Komm mit ins Märchenland - Band 5 - Annelie Buddenbohm - E-Book

Komm mit ins Märchenland - Band 5 E-Book

Annelie Buddenbohm

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Beschreibung

Ein Märchen über Melle mit den acht Stadtteilen aus der Zeit der Regenbogendrachen: Können Mella und Mello die Stadt Melle vor den kriegerischen Auseinandersetzungen retten? Gelingt es Melli, die Bücherfresser aus der Stadt zu vertreiben? Schafft Neuke es, die Klangräuber zu besiegen? Wird Welli ein Opfer des Zauberers Umbra? Kann Geo den Zwillingsnixen und den Bewohnern an der Else helfen? Wie kam es zur Versteinerung der Dinosaurier in der Nähe von Buer? Lebt Johann, das Mühlengespenst, noch immer in der Westhoyeler Mühle? Gelingt es Ole, den Streit zwischen den Nasenbären und den Erdmännchen zu schlichten? Schaffen Brüle und der Sammler es, den legendären Urdonsovogel rechtzeitig nach Uriland zu bringen? Antworten auf diese Fragen bekommt ihr in diesem geheimnisvollen Buch der Meller Regenbogendrachen. Es wurde für Schülerinnen und Schüler sowie interessierte Erwachsene geschrieben. Viel Freude beim Lesen wünscht Annelie Buddenbohm.

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Seitenzahl: 179

Veröffentlichungsjahr: 2015

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„Ein Geschenk für Melle“

- Geleitwort -

Liebe Leserin, lieber Leser!

Eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung, verwebt Annelie Buddenbohm in diesem Buch acht fantasievoll verfasste Märchen mit detaillierten Sachinformationen und profundem Heimatwissen zu einer wahren Liebeserklärung an die Stadt Melle.

Acht junge Regenbogendrachen werden von ihren Eltern ausgesandt, um die Welt kennen zu lernen, Abenteuer zu bestehen und am Ende eine dauerhafte Heimstatt zu finden. Und siehe da: Alle kehren in den Grönegau zurück!

So unterschiedlich die einzelnen Charaktere sind, so findet schließlich jeder Drache einen Stadtteil, der zu ihm passt und zu dessen Glücksbringer er wird. Was dabei besonders beeindruckt: Die geschwisterliche Verbundenheit der kleinen Wesen färbt auf die Stadtteile Melle-Mitte, Buer, Bruchmühlen, Neuenkirchen, Riemsloh, Wellingholzhausen, Gesmold und Oldendorf ab. Mit der Begleiterscheinung, dass die einzelnen Stadtteile unter dem Schutz der Drachen zusammenwachsen – und zwar unter Wahrung und gegenseitiger Anerkennung ihrer Besonderheiten.

Wie schade, dass nur Kinder diese farbenprächtigen Regenbogendrachen sehen können. Sind doch die Beschreibungen der Drachen, ihrer Abenteuer und Heldentaten so lebhaft und bildlich erzählt, dass man fast meint, sie auf den Flügeln der Westhoyeler Mühle, auf dem „Buerschen Bleistift“, an der sagenumwobenen Bifurkation oder an einem ihrer anderen Ruheplätze sehen zu können.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht

Reinhard ScholzBürgermeister der Stadt Melle

Einleitung

Die „Wahrheit“ war, im Gegensatz zu dem „Märchen“, sehr unbeliebt bei den Menschen, und sie beklagte sich darüber bei dem Märchen. Dieses antwortete: „Die Menschen lieben es, dass jeder geschmückt ist und sich ein wenig verkleidet. Ich will dir solche Kleider borgen, mit denen ich angezogen bin, und du wirst sehen, dass die Menschen auch dich lieben werden.“ Die Wahrheit befolgte diesen Rat und schmückte sich mit den Kleidern des Märchens. Seit damals gehen Wahrheit und Märchen zusammen und beide sind bei den Menschen beliebt.

(Auszüge aus einem jüdischen Märchen)

Auch in diesem Märchen von der Stadt Melle und ihren acht Stadtteilen gehen Märchen und Wahrheit immer wieder ein Stück des Weges gemeinsam.

Dieses Märchen, geschmückt mit allen Regenbogenfarben und verkleidet mit viel Fantasie, fragt nicht nach historischen oder zeitorientierten Hintergründen. Ihr Ziel ist es, die Menschen durch ihre Präsenz zu erfreuen, zu unterhalten und nachdenklich zu machen. Außerdem soll das Märchen die Menschen motivieren, dass sie in die legendäre Welt der Regenbogendrachen, auch „Glücksdrachen“ genannt, eintauchen und ihnen zuhören.

Durch ihre Fantasiefiguren hoffen die Wahrheit und das Märchen, dass die Menschen ihre Botschaft der Freude und Dankbarkeit über das vorhandene Vertrauen und die gegenseitige Freundschaft zwischen allen acht Stadtteilen der Stadt Melle wahrnehmen und glauben, dass dieses noch weiter wachsen kann.

Annelie Buddenbohm

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort

Einleitung

Impressum

Der Malwettbewerb

Tanias Besuch bei ihrer Großmutter

Die Geschichte von den Regenbogendrachen

Auf der Drachenburg

Was die Regenbogendrachen auf der Erde erleben

Das Drachenmädchen Melli (Melle)

Der Drachenjunge Neuke (Neuenkirchen)

Das Drachenmädchen Welli (Wellingholzhausen)

Der Drache Geo (Gesmold)

Der Drachenjunge Ole (Oldendorf)

Das Drachenmädchen Buri (Buer)

Der Drache Riemo (Riemsloh)

Das Drachenmädchen Brüle (Bruchmühlen)

Das Ende der Regenbogendrachenlegende

Epilog

Danksagung

Kurzvita

DERMALWETTBEWERB

„Mami, Mami! Ich habe den Malwettbewerb gewonnen!“, rief die achtjährige Tania glücklich aus, als sie aus der Schule kam und zeigte ihrer Mutter stolz das prämierte Bild. „Du hast einen wunderschönen bunten Regenbogendrachen mit gestreiften Flügeln gemalt“, sagte die Mutter bewundernd zu ihrer kleinen Tochter, während sie das Drachengemälde anschaute. „Meinen Drachen fanden alle aus meiner Klasse am interessantesten. Daher nehmen wir ihn als Bastelvorlage für das Drachenfest!“, erzählte das kleine Mädchen weiter. „Unsere Lehrerin sagte, dass alle Schulklassen unserer Stadt in diesem Jahr für das Meller Drachenfest gemeinsam einen riesig langen Drachen herstellen. Und ich darf dieses Fabelwesen anführen, weil ich den Malwettbewerb gewonnen habe. Ich bin ja so glücklich, Mami!“, jubelte das kleine Mädchen und umarmte seine Mutter stürmisch. „Unsere Lehrerin sagte, ich hätte sehr viel Fantasie. Dabei habe ich mich eigentlich nur an das letzte Drachenfest erinnert, wo ich mehrere leibhaftige Drachen gesehen habe, die sich alle sehr ähnlich sahen und unseren Umzug durch die gesamte Stadt begleitet haben. Einer davon sah genauso aus wie der gemalte Drachen auf meinem Bild. Haben du und Papi auch schon einmal Drachen gesehen?“, fragte Tania ihre Mutter und schaute diese neugierig an. „Diese Gabe, Wesen aus alten Legenden zu sehen, haben nur Kinder“, antwortete die Mutter wehmütig und sprach weiter: „Aber als ich ein Kind in deinem Alter war, habe ich diese wunderbaren Wesen gleich mehrere Male hintereinander erblickt. Nun kann ich sie ja jederzeit auf deinem Gemälde anschauen“, lachte die Mutter und nahm ihre kleine Tochter in die Arme. „Wo kommen diese riesigen Tiere, die ich eigentlich nur aus den Märchenbüchern kenne, her? Haben sie einen Namen? Wohnen sie in unserer Gegend? Erzähle mir bitte von ihnen!“, bettelte Tania ihre Mutter. „Diese Geschichte kann dir deine Großmutter besser erzählen. Besuche sie doch heute Nachmittag und übernachte bei ihr. Dann habt ihr viel Zeit, gemeinsam den Drachengeheimnissen auf den Grund zu gehen“, meinte die Mutter spontan zu Tania. Begeistert stimmte das kleine Mädchen diesem Vorschlag zu. Die vereinbarte Zeit bis zum Besuch der Großmutter kam ihr heute endlos lang vor.

TANIAS BESUCH BEI IHRER GROBMUTTER

Mit der Schultasche unter dem Arm und dem selbst gemalten Drachenbild in der Hand, lief Tania am Nachmittag zu dem kleinen Häuschen ihrer Großmutter, die nur zwei Straßen weiter wohnte. Sie klingelte „Sturm“ bei ihr und hörte die Großmutter rufen, bevor die Tür von ihr geöffnet wurde: „Ja, ja! Ich komme ja schon, du kleine Ungeduld!“ Sie umarmte ihre Enkelin herzlich und meinte:

„Ich freue mich sehr über deinen spontanen Besuch, liebe Tania. Deine Mutter hat mir vorhin am Telefon von deinem großen Interesse an den Regenbogendrachen berichtet. Auch erzählte sie mir von deinem gewonnenen Malwettbewerb in der Schule. Komm herein. Wir beide machen es uns heute Nachmittag richtig gemütlich, und ich erzähle dir dabei alles, was ich über diese Urtiere und ihre acht Drachenkinder weiß!“ „Es gibt eine richtige Drachenfamilie?“, fragte Tania erstaunt. „O ja! Und sie leben alle in unseren verschiedenen Stadtteilen“, beantwortete die Großmutter die Frage ihrer Enkelin. „Setz dich ins Wohnzimmer, kleine Neugier! Ich hole uns Kakao und etwas zum Naschen aus der Küche“, meinte Omi Anna, wie Tania sie immer nannte, und entfernte sich.

Tania legte ihr Drachenbild auf den Wohnzimmertisch und erstarrte: Mitten auf dem Tisch lag ein sehr dickes, goldglänzendes, regenbogenfarbiges Buch. Darauf war in großen goldenen Buchstaben zu lesen:

DIEGESCHICHTEVON DENREGENBOGENDRACHEN

Als Tania neugierig darin herumblätterte, sah sie schon auf den ersten Seiten einen Drachen in allen Regenbogenfarben abgebildet, der ihr sehr bekannt vorkam. „Omi Anna! Genau diesen Drachen habe ich gesehen!“, rief Tania aufgeregt. „Ja, das glaube ich dir. Du hast ihn sogar nach deiner eigenen Erinnerung sehr genau gezeichnet, wie ich sehe“, antwortete die alte Frau und verglich das gemalte Bild mit der Abbildung im Drachenbuch. „Erzähl, Omi Anna!“, rief das kleine Mädchen ungeduldig aus und fragte: „Bist du diesem Drachen einmal begegnet?“

Die Großmutter legte den Arm um das kleine Mädchen und begann zu erzählen: „Du musst wissen, dass alle Drachenarten ihre eigene Geschichte haben und ihren eigenen Zauber“, begann sie zu erzählen. „Bei den Regenbogendrachen ist es so, dass sie nur von Kindern gesehen werden können“, berichtete sie weiter. „Als ich ungefähr so alt war wie du, hatte ich einige Male Kontakt zu ihnen. Diese uralten Geschöpfe können sogar sprechen, zaubern, verstehen alle Sprachen, die es gibt, können schwimmen, laufen, fliegen und Feuer speien, aber malen und schreiben können sie nicht. Sie besitzen ein Drachenbuch, das zaubern kann. Du hast es soeben entdeckt. Es erscheint manchmal den Menschen, die irgendwann Kontakt mit einem der Drachen hatten. Die Regenbogendrachen können sich dieses Zauberbuch aber auch herbeidenken! Eines Tages lag dieses wunderschöne Buch, verziert mit echten Drachenschuppen, auf meinem Tisch. Ich wusste nicht, dass es ein Zauberbuch war und begann darin zu lesen.

Es faszinierte mich so, dass ich dieses Buch erst zur Seite legte, als ich die letzte Zeile gelesen hatte. Über viele Jahrhunderte hatten die von den Drachen ausgewählten Kinder darin die Geschichten und Abenteuer dieser Tiere gemalt und aufgeschrieben. Eines dieser Kinder war ich!“, meinte die Großmutter stolz. Mit großen, staunenden Augen schaute Tania ihre Oma Anna an und blätterte selbstvergessen in dem Buch. „Ein Drache holte mich mehrmals von unserem Haus ab“, erzählte die Großmutter weiter, „und brachte mich an einen geheimen Ort auf einem hohen Berg.

Dort erzählten mir zwei von ihnen ihre Lebensgeschichte. Vieles von dem Gehörten sollte ich in dieses Drachenbuch schreiben und auch Bilder dazu malen, was ich gerne für sie tat. Dann verschwand das Zauberbuch aus meinen Augen, und auch die Drachen habe ich seitdem nicht wieder gesehen“, sagte die Großmutter mit trauriger Stimme und sprach dann leise weiter: „Ich bezweifelte, dass sich diese Wesen noch in unserer Gegend aufhalten. Daher war ich sehr überrascht, als vor einigen Tagen dieses wunderbare Buch mit den vielen schönen Zeichnungen und Drachengeschichten wieder auf meinem Wohnzimmertisch lag. Nun kommst du, liebe Tania, mit deiner herrlich gelungenen Drachenzeichnung, die mir beweist, dass du diese Tiere gesehen haben musst, und dass sich diese legendären Wesen noch in unserem schönen Grönegau aufhalten. Ich werde dir nun aus diesem Drachenzauberbuch die Erlebnisse dieser uralten, fast vergessenen Wesen vorlesen.“ Die Großmutter schlug die erste Seite mit der Abbildung zweier wunderschöner, in allen Farben schillernden Drachen auf, berührte die Bilder vorsichtig mit ihren Händen und begann zu lesen. Das kleine Mädchen kuschelte sich eng an seine Oma Anna und bekam das Gefühl, alles Vorgelesene mitzuerleben.

Die Geschichte begann mit dem Titel:

AUF DER DRACHENBURG

Es waren einmal zwei wunderschöne Regenbogendrachen, die Mella und Mello hießen. Sie gehörten mit ihren 327 Jahren noch zu den sehr jungen Drachen. Ihre Schuppenpanzer leuchteten in allen Regenbogenfarben, und ihre weiten, goldsilbrig glänzenden Flügel sahen wie Engelsflügel aus. Sie waren furchtlos, mutig, oft zu kühn in ihren Handlungen und wussten immer ganz genau, was sie wollten.

Die beiden jungen Drachen lebten mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden auf einer Drachenburg. Diese alte Burg war schon über 3000 Jahre die Heimat aller Regenbogendrachen. Sie lag auf einem hohen Berg, weit über den Wolken mit den goldenen Tupfen! Für die Augen vieler anderer Lebewesen war diese Drachenart unsichtbar. Da sie Vegetarier waren, freuten sie sich über die Vielfältigkeit und Üppigkeit der Pflanzenwelt an diesem Ort. Mella und Mello waren unzertrennliche Drachenfreunde. Beide liebten sie die Herausforderung, den Kampf und auch die Gefahr! Diese Einstellung brachte sie oft in schwierige Situationen. Eines Tages entschlossen sie sich, eine Weile auf der Erde zu leben. Die jungen Drachen waren neugierig auf die Menschen und „brannten“ darauf, endlich ihre eigenen Abenteuer zu erleben.

Von den Gesprächen der alten, weisen Drachen auf dem Drachenberg wussten sie, dass auf der Erde viele verschiedene Geschöpfe leben: Kleine und große Tiere, die schwimmen, fliegen oder krabbeln konnten, Menschen, die sich manchmal sonderbar verhielten und sogar ihre eigenen Tiere als Nahrung zu sich nehmen.

Die Fähigkeit zu zaubern, fliegen, schwimmen, Gedanken und verschiedene Sprachen anderer Geschöpfe zu verstehen sowie gelegentlich Feuer zu speien, war dieser Drachenart angeboren. Da aber die sehr alten, weisen Drachen Jahrtausende lange gute, aber auch böse Erfahrungen mit den Menschen und anderen Geschöpfen auf der Erde gesammelt hatten, entwickelten sie zu ihrem eigenen Schutz den Unsichtbarzauber! Dieser Zauber umgibt jeden Regenbogendrachen, solange ersieh auf der Erde aufhält. Nur Kinder haben noch die Gabe, diese Urtiere wahrzunehmen. Von all diesem Wissen begleitet, verabschiedeten sich Mella und Mello von ihrer Familie und von ihren Freunden auf der Drachenburg über den Wolken, um ihr eigenes Drachenleben auf der Erde zu beginnen.

WAS DIE REGENBOGENDRACHEN AUF DER ERDE ERLEBEN

Die beiden stolzen und kühnen Regenbogendrachen landeten nach tagelangem, anstrengendem Drachenflug auf einer großen, grünen Wiese. Sie war umgeben von hohen Bäumen, verschiedenen Büschen und Sträuchern, an denen saftige Beeren wuchsen. Auf den Wiesen sahen sie bunte Blumen aller Art und Heilkräuter, die würzig dufteten. Hungrig probierten die beiden Urtiere von diesen Köstlichkeiten und stillten ihren Durst anschließend in dem nahe gelegenen kleinen See. Mella entdeckte auf einem Hügel in der Nähe dieses kleinen „Paradieses“ eine alte, knorrige Eiche mit acht dicken, sehr weit ausladenden Ästen. Diesen Baum nahmen sie sofort als ihren Beobachtungs- und Schlafbaum in Anspruch. Anschließend erkundeten sie ausgiebig ihre nähere und weitere Umgebung und beschlossen, irgendwann in diese schöne Gegend zurückzukehren.

Als sie sich ausgeruht und gestärkt in die Lüfte erhoben, hörten sie plötzlich unter sich helle Kinderstimmen. Ein Mädchen rief: „Ich sehe zwei große Regenbogen, Patrick!“, und wies mit seinem ausgestreckten Arm auf die beiden Urtiere über sich. Staunend sagte der Angesprochene: „Lisa, das sind keine Regenbogen. Am Himmel fliegen zwei wunderschöne Drachen. Sie sehen nur aus wie Regenbogen!“, und er winkte Mella und Mello begeistert zu.

Beide Kinder schauten diesem Wunder so lange nach, bis sie für ihre Augen nicht mehr zu sehen waren. Mellas smaragdgrüne Augen blitzten amüsiert, und ein winziger Feuerstrahl stahl sich aus ihrer breiten Nase. Mello erwiderte das Drachenfeuerseiner Freundin mit einem kunstvoll geformten Feuerball, der langsam auf die Erde trudelte und dort erlosch. Noch viele Flugmeilen weiter hörten die beiden Drachen die begeisterten Ausrufe der beiden Kinder. Drachen haben ein sehr gutes Gehör! Mit kraftvollen Flügelschlägen setzten die beiden Regenbogendrachen ihren Flug fort. Entschlossen flogen sie über eis- und schneebedeckte Berge, über grüne Täler, über Moos bewachsene Wälder, rauschende Wasserfälle, Ozeane, Meere und Seen, ehe sie nach mehr als 100 Jahren am Ende der Welt ankamen. Sie hatten auf ihrer kühnen und anstrengenden Flugreise Bekanntschaft mit den Wald- und Wassertieren, mit der bunten und vielfältigen Vogelwelt gemacht und waren außerdem Menschen begegnet, von denen sich einige Gruppen als sehr kriegerisch und feindselig erwiesen. Habgierige Höhlenzwerge, die eifersüchtig ihre Schätze bewachten, versuchten mit listigen Zaubertricks einige von den goldenen Drachenschuppen zu stehlen. Im Atlantik wurden sie von giftigen Kraken bedroht und konnten dieser Gefahr nur mit äußerster Anstrengung und Zauberkraft entkommen. So wurde ihr Flug über die Erde auch von gefährlichen Kämpfen begleitet, denen sich aber beide Urtiere immer entschlossen und furchtlos entgegenstellten.

Noch erschöpft von dem leidenschaftlichen Kampf mit dem Bergriesen in den nordischen Wäldern, erholten sich die beiden Flugdrachen in der Einsamkeit der feuerspeienden Vulkane am Ende der Welt! Ihre Abenteuerlust und Neugierde auf die Geschöpfe der Erde war gestillt. So beschlossen die beiden Regenbogendrachen, ihr Wanderleben zu beenden und einen für sie geeigneten Ort und Platz zu suchen, wo sie in den nächsten 200 Jahren gemeinsam friedlich leben konnten.

Mit dieser Hoffnung und Freude im Herzen flogen Mella und Mello mit kraftvollen Flügelschlägen dorthin zurück, wo ihre Reise vor langer Zeit begann.

Aber wie hatte sich dieser paradiesische Ort verändert: Lautes Kriegsgeschrei und Kampflärm sowie das ängstliche Weinen von Kindern schallte zu ihnen herüber. Rauch und Feuerqualm lagen in der Luft, und die beiden Regenbogendrachen sahen beim Näherkommen viele zerstörte und verbrannte Häuser in dieser Stadt.

Sie steuerten auf die achtarmige, knorrige alte Eiche zu und entdeckten dort in dem Geäst eine Gruppe ängstlicher Kinder, die dort Schutz vor den fremden Kriegern gesucht hatte.

Fasziniert und gleichzeitig ängstlich schauten die Kinder diesen legendären Wesen entgegen. Die Drachen hatten ihr Augenmerk auf die Kinder gerichtet und Mello sprach diese mit seiner tiefen Drachenstimme an: „Wer hat eure schöne Stadt zerstört? Wo sind eure Eltern und Geschwister?“ „Ihr braucht keine Angst vor uns zu haben. Wir wollen euch helfen!“, ergänzte Mella ihren Drachenfreund und schaute die Kinder der Reihe nach aufmerksam an, bevor sie weiter sprach: „Wir sind Regenbogendrachen und haben diesen Ort bei unserem ersten Besuch vor mehr als 100 Jahren als sehr friedlich und lebenswert empfunden. Was ist geschehen?“ Fast alle Kinder hatten sich inzwischen von ihrer Verblüffung und ihrem Erstaunen erholt, zwei ausgewachsenen Drachen gegenüber zu sitzen, die ihnen Fragen stellten. „Vor einigen Tagen überfielen fremde Soldaten plötzlich unsere Stadt. Sie plünderten die Wohnungen und steckten unsere Häuser an. Alle Menschen, die sich wehrten oder sich ihnen entgegenstellten, töteten sie“, antwortete ein kleiner Junge aus der Kindergruppe ihnen. „Nur wenige Menschen aus der Stadt konnten sich auf die Diedrichsburg retten.

Auch dort werden noch immer heftige Kämpfe mit den Angreifern ausgefochten. Die Soldaten aus unserer Stadt sind in der Minderheit. Die fremden Krieger haben alle Männer, Frauen und Kinder gefangen genommen und fortgebracht. Sicher sollen sie alle verkauft werden“, schluchzte ein kleines Mädchen. „Dazu lassen wir es nicht kommen!“, schnaubte Mello, während ein heftiger Feuerstrahl aus seiner Nase entwich. „Wir Regenbogendrachen sind kampferprobt, furchtlos und stark. Wir haben die Gabe, dass wir Feuer speien können, und außerdem umgibt uns ein Unsichtbarzauber. Nur Kinder können uns wahrnehmen. Also ist der Überraschungseffekt auch bei dieser Überzahl der Feinde auf unserer Seite“, sagte der Drache energisch zu den Kindern und versuchte sie zu beruhigen. „Wir brauchen nun zwei mutige Kinder, die uns bei der Befreiung der Gefangenen helfen, und ihnen mitteilen, dass sie sich möglichst über Schleichwege auf der Diedrichsburg in Sicherheit bringen sollen“, sprach Mella die Kinder an. Sofort meldeten sich zwei unerschrockene Kinder, stiegen auf den schuppigen Drachenrücken, während alle anderen Kinder den Versuch unternahmen, von den Feinden ungesehen zur Diedrichsburg zu gelangen.

Mutig begaben sich die beiden Regenbogendrachen in das Kriegsgetümmel! Den feindlichen Soldaten graute vordem unsichtbaren Feind, dersie grob packte und in die Luft schleuderte, als wären sie Puppen, und der Rauch und Feuer spuckte. Sie liefen in Panik davon. Manche von ihnen versuchten noch, sich mit ihren Schwertern zu wehren, trafen aber immer ins Leere. Sie bekamen durch das Drachenfeuer und den Rauch Atemnot, husteten, keuchten und liefen schließlich in alle Richtungen davon, um ihr eigenes Leben zu retten. Die Gefangenen konnten nun gefahrlos von den Kindern über die veränderte Situation und Rettung informiert werden und eilten über ihnen bekannte und geheime Wege zur Diedrichsburg. Die kampferprobten, mutigen Drachen verfolgten die Feinde mit ihrem Drachenfeuer, bis diese außer Landes waren und sich schworen, gegen solch einen starken und unsichtbaren Gegner nie wieder Krieg zu führen.

Mit kräftigem Flügelschlag flogen Mella und Mello nun der Diedrichsburg zu und besiegten auch dort mit Hilfe ihres Drachenfeuers die fremden Soldaten. Alle Zerstörer dieser Stadt wurden eine Zeit lang bei Wasser und Brot ins Burgverlies gesteckt und mussten später zur Strafe ihrer begangenen Missetaten die Häuser der Stadt wieder aufbauen, ehe sie wieder in ihre eigene Heimat reisen durften.

Der Burggraf hielt eine ergreifende Lob- und Dankesrede auf die beiden legendären Regenbogendrachen. Er betonte dabei, dass diese furchtlosen und mutigen Urtiere durch ihr entschlossenes Eingreifen die Bevölkerung und ihre Stadt gerettet hätten und ihnen allen den Frieden gebracht haben. „Drachen sind Glücksbringer!“, rief er laut über den Burghof. „Wir Menschen in dieser Stadt würden uns freuen, wenn ihr auf Dauer in unserer Umgebung eine Heimat finden würdet“, sprach er unter den begeisterten Rufen der zuhörenden Menge weiter. „Wenn ihr wollt, könnt ihr auf dem hohen Turm dieser Burg, wo ihr immer eine herrliche Aussicht auf Stadt und Land habt, euren Drachenhorst bauen und für immer bei uns bleiben!“, ergänzte er. Alle Menschen klatschten in die Hände und stimmten diesem Vorschlag begeistert zu. „Schade, dass ihr nur für die Kinder sichtbar bleibt und wir euch niemals in all eurer Schönheit und Pracht zu sehen bekommen“, hörten die Menschen den Grafen bedauernd sagen, ehe er sich abwandte und auf die Kinder zuging. Es war still geworden auf dem Burghof. Alle empfanden das gleiche Bedauern in sich. Einige Kinder versuchten, die beiden Regenbogendrachen mit Worten zu beschreiben, bis Fred plötzlich ausrief: „Nadja kann von uns allen am besten zeichnen und Geschichten schreiben. Sie soll die beiden Drachen malen und die Zeichnung für alle Menschen sichtbar in der Diedrichsburg aufhängen!“ Der Junge zeigte mit ausgestrecktem Arm auf Nadja, die diesem Vorschlag sofort zustimmte. Die beiden Drachen hatten gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden und freuten sich auf den Besuch von dem kleinen Mädchen.

Nun wurde ein fröhliches Friedensfest gefeiert, was drei Tage anhielt. Die Bürger beschlossen, solch ein Fest der Erinnerung und Dankbarkeit an die Befreiung ihrer Stadt durch die Drachen nun in regelmäßigen Abständen in ihrer Stadt zu feiern. Alle Menschen waren von diesem Vorschlag begeistert und besonders die Kinder freuten sich schon jetzt auf das nächste DRACHENFEST.

Mella und Mello bedankten sich bei den Menschen für diese Freundlichkeiten mit einem funkensprühenden, in allen Farben leuchtenden Feuerwerk.

Die beiden nun sesshaften Regenbogendrachen bauten auf dem hohen Turm der Burg einen riesigen Drachenhorst und bekamen dort acht niedliche Drachenbabys. Während Mella und Mello abwechselnd ihre noch flügel- und schuppenlosen Drachenbabys mit ihrem eigenen Körper wärmten und beschützten, hatten sie Zeit, dem kleinen Mädchen Nadja von ihren spannenden Abenteuern auf ihrer langen und gefährlichen Reise bis ans Ende der Welt zu erzählen.

Nadja schrieb und malte begeistert all das Gehörte und was sie sah in ein großes Buch mit einem regenbogenfarbigen Einband, der mit echten Drachenschuppen verziert war. Dass es ein geheimnisvolles Zauberbuch war, worin alle Abenteuer der Regenbogendrachen, der geheime Geburtsort auf dem Drachenberg und vieles andere geschrieben stand, erfuhr das kleine Mädchen erst viel später. Für die Bevölkerung malte Nadja die beiden wunderschönen und starken Urtiere sehr naturgetreu auf ein großes Plakat, welches noch heute auf der Burg aufbewahrt wird.

Mella und Mello gaben ihren vier kleinen Drachenmädchen die Namen: Melli, Welli, Buri und Brüle. Die Drachenjungen hießen: Riemo, Neuke, Geo und Ole.