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Marcus Tullius Cicero

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Beschreibung

In seinem Werk 'Laelius de amicitia' widmet sich der renommierte römische Autor Marcus Tullius Cicero dem Thema Freundschaft und beleuchtet die Bedeutung, die sie in unserem Leben hat. Cicero präsentiert seine Gedanken in Form eines Dialogs zwischen Titus Pomponius Atticus, Gaius Fannius und dem Titelhelden Publius Cornelius Laelius. Durch diesen literarischen Ansatz gelingt es Cicero, komplexe philosophische Ideen auf eine leicht verständliche Weise zu präsentieren und den Leser in eine Welt der Tugend und ethischer Werte zu entführen. Mit seiner eleganten und prägnanten Schreibweise zeigt Cicero einmal mehr sein Talent als Meister der antiken Rhetorik und Philosophie. 'Laelius de amicitia' ist ein zeitloser Klassiker, der auch heute noch relevante Einsichten und Lehren über die Natur der Freundschaft liefert. Cicero, als einer der bedeutendsten Denker des antiken Rom, bringt seine umfassende Bildung und seine Beobachtungen über die menschliche Natur in dieses Werk ein. Seine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Freundschaft, Tugend und Moral spiegelt sein Streben nach einer idealen Gesellschaft wider. Leser, die an philosophischen Betrachtungen interessiert sind und sich für die moralischen Grundlagen menschlicher Beziehungen interessieren, werden in 'Laelius de amicitia' reichlich Stoff zum Nachdenken finden und von Ciceros klaren und inspirierenden Darlegungen profitieren. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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Marcus Tullius Cicero

Lälius oder von der Freundschaft - Laelius de amicitia

Bereicherte Ausgabe.
Einführung, Studien und Kommentare von Pia Jäger
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Lälius oder von der Freundschaft - Laelius de amicitia
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Freundschaft erweist ihre Wahrheit dort, wo Nutzen und Ruhm an ihre Grenzen stoßen. Marcus Tullius Ciceros Laelius oder von der Freundschaft entfaltet diese Einsicht als ruhige, klare Reflexion über ein Band, das Menschen durch Prüfungen, Schicksalsschläge und politische Erschütterungen trägt. Nicht als Predigt, sondern als Gespräch lässt das Werk seine Figuren die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Gefahren freundschaftlicher Bindungen sondieren. Die Grundspannung liegt zwischen persönlicher Zuneigung und öffentlicher Verantwortung, zwischen Nähe und Urteilskraft. So entsteht ein Text, der das Ideal nicht verklärt, sondern prüft: Welche Beziehungen verdienen Vertrauen, welche sind bloß nützlich, und wie erkennt man den Unterschied im entscheidenden Moment?

Der Autor, Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.), war Redner, Staatsmann und Philosoph der späten römischen Republik. Laelius de amicitia entstand um 44 v. Chr., einer Zeit tiefgreifender politischer Umbrüche. Cicero richtet das Werk an seinen Freund Titus Pomponius Atticus und reiht es in seine Reihe ethischer Schriften ein, die er in seinen letzten Lebensjahren verfasste. Diese späten Dialoge verbinden philosophische Reflexion mit praktischer Lebensweisheit. Laelius de amicitia gehört zusammen mit Cato maior de senectute zu den Texten, in denen Cicero römische Vorbilder sprechen lässt, um zeitlose Themen in einer exemplarischen, zugleich lebendigen Form darzustellen.

Die Handlungsszenerie ist knapp, aber bedeutungsvoll: Nach dem Tod des Scipio Aemilianus, eines herausragenden Feldherrn und Staatsmanns, bittet man Gaius Laelius, genannt Sapiens, um seine Gedanken zur Freundschaft. Laelius spricht darüber im Kreis seiner Schwiegersöhne Gaius Fannius und Quintus Mucius Scaevola. Cicero verlegt das Gespräch in die ruhige Nachzeit eines Verlustes und schafft so einen ernsthaften, zugleich vertrauten Ton. Der Tod des engen Freundes bildet den Anlass, nicht das Ziel: Aus der Trauer erwächst eine Prüfung des Begriffs Freundschaft, die keine Geschichte im eigentlichen Sinne erzählt, sondern einen Dialog über Maß, Pflicht, Vertrauen und Charakter.

Inhaltlich entfaltet das Werk schrittweise, was Freundschaft ausmacht und wovon sie sich abgrenzt. Es fragt nach der Rolle gemeinsamer Werte, nach Loyalität und der Grenze zwischen persönlicher Bindung und moralischer Urteilskraft. Es prüft, wie Nutzen und Vorteil Beziehungen verzerren können, welche Verantwortung Freunde füreinander tragen und warum Aufrichtigkeit ein Prüfstein ist. Die Argumentation bleibt konkret, ohne in Falllisten zu zerfallen: Beispiele aus dem römischen Leben illustrieren Grundsätze, die aus eigener Erfahrung plausibel sind. Dabei legt der Dialog Wert auf eine Haltung, die weder misstrauisch noch naiv ist, sondern standhaft, maßvoll und prüfend.

Laelius de amicitia gilt als Klassiker, weil es philosophische Gedanken mit literarischer Eleganz vereint. Cicero gestaltet ein römisches Gegenstück zu griechischen Vorlagen, insbesondere aristotelischen Überlegungen, und übersetzt sie in die Sprache römischer Sitten und Staatsmoral. Die Kunst des Periodensatzes, die feine Stufung der Argumente und das anschauliche Beispiel wirken zusammen. Der Dialog bietet keine scholastische Systematik, sondern eine humanistische Form des Nachdenkens, die Lehrbarkeit mit Lesbarkeit verbindet. Als Muster lateinischer Prosa und als Grundtext der Ethik hat das Werk Generationen von Lesern und Lernenden geprägt.

Sein literarischer Einfluss ist breit: Mittelalterliche und humanistische Schulen lasen den Text als Stil- und Moralmodell; Renaissance-Gelehrte nahmen Ciceros Begriffe der Freundschaft in ihre Briefe, Traktate und Gesprächsbücher auf. Humanisten wie Petrarca und Erasmus knüpften an cicero­nische Formen der Geselligkeit und des Briefwechsels an. Frühe neuzeitliche Essayisten, bis hin zu Montaigne, diskutierten Freundschaft in Auseinandersetzung mit antiken Quellen, zu denen Cicero wesentlich zählt. Auch in der politischen Morallehre und in bürgerlichen Tugendkatalogen der Neuzeit wirkt der Dialog fort, weil er persönliche Integrität untrennbar mit öffentlicher Verantwortung verknüpft.

Das Werk greift Themen auf, die die Grenze zwischen Ethik und Politik berühren: Wie weit darf Loyalität gehen, ohne die Gerechtigkeit zu gefährden? Welche Pflicht haben Freunde, einander die Wahrheit zu sagen? Wie unterscheidet man dauerhafte Verbundenheit von Zweckbeziehungen, die in der Krise versagen? Cicero zeigt, dass echte Freundschaft Tugend voraussetzt und dadurch selbst zu einer Schule der Tugend wird. Der Text plädiert für Standhaftigkeit und Offenheit, ohne Kälte zu predigen, und für Nähe, ohne Blindheit zu fördern. So entsteht ein Maßstab, der Beziehungen nicht romantisiert, sondern an Verantwortung misst.

Formal ist Laelius de amicitia als Dialog komponiert, doch sein Rhythmus ist meditativ. Die Figuren treten weniger als streitende Gegner, mehr als suchende Gesprächspartner auf. Cicero arbeitet mit Wiederaufnahme, Abwägung und präzisen Definitionen, die durch Beispiele geerdet werden. Die Wahl von Laelius und dem Kreis um Scipio macht das Thema exemplarisch: An einem moralisch respektierten Römer, der politisch erfahren ist, zeigt sich, was Freundschaft im Spannungsfeld von Privatem und Öffentlichem bedeutet. Die Form der Darstellung macht das Werk zugleich lehrbar, zitierfähig und ansprechend für konzentriertes, langsames Lesen.

Zum Entstehungskontext gehört, dass Cicero in den Jahren vor 44 v. Chr. nach politischen und persönlichen Erschütterungen verstärkt philosophisch schrieb. Er suchte Formen, mit denen er römische Lebenskunst, griechische Theorie und eigene Erfahrung verbinden konnte. Laelius de amicitia steht in dieser Linie: ein Werk, das das Ethos der römischen Führungsschicht beschwört und zugleich für allgemeine Lebensführung lesbar bleibt. Der Text ist vollständig überliefert und in viele Sprachen übertragen worden. Seit der Antike dient er als Lehrbuch der Freundschaft und als Beispiel einer prosa­ischen Klarheit, die argumentiert, ohne zu überreden.

Eine knappe Zusammenfassung ohne vorwegnehmende Folgerungen lässt sich so geben: Ein erfahrener Staatsmann, von der Erinnerung an einen verstorbenen Freund bewegt, wird von nahestehenden jüngeren Männern gebeten, über das Wesen der Freundschaft zu sprechen. Er nimmt den Faden auf, nennt Voraussetzungen, prüft Gegenargumente und illustriert seine Gedanken mit römischen Beispielen. Das Gespräch bleibt persönlich gebunden, strebt aber nach allgemeinen Maßstäben. Was daraus folgt, erschließt sich im Verlauf der Überlegungen; die Sorgfalt der Argumentation ist wichtiger als spektakuläre Thesen. So trägt die Form den Inhalt: Freundschaft wächst durch Prüfung und Zeit.

Heute ist das Buch aktuell, weil es hinter die Verführung schneller Kontakte blickt. In einer Welt von Netzwerken, beruflichen Allianzen und digitalen Bekanntschaften fragt es nach dem Kern verlässlicher Beziehungen: geteilte Werte, gegenseitige Verpflichtung, die Bereitschaft zur ehrlichen Rückmeldung und die Fähigkeit, Maß zu halten. Es hilft, Erwartungen zu klären, Grenzen zu ziehen und Loyalität von Abhängigkeit zu unterscheiden. Für Führung, Teamarbeit, bürgerschaftliches Engagement und persönliche Lebenskunst bietet der Text Maßstäbe, die nüchtern und menschenfreundlich zugleich sind. Gerade darin liegt seine Modernität, fern von Sentiment und Zynismus.

Die zeitlosen Qualitäten des Werks sind Klarheit, Maß und moralische Ernsthaftigkeit. Cicero verbindet Erfahrung mit Vernunft, Tradition mit Prüfgeist, Beispiel mit Begriff. Laelius de amicitia ist ein Klassiker, weil es das Selbstverständliche nicht selbstverständlich nimmt: Es lässt uns genauer hinsehen, was Freundschaft fordert und gewährt. Dass die Gedanken in einer ruhigen, gut gebauten Prosa erscheinen, macht sie dauerhaft zugänglich. Wer dieses Buch liest, gewinnt keine Rezeptliste, sondern ein Gespräch, das weitergeht. Deshalb bleibt das Werk gegenwärtig: Es schärft Urteilskraft, stärkt Vertrauen und lädt dazu ein, Freundschaft als Aufgabe zu verstehen.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Marcus Tullius Ciceros Laelius oder Von der Freundschaft ist ein philosophischer Dialog über Wesen, Voraussetzungen und Bedeutung der Freundschaft. Das Werk ist in literarischer Form an T. Pomponius Atticus gerichtet und stellt eine Unterredung vor, die der Jurist Q. Mucius Scaevola aus seiner Jugend erinnert. Im Mittelpunkt steht Gaius Laelius, genannt der Weise, der nach dem Tod seines engen Gefährten Scipio Aemilianus um die Natur wahrer Freundschaft befragt wird. Cicero nutzt die römische Dialogtradition, um grundsätzliche Überlegungen zu Pflicht, Tugend und Gemeinschaft zu entfalten und diese an einem exemplarischen Lebensmodell zu veranschaulichen, ohne sich auf theoretische Abstraktion zu beschränken.

Der Ausgangspunkt ist die Trauer Laelius’ um Scipio. Die Gesprächspartner Gaius Fannius und Scaevola lenken das Thema von der persönlichen Betroffenheit auf allgemeine Einsichten. Laelius betont, dass echte Freundschaft nicht auf Zufall oder Nutzen beruht, sondern auf Charakterfestigkeit und moralischer Übereinstimmung. Aus der Erfahrung des Verlusts erwächst die Frage, was eine Bindung verlässlich macht und wie sie menschliches Handeln leitet. Der Dialog klärt zunächst die Begriffsebene und grenzt Freundschaft von bloßer Bekanntschaft, Sympathie und zweckgerichteten Allianzen ab, um dann die Anforderungen zu bestimmen, die Menschen einander schulden.

Eine zentrale Linie ist die Bestimmung, worin Freundschaft besteht. Sie wird als dauerhafte Verbundenheit beschrieben, die aus gegenseitiger Wohlgesinntheit, Vertrauen und sittlicher Gleichgesinntheit lebt. Entscheidendes Merkmal ist Verlässlichkeit in Glück und Unglück, verbunden mit dem Willen, dem anderen um seiner selbst willen zu dienen. Zufällige Vorteile mögen entstehen, doch sie sind nicht Grund, sondern Begleiterscheinung. Freundschaft verlangt moralische Integrität beider Seiten; wo Charakter und Maß fehlen, kippt Nähe in Abhängigkeit oder Berechnung. So grenzt der Text echte Freundschaft gegen Opportunismus, Schmeichelei und kurzlebige Zweckbeziehungen ab.

Ausführlich behandelt der Dialog die Entstehung von Freundschaft. Laelius führt sie auf natürliche Affinität zurück, die sich an Tugend und ähnlicher Lebensführung entzündet. Bewunderung für ein vorbildliches Wesen kann der Anfang sein, doch Beständigkeit zeigt sich erst im Bewährungsfall. Verwandtschaft oder gemeinsame Herkunft begünstigen Nähe, garantieren sie aber nicht. Entscheidend ist die Übereinstimmung in Grundsätzen und die Bereitschaft, die eigenen Neigungen dem Guten unterzuordnen. So wird Freundschaft als moralische Wahl präsentiert: Sie wächst aus freiem Entschluss und wird durch Einsicht vertieft, statt durch äußeren Nutzen oder Zwang zusammengehalten zu werden.

Im praktischen Teil schildert Laelius die Früchte und Pflichten von Freundschaft. Sie bietet Rat in schwierigen Entscheidungen, Schutz vor Willkür, Erweiterung der eigenen Perspektive und eine Schule der Tugend. Freunde stärken Mut und Maß, ohne das Gewissen zu verdrängen. Aus dieser Nähe entstehen Verpflichtungen: sich zu unterstützen, Geheimnisse zu wahren, offen zu sprechen und Verlässlichkeit zu wahren. Doch es gibt Ordnung und Rang: Nicht jedes Begehren des Freundes ist bindend, und nicht jede Hilfe ist geboten. Freundschaft wird zur Erweiterung der Selbstsorge, nicht zu ihrer Aufhebung.

Konflikte und Grenzen sind ein weiterer Schwerpunkt. Laelius unterscheidet zwischen Loyalität und Mitwisserschaft am Unrecht. Ein Freund darf keine Handlungen verlangen, die Recht und Sitte verletzen; die Pflicht zur Aufrichtigkeit schließt die Pflicht zur Ermahnung ein. Sanfte, aber klare Kritik gehört zur Pflege der Freundschaft, weil sie den moralischen Kern schützt. Bricht jemand grundlegend mit der Tugend, kann Distanz geboten sein. So wird das Ideal gegen Missbrauch immunisiert: Freundschaft stützt, korrigiert und fordert, statt blind zu decken. Loyalität zeigt sich in Treue zur Wahrheit und zum Wohl des Freundes, nicht im Vertuschen von Fehlern.

Der Dialog weitet den Blick auf das öffentliche Leben. In der römischen res publica verbindet Freundschaft private Bindung und Bürgersinn. Laelius warnt vor der Verwechslung von Freundschaft mit Parteiung und Patronage, die Gemeinwohl und Gerechtigkeit untergraben können. Echte Freunde helfen einander, ehrenhaft zu handeln, statt Macht um jeden Preis zu sichern. Auswahl und Prüfung der Charaktere sind daher zentral, besonders bei politischem Einfluss. Der Text zeigt, wie persönliche Integrität politische Stabilität stützt und wie gefährlich Schmeichelei, Ehrgeiz und Abhängigkeiten für die Freiheit sind. Freundschaft erscheint als moralische Ressource des Gemeinwesens.

Aus der Theorie folgen praktische Empfehlungen. Vertrauensbildung soll schrittweise erfolgen, damit Verlässlichkeit erkennbar wird. Beständigkeit zeigt sich im Umgang mit wechselndem Glück; angemessene Erwartung verhindert Enttäuschung. Unterschiede in Rang oder Vermögen lassen sich durch wechselseitigen Respekt ausgleichen, wenn beide Seiten Maß halten. Großzügigkeit braucht Gegenseitigkeit, nicht Gleichheit im strengen Sinn. Wer zu viele Bindungen eingeht, verwässert Verbindlichkeit; wer zu wenige pflegt, verarmt ethisch. Schließlich hängt die Dauer einer Freundschaft an der fortgesetzten Pflege der Tugend und an einer Kommunikation, die offen, aber nicht verletzend ist.

Zum Abschluss verbindet Cicero das exemplarische Leben des Laelius mit allgemeiner Lebensklugheit. Die Erinnerung an Scipio wird zur Schule des Maßes: Trauer wird in Einsicht verwandelt, persönliche Erfahrung in allgemein gültige Norm. So schlägt der Text eine Brücke zwischen individueller Verbundenheit und öffentlicher Verantwortung. Seine nachhaltige Botschaft lautet, dass Freundschaft nur auf der Grundlage von Tugend, Wahrhaftigkeit und wechselseitiger Verlässlichkeit gedeiht und Menschen wie Gemeinwesen stärkt. Damit bleibt das Werk über seinen historischen Kontext hinaus relevant: als Maßstab, an dem sich private Loyalitäten und politisches Handeln prüfen lassen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Laelius de amicitia entsteht im späten 1. Jahrhundert v. Chr., als Rom noch Republik ist, aber von inneren Krisen erschüttert wird. Politische Autorität liegt formal beim Senat und den Magistraturen, doch außerordentliche Kommanden und persönliche Loyalitäten haben an Gewicht gewonnen. Volksversammlungen, Priesterkollegien und Gerichte strukturieren das öffentliche Leben. Rom ist Zentrum eines ausgedehnten Mittelmeerreiches, dessen Expansion neue Reichtümer, Spannungen und kulturelle Einflüsse bringt. In diesem Umfeld werden Begriffe wie fides, officium und virtus zu Schlüsselwörtern politischer Legitimation. Ciceros Dialog über Freundschaft reflektiert diese Ordnungen, indem er private Bindungen als Fundament öffentlichen Handelns verhandelt.

Cicero, 63 v. Chr. Konsul und als Retter der Republik gefeiert, ist nach Caesars Sieg 46–45 v. Chr. politisch geschwächt. Er zieht sich zeitweise aus der aktiven Politik zurück und wendet sich philosophischen Schriften zu. Diese Phase produktiven otium fällt mit persönlichen Erschütterungen zusammen, darunter der Tod seiner Tochter Tullia 45 v. Chr. Sein Schreiben zielt nun stärker auf moralische Orientierung und geistige Selbstvergewisserung. In Abwesenheit stabiler Institutionen sucht Cicero in Philosophie und römischer Tradition Maßstäbe, die über den Tag hinaus tragen. De amicitia gehört zu diesen Werken, die praktische Lebensführung mit politischer Ethik verbinden.

Laelius de amicitia wird gewöhnlich in die Jahre um 44 v. Chr. datiert. Der Text ist als Dialog konstruiert, aber zugleich historisch gerahmt: Cicero lässt Quintus Mucius Scaevola, den Augur, eine älteren Gesprächsrunde erinnern, in der Gaius Laelius kurz nach dem Tod seines Freundes Scipio Aemilianus über Freundschaft spricht. Die Vorrede richtet sich an Atticus, Ciceros langjährigen Vertrauten, und markiert das Thema als zugleich philosophisch und biografisch relevant. Indem die Handlung in die Generation vor Cicero verlegt wird, können zeitlose Normen diskutiert und zugleich aktuelle Brüche diskret kommentiert werden.

Gaius Laelius, in der Tradition als sapiens bezeichnet, und Scipio Aemilianus, Sieger über Karthago und Numantia, verkörpern den römischen Hochadel des 2. Jahrhunderts v. Chr. Um Scipio formierte sich ein lockerer Kreis gebildeter Aristokraten, die griechische Philosophie, Literatur und Geschichtsschreibung pflegten. Der Stoiker Panaetius von Rhodos beeinflusste diesen Kreis nachhaltig, indem er Pflichtenlehre und Tugendethik mit römischem Amtsverständnis vermittelte. Cicero knüpft an diese Konstellation an: Laelius’ Autorität speist sich aus gelebter Politik und reflektierter Bildung, Scipios Tod liefert den Anlass, persönliche und öffentliche Maßstäbe von amicitia zu prüfen.

Im politischen Alltag der Republik bezeichnet amicitia nicht nur persönliche Zuneigung, sondern auch verlässliche Bündnisse zwischen Familien, Wahlunterstützung, gemeinsame Prozesse vor Gericht und wirtschaftliche Kooperation. Patronage und Klientelbindungen strukturieren den Zugang zu Ressourcen. Cicero kennt diese instrumentelle Seite und grenzt sie im Dialog gegen eine auf Tugend gegründete Freundschaft ab. Sein Laelius behauptet, wahre Freundschaft entspringe moralischer Übereinstimmung und beständiger Treue, nicht bloßem Nutzen. Damit spiegelt der Text realpolitische Praktiken, formuliert jedoch ein korrigierendes Ideal: nur charakterfeste Beziehungen können den Staat stabilisieren, weil sie Willkür und Opportunismus zügeln.

Die Bürgerkriege des 1. Jahrhunderts v. Chr. – von Sullas Diktatur bis zum Konflikt zwischen Caesar und Pompeius – haben Solidaritäten zerrieben. Proskriptionen, Konfiskationen und Lagerwechsel unterminieren Vertrauen. Ciceros eigener Lebensweg, geprägt von Bündnissen, Brüchen und gefährdetem Ansehen, liefert die Erfahrungslage, vor der De amicitia entstanden ist. Der Dialog reagiert darauf, indem er die Frage stellt, ob in Zeiten politischer Not Freundschaft Bestand haben kann. Die Antwort insistiert auf Tugend als Bindemittel: Nur Rechtschaffenheit ermöglicht Loyalität, die nicht mit wechselnden Mehrheiten kippt.

Die Ermordung Caesars im März 44 v. Chr. verschärft die Unsicherheit. Zwischen Senat, Heereskommandeuren und aufstrebenden Führern werden neue Loyalitäten ausgehandelt; kurz darauf bildet sich das Zweite Triumvirat (43 v. Chr.). Cicero engagiert sich mit den Philippischen Reden gegen Marcus Antonius und riskiert dabei sein Leben. Auch wenn De amicitia keine Tagespolitik verhandelt, ist die Atmosphäre der Gefährdung präsent: Freundschaft wird zur moralischen Ressource, mit der Cicero eine Ethik der Standhaftigkeit behauptet. Das idealisierte Gespräch der Vorfahren bietet Orientierungswissen, wo positive Gesetze und Ämter ihre Autorität verlieren.