Klima im Wandel. Was wir jetzt tun können - Ruth Omphalius - E-Book

Klima im Wandel. Was wir jetzt tun können E-Book

Ruth Omphalius

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Beschreibung

"Es gibt keinen Planet B!" Immer mehr Jugendliche sorgen sich um die Zukunft der Erde. Der Klimawandel erhitzt nicht nur unseren Planeten, er erhitzt auch die Gemüter. Doch was genau ist eigentlich Klima? Und warum bedroht der Klimawandel nicht nur die Eisbären, sondern auch uns Menschen? Leicht verständlich und wissenschaftlich fundiert erklären die Autorinnen die wichtigsten Klimaphänomene vom Treibhauseffekt bis zum Golfstrom. Aktuelle Entwicklungen werden berücksichtigt, spannende Berichte ergänzen das Sachwissen. Zudem bietet das Buch einen Ausblick auf die Zukunft: Was wird geschehen, wenn wir so weitermachen wie bisher? Wie kann der Klimawandel aufgehalten werden? Eine spannende Lektüre nicht nur für junge Klimaaktivisten. Mit einem Vorwort von Dirk Steffens ("Terra X"). Gedruckt auf Umweltpapier und zertifiziert mit dem "Blauen Engel".

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Seitenzahl: 144

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Arena Bibliothek des Wissens

Aktuell

Für Sarah, Suzan und Nail

Ruth Omphalius, geboren 1963, hat in Frankfurt Germanistik, Kunstgeschichte, Kunstpädagogik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert. Seit 1997 arbeitet sie als Redakteurin und Autorin in der Redaktion „Terra X“ beim ZDF in Mainz, wo sie zahlreiche preisgekrönte Sendungen und Filme produziert hat. Zudem ist sie Autorin erfolgreicher Sachbücher wie „Der Neandertaler“ (2006) oder „Drogen – Der gefährliche Traum vom Glücklichsein“ (2013) sowie der Jugendbuchreihe „Dragonchild“.

Monika Azakli, geboren 1962, hat in Mainz Islamkunde und Islamphilologie sowie Publizistik studiert. Seit 1993 ist sie als Mediendokumentarin im Bereich Archiv, Bibliothek und Dokumentation beim ZDF beschäftigt und Expertin für Recherchen und Informationen zu aktuellen, zeitgeschichtlichen und gesellschaftspolitischen Themen. Sie ist außerdem Autorin des Sachbuchs „Drogen – Der gefährliche Traum vom Glücklichsein“ (2013).

Ruth Omphalius • Monika Azakli

Klima im Wandel

Was wir jetzt tun können

1. Auflage 2020

© 2020 Arena Verlag GmbH

Rottendorfer Straße 16, 97074 Würzburg

Alle Rechte vorbehalten

Text: Ruth Omphalius und Monika Azakli

Vorwort: Dirk Steffens

Text zu „Mit der Polarstern unterwegs im ewigen Eis“: Dr. Stefanie Arndt und Dr. Renate Treffeisen

Text zu „Stop talking, start planting“: Felix Finkbeiner

Lektorat: Stefanie Böhm

Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, zero-media.net, München unter Verwendung einer Schrift von © Getty Images/brainmaster sowie Gestaltungselementen von © Getty Images/Vaara und © Getty Images/Colormos

E-Book-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmund, www.readbox.net

E-Book ISBN 978-3-401-80928-1

Dieses Buch erscheint auch als Hörbuch.

Besuche den Arena Verlag im Netz:

www.arena-verlag.de

Fünf nach zwölf

Liebe Kids, liebe Eltern,

wir leben auf einem Planeten mittlerer Größe. Und wir können nicht anbauen. Unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten ist unmöglich. Wir müssen also unseren Umgang mit den Ressourcen – und damit meine ich gar nicht nur Öl, Kohle und Gas, sondern vor allem Luft, Wasser, Ackerboden, Pflanzen und Tiere – grundsätzlich verändern. Es ist fast zu banal, um es zu sagen, aber weil es bisher nicht funktioniert, muss man es doch: Wir dürfen nicht mehr verbrauchen, als die Erde produzieren kann, sonst gehen die Ressourcen zur Neige und wir Menschen müssen für unsere Verschwendung einen sehr hohen Preis bezahlen.

Wir hier in Deutschland denken schon sehr lange und sehr intensiv über den Klimaschutz nach. Die meisten von uns haben durchaus ein Bewusstsein dafür, dass etwas geschehen muss. Zum Glück können wir viele Probleme, die wir Menschen verursacht haben, auch selbst wieder lösen. Wir haben kanalisierte und vergiftete Flüsse renaturiert, wir haben seltene Tierarten wieder angesiedelt und das Ozonloch geschlossen. Das ist fantastisch. Weil wir über einen beeindruckenden Erfindergeist und eine hoch entwickelte Technologie verfügen, können wir auch eine Menge reparieren.

Der Mensch hat die Erde tatsächlich verändert. Und wir verändern sie weiter. Wichtig ist aber, es zum Guten zu tun. Vor allem ist wichtig, dass alle wirklich möglichst viel wissen und die Zusammenhänge kennen. Es gibt ja immer noch Leute, die den Klimawandel leugnen oder behaupten, er sei nicht menschengemacht. Das ist wissenschaftlich nicht haltbar. Populisten geben meist ganz einfache Antworten auf komplexe Fragen. Und diese einfachen Antworten sind meistens falsch.

Deshalb freue ich mich sehr über dieses Buch, in dem all die komplexen Dinge, mit denen wir es beim Klimawandel zu tun haben, so erklärt werden, dass jede und jeder sie verstehen kann. Und mit Wissen beginnt eben alles. Wer mehr weiß, kann mehr verändern. Ich kann nur allen raten: Informiert euch bei verlässlichen Quellen, bleibt wachsam, bleibt kritisch und schaut euch vor allem immer die Zusammenhänge an. Dann ist es möglich, die Welt zu retten.

Euer

Dirk Steffens

Wetter oder Klima?

Überall hört man, dass das Klima immer wärmer wird, aber gleichzeitig warnen Wetter-Apps vor Schneestürmen in den Bergen und Schneeverwehungen legen den Bahnverkehr lahm. Wie passt das zusammen? Dass das Wetter mit Sonnenschein, Gewitterfronten, Niederschlag und Wind zu tun hat, weiß jeder. Viele Menschen verfolgen täglich gespannt, ob gerade ein Hoch* oder ein Tief* über den Atlantik zieht und mit welchen Temperaturen am folgenden Tag zu rechnen ist. Oft ist auch von Klima, klimatischen Bedingungen oder klimatischen Schwankungen die Rede. Aber was ist eigentlich genau unter „Wetter“ und was unter dem Begriff „Klima“ zu verstehen? Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen beiden?

Auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes kann man den Begriff „Wetter“ recherchieren und findet als Definition:

„Als ‚Wetter‘ wird der physikalische Zustand der Atmosphäre* zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem kürzeren Zeitraum an einem bestimmten Ort oder in einem Gebiet bezeichnet.“

Manchmal wird noch ergänzt, dieser Zustand sei „durch die meteorologischen* Elemente und ihr Zusammenwirken gekennzeichnet“. Diese Erklärung ist aber mindestens genauso rätselhaft wie die Ausgangsfragen. Erst wenn man ein konkretes Wetterbeispiel konstruiert, wird deutlich, was gemeint ist:

„Zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort“ könnte sich auf „heute“ und „Frankfurt am Main“ beziehen. „In der Atmosphäre“ ist schon schwerer zu verstehen. Die Atmosphäre ist eine Hülle aus Gas, die den gesamten Erdball umschließt. Sie beeinflusst alles Leben auf der Welt schon allein dadurch, dass sich in diesem Gasgemisch sowohl der Sauerstoff befindet, den wir atmen, als auch Stoffe wie Kohlendioxid (CO2) und Methan, die die Wärmeregulierung der Erde beeinflussen.

Die Grenze zum Weltall nimmt man bei 690 Kilometern Höhe an. Aber nur in den ersten 10 bis 15 Kilometern von der Erdoberfläche aus betrachtet, findet der physikalische Zustand statt, den wir „Wetter“ nennen. Diese unterste Schicht der Atmosphäre, die Troposphäre*, heißt deshalb auch Wetterschicht*.

Nun bleibt noch der „physikalische Zustand“ zu erklären. „Physik“ nennt man die Lehre von den „unbelebten Dingen der Natur“. Sie ist eine sogenannte exakte Wissenschaft, weil man es in der Regel mit Forschungsgegenständen zu tun hat, die man messen, wiegen oder auf sonstige Weise exakt bestimmen kann. Wetter ist also zum Beispiel ein Zustand 10 bis 15 Kilometer über Frankfurt, den man für heute mit physikalischen Messmethoden exakt bestimmen kann. Messen und beschreiben kann man die oben genannten meteorologischen Elemente, hinter denen sich nichts anderes verbirgt als Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchte und Luftbewegung, also Wind. Ihr Zusammenspiel an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit nennt man Wetter.

Die Erdatmosphäre besteht aus verschiedenen Schichten. Nur in der untersten, der Troposphäre, findet Wetter statt.

Nun könnte man allerdings auch das Wetter an einem anderen Ort betrachten oder einen anderen Zeitpunkt wählen, wie etwa das Wetter gestern um Viertel vor zwölf auf der Zugspitze. Auch was sich in der Wetterschicht zu dieser Zeit über dem höchsten Berg Deutschlands abgespielt hat, nennt man Wetter. Oder die Situation während der nächsten drei Tage über Schleswig-Holstein. Wetter kann also über einem einzelnen Berggipfel genauso stattfinden wie über einer größeren Fläche, es kann einen Augenblick andauern oder auch mehrere Tage. Wichtig ist, dass das Wetter zeitlich begrenzt an einem bestimmten Ort stattfindet und sich jederzeit ändern kann – ganz im Gegensatz zur „Wetterlage“, „Witterung“ oder zum „Klima“.

Von „Wetterlage“ sprechen die Meteorologen*, wenn sie das Wetter in einem größeren Gebiet beschreiben wollen, zum Beispiel über ganz Deutschland. „Witterung“ dagegen heißt das Wetter, das zwar nur über einem bestimmten Ort oder einer Region herrscht, dafür aber über mehrere Tage oder sogar Wochen andauert.

Der Begriff „Klima“ beschreibt schließlich für eine große Region, zum Beispiel alle Länder, die am Äquator liegen, den typischen jährlichen Ablauf der Witterung. Es geht hier also um viel allgemeinere Vorgänge und Zusammenhänge als einen Regenschauer morgen Abend in Berlin oder einen etwas kälteren Winter als üblich. Deswegen sind Aussagen über das Klima manchmal sogar zuverlässiger als über das Wetter fürs Wochenende, denn das Wetter an einem einzelnen Ort kann sich aufgrund vieler Faktoren sehr schnell ändern. Das Klima wird von langfristig wirkenden Elementen bestimmt. So gibt es in Europa die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter, in Indonesien dagegen wird das Jahr von Regenzeiten und Trockenzeiten strukturiert. Europa und Indonesien haben ein deutlich unterschiedliches Klima.

Das Klima einer Region hängt von vielen Faktoren ab. Am wichtigsten ist allerdings, wie viel Sonnenschein ein Gebiet bekommt. Und das wiederum hängt davon ab, wo auf der Erdoberfläche sich die betreffende Region befindet. Je nachdem, ob sie näher an den Polen oder näher am Äquator liegt, trifft das Sonnenlicht in einem anderen Winkel auf. Je steiler der Winkel, desto heißer die Region. Und weil dieser Winkel eine so zentrale Bedeutung hat, wurde das ganze Phänomen nach ihm benannt. Denn das ursprünglich griechische Wort klíma bedeutet nichts anderes als „Neigung“.

Wetter-App auf einem Smartphone

Die Teile der Erde, die nördlich und südlich des Äquators liegen, werden am intensivsten von der Sonne beschienen. Die Strahlen treffen hier fast im rechten Winkel auf die Erde auf. Zu den Polen hin nimmt die Stärke der Einstrahlung ab, der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen wird kleiner. Die Wissenschaft nennt Gebiete rund um den Planeten, die eine ungefähr gleich starke Sonneneinstrahlung erhalten und daher ein ähnliches Klima aufweisen, „Klimazonen“. Diese Zonen ziehen sich wie breite Gürtel um den Globus. Sie heißen Tropen, Subtropen, Mittelbreiten und Polarzone. Nördlich und südlich des Äquators liegen die „Tropen“. Hier ist es wegen der starken Sonneneinstrahlung besonders heiß. Im Jahresablauf gibt es kaum Veränderungen.

Die Klimazonen der Erde sind abhängig von der Sonneneinstrahlung.

An die Tropen, zu denen große Teile Afrikas, Asiens, Mittel- und Südamerikas sowie Australiens gehören, schließen sich im Norden und Süden die „Subtropen“ an. Hier sind bereits deutliche Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter messbar.

Bewegt man sich weiter in Richtung der beiden Pole, erreicht man die sogenannten „Mittelbreiten“. Hier kann man die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter klar voneinander unterscheiden. Im Bereich der Mittelbreiten liegen Europa, Nordamerika und Zentralasien. Die Gebiete direkt um die Pole herum nennt man „Polarzonen“. Hier sind die jahreszeitlichen Schwankungen am extremsten. Während die Sonne im Sommer den ganzen Tag über scheint, bleibt es im Winter völlig dunkel. Man spricht von „Polartag“ und „Polarnacht“.

Das Klima hängt also in entscheidendem Maß von der Stärke der Sonneneinstrahlung ab. Es gibt allerdings auch noch andere Faktoren, die eine wichtige Rolle spielen können, wenn man nicht eine ganze Klimazone, sondern einen Teilbereich betrachtet. Beispielsweise ist es auf hohen Bergen deutlich kälter als in der Ebene. Das Klima in einer hochgelegenen Gebirgsregion wie Tibet, das auf durchschnittlich 4.500 Meter Höhe liegt, unterscheidet sich grundlegend von Regionen, die zwar in derselben Klimazone, aber eher auf Höhe des Meeresspiegels liegen.

Überhaupt ist die Beschaffenheit der Oberfläche im Einzelfall von großer Bedeutung. An Berghängen verlieren Regenwolken ihren Niederschlag, über Wasserflächen verdunstet Wasser. Die Nähe zu einem Ozean oder Meer spielt eine große Rolle. Das Meer transportiert Wärme, daher herrscht in Meeresnähe oft ein wärmeres Klima als im Inland. Viele Küstenstreifen sind allerdings auch von Stürmen geplagt, die ihren Ursprung weit draußen auf den Ozeanen haben. Die Verteilung von Wasser bestimmt in hohem Maße das Klima einer Region.

Schließlich beeinflussen auch wir Lebewesen das Klima auf unserem Planeten. Alle Pflanzen und Tiere, sogar die winzigen Bakterien, sondern Stoffe ab, die sich auf das Klima auswirken. Wir Menschen tun dies ganz besonders stark. Wir benötigen Energie nicht nur zum Überleben, also um Nahrung und Wärme bereitzustellen, sondern für eine ganze Menge Dinge, die wir mit Begriffen wie „Kulturleistung“, „Lebensstandard“, „technologische Weiterentwicklung“ oder ganz allgemein als „Fortschritt“ bezeichnen. Gemeint sind Fortbewegungsmittel wie Autos, Motorräder, Züge und Flugzeuge, die uns vergleichsweise einfach an weit entfernte Orte bringen. Oder Dinge, die unser Leben angenehmer machen, von der Fußbodenheizung, über die Waschmaschine und den Staubsauger, bis hin zur Flutlichtbeleuchtung auf dem Fußballplatz oder bei großen Konzerten.

Tibet ist das höchstgelegene Land auf der Erde.

Um das alles möglich zu machen, nutzen Menschen alle verfügbaren Energiequellen auf der Erde. Bei einer Weltbevölkerung von mittlerweile fast 8 Milliarden kommt da so viel zusammen, dass wir Menschen zum ersten Mal in der Geschichte sogar das Klima des gesamten Planeten verändern.

Angriff der Killerinsekten

Ein ohrenbetäubendes Summen und Brummen liegt in der Luft – wie in einem übergroßen Bienenstock. Ein Kribbeln, Krabbeln und Rascheln mischt sich darunter, aber kein einziger anderer vertrauter Laut, kein Vogelzwitschern, kein Hundegebell, nicht einmal eine entfernte Autohupe.

Armlange Tausendfüßer huschen über den morastigen Grund und verwandeln den Boden in ein verwirrendes, sich immer wieder neu zusammensetzendes Muster. Massen von Wanzen erklimmen die Stängel der großen Bärlappgewächse und saugen Saft aus den fleischigen Blättern. Fluginsekten in der Größe von Singvögeln ziehen ihre Kreise am Himmel und erbeuten hin und wieder unvorsichtige Schaben, die auf dem Boden in abgestorbenem Pflanzenmaterial wühlen.

Die ganze Erde ist ein Reich der Insekten. Kein Säugetier und kein Vogel macht den Krabbeltieren ihren Rang als Weltbeherrscher streitig. Die Königin in diesem Reich ist Meganeura, ein riesiges libellenartiges Insekt, das mit seinen bis zu 70 Zentimetern Flügelspannweite als das größte Insekt aller Zeiten gilt. Mit ihrem kraftvollen Flugapparat ist sie ein eleganter Flieger, der seine Beute in blitzschnellen Manövern angreift. Ihren hoch entwickelten Facettenaugen, den charakteristischen Sehorganen der Insekten, entgeht nicht die kleinste Bewegung.

Eben zieht sie noch scheinbar ungerührt ihre Kreise über dem morastigen Wasser eines kleinen Sees, dann stoppt sie abrupt und stürzt sich im Bruchteil einer Sekunde in die Tiefe. Ihr Opfer, ein kleiner Molch, hat nicht den Hauch einer Chance gegen das übermächtige Insekt. Seine Art ist gerade erst dabei, langsam den festen Boden zu erobern.

Meganeura lebte vor 300 Millionen Jahren.

Auf einem ausladenden Ast verzehrt Meganeura ungerührt ihre zappelnde Beute und kann nicht ahnen, dass sich in der Zukunft die Vorzeichen umkehren und die Amphibien zu Jägern, die Insekten zu Gejagten werden.

Immer dasselbe Klima?

Bei einem Sonntagsspaziergang durch einen solchen morastigen Wald würde wohl jeden das kalte Grausen packen. So etwas kann es doch gar nicht geben! Alles nur Science-Fiction?

Nein, einfach eine andere Zeit mit einem anderen Klima! Der beschriebene Wald hat vor 300 Millionen Jahren tatsächlich existiert – hier in Europa!

Damals gab es noch keine Säugetiere, Vögel und Blütenpflanzen, die für den Menschen der Gegenwart so selbstverständlich sind, dass man sich eine Natur ohne sie kaum vorstellen kann. Aber all diese komplexen Wesen waren einfach noch nicht entwickelt. Amphibien und frühe Reptilien repräsentierten die Spitze der Vierbeinerevolution. Diese Zeit, die man wissenschaftlich als Karbon* bezeichnet, war dafür ein Höhepunkt der Insektenentwicklung. Damals lebten Riesenformen wie nie zuvor und auch später niemals wieder.

Das gewaltigste dieser Monsterinsekten war Meganeura. Als die Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die ersten Fossilien dieses frühen Fliegers stieß, war die Überraschung groß. Niemand hätte es je für möglich gehalten, dass ein so großes Insekt tatsächlich leben könnte. Heute bringt es ein brasilianischer Nachtschmetterling gerade mal auf 32 Zentimeter Flügelspannweite, den längsten Körper hat mit 36 Zentimetern eine asiatische Gespensterschrecke und der schwerste Vertreter der Insektenwelt ist eine Grille, die – allerdings nur, wenn sie Nachwuchs erwartet – ein Lebendgewicht von 71 Gramm auf die Waage bringt. Die Forschung zeigt, dass ein größeres oder schwereres Insekt unter heutigen Bedingungen nicht existieren könnte.

Was war also anders zur Zeit der Rieseninsekten? Die Antwort ist einfach und lässt sich leicht in den Gesteinsschichten nachweisen. Zur Zeit von Meganeura gab es wesentlich mehr Sauerstoff in der Luft als heute. Das Gasgemisch unserer Atmosphäre veränderte im Laufe der Erdgeschichte immer wieder seine Zusammensetzung. Im Karbon machte der Sauerstoff 35 Prozent der Mixtur aus, in anderen Phasen der Erdgeschichte sank der Anteil auf 18 Prozent ab. Solche Schwankungen haben vermutlich zum Aussterben der Rieseninsekten geführt. Heute liegt der Sauerstoffgehalt der Luft bei 21 Prozent – viel zu wenig, um einen Koloss wie Meganeura am Leben zu halten.

Insekten besitzen einen Chitinpanzer, der den ganzen Körper umschließt. Ein Panzer, der das Gewicht eines Rieseninsekts ausreichend stützen kann, müsste sehr dick sein. Das allein ist ab einer bestimmten Größe problematisch, weil wenig Platz für innere Organe bliebe. Das größte Hindernis für ein Monsterwachstum ist für die Insekten jedoch ihre Atmung. Sie atmen mit sogenannten „Tracheen“. Das sind starre Röhren, die sich verästeln und den gesamten Körper des Tieres durchziehen. Der Sauerstoff dringt durch kleine Öffnungen im hinteren Bereich des Körpers in dieses Röhrensystem ein, verteilt sich und sickert schließlich durch die Röhrenwände in das weiche Körperinnere. Diesen Vorgang nennt man „Diffusion“.

Bei einem Rieseninsekt wären die Tracheenwände sehr dick und es würden bei dem gegenwärtigen Sauerstoffgehalt der Luft zu wenige Sauerstoffmoleküle ins Innere des Tieres gelangen. Besonders in den langen Insektenbeinen würde die Diffusion als Motor für die Sauerstoffverteilung nicht ausreichen. Erst ein höherer Sauerstoffgehalt der Luft ermöglicht das Eindringen von so vielen Sauerstoffteilchen, dass auch ein Rieseninsekt nicht ersticken muss. Nur wenn der Sauerstoffgehalt der Erdatmosphäre irgendwann wieder deutlich ansteigt, könnten erneut Monsterinsekten die Erde bevölkern.

Vulkane sind Klimamotoren.

Dieser Ausflug in die Vergangenheit zeigt, dass schon die Veränderung eines einzigen Klimafaktors, zum Beispiel die Zusammensetzung der Luft, enorme Auswirkungen auf unseren Planeten, sein Klima und das Leben auf ihm hat. Im Verlauf ihrer Geschichte sah die Erde immer verschieden aus, hüllte sich in anderes Wetter und beherbergte unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Was unseren Planeten immer wieder umgestaltet und sein Aussehen verändert, sind im Grunde die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.