König Ödipus von Sophokles. Königs Erläuterungen. - Bernd Matzkowski - E-Book

König Ödipus von Sophokles. Königs Erläuterungen. E-Book

Bernd Matzkowski

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Beschreibung

Königs Erläuterungen – Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick – ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 46

Textanalyse und Interpretation zu

Sophokles

KÖNIG ÖDIPUS

Von Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Sophokles: König Ödipus. Übersetzung und Nachwort von Kurt Steinmann. Stuttgart: Philipp Reclam jr., 2002 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 630).Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Lehrer (Oberstudienrat) am Heisenberg Gymnasium Gladbeck Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Literatur/Theater

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2013

ISBN: 978-3-8044-6998-3

© 2002, 2013 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Helmuth Krebs und Gerhard Stolze in der Opernaufführung Oedipus der Tyrann © ullstein bild – Imagno

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Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Sophokles: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Theateraufführungen im alten Griechenland

Sophokles’ Einfluss als Dramatiker

Sophokles als Staatsmann

Die attische Demokratie

Das Ende des „Goldenen Zeitalters“

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

Der Mythos und seine Bearbeitung

Die Entstehung des Dramas und die Zeitumstände

Frühere Bearbeitungen des Ödipus-Stoffs

3.2 Inhaltsangabe

Prologos

Parodos

1. Epeisodion

1. Stasimon

2. Epeisodion

2. Stasimon

3. Epeisodion

3. Stasimon

4. Epeisodion

4. Stasimon

Exodos

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Ödipus

Iokaste

Kreon

Teiresias

Bote und Hirte

Der Chor

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Die Rolle von Iokaste

Tragik, Schuld, Verbrechen

Die Götter und der Mensch Ödipus

Krankheit und Reinigung

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

Sonstige Literatur

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurecht findet und das für ihn Interessanteste gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Leben und Werk von Sophokles und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Sophokles lebte im 5. vorchristlichen Jahrhundert (497/96–406/5 v. Chr.) in Athen und entstammte einer vornehmen Familie. Ihm werden insgesamt über 120 dramatische Werke zugeschrieben, von denen aber nur sieben erhalten sind.

Sophokles übernahm in Athen etliche Staatsämter (u. a. Schatzmeister des delisch-attischen Seebundes, zeitweilige Mitgliedschaft im obersten Rat der Probulen). Zugleich war er ein enger Vertrauter von Perikles, der über viele Jahre die Geschicke Athens lenkte.

Sophokles lebte im sog. „Goldenen Jahrhundert“ Athens – einer Blütezeit von Kultur und Wissenschaft und der bedeutendsten Phase Athens als Macht im Mittelmeerraum. Sein Leben war aber auch bestimmt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen seiner Zeit (Peloponnesischer Krieg), den Ausbruch der Pest und den Beginn des Machtzerfalls von Athen.

In Sophokles’ König Ödipus geht es, wie in den anderen griechischen Tragödien auch, um das Verhältnis der Menschen zu den Göttern, um die Hybris des Menschen und um das Verhältnis von Schicksalsbestimmung und Freiheit der Entscheidung.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

König Ödipus – Entstehung und Quellen:

Sophokles’ Drama König Ödipus wurde im Jahre 425 v. Chr. in Athen aufgeführt und greift auf einen Stoff aus dem Mythos zurück, nämlich einen Abschnitt aus dem Sagenzyklus um das Geschlecht der Labdakiden. Man darf annehmen, dass das Drama etwa zwischen 429 und 425 v. Chr. entstanden ist.

Inhalt:

Als eine Seuche Theben bedroht, holt dessen König Ödipus Rat beim Orakel ein.

Er bekommt zur Antwort, er müssen den Mörder des vormaligen Königs Laios, dessen Nachfolge er angetreten und dessen Witwe Iokaste er geheiratet hat, finden, um die Seuche von der Stadt zu nehmen. Ödipus will das Verlangen des Orakels in die Tat umsetzen und beginnt mit Nachforschungen, um die bisher unaufgeklärten Umstände des Todes von Laios aufzudecken. Dies tut er durch die Befragung verschiedener Personen, u. a. des Sehers Teiresias, seiner Frau Iokaste sowie eines Boten und eines Hirten, die zur Zeit des Königs Laios bereits gelebt haben und als „Zeitzeugen“ gelten können. Im Laufe der verhörartigen Befragungen kommt Ödipus dem Mörder von Laios auf die Spur: er muss entdecken, dass er selbst es war, der einst Laios tötete (ohne zu wissen, dass dieser sein Vater war) und dass er nun mit seiner eigenen Mutter verheiratet ist und mit ihr vier Kinder gezeugt hat. Im Zuge seiner Recherche entdeckt Ödipus ebenfalls, dass er einst als Neugeborenes ausgesetzt worden ist, um dem Tod anheimzufallen, da ein Fluch auf dem Geschlecht der Labdakiden lag, der beinhaltete, dass ein Sohn von Laios und Iokaste den Vater töten würde. So wuchs er, da der Tötungsbefehl nicht befolgt wurde, ohne seine leiblichen Eltern zu kennen, in Korinth auf und wurde später zum Mörder seines Vaters und zum Ehemann seiner Mutter. Aus Verzweiflung über diese Erkenntnis und seine Taten sticht sich Ödipus mit den Gewandspangen seiner Frau (und Mutter) die Augen aus.

Chronologie und Schauplätze:

Schauplatz des Dramas ist der Platz vor dem Königspalast in Theben; die Kernhandlung umfasst den Zeitraum vom Morgen bis zum Mittag eines Tages.

Das Drama weist eine klare Kompositionsstruktur auf. Eingefasst vom Prologos und dem Einzugslied des Chores (Parodos) zu Beginn und dem Exodos am Ende wird die Handlung in vier Hauptszenen und vier Standliedern des Chores entfaltet. In der Mitte des Dramas (ab V. 725) liegt der Wendepunkt zum Sturz in die Katastrophe hin. Die Enträtselung der Frage „Wer ist der Mörder von Laios?“ erfolgt in vier Schritten und ist zugleich mit der Antwort auf die Frage nach Ödipus’ Identität (Wer bin ich?) verbunden.

Die unmittelbaren Handlungsvoraussetzungen (Ausbruch der Seuche) werden im Prologos geklärt; im Zuge der Recherche von Ödipus werden in den Dialogen die vor Beginn der Handlung liegenden Voraussetzungen in das Drama geholt (Aussetzung von Ödipus etc.).

Figuren:

Die Hauptfiguren sind

Ödipus:

Der König von Theben ist ein beim Volk angesehener und beliebter Herrscher, dem das Wohl seines Volkes und des Landes am Herzen liegt.

Nach der Verkündigung des Orakelspruchs macht er sich unverzüglich und unerbittlich an die Aufklärung der Umstände der Ermordung von Laios.

Um der Wahrheit willen nimmt er dabei keine Rücksicht auf seine Frau Iokaste, die versucht, ihn von weiteren Nachforschungen abzuhalten.

Sein unbedingter Wille, die Tat aufzuklären, führt dazu, dass er sich selbst als Mörder seines Vaters und Gatte seiner Mutter erkennt, zugleich aber seine eigne Identität (Herkunft) aufklärt.

Aus Verzweiflung über seine Tat(en) sticht er sich die Augen aus und ist bereit, die zuvor verkündete Strafe für den Mörder von Laios (Tod bzw. Verbannung) auch für sich anzunehmen.

Iokaste:

Die vormalige Gattin von Laios und Mutter der gemeinsamen Kinder mit Ödipus versucht mehrfach, Ödipus von weiteren Nachforschungen abzubringen.

Sie behauptet, Laios sei für das Aussetzen von Ödipus und den Befehl, ihn zu töten, verantwortlich.

Sie wird allerdings durch die Aussage des Hirten schwer belastet, der im Gespräch mit Ödipus aussagt, Iokaste sei es gewesen, die ihm das Kind zur Tötung übergeben habe.

Iokaste tötet sich selbst.

Teiresias:

Der blinde Seher bezichtigt Ödipus im Gespräch (1. Epeisodion) bereits, der Mörder von Laios zu sein, ergeht sich, was die Umstände der Tat und die Identität von Ödipus angeht, aber nur in Andeutungen.

Ödipus vermutet zunächst, dass Teiresias gemeinsam mit Kreon, dem Bruder von Iokaste, in ein Komplott verwickelt ist, um ihn vom Thron zu stürzen.

Wir stellen diese Hauptfiguren ausführlich vor und geben auch Erläuterungen zu anderen Figuren (Kreon, Bote, Hirte, Chor).

Stil und Sprache:

Die Sprache aller Figuren (unabhängig von ihrem Stand) ist geformt und durch die Versverwendung bestimmt, wobei in den einzelnen Bauelementen des Dramas (Epeisodion, Parodos, Kommos etc.) unterschiedliche Versmaße zum Einsatz kommen.

In den Dialogen wird häufig das Mittel der Stichomythie (Kontern Zeile um Zeile) eingesetzt.

Die Sprache des Dramas ist durchzogen von einer Licht- und Augenmetaphorik.

Ein bedeutendes semantisches Feld wird durch die Begriffe Krankheit, Befleckung und Heilung aufgebaut.

Zu den häufigen Stilmitteln gehören die Klimax, der Ausruf, Personifikationen, Parallelismen sowie antithetische und metaphorische Elemente.

Wir gehen auf folgende Interpretationsansätze näher ein:

Die Rolle von Iokaste

Die Frage nach Tragik, Schuld und Verbrechen

Die Götter und der Mensch Ödipus

Krankheit und Reinigung

2.Jeannette Walls: Leben und Werk

Sophokles 497/496–406/405 v. Chr. © ullstein bild

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

497/496 v. Chr.

Athen

Sophokles wird als Sohn des Sophillos geboren; er entstammt einer vornehmen Familie, der Vater bezieht einen Teil seines Einkommens aus der Waffenproduktion; Sophokles erhält eine umfassende Ausbildung.

450 v. Chr.

Aias[1]

47

443 v. Chr.

Schatzmeister des Attischen Bundes

54

442 v. Chr.

Antigone

55

442/441 v. Chr.

Trachinierinnen

55/56

441/440 v. Chr.

Stratege im Samischen Krieg

56/57

429/425 v. Chr.

König Ödipus

68/72

429 v. Chr.

Stratege im Peloponnesischen Krieg

68

413 v. Chr.

Mitglied im Rat der Probulen

84

413 v. Chr.

Elektra

84

409 v. Chr.

Philoktetes

88

406 v. Chr.

Ödipus auf Kolonos (uraufgeführt 401)

91

406/405 v. Chr.

Tod Sophokles’

91/92

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Sophokles lebte und wirkte im 5. Jahrhundert v. Chr. (im „Goldenen Zeitalter“ Athens). Von den über 100 Dramen, die ihm zugeschrieben werden, sind allerdings nur sieben erhalten geblieben.

Aufführungen dramatischer Texte waren in dieser Zeit „literarische Wettkämpfe“ der besten Dramatiker, deren Stücke im Rahmen der „Großen Dionysien“ und der „Lenäen“ auf die Bühne kamen. Die Theateraufführungen wurden von der attischen Polis gefördert und waren in kultische Feierlichkeiten zu Ehren des Gottes Dionysos eingebunden.

Sophokles nahm verschiedene Staatsämter wahr und gehörte zum Kreis um Perikles, dem bedeutendsten Staatsmann Athens jener Zeit.

Zur Zeit des Perikles hatte Athen etwa vierzigtausend Bürger (mit vollen Bürgerrechten) und eine Bevölkerung von etwa 150 000 Freien, von denen etwa die Hälfte in der Stadt selbst lebte. Dazu kamen etwa 70 000 Sklaven.

Sophokles’ Lebensspanne wird eingerahmt vom Krieg der Griechen gegen die Perser und vom griechischen Bruderkrieg, der Sophokles’ letzte Lebensjahre bestimmte.

Sophokles (497/96–406/405 v. Chr.) wurde in Colonus Hippius (heute: Athen) geboren und entstammte einer vornehmen Familie, die ihm eine umfassende Ausbildung angedeihen ließ. Er gehört, neben Aischylos und Euripides, zur Trias der großen Dramatiker der Blütezeit Athens. Ihm werden 123 Dramen zugeschrieben, von denen aber nur sieben erhalten sind: Neben dem Drama König Ödipus sind dies die Werke Antigone, Ödipus auf Kolonos, Aias, Die Trachinierinnen, Elektra und Philoktet.[2]

Theateraufführungen im alten Griechenland

Aufführungen dramatischer Werke waren zur Zeit des Sophokles eine Art „literarischer Wettkämpfe“.[3] Im März jeden Jahres fanden die Großen Dionysien statt. An diesen Festtagen wurden zu Ehren des Gottes Dionysos, des Gottes des Dithyrambos (altes griechisches kultisches Chor- und Reigenlied zu Ehren des Weingottes und anderer Götter; Dithyrambos war auch ein Beiname des Dionysos) und des Theaters Tragödien und Komödien aufgeführt.

Eingebunden waren die Theateraufführungen in die kultisch-religiösen Festlichkeiten zu Ehren des Dionysos, deren Höhepunkt ein feierlicher Umzug durch die Stadt war, bei dem ein Holzbild des Dionysos von seinem Tempel im Lenäon durch die Stadt zu einem anderen Heiligtum getragen wurde. An den Großen Dionysien feierten die Athener Dionysos als Befreier von den harten Wintertagen und von allen Sorgen und Mühen des Lebens.

Bestandteil der Festlichkeiten waren Knabenchöre sowie ein Festzug (Komos) mit Gesängen und Tänzen. Mittel- und Höhepunkt bildete der Dithyrambos, ein von 50 Männern und Knaben vorgetragener Chorgesang, verbunden mit dem Tanz um den Dionysos-Altar. Aus diesem kultischen Zusammenhang entwickelte sich im Laufe der Zeit das Theaterspiel, indem sich der Chorführer vom Chor absonderte, um die Gesänge und Tänze des Chores zu leiten, durch erzählenden Vortrag zu unterbrechen bzw. zu begleiten oder, Dionysos mimisch darstellend, mit dem Chor zu kommunizieren. Im sechsten Jahrhundert vor Christus stellte dann Thespis dem Chorführer und dem Chor einen weiteren Schauspieler gegenüber, so dass die Möglichkeit der Dialogisierung der Rede gegeben und damit die Grundlage für die eigenständige Entwicklung des Theaterspiels endgültig gelegt war, wobei Thespis dem Dialog zugleich eine feste metrische Form gab.

Zu den Theateraufführungen an den Dionysien erschienen neben den Athenern Gäste aus ganz Griechenland, besonders aber Abgeordnete der Verbündeten Athens, die ihrer Tributpflicht nachkamen. Weitere Theateraufführungen gab es an den Lenäen (etwa im Januar), bei denen sich das Publikum aber auf das attische Volk beschränkte. Das Publikum der Theateraufführungen setzte sich ausschließlich aus den männlichen Freien der Stadtgemeinde (Polis) zusammen, Frauen und Sklaven waren nicht zugelassen. Zu den Dionysien fertigten jeweils drei Dichter eine Trilogie an (also ein aus drei Dramen bestehendes Werk) sowie ein Satyrspiel (Satyrspiele sind heiter-schwankhafte Nachspiele zu den Trilogien; Satyrn sind Fruchtbarkeitsdämonen im Gefolge des Dionysos. Die Trilogie und das Satyrspiel bilden zusammen eine Tetralogie). Ein für das Fest verantwortlicher Beamter wählte im Spätsommer unter den bis dahin eingegangenen Bewerbungen die drei Tragödien- und fünf Komödiendichter aus, deren Dramen im folgenden Jahr zur Aufführung kamen. Jeweils eine Trilogie sowie das dazugehörige Satyrspiel wurden an einem Tag aufgeführt. Hinzu kamen fünf Komödien (während des Peloponnesischen Krieges allerdings nur drei), für die ein eigener Tag vorbehalten war, so dass es an den Tagen der Großen Dionysien zu insgesamt 17 Aufführungen kam und das Publikum täglich etwa acht Stunden im Theater ver-harrte.[4]

Den Aufführungen gingen sorgfältige Vorbereitungen voraus (u. a. Einstudierung des Chores), die allerdings nicht im Dionysos-Theater, sondern im Odeion unter Anwesenheit von Vertretern der attischen Behörden stattfanden.

„Das Theater in Athen war eine Angelegenheit des Staates, weil ihm die Pflege des Dionysos-Kultes oblag. Vorbereitung und Aufführung waren durch Staatsgesetze geregelt. Der Staat wünschte das Theater und förderte es, verzichtete aber auf zensurierende Eingriffe, obwohl die Alte Komödie das Leben der Polis und die Regierenden in einem Maße karikierte und kritisierte, das heutigen Behörden unerträglich erschiene. Auf der Bühne regierte die Parrhesia, die uneingeschränkte Meinungs- und Redefreiheit. (…) Die Zuschauerschaft war sorgfältig entsprechend ihrer rechtlichen und politischen Stellung auf die Ränge verteilt. Es war Theater durch die Polis für die Polis über die Polis.“[5]