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Der Tag beginnt harmlos wie immer. Mia hat mal wieder verschlafen. Sie ahnt nicht, dass dieser Tag der Beginn eines spannenden Kriminalfalls ist! Aus einem Detektiv-Spiel wird gefährlicher Ernst. Ein Juweliergeschäft wird ausgeraubt. Mia und ihr Freund Tom kommen den Juwelendieben auf die Spur. Sie nehmen den Fall auf. Um die Verbrecher überführen zu können, brauchen sie Beweise. Sie kombinieren und beobachten. Dabei kommen sie den Juwelendieben mehr als einmal gefährlich nahe. Ihre Ermittlungen führen sie in ein altes Kloster, wo ein unterirdisches Labyrinth dunkle Geheimnisse für sie verbirgt. Es warten viele Rätsel auf die Freunde. Wo ist die Beute versteckt und was haben die Mönche mit dem Fall zu tun? Die Zeit läuft ihnen davon. Dass die Verbrecher skrupellos sind, erfahren beide am eigenen Leib. Aber für Mia und Tom ist klar: Es gibt kein Zurück!
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Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2013
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JULIA SCHEIBE
KRIBBELKRIMINALE
IM LABYRINTH DER MÖNCHE
Jugendkrimi
Books on Demand
Julia Scheibe ist eine junge Autorin und stammt aus Bremen. Viele Ideen zu ihren
Geschichten stammen noch aus ihrer Kindheit. Sie hat sie nie vergessen, aufgeschrieben und neu entwickelt.
Ihr großes Interesse gilt spannenden Krimis und Abenteuern, die für Kinder und Jugendliche gedacht sind.
In der Hoffnung, sie zu überzeugen, zeitweilig die Spielkonsole gegen ein Buch einzutauschen, möchte sie mit ihrer Fantasie und ihren Ideen die Kreativität der Kinder und Jugendlichen anregen und ihnen ihre Welt zeigen.
Es gibt unzählige Geschichten und Abenteuer, die darauf warten, erzählt zu werden.
Dieses Buch ist erst der Anfang!
Julia Scheibe jagt die Fantasie ihrer Leser!
FÜR PEPE, PUMA & TIGER
Kapitel 1 – Verschlafen!
Kapitel 2 – Verfolgung!
Kapitel 3 – Polizei, dein Freund und Helfer?!
Kapitel 4 – Zufälle gibt´s …
Kapitel 5 – Unerwünschter Besuch
Kapitel 6 – Auf zum Zahnarzt, Klappe die 2te
Kapitel 7 – Hilfe?!
Kapitel 8 – Ferien im Kloster
Kapitel 9 – Stimme der Vergangenheit
Kapitel 10 – Im Labyrinth der Mönche
Kapitel 11 – Überraschung auf dem Friedhof
Kapitel 12 – Zwei ganz groß
DANKSAGUNG
„Mia, Mia, wach auf! Du kommst schon wieder zu spät zur Schule. Beweg deinen Hintern und komm in die Gänge!" Unter einer bunt getupften Bettdecke regte sich etwas.
Leises Gemurmel klang gedämpft unter der Bettdecke hervor.
„Zu spät", murmelte eine Stimme leise.
Plötzlich schaute ein brauner Wuschelkopf unter der Bettdecke hervor.
„Zu spät? Oh nein, nicht schon wieder, so ein Mist!", rief Mia gequält.
Die gemütliche Bettdecke wurde zur Seite geworfen und sie sprang sportlich aus dem Bett.
Beim ersten Schritt stolperte sie über einen großen Haufen mit Schulbüchern und Klamotten. Die vergangenen Tage hatte sie alles achtlos auf den Boden geworfen.
Für die Schule lernen und ihr Zimmer auf-räumen. Das war nichts, womit sich Mia gerne beschäftigte. An diesem Morgen bereute sie, dass sie bisher noch keine Lust zum Aufräumen gehabt hatte. Als sie über den Haufen fiel, stieß sie sich ihren Fuß an ihrem Schreibtisch.
Das war so schmerzhaft, dass sie aufschrie.
„Aua, so eine Scheiße!", stöhnte sie leidend und humpelte taumelnd über den Flur ins Badezimmer.
Sie hatte schon viel Zeit verloren. Also wusch sie sich nur schell das Gesicht und putzte sich die Zähne.
Als sie schließlich in den Spiegel schaute, sah sie das, was sie jeden Morgen sah. Ein rundes Gesicht mit Sommersprossen, Stupsnase und forschen grünen Augen. Eingerahmt von wilden, welligen, langen braunen Haaren.
Sie sah an jedem Morgen aus, als hätte sie im Traum diverse Kämpfe ausgefochten. Mia brauchte täglich mehrere Minuten, um ihre Haare in Ordnung zu bringen. Nachdem sie diesmal die schmerzhafte Prozedur hinter sich hatte, lief sie in ihr Zimmer zurück und zog wahllos ein paar Kleidungsstücke aus dem bunten Haufen, über den sie gerade gefallen war.
Schnell schlüpfte sie, ungeachtet der Sauberkeit oder farblichen Zusammensetzung, hinein.
Da sie kein Mädchen war, das morgens Stunden vor dem Spiegel benötigte, um Schminke aufzulegen, wie viele andere in ihrem Alter, störte sie sich auch nicht daran.
Mia bändigte ihre Haare schnell mit einem Zopfgummi. Zum Schluss sah sie sich noch einmal in ihrem Zimmer um, ob sie nicht etwas Wichtiges für die Schule vergessen hatte. Weil aber nichts lag, wo es hingehörte, gab sie es schnell auf.
Sie lief die Treppe hinunter, nun jedoch nicht mehr ganz so stürmisch. Ihr Fuß schmerzte, und pochte immer noch. Mia schnappte sich in der Küche eine trockene Scheibe Toast und auf dem Flur ihren am Vorabend bereits gepackten Schulrucksack. Wenigstens auf diese Ordnung bestanden ihre Eltern. Sie schlüpfte in ihre Sneakers, drückte ihrer Mutter, die ihr bereits die Haustür aufhielt, einen Kuss auf die Wange und rannte aus dem Haus zur nächsten Bushaltestelle.
Den Schulbus hatte sie längst verpasst, also musste sie mit dem Linienbus fahren. Der brauchte aber fast eine Stunde länger für den Weg zur Schule. Dutzende Haltestellen und ein Umweg an der Uferpromenade standen ihr bevor.
Die erste Schulstunde begann bereits in zehn Minuten, sie würde heute also auf jeden Fall zu spät kommen.
Mia wusste nicht, warum es so war, aber sie schaffte es regelmäßig, zu spät zu kommen. Entweder sie hörte ihren Wecker nicht oder schaltete das nervtötende Klingeln einfach aus und schlief weiter. Selbst wenn sie mal pünktlich wach wurde, trödelte sie oft so lange, dass ihr der Schulbus vor der Nase davonfuhr.
Daran konnte auch ihre Mutter nichts ändern, die jeden Morgen dafür sorgte, dass sie sich beeilte.
Bereits gestern verpasste sie die erste Schulstunde. Die Sportstunde. Da hatte sie sich geärgert. Sie liebte Sport und konnte selbst die Jungs aus ihrer Klasse in vielen Dingen schlagen. Heute verpasste sie zum Glück nur den Matheunterricht. Mathe war einfach nicht ihr Fach, da konnte ihr Vater noch so viel mit ihr lernen.
Genauso wie Mathe hasste Mia es, in diesen stickigen, dreckigen und stinkenden Linienbussen fahren zu müssen. Auch der Bus heute war alt und abgenutzt.
Die Fenster und Sitze waren kaputt gekratzt oder mit Schimpfwörtern bemalt worden. Vom Vorabend lagen noch Döner-Reste auf dem Boden.
Sie setzte sich in eine hintere Sitzreihe auf einen kaputten Sitz und rückte nah ans Fenster, wo es halbwegs sauber war.
Ein altes Kaugummi auf dem Sitz neben ihr, lies sie würgen. Je öfter sie im Linienbus saß, umso mehr verabscheute sie die Fahrten.
Dafür, dass sie von Mathe verschont wurde, musste sie nun im Bus leiden.
Mia hatte beinahe eine Stadtrundfahrt vor sich. Ausgerechnet heute hatte sie ihren Krimi leider nicht dabei. Dieser lag zu Hause in dem Haufen, über den sie vor ein paar Minuten gefallen war.
Also musste sie sich nun irgendwie anders die Zeit vertreiben. Sie brauchte dringend Ablenkung!
Allein schon, um nicht auf die dreckige Umgebung zu achten. Vielleicht ist Mathe doch nicht so schlecht, dachte sie angewidert, als sie aus Versehen das alte Kaugummi auf dem Sitz berührte.
Der Bus war an diesem Morgen schon sehr voll. Ganz vorne saß ein Mann, der sicher fast hundert Jahre alt war und sehr gebrechlich wirkte. Er war eingenickt und lehnte mit seinem Kopf an einer versifften Fensterscheibe. An jeder Haltestelle wachte er auf und vergewisserte sich, dass er seine Haltestelle noch nicht verpasst hatte.
Auf der anderen Seite saß eine Oma mit drei kleinen Kindern. Die Kinder waren, anders als Mia, um diese Uhrzeit schon quietschfidel und tanzten der Oma buchstäblich auf der Nase herum.
Der Junge mochte vielleicht vier Jahre alt sein. Er popelte fleißig in seiner Nase und schmierte deren Inhalt an Omas Jacke ab. Die Kleinste, etwa zwei Jahre alt, saß bei der Oma auf dem Schoß. Sie klatschte mit ihren kleinen Händen abwechselnd an die dreckige Fensterscheibe und dann der Oma ins Gesicht. Ekelig, dachte Mia und rümpfte die Nase. Und dann war da noch ein Mädchen von etwa fünf Jahren.
Sie saß neben der Oma auf dem Sitz und plapperte unaufhörlich und laut die wirrsten Sachen von der Fee Linka Tinka oder so ähnlich. Sie schien zu glauben, dass die Fee ihre beste Freundin war, mit der sie allerhand Schwachsinniges zu erleben glaubte. Diese Truppe war so unangenehm laut und nicht zu ignorieren, dass Mia beobachten konnte, wie die anderen Fahrgäste die Augen genervt verdrehten.
Sie alle schienen am liebsten Beifall zu klatschen, als die vier endlich den Bus verließen. Am frühen Morgen war dies einfach nicht zu ertragen, dachte Mia. Dann konzentrierte sie sich auf die nächsten zugestiegenen Fahrgäste. Ein junges Pärchen saß zwei Plätze vor ihr und knutschte.
Sie schienen um sich herum nichts wahrzunehmen.
Mia glaubte, beide schon einmal auf dem Schulhof gesehen zu haben.
Sie selbst war wohl doch nicht die Einzige, die zu spät zur Schule kam.
Doch trösten konnte sie das nicht. Wann war sie denn endlich da? Etwas genervt schaute sie wieder aus dem Fenster, um zu sehen, wo sie war. Sie zählte noch sieben Haltestellen bis zur Schule.
Langsam wurde ihr von den Gerüchen in dem Bus übel. Eine Mischung aus Schweiß, Knoblauch und sonstigen Gerüchen, über die sie lieber nicht näher nachdenken wollte.
Draußen herrschten bereits sommerliche Temperaturen um die 24 Grad. Das machte die strenge und stickige Luft im Bus nicht angenehmer.
Als ihr Blick über die alten, stinkenden Döner-Reste schweifte, schüttelte sie sich angewidert und überflog schnell mit einem Blick die weiteren Fahrgäste.
Doch es saßen nur noch langweilige Anzug-Typen im Bus. Wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit ins Büro einer Versicherung oder Bank. Gelangweilt schaute sie aus dem Fenster, bis ihr eine Spiegelung in der Scheibe auffiel. Ein paar Plätze von ihr entfernt saß ein seltsamer Mann. Er war ihr vorher nicht aufgefallen. Ihm schien ebenso langweilig zu sein wie ihr. Der Kerl las die Tageszeitung nämlich falsch herum, auf den Kopf gedreht. Dies hatte sie durch die Spiegelung im Fenster zunächst gar nicht bemerkt.
Es gab schon seltsame Typen, wunderte sich Mia.
Bei dem Gedanken an diesen Kerl und seine wundersame Art, die Zeitung zu lesen, musste sie aber grinsen. In diesem Moment lugte sein Gesicht hinter der Zeitung hervor und starrte Mia böse an.
Sie erschrak und zuckte zusammen. Schnell schaute sie aus dem Fenster.
Der Mann sah angsteinflößend aus.
Er war ganz bleich, wie es Vampire im Fernsehen waren.
Er hatte eine Glatze und eine schlimme lange Narbe zog sich durch sein Gesicht.
Der Kerl trug bei diesem Wetter einen ziemlich warmen schwarzen langen Mantel, mit hochgestelltem Kragen, der ihn fast vollständig verhüllte.
Daher kommt also der Spruch, wenn Blicke töten können, dachte Mia.
Der Kerl dachte vielleicht, Mia hätte ihn wegen seiner komischen Lesart ausgelacht, weil sie so grinsen musste. Aber sie hatte es doch gar nicht böse gemeint. Die Idee fand sie sogar lustig. Eine Zeitung über Kopf zu lesen, hatte sich insgeheim schon selbst vorgenommen.
Der Typ starrte sie drohend an, ohne kurz den Blick abschweifen zu lassen. Ihr lief es eiskalt den Rücken runter. Plötzlich verzog er sich wieder hinter seine Zeitung und ließ sich nicht mehr blicken. Mia war froh, als der Bus kurz darauf direkt vor ihrer Schule hielt. Draußen in der Sonne ging es ihr schlagartig besser. Sofort war alles vergessen. Sie atmete tief die herrlich saubere Luft ein und schritt schnell auf den Schuleingang zu.
Auf Trödeln hatte sie nun gar keine Lust mehr.
Nach der Schule verabredete sich Mia mit ihrem besten Freund Tom. Er war vor zwei Jahren in die Stadt gezogen und beide verstanden sich von Anfang an super. Sie waren inzwischen so gut wie unzertrennlich.
Heute verbrachten sie den Nachmittag mal wieder zusammen.
Wenn sie nicht am Strand, im Kino oder in der Eisdiele waren, spielten sie Detektiv oder Spion. Dies funktionierte folgendermaßen:
Mia und Tom gingen zu Plätzen, wo es vor Menschen nur so wimmelte. Zum Beispiel Supermärkte, die Strandpromenade oder die Innenstadt waren ideal.
Sie suchten sich dann eine interessante Person aus der Menge aus, der sie folgen wollten.
Wie im Film spionierten, verfolgten und beobachteten sie ihre Zielperson.
Das Ziel bei diesem Spiel war zu schätzen, um was für einen Menschen es sich handelte. Was er oder sie zum Beispiel arbeitete, welches Hobby die Person hatte und womit sie sich ihre Zeit vertrieb.
Natürlich ging es hauptsächlich darum, der ausgewählten Person zu folgen, ohne sich erwischen zu lassen.
In der Vergangenheit hatten Mia und Tom schon oft Menschen verfolgt und es waren wirklich interessante Zielpersonen dabei.
Einmal verfolgten sie einen Taschendieb und konnten der Oma ihre gestohlene Tasche sogar wiederbeschaffen.
Einer entpuppte sich als Schauspieler, ein anderer als Fußballspieler der 1. Bundesliga. Auch ihre Bio-Lehrerin Frau Tuna verfolgten sie einmal. Sie trafen sie durch Zufall in einem Einkaufszentrum.
Das Ergebnis dieser Verfolgung überraschte beide am meisten. So sehr, dass beide nie wieder ein Wort darüber verloren und immer erröteten, wenn sie im Unterricht von der Lehrerin aufgerufen wurden.
Es gab aber leider auch Tage, da schien alles schiefzulaufen.
Es passierte nichts Interessantes oder es waren nur trostlose Leute auf den Straßen. Vor zwei Tagen verfolgten sie einen alten Mann, der sich später nur Reinigungstabs für sein Gebiss in einer Drogerie gekauft hatte. Das war natürlich nicht sehr berauschend.
Aber Mia hatte das Gefühl, dass heute alles besser laufen würde. Auch Tom hatte wieder Lust auf einen kribbeligen Fall. Das Wetter war toll und sie hatten noch den ganzen Nachmittag vor sich.
Die Sommerferien würden auch bald anfangen, was ihre Laune noch mehr hob.
Mia bereitete sich zu Hause auf den Nachmittag vor. In ihrem Zimmer stand sie vor dem Spiegel und bändigte ihre Haare, indem sie sie mit einem Zopfgummi zusammenband.
Dann durchwühlte sie ihren Kleiderhaufen, der sich noch immer auf dem Fußboden befand. Sie holte eine kurze Hose, ein weites schwarzes T-Shirt und ihre blaues Baseball-Cap aus dem Plunderberg. Nachdem sie in ihre Sachen geschlüpft war, rückte sie ihr Cap auf dem Kopf zurecht und steckte ihren Zopf darunter.
Mia musterte sich im Spiegel. Sie sah total anders aus. Irgendwie wie ein Junge, dachte sie lächelnd.
Die weiten Klamotten und ihr langes Haar, versteckt unter dem Cap, verwandelten sie total.
Es fehlten nur noch ihre Adidas Sneakers.
So fühlte sie sich am wohlsten, wenn sie ihr Detektiv-Spiel mit Tom ausübte. Mia war wie getarnt, fühlte sich unscheinbar und konnte so viel besser wie ein echter Detektiv spionieren. Sie schnappte sich ihren Rucksack, in dem Taschenlampe, Seil, Klebeband und Fernglas lagen. Man konnte schließlich nie wissen, was man davon gebrauchen könnte. Kurze Zeit später holte sie Tom von zu Hause ab.
Er wohnte mit seinen Eltern in einem wohlhabenden Stadtbezirk. Viele hatten hier sogar ihren eigenen Pool im Garten. Toms Vater arbeitete als Kameramann beim Fernsehen. Sie drehten eine erfolgreiche Sendung in der Stadt. Deshalb zog Tom mit seiner Familie nach Quäkenböll an die Ostsee.
Dorthin, wo Mia schon seit ihrer Geburt zu Hause war.
Sie betrat die ruhige Seitenstraße, in der viele große Häuser standen. Das zweite Haus auf der rechten Straßenseite sah aus wie alle anderen in der Straße. Groß und weiß, mit einem schwarzen Dach. Die weißen großen Fenster reichten bis zum Boden.
Der einzige Unterschied war der riesige Rosengarten, der vor dem Haus wuchs.
Mia öffnete die weiße Gartenpforte, die keinen Ton von sich gab, und durchquerte langsam das Rosenparadies.
Die Rosen wuchsen wie ein Dach über den Vorgarten und bildeten eine Art Höhle.
Der Duft der vielen Rosen war einfach umwerfend.
Sie genoss es jedes Mal hindurchzugehen.
Mias Eltern hatten im Garten nur diese schrecklichen Zwerge stehen.
Nach ungefähr vier Metern endete das Rosendach, kurz vor der schneeweißen Hauswand. Sie schritt schnell die Treppenstufen zur Haustür hinauf. Als sie klingelte, öffnete Toms Vater schon nach ein paar Sekunden die Tür.
Wie auch immer er das geschafft hatte.
Denn in beiden Händen hielt er ein Tablett mit Gläsern und kalter, selbst gemachter Limonade.
„Hallo Mia, schön, dich mal wiederzusehen! Wie geht es dir denn? Komm doch rein, möchtest du eine frische Limonade?“
„Tommy!“, rief er die Treppe hinauf.
„Mia ist …“ Bevor er den Satz beenden konnte, war Tom ganz sportlich nach unten gesprintet und sprang die letzten fünf Treppenstufen mit einem Satz in den Flur.
„Hey Mia!“, sagte er tief Luft holend.
So sportlich war Tom leider doch nicht. Die Show sah gut aus, aber das war es dann auch schon.
Er war, wie Mia, 12 Jahre alt. Für sein Alter war er aber recht dünn und kurz geraten.
Tom hatte etwa die gleiche Größe wie gleichaltrige Mädchen. Damit überragte er Mia um fast einen Kopf. Er hatte blonde längere Haare und war ein Mathe-Genie. Was Mia leider bei ihren Mathe-Kenntnissen nie weiterhalf.
Seit Kurzem spielte Tom in seiner Freizeit Fußball, deshalb wurde seine Ausdauer langsam besser. Tom war bisher eher der musisch begabte. Seine Mutter hatte ihm von klein auf das Klavierspielen beigebracht. Er war wirklich gut und hatte sogar schon Preise gewonnen. Aber irgendwann beschloss er, dass er Abwechslung brauchte, und trat in einen Fußballverein ein.
Mia dagegen war topfit. Sie spielte schon seit ein paar Jahren regelmäßig Tennis.
Mia lächelte über ihren nach Luft ringenden Freund. „Marita würde dich bestimmt auch gerne begrüßen. Kommt doch noch kurz in den Garten, bevor ihr mal wieder loszieht“, schlug sein Vater vor.
Sie folgten ihm in den Garten. Toms Mutter Marita lag auf einer schönen großen gepolsterten Liege im Schatten mit einem großen Glas Limo in der Hand.
Marita erwartete ein Baby.
Sie sah überglücklich aus, fand Mia. Obwohl sie genau wusste, dass schwangere Mütter oft alles andere als glücklich waren.
Das machten die Hormone, das hatten sie schon in der Schule gelernt.
Doch diese Hormone schienen bei Toms Mutter gar nicht vorhanden zu sein.
Ihr ging es prächtig.
Sie strahlte über das ganze Gesicht.
„Hallo Mia, schön, dass du mal wieder vorbeikommst! Gut siehst du aus. Hätte dich ja mit deinem Outfit fast gar nicht erkannt!
Ist das heute deine Tarnung?“, lächelte sie verschmitzt.
„Ja, da fühle ich mich wohl drin!“, erklärte Mia.
Sie hatten ihren Eltern von ihrem Detektiv-Spiel erzählt.
Beide Eltern waren nicht begeistert, aber sofern die Kids nicht in die Privatsphäre der Leute eindrangen, verboten sie es ihnen nicht.
Da Mias Eltern den ganzen Tag arbeiteten und Toms Eltern wegen der Schwangerschaft beschäftigt waren, hatten Tom und Mia zurzeit noch mehr Freiheiten.
Ihre Eltern waren einfach sehr beschäftigt. Die Freunde konnten deshalb nahezu machen, was sie wollten.
„Sag mal, Mia, jetzt sind doch bald Ferien. Hast du nicht Lust, mit uns dreien und deinen Eltern die Ausstellung im Kloster zubesuchen?“, fragte Toms Mutter. Wir haben in den letzten Monaten so wenig Zeit für euch gehabt. Tom hat uns erzählt, dass ihr schon im Geschichtsunterricht über das Kloster gesprochen habt. Sie machen Führungen durch die alten Gemäuer. Sogar durch das Labyrinth“, sprach sie begeistert weiter.
