Jahres 1955 in der Klapperstorchklinik in Bad Lauchstädt das Licht der Welt. Geboren wurde ich als dritter Sohn eines Buchhalters und einer Landfrau. Sie lebten auf einem kleinen Bauernhof in dem beschaulichen Dorf St. Micheln. Es war Juli als ich die Welt erblickte. Wie ich später erfahren musste, war ich ein so genannter „Verkehrsunfall“ und damit ungewollt. Leider prägte dieses „ungewollt Sein“ mein späteres Leben.

Die ersten Kinderjahre verbrachte ich auf diesem Hof zusammen mit Hühnern, Gänsen und Schweinen.

Wasserleitung gab es nicht, dafür hatten wir mitten auf dem Hof einen Brunnen mit einer Pumpe. Die Toilette war ein Plumpsklo gleich neben dem Misthaufen.

Ich kann mich auch noch sehr gut daran erinnern, dass ich immer auf einem

Schwein reiten wollte, stieg dafür auf den Brunnenrand und wenn eins vorbeikam, versuchte ich aufzusitzen, war damals vielleicht vier und ein unerfahrenes Kind, aber immer von frohem Gemüt, zumindest damals noch.

Meinen Vater sah ich selten, meist nur am Wochenende, also Samstagnachmittag und Sonntag. Den arbeitsfreien Sonnabend gab es damals noch nicht, zumindest nicht im Angestelltenverhältnis. Da er in der Kreisstadt arbeitete und mit dem Zug täglich dorthin fuhr, verließ er sehr früh das Haus und kam erst spät zurück, da lag ich schon im Bett. Meine Mutter war als Landfrau meist auf dem Feld, so lange sie mich noch säugte, lag ich bei schönem Wetter am Feldrand und wartete auf meine warme Mahlzeit Muttermilch. Das war damals so, heute sicherlich in Deutschland ein Unding. Aber geschadet hat es mir nicht, glaube ich zumindest. So wurde meine Erziehung im frühen Kindesalter doch mehr meiner Großmutter, meinen Brüdern und dem Zufall überlas-

sen. Wahrscheinlich bin ich dadurch so geworden, wie ich nun mal bin. Ständig versuchte ich mir und meiner Umgebung, also speziell meinen Eltern zu beweisen, dass ich doch etwas Besonderes bin und auch ihre Aufmerksamkeit verdiene. Aber das war gar nicht so einfach.

Heute wird auf jeden Pups geachtet den der kleine Hosenscheißer von sich gibt, sind ja fast alles Wunschkinder, aber damals zählten schon frühzeitig spitze Ellenbogen.

Nur die Stärksten hatten das Sagen. Aber ich war ein kleiner untersetzter blonder Hosenmatz und wurde von allen nur „Dicker“ genannt. Ja richtig, in manchen Gegenden ist das so, aber bei uns traf das nur auf die wirklich Dicken zu. Das war schon eine Last, die auf meinen schmalen Schultern lastete. Aber was nicht tötet, härtet ab. Oft prügelte ich mich, wer mir dumm kam, bekam was aufs Maul. Damit verschaffte ich mir auch später in der Schule bei meinen Mitschülern Respekt.

Wenn mein Gegenüber stärker war, hatte ich halt Pech, aber das geschah nicht all zu oft.

In St. Micheln wurde ich siebenjährig als stolzes Schulkind in die damalige Talschule eingeschult. Hier war es noch üblich, dass ein Lehrer gleichzeitig drei Klassen in einem Raum unterrichtete.

An heißen Sommertagen lieferten sich die Dorfkinder oft auf der Geiselquelle in unseren Zinkwannen, die als Boote umfunktioniert wurden, regelrechte „Seeschlachten“, das war für uns ein richtiger Gaudi und wenn die „gegnerische“ Badewanne versenkt wurde, jubelten wir über den errungenen Sieg. Meist fielen wir dabei auch selbst ins Wasser, aber das störte uns nicht, wir hatten unseren Spaß, wir waren Kinder.

Wir zogen in die Kreisstadt und ich kam in eine neue Schule. Mein Vater hatte jetzt einen kürzeren Arbeitsweg, Mutter ging an meine Schule als ungelernte Erzieherin. Doch das war für sie keine Dauerlösung.

Bald entschied sie sich für ein Fernstudium, denn Lehrer zu werden, war schon als Kind ihr Traum.

Was wollen wir von der Stadt wissen?

Wenn wir mit dem Zug durch Merseburg fahren, der Stadt unterm ewig grau verschleierten Himmel der Chemiewerke, im Norden BUNA, im Süden LEUNA, huschen die Türme vom Schloß, der Kirche St. Maximi und der Sixti- Ruine mit dem Wasserturm hinter dem sonnendurchglitzerten Gesprüh der Fontäne im Gotthardteich an uns vorbei. Diesen Eindruck nehmen wir mit auf unsere Reise.

Merseburg hatte schon eine über 1000 Jahre währende Geschichte hinter sich. Einst, in der Zeit von Heinrich I., entstand hier an der Saale eine Burg, erbaut zum Schutz und als Brückenkopf gegen die Slawen, welche auf der anderen Seite des Flusses siedelten.

Auch entstanden, so die Überlieferung, die in althochdeutsch verfassten Merse-

burger Zaubersprüche, die zum ältesten überlieferten deutschen Schriftgut zählen. Sie stammen aus dem 10. Jahrhundert und wurden vor reichlich 150 Jahren in der Merseburger Dombibliothek zufällig aufgefunden: „Bein zu Beine, Blut zu Blute, Glied zu Gliedern, als ob sie geleimet sein …“ so lautet einer, der den Umgang mit einem gebrochenen Bein beschrieb.

Ja, vor vielen Jahrtausenden sind Menschen durch dieses Land gezogen, Steinzeitjäger durchstreiften es, in den Wäldern suchten sie Nahrung, Beeren, Wurzeln, wilde Früchte, fingen in den Flüssen Fische. Auf dem durch Sümpfe bedingt durch die Flussläufe der Saale, Geisel und Klia durchzogenes Land, siedelten sie schon in den frühen Jahren der Menschheitsgeschichte. Auf deren geschützten Burghügel haben sie ihre Siedlungen errichtet und heiße Kämpfe um diese naturgegebene Volksburg ausgetragen. Menschen der Steinzeit und Bronzezeit haben darauf ihre Spuren hinterlassen, die Gräber ihrer Toten zeugen davon.

Im 10. Jahrhundert vereinnahmte der aus liudolfingisch- sächsischem Haus stammende Herzog Heinrich, weite Teile der Grafschaft Merseburg durch die Heirat mit Hatheburg, der Tochter des Merseburger Grafen Erwin, „wegen ihrer Schönheit und Brauchbarkeit des Erbes“, so formuliert vom Bischof Thietmar, in seinen Besitz. Mit der Übernahme der reichen Güter im Saalebogen erweiterte sich der Machtbereich der Liudolfinger weit nach Osten aus. Die Saale wurde zur vorläufigen politischen und ethnischen Grenze zu den jenseits des Flusses siedelnden slawischen Volksstämmen.

Herzog Heinrich vereinigte die deutschstämmigen Kleinstaaten und wurde später als König Heinrich I. gekrönt.

Unter dem Machteinfluß von Heinrich I. entwickelte sich Merseburg zu einem bedeutenden Machtzentrum an der Ostgrenze des entstehenden deutschen Reiches.

Er ließ im südlichen Bereich des Burghü-

gels eine Pfalz errichten, die neben der prunkvollen Hofhaltung besonders durch ihre Leistungsfähigkeit im ganzen Reich berühmt wurde.

Merseburg gewann immer mehr an Machteinfluß.

Hier fanden auch die Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Investiturstreit einen Höhepunkt, als der im Westen des Reiches gekrönter Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden, Herzog zu Schwaben und Oberhaupt der Fürstenopposition gegen Heinrich IV., am 15. Oktober 1080 nach der Schlacht von Hohen-mölsen in Merseburg seinen Verletzungen erlag. Seine Grabplatte, ein Meisterwerk frühromanischer Bronzegießkunst, kann man heute noch im Merseburger Dom besichtigen. Es ist das älteste skulpturale Grabmal in Deutschland.

Heinrich I. wird als Gründer der Stadt Merseburg angesehen, obwohl Ortsname und Burgenliste bereits um 850/890 die

Ansiedlung als „Mersiburc civitas“, in der Liste des Hersfelder Zehntverzeichnisses zu finden war.

Sein Sohn Otto, der Große, der erste deutsche Kaiser, gelobte im Jahr 955 vor der Schlacht auf dem Lechfelde gegen die Ungarn, im Falle eines Sieges zu Ehren des Heiligen Laurentius in Merseburg ein Bistum zu errichten. Dem Versprechen folgend wurde Merseburg im Jahre 968 zum Bistum erhoben. Hier entwickelte sich rasch unterhalb des Domes die eigentliche, bürgerliche Stadt zwischen Klia und Geisel.

Hoch über der Stadt thront noch immer der Merseburger Dom, dem beginnend durch die Grundsteinlegung von Bischof Thietmar im Mai 1015 für eine neue Bischofskirche, durch zahlreiche Umbauten und Erweiterungen bis 1230 der Dom die westliche Vorhalle mit dem Turmmittelbau erhielt, welche ihm die unverwechselbare Außenansicht gab. 1510 begann auf Weisung vom Bischof Tilo von Trotha der Neubau des Langhauses. 1517 wurde die

spätgotische Halle mit ihren Staffelgiebeln und dem Relief- und Wappenschlußsteinen geschmückten Netzgewölbe geweiht. Um 1535 schuf Hans Möstel das Schlaufengewölbe der Vorhalle und die Westtürme erhielten die spitzen Schieferhelme. Der südlich der Kirche gelegene Kreuzgang erhielt seine Gestalt zwischen 1250 und 1350. Nur das Tonnengewölbe an der Johanneskapelle, der Tonsur, stammt aus romanischer Zeit. Weithin bekannt ist der Dom auch durch seinen Ladegast- Orgel, von 1855, (heute fast 5800 Pfeifen in den 81 klingenden Stimmen) die zu den Größten seiner Art Europas zählt.

Dr. Martin Luther hielt 1545 in der Reformationszeit zwei Predigen, die in Schriftform in der Domstiftsbibliothek zusammen mit den Merseburger Zaubersprüchen, aus dem 10. Jahrhundert und mehreren Buchillustrationen, wertvollen Urkunden und Schriften aufbewahrt werden. Seit der Reformationszeit ist die ehemalige Bischofskirche ein evangelisches Gottes-

haus, das heute dem Gemeindegottesdienst und kirchlichen Veranstaltungen dient.

Ich selber besuchte den Dom später gern zu den Merseburger Orgeltagen und lauschte den Klängen, am liebsten den vom Altmeister Bach überlieferten Stücken.