Kommissar Lüppi - Band 11 - Markus Schmitz - E-Book

Kommissar Lüppi - Band 11 E-Book

Markus Schmitz

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Beschreibung

Der Kriminalhauptkommissar Martin Lüpke, Spitzname Lüppi, und sein Team ermitteln in mehreren Fällen. Bei jüngeren Leuten häufen sich die ungeklärten Todesfälle. Unter den Opfern befindet sich auch die Nichte eines Richters, die an den Folgen von zu viel MDMA, auch bekannt als Ecstasy, stirbt. Nach einem Gespräch mit deren Schulfreunden rücken zwei Discotheken ins Visier. Eine befindet sich nahe der Essener Innenstadt und die andere ist in Mülheim Monning. Fast gleichzeitig geschieht etwas bei dem Richter Zuhause, der einen Ex-Apotheker frühzeitig aus der Haft entlassen hat.

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Seitenzahl: 499

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Kommissar Lüppi

Band 11

Die trügerische Idylle

AutorMarkus Schmitz. Ich bin 1964 in Essen geboren und lebe seit einigen Jahren mit meiner Verlobten in Bochum. Von Beruf bin ich Konstrukteur und habe viele Jahre lang Modellbau betrieben. Im Jahr 2016 entschloss ich mich mit dem Modellbau aufzuhören und habe das Schreiben wieder angefangen.Die ersten drei Bücher ‚Der Rennfahrer Mark Kirchheim‘ handeln von Motorsport und der organisierten Kriminalität. ‚Kommissar Lüppi‘ istmeine erste Kriminalromanreihe. Die zweite Kriminalromanreihe ist der‚Privatdetektiv J.W. Göthe‘.

Weitere Informationen unterwww.MarkusSchmitz.site

Inhaltsangabe

Der Kriminalhauptkommissar Martin Lüpke, Spitzname Lüppi, und sein Team ermitteln in mehreren Fällen. Bei jüngeren Leuten häufen sich die ungeklärten Todesfälle. Unter den Opfern befindet sich auch die Nichte eines Richters, die an den Folgen von zu viel MDMA, auch bekannt als Ecstasy, stirbt. Nach einem Gespräch mit deren Schulfreunden rücken zwei Discotheken ins Visier.Eine befindet sich nahe der Essener Innenstadt und die andere ist in Mülheim Monning. Fast gleichzeitig geschieht etwas bei dem Richter Zuhause, der einen Ex-Apotheker frühzeitig aus der Haft entlassen hat.

Vorwort

Kommissar Lüppi ermittelt in der Stadt, aus der ich selber stamme, der Stadt Essen im Ruhrgebiet und startet im 1. Band am Ostersonntag 1995. Das Wort Romanreihe ist dabei wörtlich zu nehmen, da die Bände zeitlich aufeinander folgen. Das heißt, der nächste Band führt die Geschichte da weiter, wo der vorherige aufgehört hat. Der letzte Tag im Band 10 ist der erste Tag im Band 11. Die Bände gehen somit ineinander über. Jeder Band ist in sich abgeschlossen.

Wie Sie als Leserin und Leser inzwischen von den vorherigen Lüppi Bänden wissen, ist Lüppi inzwischen ‚Erster Kriminalhauptkommissar der KK11‘ und ‚kommissarischer Kriminalrat der Kriminalinspektion 1‘. Dass er damit mehr zu tun hat als zuvor ist für jeden vorstellbar. In diesem Band ermitteln Lüppi und sein Team wieder in mehreren Fällen.

Es gibt auch wieder Neues von den beiden Lieblingsverbrechern meiner Frau, den beiden Protagonisten Bernardo Carbone und Michele Alessandro Mascali mit ihren beiden Frauen Maria Damico und Gianna Rizzi. Dazu mehr in diesem Band und noch zusätzlich der eine und andere Hinweis zu Sizilien von mir persönlich.

Wie bereits von Ihnen gewohnt sind immer Tag, Zeit und Ort bei einem Handlungs- und Ortswechsel eingefügt.Diese Geschichte ist reine Fiktion. Die Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Firmen, Hersteller, Orte und Ereignisse entstammen entweder der Fantasie des Autors oder wurden auf fiktionale Weise verwendet. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen, mit Ereignissen und Orte wäre vollkommen zufällig.

Impressum

Texte: ©2026 Copyright by Markus Schmitz

Alle Rechte vorbehalten

Umschlag:©2026 Copyright by Markus Schmitz

Alle Rechte vorbehalten

Verlag:Markus Schmitz

Gertrudenhof 144866 Bochum

www.Schmitz-Sobaszek.de

[email protected]

Druck:epubli - ein Service der neopubli GmbH,

Berlin

1

20. November 1995, Montag, 8.20 UhrPolizeipräsidium Essen

Heike und Gördi hatten direkt am frühen Morgen einen größeren Fall von Waffendelikt auf den Tisch bekommen. Lüppi selbst las mal wieder die Akten der Kolleginnen und Kollegen, die er anschließend gegenzeichnen musste. Meik und Björn hatten noch mit den drei ungeklärten Todesfällen zu tun. Aber als wenn das nicht schon genug wäre, so bekamen sie von Lüppi auch noch zwei weitere Fälle dazu. Ihm fiel natürlich schon auf, sie schienen noch kein Stück weiter zu sein. Warum das so war, wusste er nicht, aber er hatte auch nicht vor, vor dem nächsten Tag nachzufragen. Lüppi hoffte, bis dahin hätten sie etwas in der besagten Hand. Lothar Bäumler, der Kriminaldirektor, kam ins Büro, grüßte und ging zu Lüppi. Dort stellte er fest, der Schreibtisch von Petra war unbenutzt und sie schien nicht da zu sein.

„Hat Petra heute Urlaub?“, erkundigte er sich.

„Nein, sie ist da. Sie sitzt in Eckerhard´s Büro mit einer ‚Spezial-Aufgabe‘.“

„Hinter geschlossener Tür?“

„Ja, es geht um die Akten vom Ex-Kollegen Adams, die sich seit nun mehr als drei Wochen dort auf dem Seitenschrank stapeln.“

„Ach so, wo unser Polizeipräsident so dringend drauf wartet, um gegen den Herrn Adams das Disziplinarverfahren einleiten zu können“, erinnerte sich Lothar dran.

„Was gibt es Schönes?“, wollte Lüppi von ihm wissen.

„Was macht denn euer Fall in Schuir? Ich habe gehört, er ist seit Freitag abgeschlossen“, sagte Lothar.

„Ja, ist richtig, die Akte liegt hier. Möchtest du was hören?“

„Ja, klar…, natürlich, erzähl mal.“

„Hertha Langheimer war nicht mit dem Herrn Blumenthal verheiratet. Das hat sie allen nur weiß gemacht, damit sie sich das Haus in Schuir aneignen konnte. Jetzt stellt sich ja die Frage, warum war das Ganze denn dann, nicht wahr?“, fragte Lüppi ihn und wusste, die Frage war Quatsch.

„Selbstverständlich…, und was war der Auslöser für das alles?“, fragte Lothar.

„Hertha und Aron waren ein heimliches Liebespaar, was Vater Blumenthal nicht gefiel. Im September ´43 hat Aron zu Hertha gesagt, sie wäre für ihn nur so eine Art nette ‚Gelegenheit‘ und er wäre nur mit ihr zusammen, weil nichts anderes oder besseres da sei. Sie muss ihm dann, nach ihrer Aussage, wohl eine gescheuert haben. Sie war dann so tief gekränkt und hat sich dann dazu entschlossen, nachdem sie auch noch deren richtigen Namen herausgefunden hatte, einen Tag vor Weihnachten ´43, dem tollen Aron, dessen wohl angeberischen Schwestern und den hochnäsigen Eltern einen Denkzettel zu verpassen, im dem sie sie verraten hat.“

„Mist!“

„Stimmt. Das Ehepaar Novak musste sterben, weil er beim Büsche schneiden das Kellerfenster entdeckt hatte und sich wohl gefragt haben muss, was das für ein Kellerraum ist. Er ist dann wohl runtergegangen und hat hinter dem Schrank den Zugang entdeckt. Später hat er seine Frau dazu gerufen und beide haben das Herthalein zur Rede gestellt. Sie hat beide im Keller eingesperrt. Ihr Sohn Oskar wusste davon, hat auch versucht seine Mutter davon abzubringen die Novak´s dort nicht sterben zu lassen, konnte sich aber nicht gegen seine Mutter auflehnen.“

„Was ist mit uns? Warum hat er nicht den Notruf 110 gewählt?“

„Keine Ahnung, weil es seine Mutter war, nehme ich mal an. Unter den Toten sind übrigens Mutter Blumenthal mit ihren vier Töchtern, die alle fünf das KZ überlebt haben, im Gegensatz zu Aron und deren Ehemann. Hertha hat alle mit, wie sie sie selbst bezeichnet hat, ihrer ‚Spezial-Suppe‘ mit den Schoten des Goldregen-Baums vergiftet. Die zwei gefundenen Soldaten sind ihr eigener Bruder Peter Schillo und dessen Kriegsgefangenkumpel Erich Altemeier. Die darunter gefundenen Gebeine stammen wohl von ihrer eigenen Mutter. Alle schienen ihr Vorwürfe gemacht zu haben und haben alle ihre ‚Spezial-Suppe‘ mit den Schoten des Goldregen-Baums gegessen. Die männliche Wachsleiche war der Friederich Maier, ein Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes, der herausgefunden hatte, sie war nie mit dem Aron verheiratet und musste deshalb auch sterben, er wurde erstochen. So und nun bleibt nur noch die skelettierte Leiche des Briefträgers Heribert Ilshof übrig, dem seine Neugierde zum Verhängnis wurde.“

„Das ist ja der Wahnsinn!“, sagte Lothar.

„Das habe ich auch gesagt. So und nun meinst du bestimmt, das waren die von uns gefundenen zwölf Toten, nicht wahr?“

„Ja, es waren zwölf, wieso…, was kommt jetzt noch?“

„Es waren nicht zwölf, sondern von Hertha wissen wir, es waren dreizehn Opfer!“

„Wer bitte ist denn der dreizehnte?“

„Ihr eigener Ehemann Hubertus Langheimer. Der wusste von alldem und wollte nach Jahrzehnten doch einfach nicht mehr den Mund halten. Das war doch nicht richtig, so dachte sich das Herthalein. Und deshalb hat sie mit den sehr bewerten Schoten des Goldregen-Baums ihm sein Lieblingsessen gekocht. Er aß wohl sehr gerne Chili con Carne.“

„Das ist ja der Hammer!“, sagte Lothar recht laut.

„Herthalein meinte in der Vernehmung noch, dafür wäre er der Einzige gewesen, der nicht an der ‚Spezial-Suppe‘ gestorben ist und dies wäre auch etwas. Sie war übrigens ganz stolz darauf, dass der Notarzt nichts von der Vergiftung bemerkt hat.“

„Er ist also ganz normal beigesetzt worden?“

„Ja, richtig, da es der Notarzt und der Bestatter nicht bemerkt haben.“

„Da fehlen einem die Worte“, fand Lothar und fragte.„Ist die Akte mit deinem Abschlusstext schon fertig?“

„Mache ich nachher, wenn ich mit den fünfen hier durch bin“, antwortete er.

„Ruf mich bitte an, wenn du damit fertig bist“, bat Lothar und ging wieder.

Montag, 9.25 UhrPolizeipräsidium Essen

Marcel kam mit Mario ins Büro und vermisste ebenfalls Petra. Heike und Gördi saßen noch immer an ihren Schreibtischen. Marcel schaute sich um, er sah und hörte wie Meik telefonierte. Björn war auch nicht am Platz.

„Wie ist das Urteil im Prozess von Bettina Reiland ausgefallen“, erkundigte sich Lüppi.

„Das Schwurgericht hat auf Mord nach § 211 StGB befunden“, lautete die Antwort.

„Also lebenslänglich“, resümierte Lüppi.

„Ganz genau.“

„Was macht der Fall der Eheleute Novak?“

„Die Akte liegt hier und ich wollte jetzt meinen Satz darauf schreiben“, antwortete Lüppi.

„Dann hole ich mal Petra“, sagte Mario und wusste, dass sie sich in Eckerhard´s Büro befand.Heike meinte in den Raum hinein, sie würde beim Kriminaldirektor anrufen, was sie auch tat. Dort bekam sie aber von dessen Sekretärin gesagt, Herr Bäumler wäre beim Polizeipräsidenten.Lüppi nahm die entsprechende Akte, blätterte diese noch einmal durch und schrieb, wie inzwischen üblich, seinen Abschlusstext vorne auf den Pappdeckel. Mit seiner Unterschrift war er dann fertig und der Fall Novak mit allen anderen Toten abgeschlossen. Mit Petra und Mario kam auch überraschend Lothar ins Büro.

„Ich lese es mal vor“, sagte Marcel zu allen und nahm die Akte zur Hand.

‚Ein erneuter Fall, der zu einem bekannten Spruch passt. Sie geht über Leichen. Die beiden Opfer, Frau und Herr Novak, sind leider das Ende einer langen Mordserie geworden, wie man sie noch nie gesehen hat und hoffentlich auch nie wieder sehen wird. Insgesamt mussten dreizehn Menschen ihr Leben lassen, nur weil ein Mensch geltungssüchtig ist und meinte, es müsse sich alles um nur um sie drehen.‘M. Lüpke

„Wie immer ein sehr guter Abschlusstext“, fand Lothar.

„Danke“, sagte Lüppi.

„Ich komm gerade vom Polizeipräsidenten“, informierte Lothar und sagte weiter in Lüppi´s Richtung.

„Der Name Dr. Werner Mechendanz sagt dir etwas?“

„Den Namen habe ich erst letztens noch gehört…“, antwortete er und dachte nach.

„Das ist einer der beiden Club-Präsidenten vom EGgL“, ließ Gördi von sich hören.

„Richtig, Herr Schwarz“, bestätigte der Kriminaldirektor.

„Ist dieser Dr. Mechendanz nicht Richter in Bochum?“, fragte Lüppi nach.

„Stimmt genau.“

„Und…, was ist mit ihm?“

„Der wohnt in Heisingen, müsst ihr wissen“, antwortete er und verzog sein Gesicht und schien nicht weiter sprechen zu wollen.

„Wie schön für ihn, und?“

„Ihm ist heute Nacht ein abgetrennter Schweinekopf vor seiner Tür abgelegt worden und von unserem Polizeipräsidenten soll ich dir ausrichten, er bittet dich mein Lieber, du sollst dich bitte mit deinen Leuten darum kümmern und in dem Fall ermitteln.“

„Ist das dessen Ernst?“

„Ja, ich mach keinen Spaß.“

„Verrätst du mir auch noch warum wir von der Kriminalinspektion 1 das tun sollen und nicht die Streifenkollegen, was im Übrigen, wie du auch weißt, nicht zu unserer Aufgabe gehört. Oder denkt unser Polizeipräsident, wir könnten im Mordfall des toten Schweins ermitteln?“, fragte Lüppi etwas sarkastisch nach.

„Ich kann nichts dafür. Die Streifenkollegen sind seit einer Stunde vor Ort.“

„Herr Bäumler“, sprach Heike ihn an.„War der Richter Dr. Mechendanz nicht derjenige, der letzten Freitag den Apotheker Stievens nach 5 von 15 Jahren aus der Haft entlassen hat?“

„Ja, genau, der ist das“, antwortete Lothar und ergänzte. „Und nun fragt man sich, warum er einen Schweinekopf vor der Tür liegen hat.“

„Echt…, fragt man sich das? Wie sagte schon der große Philosoph F. Hüfner aus Altenessen?“, fragte Lüppi, um direkt selbst die Antwort zu geben. „Find den Fehler!“ Anschließend schaute er sich um. Zuerst sah er zu Meik und dem nicht anwesenden Björn, danach zu Heike und Gördi.

„Fahrt ihr zwei bitte nach Heisingen“, bat er sie.

„Und was ist mit dem Waffendelikt?“, fragte Gördi nach.

„Hat dann wohl noch Zeit, meint unser Polizeipräsident“, antwortete er.

„Äh, entschuldige mal bitte, wenn ich das jetzt sage, aber der Herr Dieckhoff, unser Polizeipräsident, möchte das du dich selbst darum kümmerst“, informierte Lothar ihn.

„Vergiss es…, kommt überhaupt nicht in Frage. Die zwei oder gar keiner“, erwiderte Lüppi und der Kriminaldirektor bemerkte, dass ihm das aber mal so richtig quer ging.Marcel musste daraufhin erst einmal schlucken, als er dies hörte und Mario meinte dazu.

„Hat er wieder einen Anruf vom OB bekommen?“

„Möglich!“, antwortete Gördi.

„Vielleicht dreht sich ja wieder etwas in Richtung der EGgL“, konnte sich Heike vorstellen.

„Womit wir auch noch nicht fertig sind“, ergänzte Marcel.

„Wenn dem so sein sollte, dann werdet ihr das herausfinden“, war sich Lüppi sicher.Heike und Gördi ließen alles stehen und liegen und waren wenige Minuten später weg. Lothar und die beiden Staatsanwälte blieben noch.

„Was habt ihr sonst noch für Fälle?“, wollte Marcel wissen.

„Außer dem Waffendelikt und den inzwischen fünf ungeklärten Todesfällen, bis dato nichts“, antwortete Lüppi ihm.

„Den Richter Dr. Mechendanz mit dem abgetrennten Schweinekopf in Heisingen nicht zu vergessen“, warf Lothar mit einem breiten Lächeln ein.

„Das ist kein Fall, sondern nur ein dummer Scherz“, erwiderte er.

„Was sind das für ungeklärte Todesfälle?“, fragte Mario nach.

„Meik“, sprach Lüppi ihn an.„Was machen eure drei alten und zwölf neuen ungeklärten Todesfälle?“

„Björn ist bei einem Hausarzt in Kettwig. Das ist einer von den ersten drei Fälle und ich schau mir die zwei neuen an. Wir glauben, es könnte bei den dreien von letzter Woche vielleicht einen Zusammenhang geben.“

„Inwiefern?“, wollte Lothar erfahren.

„Es handelt sich bei allen dreien um junge Leute. Zwei Männer und eine Frau. 18 Jahre, 21 Jahre und die Frau 19 Jahre alt. Der 18-Jährige ist von seiner Mutter am Morgen geweckt worden. Da ging es ihm schon sehr schlecht. Sie hat daraufhin den Hausarzt angerufen, der auch sofort kam. Während er da war ist der junge Mann in seinem Beisein verstorben. Der 21-Jährige ist von seinen Mitbewohnern einer WG gefunden worden. Die haben den Notarzt gerufen, der aber nur noch den Tod feststellen konnte. Die 19-jährige ist von ihrem 2 Jahre älteren Bruder in ihrem Zimmer geweckt worden. Sie kam aber nicht richtig zu sich und er hat den Nachbarn, einen Arzt, um Hilfe gebeten, der gerade von der Nachtschicht nach Hause kam. Bei allen dreien gibt es keine äußerlichen Anzeichen auf den eingetretenen Tod. Alle drei waren am Vorabend in der Diskothek ‚Techno Palast‘ an der Frohnhauser Straße.“

„Das ist doch eine größere ehemalige Industriehalle, nicht wahr?“, fragte Lothar nach.

„Ja, ist richtig“, bestätigte Mario.

„Kennst du diesen ‚Palast‘?“, fragte Marcel ihn.

„Ja, ich war da mal eine Zeit lang des Öfteren, so bis vor 2-3 Jahren.“

„Was weißt du darüber?“, wollte Meik wissen.

„Ich weiß, bis vor 2-3 Jahren konnte man in der obersten von vier Etagen Drogen kaufen. Die Etagen sind so eine Art der umlaufenden Galerie. An der Treppe ganz oben standen immer 1-2 dunkle Gestalten, die einen fragten, was man dort wolle. Das es dort Drogen zu kaufen gab, wussten alle. Im ‚Techno Palast‘ treten bekannte und unbekannte Band´s auf. Früher hieß der auch mal anders, den Namen weiß ich aber jetzt nicht.“

„Dann liegt jetzt der Verdacht nahe, die sind alle drei an Drogen gestorben“, überlegte Marcel laut.

„Und würde ja mit in den Bereich von Ulrike´s KK12 fallen“, sagte Lüppi und fragte Meik.„Was ist mit den beiden neuen Fällen von heute Morgen?“

„Gleiche Altersgruppe, gleiches plötzliches Ableben. Muss ich mir aber noch genauer anschauen“, antwortete der Gefragte.

„Warum liegen die fünf Fälle jetzt hier bei euch? Da kümmern sich doch sonst Frau Engels und die Herren Jung und Cremer drum?“, fragte Lothar nach.

„Weil wir bis jetzt nichts anderes hatten und die drei viel zu tun haben, deshalb habe ich den beiden die fünf Fälle gegeben“, antwortete Lüppi und meinte Meik und Björn damit.

„Dann sollte ich mal bei den dreien nachfragen gehen, ob die ähnliche Fälle haben“, überlegte Meik laut und war im Begriff loszugehen. Mario sagte zu ihm, er würde mitkommen. Als beide weg waren, verabschiedete sich kurze Zeit später auch Lothar. Zurück blieb nur Marcel.

„Ich wusste gar nicht, dass Mario Techno hört“, sagte er erstaunt.

„Dass Petra und er andere Musik hören als das was im Radio läuft, das wusste ich zwar, was ich aber nicht wusste, dass man das Techno nennt“, sagte Lüppi dazu.

„Ja, schau mal, dann lernst du jetzt noch was dazu.“

„Jaaa…, da freue ich mich jetzt aber drüber…, aber so was von, ich bin schon ganz entzückt.“

„Das kannst du aber gut verbergen, also, ich meine deine Wahnsinnsfreude“, sagte Marcel und es fiel ihm etwas ein.„Ach, übrigens, das wird dich als nächstes auch tierisch freuen…“, und brach mitten im Satz ab.

„Möchtest du, dass ich jetzt nachfrage, was mich so freuen wird?“

„Au ja, frag mich doch mal!“Was beide nicht bemerkten, Petra hatte Eckerhard´s Büro verlassen und war auf dem Weg zum Gemeinschaftsbüro, wo sie zum richtigen Zeitpunkt ankam, als Lüppi seine Nachfrage anfing zu stellen.

„Lieber Herr Oberstaatsanwalt, hätten Sie die Wahnsinns Güte mir mitzuteilen, wovon Sie annehmen, es würde mich mit einer großen, nein…, ich korrigiere, mich sehr groß und tierisch freuen. Wobei ich mir da gerade die Gewissensfrage stelle, welches Tier, dessen Freude ich wohl haben werde, es sein könnte. Ist es die Freude eines Meerschweinchens beim fressen oder möglicherweise die Freude einer Katze beim Mäuse fangen, wenn sie gerade ihre Krallen in das Rückenfell der Maus rammt und sich auf ihren Leckerbissen freut oder könnte es womöglich auch die Freude einer Kuh sein, wenn sie mit ihrem vollen Euter im Stall steht und der Bauer anfängt sie melken“, sagte Lüppi wortreich.

„Was war das denn?“, fragte Petra die zwei und ging zu ihrem Schreibtisch.

„Hallo Petra, dein Vater möchte gerne von mir wissen, was ihn als nächstes so tierisch freuen wird“, informierte Marcel sie.

„Dann lasst mich mal raten…“, sagte sie, machte ein nachdenkliches Gesicht und riet.„Es steht der nächste Fall zur Verhandlung an und mein lieber Vater ist wieder als Zeuge geladen.“

„Ach, nee nä, nicht schon wieder…“, sagte Lüppi und schaute zu Marcel, der nur mit seinem Kopf nickte.

„Welcher Fall und wann?“

„Dein Fall oder richtiger gesagt, Gerhard´s und dein nächster Fall nach Ostern diesen Jahres“, sagte Marcel und machte es damit spannend, wo Lüppi ja so richtig draufstand.

„Der Fall Erik Metzer?“, fragte Lüppi.

„Ganz genau, es ist die Anklage gegen Eberhard Lehmann. Die Vorladung bekommst du heute noch zugestellt. Der Verhandlungstermin ist für den 29.11. angesetzt.“(Kommissar Lüppi - Band 1)

„Der 29. ist bitte wann?“, stellte Lüppi die Frage und schaute auf den Wandkalender, der zwischen Petra´s und Heike´s Schreibtischen an der Wand hing.„Nächste Woche Mittwoch…!“

„10 Uhr, den Vorsitz wird Dr. Feldbinder haben.“

„Das ist ja wenigstens etwas“, fand Lüppi.

„Darf ich dann wieder mit?“, fragte Petra.

„Der Fall ist eigentlich Glasklar, es wird nicht notwendig sein, dass du mitkommst.“

„Oh…! Der Gerichtstermin Bettina Reiland hat mir aber gut gefallen und ich könnte mir vorstellen, ich würde bestimmt dabei auch noch was lernen können“, versuchte sie ihn davon zu überzeugen.

„Lüppi, da hat Petra aber recht, du musst doch euren Nachwuchs fördern!“, sagte Marcel.

„Was ist denn mit euch beiden los?“, erkundigte sich Lüppi.

„Ich möchte gerne noch mal mit“, wiederholte sie ihre Bitte, mit verstellter Stimme in Form eines kleinen Mädchens.

„Ich denke drüber nach“, erwiderte er.

„Ich denke, ich geh mal wieder rüber“, sagte Marcel und hob die Hand zum Gruß als er ging.Beide sagten noch ‚Tschüss‘ und er war weg.

„Und, was führt dich hierher?“, wollte Lüppi von ihr erfahren.

„In deinem anderen Büro gibt es keine Textmarker, deshalb musste ich mir jetzt extra den weiten Weg hierher machen“, antwortete sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

„Beschwer dich bei Eckerhard“, sagte er ihr lapidar und hielt ihr die abgeschlossene Akte zum Lesen hin, die sie entgegennahm und den Abschlusstext las.

„Der Abschluss ist auch wieder gut.“

„Wofür brauchst du einen Textmarker?“, fragte Lüppi sie.

„Um Textzeilen zu markieren“, antwortete sie und hatte sichtlichen Spaß an ihrer Antwort.

„Sag einmal, hast du heute Morgen einen Clown gefrühstückt?“

„Nö, ich habe noch gar nicht gefrühstückt und um genau zu sein, unser Brot war heute Morgen schimmelig, heißt, ich habe nichts zu essen dabei und werde heute wahrscheinlich verhungern…, schnief.“

„Oh, du armes Kind. Was machen wir denn da jetzt?“, fragte Lüppi und hatte nicht mit einer solchen Antwort gerechnet, die er aber bekam.Auf dem Weg zum Präsidium hatte sie schon darüber nachgedacht, ob sie das was sie nun sagen würde, wirklich so tun sollte. Sie war sich aber nicht ganz sicher, wie er darauf reagieren würde, da sie ihn ja noch nicht lange kannte. Sie wagte es… und tat es.

„Das kann ich dir verraten. Du bist jetzt mal ein ganz lieber Papa und gehst deiner lieben Tochter ein oder noch besser zwei leckere belegte Brötchen aus der Kantine holen. Bitte zwei Mal mit Käse. Das wäre ganz lieb von dir und ich nehme jetzt diesen Textmarker und markiere alles, wo ich glaube, dass der Adams etwas Illegales gemacht hat“, sagte sie und war extrem auf seine Reaktion gespannt.Lüppi sah sie an, fing an zu lächeln und bat sie einmal zu ihm zu kommen.

– Oh, kacke, was kommt denn jetzt? – dachte sie.Als sie mit dem Textmarker in der Hand vor ihm stand, nahm er sie in den Arm und gab ihr einen dicken Kuss auf ihre Wange. Dann ließ er sie wieder los und meinte zu ihr.

„Für meine herzallerliebste Tochter gehe ich doch gerne in die Kantine und hole dir auch fünf Brötchen.“

„Echt, machst du das jetzt wirklich?“

„Na, klar doch. Geh du zu den Akten mit deinem gelben Textmarker, ich komm gleich zu dir.“

„Danke schön, das ist ja lieb von dir“, erwiderte sie und hatte nicht mit dieser Reaktion gerechnet.Dann verließen beide das Büro.

Montag, 8.45 UhrEssen Heisingen

Heike und Gördi waren mit dem Ford Sierra Kombi an dem recht repräsentativen Bungalow in der Straße Voßbergring von Dr. Mechendanz angekommen. Der Bungalow befand sich in einer Reihe von mehreren hellen Bungalows. Auf der rechten Seite war eine Doppelgarage zu sehen, davor parkte ein Range Rover. Ein Streifenwagen stand an der Straße vor der Zufahrt auf das Grundstück des Richters. Gördi hielt den Sierra auf der linken Seite des Grundstücks vor dem Bungalow an. Beim Aussteigen fiel beiden sofort das Blut vor dem Eingang zum Haus auf. Der besagte Schweinekopf lag etwas weiter vom Eingang entfernt. Der Größe des Kopfes nach zu urteilen, handelte es sich um einen Eber. Beide sahen beim Näherkommen, die Haustür stand leicht auf. Heike drückte auf den Klingelknopf und beide warteten. Es dauerte bis eine sehr schlanke Frau um die 50zig an die Haustür trat und fragte.

„Ja, bitte?“

„Guten Morgen. Ich bin Frau Buhrmann von der Kriminalinspektion 1 und neben mir steht mein Kollege Herr Schwarz. Darf ich fragen wer Sie sind?“

„Martina Mechendanz, aber kommen Sie doch bitte herein“, sagte sie, drehte sich um und ging vor.Heike und Gördi folgten ihr, wobei Gördi die Tür hinter sich schloss. Es ging in einen größeren Vorraum, wovon zwei Gänge nach links und rechts abgingen. Geradeaus war eine doppelflügelige Glastür, wovon die rechte offenstand. Dort ging es ins große Wohnzimmer. Die Terassentür stand auf und ein Mann von stabiler Natur befand sich mit den beiden Kollegen des Streifenwagens auf der Terrasse des Hauses. Alle drei schauten in den Garten. Frau Mechendanz ging vor zur Terrassentür und sprach ihren Mann an, es seien die Kriminalbeamten angekommen. Die beiden folgten der Frau des Hauses auf die Terrasse. Beide grüßten mit einem guten Morgen, was aber nur die Kollegen erwiderten. Statt eines Grußes wurden sie bzw. Gördi sofort von Dr. Mechendanz angesprochen.

„Sie sind der Herr Lüpke?“, fragte er Gördi.

„Nein, ich bin der Herr Schwarz.“

„Und wo ist der Herr Lüpke?“

„Er ist nicht mitgekommen, dafür sind wir hier“, erwiderte Gördi mit leicht erhobener Stimme und einem Anflug von Säuerlichkeit.

„Ja, wie, der Oberbürgermeister hat doch mit dem Michael gesprochen und der wollte seinen besten Mann schicken. Warum kommt dieser Lüpke denn dann nicht?“

„Weil ein Kriminalrat möglicherweise etwas Wichtigeres zu tun hat als sich um einen Fall eines geköpften Schweins zu kümmern“, haute Heike in einer Tonlage heraus, aus der ein jeder entnehmen konnte, allein die Frage ging ihr schon gegen den Strich.

„Was bitte heißt denn, der Herr Lüpke ist Kriminalrat?“ fragte Frau Mechendanz nach.

„Ja, wie, Kriminalrat? Uns wurde gesagt er wäre ein normaler Kommissar“, ergänzte Dr. Mechendanz die Aussage seiner Frau.

„Er ist der ‚Erster Kriminalhauptkommissar‘ der KK11 und kommissarischer Kriminalrat der Kriminalinspektion 1“, erklärte Gördi mit Stolz im Ton.

„Beides gleichzeitig?“, fragte der Richter ungläubig nach.

„Ja, ganz genau, beides gleichzeitig“, bestätigte Heike.

„Alle Achtung, das ist eine sehr große Aufgabe für einen alleine“, fand der Richter.

„Nicht für Lüppi, der macht das mit links und ermittelt in den kompliziertesten Fällen auch noch mit. Er ist sich noch nicht einmal für eine Hausdurchsuchung zu fein“, sagte der jüngere der beiden Streifenbeamten.

„Selbst bei einem morgendlichen Einsatz den seine KK11 betrifft ist er um 6 Uhr morgens bei der Vorbesprechung dabei. Das habe ich selbst dieses Jahr noch erlebt“, sagte der ältere der beiden.

„Was sagten Sie gerade…, wie haben Sie ihn genannt?“ fragte der Richter nach.

„Lüppi oder auch sehr gut bekannt unter Kommissar Lüppi“, antwortete der jüngere.

„Der Kommissar Lüppi, der eine fast 90-prozentige Aufklärungsquote hat?“

„Das war mal vor langer Zeit, mit den 90%“, sagte Heike und Gördi ergänzte. „Die liegt seit ein paar Jahren bei 99%.“

„Dann liegt doch da bestimmt eine Verwechslung vor? Dann kann doch nicht dieser Herr Lüppi gemeint gewesen sein“, glaubte Frau Mechendanz.

„Wahrscheinlich schon, nur das wird ihm hier bei uns nicht anspruchsvoll genug sein“, war sich der Richter sicher.

„Von welcher Abteilung sind Sie beide denn dann?“, fragte die Frau.

„Ich bin Kriminalhauptkommissar und der Stellvertretende ‚Erster Kriminalhauptkommissar‘ der KK11“, antwortete Gördi und Heike ergänzte.

„Ich bin Kriminaloberkommissarin und auch von der KK11.“

„KK11 ist doch die Mordabteilung, nicht wahr?“, wusste Frau Mechendanz.

„Unter anderem, neben Brandermittlungen, Umwelt- und Waffendelikten“, antwortete Heike.

„Und sie beide sind jetzt für Umweltdelikte zuständig, darf ich mal annehmen“, glaubte sie auf Grund des Schweinekopfes.

„Nö, wir arbeiten mit Kommissar Lüppi zusammen bei den Tötungsdelikten“, antwortete Gördi nun wieder.

„Ja…, aber warum kommen Sie denn dann zu uns?“, fragte sich Frau Mechendanz.

„Das hat sich Lüppi und wir uns auch gefragt. Wir zwei sind dann aber trotzdem zu Ihnen gekommen, auch wenn wir nicht wissen, was ausgerechnet wir hier für Sie tun können“, sagte Heike.

„Bei dem Namen Lüppi, habe ich immer gedacht, es würde sich dabei um einen Nachnamen handeln und der Herr Lüppi würde französische oder belgische Wurzeln haben“, gestand Dr. Mechendanz.

„Da sind Sie nicht der Erste, der das gedacht hat“, wusste Gördi zu berichten.

„Verraten Sie uns doch jetzt mal bitte, was genau passiert ist“, bat Heike nun.

„Wir haben heute Morgen, wie jeden Morgen, zusammen einen Tee getrunken und ich bin mit der Tasse hierher nach draußen auf die Terrasse gegangen. Dabei habe ich bemerkt, dass all die schönen Winterblumen, die meine Frau immer so liebevoll pflanzt, platt getreten worden sind“, schilderte Dr. Mechendanz und seine Frau ergänzte noch.

„Es muss also jemand fremdes hier bei uns im Garten gewesen sein.“

„Davon ausgehend, dass es keiner von ihnen beiden gewesen ist, werden sich die Blumen wohl nicht selbst zertrampelt haben“, sagte Gördi mit einem Lächeln im Gesicht.

„Das versteht sich ja wohl von selbst, dass nicht mein Mann oder ich die schönen Winterblumen zerstört haben. Und ich war noch so froh, als ich sie im Gartencenter bekommen habe“, sagte Frau Mechendanz leicht empört.

„Sie meinen die gelben und lila Blumen dort?“, fragte Heike nach und deutete auf ein rundes Blumenbeet, ein Stück von der Terrasse entfernt.

„Ja, natürlich die…, sehen Sie vielleicht noch andere Winterblumen hier?“

„Ich habe gedacht, die wären noch vom Sommer übriggeblieben und würden deshalb da so liegen“, gestand Heike.

„Ja, aber…, man sieht doch das es Winterblumen sind!“

„Nö, sehe ich nicht, ich kenn mich mit Grünzeug nicht aus! Was sollen denn das für Blumen sein?“

„Das sind Winteralpenveilchen“, sagte Frau Mechendanz und sich nach links umdrehend. „Und meine schönen gelben Winteralpenveilchen dort drüben haben sie auch zertrampelt, diese…, diese…“, weiter sprach sie nicht.Heike und Gördi schauten auch nach links in die Richtung und sahen zwei platt getrampelte Büsche am Rand der Terrasse.

„Verraten Sie mir doch mal bitte, wer macht so etwas?“, fragte sie kurze Zeit später.Heike und Gördi schauten einander an, beide dachten an das Gleiche. Dies sahen Dr. Mechendanz und seine Frau.

„Wenn Sie eine Vermutung haben, dann sagen Sie uns die bitte“, bat sie im nächsten Augenblick.

„Sag du“, gab Heike den Hinweis an Gördi.

„Wir könnten uns vorstellen, es hat mit dem Bochumer Apotheker Herrn Stievens zu tun, der letzten Freitag nach nur 5 von 15 Jahren frühzeitig aus der Haft entlassen worden ist“, gab Gördi die Annahme preis.

„Ist dieser Herr Stievens nicht der Apotheker, der bei Krebs-Arzneimittel gepanscht hat, wo durch 42 Menschen verstorben sind, die alle mit der richtigen Krebsbehandlung noch leben könnten? Meinen Sie den?“

„Ja, genau den meinen wir. Es waren aber 45 Menschen.“

„Und wieso ist ein solcher Verbrecher wieder frei und läuft draußen rum? Verraten Sie mir das mal, bitte“, kam es von Frau Mechendanz schon aufgebracht.

„Da fragen Sie die Falschen. Diese Frage stellen Sie mal lieber Ihrem Mann“, antwortete Gördi und schaute zu ihm.Er sah seine Frau an und schien ganz genau zu wissen, was nun kommen würde.Beide Streifenbeamte schauten zwischen Gördi und dem Richter hin und her. Der Ältere schmunzelte und der Jüngere kniff sein Gesicht zusammen, so als wenn er denken würde, auweia, das ist jetzt für den Dr. Mechendanz aber ganz doof gelaufen.

„Werner…, was bitte meinen die beiden Kriminalbeamte damit?“, kam es von ihr in einem Ton, der nicht mehr der freundlichste war.

„Darüber sprechen wir nachher“, gab er ihr zur Antwort.

„Deine ach so geliebten Ausflüchte funktionieren heute nicht und komm mir jetzt nicht auf die Idee, wegen der vier Beamten nicht darüber sprechen zu wollen, alle außer mir scheinen ja schon davon zu wissen“, legte sie nach.

„Nicht jetzt!“, kam es von ihm.

„Ich habe dir gerade gesagt, heute keine deiner geliebten Ausflüchte.“

„Silentium!“

„Nein, kein Silentium! Du vergisst wohl, dass du hier nicht in deinem Gerichtssaal bist! Also, mach den Mund auf!“

„Das können Sie beide ja gleich klären, wenn wir wieder weg sind“, gab Heike den Hinweis.

„Was passiert denn jetzt weiter?“, fragte Frau Mechendanz aufgebracht weiter.

„Die Kollegen werden eine Anzeige wegen Sachbeschädigung schreiben und das war es dann“, antwortete Heike ihr.

„Aber den Schweinekopf nehmen Sie doch mit und lassen ihn auf Fingerabdrücke untersuchen?“

„Darauf wird man keine Fingerabdrücke finden können, das ist zwecklos.“

„Ja, wie… und was machen wir jetzt mit dem Kopf?“

„Wegschmeißen…!“

„In den Ascheneimer oder wie?“, fragte sie und meinte die Rest-Mülltonne damit.

„Ja, zum Beispiel.“

„Und wer bitte macht den Dreck vor unserer Haustür weg?“

„Einer von Ihnen beiden“, antwortete Heike und Gördi ergänzte. „Das macht Ihr Mann doch bestimmt gerne für Sie“, sagte er zu ihr und sich an den Richter wendend. „Nicht wahr?“

„Dazu habe ich jetzt keine Zeit mehr. Ich muss jetzt zu Gericht“, sagte Dr. Mechendanz und verließ augenblicklich die Terrasse.Sie lief schimpfend und keifend hinter ihm her. Als beide Eheleute weg waren, meinte der ältere Streifenkollege.

„Ich glaube, dass ist für den Dr. Mechendanz aber noch nicht ausgestanden.“

„Ich kann die Frau gut verstehen, er entlässt einen Straftäter frühzeitig und sie kann sich nun mit den Folgen herumschlagen. Da würde ich mich an Ihrer Stelle auch bei ihm bedanken“, konnte der jüngere Streifenbeamte nachvollziehen.

„Ihr werdet nicht das letzte Mal hier gewesen sein“, prophezeite Gördi den beiden Kollegen.

„Das steht zu befürchten“, bestätigte der ältere Beamte.

„Na, gut, dann fahren wir zwei Mal wieder“, sagte Gördi und alle vier betraten danach einer nach dem anderen den Wohnbereich wieder.

Montag, 8.50 UhrPolizeipräsidium Essen

Meik sprach mit Lüppi von Schreibtisch zu Schreibtisch. Das Thema waren die fünf ungeklärten Todesfälle.

„Mario und ich waren doch vorhin bei den dreien, die sich sonst immer um die ungeklärten Todesfälle kümmern“, sagte Meik und wartete auf eine Bestätigung in Form eines Ja´s.

„Jo, weiß ich…, und?“

„Die drei haben auch Fälle, die in die Richtung gehen könnten. Dabei geht es aber auch noch um eine weitere Diskothek, die in Mülheim an der Ruhr ist. Die heißt wohl ‚Lila Elefant‘ und ist an der Duisburger Straße in Mülheim Monning, wie uns die drei gesagt haben.“

„Und die drei wissen bereits, dass dort Drogen verkauft werden?“, fragte Lüppi nach.

„Nach Aussage von Elke sind deren Opfer im ‚Lila Elefant‘ und bzw. oder ‚Techno Palast‘ gewesen. Dieter und Bernd sind beide der Meinung, dass nicht in der Diskothek ‚Lila Elefant‘ die Drogen verkauft werden, sondern auf dem nahegelegenen Parkplatz auf der Duisburger Seite. Auf dem Parkplatz, der im Übrigen im Wald liegt, sollen nicht nur Drogen zu kaufen sein, es sollen dort auch ‚leichte Mädchen‘ auf ihren Klappstühlen sitzen.“

„Auf dem Parkplatz ist ein Straßen-Strich und wer verkauft die Drogen dort? Die Prostituierten aber nicht, oder?“

„Nein, die Drogen bekommt man weiter oben näher an der Monning und die Prostituierten stehen bzw. sitzen weiter unten am Ende des Parkplatzes.“

„Das heißt dann, der eine oder andere geht oder fährt dann zu dem Parkplatz und holt sich dort die Drogen für einen geilen Abend im ‚Lila Elefant‘…, oder wie muss ich mir das vorstellen?“

„Fast richtig. Laut unserem Kollegen Bernd, der auch des Öfteren im ‚Lila Elefant‘ ist, parkt man seinen Wagen auf dem Parkplatz ganz oben nahe der Monning und geht keine 400 Meter bis zur Diskothek. So macht er das auch. Er sagt, er hat auch den Kollegen in Duisburg Bescheid gegeben, was dort die Drogen angeht, aber von dort hat er nur zu hören bekommen, sie wüssten es, könnten aber nichts machen.“

„Das hast du jetzt aber falsch verstanden…, hoffe ich… oder?“

„Du meinst, die Duisburger Kollegen hätten nicht zu Bernd gesagt, sie könnten nichts machen…?“, fragte Meik nach.

„Genau!“

„Doch, haben sie. Bernd meinte noch, Zitat, der Kollege, mit dem er telefoniert hat, hätte gesagt, sie würden gegen Windmühlen kämpfen. Zudem sei man wohl froh, dass der Straßenstrich sich dorthin verlagert hat und nicht irgendwo anders hin, innerhalb der Stadt.“

„Kaum zu glauben…, da fehlen einem ja die Worte.“

„Die drei haben vier Fälle von unter Mitte dreißigjährigen, die alle am Vorabend im ‚Lila Elefant‘ waren und auf dem Nachhauseweg oder Zuhause gestorben sind.“

„Ich habe das jetzt richtig verstanden, die Duisburger Kollegen müssen sich also um ihr Drogenproblem auf ihrer Seite nicht weiter kümmern, weil alle Drogenkonsumenten ihre gekauften Drogen mit über die Stadtgrenze nach Mülheim nehmen und auch alle dort ihre Probleme bekommen und natürlich gibt es keine Duisburger, die in die Diskothek ‚Lila Elefant‘ gehen. Nee…, is klar!“

„Natürlich gehen in den ‚Lila Elefant‘ nur Menschen aus Mülheim und Essen!“, sagte Meik in einem Tonfall der blanken Ironie.

„Und das ist so, weil wir hier hauptsächlich für die beiden Städte Essen und Mülheim an der Ruhr zuständig sind und deshalb fahren dort selbstverständlich keine Duisburger, keine Bochumer, keine Oberhausener oder Leute aus anderen Städten hin, das ist ja klar“, sagte Lüppi und beteiligte sich an dem ‚geistigen Schwachsinn‘ mit einem Lächeln und Kopfschütteln.

„Ja, dann! Was hältst du davon, am besten ist, wir treiben die jeweiligen Freunde der Verstorbenen auf und versuchen mit denen zu klären, was die uns zu den Drogen sagen können.“

„Macht das mit den dreien da vorne zusammen“, bestätigte Lüppi die Überlegung und meinte Elke Engels, Dieter Jung und BerndCremer damit, die sich nur mit ungeklärten Todesfällen beschäftigten.

Montag, 9.15 UhrEssen Heisingen

Die beiden Streifenkollegen, Heike und Gördi standen mit einem entsetzten Richter vor dem Bungalow des Hauses und schauten fassungslos auf den Range Rover von ihm. Dieser war inzwischen mit roter Farbe auf der Fahrerseite besprüht worden. Der oder die Täter schienen aber gestört worden zu sein, da bei dem Wort ‚Mörder‘ der letzte Buchstabe fehlte.

„Als Sie vorhin das Haus verlassen wollten, haben Sie jemanden bemerkt?“, fragte einer der Streifenbeamte.

„Nein, ich habe niemanden gesehen…, auch nicht weglaufend“, war die Antwort von Dr. Mechendanz.

„Frage, als Sie die Haustür geöffnet haben, sind Sie sogleich auch aus dem Haus gegangen oder hat es von dem Öffnen bis zu Ihrem Heraustreten etwas gedauert?“

„Mmh…, ich habe die Tür geöffnet, aber nicht ganz, da mir einfiel, ich hatte meinen Autoschlüssel nicht dabei. Den habe ich geholt und habe dann die Tür ganz geöffnet und bin rausgegangen“, antwortete er.

„Wie lange hat denn das Schlüssel holen gedauert?“

„Keine Ahnung, ein paar Sekunden. Ich musste den Schlüssel erst in der Kommoden-Schublade suchen, da meine Frau den immer da reinschmeißt.“

„Wir rufen am besten die Spurensicherung“, machte der junge Kollege den Vorschlag.

„Tun Sie das, ich nehme dann den Wagen meiner Frau“, sagte der Richter und ging wieder ins Haus.Als er wieder herauskam kam seine Frau mit und schimpfte mit ihm. Sie sagte ihm, sie hätte am Vormittag einen wichtigen Frisörtermin und bräuchte selbst ihren Wagen. Dieses schien ihren Mann nicht zu interessieren, da er das Garagentor öffnete und mit einem Mercedes 190 herausgefahren kam. Heike und Gördi sahen, in der Doppelgarage stand noch ein roter Porsche Targa. Sie schimpfte lautstark, auch noch als er schon längst weg war. Heike konnte ihre Wut auf den Richter verstehen. Gördi dachte sich seinen Teil und die beiden Streifenbeamte schauten sich den Range Rover von Nahem an. Heike und Gördi blieben noch bis 10 Uhr und nahmen Frau Mechendanz mit zur ‚Rü‘, wie die Rüttenscheider Straße im gleichnamigen Stadtteil auch bezeichnet wird. Unterwegs fragten sie sie, was mit dem Porsche denn wäre. Die Antwort war, der wäre zu schade um damit zur ‚Rü‘ zu fahren. Vor dem Friseurgeschäft setzten die beiden sie ab. Sie bedankte sich sehr freundlich, winkte den beiden noch hinterher und betrat den Friseurladen.

Montag, 10.00 UhrItalien, Lago Maggiore Haus oberhalb vom Ort Cannero Rivera

Bernardo Carbone, Maria Damico, Michele Alessandro Mascali und Gianna Rizzi befanden sich am Frühstückstisch als ein Anruf von Gianna´s Freundin Melanie Zenatti kam. Die Immobilienmaklerin hatte auf Michele´s Wunsch hin einen kurzfristigen Termin für den nächsten Tag beim Notar ausgemacht, damit Bernardo und Michele das Haus, in dem sie nun lebten, kaufen könnten. Es war derselbe Notar, der auch den Kauf des Hotel´s mit dem Restaurante Bella Italia schon notarisch betreut hatte. Der eigentliche Grund ihres Anrufes kam als Überraschung zum Schluss.

Wie Sie ja bereits aus den vorherigen Bänden wissen, wurde die nachfolgende Unterhaltung auf Italienisch mit einigen sizilianischen Worten geführt.

„Ich habe vorgestern noch ein Haus rein bekommen. Eine Villa mit direktem Zugang zum See und somit mit einem unverbaubaren Panoramablick auf den See. Ganz ehrlich, das Objekt ist ein Gedicht. Als ich es gesehen habe, habe ich sofort an euch gedacht. Dazu gehört ein 5000 qm großer Park ähnlicher Garten. Es gibt zwei gleich große Etagen mit jeweils 233 qm und die Villa ist komplett eingerichtet. Der jetzige Besitzer ist ein Mailänder Bänker, der zu seinem eigenen Bedauern, aus Zeitgründen die Villa nun verkaufen will. Noch habe ich sie nicht fotografieren lassen und es weiß außer euch niemand am See, das dieses Schmuckstück verkauft werden soll. Die Frage ist nun, möchtet ihr euch die Villa in der Nähe vom Ort Belgirate einmal ansehen?“Alle vier schauten sich gegenseitig an. Michele war derjenige, der als erstes sagte.

„Ja, das machen wir.“

„Wie…, das machen wir?“, fragte Bernardo ihn fast entsetzt.

„Lass uns die Villa ansehen, warum denn nicht?“

„Michele hat Recht“, pflichtete Maria ihm bei.„Entweder gefällt sie uns für uns selbst und wenn nicht können wir sie auch als Anlageobjekt kaufen und vermieten. Melanie kann mit dem Bänker sprechen, der weiß bestimmt ein paar Leute, die dort für ein paar Tage oder Wochen bleiben möchten.“

„Ihr drei macht mich irre!“, kam es von Bernardo.

„Wieso ihr drei? Ich habe doch noch gar nichts gesagt“, reagierte Gianna.

„Ich sehe doch schon deine Blicke, das reicht schon. Du musst nichts mit dem Mund sagen, deine Augen sprechen schon von ganz alleine!“

„Melanie“, sagte Maria.„Was möchte denn der Bänker für die Villa haben?“

„Das ist jetzt nicht gerade wenig“, antwortete sie und wollte es am liebsten nicht sagen müssen.

„Ich finde, ihr drei übertreibt es jetzt. Wir kaufen jetzt hier das Haus und damit ist es doch dann gut“, kam es von Bernardo.

„Können wir uns die Villa leisten?“, fragte Michele listig nach.

„Auf alle Fälle, sonst würde ich sie euch nicht anbieten“, antwortete Melanie.

„Kann Michele sich die Villa auch alleine leisten, auch wenn sie für zwei Personen zu groß ist?“, fragte Gianna nach.

„Ich glaube ja, da bin ich mir aber nicht ganz sicher.“

„Ich habe mein Leben lang gespart, ich beteilige mich dann daran“, kam es von Maria.

„Wie bitte…?“, fragte Bernardo überrascht.

„Wenn du nicht möchtest, ich könnte es mir vorstellen und würde dann mit den beiden nach Belgirate ziehen“, sagte Maria.

„Ja, wie…, ohne mich?“

„Du kannst ja hierbleiben und jeden oder jeden zweiten Tag zu uns kommen.“

„Ich habe keinen Führerschein!!“

„Dann nimmst du halt ein Taxi“, erwiderte sie ihm und sich an Melanie wendend.„Melanie, wann können wir uns die Villa ansehen?“

„Wenn ihr spontan wollt, heute, ich hätte Zeit.“

„Klingt doch gut, oder?“, fragte sie in Richtung Gianna und Michele.

„Wir frühstücken noch zu Ende und kommen nachher zu dir, dann fahren wir ‚vier‘ dort hin“, sagte Michele mit einem breiten Lächeln im Gesicht und hatte das Wort ‚vier‘ extra betont.

„Und was ist mit mir?“, fragte Bernardo.

Montag, 10.40 UhrPolizeipräsidium Essen

Es war niemand da als Heike und Gördi wieder im Büro ankamen. Einen Zettel mit einem Hinweis wo die anderen sein könnten lag auch nirgendwo. Heike fiel Petra ein, die wahrscheinlich noch immer alleine in Eckerhard´s Büro saß. Sie ging hin, um nachzusehen. Petra war wie erwartet dort und hatte den ganzen Schreibtisch voller aufgeschlagener Aktenordner. Verdutzt schaute sie auf.

„Das sieht ja hier schlimm aus“, ließ Heike hören.

„Das ist es auch. Zu Anfang habe ich noch gedacht, ich wäre blöd und würde Gespenster sehen, dann habe ich zu mir gesagt, Petra, konzentrier dich und fang noch mal von vorne an. Das habe ich getan und jetzt komme ich nicht mehr aus dem Staunen raus“, antwortete Petra.

„Was heißt das jetzt?“

„Der Adams hat hier Sachen am Laufen gehabt, das ist schon nicht mehr feierlich. Das zieht immer weitere Kreise. Ich komm schon nicht mehr nach, alle Machenschaften aufzuführen.“

„Ach, du Scheiße“, kam es von Heike.Sie drehte sich um, ging auf den Gang zurück und rief nach Gördi.Dieser kam kurze Zeit später bei den beiden an. Petra erläuterte ihnen nun ausführlicher was sie alles gefunden hatte, bis zu dem Zeitpunkt.

„Dann muss dir Lüppi nachher jemanden zur Seite stellen“, reagierte Gördi.

„Wo sind denn alle, weißt du das?“, fragte Heike.

„Nein, keine Ahnung. Ich wusste ja schon nicht, dass niemand im Büro ist“, antwortete Petra.

„Wir sprechen gleich mit ihm, wenn er zurückkommt“, versprach Gördi.Beide sagten, sie wären dann im Gemeinschaftsbüro und gingen. Heike schloss die Tür hinter sich. An ihren Schreibtischen kümmerten sich beide ab dann wieder um den größeren Fall des Waffendelikt´s. Es sollte noch mehr als eine Stunde dauern bis Lüppi wiederkam.

Montag, 11.50 UhrItalien, Lago Maggiore Haus am See, nahe dem Ort Belgirate

Bernardo Carbone, Maria Damico, Michele Alessandro Mascali und Gianna Rizzi kamen alle gemeinsam mit Gianna´s Freundin Melanie an der Villa an. Bernardo war natürlich mitgekommen, denn alleine im Haus wollte er ja auch nicht bleiben. Die drei Frauen hatten sich hinten die Rückbank geteilt. Melanie hatte Michele auf ein großes schwarzes Schmiedeeisentor zufahren lassen. Mit dem Betätigen eines Handsenders fuhr das große Tor links zur Seite. Vom Tor aus war das Grundstück nicht einsehbar, da eine hoch gewachsene Hecke die Sicht auf die weitere Zufahrt und dem Gebäudekomplex verhinderte. Nach einigen Metern an der Hecke vorbeifahrend, kamen sie an einem mit Weinreben überdachten 3fach Carport an. Dort sollte er den Wagen abstellen. Nachdem alle fünf ausgestiegen waren schauten die vier auf einen im Rasen gepflasterten Weg, der zu einem schmiedeeisernen Zaun führte. Dahinter sahen sie zwei in hell terracottafarbene eingeschossige Gebäude. Bis auf Michele gingen alle auf den offenstehenden Zaun zu. Michele schaute sich den im Schatten stehenden dunkelblauen Mercedes 280E mit beige farbiger Innen-Ausstattung unter dem Carport an und ließ von dort aus seinen Blick einmal von rechts nach links schweifen. Das Grundstück mit seinen 5000 qm erstreckte sich am See entlang. Weiter oberhalb hörte er ganz leise das Rauschen von dem Straßenverkehr von der Küstenstraße, die sich hinter einer weit oben gelegenen Hecke befand. Gianna war als erstes aufgefallen, dass ihr Michele stehen geblieben war. Sie ging zu ihm zurück.

„Ich komme mein Engel“, sagte er zu ihr als er sah, sie kam auf ihn zu.

„Was ist los?“, fragte sie ihn.

„Ich habe mich umgesehen. Das ist hier schon wahnsinnig schön.“Bei Gianna angekommen gingen beide Hand in Hand zu den dreien. Auf der Höhe des ersten einstöckigen Gebäudes erklärte Melanie.

„Dieser Teil des Hauses beinhaltet eine kleine und eine größere Bediensteten-Wohnung. In der größeren wohnt das Ehepaar Bruni. Sie kümmert sich ums Hausinnere und er um den Garten. Beide wohnen kostenlos hier und bekommen ein überschaubares Gehalt“, informierte Melanie.

„Was ist in dem zweiten Gebäude dort?“, fragte Maria.

„Das ist das Gästehaus mit vier Doppelzimmer mit jeweils einem eigenen Bad und einem kleinen Salon für alle“, antwortete Melanie.

„Oh, das ist ja sehr praktisch für dich, Bernardo“, sagte Michele und dieser ahnte, was sein Freund meinte.

„Danke, das ist toll“, reagierte dieser.

„Michele hat Recht, dann musst du abends gar nicht mehr zu dir zurückfahren, wenn du uns besuchen kommst, dann kannst du in einem der Gästezimmer schlafen“, stieg Maria mit auf den Spaß ein und Gianna ergänzte noch.

„Und du kannst dich dann viel besser mit Giacomo unterhalten, wenn er mal wieder hier ist.“

„Darf ich nicht bei dir schlafen?“, fragte er seine Maria und war sich nicht mehr sicher, ob es Spaß oder Ernst war.

„Darüber denke ich dann mal nach“, bekam er von ihr zur Antwort.

„Kommt mal bitte mit“, sagte Melanie und ging voran. Dies taten die vier und waren verblüfft als sie zwischen den beiden Gebäuden hindurch auf das große Gebäude zugingen. Dieses Gebäude war ebenfalls hell terracottafarbig gehalten. Über die ganze Länge war es auch eingeschossig, nur in der Mitte war ein Obergeschoss zu sehen. Als alle vier vor dem Hauptgebäude standen sahen sie den großen Park ähnlichen Garten mit einem großen Schwimmbecken. Auch wenn es November war und man nicht mehr draußen auf den Liegestühlen sitzen konnte, so hatte Melanie den Herrn Bruni doch gebeten, das Schwimmbecken von der Winterabdeckung frei zu machen und die Liegestühle mit Sonnenschirm herauszustellen. Alle vier schauten sich das Hauptgebäude und den Park ähnlichen Garten an.

„Mein Gott ist das schön hier“, sagte Maria mit Begeisterung.

„Das ist ja der Wahnsinn hier“, fand selbst Bernardo.

„Der Garten ist ja größer als das San-Siro-Stadion“, entfuhr es Gianna und dachte dabei an ihren einzigen Besuch im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand, was im Volksmund auch San Siro genannt wird. Zu Ihrer Info, das Fußballstadion in Mailand bietet 75.817 Zuschauern Platz und ist von der UEFA in die Kategorie 4 eingeordnet, was im Übrigen die höchste Stadion-Klasse ist.

„Das ganze Gebäude hat alleine 466 qm oder mit den Nebengebäuden?“, fragte Michele nach und schaute an dem langen Gebäude entlang.

„Das Gebäude hat auf dieser hier zu sehenden Ebene 233 qm. Darunter sind noch einmal 233 qm und der Turm ähnliche Teil dort oben hat auch noch mal 50 qm plus den beiden Außenterrassen. Die beiden Nebengebäude sind Quadratmetermäßig nicht mitgerechnet und kommen zusätzlich“, antwortete Melanie.Dann schloss sie eine von vier doppelflügeligen Eingangstüren auf und betrat als erste das Gebäude. Allen vieren wurde erklärt, dass es am Anfang des Gebäudes ein Treppenhaus gebe, womit man in den unteren Teil gelangen würde. Weiter informierte sie, es gäbe zusätzlich zwei Wege links oder rechts am Gebäude vorbei, die nach unten führen würden. Sie betraten eines von zwei Wohnzimmern auf der mittleren Etage. Geradeaus war durch drei doppelflügelige Türen eine überdachte Terrasse zu sehen. Melanie öffnete eine der Türen und alle traten auf die ca. 40 qm große überdachte Terrasse. Von dort hatte man einen direkten Blick auf den Lago Maggiore, der nach Melanies Aussage 25 Meter von der unteren Terrasse aus entfernt lag. Alle vier standen nun dort und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf der anderen Seeseite waren Orte zu erkennen mit dahinter sich erhebenden Bergen.

„Welche Orte sind das dort drüben?“, fragte Gianna nach und hatte einen solchen Ausblick von dem Teil des Sees noch nie gesehen und das, obwohl sie an dem See immer gelebt hatte.

„Von links nach rechts seht ihr den Ort Arolo, daneben den Ort Sasso Moro. Direkt gegenüber liegt der Ort Piano. Weiter rechts ist der Ort Bozza di Bogno.

„Und wo genau ist der Ort Belgirate, wozu hier das Haus gehört?“, fragte Maria nach.

„Rechts von hier die Landstraße runter, noch ein paar Kilometer“, antwortete Melanie und führte die vier nach einer längeren Weile durch das ganze riesige Gebäude.Sie sahen die Speisezimmer auf beiden Ebenen, die Schlafzimmer mit den Ankleideräumen und großen Badezimmern, die beiden identischen großen Küchen auf beiden Etagen. Sie zeigte ihnen das Büro auf der oberen Etage und die Bibliothek mit zwei Lesesesseln darunter. Sie standen auf der Terrasse darunter und gingen die ca. 25 Meter bis zum See mit eigenem Anleger. Auf dem Rückweg zum Haus sahen sie, ein großer Teil des Gebäudes war mit einer Kletterpflanze bewachsen. Melanie erklärte, dass dadurch es im Sommer im Haus angenehm kühl bliebe.Auf der unteren Terrasse stehend und auf den See schauend, meinte Bernardo zur Überraschung aller anderen.

„Selbst der Blick von hier ist ein Traum!“

„Soso!“, sagte Michele

„Hört, hört“, sagte Gianna.

„Du versuchst uns doch jetzt nicht sagen zu wollen, es gefällt dir hier noch besser als da wo wir jetzt sind?“, fragte seine Maria nach.

„Ja, ich muss zugeben, es ist hier wirklich verdammt schön. Es ist schon schön am Haus oberhalb Cannero Rivera, aber das hier ist ja der Wahnsinn“, antwortete Bernardo.

„Was soll das Ganze denn jetzt kosten?“, fragte Gianna mit leiser Stimme nach.

„Mmh…!“, ließ Michele von sich hören und nahm seine Gianna in den Arm.Sie schaute ihn an und fragte. „Was heißt dein… mmh?“

„Ich hatte jetzt mit mehr gerechnet.“

„Bitte… was?“, entfuhr es ihr.

„Ganz ehrlich, ich hatte jetzt auch schon mit zweistelligen Milliarden gerechnet“, hörten alle vier Bernardo sagen.

„Schön und da du dir das ganz locker leisten kannst, möchte ich, dass wir vier diese Villa hier kaufen!“, sagte Maria in einem bestimmenden Tonfall zu ihm.

„Das weiß ich und da ich dich nicht verlieren möchte, nehmen wir sie, wenn ihr zwei es auch wollt?“, sagte und fragte Bernardo.Michele und Gianna sahen einander an und er antwortete.

„Wir machen dann Halbe, Halbe“, meinte Michele.

„Das muss nicht. Vorschlag, es gehört uns beiden, aber du zahlst ¼ und ich ¾. Was meinst du?“, erkundigte sich Bernardo.

„Einverstanden, mein Freund“, sagte Michele zu ihm.Woraufhin Bernardo zu seiner Maria sagte.

„Allerdings, unter einer Bedingung, meine Liebe.“

„Und die wäre?“, fragte sie.

„Das wir zwei heiraten.“

„Dann frag mich doch mal endlich“, erwiderte sie ihm.Er ging ganz klassisch auf sein rechtes Knie, schaute zu ihr hoch und fragte.

„Möchtest du, liebste Maria, meine erste und einzige Frau werden?“

„Ja, natürlich möchte ich das. Ich dachte schon du fragst mich nie mehr“, antwortete sie und küsste ihn.Danach musste sie ihm hochhelfen, da er Schwierigkeiten hatte wieder hoch zu kommen. Anschließend gratulierten alle drei den beiden.

„Wir waren noch gar nicht im Turm oben“, machte Gianna wenig später darauf aufmerksam.Dies änderte Melanie anschließend. Oben im Turm gab es ein 50 qm großes Kaminzimmer mit einer weiteren überdachten Außenterrasse wie darunter. Der Ausblick von dort war nicht wesentlich anders, aber schon noch ein ganzes Stück weiter als eine oder zwei Etagen tiefer. Nach dem Verlassen des Haupthauses ließen sie sich noch einen Teil des Gartens zeigen und warfen einen Blick in die vier Gäste-Doppelzimmer im Gästehaus. Auf dem Weg zurück zum Auto kam ein Fiat Panda auf das Grundstück gefahren. Der recht junge Mann parkte den Wagen neben dem Carport und das Pärchen stieg aus. Wie sich herausstellte war es das Ehepaar Bruni, die vom Einkaufen wiederkamen. Melanie stellte den vieren das Ehepaar vor und auch umgekehrt erfuhren die zwei, dass die vier wahrscheinlich die neuen Eigentümer sein würden. Herrn Bruni fiel bei Michele und Bernardo sofort die Süditalienische Aussprache auf. Frau Bruni wollte wissen, ob sie dort hinziehen und leben wollten oder ob es nur ein 2. Wohnsitz für sie wäre.

„Davon ausgehend, dass wir vier das Anwesen kaufen werden, wird es unser Hauptwohnsitz sein“, antwortete Bernardo noch immer zur leichten Überraschung der anderen vier.

„Dürfen wir fragen wo sie herkommen?“, fragte Herr Bruni.

„Wir drei sind von Sizilien“, antwortete er und zeigte dabei auf Maria, Michele und sich und Gianna sagte von sich aus.

„Und ich komme aus dem Ort Cannero Rivera.“

„Ah, also hier vom See“, machte Frau Bruni die Feststellung.

„Dürfen wir Sie auch noch fragen, was Sie von Sizilien hierherführt?“, fragte er weiter.

„Die wunderschöne Gegend und das deutlich angenehmere Klima, auf Sizilien wird es im Sommer sehr warm“, erklärte Bernardo.Beide bedankten sich für die Antworten und warteten bis die fünf das Anwesen verlassen hatten.

Montag, 12.10 UhrPolizeipräsidium Essen

Lüppi kam ins Büro zurück und erfuhr von Heike und Gördi augenblicklich, er müsse Petra eine Hilfe zur Seite stellen. Er hörte es wortlos, drehte sich postwendend um und ging wieder. Sein Weg führte ihn zu Silke und Jasmin ins Büro, die sich hauptsächlich mit Umweltdelikten beschäftigten. Dort machte er nicht viele Worte.

„Hallo, ihr zwei“, grüßte er, was beide erwiderten.„Jasmin“, sprach Lüppi sie an. „Wo bist du gerade dran?“

„Ich habe vorhin einen Fall von Altöl-Entsorgung im Abwasser angefangen“, war ihre Antwort.

„Kann das noch etwas liegenbleiben oder ist das dringend?“

„Das weiß ich nicht…“, antwortete sie und schaute zu ihrer Kollegin.

„Hier bei uns ist alles dringend, denn schließlich geht es ja hier um unsere Umwelt, aber warum fragst du, willst du Jasmin schon wieder für einen eurer Mordfälle abziehen?“, kam es von Silke.

„Abziehen ja, aber für etwas anderes wo deine Hilfe benötigt wird, Jasmin“, antwortete er und Jasmin stand merkwürdigerweise sofort auf. Dies fiel ihm natürlich auf. Sie blieb auch nicht am Schreibtisch stehen, sondern ging auch auf ihn zu. Er bedankte sich bei ihr und beide verließen das Büro unter ‚schnaufen‘ von Silke. Der nächste Gang war in Eckerhard´s Büro. Dort war Lüppi genauso über die vielen aufgeschlagenen Ordnern überrascht, die inzwischen auch noch teilweise zwei- und dreifach übereinander lagen, wie Heike und Gördi mehr als eine Stunde zuvor.

„Ich habe gehört, du kannst Hilfe gebrauchen“, sagte er nach der ersten Verwunderung.

„Das kann ich in der Tat“, war Petra´s Antwort.

„In Ordnung“, kam es mal wieder von ihm und schaute Jasmin an.

„Jasmin, ich möchte das du Petra hilfst und ich möchte und das ist wichtig, dass du mit niemanden über das sprichst, was ihr zwei hier macht. Der Herr Adams ist dir ja schon von den vielen Tagen im Archiv ein Begriff und die Akten hier sind ja auch von dir durchgesehen worden“, sagte Lüppi und bekam große Augen von Jasmin zu sehen.

„Geht klar, ich werde Stillschweigen bewahren“, versprach sie und bemerkte. „Aber das sind doch mehr Akten als die, die ich aus dem Archiv hochgeholt habe, oder vertue ich mich?“

„Ja, das ist richtig, denn ich habe Fälle der vergangenen Wochen dazu geholt, weil mir das eine und andere einfiel und aufgefallen ist.“

„Erzähl mal bitte was du bis jetzt hast“, bat er Petra.Sie brachte beide auf den Stand.

„Ich mache es kurz, zu Anfang habe ich noch gedacht, ich bin bescheuert und sehe Zusammenhänge wo es keine gibt. Du, Jasmin, und Ulrike, ihr habt ja schon zwölf Fälle entdeckt, wo ihr euch sicher wart, da würde etwas nicht stimmen. Dazu gehörten ja ein paar der libanesischen Großfamilien und auch der russischen Mafia. Ein weiterer der besagten Fälle war ja der Herr Naleppa vom Club ‚Tabledance Universum‘, wo Gördi bestätigt hat, dass er Bestechungen bei schon einigen Kollegen versucht hat und bei dem Adams auch damit Erfolg hatte. Jetzt weiß ich, es gibt noch weitere Verbindungen und das nicht zu knapp. Der Adams hatte zu der albanischen Hamit-Familie Kontakt und hat die mit internen Informationen versorgt. Des Weiteren bin ich davon überzeugt, über die Schiene hat unter anderem auch die Sizilianische Mafia-Organisation um den Herrn Mascali ihre Info´s erhalten. Egal was ich hier anfasse…, der Scheiß-Kollege Adams hat verdammt viele mit Info´s versorgt und bei seiner Abteilung der KK12 hatte er überall seine verdammten Finger drin. Ganz ehrlich, das ist echt schockierend, wenn man sich den Haufen hier ansieht und immer mehr Zusammenhänge findet.“

„Dann ist es umso besser, wenn ihr zwei dem Adams jetzt das Handwerk legt und Marcel ihn an die viel beschriebene Wand nageln kann“, sagte Lüppi und sich an Jasmin wendend. „Ist das für dich in Ordnung, wenn du mit Petra zusammen den Haufen da noch einmal durchsiehst?“

„Auf jeden Fall, ich bin froh das ich von den Umweltdelikten wegkomme“, gestand sie.

„Oh…“, war Lüppi überrascht. „Darüber sprechen wir zwei, wenn ihr hiermit fertig seid“, versprach er.

„Okay“, sagte sie, Lüppi ging und schloss die Tür wieder hin sich.Zurück im Gemeinschaftsbüro wollte er von Heike und Gördi erfahren was sie bei dem Richter Dr. Mechendanz in Heisingen vorgefunden hatten. Natürlich erzählten die zwei ausführlich und berichteten auch von dem Range Rover, der während ihres Besuches mit roter Farbe auf der Fahrerseite beschmiert worden war. Das Wort ‚Mörder‘, wo der letzte Buchstabe fehlte, machte für sie noch keinen direkten Sinn oder zumindest verstanden sie nicht den Hintergrund dafür.

„Und, wie seid ihr jetzt verblieben?“, wollte er wissen.

„Wir sind da fertig, zumal das sowieso nie unsere Angelegenheit gewesen ist“, antwortete Heike.

„Das überrascht mich jetzt etwas. Der Dr. Mechendanz hat keinen Zirkus gemacht?“

„Nein, er stand zum Schluss von seiner Frau unter Beschuss“, antwortete Heike.

„Weil sie verstanden hat, dass er durch seine frühzeitige Freilassung des Apotheker´s Stievens möglicherweise indirekt für die zertrampelten Blumen und den Schweinekopf verantwortlich ist“, ergänzte Gördi.

„Na dann, wollen wir mal hoffen, dass durch das Einheizen von Frau Mechendanz der Herr Dr. Mechendanz in Zukunft keine Straftäter mehr frühzeitig freilässt, denn sonst müssten die Bochumer Kollegen und wir uns hier irgendwann die Sinnfrage stellen“, kam es von Lüppi.

„Dann kümmern wir uns ab jetzt wieder um das Waffendelikt“, sagte Heike, womit sie bereits wieder angefangen hatten.

„Was machen denn die zwei zusätzlichen ungeklärten von den beiden?“, erkundigte sich Gördi und meinte die ungeklärten Todesfälle von Meik und Björn.

„Das könnte etwas größer werden, die drei da vorne“, sagte Lüppi und meinte Elke, Dieter und Bernd damit. „Haben auch dreizehn Fälle mit ähnlichem Muster. Die waren aber zum Großteil alle in der Diskothek in Mühlheim Monning und ein paar wohl auch in der, an der Frohnhauser Straße.“

„Was heißt das jetzt, haben die alle in zwei oder mehr Diskotheken schlechte Cola´s getrunken, oder was?“, fragte er so, als wenn er von den Drogen auf dem Zoo-Parkplatz auf Duisburger-Stadtgebiet nichts wüsste.

„Schlechte Cola´s werden das nicht gewesen sein“, sagte Heike und fragte bei Lüppi nach. „Du sagtest eine Diskothek an der Monning?“

„Ja, warum kennst du die auch?“, fragte er zurück.

„Dann kann das nur der ‚Lila Elefant‘ sein, denn sonst gibt es dort keine andere.“

„Heißt das, du kennst diese Disco?“

„Ja, ich war, bevor ich nach Frankfurt gegangen bin, des Öfteren mit meinem Ex dort.“

„Weißt du, ob es da Drogen gab?“

„Im ‚Lila Elefant‘ selbst nicht, da achtet der Besitzer und die Türsteher drauf, aber man sagte, auf dem nahegelegenen Parkplatz gibt es welche und genau dort parken die meisten ‚Lila Elefant‘ Besucher“, erklärte Heike.