Kopf über Bord - Sabine Harmuth - E-Book

Kopf über Bord E-Book

Sabine Harmuth

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Beschreibung

Jeremias träumt. Eine Reise mit der Bounty. Abenteuer erleben, endlich irgendwo ankommen, einfach nur SEIN. Mit der Bounty war er groß geworden. Doch was online so verheißungsvoll klang, endet auf einer Barena in der Lagune Venedigs. Jeremias träumt nicht mehr, aber er spricht jetzt mit Möwen und trifft auf Josie … immer auf dem Weg, ein anderer zu werden. Keinen Bock mehr auf die Heimat. Josie will weg, weg von den stummen Gesichtern in ihrem Kopf. Die Narbe im Gesicht soll am besten auch verschwinden. Auf der Fahrt nach Venedig trifft sie einen Engel und dann Jeremias. Josie zeichnet. Jeremias sieht zu. Zwei einander fremde Menschen begegnen sich auf der Suche nach sich selbst.

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Seitenzahl: 245

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Kopf über Bord

Impressum

Texte:             

© Copyright by S. Harmuth

Umschlag:      

Mann, Jerry, geh ran,

drück auf diesen verdammten grünen Hörer,

du siehst doch, dass ich es bin!

Ich habe gerade deine lausige Karte gelesen.

„Venedig, eine zauberhafte Stadt im Wasser,

der man sich nicht entziehen kann“

Geschraubter Schwachsinn,

Jerry, geh ans Telefon!

„Hallo Leute, geht gerade nix.

Sprecht einfach nach dem Pfeifton.“

Gut Jerry, hör zu:

Alter, dieses Bild habe ich immer vor Augen:

Capriccio italiano

Holzreuter, sagte er in Gedanken zu sich selbst, weißt du eigentlich was du willst? (Wenn er mit sich selbst sprach, dann redete er sich mit seinem Nachnamen an, denn seinen Vornamen, Jeremias, mochte er nicht.)

Wusste er, was er wollte? Eher nicht. Endlich irgendwo ankommen vielleicht. Und jetzt? Jetzt saß er hier fest und wollte sogar zurück auf dieses Schiff, zurück zu diesem Verrückten.

Nur um die Sache mit Quesada zu klären, begründete er still vor sich selbst. Doch sicher war er sich dessen auch nicht, denn er konnte sich nicht vorstellen, wie er mit Quesada umgehen, mit ihm reden, ihn gar zu einer Erklärung bewegen sollte, selbst wenn er ihm wieder begegnen würde. „Es ist gut, wenn du weißt, was du willst – wenn du nicht weißt, was du willst, ist das nicht so gut“, summte er eine Liedzeile vor sich hin. Die Sache mit Quesada klären. Quesada spielte eigentlich keine Rolle mehr, denn er, Holzreuter, wusste doch nicht mehr, was er wollte. Wie lächerlich, dem naiven Wunsch eines Dreizehnjährigen nachzujagen, wenn man inzwischen fast doppelt so alt war. …Von einem Schiff zu träumen und der verlogenen Unendlichkeit, die es versprach. Das hier war die Quittung. Er saß auf einer Insel fest, einem Inselchen, das höchstens 300 m² groß war und sich irgendwo im nördlichen Teil der Lagune von Venedig befand. Wasser und Land bildeten einen unregelmäßigen Fleckenteppich. Der feuchte Inselboden war von winzigen Kanälen durchzogen und schwankte leicht unter den Füßen, wenn man herumlief oder hüpfte. Jeremias (nur sein bester Freund Benni durfte ihn Jerry nennen) hatte schließlich eine annehmbar trockene Stelle gefunden. Um ihn herum sprießte Gras und blühte ein purpurfarbenes Kraut. Hin und wieder wehte über das flache Landstück eine kleine Brise, der er dankbar sein Gesicht entgegenreckte. Weiter nördlich stiegen in größeren Abständen Flugzeuge in den wolkenlosen Himmel auf, flogen im großen Bogen über die Lagune hinweg und verschwanden.

Die Sonne stand hoch am Himmel und Jeremias wartete darauf, dass seine Hose und seine Schuhe trockneten, die auf dem Rettungsring lagen. In der Mitte stand sein Rucksack auf einem grob zusammengefalteten blauen Müllsack. Das T-Shirt tunkte er in regelmäßigen Abständen ins Wasser, um es sich dann über Kopf und Schultern zu legen, denn leichtsinnigerweise hatte er Sören heute Morgen beim Abschied sein Baseballkap geschenkt. Hier gab es nichts, was Schatten spendete. Keinen Baum, keinen Busch. Nur einen einzigen dürren Strauch, an den er vorhin gepinkelt hatte.

Über dem schlammig-türkisfarbenen Wasser lag eine Dunstschicht, die die klaren Konturen verschwimmen ließ. Die Hitze füllte alle Zwischenräume, verklebte Himmel und Erde, lähmte die Gedanken. Direkt vor ihm, allerdings durch einen recht breiten Streifen Wassers von ihm getrennt, befand sich Torcello, die Insel, die Quesada am Ende erwähnt hatte, und aus deren Mitte ein Kirchturm herausragte, der in einem Baugerüst steckte. Menschen oder Boote waren nirgendwo zu sehen.

Jeremias war nicht besonders hungrig, nur der Durst machte ihm allmählich zu schaffen. Das Wasser hatte hier, tief im Innern der Lagune, immer noch einen leicht salzig-brackigen Nachgeschmack. Sobald das T-Shirt auf Kopf und Rücken seine erfrischende Kraft verlor, begann die Haut auf den Schultern zu jucken. Ab und zu sirrte eine Mücke an seinem Ohr vorbei.

Ein mageres Fazit, dachte er. Banaler Mist. Er lachte leise. Er war 25 und zu alt für das hier. Das einzige, was aus diesem Meer an Belanglosigkeiten ebenso flach wie dieses Inselchen aus der Lagune herausragte, war, dass er, zum soundsovielten Male, seiner eigenen Dämlichkeit zum Opfer gefallen war. Vielleicht war das ja seine Bestimmung: gutgläubiger Trottel.

Er hatte noch keine Vorstellung davon, wie es jetzt weitergehen sollte. Er war nicht sonderlich ängstlich, schließlich war er inmitten der Zivilisation gestrandet, eher verwundert und ja, beleidigt darüber, wie man ihn, wie Quesada ihn behandelt hatte. Jeremias stellte sich Bennis Gelächter vor. Benni war sein bester Freund. Bennis Lachen war meist nicht zu ertragen, weil es kein Ende nahm. Noch hatte er es deutlich im Kopf, dieses Gewieher. Es würde blasser werden, leiser. Er würde es immer aus dem Gedächtnis abrufen können, aber was nützte ihm ein Lachen ohne Benni? Eine Konserve, die immer älter wurde, weil Benni nicht mehr älter wurde. Jetzt nicht an Benni denken, am besten nichts denken, nur sein, aber wie, wenn einem der Schädel schwirrte.

Vielleicht sollte er die ganze Reise, alles bis hierher, in Gedanken durchgehen, in eine Ordnung bringen, aufschreiben oder aufnehmen. Solange die Erinnerung noch frisch war. So verfahren (im wörtlichen Sinn) sich auch die ganze Unternehmung bis hierher präsentierte, vielleicht gelang es ihm, eine annehmbare Geschichte darüber zu erzählen. Und wenn es für den großen literarischen Wurf nicht langte, dann vielleicht für den x-ten Reiseführer. Ein bisschen Geschwätz – durch ein wenig Europa – für Trottel. Er könnte einem Lokalblatt eine Kolumne für die Sonntagsausgabe anbieten, im Winter, wenn man sich nach der Wärme der Sonne sehnte. Er würde ein paar Kontakte aus seiner Volontariatszeit aufwärmen. Irgendetwas ergab sich immer, dachte er, während er das Smartphone aus der Seitentasche seines Rucksacks kramte, es anschaltete und sich räusperte.

„Folgendes: Ich, Jeremias Holzreuter, 25 Jahre alt, …“ Er stockte. Seit er in Berlin aufgebrochen war, hatte er sich allen als Tim vorgestellt. Warum jetzt auf einmal wieder Jeremias?

Je-re-mi-as. Eine Mischung aus Ach je und Miasmen. Das hatte er seinem Onkel Ferdi in der Werkstatt damals erklärt. Dass sein Vorname muffig klang. Wieso hatten sie ihn nicht Ben oder Tom genannt? Etwas Kurzes. Mit diesem sperrigen Nachnamen war es doch genug. Nur weil seine Mutter in einem Kirchenregister den ersten nachweisbaren Vorfahren der Holzreuters im 15. Jahrhundert entdeckt hatte, war er zu Jeremias verurteilt worden. Warum nicht Bert, Bob oder Jon? Was hatten sie sich nur dabei gedacht? Jetzt lebte er schon so lange mit diesem Namen und regte sich immer noch auf. Er hatte seinen Eltern kurz vor seinem vierzehnten Geburtstag eine alphabetisch geordnete Liste vorgelegt und verlangt, umbenannt zu werden. Nichts weiter. Ben, Bert, Bob, Jon, Mark, Mike, Nils, Piet, Raul, Ron, Tim oder Tom.

„Aber doch nicht Je-re-mi-as!“ rief er in die Mittagshitze hinaus. Er begann von Neuem.

„Ich, Tim Holzreuter, …“ wieder stoppte er.

„Ich, Holzreuter, 25 Jahre alt, ledig, arbeitslos, kinderlos, … sinnlos“. War doch alles Schwachsinn. Er schwitzte. Da gab es nichts zu sortieren. Was für ein anmaßender Versuch, dem Ganzen eine Ordnung geben zu wollen. Das Leben besaß keine Ordnung. Bestenfalls eine kuriose Reihenfolge. Einem kleinen Triumph folgte ein peinliches Versagen oder umgekehrt. Zufälle mischten sich in die Abläufe ein. Zweifel warfen Schatten. Jeremias schüttelte den Kopf.

Quesada, dieser irre Kapitän, der ihn im Hafen von Valencia so freundlich an Bord der Ana Odette aufgenommen hatte. Mistkerl. Oder Brian, Brian Costa Morales, der ihn in Lissabon überredet hatte, mit nach Valencia zu kommen. Ein neuer Freund? Ein Schlag ins Wasser! Dann nur noch Wasser, immer mehr Wasser. Spaziergänge vom Bug zum Heck und wieder zurück. Die Horizontlinie nach Land absuchen. Mit Sören spielen, ihm Geschichten erzählen und seine Fragen beantworten.

„Wo wohnst du, Tim? Was machst du? Hast du ein Kind? Guck mal Tim, die Wolke ist ein Hase!“ Sören plapperte drauflos. Es machte Spaß, ihm zuzuhören. Der Hals des Wolkenhasen wurde länger und dünner, bis der Kopf abriss. Sören seufzte enttäuscht und Jeremias machte sich mit ihm auf die Suche nach einem neuen Wolkenwesen.

Anders verhielt es sich mit Marie, einer Journalistin aus der Schweiz. Sie war ihm lästig. Sie und ihre Fragen, denen auszuweichen er sich bemühte.

„Bist du aus Berlin? Bist du Reisejournalist? Lebst du in einer festen Beziehung? Ach, diese Weite verführt mich zum Träumen. Wie ist das bei dir, Tim?“

Marie war wie Ellen, strukturiert und bewusst einfühlsam. Wenn sie auftauchte (und ihn schon zu suchen schien, aber vielleicht bildete er sich das nur ein), ging er unter Deck, um zu lesen, Musik zu hören und Moorhühner abzuschießen oder Schiffe zu versenken.

Die ihm immer länger werdenden Tage auf der Ana Odette, in Gesellschaft von Sören, seinem Onkel, Marie und den Seeleuten, ließen so viel Raum zum Nachdenken, das nicht vorwärtskam. Sie steuerten nur wenige Häfen an: Marseille, Genua, Bari. In Marseille hatten sie einen ganzen Tag für den Landgang, in Genua einen Nachmittag und in Bari blieb schließlich nur eine halbe Stunde, um sich im Hafen etwas die Beine zu vertreten und schnell ein Bier zu trinken. Quesada schien es immer eiliger haben. Doch wozu diese Hast? Es ärgerte Jeremias, dass er, bis zum Schluss, den Grund für die Fahrt nicht herausgefunden hatte. Denn die Ana Odette war kein Schiff für Kreuzfahrten. Die Kabinen boten nicht den geringsten Komfort, bis auf die des Kapitäns. Eine weitere Kabine, die aufgrund der prächtig verzierten Tür sogar auf einen gewissen Luxus schließen ließ, blieb immer verschlossen. Der Dreimastschoner war auch kein Handelsschiff. Der Frachtraum schien, soweit Jeremias das einschätzen konnte, nicht von nennenswerter Größe zu sein. Bei der Ana Odette handelte es sich um ein altes und vor allem schönes Schiff. Aber Quesada hinterließ keinesfalls den Eindruck eines Kapitäns, der einfach nur mit einem schönen Schiff über das Mittelmeer fuhr. Wenn jemand das Schiff gekauft hatte, und es nur überführt werden musste, dann hätte man nicht so viele Passagiere an Bord genommen. Oder doch, für einen kleinen Nebenverdienst? Nein, Quesada hatte ganz gewiss etwas anderes vor. Diese Energie, die er ausstrahlte. Gleichzeitig schien er auf etwas zu warten. Allem Anschein nach war er doch ein Schmuggler. Jeremias kehrte damit zu seiner ersten Überlegung zurück. Es gab wohl keine andere Erklärung für sein Verhalten. In Valencia hatte ihn diese Vermutung weder daran gehindert noch dazu beflügelt, an Bord zu gehen. Weil er im Innersten letztendlich davon überzeugt war, dass der spanische Kapitän kein Schmuggler war? Weil er nicht wie ein Schmuggler aussah? Aber wie sah ein Schmuggler aus? Und vielleicht war die auffällige Schönheit der Ana Odette ja die beste Tarnung? Aber wenn Quesada keine Drogen oder sonstige Waren beförderte und keinerlei touristischen Geschäftssinn besaß, wieso fuhr er mit Leuten, die er nicht kannte, über das Mittelmeer? Jeremias‘ Gedanken drehten sich im Kreis, wie das Boot eines ungeschickten Ruderers. Nein, Quesada sah wirklich nicht wie ein Schmuggler aus. Er sah wie ein Kapitän aus, dessen Bild man in einem Kinderbuch über die Seefahrt finden würde. Er war mittelgroß und kräftig, aber nicht dick, er trug einen gepflegten Bart und seine braunen Augen blickten gelassen in die Welt hinaus. Mit wohlbemessenen, kräftigen Schritten ging er über das Deck des Schiffes, das er liebte. Auch Tarnung? Einmal, in der Nähe von Genua, hatte Jeremias den Kapitän nach dem Grund der Reise gefragt. ¿Por qué? Warum? ¿Para qué? Wozu? Quesada hatte gelächelt und genickt. Hatte sich umgedreht und war gegangen. Hatte ihn an der Reling stehengelassen. War ihm das abendliche Wetterleuchten am Horizont nicht genug? Warum konnte er sich nicht mit dieser Tour einfach zufriedengeben? In Valencia war er doch ganz aus dem Häuschen vor Freude. Eine Fahrt übers Mittelmeer. Ersatzfahrt, um ehrlich zu sein. Denn es ging nicht in die Südsee, und es war nicht die Bounty. Das war sein Traum, der vor über zehn Jahren in der Werkstatt des Onkels in einem Schiffsmodell 1:60 allmählich Gestalt angenommen hatte. Vor wenigen Wochen war dieser Traum scheinbar in greifbare Nähe gerückt, nur um dann auf die schäbigste Weise zerstört zu werden. Die Ana Odette war ein Trost, aber kein Ersatz. Es gab keinen Ersatz. Brian hatte ihm zwar versichert, dass er auf einem mit Herzblut und einer Menge Geld umgebauten Dreimastschoner mitsegeln würde. Liebevoll für eine Reise wieder hergerichtet, deren Grund … nicht wieder von vorn, Holzreuter. Als sie Bari verließen mit Kurs auf Venedig, hatte Jeremias den Kapitän gefragt, welches, nach Venedig, das nächste Ziel der Ana Odette sei. Insgeheim trug er sich mit dem Gedanken, wenn möglich, weiter auf dem Schiff zu bleiben, und sich für beliebige Arbeiten anzubieten. Quesada hatte nur den Kopf geschüttelt und ihn nicht einmal angesehen. Was war los mit diesem Mann? Warum war er nicht willens, eine einfache Frage zu beantworten? Nicken und Kopfschütteln waren doch keine Antworten auf Warum und Wohin. Aber Quesada tat so, als gäbe es weiter nichts zu sagen. Also doch ein Schmuggler? Und es war seine, Jeremias‘ Schuld, dass er jetzt auf dieser Insel festsaß, weil er zu neugierig gewesen war und zu viele Fragen gestellt hatte? War dem Kapitän also keine andere Wahl geblieben, als ihn auf diese dreiste Weise loszuwerden? Sollte er nicht froh sein, weil es noch viel schlimmer hätte kommen können, wenn Quesada wirklich ein Schmuggler war?

Einige Meter von ihm entfernt landete eine Möwe.

„Was hast du hier zu suchen?“

(Möwen konnten nicht sprechen. Er antwortete trotzdem.)

„Gute Frage.“

„Hier kannst du nicht bleiben.“

Jeremias grinste.

„Sitzen, atmen, abwarten“, sagte er. „Nein, warte, einfach nur SEIN. So wie du.“

„So wie ich? Mach dich nicht lächerlich. Du gehörst nicht hierher.“

„Ich gehöre dahin, wo mein Arsch sitzt.“ (Bennis Spruch.)

Eine Möwe, dachte er. Machte ihm den Platz streitig. Er sah sich um. War doch genug Platz da. Es war wie immer. Ellen hatte ihn rausgeschmissen, Quesada hatte ihn ausgesetzt (wie einen Meuterer). Jetzt die Möwe.

„Dein Gejammer ist mir egal.“ (Er hatte nichts gesagt.) „Du hast hier nichts verloren.“

Jeremias drehte der Möwe den Rücken zu. Halluzinierte er? Dann drehte er sich plötzlich wieder um, griff in ein Grasbüschel, riss es aus und warf es nach dem Vogel.

„Du bist ein jämmerlicher Jäger.“

„Ich wollte nur sehen, ob du echt bist.“

„Du hast Durst. Futter findest du hier auch nicht.“

Sie hat Recht, dachte er. Und: vielleicht werde ich verrückt, verabschiede mich hier, im Juli 2012 (welcher Tag war eigentlich?) aus der Wirklichkeit. Er stand auf, streckte sich und ging ein paar Schritte. Die Möwe flog auf und ließ sich einige Meter weiter entfernt nieder. Jeremias setzte sich. Er schloss die Augen.

Aber sobald er dies tat, sah er die Bounty vor sich. Die, die sie Anfang der 60er Jahre für den Film gebaut hatten. Die jetzt eigentlich auf dem Weg nach Tahiti sein sollte. Mann, Holzreuter, dachte er, das Thema hatten wir doch abgehakt.

Mit der Bounty war er groß geworden. Zwei Bilder hatten immer in seinem Zimmer gehangen: Eine Zeichnung des Original-Schiffs von 1787 und ein Filmplakat von der Meuterei auf der Bounty. Die Zeichnung hatte ihm sein Vater aus einem Bibliotheksbuch kopiert und im Hobbykeller mit viel Mühe vergrößert. Das war Weihnachten zwei Jahre vor dem Mauerfall. „Zum 200. Geburtstag der Fahrt nach Tahiti“ hatte er drunter geschrieben. Zu Jeremias‘ Geburtstag, zwei Monate später, schickte ihm eine kinobesessene Westtante auf geheimnisvollen Wegen das Filmplakat. Marlon Brando und diese Tahiti-Schönheit im Vordergrund, dahinter das Schiff. Das Schiff im Vordergrund wäre besser gewesen. Beide Bilder waren an seiner Wand geblieben, bis er auszog. Die Film-Helden wechselten wie die Lieblingsbücher, später die Fußballstars oder Bands. Alle kamen und verschwanden wieder. Nur die Bilder von der Bounty blieben.

Mach die Augen auf, Holzreuter. die Lagunensonne besorgt dir noch den Rest. Es war zu heiß zum Schlafen. Er drehte sich auf die Seite, zur Möwe hin, die nähergekommen war und von einem Bein auf das andere trat. Ein ziemlich großer Vogel mit weißem Bauch, grauen Flügeln, schwarzen Schwanzfedern und einem orange-gelben, kräftigen, leicht nach unten gebogenem Schnabel. Der Blick war streng und verächtlich. Hitchcock, dachte er. Gleich würde ein Rauschen einsetzen und sich der Himmel verdunkeln.

„Hast du was zu fressen?“

„Kekse sind alle. Tut mir leid.“ (Es tat ihm nicht leid.)

Hatte er laut gesprochen?

„Schau nach.“

Er konzentrierte sich auf den Schnabel der Möwe. Aber jetzt schwieg sie. Keine schlechte Idee, den Rucksack aufzuräumen. Nicht, weil ihn die Möwe aufgefordert hatte, nach Essbarem zu suchen. Aber immer noch hörte er das Schau nach in seinem Kopf. Er begann auszupacken, ohne auf den Vogel zu achten, und zeigte dennoch jedes Stück in die Höhe, als handelte es sich um Beweismaterial: einen Reiseführer Südsee, eine abwaschbare Faltkarte Gesellschaftsinseln, das Faksimile einer historischen Karte mit Angaben zu Strömungen und Windverhältnissen in Mikronesien, Melanesien und Polynesien, Südseegeschichten von Jack London und ein altes Schiffsquartett, sein Talisman auf jeder Reise.

„Siehst du, da ist nichts zu fressen.“

„Wozu schleppst du es dann mit?“

Er nahm die abgegriffenen Quartettkarten aus der Hülle. Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Yachten, Segelschiffe, natürlich war die Bounty dabei. Kein besonderes Schiff, wenn man es genau betrachtete. Es gab unzählige Schiffe, die schneller oder größer oder viel besser bewaffnet waren. Trotzdem war die Bounty der absolute Trumpf, der alle anderen Schiffe stach. Wegen der Geschichte. Weil sein Onkel Ferdi, solange er denken konnte, an den Wochenenden immer in seiner Werkstatt an einem Schiffsmodell baute und ihm Geschichten erzählte. Die Geschichte von der Bounty war die beste von allen.

„Im Dezember sind wir in See gestochen, Junge. Die Bounty war früher als Kohlefrachter unter dem Namen Bethia unterwegs. Wurde umgebaut für die große Tour in den Pazifik. Der Frachtraum war recht groß, aber für die Besatzung wurde es ziemlich eng, soviel steht fest. Wir waren über 40 Mann an Bord! Der Schiffsrumpf keine dreißig Meter lang und gerade mal sieben Meter breit. Wir sollten nach Tahiti, dort Brotfrüchte, also die Schößlinge holen und damit rüber nach Jamaika. Lieutenant Bligh hat das Schiff befehligt, war ein ehrgeiziger Kerl, kann ich dir sagen. Wollte die Welt umrunden. Am Kap Hoorn vorbei nach Tahiti, dann weiter nach Jamaika. Einmal um die ganze Welt, verstehst du?“

„Wie lange war die Bounty unterwegs, Onkel Ferdi?“

„Wie lange? Du meine Güte. ‘Ne halbe Ewigkeit.“

„Sind die Steckbrote nicht schlecht geworden?“

„Das sind Pflanzen mein Junge, keine Brote. Heißen nur Brotfrüchte. Sehen aus wie große grüne Kugeln. Heißen Brote, weil sie so nahrhaft sind. Eben wie Brot oder Kartoffeln. Und billig. Für die Sklaven auf Jamaica. Typisch englische Idee. Aber die Sklaven wollten das Zeug nicht, hat man mir später erzählt.“

„Hast du das auch gegessen?

„Klar, Jeremias. Auf Tahiti haben sie meist Mus draus gekocht. Ein süßliches Gelumpe war das.

„Wie Grießbrei?“

„Nee, ‘n bisschen strenger, nicht mein Leibgericht, wenn du mich fragst. Das Zeug wurde auch geröstet, zu Mehl verarbeitet und dann tatsächlich so ‘ne Art Fladen draus gebacken. Aber mein bester Freund, der Segelmacher, hatte ‘ne wirklich gute Idee. Eigentlich war es eher Zufall. Also, da stand dieser Krug mit Palmöl über Mittag in der Sonne. Es war der heißeste Tag, den man sich denken kann. Die schöne Hinano kam mit einer Kiepe voller kleingeschnittener Brotfrüchte vorbei, vielleicht war es auch die bildhübsche Tamalinda, bin mir nicht mehr so sicher. Sie stolperte ein wenig, weil sie meinem Kumpel schöne Augen machte, und ein paar von den Brotfruchtstreifen fielen in das heiße Öl … fertig waren die Pommes frites. Wir mussten uns nur noch etwas Salz besorgen. Das hat die Frauen mächtig beeindruckt. Niemand wollte mehr Brotfruchtmus essen. Von da an kamen sie mit dem geschnittenen Gemüse immer zu uns.“

„Ihr habt die Pommes frites erfunden?“

„‘Ne Unterart davon, könnte man so sagen.“

Anfangs hatte Jeremias alles geglaubt. Später begann er Fragen zu stellen. Hatte Onkel Ferdi wirklich als Zimmermannsgehilfe auf der Bounty angeheuert? Er sollte schwören! Aber sein Onkel schwor nicht, schwieg einfach, drehte vorsichtig eine Planke aus dem Leistenbieger und hielt sie prüfend an die Spanten.

„Du müsstest ja 250 Jahre alt sein!“

Ein wenig ärgerte es ihn, dass sein Onkel die Geschichte so erzählte, als hätte er das alles erlebt. Aber sprach das gegen die Geschichte? Letztendlich war Jeremias stolz, weil sein Onkel die Pommes frites doch irgendwie erfunden hatte: Onkel Ferdis Original Tahitianische Brotfruchtpommes.

Währenddessen stand der Onkel an der Werkbank und sägte und schliff und setzte die Spanten, bog die nur wenige Millimeter dicken Planken, damit sie alle die gleiche Krümmung erhielten, und wie aus dem Nichts entstand der bauchige Schiffsrumpf. Dabei erzählte er, wie sie sich vor Kap Hoorn während des gewaltigsten Sturms aller Zeiten zusammen mit vier Matrosen und dem dicken Schiffsarzt (der zu nichts anderem taugte) an Deck gegen den Großmast lehnten, damit dieser im Unwetter nicht brach. So fuhren sie eine Meile vorwärts und zwei zurück, bis sie fast von selbst rückwärts nach Afrika kamen. Inzwischen hatte sein Onkel das winzige Steuerruder auf dem Deck angeklebt und war dabei, die kleinen Kanonen hinter die Luken zu setzen. Er war immer auf Seiten des Kapitäns und ließ sich nach der Meuterei auch mit ihm aussetzen. Bitterlich geweint hätte er, als er mit ansehen musste, wie die Meuterer die Töpfe mit den Brotfruchtpflanzen ins Meer warfen. Eine hätte er heimlich aus dem Wasser gefischt und über die weite Fahrt am Leben erhalten. Zu Hause angekommen, bemühte er sich sehr um die Pflanze, die nicht 26 m wie auf Tahiti, sondern leider nur 77cm groß wurde und zwei wachteleiergroße Früchte hervorgebrachte, die für genau fünf sehr kurze Pommes frites reichten, welche nach gar nichts geschmeckt hätten. Sein Onkel räusperte sich, trank einen Schluck kalten Schwarztee und fuhr mit dem Zeigefinger ebenso zärtlich wie prüfend über Schanzkleid und Reling. Die Dinge schmecken eben immer besser an den Orten, wo sie erfunden werden. Es dauerte mehrere Wochen bis so ein Schiff fertig war. Allein für das Knüpfen der Wanten und den Aufbau der Takelage eines Drei-oder Viermasters brauchte man eine Ewigkeit. Onkel Ferdi verlangte nie, dass Jeremias ihm half, er bat ihn nur hin und wieder, ihm das Schleifpapier oder den Klebstoff zu reichen. Manchmal lag das Schiff plötzlich fix und fertig aufgebockt da! Am Ende sollte er die kleine britische Flagge befestigen, aber er stellte sich nicht besonders geschickt an. Er liebte es zuzusehen. Er hörte genau zu und manchmal versuchte er – vergeblich – seinem Onkel mit triumphierender Stimme das Gelogene nachzuweisen. Aber selbst bauen konnte und mochte er nicht.

Die Möwe saß da und putzte sich das Gefieder.

Anfang der 60er Jahre wurde im amerikanischen Lunenburg die Bounty II gebaut. Bennis und sein Traum. Ein Schiff für den Film über die berühmteste Meuterei aller Zeiten. Sie war größer als das Originalschiff und mit Motoren ausgestattet. Natürlich war Onkel Ferdi auch dort von Anfang an dabei gewesen und hatte überall mitgearbeitet, vom Kiel bis zur Mastspitze und bis zum letzten Segeltuch Er hatte den beiden Jungs einen Floh ins Ohr gesetzt. Sie waren elf Jahre alt und mussten irgendwann auf dieses Schiff. Oder auf ein ähnliches. Sie könnten ja noch eins bauen. Sie versprachen, das Holz aus dem Wald zu holen, und, falls nötig, die Bäume selbst zu fällen. Benni verkündete, er würde eine Säge und eine Axt besorgen und er wüsste, wo man sich hinstellen müsste, damit der Baum, wenn er umkippt, nicht auf einen drauf fällt. Onkel Ferdi lächelte und nickte, während er einen Galionslöwen mit Goldfarbe anmalte.

Vorsichtig schob Jeremias die Karten in die alte, schon etwas eingerissene Papphülle zurück. Die Möwe schlug ungeduldig mit den Flügeln.

„Ich habe dir nichts versprochen.“ (Diesmal war er sich sicher, dass er laut gesprochen hatte. Er redete tatsächlich mit einer Möwe.)

„Such weiter.“

Er brauchte nicht zu suchen. Auf einmal hielt er ein Sandwich in der Hand, das in eine dünne weiße Papierserviette gewickelt war. Eine Bierdose kam noch zum Vorschein.

„Das glaube ich jetzt nicht.“ (Nur eine Redensart. Im Grunde traute er diesem Kapitän inzwischen alles zu).

„Quesada war an meinen Sachen.“

„Sieht gut aus. Ich hab’s gleich gewusst.“

„Er war an meinen Sachen!“

„Unwichtig. Das da ist Futter. Wirf etwas herüber.“

Jeremias wickelte das Brot aus. Kochschinken, Salat und Tomatenscheiben zwischen zwei Weißbrotdreiecken. Dennoch war er empört.

„Mach schon!“

Er warf der Möwe Brot hin und begann auch zu essen.

„Wirf noch mehr herüber. Da ist noch so viel.“

„Quesada ist ein netter Mistkerl“, brabbelte Jeremias mit vollem Mund. „Das Problem ist, war nur, dass man nie wusste, an welche Seite man gerade geraten war. Verstehst du? Seine nette und freundliche Seite sah genauso aus wie seine Mistkerl-Seite. Ich dachte noch, dem kannst du vertrauen. Nicht unbedingt ein dicker Freund, aber ein Kapitän. Ein Kapitän und sein Schiff. Klar, oder? Weißt du, was Benni immer gesagt hat? Trau nur dir selbst und höchstens noch deinem allerbesten Freund.“

Er schluckte den letzten Bissen hinunter; enttäuscht, dass, obwohl er noch Appetit hatte, die Mahlzeit bereits zu Ende war. Dann griff er nach der warmen Bierdose und trank sie in wenigen Zügen aus. Ein einziges Mal war er auch auf seinen besten Freund wütend gewesen.

„Die Story mit dem schrumpfenden Geschenk“, murmelte er halblaut vor sich hin. Er sah zur Möwe, die immer noch dort saß und schwieg. Gut so. Weihnachten 1999. Er konnte sich sogar noch an das Geschenkpapier erinnern. Hellblau mit unzähligen kleinen Booten. Roter Rumpf, weißes Segel. Hunderte kleine Schiffchen. Dazu extra aufgeklebte Silbersterne. Das größte Paket unter dem Weihnachtsbaum. Es war leichter als erwartet, aber die Größe stimmte jedenfalls. Er ließ sich Zeit mit dem Öffnen der Schleife und den Knoten des Bandes. Vorsichtig löste er die Klebestreifen, faltete das bunte Papier auseinander und legte es fast feierlich beiseite. Er würde nachher gleich Benni anrufen. Alter, nun sag schon ... Jeremias nahm den Deckel von der Schachtel ab und entdeckte ein weiteres Behältnis. Er öffnete es, nur um darin eine kleinere Verpackung zu finden. Es war also nicht das große englische Modell, so viel stand fest. Was soll’s. Das deutsche war sowieso besser. Kleiner und robuster. In den Wanten konnte man sogar die Plastik-Matrosen aufentern lassen. Und das französische, auch nicht so groß, besaß sogar noch mehr Details, die Fenster im Heck waren viel besser gearbeitet. Nicht das halboffene mit Einblick ins Unterdeck, hatte er auf seinen Wunschzettel geschrieben. Seine Hände entfernten immer schneller Papier und Deckel, Papier und Deckel, während sein Vater gemeinsam mit dem Dresdner Kreuzchor Oh, Tannenbaum, oh, Tannenbaum sang und einen herabgefallenen Papierengel wieder an einen der Zweige des Weihnachtsbaums hängte.

Eine ganz miese Nummer war das. In dieses kleine goldige Würfelchen passte ja nicht einmal eine Nussschale hinein! Jeremias konnte sich nicht entschließen, die letzte winzige Verpackung zu entfernen. Am liebsten hätte er es in die Ecke oder besser noch, gleich in den Kamin geschmissen. Der lauernde Blick seines Vaters. Nein, er tat ihm den Gefallen nicht und packte das Geschenk zu den anderen, so, als würde er es sich für zuletzt aufheben. Der vierte Platz beim Schwimmwettkampf hatte ihm natürlich nicht gereicht. Er hatte geschwiegen. Startfehler. Absprung schräg nach unten statt leichtschräg aufwärts. Verfrühtes Abtauchen vor der Rollwende. Brustkraulen war doch seine Disziplin! Freundliches Kopfschütteln und Schultertätscheln. Er hätte mindestens eine Medaille, besser noch, er hätte gewinnen müssen, dann wäre sicher auch sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Als Benni ihn anrief, schlurfte er lustlos zum Telefon.

„Alter…“, dem blieb vor Aufregung fast die Stimme weg, „… ich habe die Bounty bekommen, … verstehst du?“

Nein, er verstand überhaupt nichts mehr! Die Bounty stand auf seinem Wunschzettel! Als er zurück ins Wohnzimmer kam, fing sein Vater plötzlich an. Warum er nicht bei Onkel Ferdi in der Werkstatt selbst ein Schiff baute. So etwas lernte man am besten von Grund auf. Und Onkel Ferdi würde sich freuen. Man brauchte natürlich Geduld: für die Beplankung des Schiffsrumpfs, für den Deckaufbau, das laufende Gut, die Takelage. Wenn man so etwas selbst gebaut hätte, würde es jedenfalls nach zwei Wochen Spielen nicht achtlos in der Ecke liegen.

„Kostet es keine Mühe, dann ist es auch nichts wert.“

Er hätte eine Strichliste führen können mit diesen Vater-Sprüchen. Ob er denn alle Geschenke auch tatsächlich schon ausgepackt hätte. Er überhörte die Frage seines Vaters. Den Goldwürfel konnte er behalten.

Benni hatte die Bounty bekommen und er? Ein Buch über Segelknoten. Als seine Mutter ihn zum Essen rief, war er im Flur dabei, die Schnürsenkel aus den Schuhen zu ziehen. Plötzlich stand sie hinter ihm.

„Was machst du da?“

Er drehte sich nicht um, zuckte nur mit den Schultern. Benni belud längst den Dreimaster mit Proviant und er … er lernte eben Knoten. Ihre Hand auf seiner Schulter.

„Die Dinge sind nicht immer, was sie scheinen.“

Noch so ein großartiger Spruch! Natürlich war sie auf Vaters Seite. Alle waren in letzter Zeit gegen ihn. Früher wären sie nicht auf eine so bekloppte Idee gekommen. Ein leeres Geschenk zu schenken. Auswickeln und Vorfreude wären doch der größte Spaß. So schön, wie das heute alles aussah. Da konnte man sich reineweg schon zum Papier freuen, sagte die Oma jedes Jahr. Jeremias war fast dreizehn, da freute man sich nicht zum Papier!

Seine Mutter hatte sich neben ihn gehockt.

„Ich war stinkwütend!“ – rief er laut über sein kleines Inselreich. Die Möwe saß direkt am Wasser. Sie hielt die Augen geschlossen. Weit entfernt sah Jeremias ein Boot vorbeiziehen. Die Entfernung war zu groß. Sie würden ihn nicht sehen, wenn er versuchte, sich bemerkbar zu machen. Nein, so verzweifelt war er noch nicht.

„Ja, ich war wütend“, murmelte er vor sich hin.